Der Himmel – ein Stück offen
8. November 2011 von Gemeinsame Redaktion
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Wie Menschen zum Glauben kommen – zum Beispiel Stefan Endter aus Rauenstein in Südthüringen

Stefan Endter Foto: Sabine Kuschel.
Der 2. Oktober 2010 ist für Stefan Endter (23) ein besonderer Tag. Er wird dieses Datum nicht vergessen, denn es markiert den Beginn seiner Beziehung zu Gott und damit eines Wandels zu einem neuen Leben. Als Endter an jenem Herbstabend in der Erfurter Lorenzkirche sitzt, kommt ihm der Gedanke, dass der Glaube an Gott möglicherweise Ruhe und inneren Frieden geben kann. Das ist es, wonach er sich sehnt. »Ich wollte meinen inneren Frieden finden.« Zufall oder Fügung, dass sein Weg an diesem Abend in eine Kirche führt?
Endter hat nicht unbedingt die Absicht, dorthin zu gehen. Gemeinsam mit seinem Bruder ist er nach einem Restaurantbesuch auf dem Heimweg. Sie kommen an der Lorenzkirche vorbei, wo Jugendliche ein Nightfever veranstalten. Die beiden Männer lassen sich einladen, wie alle anderen Jugendlichen entzünden sie in der Kirche Kerzen und bringen sie zum Altar.
Endter ist zu diesem Zeitpunkt wie er sagt seelisch in einer Tiefphase. Düstere, destruktive Gedanken quälen ihn. »Ich kam mir vor wie ein kleines unbedeutendes Zahnrad.« Hat sein Leben überhaupt einen Sinn? Wird der Tod nicht alles auslöschen? Die Erde, das Universum – würde nicht eines Tages die Welt sowieso untergehen? Solche Fragen und Zweifel beschäftigen ihn.
Angerührt von der Musik spürt er in der Kirche beim Anblick der Kerzen und der betenden jungen Menschen die engen Grenzen seiner Weltanschauung. Er hat sich ein Weltbild entworfen, in das nur Leistung und Fortschritt passen.
Wenn er heute an seine damalige Lebenseinstellung zurückdenkt, kommt sie ihm hart und kalt vor. Sie hat ihn unglücklich gemacht und in eine tiefe Krise gestürzt. In der Kirche öffnet sich an jenem Oktoberabend für ihn der Himmel ein Stück, ein neuer Horizont leuchtet auf. Beeindruckt von der Stimmung und der Musik verlässt er das Gotteshaus mit einem Vers im Gedächtnis: »Behüte mich Gott, denn ich komme zu dir, behüte mich Gott, denn ich vertraue dir.«
In seiner Erfurter Studentenwohnung angekommen, sucht er im Internet nach christlichen Liedern. In der folgenden Woche geht er wieder in die Lorenzkirche zum Friedensgebet, am nächsten Sonntag in Rauenstein, seiner Südthüringer Heimat, zum Gottesdienst. Er will zur Kirche gehören. »Am liebsten hätte ich mich gleich im nächsten Gottesdienst taufen lassen.« Doch er wartet noch, um sicher zu sein, dass er keiner fixen Idee verfallen ist. Er sammelt Informationen über das Christentum, liest christliche Bücher und die Bibel. Manche Bibelverse lassen ihn nicht mehr los. Zum Beispiel der: »Denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.« (Matthäus 23,8)
»Diese Aussage befreite mich von meinem krankhaften Drang, ständig als der Schlauste dazustehen und die besten Klausurnoten vorweisen zu müssen. Ich betrachtete die Menschen nicht mehr bloß als Werkzeuge des Fortschritts.« Hat er bisher seine Mitmenschen nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt, fängt er jetzt an, sie als Geschöpfe Gottes zu sehen. »Mit der Zeit wurde meine Sicht immer menschlicher.«
Die christlichen Werte und Ansichten beeindrucken ihn. Der Gedanke, dass es bei Gott nicht auf Anerkennung, Geld und Stärke ankommt, sondern der Mensch mit seinen Ecken und Kanten angenommen wird, gefällt ihm.
