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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Ökumene</title>
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		<title>»In Rom blüht und gedeiht die Ökumene«</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 20:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Jens-Martin Kruse]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Rom]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>

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		<description><![CDATA[Begegnung: Ein Besuch beim Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Ewigen Stadt.
Wer Orte mit funktionierender Ökumene sucht, denkt nicht sofort an Rom. Doch der erste Blick täuscht. In der Stadt, die das Zentrum der katholischen Weltkirche beherbergt, klappt’s mit der Ökumene. 
Jens-Martin Kruse hält nichts von der Klage über eine ökumenische Eiszeit. »Es gibt in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3842" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/07/Jens-Martin-Kruse-vor-Christuskirche.jpg" alt="Jens-Martin Kruse ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom. Foto: Harald Krille" title="Jens-Martin-Kruse-vor-Christuskirche" width="580" height="386" class="size-full wp-image-3842" /><p class="wp-caption-text">Jens-Martin Kruse ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom. Foto: Harald Krille</p></div><br />
<strong>Begegnung: Ein Besuch beim Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Ewigen Stadt.</strong></p>
<p><em>Wer Orte mit funktionierender Ökumene sucht, denkt nicht sofort an Rom. Doch der erste Blick täuscht. In der Stadt, die das Zentrum der katholischen Weltkirche beherbergt, klappt’s mit der Ökumene. </em></p>
<p>Jens-Martin Kruse hält nichts von der Klage über eine ökumenische Eiszeit. »Es gibt in Sachen Ökumene so viele positive Signale. Die Ökumene blüht und gedeiht«, sagt der evangelische Pfarrer. Seine Erfahrungen in dieser Hinsicht sammelt der evangelische Theologe an einem Ort, den manch deutscher Beobachter in den letzten Jahren nicht auf den ersten Blick mit ökumenischem Fortschritt in Verbindung bringen würde: Kruse ist seit August 2008 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom. Als Beleg für seine These kann er auf eine ganze Reihe ökumenischer Aktivitäten verweisen. Zu den Höhepunkten gehört dabei der ökumenische Gottesdienst, zu dem Kruses Gemeinde an Christi Himmelfahrt einlädt.</p>
<p>Wieso funktioniert ausgerechnet in Rom die Ökumene so gut? Rom ist nicht nur das Zentrum der katholischen Weltkirche. »Hier ist die Weltchristenheit präsent«, erklärt Kruse. Dabei sind die Lutheraner im ökumenischen Miteinander seiner Ansicht nach ein entscheidender Faktor. Zwar ist die Kirche zahlenmäßig verschwindend klein.</p>
<p>Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien (ELKi) zählt ­landesweit etwa 6000 Mitglieder. Die römische Gemeinde hat 500. Aber anders als die größere Kirche der Waldenser, die in Italien etwa 60000 Mitglieder hat, können die Lutheraner unbefangener mit den Katholiken umgehen, meint Kruse. »Die Waldenser definieren sich aufgrund ihrer Verfolgungserfahrungen durch die ­katholische Kirche bis heute durch Abgrenzung. Wir Lutheraner verstehen uns da eher als durch die Reformation hindurchgegangene katholische Kirche.«</p>
<p>Wer zur Minderheit der Lutheraner gehört, steht im katholischen Italien dennoch fast täglich vor der »Notwendigkeit zu erklären, dass er kein Häretiker ist«, sagt Kruse. »Aber das schärft den Blick für die eigene Identität.« ­Dabei ist die Situation der Gemeinde heute kaum noch mit der Gründungszeit vergleichbar. Damals (1819) gab es noch den Kirchenstaat und evangelische Gottesdienste konnten nur im Schutz der Preußischen Botschaft gefeiert werden. </p>
