Käßmann-Rücktritt: »Schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus«

25. Februar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Margot Käßmann hat auf die Stimme ihres Herzens gehört. Obwohl ihr der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als höchstes Leitungsorgan nach einer Telefonkonferenz in der Nacht zum Mittwoch einmütig das Vertrauen aussprach, zog die Ratsvorsitzende und Bischöfin der hannoverschen Landeskirche am 24. Februar die Konsequenzen: „Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen kirchlichen Ämtern zurücktrete“, sagte sie in einer Pressekonferenz.

Geradlinig bis zum Ende: Margot Käßmann verkündet am Mittwoch, 24. Februar, ihren Rücktritt. (Foto: epd-bild)

Geradlinig bis zum Ende: Margot Käßmann verkündet am Mittwoch, 24. Februar, ihren Rücktritt. (Foto: epd-bild)

Mit der ihr eigenen und von vielen so geschätzten Geradlinigkeit zog sie damit einen Schlussstrich unter die verhängnisvolle Alkoholfahrt vom vergangenen Wochenende. Sie bereue zutiefst den begangenen Fehler und sei mit Leib uns Seele Bischöfin gewesen. Doch: „Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben“, fügte die 51-Jährige sichtlich bewegt hinzu. Neben der Würde des Amtes gehe es ihr dabei auch um den Respekt und die Achtung vor sich selbst. Ihr Schlusssatz lautete: „Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar.“

Ihre Funktion in der EKD nimmt ab sofort ihr bisheriger Stellvertreter Nikolaus Schneider war. Schneider ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Über das weitere Vorgehen zur Wahl eines neuen Ratsvorsitzenden wird der Rat der EKD bei seiner turnusmäßigen Sitzung an diesem Freitag und Sonnabend (26. und 27. Februar) beraten.

Der Rücktritt sei „ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus“, der auch persönlich schmerze, erklärten Schneider und die Präses der EKD-Synode, die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckart. In einer gemeinsamen Presseerklärung verwiesen sie darauf, dass Margot Käßmann ihren Fehler sofort eingestanden habe, und so für viele Menschen zu einem Vorbild an Glaubwürdigkeit wurde.

Auch der sächsische Landesbischof Jochen Bohl, der zugleich Mitglied im Rat der EKD ist, bezeichnete ihren Rücktritt als einen „großen Verlust“. Unausweichlich sei ihr Rücktritt nicht gewesen. Der Rat der EKD habe ihr das Vertrauen ausgesprochen. Bohl räumte aber auch ein, dass er ihren Schritt nachvollziehen könne. „Er verdienst hohen Respekt. Er ist auch darin begründet, dass Margot Käßmann Schaden von ihrem Amt als Bischöfin und EKD-Ratspräsidentin fern halten wollte“, so Bohl.

Ebenso bedauert Ilse Junkermann, Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), „in höchstem Maße“ den Rücktritt ihrer Amtskollegin. „Den Menschen in unserem Land wird ihre Stimme fehlen“, so Junkermann wörtlich. So habe Käßmann in kritischen Diskussionen ohne Umschweife klar gemacht, dass das Evangelium und der Auftrag der Kirche auch eine politische Dimension habe. „Ich werde den Mut von Margot Käßmann, ihre theologische Klarheit und ihren Humor als Schwester im Amt sehr vermissen“, fügte die Kirchenleiterin hinzu.

Auch der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig reagierte “mit großem Bedauern und Respekt”. Die evangelische Kirche verliere mit Käßmann “ihre prominenteste Repräsentantin”, erklärte er in Dessau-Roßlau. Die Entscheidung über die Nachfolge werde “nicht einfach”.
(GKZ)