Ein gutes Wort mit auf den Weg nehmen

22. April 2012 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Konfirmationsspruch: Er will den jungen Menschen Zuversicht auf das Leben und den Glauben zusprechen

Der Konfirmationsspruch hat für viele Menschen ein Leben lang Bedeutung. Deshalb sollte das Bibelwort mit Sorgfalt und Bedacht ausgewählt werden.

Eine Konfirmandin hatte ihrem Pfarrer zwei Jahre lang das Leben schwer gemacht, weil sie gerne Jungen »anmachte«. Deshalb hatte er es auf sie abgesehen. Ihm kam zugute, dass damals noch der Pfarrer den Konfirmationsspruch aussuchte. Bei der Einsegnung der Jugendlichen zitierte er Sprüche 1 Vers 10: »Wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht.«
Das Kichern in der Kirche wird der Konfirmandin wohl ein Leben lang im Ohr nachgeklungen haben, wenn sie an Kirche denken musste. Dabei sollte so ein Denk-Spruch, wie man früher sagte, ein würdevoller Wegbegleiter sein. Dessen Ansehen ist noch heute darin abzulesen, dass in vielen Häusern der Konfirmationsspruch eingerahmt an hervorgehobener Stelle hängt. Das Herz meines Zwillingsbruders hing beispielsweise am reichlich verzierten Konfirmationsspruch seines Großvaters: Psalm 73. Immer ­wieder gingen die Blicke beim Staubwischen zum Spruch an der Wand. So fiel es ihm leicht, sich ebenfalls diesen zu wählen und so wanderte der Konfirmationsspruch durch die Familie.

Der Konfirmationsspruch ist mehr als ein gutes Wort zur Feier des Tages, er ist Wegbegleiter. Foto: epd-bild

Der Konfirmationsspruch ist mehr als ein gutes Wort zur Feier des Tages, er ist Wegbegleiter. Foto: epd-bild

Wenn eine Familie an einem Grab zusammenkommen muss, graben manche zuvor noch mal in den Unterlagen nach und holen den Tauf- oder Konfirmationsspruch des/der Verstorbenen hervor. Dieser wird dann als Bibelwort für die Ansprache zur Beerdigung gewählt und begleitet die Angehörigen, wenn sie den eigenen und den Lebensweg des verstorbenen Christen bedenken. So wird deutlich, dass Konfirmation nicht nur ein einmaliges Fest als Übergang ins Jugendalter aufzufassen ist, sondern das ­konfirmierende Handeln der Kirche in unterschiedlicher Weise auftaucht. Von der Taufe, über den Vorstellungsgottesdienst bis hin zur Silber- oder Goldkonfirmation erstreckt sich die Konfirmation über mehrere Stationen.

Dem eigenen Bibelspruch nachspüren
Neben dem Bekennen des Glaubens kommt dabei immer wieder das ­Nennen des Namens Gottes über die Glaubenden zum Tragen. So geben sich Zuspruch der Begleitung und Ausspruch des Bekenntnisses die Hand: einerseits sagt Gott seine Nähe zu, andererseits sucht der Mensch die Nähe Gottes. Beides gehört zusammen.
Wenn im Festgottesdienst oder in der Besinnung auf die Konfirmation das Bibelwort der Einsegnung zur Sprache kommt, wird beides in Erinnerung gerufen: das eigene Versprechen und der Zuspruch Gottes! Wer zu Gast bei einer Konfirmation eingeladen ist, spürt vielleicht dem eigenen Bibelspruch nach und wie sich die ­Beziehung zum Bibelwort und zu Gott seit Taufe und Konfirmation verändert hat.
Nicht selten hört man nach Jahren den eigenen Konfirmationsspruch als Zusage an jemand anderen oder hört ein Wort aus dem Alten oder Neuen Testament, das einem im Moment ­etwas zu sagen hat oder der Seele gut tut?!
Wenn in einem Festgottesdienst zur Konfirmation mehr als ein gutes Wort zur Sprache kommt und im ­Kirchenschiff auch die Sprüche der anderen erklingen, bekommt man ­zugleich einen Einblick in die Vielfalt und doch Einheit der Heiligen Schrift. Trotz aller Verschiedenheit verbindet das Wort Gottes!
Allerdings sollte man mit Experimenten zurückhaltend sein und sich an die gute Tradition halten, die Luther-Bibel als Grundlage zu nehmen. Es ist kein Zeichen von Moderne, wenn man das Wort Gottes verwandelt in eine angeblich gerechte Sprache oder mit inklusiven Spitzen ­versieht. Ich habe einmal einen Pfarrer erlebt, der meinte, jeden Spruch original übersetzen zu müssen. Die Ergebnisse waren ehrlich gesagt nicht besonders originell. Ein Wiedererkennungswert der Worte sollte gewährleistet bleiben. Und auch die Fremdheit von Formulierungen darf jungen Menschen zugemutet werden!

Einblick in die Vielfalt der Heiligen Schrift
Es ist schön, wenn dies schon vor einer Konfirmation von Anfang an ­angebahnt und vorbereitet wird: Die Bibel enthält eine Fülle an Zusagen und Zusprüchen, die einem die Zuversicht auf das Leben und den Glauben stärken möchten. Deren Stärke will »in guten und in schlechten Tagen« deutlich werden und daran erinnern, dass das Leben nicht nur in der eigenen Hand liegt. Es liegt nahe, dass deshalb gerne Worte aus den Psalmen, den Evangelien und den Briefen ausgewählt werden, Sprüche, die man irgendwann schon einmal gehört hat. Doch ist die Bandbreite an beachtlichen Bibelworten bedeutend größer. Eine Übersicht bieten Listen mit Tauf- und Konfirmationssprüchen, die manche Pfarrerinnen und Pfarrer parat haben. Auch im Internet kursieren interessante Informationen und Zusammenstellungen, wie etwa www.konfiweb.de/spruch_index_konfirmationsspruch_3.php oder auf den jeweiligen Internet-Auftritten der Gemeinden und Kirchenkreise.
Es wäre schade, wenn die Suche nach einem passenden Bibelwort erst am Ende des Konfirmationsunterrichtes stünde. Wieso nicht vorher schon Worte auskundschaften, die in einer Familie Tradition haben? Im Internet oder in der eigenen Gemeinde kann man sogar nach Prominenten und ­ihren Konfirmationssprüchen suchen. Wieso nicht schon während der Konfirmationszeit auf Sprüche achten, die als »Lebensmotto« geeignet wären? Ich habe gute Erfahrungen damit ­gemacht, die Jugendlichen bewusst in der Bibel blättern und nach einem Wort forschen zu lassen. Dies ist auch schön mit einer eigenen Gestaltung des Konfirmationsspruches zu verbinden. Manche machen sich dann sogar auf die Suche nach ihrem Taufspruch. So wie mein Sohn, dem dann am Palmsonntag bei der Konfirmation ­zugesprochen wurde: »Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein.« (Zefanja 3,17)
Reiner Andreas Neuschäfer