Hofjagd vor Schloss Hartenfels

17. März 2015 von Gemeinsame Redaktion  
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In Torgau stattete Cranach mit Gehilfen ein spektakuläres Hochzeitsfest aus


In diesem Jahr würdigt die Lutherdekade unter dem Motto »Bild und Bibel« den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren. Die Kirchenzeitung nimmt das Cranachjahr zum Anlass, in einer Beitragsserie mit der Malerdynastie verbundene Orte vorzustellen. Diesmal Torgau.

Im November 1513 erlebte die Stadt an der Elbe ein Familien-Spektakel von einzigartigem Ausmaß: Die Hochzeit des späteren Kurfürsten Herzog Johann mit Margarete von Anhalt. Dass von den Gastgebern in jenen Tagen allein 3 265 fremde Pferde versorgt werden mussten, lässt die Dimension des Zeremoniells erkennen. Und natürlich wurde der Hauptort des Geschehens, das Torgauer Schloss Hartenfels, für diesen Anlass besonders ausstaffiert. Hauptauftragnehmer für diese Leistungen war Hofmaler Lucas Cranach mit seiner Wittenberger Werkstatt. Rechnungen und andere Belege gewähren Einblicke in das aufwendige, aber auch besonders einträgliche Geschäft. Um das »furstlich eheliche Beilager zu Torgaw« und dessen Rahmenprogramm, wie wir heute sagen würden, in punkto Zeit und Qualität realisieren zu können, hatte sich Werkstattchef Lucas sieben Gesellen und einige Lehrlinge zur Verstärkung geholt. In das im engeren Sinne Künstlerische reichten vermutlich die in Rechnungen als »tebicht« bezeichneten Werke.

»Hofjagd in Torgau zu Ehren Karls V.«, Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren. Foto: Archiv für Kunst und Geschichte

»Hofjagd in Torgau zu Ehren Karls V.«, Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren. Foto: Archiv für Kunst und Geschichte

Anstelle von raumschmückenden gewirkten Teppichen waren dies auf Tuch gemalte Bilder für die Wände der »stuben do die fursten an der Hochzceyt gesessen«. In Rechnung stellte er auch »gemelde … in den gemachen und kirchen«, die nicht näher bezeichnet werden. Überkommen ist von alledem nichts. Auch nicht das von Cranach bemalte Brautbett, von dem in dem offiziellen Hochzeitslied zu hören war.

Aufstieg Torgaus zur bevorzugten Residenz

Mit der zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht auf dem Landtag zu Leipzig am 17. Juni 1485 verabredeten Trennung des Hauses Wettin in die Linien der Ernestiner und der Albertiner waren auf der Landkarte des Deutschen Reiches zwei neue Territorialstaaten einzuzeichnen. Torgau, die kursächsische Hauptresidenz der ernestinischen Linie der Wettiner, erlebte eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Hoch-Zeit. Die Stadt wurde zum wohl wichtigsten politischen Zentrum der evangelischen Bewegung.

Eine erneute grundlegende Änderung der Machtkonstellation im Reich brachte der mit der Schlacht von Mühlberg an der Elbe (bei Torgau) im April 1547 beendete Schmalkaldische Krieg. Einen Monat danach besiegelte die Wittenberger Kapitulation, dass der vom Kaiser gefangen genommene Johann Friedrich, Kurkreis und Kurwürde an seinen Vetter Moritz von Sachsen abgeben musste, der sich in der Schlacht mit den Kaiserlichen verbündet hatte.

Der Aufstieg Torgaus zu einer bevorzugten Residenz spiegelt sich in der großzügigen, bis in die Gegenwart fast vollständig erhaltenen Renaissancebebauung der Altstadt wider. Einen der interessantesten Blicke auf die Stadt gewährt ein Standort von Norden über die Elbe. Die von hier zu betrachtende Silhouette war so schon im 16. Jahrhundert erlebbar: Wie auf einer Perlenschnur reihen sich zwischen Marienkirche und Schloss zahlreiche repräsentative Bauwerke aneinander. Das hat offenbar auch den alten Lucas Cranach beeindruckt. Ganz im Sinne fürstlichen Repräsentationsbedürfnisses wird das von ihm 1544 geschaffene Gemälde »Hofjagd zu Ehren Kaiser Karls V. vor Schloss Hartenfels« im Bildhorizont vom Schloss Hartenfels gekrönt.

Heinz Stade