Mit Gott ist der Mensch nicht allein auf der Welt

17. Januar 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Feuilleton

Mouhanad Khorchide ist Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien (CRS) in Münster. Er traf sich mit Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, zu einem interreligiösen Gespräch über die Frage, ob Christen und Muslime zum selben Gott beten.

Khorchide: Ich habe eine kritische Frage. Warum dürfen wir beide nicht gemeinsam zum selben Gott beten?

Bedford-Strohm: Wir sprechen da oft vom »multireligiösen Gebet« und unterscheiden es in der Tat vom »interreligiösen Gebet«. Auf diese Weise lassen wir offen, ob es genau derselbe Gott ist, den wir anbeten. Das ist der Versuch, zu respektieren, dass es unterschiedliche Blicke auf Gott gibt.

Die Gewölbe der Schlosskirche zu Wittenberg. Foto: Katja Schmidtke

Die Gewölbe der Schlosskirche zu Wittenberg. Foto: Katja Schmidtke

Die Hoffnung ist natürlich, dass Gott sich uns als derjenige zeigt, der er ist. Nämlich Gott. Insofern würde ich, wenn Muslime zu Allah beten, auch nicht sagen, dass sie zu einem anderen Gott beten. Wenn ich aber sage, die Gläubigen aller Religionen beten zu demselben Gott, dann ist das eine Feststellung, die nicht gedeckt ist. Denn es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen von Gott in den Religionen.

Da muss man dann ehrlich sein und auch die Differenzen sehen. Als wir über die Trinität und den Monotheismus gesprochen haben, sind wir ja darauf gestoßen, dass wir Christen bestimmte Dinge von Gott sagen, die Muslime oder Juden nie mitsprechen könnten. Deshalb ist es vielleicht ehrlicher und angemessener, Zurückhaltung zu wahren, ohne aber damit zu sagen, es sind alles völlig unterschiedliche Götter. Ich würde mir beide Urteile nicht zutrauen. Weder das Urteil, dass es in allen Religionen derselbe Gott ist. Noch dass es ein anderer ist. Ich glaube, wir können nur wirklich mit Leidenschaft unseren Zugang zu Gott leben. Und die Frage, wie der Gott, von dem wir leidenschaftlich überzeugt sind, sich uns dann zeigt … Das werden wir am Ende der Zeiten sehen, wenn der Schleier weggezogen ist.

Khorchide: Aber könnte ich als Versuch der Annäherung nicht sagen: »Wir glauben an denselben Gott, der sich in unterschiedlicher Weise offenbart hat«? Deshalb sagen Muslime, er hat sich mir anders offenbart als den Christen. Und übrigens – weil Sie den Begriff »Allah« verwendet haben: Sie wissen ja, dass arabische Christen und arabische Juden ebenfalls das Wort Allah verwenden.

Bedford-Strohm: Ich weiß. In Malaysia gibt es das Problem, dass die Christen gerne »Allah« sagen möchten, der Staat es ihnen aber verbietet. Ich weiß, was Sie meinen. Wenn ich hier von »Allah« sprechen würde, würden die Leute alle fragen: »Wie kann der christliche Bischof von ›Allah‹ sprechen?« Aber die Christen in Malaysia wollen gerne von »Allah« sprechen, weil »Allah« schlicht und einfach das Wort für »Gott« ist.

Khorchide: Aber könnte man denn nicht als Annäherung sagen: Gott hat sich im Christentum in Jesus offenbart, im Islam im Koran, deshalb reden wir vom selben Gott, der sich in unterschiedlicher Weise offenbart hat? lm Dialog zwischen Katholiken und Muslimen ist die Annäherung einfacher. Man meint: »Ja, wir glauben an denselben Gott, wir können gemeinsam beten.« Protestanten dagegen lassen die Frage offen. Müssen wir sie wirklich offenlassen? Können wir nicht sagen, er offenbart sich nur in einer anderen Weise, aber er ist derselbe Gott?

