»Das kann nur Kirche – der Staat ist eine kalte Maschine«

23. Mai 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Pfarrerin Elena Bondarenko von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) hat beim Eröffnungsgottesdienst der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia die Predigt gehalten. Die ELKER ist seit 2014 Partnerkirche der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Bondarenko rief die aus der ganzen Welt zusammengekommenen Mitglieder der Vollversammlung auf, Gott zu vertrauen; die Kirche sei siegreich, »weil Jesus es verheißen hat«.

»Die Zeiten der Gewalt gelangen an ein Ende, und die Nachkommen stehen vor den Ruinen und klagen und beten und beschließen wieder aufzubauen, ›die verwüsteten Städte (zu) erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben‹, wie es bei Jesaja heißt.« Diese Sätze hatte sie an den Anfang ihrer Predigt gesetzt.

Genau das sei die aktuelle Situation der ELKER, erläuterte sie anschließend im Gespräch: Nach der Oktoberrevolution von 1917 seien die Lutheraner verfolgt und die Kirchen geschlossen worden. »Wir sind uns mit den Orthodoxen und den Katholiken einig, dass 1917 für die Kirchen ein tragisches Datum ist«, so Bondarenko. Erst mit Gorbatschow und der Perestroika konnte sich ein Gemeindeleben langsam wieder entfalten. »Bis dahin hat unsere Kirche im Untergrund überlebt. Heute wachsen wir wieder.«

Pfarrerin Elena Bondarenko beim Eröffnungsgottesdienst der LWB-Vollversammlung in Windhuk, Namibia. Foto: LWB/Albin Hillert

Pfarrerin Elena Bondarenko beim Eröffnungsgottesdienst der LWB-Vollversammlung in Windhuk, Namibia. Foto: LWB/Albin Hillert

Erst seit 2010 sei die Situation stabil. Die Geschichten, wie Christen die Verfolgung überstanden haben, »sind ein wichtiger Samen für die Zukunft unserer Kirche«. Russlandweit hat die Lutherische Kirche offiziell 75 000 Mitglieder in 15 Propsteien, elf im europäischen und vier im asiatischen Teil. Vorrangig gehe es jetzt darum, die Kirche wieder aufzubauen und die einst beschlagnahmten Kirchen und Gemeinderäume zurückzubekommen.

Das ist für Bondarenko auch deshalb wichtig, weil es mittlerweile viele religiöse Gruppierungen gebe und die Lutheraner nicht in den Ruf einer Sekte kommen wollen. Zur Aufarbeitung der Vergangenheit gehöre auch der Kontakt zu den Kirchen in den baltischen Staaten, die einst zur Sowjetunion gehört haben. »Hier können wir als Kirchen eine Brücke schlagen«, meint Bondarenko vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen diesen Ländern.

Die heutigen Menschenrechtsfragen in Russland sind für die Lutherische Kirche allerdings kein Thema. »Vielleicht ist das egoistisch, aber für uns ist es heute das Richtige. Zuerst müssen wir unsere Kirche wieder aufbauen.« Bondarenko fürchtet, die ELKER könnte die Menschen wieder verlieren, wenn sie sich in politische Dinge einmischt. Allerdings setzt die Kirche auf diakonische Arbeit. So kümmert sie sich um Obdachlose, um Senioren- und Waisenkinder. Es gehe darum, beispielsweise Heime menschlicher zu machen. »Das kann nur Kirche – der Staat ist eine kalte Maschine«, betont sie. Angesprochen darauf, ob die Kontakte nach Lettland auch genutzt würden, um über die Frauenordination zu sprechen, die von der Lettischen Kirche abgelehnt wird, antwortet die Pfarrerin: »Es ist wichtig, dass die Lettische Kirche im LWB nicht isoliert wird. Wir müssen den Kontakt halten. Vielleicht ändern sie ihre Meinung wieder. Wir gehen zum selben Abendmahl, das Wichtigste ist das eine Evangelium für alle.«

Ralf-Uwe Beck und Solveig Grahl

Gemeinsam auf dem Weg

8. November 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Ein starkes Zeichen: Erstmals nach 499 Jahren der Trennung eröffnen Lutherischer Weltbund (LWB) und Vatikan gemeinsam das Jubiläumsjahr der Reformation.

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott …«, singen die Menschen in der Domkirche der schwedischen Universitätsstadt Lund. Dort, wo 1947 der Lutherische Weltbund gegründet wurde, gibt es am Reformationstag erneut ein kirchenhistorisches Ereignis: 499 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers feiern Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbunds, Bischof Munib Younan, einen Gottesdienst zur Eröffnung des Reformationsjubiläums. Gemeinsam beten sie, gemeinsam singen sie – und gemeinsam umarmen sie sich zum Friedensgruß.

»Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen«, sagt Papst Franziskus. »Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden.« Dankbar erkenne man an, »dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen«, sagt Franziskus. Martin Luther habe mit seiner Frage »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« die entscheidende Frage des menschlichen Lebens gestellt. »Als Lutheraner und Katholiken beten wir gemeinsam in dieser Kathedrale und sind uns bewusst, dass wir getrennt von Gott nichts vollbringen können.«

Brüderliche Umarmung in Lund: Munib Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und Präsident des Lutherischen Weltbundes (l.), und Papst Franzikus am vergangenen Montag beim Friedensgruß. Foto: epd-bild/Svenska kyrkan/Mikael Ringlander

Brüderliche Umarmung in Lund: Munib Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und Präsident des Lutherischen Weltbundes (l.), und Papst Franzikus am vergangenen Montag beim Friedensgruß. Foto: epd-bild/Svenska kyrkan/Mikael Ringlander

Einige Dutzend Kilometer entfernt, in der Arena von Malmö, hat Pastor Thomas Waack aus Eutin in Schleswig-Holstein Platz genommen. Er verfolgt den Gebetsgottesdienst in Lund zusammen mit mehr als Zehntausend Menschen über eine Großbildleinwand. »Ich hoffe, dass es weitere Signale des Aufeinanderzugehens gibt«, sagt Waack. Ähnlich sagt es die dänische Pfarrerin Helle Rosenquist, die für den Gottesdienst extra aus dem Norden Jütlands nach Lund kam: »Ich hoffe, dass die Kontakte zwischen den beiden Kirchen besser werden.«

Und das wurden sie in Lund tatsächlich. Zumindest, wenn man daran denkt, dass Martin Luther den Papst einst noch als »Antichrist« verurteilte. In Lund dagegen bekannten der Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds, Martin Junge, und der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, die Schuld, die die Kirchen mit solchen Äußerungen ebenso wie mit den Glaubenskriegen der frühen Neuzeit auf sich geladen hatten.