<p>1870, als der Kirchenstaat an das Königreich Italien angeschlossen und Rom dessen Hauptstadt wurde, konnte die Gemeinde in die Öffentlichkeit treten. Bis zum ersten Gottesdienst in der eigenen Kirche dauerte es aber noch bis 1922. Ökumene mit der katholischen Kirche wurde aber erst in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) möglich, nachdem die Katholiken ihr Verhältnis zu den anderen christlichen Kirchen neu bestimmt hatten. Seit dieser Zeit schrieb dann die lutherische Christuskirche in Rom aber gleich zweimal ökumenische Weltgeschichte: 1983 – im Jahr des 500. Geburtstages von Martin Luther – besuchte hier mit Johannes Paul II. zum ersten Mal ein Papst eine evangelische Kirche. Und im Jahr 2010 feierte sein Nachfolger Benedikt XVI. mit der Gemeinde hier einen Gottesdienst. Dieses Ereignis kann Kruse nicht hoch genug bewerten: »Wenn der Papst bereit ist, Gottesdienst in unserer Tradition zu feiern, dann ist das doch für uns die Anerkennung als Kirche.« Und was der Papst in Rom konnte, das kann er nun überall auf der Welt. Und so wird er bei seinem Besuch im September in Erfurt im Augustinerkloster einen vergleichbaren Gottesdienst halten.</p>
<p>Dass der Papst bei seinem Deutschlandbesuch so viel Wert auf Ökumene legt, verwundert Kruse nicht: »Ökumene ist vermutlich das zentrale Thema seines Pontifikats.« Das zeigte sich schon in seiner ersten Ansprache nach seiner Wahl zum Papst, als Benedikt XVI. es als vorrangige Verpflichtung bezeichnete, »mit allen Kräften an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Jünger Christi zu arbeiten«.</p>
<p>Natürlich sieht auch Kruse, dass sich in manchen theologischen Fragen nichts bewegt. Aber: »Hinter die gelebte und gefeierte Ökumene kann niemand zurück. Und die theologischen Fragen werden sich dann klären.« Dabei müsse man – was die ­Äußerungen der katholischen Kirche betrifft – lernen, »zwischen den Zeilen zu lesen«. Da sende der Vatikan viele positive Signale. Wenn es dann einmal katholische Äußerungen gibt, die ökumenisches Porzellan zerschlagen, hilft es Kruse, »wenn unsere katholischen Partner anrufen und sagen, dass ist nicht unsere Position. Ökumene hat auch viel mit Aushalten zu tun«. </p>
<p>Bei entsprechenden Äußerungen aus seiner eigenen Kirche reagiert Kruse schärfer. Aussagen wie die von Margot Käßmann aus ihrer Zeit als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dass sie von Benedikt XVI. in Sachen Ökumene nichts erwarte, seien »riesige Rückschläge«. Wir Protestanten müssen von unserem hohen Ross herunter und lernfähig werden.« Für Kruse schließt das sogar ein, dass er sich ­einen Papst in einer synodalen Präsesfunktion für die Gesamtkirche vorstellen kann: ein »Erster unter Gleichen«, der für alle Christen spricht.</p>
<p><em>Von Harald Krille und Matthias Holluba</em></p>
<p>Hinweise: Informationen über die evangelisch-lutherische Gemeinde in Rom gibt es im Internet:<br />
<a href="http://www.ev-luth-gemeinde-rom.org">www.ev-luth-gemeinde-rom.org</a></p>
<p><strong>Pfarrer Kruse freut sich über Pilgergruppen (auch aus katholischen Gemeinden), die ihm und der Gemeinde einen Besuch abstatten.</strong></p>
<p>Das von Jens-Martin Kruse und Jürgen Krüger herausgegebene Buch über die »Ökumene in Rom« ist im Verlag »arte factum« in Karlsruhe erschienen (ISBN 978-3-938560-23-5) und kostet 28 Euro.<br />
Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (03643)246161</p>
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		<title>Die geeinte Kirche im Herzen Gottes</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[evangelisch]]></category>
		<category><![CDATA[Ewigkeitssonntag]]></category>
		<category><![CDATA[katholisch]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Simon]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser Leben aus der Perspektive Gottes&#xA0;
 Gedanken zur ökumenischen Berufung der Christen
&#xA0;
»Vater, lass uns auf die Ewigkeit blicken.« – Mit diesem Gebet beendete der Gemeindekirchenratsvorsitzende eine anstrengende Sitzung. Es war wohl der wichtigste Satz, der an diesem Abend gesprochen wurde. Was zuvor verhandelt worden war, kam in ein anderes Licht. Am Ende des Kirchenjahres steht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Unser Leben aus der Perspektive Gottes&#xA0;</strong><br />
<em> Gedanken zur ökumenischen Berufung der Christen<br />
<strong>&#xA0;</strong></em></h5>
