Luthers Thesen in Zinn

25. November 2011 von Gemeinsame Redaktion  
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Bis zum Reformationstag 2012 sollen 30 Miniaturen entstehen

Eine ruhige Hand braucht Arnfried Müller beim Bemalen seiner filigranen Zinnfiguren. Foto: Uwe Kraus

Eine ruhige Hand braucht Arnfried Müller beim Bemalen seiner filigranen Zinnfiguren. Foto: Uwe Kraus


Der Betrachter glaubt, die Thesen, die Martin Luther an die Kirchentür schlägt, fast lesen zu können, so akribisch hat Arnfried Müller die Zinnfiguren für das Diorama gestaltet. Bis zum Reformationstag 2012 sollen rund 30 Luther-Dioramen die Offizin (Werkstatt mit angeschlossenem Verkaufsraum) Arnfried und Irmgard Müller am Waldrand von Güntersberge verlassen haben. Was kann es in der Luther-Dekade Besseres geben als solch eine besondere Ausstellung.

In Verantwortung des Städtischen Museums Halberstadt und mit Unterstützung einer Projektgruppe des Halberstädter Gymnasiums Martineum gestaltet Arnfried Müller die Miniaturen. Zu den ­Dioramen, an denen die Arbeiten bereits ­abgeschlossen sind, zählen »Luthers Hochzeit«, »Der Ablasshandel« und der bestaunte »Thesenanschlag«. Ab 2013 sollen die Miniatur-Kunstwerke durch die Lutherstädte wandern. Eine entsprechende Konstruktion der Dioramen und der dazu von einer Historikerin erarbeiteten Schrifttafeln soll es ermöglichen, die Lutherschau sowohl in Museen, auf der Wartburg, im Lutherhaus Eisleben und im Augustinerkloster Erfurt als auch in kleineren Kirchen zu zeigen, erklärt Müller.

Er schaut gerne, was die anderen Zinnfigurengießer so machen, welche Trends das Ausland setzt. Sein Spezialgebiet sind die Flachfiguren, die eigentlich nur im deutschsprachigen Raum verbreitet sind. »Die Vollfiguren sind sehr materialaufwendig, aber natürlich recht dekorativ.« Er schwärmt von den Meisterschaften, die die Zinngießer in Spanien oder Italien veranstalten. »Wenn da ein Reiter mit Pferd dargestellt wird und die Figur fünf Zentimeter hoch ist, malen die auf die Pferdedecke noch ein ganzes ­Gemälde.«

Vor dem Fenster seines kleinen Hauses in Güntersberge erstreckt sich ein wunderbares Harz-Panorama. Hier entstehen jedes Jahr eine neue Serie und ­einige Einzelfiguren. Das Teure daran sind die Gussformen, die sich der Gießer anschaffen muss. So fließen die Einnahmen zumeist in die Gestaltung einer neuen Zinnfiguren-Serie. Beliebt sind seine 30-Millimeter-Flachfiguren-Serien, die mit akribischem Historienverständnis gestaltet werden.

Für Thale schuf er ein Diorama zur Walpurgisnacht, 40 Figuren waren in durchaus auch deftigen Szenen zu betrachten. »Die Uniformen müssen farblich stimmen, die Helme und Perücken passen«, berichtet Arnfried Müller. »Vadder mit Rat« heißen die fünf Figuren, die eine historische Schachszene in Ströbeck nachempfinden. Für den »Tod Napoleons« gestaltet der Zinngießer vier Figuren, zwei Gruppen sowie den Kaiser auf dem Totenbett, »Der Tod von Marschall Kutusow 1813« umfasst immerhin 19 Figuren.

In Sammlerkreisen haben seine Figuren einen guten Namen. Zumeist werden diese Szenen als Blankserie verkauft, die von den Sammlern dann voller Ehrgeiz selbst bemalt werden.

Uwe Kraus