Davon will er sich leiten lassen, sein altes Weltbild über Bord werfen und sein Leben umkrempeln. Zweifel hat er, ob in seinem zukünftigen Beruf christliche Ideale Platz haben würden. Stefan Endter studiert Business Administration, Vertiefungsrichtung Rechnungswesen an der Fachhochschule Erfurt. Danach kann er in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung oder Buchhaltung arbeiten, Bereiche also, in denen es um Geld geht.
Er ist unsicher, ob die Beschäftigung mit dem Mammon, wie er sagt, vereinbar sei mit dem Christentum. Doch nach einem Gespräch mit einem Pfarrer kann er seine Zweifel beiseitelegen und kommt zu dem Schluss, dass es gut sei, Rechnungswesen zu studieren. »Es wird zwar sehr aufs Geld geschaut, aber auch in diesem Beruf kann man versuchen, christliche Wertvorstellungen durchzusetzen.«
Er macht sich viele Gedanken über Gott und die Bibel, stellt Fragen, zweifelt. Mit manchen Vorurteilen und Unsicherheiten schließt er ab – Zeit sich taufen zu lassen. Am Ostersonntag ist es soweit. Ein Ereignis, an das er sich mit großer Freude erinnert. Die Familie und Freunde begleiten ihn zum Gottesdienst. Nach der Taufe gibt es ein gemeinsames Festmahl und eine schöne Wanderung durch eine idyllische Landschaft.
»Die Taufe wurde durch ein wunderschönes Naturerlebnis abgerundet. Das Tal war so herrlich, wie ich mich fühlte. Endlich war ich getauft.«
Sabine Kuschel
»Du, Herr, bist der Schild für mich«
21. Januar 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Wie Menschen zum Glauben kommen – zum Beispiel Soldatin Caroline Wegener

Die Offiziersanwärterin Caroline Wegener ließ sich in der Militärkirche Neubiberg taufen. (Foto: epd-bild)
Junge Männer in Anzügen, Frauen in schicken Kleidern sitzen erwartungsvoll in den Bänken. Eine festliche Gemeinde. In der ersten Reihe sitzt eine junge Frau ganz in weiß: Caroline Wegener trägt ihr Taufkleid mit Stolz und mit Freude. Es ist ihr Abend.
Heute wird die 21-jährige Soldatin getauft.
»Ihre Taufe soll ein Fest sein. Alle sind wegen Ihnen hier«, sagt Pfarrerin Barbara Hepp bei der Begrüßung. Caroline Wegener dreht sich um und lacht in die Runde. In der evangelischen Gemeinde der Universität der Bundeswehr hat sie einen Glaubenskurs gemacht und dann entschieden, sich taufen zu lassen. »Ich wollte mich öffentlich bekennen. Ich schäme mich meines Glaubens nicht«, sagt die junge Frau.
Wenn sie erzählt, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Von ihrer Kindheit in Leipzig, wo ihr Vater nichts mit der Kirche zu tun haben wollte. Von der Jugendweihe. Von den ersten Kontakten mit der Theatergruppe der evangelischen Jugend. Den positiven Erfahrungen mit der christlichen Gemeinde an der Unikirche Neubiberg.
»Es gibt Gott in meinem Leben – das wusste ich so nicht«, stellt sie fast ungläubig fest. Jetzt ist sie ein wenig nachdenklich geworden. Aber nur kurz. Dann sprudelt es weiter. »Ich hatte so viele Fragen: Wie kann eine Jungfrau ein Kind bekommen? Wie kann Gott sterben? Macht er sich damit nicht lächerlich?« Unbefangen und neugierig geht sie auf alles zu.