Bedford-Strohm: Wir müssten genau darüber reden, was es bedeutet, wenn wir von Gott beispielsweise als von demjenigen sprechen, der sich im Gekreuzigten zeigt. Und darüber, ob wir wirklich die Feststellung treffen können, dass das derselbe Gott ist. Oder ob man die Unterschiede auch respektieren muss, die zwischen den unterschiedlichen Bekenntnissen der Religionen bestehen.

Ich sage es jetzt mal in Richtung Judentum: Ich bin nicht sicher, ob ich es so einfach übergehen kann, wenn Juden ganz ausdrücklich sagen: »Christus kann nicht Gottes Sohn sein.« Deswegen bin ich zurückhaltender und spreche von »multireligiösem Gebet«. Ich sehe das aber nicht als Distanzierung oder Abwertung von anderen Religionen, sondern ich trete gerade dafür ein, die eigene Identität nicht aus der Abgrenzung heraus zu definieren. Wir sollten die eigene Religion begeistert leben und das Urteil darüber, was am Ende mit diesem Unterschied der Religionen gemacht wird, wirklich Gott überlassen.

Khorchide: Die islamische Main­stream-Theologie sieht allein Muslime in der ewigen Glückseligkeit. Das widerspricht aber dem Wortlaut des Korans. Die zweite Sure 62 und die fünfte Sure 69 versprechen Juden, Christen und anderen, die an Gott glauben, die ewige Glückseligkeit.

Die Leute des IS sagen: »Ich glaube an einen Gott, der mir erlaubt, Unschuldige umzubringen.« Darauf sage ich: »Ich glaube nicht an diesen Gott.« In deren Augen bin ich dann sogar Atheist. Oder ein Atheist kann sagen: »Ich glaube nicht an Gott.« Wenn ich dann genauer nachfrage, hat er vielleicht ein total negatives Bild von einem Gott oder von Religion und distanziert sich deshalb. Sein Handeln und sein Lebensentwurf können trotzdem bezeugen, dass er ein Werkzeug Gottes ist, also jemand, der Ja zu Gott gesagt hat. Er verbalisiert das nur anders.

Aus: Käßmann, Margot/Bedford-Strohm, Heinrich: Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat, Aufbau Verlag und edition chrismon, 293 S., ISBN 978-3-96038-007-8, 22 Euro

Aus: Käßmann, Margot/Bedford-Strohm, Heinrich: Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat, Aufbau Verlag und edition chrismon, 293 S., ISBN 978-3-96038-007-8, 22 Euro

Ich glaube, Gott geht es nicht um das, was wir verbalisieren, sondern um das, was wir aus unserem Leben machen. Ist es letztlich nicht sogar egal, ob wir sagen, »ich glaube an Gott« oder »ich glaube nicht an Gott«? Kommt es nicht letztlich nur auf das Handeln und den Lebensentwurf an? Wenn man diese Frage stellt, kommen allerdings gleich wieder einige Anfragen: Sollte man Religion nur auf diese ethische Ebene reduzieren? Geht es wirklich nur darum, dass wir gut sind und dass unser Lebensentwurf bezeugt, dass wir brave Menschen sind? Wozu brauchen wir Gott dann? Ich weiß nicht, wie Menschen es ohne den Glauben an Gott schaffen, wenn ich sehe, wie oft er mir Trost und Kraft gibt. Allein das Zwiegespräch – auf dem Weg hierher mit Gott zu reden, weil man nicht weiß, was auf einen zukommt –, das gibt schon gewissen Halt. Man hat das Gefühl, es gibt jemanden, ich bin nicht allein in der Welt.

Gottesdienst verstehen mit Martin Luther

17. Oktober 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Gottesdienst ist Ritual, die sonntägliche Wiederholung des Vertrauten und Beruhigenden, so kann man es oft hören und lesen. Für Luther aber waren Gebet und Gottesdienst zuerst Kampf.