<p>»Vater, lass uns auf die Ewigkeit blicken.« – Mit diesem Gebet beendete der Gemeindekirchenratsvorsitzende eine anstrengende Sitzung. Es war wohl der wichtigste Satz, der an diesem Abend gesprochen wurde. Was zuvor verhandelt worden war, kam in ein anderes Licht. Am Ende des Kirchenjahres steht der Ewigkeitssonntag. In der katholischen Tradition heißt er Christkönigssonntag, an dem in diesem Jahr die Worte Jesu an den mit ihm Gekreuzigten zu Gehör kommen werden: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«&#xA0;(Lukas&#xA0;23,43)</p>
<p>Wer sind wir wirklich und worin bekommt unser Tun&#xA0;Sinn? </p>
<p>Das wird uns erst vom wahrhaftigen Blick aus der Ewigkeit auf unser Leben aufgehen, ein Blick, für den wir noch weitgehend blind sind, mit dem wir aber angesehen werden. Denn wir sind nicht die, zu denen wir uns selbst machen, sondern die wir im Herzen Gottes sind. Die Verkündigung Jesu ist ­geeignet, uns den Blickwechsel zu ­lehren von einer selbstfixierten Sicht auf uns, von der wir allein gar nicht loskommen, zur Sichtweise, mit der Gott auf uns blickt und in die wir im ruhigen Hören auf Ihn allmählich ahnend hineinwachsen können.</p>
<p><div id="attachment_2563" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/11/Kreuz-und-Spirale.jpg" alt="Symbol für die Ewigkeit: Kreuz und Spirale (Foto: pictokon)" title="Kreuz-und-Spirale" width="300" height="213" class="size-full wp-image-2563" /><p class="wp-caption-text">Symbol für die Ewigkeit: Kreuz und Spirale (Foto: pictokon)</p></div>In unserer Zeit, in der grundsätzlich bestritten wird, dass es diese andere, wahrhaftige Perspektive überhaupt gibt, lebt die Kirche davon, dass sie genau daraus ihr Dasein empfängt und dass sie diesen Blickwinkel offen hält in ihrer Umwelt. Es wird ihr mit Recht die Frage vorgehalten, ob sie sich nicht zu sehr eingerichtet habe im irdischen Leben und ihren Existenzgrund darüber vernachlässige? Kirche, wer bist du im Herzen Gottes? Eine zerbrochene Widerspiegelung der Gegenwart Gottes?</p>
<p>Was wissen wir davon? </p>
<p>So viel doch, dass ihr innerster Impuls eine Liebe ist, die bis zum Äußersten geht. In der Liebe Christi zu wurzeln heißt, in der einen Kirche zu wurzeln, die nichts anderes als das Gleichnis für ein Neuwerden der Gemeinschaft der Menschen überhaupt ist. Darin liegt ihre ökumenische Berufung. Die Kirche ist der Kern der Sammlungsbewegung, mit der Christus bis an die Enden der Erde geht und bis in die Abgründe dessen, was Menschen einander antun, indem sie Leben zerstören und Gemeinschaft aufs Furchtbarste infrage stellen. Er kommt, um zu retten, zu einen, Glück möglich zu machen.</p>
<p>Im Blickwinkel der Ewigkeit ist die Kirche, was sie nachzustammeln versucht: die eine heilige katholische und apostolische Kirche&#xA0;– wobei »katholisch« kein Konfessionsmerkmal ausdrückt, sondern ihr alle Menschen des Erdballs betreffendes Geheimnis; wie auch »evangelisch« nicht ein Konfessionsmerkmal sein kann, ist doch Kirche immer die Gemeinschaft, die aus dem Evangelium entsteht. Diese Wor­te drücken also nicht einen Anspruch aus, sie bezeichnen vielmehr den Blickwechsel, aus dem die Kirche lebt.</p>
<p>Solange die Kirchen ihr Getrenntsein nicht überwinden, können sie sich nicht uneingeschränkt »katholisch«&#xA0;– alle Menschen betreffend – und »evangelisch«&#xA0;– aus dem innersten Impuls der Liebe lebend – nennen. Sie tun es dennoch, um die Erinnerung daran wachzuhalten, dass es mit ihr im Herzen Gottes anders steht und dass es ihre Sünde ist, wenn es auf Erden nicht ganz nach dem Herzen Gottes geht.</p>
<p>Darin liegt denn auch das Geheimnis einer Hoffnung, wodurch Trennung überwunden werden kann und woraus die Verpflichtung dazu erwächst. Treten wir vor den gekreuzigten Christus, blicken wir auf die Tiefe seines Leidens und seiner Hingabe, verstummen alle Worte, die Trennung rechtfertigen könnten, sie verlieren an diesem Ort all ihren Sinn. Die Begegnung mit dem gekreuzigten Christus kommt im Evangelium der katho­lischen Eucharistiefeier am Christkönigssonntag in den Blick.</p>
<p>Das Evangelium des evangelischen Ewigkeitssonntags lässt dem auferstandenen Christus begegnen: »Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!«, sagt Jesus im Gleichnis von den Zehn Jungfrauen&#xA0;(Matthäus&#xA0;25,6). Darin liegt eine einfache und schöne Hoffnung: Vor ihm kann man nur gemeinsam ankommen. Und wann ist diese mitternächtliche Stunde? Dem mit ihm Gekreuzigten antwortete Jesus:&#xA0;Heute!</p>