Und in einer gemeinsamen Erklärung verpflichten sich Katholiken und Lutheraner zu intensiverer Zusammenarbeit: »Viele Mitglieder unserer Gemeinden sehnen sich danach, gemeinsam die Eucharistie zu empfangen, als konkretes Zeichen völliger Einheit.« In den Blick genommen werden in dem Text vor allem konfessionsverschiedene Ehepaare: Man spüre den Schmerz derer, die ihr ganzes Leben teilten, aber nicht gemeinsam am Tisch des Herrn sein könnten. »Wir sehnen uns danach, diese Wunde im Leib des Herren zu heilen«, heißt es in der Erklärung. »Das ist das Ziel unserer ökumenischen Bemühungen, die wir voranbringen wollen, auch durch eine Erneuerung unseres Versprechens zum theologischen Dialog.«

Doch über manche Brücken geht Papst Franziskus auch in Lund nicht. Immer noch ist von den Protestanten nur als »kirchliche Gemeinschaften«, nicht als »Kirchen«, die Rede. »Der Papst hat deutlich vermieden, von Kirchen zu sprechen«, sagt der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Insgesamt sei der Gottesdienst aber ein »wichtiges ökumenisches Signal« gewesen. »Mir ist wichtig, dass auch die Gemeinden in Deutschland Gottesdienste nach dem Vorbild von Lund feiern«, sagt Ulrich. »Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als ob mit dem 1. November 2017 die Arbeit getan sei.« Er gehe davon aus, dass zwischen dem LWB und dem Vatikan nun Gespräche über die »Big Points« von Amtsverständnis, Kirchenverständnis und Eucharistie folgen werden.

Der Vizepräsident des Lutherischen Weltbunds, der Württemberger Landesbischof Frank-Otfried July, nannte die Erklärung von Lund ein »starkes Wegzeichen« zur Einheit. »Vielleicht kommt ja auch in der katholischen Kirche künftig der Gedanke stärker zum Tragen, dass die gemeinsame Eucharistie schon auf dem Weg zur Einheit und nicht erst am Ende des Weges gefeiert werden kann.«

Benjamin Lassiwe

Das inszenierte Geheimnis

6. September 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Die Gottesdienste der anderen: Was können Christen von den Geschwistern aus der Ökumene lernen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine dreiteilige Beitragsserie. Den Abschluss bildet der katholische Gottesdienst.

In der letzten Generation ist der protestantische Gottesdienst katholischer und der katholische Gottesdienst protestantischer geworden. Das ist im Wesentlichen eine positive Entwicklung. Darüber hinaus folgen beide großen Kirchen schon immer demselben liturgischen Grundschema. Dennoch ist es reizvoll, beide Gottesdienstformen typologisch gegenüberzustellen. In diesem Sinne kann eine liebevolle Karikatur der genaueren Wahrnehmung helfen. In den folgenden vier kurzen Thesen setze ich voraus, dass meine Beschreibungen dem Idealtypus des katholischen Gottesdienstes entsprechen, aber nicht jeder tatsächlich abgehaltenen Messfeier; und ich setze voraus, dass diese Prinzipien den Wahrheitsgehalt des evangelischen Gottesdienstes erschließen können. Einfacher gesagt: Ein bisschen mehr Geheimnis wäre auch für uns Evangelische nicht schlecht. Aber zunächst zum Katholischen. Erstens: Der Katholik glaubt vor allem mit den Augen. Das Messgewand des Priesters, die Kleidung der Ministranten, der Einzug und die Handlungen am Altar folgen einer tief verwurzelten Ordnung, die weder erklärt werden kann noch muss. Die erhobene Hostie und die sorgfältige, umständliche Reinigung des Kelchs nach der Eucharistie zeigen, dass hier das Unerklärliche und Überintellektuelle geschieht. Das Sterben und Auferstehen und das Sich-Schenken des Gottessohnes an diejenigen, die daran schauend teilhaben, wird Wirklichkeit: »Kommt und seht!« (Johannes 1,39).

Die katholische Messe transportiert damit zweitens keine Gedanken oder Informationen. Sie ist in ihrem Kern nichts anderes als das rituell vergegenwärtigte Geheimnis selbst. Es geht nicht um eine zu übermittelnde Botschaft, sondern um die Realität des Mysteriums. Ein Mysterium aber ist wie ein Rätsel nicht zu entschlüsseln, sondern zu feiern. Das Geheimnis der Erlösung, wie es im Gottesdienst erfahren werden kann, ist der Abstieg Gottes in die Welt (»Katabasis«), der Aufstieg des menschlichen Herzens zu Gott (»Anabasis«) und der Durchgang der Welt von der jetzigen Zweideutigkeit zur Vollendung (»Diabasis«). Um weniger geht es nicht in der Liturgie – also um alles.

Drittens: Für den Katholiken gehört die Predigt zwar zum Gottesdienst – aber sie gehört dennoch nicht so recht zur Liturgie. Die offiziellen Dokumente sprechen seit der Konzilskonstitution »Sacrosanctum Concilium« des 2. Vatikanums von 1963 zwar vom Zusammenhang von Predigt und Mahl, aber die Empfindung ist bisweilen eben doch eine andere. Ein konservativer Liturgietheoretiker, der katholische Schriftsteller Martin Mosebach, schrieb darum vor einigen Jahren: »Die Predigt zerreißt das Kleid der Liturgie. Auch wenn man es nicht so scharf ausdrücken möchte: Die Predigt steht in der katholischen Messe immer in der zweiten Reihe. Sie dient dazu, den Zugang zu dem Geheimnis zu bahnen bzw. die ethisch-moralischen Konsequenzen des Geheimnisses zu erläutern und einzuschärfen. Sie ist der Weg zum oder vom Mysterium. Aber die Predigt selbst ist nicht Mysterium. Christus selbst spricht im Geschehen am Altar und in den Lesungen, nicht aber in der Predigt. Denn zu einer derartigen Aussage konnte sich auch das 2. Vatikanum nicht durchringen. Nach »Sacrosanctum Concilium« von 1963 sind Liturgie und Predigt weiterhin deutlich zu unterscheiden.

Viertens ist der katholische Priester damit Geheimnisträger. Er ist nicht vor allem Prediger. Er ist Gleichnis des Mysteriums, Gleichnis der Menschwerdung des Göttlichen und der Transformation des Menschlichen. In einer eher missverständlichen Formulierung heißt es in den katholischen Dokumenten, der Priester handele »in persona Christi«. Das kann hierarchisch und autoritär aufgefasst werden, als ob der Priester mit einer Gloriole versehen werden solle, die man psychologisch kaum (er)tragen kann. Das hätte in der Tat etwas Neurotisierendes für den Amtsträger wie für die Gemeinde. Und doch: Richtig an dieser Sicht ist – auch aus protestantischer Sicht –, dass der Pfarrer kein Volksredner, Conférencier oder Alleinunterhalter ist, sondern der Sachwalter und das lebendige Zeichen des die Welt durchdringenden Geheimnisses Jesu.

Protestantisch wird man diese Charakterisierung auch auf die Predigt ausdehnen. Der Prediger steht und steht ein für dieses Geheimnis: Die Lebensgeschichte Jesu, meine Lebensgeschichte und die Geschichte Gottes sind – wenn auch in verborgener Weise – miteinander verbunden. Diesen Zusammenhang deutlich zu machen, das ist die Aufgabe der am Gottesdienst Beteiligten, also auch des Predigers.