Die junge Gemeinde an der Unikirche der Bundeswehrhochschule hat Caroline Wegener herzlich aufgenommen. Mit all ihren Fragen. Seit Beginn ihres Studiums der Staats- und Sozialwissenschaften im Jahr 2008 teilt sie die Stube mit Claudia Neben. Die hat sie mitgenommen zum Mittwochsgebet, zur Taizé-Andacht, mit ihr hat sie den Glaubenskurs gemacht, den die evangelische Gemeinde an der Unikirche organisiert hat. »Wir wollten einfach die Grundlagen vermitteln«, erzählt Claudia Neben.
Einige Antworten hat ihre Freundin Caroline dort gefunden: Bei der Jungfrau handele es sich wohl um eine junge Frau; allein die Sache mit der Dreieinigkeit bleibt rätselhaft. Aber in der evangelischen Kirche sei es ja wohl so, dass man nicht alles glauben müsse, sondern selbst fragen solle, meint die junge Soldatin. Und die evangelische Freiheit gefällt ihr: »Ich bin völlig frei, auch hier in der Gemeinde. Es wird nicht erwartet, dass ich jetzt gleich ein fertiger Christ bin«, lacht sie. Die beiden Soldatinnen sind Freundinnen geworden und heute ist Claudia die Taufpatin von Caroline.
»Normalerweise haben ja nur Kinder einen Paten. Aber wieso sollte ein erwachsener Mensch nicht auch jemand haben, mit dem er über Glaubensfragen reden kann?«, sagt die Patin. Sie hat ihrem »Patenkind« eine Taufkerze gebastelt. Darauf ein Schiff, denn Caroline Wegener ist bei der Marine und wird in diesem Jahr ihre Ausbildung als Leutnant zur See abschließen.
Die beiden Soldatinnen stehen am Taufbecken, das mit frischem Efeu geschmückt ist. Caroline beugt sich ein wenig und die Pfarrerin gießt ihr dreimal Wasser über den Kopf. Die Gemeinde ist ganz still.
Caroline strahlt über ihr Mädchengesicht. Wie jeder Täufling hat auch sie einen Taufspruch. Nächtelang hat sie mit einem Freund – einem Atheisten, wie sie betont – die Bibel gewälzt.
Die Pfarrerin hat sie gefragt, wie denn ihr Gottesbild sei. »Es sollte von einem gnädigen Gott die Rede sein und es sollte etwas mit meinem Beruf zu tun haben«, sagt Caroline Wegener. Und so wurde es ein Psalm: »Aber du, Herr, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor.«
»Als Soldatin müssen Sie Schild sein für sich und für andere. Gut, dass hier in dem Bibelwort davon die Rede ist, dass Gott für uns Menschen ein Schild sein will und wir nicht alles allein machen müssen«, sagt Pfarrerin Hepp in der Predigt.
Die Offiziersanwärterin ist sich bewusst, dass sie eines Tages vielleicht in einem Kriegsgebiet eingesetzt werden kann. Es ist ihr klar, dass ihr Beruf gefährlich ist. »Als Frau kann man ein halbes Jahr auf Probe bei der Bundeswehr sein«, sagt sie. »Ich habe gewusst, dass ich das machen will.«
Sie will Schild und Schutz sein für andere und sie will sich beschützt wissen durch Gott, durch ihren Glauben.
Sandra Zeidler (epd)
»Ich bin ein neuer Mensch geworden«
30. Dezember 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Wie Menschen zum Glauben kommen – zum Beispiel Kerstin Härtel aus Leipzig

Vor mehr als einem Jahr ließ Kerstin Härtel sich taufen. (Foto: Sabine Kuschel)
Ein neuer Mensch werden! Für das Neugeborenwerden des Menschen gibt es ein uraltes Ritual: das vollständige Unterwassertauchen bei der Taufe, das vornehmlich in Freikirchen praktiziert wird. Vor einiger Zeit hat Kerstin Härtel eine Fernsehsendung unter anderem über diese Taufpraxis gesehen und ist davon beeindruckt. »Weil man beim Untertauchen das Sterben des bisherigen Menschen bewusster erlebt.« Die 49-jährige Mutter eines erwachsenen Sohnes ließ sich vor reichlich einem Jahr, im Dezember 2009, nach einem Glaubenskurs in Leipzig taufen. Sie bedauert etwas, dass sie bei ihrer Taufe dieses Neuwerden beim Auftauchen aus dem Wasser nicht so bewusst erleben konnte. Dennoch: »Ich bin ein neuer Mensch geworden«, betont sie.