<p>Wer im Evangelium zusammengeht, den kann keine Amtsfrage auf ewig auseinanderbringen. Kirche aus dem Atem der Ewigkeit muss das neu sehen lernen. Aber dies geschieht nur, wenn man in der Tiefe und Einfachheit des Evangeliums zusammenfindet. Danach zu suchen, ist unser Auftrag! Es gibt kein unüberwindliches Hindernis&#xA0;– im Blickwinkel Christi&#xA0;–, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, Ihm entgegen.</p>
<p><em>Reinhard Simon<br />
Der Autor ist promovierter Theologe und Pfarrer in Genthin.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>»Gott ist Mensch geworden unter den Armen«</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 19:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Chile]]></category>
		<category><![CDATA[Cristo Vive]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe für Arme]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>

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		<description><![CDATA[Porträt: Die ökumenische Stiftung »Cristo Vive« engagiert sich in Chile für Gesundheit und Bildung

Die Nonne Karoline Mayer aus Deutschland unterstützt seit Jahren die Bewohner ­eines Elendsviertels in Santiago de Chile beim Kampf um Arbeit, Brot und Menschenwürde.
enn Karoline Mayer durch Recoleta geht, ein Elendsviertel im Norden von Santiago de Chile, öffnen sich viele Türen. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Porträt: Die ökumenische Stiftung »Cristo Vive« engagiert sich in Chile für Gesundheit und Bildung<br />
</strong><br />
<em>Die Nonne Karoline Mayer aus Deutschland unterstützt seit Jahren die Bewohner ­eines Elendsviertels in Santiago de Chile beim Kampf um Arbeit, Brot und Menschenwürde.</em></p>
<p><div id="attachment_1782" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/06/Karoline_Mayer-3.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/06/Karoline_Mayer-3-200x300.jpg" alt="Schwester Karoline Mayer erhielt schon viele Auszeichnungen – ­darunter 2001 ehrenhalber die ­chilenische Staatsbürgerschaft. Foto: Christo vive" title="Karoline_Mayer-3" width="200" height="300" class="size-medium wp-image-1782" /></a><p class="wp-caption-text">Schwester Karoline Mayer erhielt schon viele Auszeichnungen – ­darunter 2001 ehrenhalber die ­chilenische Staatsbürgerschaft. Foto: Christo vive</p></div>Wenn Karoline Mayer durch Recoleta geht, ein Elendsviertel im Norden von Santiago de Chile, öffnen sich viele Türen. Die Leute laden sie ins Innere ihrer Behausungen ein. »Hermana Carolina« – wie Schwester Karoline auf Spanisch genannt wird – ist vielen bekannt. Seit 1968 lebt die Nonne aus dem bayerischen Eichstätt in Chile. Seit 1971 unterstützt sie die Bewohner von Recoleta, die täglich ums Überleben kämpfen. Ihr wohl wichtigstes Projekt ist die ökumenische Stiftung »Cristo Vive«, Christus lebt.</p>
<p>Schwester Karoline gründete sie 1990, kurz nach dem Ende der Militärdiktatur. Zu der Stiftung gehören Kindertagesstätten und Berufsbildungszentren, Polikliniken, ein Tageszentrum für Drogenkranke und – eine Seltenheit in Chile – eine Werkstatt für Behinderte. Über sich und ihre Mitarbeiter sagt Schwester Karoline: »Wir kommen nicht, um in Recoleta zu herrschen, um irgendetwas für uns aufzubauen, sondern um mit den Menschen Dinge zu tun, bei denen sie ihr Leben in die Hand nehmen und auf ihre eigenen Füße kommen.«<br />
<strong><br />
Elendshütten am Rande der modernen Großstadt</strong><br />
Schwester Karoline ist eine zierliche Frau mit weißen Haaren und lebhaften blauen Augen. Wenn sie ihre kräftige Stimme erhebt, ahnt man, welche Energie in ihr steckt. Die braucht sie, um immer aufs Neue in Recoleta zu bestehen. Vor der majestätischen Kulisse der Anden, die sich unweit der chilenischen Hauptstadt erheben, ­haben die Menschen mit einfachen Mitteln Hütten und Häuschen gebaut. Es gab Zeiten, da weigerten sich die Taxifahrer von Santiago, jemanden nach Recoleta zu fahren. Gewalt herrschte, Drogensüchtige begingen Überfälle, um die nächste Dosis zu bezahlen.<br />
Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt – auch dank der Stiftung »Cristo Vive«. Doch noch immer leben bis zu 20 Personen in mancher Hütte, die kaum größer ist als 50 Quadratmeter. Jetzt kämpfen die Menschen in Recoleta mit den Folgen des Erdbebens. Ende Februar hatte es viele Häuser zerstört und die Stromleitungen beschädigt.<br />
<strong><br />
Menschen misstrauten der Institution Kirche</strong><br />
In Recoleta arbeitet in einer Großfamilie oft nur eine einzige Person: die Mama. Ihre Jüngsten kann sie in den Kindergarten »Naciente« bringen, der zur Stiftung »Cristo Vive« gehört. In dem gelb, rot und blau angestrichenen Gebäude spielen Zwei- bis Fünfjährige. »Naciente« bedeutet Geburt. »Wir nehmen die Ärmsten der Armen auf«, sagt die Chilenin Aurelia Arredondo, die den Kindergarten leitet.</p>
<p>Anfangs begegneten die Menschen in Recoleta der Nonne aus Deutschland und ihren Helfern mit Misstrauen. »Die Kirche war für sie damals eine mächtige Institution, die sie beherrschte und mit der sie nicht viel zu tun haben wollten«, erinnert sich Schwester Karoline an die frühen Siebziger. Auch ihr Orden, die Steyler Missionsschwestern, betrachtete ihren Einsatz im Elendsviertel mit Skepsis. Die Steyler Missionsschwestern sahen ihre Aufgabe in jener Zeit vor allem darin, die Oberschicht Chiles zu missionieren.</p>
<p>Karoline jedoch bat ihren Orden sogar um Erlaubnis, in eine kleine Holzhütte mitten in Recoleta zu ziehen. Die Holzpritsche, auf der sie nachts schlief, wurde tagsüber zum Behandlungstisch, auf dem die gelernte Krankenschwester ihre Patienten behandelte. Nach vielen Diskussionen verließ Schwester Karoline schließlich den Orden. Bei den Bewohnern von Recoleta erkämpfte sie sich Respekt, erst recht, als sie nach dem Militärputsch von 1973 im Land blieb, um den Armen (und manchem Regimegegner) aktiv beizustehen. »Es war der ganze Sinn meines Lebens, unter den Menschen dort zu sein«, sagt sie. »Ich wollte ihnen nahebringen, was unser Glaube ist, dass nämlich Gott Mensch geworden ist unter den Armen.«</p>
<p>Schwester Karoline lebt heute in der Arbeitersiedlung Quinta Bella, die zu Recoleta gehört. Ihr wichtigstes Projekt – neben der Beseitigung der Erdbebenschäden – ist die Berufsausbildung, die ihre Stiftung anbietet. Sie setzt sich dafür ein, dass das chilenische Erziehungsministerium Berufsabschlüsse grundsätzlich zertifiziert und Geld für die Ausbildung zahlt. »Beruf ist in Chile nur etwas für Akademiker«, sagt sie. Eine Lehre – wie in Deutschland – gebe es nicht. »Handwerkliche, körperliche Arbeit wird als etwas Minderwertiges angesehen.«</p>
<p><strong>Berufsausbildung ist das wichtigste Anliegen</strong><br />
Unter dem Dach von »Cristo Vive« wurden seit 1992 mehr als 11000 junge Menschen ausgebildet – im Handwerk, zu Krankenpflegern, Servicekräften in der Gastronomie. Das staatliche Bildungssystem, das während der Diktatur zusammengekürzt wurde, hatte ihnen kaum eine Chance gewährt. Viele brachen die Schule ab, lebten auf der Straße. Das Berufsbildungszentrum nahm sie trotzdem auf. Seine Abschlüsse werden von den Arbeitgebern geschätzt. »Gut ausgebildete Handwerker werden in Chile gesucht«, sagt Schwester Karoline. »Der Verdienst ist enorm gestiegen. Manche bekommen sogar mehr als Akademiker.«<br />
<em><br />
Von Josefine Janert</em></p>
<p><a href="http://www.cristovive.de">www.cristovive.de</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Brot und Steine an der Isar</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/02/04/brot-und-steine-an-der-isar/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 16:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ellen Ueberschär]]></category>
		<category><![CDATA[Mai 2010]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumenische Kirchentag]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview: Der 2. Ökumenische Kirchentag in München – ein Gespräch mit Ellen Ueberschär
Ellen Ueberschär trägt als evangelische Generalsekretärin die Mitverantwortung für den 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München. Benjamin Lassiwe sprach mit der Theologin.