Mit dem Einstehen für das Geheimnis befindet sich der Prediger nicht über oder neben der Gemeinde. Im Gegenteil verhält er sich nur so, wie es nach Paulus allen Christen aufgegeben ist: »Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.« (1 Korinther 4,1)

Michael Meyer-Blanck

Der Autor ist Professor für Religionspädagogik an der Universität Bonn.

Flamme der Reformation angefacht

9. August 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Feuilleton

Comments Off

Heidelberg: In der Stadt am Neckar konnte Martin Luther 1518 erstmals seine um-strittenen Thesen diskutieren. Später gab es vor dem Altar der Heiliggeistkirche ein handfestes Gerangel zwischen Katholiken, Lutheranern und Reformierten.

Der 26. April 1518 war für Martin Luther eine Premiere: Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung seiner 95 Thesen hatte er zum ersten Mal außerhalb Wittenbergs die Möglichkeit, mit Akademikern darüber zu diskutieren. Bei den Heidelberger Professoren biss er allerdings mit seinen Vorstellungen über die Rechtfertigung – was also einen Menschen »gut« macht vor Gott – auf Granit.

»Wie das Mönchlein Martin zu Heidelberg die Flamme der Reformation anfacht«: Unter diesem Motto bietet die Stadt am Neckar einen unterhaltsamen und informativen Rundgang zu Luthers Besuch in Heidelberg an. Foto: Heidelberg Marketing GmbH

»Wie das Mönchlein Martin zu Heidelberg die Flamme der Reformation anfacht«: Unter diesem Motto bietet die Stadt am Neckar einen unterhaltsamen und informativen Rundgang zu Luthers Besuch in Heidelberg an. Foto: Heidelberg Marketing GmbH

Viel nachhaltiger sollte der 34-jährige Theologie-Professor Luther bei den Studenten wirken, die ihm in diesen Stunden zu Füßen saßen. Die Rechtfertigungslehre war die Basis für die Kritik am Ablasshandel, die Luther in den am 31. Oktober 1517 veröffentlichten 95 Thesen formuliert hatte.

Heidelberg gilt historisch nicht als Zentrum des lutherischen, sondern des reformierten Glaubens. Die kurpfälzischen Herrscher entschieden sich für diesen Teil der Reformation. Hier wurde 1563 der Heidelberger Katechismus verabschiedet, der stärker den Ideen von Johannes Calvin folgte als denen Luthers. Da die Reformierten Bildern gegenüber noch kritischer

waren als die Lutheraner, sind manche Kirchen Heidelbergs bis heute im Inneren sehr schlicht.
Stadtführer Reinhard Störzner bietet spezielle Luther-Touren an. Der Heidelberg-Experte hat zur Kirchengeschichte der Stadt einen sehr persönlichen Zugang – er ist Vorsitzender des Ältestenkreises der Heiliggeistkirche im Herzen der Altstadt. Er berichtet lebendig von den heftigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken, Lutheranern und Reformierten. So gab es wegen des Streits um das richtige Verständnis vom Abendmahl vor dem Altar der Heiliggeistkirche ein handfestes Gerangel unter den Geistlichen. Diese Kirche war zudem 230 Jahre lang, bis 1936, durch eine Mauer in zwei Teile getrennt, Katholiken und Protestanten hatten verschiedene Eingänge.

Auf dem heutigen Universitätsplatz, wo im 16. Jahrhundert das Augustinerkloster stand, wurde 1983 zum 500. Geburtstag Martin Luthers eine Gedenkplatte in den Boden gelassen. Luther hatte im Kloster übernachtet und vermutlich in der benachbarten Artistenfakultät disputiert, berichtet Störzner. Anlass war die Generalversammlung des Augustiner-Ordens, dessen Generalvikar Johann von Staupitz Luthers Beichtvater war. Der Augustiner-Mönch Luther war, teilweise zu Fuß, aus Wittenberg gekommen.

Luther lobte drei Wochen nach seinem nur einige Tage währenden Aufenthalt in einem Brief die Atmosphäre der Disputation. Die Dozenten hätten sich ihm »aufs Beste empfohlen«. Nur einer der Doktoren habe die ganze Zuhörerschaft zum Lachen gebracht mit dem Spruch: »Wenn das die Bauern hörten, würden sie Euch gewiss steinigen und totschlagen.« Gleichzeitig bedauerte Luther, dass er bei den altgedienten Professoren mit seiner Botschaft nicht landen konnte. Er äußerte die Hoffnung, dass die »wahre Theologie, von jenen eingebildeten Alten verstoßen, sich zur Jugend wende«.

Und genau das passierte: Unter den Zuhörern saßen mehrere junge Männer, die später die Reformation im Südwesten durchsetzten: Martin Bucer (Reformator in Straßburg), Johannes Brenz (Schwäbisch Hall/Stuttgart), Martin Frecht (Ulm) und Theobald Billican (Nördlingen). So hatte Luthers Auftritt am Neckar eine viel nachhaltigere Wirkung, als er wohl selbst nach seiner Disputation erwartet hätte.

Erinnerungen an den kurzen Besuch des 34-jährigen Reformators gibt es in der Stadt kaum. Neben der Peterskirche, die heute als Universitätskirche dient, steht seit 1883 eine Luther-Eiche. Ein Glasfenster weist Kirchenbesucher auf die großen Köpfe der Reformbewegung hin. Außerdem steht ebenfalls in der Altstadt die Providenzkirche, ein 1661 fertiggestellter lutherischer Kirchenbau, den Kurfürst Karl-Ludwig seiner Zweitfrau Louise von Degenfeld errichten ließ. Der Streit der Konfessionen ging manchem Heidelberger in den vergangenen Jahrhunderten auch mächtig auf die Nerven. Stadtführer Störzner zitiert dazu einen historischen Spottvers: »Die Katholiken sind voller List und Tücken. Die Calvinisten sind keine rechten Christen. Doch die größten aller Ochsen – sind die lutherischen Orthodoxen.«

Die eigentliche Renaissance erlebt der Reformator Martin Luther derzeit im Foyer der Heiliggeistkirche. Dort steht er als Playmobilfigur zum Verkauf. »Unser Bestseller«, schmunzelt Störzner.