Der Wunsch danach war lange Zeit tief in ihr vergraben. Viel ist geschehen, bevor sich diese Sehnsucht ihren Weg ins Bewusstsein gebahnt hat, um vehement ihr Recht einzufordern.
In Kerstin Härtels Leben gibt es einige Annäherungen an das Christentum, auch berührende Begegnungen. »Der christliche Glauben hat mich immer interessiert. Schon als Kind. Ich fühlte mich hingezogen zu Kindern, die die Christenlehre besuchten. Ich bin heimlich hingegangen«, erzählt sie. Doch dann meinte der Pfarrer: »Wenn du regelmäßig zur Christenlehre kommst, müssen wir das deinen Eltern sagen, sie müssen das wissen.« Damit war die kurze Liaison zu Ende. Ihre Mutter sei zwar kirchlich, der Vater nicht.
Später lernte sie ihren Mann kennen, der einer freikirchlichen Gemeinde angehörte. Beeindruckt war sie von der Frömmigkeit seiner Großmutter, die Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlte. »Sie war eine besondere Frau, eine ganz einfache. Ich habe gespürt, dass da etwas ist.«
Dass ihr Mann zu einer Freikirche gehörte, passte ihren Eltern nicht.
»Sie haben damit Negatives in Verbindung gebracht. Ich musste immer schlichten.« Irgendwann hat sie den Kontakt zu ihrem Elternhaus abgebrochen. Auch die Distanz zur Gemeinde wurde immer größer. Als sie später an diese Verbindung wieder anknüpfen wollte, war das Interesse bei ihrem Mann erloschen. »Er hat viel gearbeitet.« Und sie alle ihre Wünsche zurückgestellt. »Ich war verschlossen und unsicher. Ich konnte mich nicht mitteilen, nicht einmal sagen, welche Musik mir gefällt.«
2009 erkrankte Kerstin Härtel an Krebs. Bevor sie zur Operation ins Krankenhaus ging, nahm sie sich zu Hause zwei Wochen Zeit, um mit dem niederschmetternden Befund fertig zu werden. Stück für Stück sei ihr klar geworden, dass sie ihr Leben ändern müsse.
»Die 14 Tage haben mir viel gegeben. Danach ist viel mit mir passiert.« Nie habe sie mit ihrer Krankheit gehadert. Vielmehr sei sie dankbar, dass mit ihr ihre Sehnsucht nach einem neuen Leben erwacht war. »Ich bin froh, dass alles so gekommen ist. Ich hatte immer Angst, habe mir nichts zugetraut.«
Während sie sich erholte, wuchs auch der Wunsch nach einem Halt im Glauben. Ihr Mann ermutigte sie dabei. Seine Worte waren eindringlich: »Wenn du das jetzt nicht machst, wann dann? Wovor willst du denn jetzt noch Angst haben?«, fragte er sie. Und er versicherte: »Wir machen das gemeinsam.«
Sie besuchten Gottesdienste in verschiedenen Kirchen. Gut gefallen hat es ihnen in der lutherischen Gemeinde in ihrem Leipziger Wohnbezirk. Der Glaubenskurs, an dem sie teilnahm, sei für sie eine Lebensschule gewesen. »Ich bin ein neuer Mensch geworden.« In vielerlei Hinsicht hat sich ihr Leben geändert, auch die Beziehung zu ihrem Mann. Die Eheleute verstehen sich viel besser. »Früher habe ich meistens mit meinem Sohn geredet. Heute kann ich über alles mit meinem Mann reden.« Am liebsten würden sie noch die kirchliche Trauung nachholen, die damals als sie heirateten nicht infrage kam.