Frau Ueberschär, wo steht die Ökumene heute?
Ueberschär: Die Ökumene ist an einem Höhepunkt angekommen. Wenn man einmal das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview: Der 2. Ökumenische Kirchentag in München – ein Gespräch mit Ellen Ueberschär</strong></p>
<div id="attachment_1255" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/02/Ueberschär.jpg"><img class="size-full wp-image-1255 " style="margin: 2px" title="Ueberschär" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/02/Ueberschär.jpg" alt="Erwartet in München ein »Gänsehautgefühl«: Ellen Ueberschär, evangelische Generalsekretärin des 2. Ökumenischen Kirchentags 	Foto: epd-bild" width="300" height="416" /></a><p class="wp-caption-text">Erwartet in München ein »Gänsehautgefühl«: Ellen Ueberschär, evangelische Generalsekretärin des 2. Ökumenischen Kirchentags 	Foto: epd-bild</p></div>
<p><em>Ellen Ueberschär trägt als evangelische Generalsekretärin die Mitverantwortung für den 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München. Benjamin Lassiwe sprach mit der Theologin.<br />
</em><br />
<strong>Frau Ueberschär, wo steht die Ökumene heute?<br />
Ueberschär:</strong> Die Ökumene ist an einem Höhepunkt angekommen. Wenn man einmal das vergangene Jahr-<br />
hundert ansieht, haben wir in diesen 100 Jahren ökumenisch mehr erreicht als in den drei Jahrhunderten zuvor. Natürlich gibt es harte Nüsse, die es noch zu knacken gilt, aber genau deswegen gibt es ja Veranstaltungen wie den Ökumenischen Kirchentag.</p>
<p><strong>Was kann der Ökumenische Kirchentag an dieser Stelle erreichen?<br />
Ueberschär:</strong> Der Ökumenische Kirchentag ist eine Veranstaltung, in dessen Verlauf viele Hunderttausend Menschen zeigen können, dass ihnen die Ökumene nicht egal ist. Es geht da weniger um prominente Redner oder steile Thesen, sondern um das Gemeinschaftsgefühl der Christen aller Konfessionen und die Begeisterung für die Zusammenarbeit. Wenn man auf den Kirchentag von 2003 zurückblickt, dann sieht man, was aus solch einer Begeisterung erwachsen kann: Überall in Deutschland gibt es ökumenische Stadtfeste, Gesprächskreise oder Veranstaltungen, die unter dem Eindruck des ersten Ökumenischen Kirchentags begonnen haben und bis heute fortgesetzt werden.</p>
<p><strong>Was sind denn die Herausforderungen, vor denen die Ökumene derzeit steht?<br />
Ueberschär:</strong> Da gibt es sicher eine Menge Themen, die man jetzt nennen könnte. Wir werden auf dem Ökumenischen Kirchentag eine Themenreihe »Ökumenische Brennpunkte« veranstalten, bei der wir uns mit den wichtigen theologischen Fragen beschäftigen werden: Dazu zählen etwa das Amtsverständnis, das Kirchenverständnis und die Abendmahls-Eucharistie-Diskussion. Auf dem Kirchentag werden wir diese Probleme sicher nicht lösen können. Aber wir können dafür sorgen, dass diese Themen ökumenisch im Gespräch bleiben.</p>
<p><strong>Während der Gottesdienste am Kirchentags-Freitag soll eine orthodoxe Brotsegnung stattfinden. Warum?<br />
Ueberschär:</strong> Das wird ein Gottesdienst sein, bei dem alle Teilnehmer um große Tische herumsitzen und gemeinsam Wasser, Äpfel und das von einem orthodoxen Priester gesegnete Brot teilen. Wir wollen damit zeigen, dass wir als Christen gemeinsam Tischgemeinschaft halten können, beten, in der Bibel lesen und zusammen feiern können. Wichtig ist uns, dass wir an ein orthodoxes Ritual anknüpfen – das zeigt, dass die Ökumene nicht nur aus Protestanten und Katholiken besteht.</p>