Marcus Mockler

Beim Rundgang zu Luthers Besuch in Heidelberg wird besonderes Augenmerk auf die frühe Entwicklungsphase der Reformation gerichtet, um von da einen Bogen zu schlagen zu den Folgen und Wirkungen der Umwälzungen für Hof, Stadt und Land bis in die Gegenwart (Dauer: 2 Stunden), Anmeldung: E-Mail <guide@heidelberg.de> Telefon (0 62 21) 14 22-23/-24/-25/-26

www.heidelberg-tourismus.de

Krakaus Lutheraner und der katholische Weltjugendtag

1. August 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Draußen, in der Krakauer Fußgängerzone, singen und tanzen die Jugendlichen aus ganz Europa. »Italia, Italia«, schreit eine Pilgergruppe, die hinter einer überdimensionierten italienischen Flagge vom Wawel zum Marktplatz zieht. Und als Pfarrer Roman Pracki die Türen der Martinskirche öffnet, strömt sofort eine Pilgergruppe aus Pforzheim in das Gebäude. Was bemerkenswert ist, denn die direkt am Fuß des Wawel gelegene Martinskirche ist eine evangelische Kirche. Und Pracki gehört zur Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
»Unsere Gemeinde hier in Krakau gibt es seit der Reformation«, berichtet der Theologe eine Etage weiter oben, in seinem Büro, in perfektem Deutsch. Heute lebten 600 Lutheraner in Krakau – ein Drittel stammten aus lutherischen Familien aus Krakau, ein Drittel sei aus dem traditionell lutherisch geprägten Teschener Land zugezogen, ein weiteres Drittel konvertiert. Welt-31-2016»Der Weltjugendtag erinnert mich an unsere Jugendevangelisationen, die wir in einem weit kleineren Maßstab jedes Jahr in Dziegielów anbieten.«

Im Vorfeld des Weltjugendtags hätten die im ökumenischen Rat von Krakau organisierten Minderheitenkirchen, zu denen neben Lutheranern auch Methodisten, Altkatholiken und Orthodoxe gehören, den Katholiken Räume für Veranstaltungen angeboten und gemeinsame Angebote vorgeschlagen. »Daran bestand seitens der Katholiken aber kein Interesse, auch wenn die Ökumene hier in Krakau sonst durchaus funktioniert«, sagt Pracki, der selbst an einer katholischen Hochschule evangelische Liturgik unterrichtet. »So wird der einzige ökumenische Akzent im Programm des Weltjugendtags das Treffen des Papstes mit den Bischöfen der Minderheitenkirchen bleiben – wie schon bei den vergangenen Papstbesuchen in Polen.«

Im persönlichen Kontakt seien die Katholiken in Krakau aber häufig sehr offen für Anliegen der Lutheraner – so gebe es gemeinsame Gottesdienste, speziell auch für Menschen, die in gemischt-konfessionellen Ehen lebten. »Wir sind ja auch eine konservative lutherische Kirche, so wie die Altlutheraner in Deutschland«, sagt Pracki. Und wenn im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Cracowia Sacra« alle Kirchen der Stadt die Türen öffnen, beteiligten sich natürlich auch die Protestanten daran.

Während der Woche des Papstbesuchs finden in der Kirche Orgelkonzerte und Kirchenführungen statt, und natürlich am Sonntag die drei Gottesdienste, die jeden Sonntag gefeiert werden. Was der Weltjugendtag mit Krakau macht? »Es ist auf jeden Fall eine Veranstaltung, die für eine positive Stimmung in der Stadt sorgt und allgemein für das Christentum wirbt«, sagt Pracki. »Und weil Polen ein mehrheitlich katholisches Land ist, haben auch viele Einwohner großes Verständnis für die Jugendlichen – das sieht man etwa in der Straßenbahn, wo die Pilger sofort gefragt werden, wo sie denn herkämen.« Wer mit dem Weltjugendtag nichts zu tun haben wolle, sei ohnehin in Urlaub gefahren.

Benjamin Lassiwe

Gemeinsam aufstehen

2. März 2016 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Weltgebetstag: Kinder und das Zusammenleben der Generationen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Liturgie aus Kuba

Wenn am 4. März zum Weltgebetstag eingeladen wird, schauen Christen weltweit auf einen kleinen Inselstaat in der Karibik: Kuba.

Vengan, vengan to-dos – Steht auf, steht gemeinsam auf: Dieser Kanon aus der kubanischen Weltgebetstagsordnung bringt auf den Punkt, was die Frauen des Inselstaates der Welt zu sagen haben: Steht gemeinsam auf. Träumen wir von der Zukunft. Leben wir unsre Träume. Bauen wir am Reich Gottes. In den Mittelpunkt der Liturgie haben sie die Kinder und das Zusammenleben der Generationen gestellt. Die Kubanerinnen wissen, was damit verbunden ist. Leben doch viele Familien auf engstem Raum zusammen, da der Wohnraum knapp ist. Nicht nur Eltern, Großeltern und Kinder bewohnen ein Haus mit oft nur ein oder zwei Zimmern, manchmal sind auch Tanten und Onkel mit dabei. Das hat Vorteile, wenn es um die Kinderbetreuung geht. Aber vor allem Nachteile: Junge Paare, die keine Wohnung bekommen, wollen auch keine Kinder oder höchstens eins. So steigt die Überalterung in Kuba rapide.

Seit den 1970er Jahren hat der kubanische Staat eine ganztägige Kinderbetreuung aufgebaut. Dennoch verzichten wegen der beengten Wohnverhältnisse viele junge Paare auf Kinder – was zu einer rapide zunehmendenen Überalterung der Gesellschaft führt. Fotos: WGT/HeinerHeine; WGT/Karin Schmauder

Seit den 1970er Jahren hat der kubanische Staat eine ganztägige Kinderbetreuung aufgebaut. Dennoch verzichten wegen der beengten Wohnverhältnisse viele junge Paare auf Kinder – was zu einer rapide zunehmendenen Überalterung der Gesellschaft führt. Fotos: WGT/HeinerHeine; WGT/Karin Schmauder

Zum kubanischen Weltgebetstagskomitee gehören Baptistinnen, Katholikinnen, Frauen von der Heilsarmee oder der presbyterianischen Kirche. Ormara Nolle Cao ist die Präsidentin des Komitees. Seit 2007 hat man sich bemüht, als Weltgebetstagsland ausgewählt zu werden, berichtet sie. Die Weltgebetstagsversammlung in New York wählte den Inselstaat 2012 aus. Im Jahr darauf begann die Arbeit für die kubanischen Christinnen. »Es war schwierig, aber ein Segen für alle, die daran mitgearbeitet haben«, sagt Ormara. Das Hauptproblem sei die Verständigung mit dem internationalen Komitee gewesen. »Es war nicht leicht, ihnen begreiflich zu machen, was uns beschäftigt.« Da ging es zum Beispiel um den Begriff »Blockade« in den Gebetsbitten. Auf ihn wollten die Kubanerinnen nicht verzichten, in New York kam das Wort dagegen nicht gut an. Ein Ringen auf den verschiedenen Ebenen, das sich letztlich lohnte und zur gegenseitigen Wertschätzung und Verständigung beitrug.
Welt-2-09-2016Die Entspannung zwischen den USA und Kuba und dass Barack Obama im März als erster Präsident der Vereinigten Staaten in das lange verfemte Kuba reisen wird, war am Anfang der Vorbereitungen nicht abzusehen. »Es hat sich seit Dezember 2014 so viel verändert. Wir sind sicher, dass nichts ohne Gottes Führung passiert«, ist Ormara überzeugt.

