Liebe in dreifacher Weise

17. Juni 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Dem Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes auf der Spur

Vor einiger Zeit besuchte eine Gruppe von Juden, Christen und Muslimen gemeinsam die Synagoge, die Moschee und eine der Kirchen am Ort. In der Synagoge wurde ihnen elementar und verständlich die besondere Bedeutung der Thorarollen vor Augen geführt. In der Moschee erklärte ihnen ein Student mit einfachen Worten die fünf Säulen des Islam. In der evangelischen Kirche ging der Pfarrer zu ihrem Erstaunen zunächst auf das Gesangbuch ein, das die Besucher am Eingang erhielten. Er hob die besondere Rolle der Kirchenmusik hervor und ließ dies mit einem ausführlichen Orgelstück unterstreichen. Danach erklärte er Altar, ein wenig die Bibel, ausführlicher Kanzel und Fenster. Wohl aus Rücksicht auf die Besucher fand das Kreuz hinter dem Altar keine Erwähnung. Der Frage einer Muslimin, warum die Christen nicht nur Allah allein verehren, wich er aus. Die Sache mit der Dreieinigkeit Gottes sei ziemlich kompliziert und auch unter Christen nicht ganz unumstritten.

Diese peinliche Situation macht deutlich, welche Unsicherheit und Sprachlosigkeit an den Tag kommt, wenn Christen die Bedeutung der Dreieinigkeit Gottes erklären sollen. Dabei ist sie im Grunde nicht schwer zu verstehen. In einem Gespräch mit Andersgläubigen sollte zunächst einmal klar werden: Christen glauben an den einen und einzigen Gott, nicht weniger als Juden und Muslime. Der christliche Glaube ist eindeutig ein monotheistischer Glaube. Auch für Christen gilt ohne Abstriche das erste Gebot. Der Glaube an den dreieinigen Gott will den Glauben an den Gott Israels nicht ersetzen. Im Licht des Lebens und Sterbens Jesu interpretiert er ihn aber auf neue Weise.

Die Heilige Dreifaltigkeit. Ein Fresko aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Archiv für Kunst und Geschichte

Die Heilige Dreifaltigkeit. Ein Fresko aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Archiv für Kunst und Geschichte

Die Lehre von der Dreieinigkeit oder Dreieinheit Gottes ist der Versuch der ersten Christengemeinden, sich selbst und andere Menschen von ihrem Gottesglauben denkend Rechenschaft zu geben. Bereits das Neue Testament wirft die Frage auf, in welchem Verhältnis Jesus eigentlich zu Gott steht. Ist er etwa einer der großen Propheten? Für die Jünger ist er mehr. Petrus bekennt, er sei der »Christus, der Sohn des lebendigen Gottes« (Matthäus 16,16).

Auch an vielen anderen Stellen der Evangelien wird hervorgehoben, dass Jesus nicht nur ein besonderer Mensch war, sondern zugleich ganz auf die Seite Gottes gehört. Wenn dafür der Ausdruck »Gottes Sohn« benutzt wird, meint dies nicht ein biologisches Abstammungsverhältnis, sondern die Wesenseinheit zwischen Gott und Jesus. In ihm begegnet der Mensch also Gott selbst, hat das allgegenwärtige, liebende Wesen Gottes menschliche Gestalt angenommen.

Wie aber kommt ein Mensch zu einer solchen Erkenntnis? Sicher nicht aus sich selbst heraus. Dass Jesus der Messias und »Gottes Sohn« ist, diese Erkenntnis muss ihm vielmehr vom »Vater im Himmel« gegeben werden (Matthäus 16,17). Damit kommt eine dritte Größe ins Spiel: Der »Geist Gottes«, auch »Heiliger Geist« genannt.

Das Konzil von Konstantinopel bringt es im Jahre 381 auf den Punkt: Die Gewissheit des Glaubens wird den Christen durch den Heiligen Geist zuteil, der »aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht« (Bekenntnis von Nicäa-Konstantinopel). Damit ist die Lehre von der Trinität im Kern formuliert, dass es Gott selbst ist, der in Jesus Mensch wurde und wirkte. Dass es dreimal ein und derselbe Gott ist, der sich in seinem dreifachen Sein den Menschen liebevoll zuwendet: als fürsorglicher Schöpfer – Vater mit mütterlichen Zügen – befreiender Erlöser und Mut machende Lebenskraft. Drei Seiten des einen Gottes. Der Gott, an den Christen glauben, ist also nicht der Alleinherrscher, der einsam in seinem Himmel thront, sondern der Gott, der sich in Liebe den Menschen zuwendet, ihnen durch Jesus Christus Vergebung und Befreiung schenkt und sie durch seinen Geist tröstet und ermutigt. Keine drei Götter also, sondern ein Gott, der Liebe ist, Liebe in dreifacher Weise.

Verschiedene Bilder können helfen, diese Dreieinheit Gottes zu veranschaulichen: So findet sich in der Kunst immer wieder das Bild vom gleichseitigen Dreieck, in dessen Mitte ein Auge zu sehen ist, das für die personhafte Wirklichkeit Gottes steht. Im Dreieck sind ebenso wie im dreieinigen Gott drei und eins kein Widerspruch.

Ein anderes Beispiel für die Trinität ist der Dreiklang in der Musik: Grundton, Terz und Quinte sind zwar drei unterschiedliche Töne, bilden aber einen Gesamtklang. In diesem Beispiel werden auch die Unterschiede zwischen den drei Seinsweisen deutlich.

Und auch das Bild vom Wasser in seinen drei Aggregatzuständen kann helfen: als Flüssigkeit, Eis und Wasserdampf. Ganz ähnlich ist es mit Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist: Die Kraft, die sie so untrennbar miteinander verbindet, dass sie eins sind, ist die Liebe. Aus Liebe schenkte Gott, der Schöpfer, das Leben. Aus Liebe sandte er den Sohn. Aus Liebe verkündigte Jesus die Botschaft der Versöhnung und des Friedens. Aus Liebe ging er für die Menschen den Weg des Leidens bis zum Kreuz. Liebe ist auch das Wesen des Geistes, denn er macht Menschen bereit, einander zu helfen und beizustehen. »Gott ist Liebe«, heißt es im 1. Johannesbrief (4, 8). Das Geheimnis der Dreieinigkeit ist die Liebe. An den Sonntagen, die dem Trinitatisfest folgen, wird es in den biblischen Texten, über die in den Kirchen nachgedacht wird, immer wieder um diese Frage gehen: Wie kann die Liebe des dreieinigen Gottes in unserem Leben Früchte tragen?

Wolfgang Riewe