Von Splittern und Balken im Auge

20. Oktober 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Was die Bibel zu unserem Sehorgan sagt

Auge um Auge, Zahn um Zahn« – das Bibelzitat wirkt zunächst grausam. Ist es eine Aufforderung, Gewalt mit Gegengewalt zu vergelten? Ursprünglich sollte dieser Spruch die Gewalt eindämmen. Erlittenes Unrecht sollte nur durch eine gleich schwere Bestrafung des Gegners vergolten werden. Es sollten keine noch grausameren Taten begangen werden: »Wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun.« Jesus ging einen Schritt weiter. Er forderte dazu auf, überhaupt nicht zurückzuschlagen. Konnte der Gegner so vielleicht zum Nachdenken bewegt werden? »Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn.‹ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.« (3. Mose 24,20, Matthäus 5,38f.)

Die Fehler anderer fallen einem schnell auf. Die manchmal viel größeren eigenen Schwächen übersieht man lieber. Das wusste auch Jesus und fragte: »Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.« Was also tun? »Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines ­Bruders Auge ziehst«, rät Jesus. (Matthäus 7,3-5)

Begehrlichkeiten werden oft durch das geweckt, was wir mit den Augen sehen. Jesus schlägt eine radikal ­klingende Lösung vor, um von den Versuchungen loszukommen. »Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.« Auch für diejenigen, die sich nicht gleich die Augen ausreißen wollen, gilt also: Wehret den Anfängen. (Matthäus 5,29)

Bildnachweis: rangizzz-Fotolia.com

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»Wer ein gütiges Auge hat, wird gesegnet; denn er gibt von seinem Brot den Armen.« Seine Augen nicht zu verschließen, kann Auswirkungen auf das eigene Wohl haben. Das wusste auch Jesus: »Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.« (Sprüche 22,9, Matthäus 6,22)

Die schönen Augen seiner Freundin Sulamith bringen Salomo zum Schwärmen: »Siehe, meine Freundin, du bist schön; schön bist du, deine Augen sind wie Taubenaugen.« Verliebt gesteht er ihr, wie sehr sie ihn ­bezaubert: »Du hast mir das Herz ­genommen, meine Schwester, liebe Braut, du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen Blick deiner Augen.« Ihre Augen betören ihn so, dass er nicht mehr klar denken kann: »Wende deine Augen von mir, denn sie verwirren mich.« Kurz darauf schwärmt er weiter: »Dein Hals ist wie ein Turm von Elfenbein. Deine Augen sind wie die Teiche von Heschbon.« (Hoheslied 1,15)

»Der Herr ist in seinem heiligen Tempel, des Herrn Thron ist im Himmel. Seine Augen sehen herab, seine Blicke prüfen die Menschenkinder«, meint ein Psalmbeter. Augen wie Menschen und Tiere hat Gott sicher nicht. Irgendwie muss er aber mitbekommen, was auf seiner Erde vor sich geht. Die Bibel betont: »Die Augen des Herrn sind an allen Orten, sie schauen auf Böse und Gute.« (1. Mose 6,11, Sprüche 15,3, Psalm 11,4, 2. Chronik 16,9)

Die Sprüche Salomos empfehlen, die Augen immer offenzuhalten: »Lass deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein«, lautet seine Mahnung. Mancher bindet sich durch Versprechen an andere. Dann solle man nicht die Augen verschließen und untertauchen, rät die Bibel. Man solle sich aus der Verpflichtung befreien: »Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten! Lass deine Augen nicht schlafen noch dei­ne Augenlider schlummern.« (Sprü­che 4,25, 6,4)

Uwe Birnstein