Wer sich genau umhört im Lande, spürt, dass die Christen lange vom Staat unterdrückt wurden. Sie konnten keine Leitungspositionen bekleiden und waren vom Studium der Geisteswissenschaften ausgeschlossen. Vor allem die älteren Frauen haben das Gemeindeleben aufrechterhalten. Frauen sind die Starken im Land, bis heute. Auch wenn der kubanische Mann als Macho bekannt ist, Frauen zeigen eine große Kreativität im Kampf ums tägliche Leben. Sie sorgen für die Familien, geben christliche Werte und Traditionen weiter, engagieren sich bei kirchlichen Vorhaben. Trotz der Doppelbelastung sind sie heute auch in Wirtschaft und Gesellschaft stark vertreten. Die Politik wird allerdings nach wie vor von dem überalterten und männlich dominierten Politkader aus regiert.

Die Weltgebetstagsbewegung hat die Konfessionen des Inselstaates zusammengebracht. 1981 wurde in Kuba erstmals Weltgebetstag gefeiert. Damals waren nur wenige Glaubensrichtungen vertreten. Inzwischen sind 30 Kirchen an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Das habe das Verständnis füreinander befördert und die Solidarität zwischen den Frauen gestärkt, sagt Ormara.

Dietlind Steinhöfel

Die Autorin war im Herbst 2015 zu einer Studienreise auf Kuba, zu der die Erwachsenenbildung und die Evangelischen Frauen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland eingeladen hatten.

Weltgebetstag der Frauen
Jedes Jahr am ersten Freitag im März laden Christinnen unterschiedlicher Konfessionen zum gemeinsamen Gebet ein. In mehr als 170 Ländern wird dann der Weltgebetstag der Frauen gefeiert, in diesem Jahr am 4. März. Dabei steht jedes Mal ein anderes Land im Mittelpunkt. 2016 ist es die Karibikinsel Kuba. In Deutschland beteiligen sich jährlich bis zu einer Million Menschen am Weltgebetstag. Die Idee zu der inzwischen weltgrößten ökumenischen Basisbewegung stammt aus den USA, wo sich Christinnen 1887 erstmals zu einem Weltgebetstag versammelten. 1927 wurde der erste internationale Gebetstag gefeiert. Seit 1949 wird dieser Tag auch in Deutschland begangen.


Taxifahrt durch die Geschichte

13. Oktober 2015 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Nordirland: Die Mauer zwischen Katholiken und Protestanten in Belfast steht schon länger als die Berliner Mauer

Seit fast einem halben Jahrhundert trennt im nordirischen Belfast eine Mauer die Wohngebiete der Katholiken und Protestanten. Der bis zu sieben Meter hohe »Peace Wall« hat Tore, die tagsüber eine Durchfahrt erlauben. Zum Beispiel für eine »Black Taxi Tour«.

Brandons Hände halten nicht still. Dabei sollte er sie als Taxifahrer eigentlich am Lenkrad lassen. Stattdessen zeigt der 51-Jährige ständig etwas, gestikuliert in der Luft, macht weit ausholende Bewegungen. Und zu erklären hat er viel. Denn Brandon chauffiert seine Fahrgäste nicht mit irgendeinem Taxi in irgendeiner Stadt herum. Als »Black Taxi«-Fahrer bietet er geführte Touren durch die Problemviertel seiner Heimatstadt. Die Rede ist von normalen katholischen und protestantischen Wohngebieten. Ganz normal – ginge es hier nicht um Belfast und seine besondere, blutige Geschichte. Auf den Spuren dieser Geschichte führt die »Black Taxi Tour« auf beide Seiten des immer noch schwelenden Konflikts.

Brandon, selbst Katholik, fährt zunächst in die protestantische Hochburg um die Shankill Road, ein Arbeiterviertel in West-Belfast. Das gehört zum Konzept der »Black Taxi Tour« und auch, dass er dort neben weiteren Fahrgästen auf seinen Kollegen Allister trifft: ein Protestant, der die Führung hier übernimmt. Denn dass ein Katholik an diesem Ort über die Geschichte des Konflikts spricht, ginge denn wohl doch zu weit, auch wenn sich die beiden Taxifahrer als Fotomotiv für ihre Fahrgäste demonstrativ den Arm um die Schulter legen.

Allister weist auf die gleichförmigen, zweistöckigen Backsteinbauten, an deren Stirnseite riesige Wandbilder prangen. Einige von ihnen sollen an »Märtyrer« der protestantischen Seite erinnern – Mörder für viele Menschen auf der anderen Seite. Eine Giebelwand schmückt die Abbildung von Martin Luther mit seinem berühmten Zitat »Hier steh ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir.« Während Brandon das übergroße Bild des Reformators betrachtet, erzählt er: »Noch vor 20 Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, einmal mitsamt protestantischen Kollegen Touristen zu beiden Seiten der Mauer zu fahren!«

Seit 1969 trennt die sieben Meter hohe Mauer die Wohngebiete der verfeindeten Protestanten und Katholiken in Nordirlands Hauptstadt Belfast (links). Der Katholik Brandon (rechts) konnte sich vor 20 Jahren noch nicht vorstellen, einmal mit protestantischen Taxikollegen beiderseits der Mauer zu fahren. Fotos: Peter Beyer

Seit 1969 trennt die sieben Meter hohe Mauer die Wohngebiete der verfeindeten Protestanten und Katholiken in Nordirlands Hauptstadt Belfast (links). Der Katholik Brandon (rechts) konnte sich vor 20 Jahren noch nicht vorstellen, einmal mit protestantischen Taxikollegen beiderseits der Mauer zu fahren. Fotos: Peter Beyer

Das »Black Taxi«-Projekt ist ein Erfolg. Die Taxifahrer verdienen sich damit ein Zubrot, die Touristen bekommen aus erster Hand eine Ahnung von der blutigen Geschichte der Stadt. Ein Schritt in Richtung Stabilität, vielleicht. Jedenfalls ein Hoffnungsschimmer. Immerhin wird seit Jahren in Belfast nicht mehr geschossen. Doch die Mauer, das fügt Brandon rasch hinzu, sei zwar ein Gräuel, hielte aber den Frieden aufrecht. Er erzählt, Bewohner beider Seiten hätten 2010 eine Initiative gestartet, um die Mauer abreißen zu lassen. Doch bei den Gesprächen stellte sich heraus, dass es immer noch eine radikale, wenn auch winzige Minderheit gibt, die nicht bereit ist für Versöhnung und Frieden. Und so hat die Peace Wall weiter Bestand, werden die großen, eisernen Tore der Mauer bei Unruhen und nachts geschlossen.

»Heute haben die militanten Kämpfer auf beiden Seiten nicht mehr den Einfluss wie früher. Trotzdem gewinnen sie nach wie vor Jugendliche für ihre Ziele«, berichtet Brandons Taxifahrerkollege Allister. »Aber die meisten jungen Menschen wollen ein ganz normales Leben führen«, fügt er hinzu. Dann berichtet er mit einer Spur von Optimismus in der Stimme von Austauschprogrammen, bei denen junge Menschen Gleichaltrige auf der anderen Seite der Mauer besuchen. Banal, aber hier ein Fortschritt. An einen baldigen Mauerfall glaubt auch Allister nicht. Die Mauer erfüllt auch für ihn nach wie vor eine Schutzfunktion.