<p><strong>Aber wird die Brotsegnung in den Augen mancher Kirchentagsteilnehmer nicht wie der verschämte Versuch eines Ersatz-Abendmahls aussehen?<br />
Ueberschär:</strong> Nein, das wird es nicht. Die Form dieses Gottesdienstes wird so sein, dass keine Verwechslungen möglich sind. Wir wollen mit der Brotsegnung nicht zu einem heimlichen Abendmahl aufrufen. Es ist einfach so, dass die Brotsegnung in der Praxis der orthodoxen Kirche zum Alltag gehört – dort wird am Ende des Gottesdienstes gesegnetes Brot verteilt, auch zum Weitergeben an Menschen, die selbst nicht in die Kirche kommen konnten.</p>
<p><strong>In Berlin 2003 haben Laiengruppierungen Abendmahlsfeiern neben den Kirchentag durchgeführt. Was machen Sie, wenn so etwas in München wieder passiert?<br />
Ueberschär:</strong> Als Veranstalter des Ökumenischen Kirchentags haben wir verabredet, die in unseren Kirchen geltenden Regeln gegenseitig zu achten. Als Evangelische achten und respektieren wir es, wenn uns unsere katholischen Geschwister sagen: »Wir sind noch nicht soweit. Wir können uns die Teilnahme von Protestanten an der Eucharistie im Moment nicht vorstellen.« Wenn es Gruppen gibt, die dennoch solche Feiern ausrichten, werden sie allein die Verantwortung dafür übernehmen müssen – auch für die Folgen, die daraus für die Ökumene entstehen. Persönlich bedauere ich auch, dass wir kein gemeinsames Abendmahl feiern werden. Aber man muss festhalten, dass die Abendmahlsfeiern in Berlin 2003 nicht zu Fortschritten in der Ökumene, sondern nur zu einer Verhärtung der Fronten geführt haben. Und die war überflüssig.</p>
<p><strong>An der Vorbereitung für den Kirchentag haben sich auch Orthodoxe und Freikirchler beteiligt. Welchen Effekt hat das für den Kirchentag?<br />
Ueberschär:</strong> Das ist einer der großen ökumenischen Zugewinne gegenüber dem 1. Ökumenischen Kirchentag. Zum ersten Mal sind in allen Vorbe­reitungsgruppen Christen aus vielen verschiedenen ACK-Kirchen dabei. Die gesamtchristliche Beteiligung zieht sich durch alle Veranstaltungen – ob Podien, Gottesdienste, Workshops. Und diese Beteiligung ist ein wirklicher Mehrwert.</p>
<p><strong>Zum Abschluss bitte noch eine kleine Prognose: Was wird der Höhepunkt des Ökumenischen Kirchentages sein?<br />
Ueberschär:</strong> Das ist nicht leicht zu beantworten. Der ganze Ökumenische Kirchentag wird ein Höhepunkt sein. Aber wenn Sie nach dem Moment mit dem besonderen Gänsehautgefühl fragen, dann wird das wohl im Schlussgottesdienst sein, wenn Hunderttausende Menschen in München und Millionen an den Fernsehgeräten gemeinsam einen Gottesdienst feiern.</p>
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		<title>Verhältnis der EKD zur Russisch-Orthodoxen Kirche</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 12:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Erzbischof Hilarion Alfejew]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Margot Käßmann]]></category>
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Zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) kriselt es. Was die EKD darüber denkt, erklärt Auslandsbischof Martin Schindehütte im Gespräch mit Benjamin Lassiwe.


