»Mein Leben wird von unsichtbarer Hand geführt«

16. Dezember 2011 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Interview: Der Schauspieler Horst Krause alias Dorfpolizist Horst Krause über seine Arbeit, sein Leben und den Glauben

Der Brummbär in der Kirchenbank: (v. l.) Elsa Krause (Carmen-Maja Antoni), Horst Krause (Horst Krause), Meta Krause (Angelika Böttiger) und Rudi Weißglut (Tilo Prückner) im neuen Fernsehfilm »Krauses Braut«. Foto: rbb/Arnim Thomaß

Der Brummbär in der Kirchenbank: (v. l.) Elsa Krause (Carmen-Maja Antoni), Horst Krause (Horst Krause), Meta Krause (Angelika Böttiger) und Rudi Weißglut (Tilo Prückner) im neuen Fernsehfilm »Krauses Braut«. Foto: rbb/Arnim Thomaß


Horst Krause ist als liebenswert grummelnder Dorfpolizist im brandenburgischen »Polizeiruf« einem Millionenpublikum bekannt. Am 18. Dezember wird der Schauspieler 70. Am 20. Dezember ist er in der ARD in »Krauses Braut« zu sehen. Steffen Reichert sprach mit ihm.

Herr Krause, Sie werden in Ihren Interviews immer wieder auf die Kons­tellation angesprochen, Horst Krau­se vs. Horst Krause. Heute sollen Sie stattdessen sagen, ob Sie das nervt. Es ist ja für den Zuschauer tatsächlich schwer auseinanderzuhalten, was bei Horst Krause Fiktion und was Realität ist.
Krause: Das ist auch für den Zuschauer unwichtig. Wichtig ist, dass sich der Zuschauer mitgenommen fühlt. So, dass die Frage eigentlich gar nicht auftaucht. Wenn die Frage wirklich auftaucht – was ist Krause, was ist Figur –, dann stimmt vielleicht auch beim Zuschauer was nicht.

Sie sind in den letzten zehn, 15 Jahren ganz stark über die Rolle Krause identifiziert worden …
Krause: Also, wollen wir mal so sagen: Die Wende war für mich ein völlig neuer Abschnitt im Leben. Nach der Wende entdeckten auf einmal Leute Dinge bei mir, die vorher nicht gesehen wurden. Oder vielleicht vorher nicht gesehen werden wollten. Aus welchen Gründen, weiß man nicht. Aber auf jeden Fall – nach der Wende brach für mich eine Zeit an, für die ich dem Schöpfer danken kann.

Denken wir nur an die Geschichte mit der Frotteeunterwäsche. Sie beschwerten sich bis hin zum Parteisekretär eines Chemnitzer Kaufhauses, weil man Ihnen nicht fünf Garnituren verkaufen wollte. Sie waren also offensichtlich jemand, der auch schon vor 1989 deutlich gesagt hat, was er denkt.
Krause: Ja, aber so portioniert, dass man nicht sagen konnte: Der ist gesellschaftsfeindlich eingestellt. Sondern ich habe das so vorgetragen, dass man die Möglichkeit hatte, mich zu korrigieren.

War die Zeit in Chemnitz eigentlich Ihre schönste, Ihre prägendste Zeit?
Krause: Die längste Zeit. Ich war 15 Jahre in Chemnitz am Theater. Danach bin ich ja nach Dresden gegangen.

Sie haben mal gesagt, Sie hätten sich da unterfordert gefühlt …
Krause: Jaja, ich hätte dort vielleicht auch andere Rollen spielen können. Wenn ich mir überlege, was dort gemacht wurde – Don Quichotte und Sancho Pansa. Da hätte ich mich schon als Sancho Pansa gesehen. Aber die Konzeption hätte natürlich eine völlig andere sein müssen. Ich weiß nicht, woran es lag. Ob es an mir lag oder der damaligen Führung.

Ihr Repertoire ist sehr breit angelegt. Welche religiöse oder historische Rolle würden Sie gerne einmal spielen?
Krause: Mich hat immer sehr »Nathan der Weise« interessiert. Aber ich glaube nicht, dass ich ihn in meinem Leben noch spielen werde.

Verbinden Sie mit Kirche beziehungsweise mit Glaube ein besonderes Erlebnis, eine besondere Erfahrung?
Krause: Ja, ich glaube, dass mein ­Leben von einer unsichtbaren Hand geführt wird und habe den Eindruck, das auch zu spüren.

Haben Sie denn schon einmal in einer Kirche als einem Ort der Ruhe gedreht, die plötzlich zum hektischen Tatort wurde?
Krause: Diese Situation hatten wir einmal bei einem »Polizeiruf«. Aber in diesem Fall wird die Kirche zu einem Drehort wie jeder andere.

Nun steht ja in diesem Jahr ein großes Jubiläum an: Wohl wissend, dass Sie eher ungern über Ihr privates ­Leben reden …
Krause: Ja, das möchte ich nicht.

Wollen Sie dennoch sagen, wie Sie diesen 70. Geburtstag im Dezember feiern werden?
Krause: Ich werde nicht zu erreichen sein.

Mit diesem Jubiläum verbindet sich aber eine Frage …
Krause: Ich habe kein Jubiläum.

Okay. Dennoch: Ihr Kollege Peter Sodann ist als »Tatort«-Kommissar vom MDR mit 70 in den Ruhestand geschickt worden.
Krause: Wir sind beide nicht zu vergleichen!

Aber normalerweise wird man als Polizeibeamter spätestens mit 67 Jahren pensioniert. Denken Sie darüber nach?
Krause: Nein, denke ich nicht, weil ich glaube, dass das die Zeit entscheidet. Und da soll man nicht drüber nachdenken. Man soll sich auf das Heute freuen! Über das Gestern nachdenken und sich auf das Morgen auch freuen!

Das kommt ja wie in Stein gemeißelt. Was haben Sie denn sonst noch für Pläne – Theater zum Beispiel?
Krause: Ich mache manchmal unbewusst Theater.

Mal im Ernst…
Krause: So, wie ich im Moment zu tun habe, das genügt mir. Weil ich ja auch mit meiner Freizeit gerne etwas anzufangen weiß. Was kommt, wird gemacht, mit Freude gemacht. Wie war das bei Goethe? Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue.

Advent und Weihnachten sollen im biblischen Sinne einladen zum Innehalten. Haben Sie Gelegenheit dazu?
Krause: Die innere Einkehr ist bei mir nicht an die Jahreszeit gebunden.

Fernsehtipp: »Krauses Braut« wird am
20. Dezember 2011 um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

 
Zur Person
Horst Krause, geboren in Bönhof in Westpreußen, feiert am 18. Dezember seinen 70. Geburtstag. Im Zuge der Vertreibung als eines von fünf Kindern 1947 ins brandenburgische Ludwigsfelde gekommen, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Er absolvierte eine Lehre als Traktorist, arbeitete als Laienschauspieler und wurde nach einem Schauspielstudium 1969 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) engagiert. Seinen nationalen Durchbruch erreichte er erst nach 1990. Krause drehte u. a. mit Hape Kerkeling und Wolfgang Stumph, Joachim Król, Evelyn Hamann und Gerd Dudenhöfer – meist stellt er humorvoll-markante Typen dar. ­Inzwischen als grummelnder, liebenswerter Polizeihauptmeister beim ­»Polizeiruf« des RBB ermittelnd, ist er längst einem Millionenpublikum ­bekannt. Aus dieser Krimireihe heraus ­entwickelte sich die erfolgreiche Filmreihe »Krauses Fest«, die den Polizeibeamten privat mit seinen Sorgen und Nöten zeigt.