Norwegen: Von der Butterkrise in die Rindfleischkrise

14. März 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Kua mi, jeg takker deg / deilig melk du gir til meg. / Hver en dag jeg til mitt brød, / drikker melka di så søt: Meine Kuh ich danke dir, gute Milch die gibst du mir. Jeden Tag zu meinem Brot, trink deine Milch ich süß und gut.

In vielen norwegischen Kinder­gärten wird dieses »religionsneutrale Tischgebet« gesungen. Auch wenn Norwegen sich immer noch als ein Bauernland versteht: Über die Hälfte der bald fünf Millionen Norweger wohnt in Orten mit wenigstens 20000 Einwohnern und weit weniger als eine halbe Million wohnt in Orten mit weniger als 2000 Einwohnern. Unter ihnen sind auch die meisten der etwa 50000 Bauern und Fischer. Auch wenn der Abstand zu den Bauern immer größer wird: Norwegen versorgt sich immer noch zu großen Teilen selbst mit landwirtschaftlichen Produkten und ist in diesem Bereich auch nicht der EU angeschlossen.

Doch auch die Norweger sind inzwischen an volle Supermarktregale gewöhnt und kaufen ihre Lebens­mittel dort. Auch der Abstand zum Schöpfer dieses wunderbaren Landes wird leider auf Betreiben einiger politisch aktiver Atheisten immer größer. In einem mit »Lebenskunde-Ethik-Religion« (LER) verwandten Fach darf Christentum in der Schule nur noch im gleichen Umfang wie andere Religionen unterrichtet werden. Einen konfessionellen Religionsunterricht gibt es nicht.

Michael ­Hoffmann ­berichtet für ­unsere ­Kirchenzeitung aus Norwegen.

Michael ­Hoffmann ­berichtet für ­unsere ­Kirchenzeitung aus Norwegen.

Seit dem Herbst 2011 wurden wir dann daran erinnert, dass der Erntedank vielleicht doch keine so unnütze Einrichtung ist. Die Bauern dürfen, um Überproduktion zu vermeiden, nur eine bestimmte Menge Milch verkaufen und halten dementsprechend auch nicht mehr Kühe. Durch starke Niederschläge und Überflutungen im Sommer gab es nun weniger Milch und Milch von geringerer Qualität.

Gleichzeitig begannen viele Norweger noch mit einer »Low-Carb-Diät«. So leerten sich die Butterregale. Bald gab es Hamsterkäufe und schließlich nur noch zwei Pfund Butter pro Person. Kurz vor der Adventszeit waren die ­Regale dann ganz leer. Als Notmaßnahme beschloss die Regierung, den Import einiger Tonnen irischer, belgischer, französischer und deutscher Butter zu genehmigen. Die Weihnachtsbäckerei war gerettet.

Inzwischen gibt es auch wieder norwegische Butter in den Regalen. Doch nun klopft bereits die nächste Krise an die Pforten: die Rindfleischkrise. Die Kühe treten halt weder ihre Milch noch ihr Fleisch so ganz freiwillig an die Menschen ab. Ich bin jedenfalls froh, dass im Kindergarten meines Sohnes ein anderes Tischgebet gesungen wird:

Å du som metter liten fugl / Velsign vår mat å Gud: Oh du, der du den kleinen Vogel sättigst, Segne unser Essen oh Gott.

Michael Hoffmann