Individuell und vielfältig
3. April 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Ausstellung über Schönheit im Deutschen Hygienemuseum Dresden
Warum ist Schönheit so wichtig?« »Sind Glück, Erfolg und Lebensfreude daran gebunden?« »Was beeinflusst unser ästhetisches Empfinden?« Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Sonderausstellung des Deutschen Hygienemuseums Dresden »Was ist schön?«
Der erste Raum, in dunklem Rot gehalten und von einem prunkvollen Kristalllüster erleuchtet, stellt unsere Vorstellungen von Schönheit infrage. Gezeigt werden Fotografien, die die Spannung zwischen der Sehnsucht nach Schönheit und der Erfüllung dieses Wunsches ebenso zum Ausdruck bringen wie die Gegensätze von Makellosigkeit und vermeintlicher Hässlichkeit. Auf der einen Seite Porträts berühmter Schauspieler, ihnen gegenüber Fotos von jungen Mädchen, die eine Modelkarriere anstreben. Lebensgroße weibliche Rückenakte zeigen makellose Haut, im Kontrast dazu Aufnahmen alternder, runzliger Haut.Sowohl die Aufnahmen der Prominenten wie die der jungen Mädchen auf dem Weg zur ersehnten Berühmtheit wollen die Differenz zwischen den medial vermittelten Bildern und der Wirklichkeit deutlich machen.
Die Ausstellung thematisiert den Zusammenhang von Schönheit und Erfolg. Untersuchungen zeigen, dass überdies gutes Aussehen in der Regel mit positiven Eigenschaften und Fähigkeiten verbunden wird, was sich auf Beruf und Karriere auswirkt. Dazu werden Karrieremagazine präsentiert sowie Erläuterungen zum Umgang mit Bewerbungsfotos. Zu betrachten ist eine Galerie historischer Persönlichkeiten, deren gesellschaftlicher Aufstieg mit ihrem attraktiven Aussehen in Verbindung steht. Doch wie die Schau zeigt, ist nichts absolut. Die mögliche Bevorzugung aufgrund des Aussehens hat auch Gegenbewegungen ins Leben gerufen, zum Beispiel den »Club der Hässlichen«. Und der Film »Unansehnlich, aber stolz« stellt Menschen vor, die selbstbewusst ihre ungewöhnlichen Körpermerkmale akzeptieren und als schön empfinden.
Ausstaffiert mit Stapeln von Pappkartons erweckt der zweite Raum den Eindruck des Vorläufigen, Unvollkommenen. Hier soll der Blick hinter die Kulissen des Glamourösen simuliert werden, wo körperliche Mängel retuschiert und überschminkt, wo Menschen vor ihrem Auftritt im Scheinwerferlicht schön gemacht werden. Die Ausstellung hebt hervor, dass die von der Werbe- und Medienbranche produzierten Schönheitsideale und -vorbilder nicht »echt« sind.
In dieser Abteilung geht es auch um die Entwicklung einer Industrie im Dienste der Schönheit, geboren aus dem Wunsch, mangelnde Attraktivität mit Disziplin und Geld herzustellen. Ein langer Spiegelgang, auf der gegenüberliegenden Seite mit einem rotsamtenen Vorhang verkleidet, führt vom zweiten in den dritten Raum. Unter dem Titel »Norm und Differenz« beschäftigt sich die Ausstellung damit, woher unsere Vorstellungen und Ideale von menschlicher Schönheit kommen. Sie vermittelt die Erkenntnis, dass die Interpretationen von Schönheit individuell und vielfältig sind.
Außerdem geht es um die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, um sich bestimmten Schönheitsnormen anzunähern. Ein Bereich widmet sich der Plastischen Chirurgie sowie Hormon- und Botoxbehandlungen. Welche Areale in unserem Gehirn aktiv sind, wenn wir Gesichter, grafische Muster und Musik hinsichtlich ihrer Attraktivität bewerten, veranschaulicht ein von innen leuchtendes Modell des menschlichen Gehirns im Zentrum des vierten Raumes. Die Exponate geben Auskunft über neurobiologische und wahrnehmungspsychologische Forschungserkenntnisse.
Der fünfte und letzte Raum – eine große Halle mit hohen Pfeilern – weitet den Blick für andere, fremde Vorstellungen von Schönheit. In Videos erzählen Menschen, was sie als schön empfinden. Die sich durch die Ausstellung ziehende Einsicht, dass Schönheit nicht absolut und feststehend, sondern individuell und vielfältig ist, wird in diesem Bereich bekräftigt.
Sabine Kuschel
Die Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum ist bis 2. Januar dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.
www.dhmd.de