In Eric Tills Lutherfilm aus dem Jahr 2003 wird gezeigt, wie dramatisch sich der junge Luther im Kloster den Glauben erkämpfen musste – gegen den eigenen Unglauben. Wenn ihn wieder alle teuflischen Mächte packen würden, so sagte ihm sein väterlicher Freund und Ordensvorgesetzter Johannes von Staupitz, dann solle er ein Kreuz in die Hand nehmen und sich daran festhalten. Im Film sieht man den jungen Luther in einer schweren Angstkrise, wie er das Kreuz packt, sich auf den Boden wirft, in der Form des Kreuzes die Arme von sich streckt und »Christus, hilf mir!« ruft.

Gottesdienst soll Begegnung mit Jesus sein, keine Routineveranstaltung. Im Bild: Teilnehmer eines Gottesdienstes während der diesjährigen Allianzkonferenz in Bad Blankenburg. Foto: Harald Krille

Gottesdienst soll Begegnung mit Jesus sein, keine Routineveranstaltung. Im Bild: Teilnehmer eines Gottesdienstes während der diesjährigen Allianzkonferenz in Bad Blankenburg. Foto: Harald Krille

Wenn es ganz schlimm kommt, dann heißt es einfach nur, sich festhalten, vielleicht an dem einen Satz: »Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!« (Markus 9,24). Gebet ist Leben ohne Netz und doppelten Boden. Nur so ist es auch Aufscheinen des Glanzes, der den Dingen trotz allem eigen ist. Davon lebt der Gottesdienst, der nach Luther keine gemächliche Wiederholung des schon Bekannten ist, sondern Begegnung mit Jesus selbst. Wie könnte die Begegnung mit jemandem, den man liebt, Routine und Wiederholung sein?

Nicht wir dienen Gott, Gott dient uns

Der eigentliche Akteur im Gottesdienst ist nicht der Mensch, der Gott lobt und preist. Es geht in der Liturgie nicht um unseren Dienst an Gott, sondern um Gottes Dienst an uns. Der eigentliche Akteur ist Gott, der dem Menschen etwas Gutes tut, der ihn tröstet und aufrichtet. Gott macht den Menschen gewiss, dass er oder sie zwar vielleicht nicht in Ordnung, aber gerade so (und nicht »trotzdem«!) gut, schön und geliebt ist. So erweist Gott dem Menschen seinen Dienst.

Darum soll sich der Gottesdienstbesucher gar keine Gedanken machen, ob er Gott recht dient oder nicht. Alle Konzepte von Gottesdienst als einer Gott erwiesenen Ehre, alle Formen von Kult zu Gottes Lob sind damit zwar nicht hinfällig, aber zweitrangig.

Im Zentrum steht das Herz, nicht der Altar

Für Luther ist der wichtigste Ort des Gottesdienstes das Herz des glaubenden Menschen. Es kommt nicht darauf an, dass ein Priester das Heilsgeschehen in kultisch angemessener Form zelebriert – so schön das ist, und evangelische Liturgen legen oft viel zu wenig Wert darauf. Aber der eigentliche liturgische Ort ist der Altar nicht.

Denn es kommt vor allem darauf an, das, was dort geschieht, als etwas »für mich« zu begreifen. Darum ist die entscheidende menschliche Person in der Liturgie nicht der Priester, sondern der einzelne Gläubige. Die jahrhundertelange Herrschaft der Geistlichen über die Menschen ist aufgehoben, indem jeder Einzelne gefragt und selbst verantwortlich ist. Jeder ist sein eigener Priester mit dem eigenen Altar im Inneren.

Das allgemeine Priestertum bezieht sich also auf den Kern des Glaubens, auf die eigene Gewissheit, ein guter, ein anerkannter, ein Mensch Gottes zu sein. Diese Gewissheit kann einem keiner abnehmen – und bisweilen muss sie erkämpft werden, so wie das bei Luther selbst der Fall war.