30 Jahre war Kerstin Härtel mit ihren Eltern verkracht. Eines Tages spürte sie das unwiderstehliche Verlangen, sie wiederzusehen. Gemeinsam mit ihrem Mann fuhren sie zu ihnen und versöhnten sich miteinander.
Nachdem Kerstin Härtel 2009 operiert worden war und eine Chemotherapie bekam, war sie ein halbes Jahr ohne Befund. Dann wurde erneut Krebs festgestellt. Einer Chemotherapie will sie aber nicht noch einmal zustimmen. Stattdessen vertraut sie alternativmedizinischen Methoden, unter anderem der Homöopathie. Sie und ihr Mann haben die Ernährung umgestellt. Sie hofft ganz fest auf Heilung und vertraut dabei auch dem Gebet.
Sie ist sich bewusst: »Ich habe dem Tod ins Auge geblickt.« Und sie ist froh, durch die Krankheit zu der Überzeugung gefunden zu haben, dass »die Seele nicht verlorengeht, sondern weiterlebt. »Also brauche ich keine Angst zu haben vor dem Tod.«
Sabine Kuschel
»Wie neugeboren«
22. Juli 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Leben unter den wachsamen Augen der Staatsreligion – eine verschleierte Frau im Iran. Viele Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland vom christlichen Glauben angezogen. Foto: epd-bild/Walter G. Allgöwer
Migranten: Ein Pfarrer aus Hannover begleitet iranische Flüchtlinge – Dutzende lassen sich jeden Monat taufen.
Nach Deutschland geflüchtete Iraner haben die Nase voll vom islamistischen Mullahregime. Für viele wird nicht nur westliche Demokratie, sondern auch christlicher Glaube zu einer neuen Erfahrung.
Noch vor einem Jahr unterrichtete die 30-jährige Parysa mit Kopftuch an einer Schule in der iranischen Stadt Isfahan. Heute lebt sie in Deutschland, trägt Jeans und ihre Haare offen. Vor einem halben Jahr hat sie sich in Hannover christlich taufen lassen und nahm dabei den armenischen Namen Arpi an. Wie sie bekennen sich in Deutschland jeden Monat mehrere Dutzend iranische Flüchtlinge bei Festgottesdiensten zum Christentum. Erst kürzlich erwartete die evangelische Landeskirche Hannovers wieder rund 40 von ihnen zu einem Tauffest in der Landeshauptstadt.
Pastor Hans-Jürgen Kutzner betreut bundesweit bis zu 1000 Iraner und veranstaltet mit ihnen Gottesdienste auf Deutsch und Farsi. Der Theologe aus Hannover ist der einzige hauptamtliche evangelische Iraner-Seelsorger innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und hat selbst schon zahlreiche Iraner getauft. »Sie kommen aus einem Gottesstaat, in dem Religion und Politik nicht getrennt sind«, sagt er. Viele hätten Gewalt und Folter im Namen des Islam erlitten. »Wenn man eine Diktatur auf diese Weise erlebt, will man davon frei sein.«
Die Abkehr vom Islam und die Hinwendung zum Christentum sei für die Flüchtlinge deshalb oft mit einer politischen Botschaft verbunden. So sei die Zahl der Hilfesuchenden und der Täuflinge nach den Präsidentschaftswahlen und den großen Demonstrationen im Iran im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. »Es geht uns nicht um Mission, sondern um die Menschen«, betont Kutzner. »Wir helfen natürlich auch denen, die sich nicht taufen lassen.«
Arpi weigerte sich im Iran, den Ganzkörperschleier Tschador zu tragen, und wurde deshalb an eine Dorfschule versetzt. Kurze Zeit später floh sie nach Deutschland. Ihr sonst fröhliches Gesicht verfinstert sich, als sie davon spricht. »Ich war nie eine überzeugte Muslima«, sagt sie. Zudem sei es ihr schwergefallen, die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen zu akzeptieren.