Nachdem Brandon seine Fahrgäste wieder aufgenommen hat, geht es weiter entlang der über sieben Meter hohen Betonabsperrung. Eigentlich sollte sie nur ein Provisorium sein, berichtet der Nordire am Steuer. Nach schweren Zusammenstößen im August 1969 errichtet, müsse sie nur ein oder anderthalb Jahre stehen, versicherten die Behörden den Anwohnern seinerzeit. Fast 50 Jahre später steht die Mauer aus Stahl, Beton und Stacheldraht auf der Krone immer noch an Ort und Stelle.

Auf der anderen, der katholisch geprägten Seite geht es entlang der Falls Road zu einer Gedenkstätte. Wandmalereien bekunden Solidarität mit anderen Befreiungsorganisationen, etwa denen der Kurden, Palästinenser, Katalanen und Basken. Auch hier sind viele Häuserfassaden mit überdimensionalen Wandbildern bemalt, die an »Helden« der katholischen Seite erinnern, Märtyrer für viele Menschen auf dieser Seite der Mauer, Mörder für viele auf der anderen. Eines erinnert an den 15. August 1969, als Gerald McAuley, selbst fast noch ein Kind, von einem Scharfschützen erschossen wurde. Brandon liefert seinen Fahrgästen sogar die genaue Uhrzeit und braucht nicht näher an die Gedenktafeln heranzutreten, um Zahlen und Fakten zu den Opfern dieser Seite vorzutragen.

Wann der blutige Konflikt ein Ende hat, wann die Mauer fallen kann? »Nachdem wir bei den Gesprächen 2010 die Realität erkannt hatten, baten wir die Regierung, die Mauer weitere
20 Jahre stehen zu lassen«, sagt Taxifahrer Brandon sichtlich enttäuscht. Die Berliner Mauer stand 25 Jahre. Wenn kein Wunder geschieht, wird die Mauer in Belfast mindestens doppelt so lange Bestand haben.

Peter Beyer (Text und Fotos)

Die Gebetserhörung verschlafen

1. September 2015 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Interview: Jahrelang wurde für Chinas Christen gebetet – doch Gottes Antwort haben viele noch nicht wahrgenommen

Er nennt sich »Chinabeauftragter des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Deutschland«. Seit 2004 reiste Albrecht Kaul bisher 16 Mal ins Reich der Mitte. Und korrigierte das gewohnte China-Bild. Harald Krille sprach mit ihm.

Herr Kaul, es gibt »Russland-Versteher« und »Islam-Versteher« – Sie sind der fromme »China-Versteher«?
Kaul:
Das könnte man vielleicht sagen. Weil ich mittlerweile schon sehr oft in China war und natürlich versuche, vor allem die Christen dort ein bisschen besser zu verstehen.

Wie kommt ein CVJM-Mitarbeiter dazu, nach China zu fahren?
Kaul:
Das hängt damit zusammen, dass es in China schon lange den CVJM gibt. Ich stamme ja aus der DDR. Da war es unmöglich, einen CVJM zu gründen, obwohl wir das immer wieder versuchten. Und so wollte ich wissen, wie lebt der CVJM in China? Deshalb bin ich dann 2004 sieben Wochen völlig allein nach China gereist. Und ich habe da erstaunliche Dinge gesehen und erlebt.

Die meisten verbinden China bisher eher mit Christenverfolgung und Repression …
Kaul:
Das stimmte in Zeiten der Kulturrevolution und sogar noch vor 20 Jahren. Doch inzwischen hat sich so vieles in China geändert, dass man eigentlich bloß von einem Wunder Gottes sprechen kann. Es stehen praktisch in allen Städten Kirchen und in denen wird jeden Sonntag zwei-, drei-, vier-, mitunter sogar fünfmal Gottesdienst gefeiert, weil so viele Menschen kommen. Man kann Bibeln kaufen, freie Evangelisten reisen unbehelligt durch das Land. In Nanjing steht übrigens die größte Bibeldruckerei der Welt!

Sie sprechen von offiziellen, staatlichen genehmigten Gemeinden?
Kaul:
Ja, von der protestantischen sogenannten Drei-Selbst-Kirche: Selbstverwaltung, Selbstausbreitung, Selbstfinanzierung. Die ist vom Staat genehmigt, weil die Menschen in diesen Kirchen einen Halt finden und der Staat weiß, wir können uns auf diese Leute verlassen. Die sind ehrlich, die sind gute Arbeiter, die kümmern sich um Benachteiligte. Deshalb fördert der Staat die Kirche in einem gewissen Maße. Das passt zwar mit der Ideologie nicht zusammen. Aber Ideologie und Praxis ist in China ein riesengroßer Unterschied, siehe die kapitalistische Wirtschaftspraxis.

Albrecht Kaul war 16 Jahre Landesjugendwart im sächsischen Jungmännerwerk und von 1995 bis 2009 stellvertretender Generalsekretär des CVJM in Deutschland. Foto: Harald Krille

Albrecht Kaul war 16 Jahre Landesjugendwart im sächsischen Jungmännerwerk und von 1995 bis 2009 stellvertretender Generalsekretär des CVJM in Deutschland. Foto: Harald Krille

Das passt auch nicht zu dem, was man immer wieder einmal zu hören bekommt über die verfolgte Untergrundkirche.
Kaul:
Es gibt die nicht registrierten Hauskirchen. Wörtlich übersetzt heißen sie eigentlich Familienkirchen. Sie selbst lehnen den Begriff Untergrundkirche ab. Denn sie sagen zu Recht: Der Staat weiß um uns Bescheid, er beargwöhnt uns, er kontrolliert uns, wenn er irgendwie kann. Aber er lässt uns zur Zeit in Frieden.

Aber man hört von Verhaftungen?
Kaul:
Es kommt zu einzelnen Verhaftungen. Etwa dort, wo ein Hauskreispastor sich extrem mit dem Staat anlegt oder man illegale Gebäude errichtet. Es gibt aber auch das, was ich vorsichtig als »martyriumssüchtige« Menschen bezeichnen würde. Doch das sind Ausnahmen. Die große Masse der schätzungsweise zwischen 90 und 130 Millionen Christen erlebt organisierte Verfolgung nicht mehr.

Man wirft den Kirchen der DDR manchmal vor, sich politisch zu angepasst verhalten zu haben. Trifft das dann nicht auch für Chinas offizielle Kirche zu?
Kaul:
Das könnte man ihnen sicher vorwerfen. Sie selbst sagen aber, wir haben zurzeit keinen anderen Weg. Wir wollen das Evangelium verkündigen. Wir wollen, dass Menschen Gott erkennen und Werte in ihrem Leben finden. Und da wollen wir nicht den Staat ärgern. Wenn Christen sich dann für Menschenrechte einsetzen oder gegen konkretes Unrecht, das in China ja pausenlos passiert, dann ist das nicht eine Aktion der Kirche, sondern von engagierten Einzelpersonen.

