Ja, so soll es geschehen

21. Juli 2015 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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»Amen« – Abschluss des Glaubenskurses zum Vaterunser

Das Vaterunser endet mit dem kleinen Wörtchen »Amen«. Es kommt aus der hebräischen Sprache und bedeutet soviel wie: »Es steht fest und es gilt«, oder: »Das ist gewiss und wahr«. Im Alten Testament kommt es 25 mal vor und wird dort bei feierlichen Gelegenheiten gebraucht, bei denen der Sprechende mit seinem »Amen« Worte von anderen bestätigt.

Im Neuen Testament begegnet das kleine Wörtchen »Amen« 126 mal, lautgerecht in die griechische Sprache übertragen. Luther hat es im Deutschen ebenfalls unübersetzt wiedergegeben. In den Evangelien begegnet uns »Amen« nur im Munde Jesu, meist in der Wendung: »Amen, ich sage euch(dir) …«. Er hat das hebräische »Amen« gebraucht, um seine aramäisch gesprochenen Worte zu bekräftigen. Sie sind Ausdruck seiner Hoheit und göttlichen Vollmacht.

Mit ausgebreiteten, erhobenen Armen beten – in evangelischen Gottesdiensten eher eine seltene Geste, in freikirchlichen Gemeinden hingegen üblicher. Foto: epd-bild

Mit ausgebreiteten, erhobenen Armen beten – in evangelischen Gottesdiensten eher eine seltene Geste, in freikirchlichen Gemeinden hingegen üblicher. Foto: epd-bild

In der Offenbarung des Johannes (3,14) bezeichnet sich Jesus als der, der »Amen« heißt, als der treue und wahrhaftige Zeuge. In den übrigen Schriften des Neuen Testamentes erscheint »Amen« als bekräftigender und bestätigender Abschluss von Gebeten und Lobsprüchen durch die versammelte Gemeinde. Es hatte damals und es hat noch heute seinen festen Platz im Gottesdienst. Das trifft auch auf das Vaterunser mit dem abschließenden »Amen« zu.

Als Jesus seine Jünger das Vaterunser lehrte (Matthäus 6,9-13/Lukas 11,2-4), hat er diesen Lobpreis mit Amen wahrscheinlich nicht gesprochen. In den ältesten griechischen Handschriften des Neuen Testamentes fehlt beides. Es ist wohl erst durch den liturgischen Gebrauch des Vaterunsers zunächst im Gottesdienst der christlichen Gemeinde dazugekommen und von dort in den Bibeltext.

In unseren Gottesdiensten ist das »Amen« leider weithin zu einer starren liturgischen Formel geworden, die oft gedankenlos mitgesprochen wird. Deshalb sollten wir als Gemeinde uns neu darauf besinnen, das gemeinsam gesprochene »Amen« am Schluss von Gebet und Lobpreis bewusst als Zustimmung und verbindliche Antwort zu verstehen: »Ja, so ist es.« Darüber hinaus sollte jedes im Gottesdienst von uns mitgesprochene »Amen« unsere Antwort sein auf Gottes Botschaft. Diese Antwort sollten wir dann auch im Alltag praktizieren: in Wort und Tat, im Bekenntnis vor anderen und im Lebensvollzug. So werden wir eine missionarische Gemeinde und Kirche.

Und was passiert mit mir selbst, wenn ich bete? Der Philosoph Immanuel Kant sagt, dass Beten »keine andere Wirkung hat als die, dass es das Gemüt des Beters erhebt«. Das vertrauensvolle Gebet bewirkt aber weit mehr. Es verändert den Beter selbst: Das Dankgebet und der Lobpreis Gottes führen in die Freude und zur Erneuerung der Lebenskraft. Das Gebet hilft mir auch, in eine persönliche Verbindung mit Gott zu treten. Ich komme innerlich zur Ruhe, fühle mich geborgen, finde Abstand zu den bedrängenden Problemen. Dadurch bekomme ich einen klaren Blick für die Wirklichkeit. Ich erkenne, was zu tun und zu lassen ist. Auch werde ich fit und fröhlich zum mutigen Handeln.

Schon der Beter David bezeugt das in Psalm 138,3 mit den Worten: »Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.« In diesem Sinne hat Goethe das Gebet einmal als das Atemholen der Seele bezeichnet. Überdies hilft mir das regelmäßige Gebet am frühen Morgen, meinen Tag und meine Gedanken zu strukturieren, und das Gebet am Abend, beides abzulegen.

Beten in einer Krise kann in mir einen Stimmungsumschwung bewirken, Schmerz, Angst und Trauer in Trost, Frieden und stille Freude verwandeln. Die Klage wird zum Danklied.
Im vertrauensvollen Gebet zu Gott werde ich meine Sorgen los. Das will eingeübt werden. Deshalb ermutigt uns der Apostel in 1. Petrus 5,7: »Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.« Wenn ich Gott meine Schuld bekenne und ihn um Vergebung bitte, wird mein Gewissen wieder leicht.

Durch das fürbittende Gebet für die Anliegen und Probleme meiner Mitmenschen werde ich frei von dem Kreisen um mich selber und um meine Probleme. Es entsteht zunächst eine innere Beziehung zu diesen Menschen, oft dann auch eine äußere bis hin zur tatkräftigen Hilfe.

Reinhold Nürnberger, Pfarrer i. R., Vertrauensmann im sächsischen Pfarrerinnen- und Pfarrergebetsbund