Es geht darum, in richtiger Weise nichts zu tun

Der erste Satz aus Luthers »Deutscher Messe« von 1526 warnt vor dem Überschätzen der liturgischen Form. Für den Gottesdienstbesucher kommt es nicht darauf an, etwas Bestimmtes und Richtiges zu tun. Vielmehr ist das Gegenteil gefragt: Es geht darum, liturgisch in bestimmter und richtiger Weise nichts zu tun. Der Mensch soll alle seine Aktivität darauf verwenden, passiv zu sein.

Diese paradoxe Regel wurde am Anfang der Neuzeit formuliert, und sie stellt für uns spätmoderne Menschen eine erhebliche Herausforderung dar. Aus dem aktiven Arbeiter, dem Homo Faber, wird der passive Mensch, das Kind vor Gott, das sich beschenken lässt. Darum ist die erste liturgische Aufgabe – nicht zuletzt für diejenigen, die predigen und die Liturgie leiten – das Hören und Empfangen.

Mehr als Predigt mit Umrahmung

Ein Missverständnis wäre es allerdings, den Gottesdienst als Predigt mit Umrahmung aufzufassen. Gute Predigten sind gewiss das wichtigste Markenzeichen der evangelischen Kirche. Aber nicht die Predigt ist das Eigentliche, sondern das Hören auf Gott, jene umfassende Form von aktivischer Passivität, die nicht unvernünftig ist, wohl aber höher denn alle Vernunft.
Darum ist auch die Musik für Luthers Gottesdienst- und Glaubensverständnis so wichtig. Wenn man mit schönen Tönen in Resonanz gerät, dann ist man in der Weise aktiv und passiv zugleich, wie das dem Menschen auch vor Gott guttut.

Michael Meyer-Blanck

Michael Meyer-Blanck lehrt als Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Universität Bonn.

Das inszenierte Geheimnis

6. September 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Die Gottesdienste der anderen: Was können Christen von den Geschwistern aus der Ökumene lernen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine dreiteilige Beitragsserie. Den Abschluss bildet der katholische Gottesdienst.

In der letzten Generation ist der protestantische Gottesdienst katholischer und der katholische Gottesdienst protestantischer geworden. Das ist im Wesentlichen eine positive Entwicklung. Darüber hinaus folgen beide großen Kirchen schon immer demselben liturgischen Grundschema. Dennoch ist es reizvoll, beide Gottesdienstformen typologisch gegenüberzustellen. In diesem Sinne kann eine liebevolle Karikatur der genaueren Wahrnehmung helfen. In den folgenden vier kurzen Thesen setze ich voraus, dass meine Beschreibungen dem Idealtypus des katholischen Gottesdienstes entsprechen, aber nicht jeder tatsächlich abgehaltenen Messfeier; und ich setze voraus, dass diese Prinzipien den Wahrheitsgehalt des evangelischen Gottesdienstes erschließen können. Einfacher gesagt: Ein bisschen mehr Geheimnis wäre auch für uns Evangelische nicht schlecht. Aber zunächst zum Katholischen. Erstens: Der Katholik glaubt vor allem mit den Augen. Das Messgewand des Priesters, die Kleidung der Ministranten, der Einzug und die Handlungen am Altar folgen einer tief verwurzelten Ordnung, die weder erklärt werden kann noch muss. Die erhobene Hostie und die sorgfältige, umständliche Reinigung des Kelchs nach der Eucharistie zeigen, dass hier das Unerklärliche und Überintellektuelle geschieht. Das Sterben und Auferstehen und das Sich-Schenken des Gottessohnes an diejenigen, die daran schauend teilhaben, wird Wirklichkeit: »Kommt und seht!« (Johannes 1,39).