Wir sprachen bisher von der protestantischen Kirche …
Kaul:
… die in China eine nach-konfessionelle Kirche ist, also nicht mehr aufgeteilt in verschiedene Denominationen, sondern nur noch evangelisch. Bei den Katholiken gibt es zum einen die offizielle patriotisch-katholische Kirche, die vom Staat ebenfalls genehmigt ist und die nicht abhängig vom Ausland sein darf, also auch nicht vom Papst. Das macht natürlich Probleme für diejenigen Katholiken, die darauf bestehen, den Papst als ihren Heiligen Vater zu ehren und ihm zu gehorchen. Diese Christen können ihre katholische Praxis nur im Untergrund leben.

Noch vor Jahren gingen Schätzungen von 20 Millionen Christen in China aus. Wie ist diese explosionsartige Zunahme zu erklären? Was fasziniert Chinesen am christlichen Glauben?
Kaul:
Vor allem, dass Menschen im Christentum nicht als Volksmasse, sondern als Individuum wahrgenommen werden. Dass da ein persönlicher Gott ist, der mich, den kleinen Chinesen, einen unter Milliarden, anspricht und liebt, das ist die revolutionäre Botschaft, die ihnen bei jedem Gottesdienst aus dem Gesicht strahlt.

Ein Aufbruch, den wir bisher kaum realisiert haben.
Kaul:
Ja, wir haben jahrelang in unseren Kirchengemeinden für China gebetet, dass es eine Lockerung gibt, dass die Christen Freiheit haben. Und die Erhörung unserer Gebete haben wir regelrecht verschlafen. Dabei kann uns das Beispiel China Mut machen, für unsere christlichen Geschwister in Nordkorea und in den islamischen Ländern zu beten. Gott kann eine Situation wandeln. Er ist stärker als der Kommunismus und auch stärker als der »IS«.

Die sächsische Kirchenzeitung »DER SONNTAG« lädt vom 9. bis 19. Februar 2016 zu einer Leserreise mit Albrecht Kaul nach China ein. Weitere Informationen bei der Redaktion DER SONNTAG, Telefon (03 41)-7 11 41 70, E-Mail: <reisen@sonntag-sachsen.de>

»Und vergib uns unsere Schuld«

1. Dezember 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Comments Off

Glaubenskurs: Wie wir befreit leben können – das Angebot der Beichte

Ein Katholik hat die Beichte, um sich von seinem Geheimnis zu erholen, eine großartige Einrichtung … Ich habe bloß meinen Hund, er schweigt wie ein Priester, und bei den ersten Menschenhäusern streichle ich ihn.« Max Frisch bringt die Verlegenheit evangelischer Christen mit der Beichte erzählerisch auf den Punkt. Eigentlich eine großartige Einrichtung der Katholiken, aber nicht bei uns Protestanten. Warum eigentlich nicht? Wir haben zwar eine schwache Ahnung, wie entlastend und erlösend das Aussprechen des Verborgenen sein kann. Aber faktisch bleiben wir doch mit unserer Last
allein.

»Ich muss dir was beichten, Schatz!« Die tiefe Sehnsucht, sich etwas von der Seele zu reden, nehme ich auch in Talkshows oder der Boulevardpresse wahr. Hier werden Intimitäten und Versäumnisse öffentlich »gebeichtet«, die besser im Verborgenen bleiben sollten. Warum fällt es uns so schwer, dem menschlichen Bedürfnis nach Entlastung geeignete geistliche Formen zu geben?

An überzeugenden Vorbildern der evangelischen Ahnengalerie kann es jedenfalls nicht liegen. Für Martin Luther liegt in der praktizierten Beichte sogar eines der entscheidenden Merkmale des Christseins: »Wenn ich daher zur Beichte ermahne, so tue ich nichts anderes, als dass ich ermahne, ein Christ zu sein.« Und immer wieder gab es in der Kirchengeschichte geistliche Aufbrüche, die mit der Wiederentdeckung der Beichte gekoppelt waren, sei es beim älteren Blumhardt oder bei Dietrich Bonhoeffer.

Foto: Harald Krille

Foto: Harald Krille

Möglicherweise sind unsere Schwierigkeiten mit der Beichte darin begründet, dass »Sünde« (ähnlich wie die eng damit zusammenhängende Beichte) im heutigen Sprachgebrauch missverständlich und dunkel geworden ist. Gemeint ist damit ursprünglich nicht die moralische Verfehlung, sondern die Entfremdung von Gott. Sünde bringt die gestörte Beziehung zwischen Gott und Menschen zum Ausdruck. Im Griechischen ist das Wort aus der Sprache der Bogenschützen entnommen: »Zielverfehlung«. Sünde meint damit, dass Menschen das von Gott gesetzte Ziel verfehlen. Folglich setzt die Beichte bei der Beziehung zwischen Gott und Menschen an.

Sehr plastisch wird dies im Gleichnis vom Vater und seinen beiden Söhnen (Lukas 15). Der jüngere Sohn landet bei seinem Weg schließlich ganz unten bei den Schweinen, beziehungslos und einsam. Aber dieser Tiefpunkt wird zum Wendepunkt: »Da ging er in sich.« Ihm wird deutlich, was in seinem Leben falsch gelaufen ist. In ihm reift ein Entschluss, der zum Neuanfang wird: »Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden.« Zu Hause dann die große Überraschung: Hier wird nicht der zerknirschte Sünder empfangen. Nein, der Vater wartet längst auf seinen Sohn, läuft ihm entgegen und feiert ein Freudenfest.

Zugänge zur Beichte eröffnen sich, wenn wir neu den biblischen Zusammenhang von Schuld und Vergebung verstehen. Schließlich zielt das Angebot der Beichte auf einen neuen Anfang in unserer Lebensgeschichte, losgelöst aus den Verstrickungen zurückliegender Verfehlungen. »Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit« (1. Johannes 1,9). Weil Gott treu, gerecht und gütig ist, dürfen Christen beichten.

Damit sind die beiden Teile der evangelischen Beichte genannt: das Sündenbekenntnis und der Vergebungszuspruch. Zugleich ist damit markiert, wo das menschliche Bedürfnis nach Entlastung den besten Platz hat – da, wo mit dem Bekenntnis der eigenen Verfehlungen auch die Zusage des Freispruchs verbunden ist.

In der Bergpredigt macht Jesus deutlich, dass wir nicht beten oder spenden sollen, um von den anderen gesehen zu werden (Matthäus 6). Ähnlich ist es mit der Beichte, sie sollte normalerweise im Verborgenen ausgesprochen werden, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Besonders hilfreich kann dabei sein, nicht im stillen Kämmerlein mit möglichen Gewissensbissen oder Selbsttäuschungen allein zu bleiben, sondern sich im geschützten Rahmen aussprechen zu können und die Vergebung persönlich zugesprochen zu bekommen. Albrecht Schödl

Der Autor ist Pfarrer am Christuspavillon im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen/Thüringen.