Für sie ist die im deutschen Grundgesetz festgelegte Religionsfreiheit etwas Besonderes, das sie sich lange gewünscht hat. Wenn sie an ihre Taufe denkt, wirkt die junge Frau euphorisch: »Ich fühlte mich wie neugeboren.« Auch ihre Familie im Iran habe sich für sie gefreut. Arpi ist sich sicher: Wenn sie zurück in die alte Heimat müsste, drohe ihr der Tod durch Steinigung oder Erhängen.
Um getauft zu werden, müssen sich die Interessenten Grundkenntnisse des Christentums aneignen – meist über das Internet. »Wir sagen ihnen auch ein paar unbequeme Wahrheiten«, betont Kutzner. So ebne ihnen die Taufe keineswegs automatisch den Weg in die westliche Gesellschaft. Und sie sei ein Risiko, wenn sie wieder in den Iran zurückkehren müssten. Denn: Die deutschen Behörden nähmen bei einer drohenden Abschiebung kaum noch Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit.
Der 31-jährige Dariush hat sich vor zwei Jahren bei einem Tauffest zum Christentum bekannt. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur wohnt in einem Asylbewerberheim und weiß nicht, ob er in Deutschland bleiben darf. »Als ich meinen Eltern von meiner Taufe erzählt habe, haben sie gedroht, mich umzubringen«, erzählt er. »Sie sagten, ich sei nicht mehr ihr Sohn.« (epd)
Von Charlotte Morgenthal und Michael Grau
Den Himmel geschenkt bekommen
24. Juni 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Am besten ist, wenn ein Mensch am Anfang seines Lebens erfährt, dass Gott ihm ohne Wenn und Aber zugeneigt ist. Ein Plädoyer für die Kindertaufe.
Die Taufe an dem Baby war soeben vollzogen, da kam mein dreijähriger Sohn durch das Kirchenschiff nach vorne. Er stellte sich neben mich ans Taufbecken und reckte den Daumen nach, was so viel heißt wie »prima«, »gut-gemacht!« oder »schön!«. Ein Schmunzeln ging durch das Kirchenschiff. »Taufe ist schön!«, hatte ich zuvor in der Taufansprache betont, und eben nicht: Eine Taufe ist »ganz schön stressig«, wie das manche Familie erlebt. Wenn jemand getauft wird, ist das erst mal schön – für die Familie, Gemeinde und Kirche. Denn die Taufe ist ein schönes Signal. Es bedeutet, mich beschenkt jemand mit seinem Ja und ich gehöre zur Gemeinschaft der Christen. Jemand ist mir ohne Wenn und Aber zugeneigt. Allerdings ist dieses Ja Gottes zum Menschen und das Ja zur Taufe keine Selbstverständlichkeit. Es ist immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Die Taufe ist einmalig und gilt für das ganze Leben
Die Taufe ist eine Erfindung Gottes, ein Sakrament, das er sich selbst ausgedacht hat. Sie ist eine einmalige Sache und gilt für das ganze Leben. Am besten erfährt man dies von Anfang an. Denn auch die Kindheit ist keineswegs eine Lebenszeit leidensfreien Genießens. Kinder haben echte Sorgen und Ängste – selbst wenn sie aus der Erwachsenenperspektive klein aussehen mögen. Kinder sind verletzbar. Sie können sich nicht so einfach gegen Widrigkeiten zur Wehr setzen. Sie haben wenig Mittel, sich gegen Demütigungen zu schützen. Sie sind in vielerlei Hinsicht ausgeliefert – die Berichte über Missbrauch in den letzten Monaten lassen das leider erahnen.
Es ist tragisch, sein Leben auf Kosten der Kinder zu führen. Es ist ein Drama. Doch fängt dies nicht erst an, wenn jemand Hand anlegt oder die Seele nicht achtet. Es bedeutet, auf Kosten von Kindern zu leben, wenn wir sie dazu drängen, unseren eigenen Traum zu leben; wenn wir die Erde mit ihren Schätzen zugrunde richten und die nachfolgenden Generationen ein »sinkendes Schiff Erde« vorfinden. Oder wenn wir meinen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe nur etwas mit der Anzahl von Krippenplätzen zu tun. Auch für unsere Eltern und Großeltern war es eine Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wahre Kinderfreundlichkeit hat mit Zeit und Zuneigung zu tun!