Die katholische Messe transportiert damit zweitens keine Gedanken oder Informationen. Sie ist in ihrem Kern nichts anderes als das rituell vergegenwärtigte Geheimnis selbst. Es geht nicht um eine zu übermittelnde Botschaft, sondern um die Realität des Mysteriums. Ein Mysterium aber ist wie ein Rätsel nicht zu entschlüsseln, sondern zu feiern. Das Geheimnis der Erlösung, wie es im Gottesdienst erfahren werden kann, ist der Abstieg Gottes in die Welt (»Katabasis«), der Aufstieg des menschlichen Herzens zu Gott (»Anabasis«) und der Durchgang der Welt von der jetzigen Zweideutigkeit zur Vollendung (»Diabasis«). Um weniger geht es nicht in der Liturgie – also um alles.

Drittens: Für den Katholiken gehört die Predigt zwar zum Gottesdienst – aber sie gehört dennoch nicht so recht zur Liturgie. Die offiziellen Dokumente sprechen seit der Konzilskonstitution »Sacrosanctum Concilium« des 2. Vatikanums von 1963 zwar vom Zusammenhang von Predigt und Mahl, aber die Empfindung ist bisweilen eben doch eine andere. Ein konservativer Liturgietheoretiker, der katholische Schriftsteller Martin Mosebach, schrieb darum vor einigen Jahren: »Die Predigt zerreißt das Kleid der Liturgie. Auch wenn man es nicht so scharf ausdrücken möchte: Die Predigt steht in der katholischen Messe immer in der zweiten Reihe. Sie dient dazu, den Zugang zu dem Geheimnis zu bahnen bzw. die ethisch-moralischen Konsequenzen des Geheimnisses zu erläutern und einzuschärfen. Sie ist der Weg zum oder vom Mysterium. Aber die Predigt selbst ist nicht Mysterium. Christus selbst spricht im Geschehen am Altar und in den Lesungen, nicht aber in der Predigt. Denn zu einer derartigen Aussage konnte sich auch das 2. Vatikanum nicht durchringen. Nach »Sacrosanctum Concilium« von 1963 sind Liturgie und Predigt weiterhin deutlich zu unterscheiden.

Viertens ist der katholische Priester damit Geheimnisträger. Er ist nicht vor allem Prediger. Er ist Gleichnis des Mysteriums, Gleichnis der Menschwerdung des Göttlichen und der Transformation des Menschlichen. In einer eher missverständlichen Formulierung heißt es in den katholischen Dokumenten, der Priester handele »in persona Christi«. Das kann hierarchisch und autoritär aufgefasst werden, als ob der Priester mit einer Gloriole versehen werden solle, die man psychologisch kaum (er)tragen kann. Das hätte in der Tat etwas Neurotisierendes für den Amtsträger wie für die Gemeinde. Und doch: Richtig an dieser Sicht ist – auch aus protestantischer Sicht –, dass der Pfarrer kein Volksredner, Conférencier oder Alleinunterhalter ist, sondern der Sachwalter und das lebendige Zeichen des die Welt durchdringenden Geheimnisses Jesu.

Protestantisch wird man diese Charakterisierung auch auf die Predigt ausdehnen. Der Prediger steht und steht ein für dieses Geheimnis: Die Lebensgeschichte Jesu, meine Lebensgeschichte und die Geschichte Gottes sind – wenn auch in verborgener Weise – miteinander verbunden. Diesen Zusammenhang deutlich zu machen, das ist die Aufgabe der am Gottesdienst Beteiligten, also auch des Predigers.

Mit dem Einstehen für das Geheimnis befindet sich der Prediger nicht über oder neben der Gemeinde. Im Gegenteil verhält er sich nur so, wie es nach Paulus allen Christen aufgegeben ist: »Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.« (1 Korinther 4,1)

Michael Meyer-Blanck

Der Autor ist Professor für Religionspädagogik an der Universität Bonn.