Herr Bischof Schindehütte, nach der Wahl der geschiedenen Frau Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden kündigte der Leiter des Außenamtes der ROK, Erzbischof Hilarion Alfeyev, an, die Kontakte zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1097" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2009/12/Schindehuette.jpg"><img class="size-full wp-image-1097" title="Schindehuette" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2009/12/Schindehuette.jpg" alt="Martin Schindehütte, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, ist als Leiter der Hauptabteilung »Ökumene und Auslandsarbeit« seit September 2006 Auslandsbischof der EKD.  (Foto: EKD)" width="200" height="440" /></a><p class="wp-caption-text">Martin Schindehütte, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, ist als Leiter der Hauptabteilung »Ökumene und Auslandsarbeit« seit September 2006 Auslandsbischof der EKD.  (Foto: EKD)</p></div>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Zwischen der <a href="http://www.ekd.de">Evangelischen Kirche in Deutschland</a> (EKD) und der <a href="http://www.mospat.ru/">Russisch-Orthodoxen Kirche</a> (ROK) kriselt es. Was die EKD darüber denkt, erklärt Auslandsbischof <a href="http://www.ekd.de/personen/schindehuette.html">Martin Schindehütte</a> im Gespräch mit Benjamin Lassiwe.<br />
</strong><br />
</em></p>
<p><strong>Herr Bischof Schindehütte, nach der Wahl der geschiedenen Frau Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden kündigte der Leiter des Außenamtes der ROK, Erzbischof Hilarion Alfeyev, an, die Kontakte zur EKD abzubrechen. Wie sieht die EKD zurzeit ihr Verhältnis zur Russisch-Orthodoxen Kirche?<br />
Schindehütte:</strong> Unser Verhältnis zur Russisch-Orthodoxen Kirche darf man nicht eindimensional sehen. Wir haben derzeit einen offenkundigen ­Konflikt mit Erzbischof Hilarion und dem Außenamt der ROK, aus dem ein Problem für die Beziehungen mit der ROK insgesamt entstehen kann, aber nicht muss, denn wir hören auch Stimmen aus der Russisch-Orthodoxen Kirche, die an einer Fortsetzung des Dialogs interessiert sind. Dabei ist uns klar, dass wir keinen Dialog an unserer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann vorbeiführen werden. Wenn Hilarion zur Bedingung macht, den Dialog nur mit mir als Auslandsbischof fortzusetzen, um Margot Käßmann zu umgehen, dann geht das nicht.</p>
<p><strong>Was hat denn der Dialog der letzten 50 Jahre eigentlich gebracht, wenn man jetzt in so eine Situation gerät?<br />
Schindehütte: </strong>Was wir jetzt erleben, ist eigentlich nichts Neues. Der Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche war immer auch schwierig. Meine Vorgänger Rolf Koppe und Heinz-Joachim Held standen als Auslandsbischöfe der EKD mehrfach vor Situationen, in denen die ROK damit drohte, den Dialog abzubrechen. Aber es ist immer weitergegangen – gerade zuzeiten des Eisernen Vorhangs waren die Gespräche mit der Russisch-Orthodoxen Kirche wichtige Brücken zwischen Ost und West.<br />
<strong><br />
Worum geht es denn bei den Dialogen mit der Russisch-Orthodoxen Kirche überhaupt?<br />
Schindehütte: </strong>Ich will mal Beispiele nennen: 2008 haben wir über die Menschenrechte als christliche Verpflichtung gesprochen. Auch die Themen Säkularisierung und Globalisierung waren von Bedeutung. Russland befindet sich zurzeit in einem gewal­tigen Säkularisierungsprozess. Wir in Deutschland haben bereits Erfahrungen damit, wie wir unter diesen Bedingungen unseren Glauben bezeugen können. Wir behandeln auch aktuelle Themen, von denen wir denken, dass wir voneinander lernen können.</p>
<p><strong>Wie stellt sich die EKD eine Fortsetzung dieser Gespräche vor?<br />
Schindehütte: </strong>Wir hoffen, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche zur ökumenischen Grundhaltung zurückkehrt, wonach wir als Kirchen trotz ­aller Unterschiede miteinander reden, und akzeptieren, dass der ökumenische Partner manches anders macht als wir selbst. Dass russisch-orthodoxe Bischöfe im Dialog auf Margot Käßmann treffen, heißt ja nicht, dass sie deswegen in der eigenen Kirche Priesterinnen einführen müssen. Aber wir erwarten von ihnen, dass sie akzeptieren, dass wir uns für eine Bischöfin als Ratsvorsitzende entschieden haben – so wie wir es nicht zur Vorbedingung für einen Dialog machen, dass die Russisch-Orthodoxe ­Kirche Frauen im Priesterinnenamt zulässt.</p>
<p><strong>Ende Januar findet vielerorts die Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Wie sollen evangelische ­Kirchengemeinden reagieren, wenn russisch-orthodoxe Geistliche und Gemeinden teilnehmen?<br />
Schindehütte: </strong>Von evangelischer Seite gilt: Wir bleiben einladend und offen und freuen uns über jedes gemeinsame Gebet, das bei dieser Gelegenheit gesprochen wird. Wenn Geistliche der Russisch-Orthodoxen Kirche an der Gebetswoche teilnehmen wollen, sind sie dazu herzlich eingeladen. Wir werden definitiv niemanden in die Ecke stellen – denn wir sind ökumenisch offen, und wollen das auch bleiben, trotz aller Spannungen, die wir zurzeit mit Moskau haben.</p>
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