Kinder achten – auf Kinder achten
Die Bibel warnt jedoch nicht nur vor Fehlverhalten. Sie erzählt auch von geglückter und glücklicher Kindheit. Ganz wesentlich dabei ist es, Kinder willkommen zu heißen. Wenn sie Grund zur Freude und Dankbarkeit sind; wenn ihnen mit einer Haltung der Offenheit begegnet wird: »Ich freue mich auf das, was sich durch dein Kommen verändern wird.« Ich kann dem Kind Unterstützung zuflüstern: »Ich will dich in der Entdeckung des Lebens begleiten, deinen Weg mitgehen.« Natürlich: Eine glückliche Kindheit kann nicht hergestellt werden wie ein Produkt in einer Fabrik oder wie ein Dispo-Kredit bei einer Bank … Aber es kann gefördert werden durch gute Worte wie die, die als Taufsprüche als Wort Gottes zugesprochen werden, und die man sich eben nicht selber zusprechen kann. So ist es eine schöne Idee, wenn Eltern oder Paten nicht nur eine Taufkerze gestalten, sondern auch zum Taufspruch ein Bild für das Kinderzimmer malen, das dem Kind dieses Bibelwort vor Augen malt.
Die Taufe an sich ist schon ein Signal, dass mein Leben nicht in meiner eigenen Hand liegt. Und wo man bereits als Baby zum Taufstein getragen wird, trägt dies zu dieser Grundhaltung bei: Andere haben mich (er)tragen, andere wollen mir als Paten
und Eltern von der Taufe und vom Glauben erzählen, andere sind in guten Gedanken und Gebeten bei mir – selbst wenn ich davon nichts mitbekomme oder ahne.
Erziehung im Glauben, geborgen in der Gemeinde
Eltern sollten sich ruhig trauen, mit ihren Kindern zu beten oder sie zu segnen, indem sie zum Beispiel die rechte Hand auf die Stirn des Kindes legen und sagen: »Gott, der Herr, segnet dich und hat dich lieb!«
Eine Erziehung im Glauben ist jedoch nicht nur Sache des Elternhauses oder der Paten. Daher sollte schon im Gottesdienst neben Eltern und Paten auch die Gemeinde darauf verpflichtet werden, für das Kind zu beten, es im christlichen Glauben zu erziehen und an die Taufe zu erinnern. Taufkerze, Taufsprüche, Tauflieder, Tauftagfeier und Tauftexte, aber auch ein Tauffest der Kirchengemeinde weisen immer wieder auf das Geschenk der Taufe hin. Sie lassen über Christenlehre und Religionsunterricht hinaus ahnen, dass einem mit der Taufe der Himmel geschenkt wurde.
Reiner Andreas Neuschäfer
Medienempfehlungen
Hartmann, Christoph: Ein Stück vom Himmel. Wege zur Taufe – Wege mit der Taufe. DVD, Wartburg Verlag, ISBN 978-3-86160-191-3, 19,95 Euro
Küstenmacher, Werner Tiki: Tikis Evangelisch-Katholisch-Buch. Zusammen sind wir unschlagbar, Calwer Verlag, 32 S., ISBN 978-3-7668-4104-9, 6,95 Euro
Oberthür, Rainer/Meier, Hildegard: Die Bibel für Kinder und alle im Haus. Hörbuch mit vier CDs, Kösel Verlag, ISBN 978-3-466-45840-0, 21,95 Euro
Irmgard Weth: Neukirchener Vorlese-Bibel. Die Bibel von Anfang an. 32 Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, 144 S. mit 33 farbigen Bildern von Kees de Kort, Neukirchener Kalenderverlag, ISBN 978-3-920524-57-3, 14,90 Euro
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