»Gedenk, o Mensch, dass du Staub bist«

5. März 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Comments Off

Was hinter dem Aschermittwoch steckt – Bruch, Umkehr, Innehalten, Befreiung und Hoffnung für Burn-out-Kranke

In der Domkirche von Halberstadt trieb sich vor gar nicht so langer Zeit an jedem Aschermittwoch ein zerlumpter, vermummter Mensch herum, den man nach dem Gottesdienst auf die Straße jagte. Bis Mitternacht musste dieser »Adam«, wie man ihn nannte, barfuß durch die Gassen laufen und sich vor jeder Kirche verneigen. Das wiederholte sich nun täglich bis zum Gründonnerstag; da wurde »Adam« feierlich wieder in die Gemeinde aufgenommen und erhielt eine schöne Stange Geld, das man für ihn gesammelt hatte. »Adam« diente den Halberstädtern buchstäblich als Sündenbock, denn man glaubte, dass er mit seinem unentwegten Herumpilgern die Schuld der ganzen Stadt abgebüßt hatte.

So streng und finster ging es einstmals zu in der Fastenzeit. Fleisch zu essen und Tanzveranstaltungen abzuhalten, war vielerorts gesetzlich verboten und wurde von der staatlichen Obrigkeit geahndet.

Spenden des Aschekreuzes. Foto: Wikipedia

Spenden des Aschekreuzes. Foto: Wikipedia

Der barfuß durch die Straßen laufende »Adam« von Halberstadt erinnert an eine drakonische Sitte: die Austreibung der sogenannten öffentlichen Sünder am Aschermittwoch. Mörder, Gottesleugner, Ehebrecher bekannten im frühen Mittelalter ihre Schuld nicht privat im Beichtstuhl, sondern in der Kirche vor der ganzen Gemeinde. Während der Fastenzeit mussten sie dann ein Bußgewand tragen, durften sich nicht waschen und rasieren, stellten sich bisweilen auch am Sonntag vor das Kirchenportal, wo sie von den Gottesdienstbesuchern mit einer Rute geschlagen wurden – wenn auch sanft und dezent, in der Regel. Erst am Gründonnerstag nahm sie der Bischof wieder in die kirchliche Gemeinschaft auf.
Das heute noch im katholischen Aschermittwochsgottesdienst übliche Aschenkreuz ist eine schwache Reminiszenz an solch strenge Bräuche. Den Ritus gibt es seit dem zehnten Jahrhundert, die Asche gewinnt man aus den im Vorjahr bei der Palmprozession geweihten Zweigen. Der Priester segnet die Asche und streut sie den Gottesdienstbesuchern aufs Haupt oder er zeichnet ihnen ein Aschenkreuz auf die Stirn. Dabei zitiert er einen Satz aus der Schöpfungserzählung der Bibel: »Memento homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris – gedenk, o Mensch, dass du Staub bist, und zum Staub wirst du zurückkehren.«

In der Bibel und im Volksmärchen – Stichwort Aschenputtel – bedeuten Staub und Asche dasselbe: etwas Flüchtiges, völlig Gewöhnliches, komplett Wertloses. Hiob sitzt traurig in der Asche, nachdem er alles verloren hat, seine Habe und seine Familie. Wenn ein neuer Papst in sein Amt eingeführt wird, verbrennt ein Kardinal vor seinen Augen einen Wollfaden, um ihn daran zu erinnern, dass alle Herrlichkeit der Welt vergeht und auch die Papstwürde nur auf Zeit verliehen wird.

Seit Gott in Jesus Mensch geworden ist, vergänglicher, verwehender Staub, besteht allerdings Hoffnung, dass dieses nichtige Menschenleben geliebt ist, gerettet werden wird und eine Zukunft über den Tod hinaus hat. Burn-out, Tristesse, Depressionen, der Verlust von Schwung und Daseinsfreude, die bittere Sehnsucht nach Visionen und Perspektiven: Viele Menschen leiden heute darunter, dass unter der Asche ihres Lebens jede Glut erloschen ist. Das Bild hat aber auch eine positive Seite: Asche reinigt, wäscht den schmutzigen Belag ab, der vielleicht auch die Seele verkleistert und behindert.

Harte, provokante Bibeltexte sind am Aschermittwoch in den Kirchen zu hören: »Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eure Herzen (…) und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!« – »Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk und überlass dein Erbe nicht der Schande.« – »Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung. (…)

In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, durch Fasten, durch lautere Gesinnung, durch Güte.«

In alten Bräuchen, die anscheinend halb zum Fasching und halb zur Fastenzeit gehören, ist der Bruch spürbar: etwa im Geldbeutelwaschen am Morgen des Aschermittwoch. Die Symbolik ist klar: trauriger Abschied vom großzügigen Herumlumpen während der tollen Tage, aber auch Befreiung vom Besitzdenken und Materialismus. Oder am selben Tag das Fischessen: Schließlich ist der Fisch die älteste Chiffre für Christus, ein geheimes Erkennungszeichen aus der Zeit der Katakomben, denn die griechischen Anfangsbuchstaben der Formel »Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter« ergeben das Wort »ichthys«, Fisch. Wenn man das weiß, dann kann dieses Fischessen ein sprechendes Zeichen der Umkehr zu Christus sein.

Viele Menschen – und auch immer mehr Mediziner – entdecken das Fasten heute neu als einen Weg der inneren Freiheit. »Verzichten ist ein Zeichen von Stärke«, sagt der Benediktiner Anselm Grün und zitiert Sigmund Freud: Wer nicht verzichten kann, vermag kein starkes Ich zu entwickeln. Grün: »Und wer immer sofort jedes Bedürfnis befriedigen muss, der kann nicht wirklich genießen.«

Verzicht als Ermöglichung von Freiheit. Befreiung vom Zwang, dauernd zu trinken, klingt doch schon viel besser als Alkoholverbot. Wer Handy und PC nicht auch mal ausschalten kann, wird Schwierigkeiten im direkten Kontakt mit Menschen bekommen. Der Workaholic, der keine Erholung kennt, geht kaputt, seelisch und körperlich. Der Kontrastbegriff zum Verzicht heißt Sucht.

Fastenzeit: Sich von Überflüssigem trennen. Abhängigkeiten überwinden. Sich wieder an einfachen Dingen freuen. Die Lebensmitte wiederfinden. Das Sein höher schätzen als das Haben. Umkehren, sich aus Schuldverstrickungen lösen ist nichts Lebensfeindliches. Und die Einschränkungen beim Essen und Trinken sind nur Chiffre, Symbol für das, was eigentlich gemeint ist: Neuorientierung, Bewusstseinsveränderung, Kehrtwende.

Auch die Muslime kennen eine solche Zeit der Umkehr, arabisch Ramadan genannt, »der heiße Monat«. Muslime kombinieren das Fasten mit Meditieren, Schweigen, Koranlesen. Christen fasten ebenfalls, um Heilung für ein verwundetes, krankes, desorientiertes Leben zu finden und für Gott frei zu werden – aber sie haben noch eine zusätzliche Motivation: Sie fasten, wie es Jesus getan hat; und sie bereiten sich damit auf Ostern vor, das Fest der Auferstehung, wo die Fülle des Lebens gefeiert wird und alle Grenzen überschritten werden, auch die des Todes.

Deshalb sprechen die Katholiken heute lieber von »österlicher Bußzeit« als von Fastenzeit; die Protestanten halten am Begriff »Passionszeit« fest. Dem einen großen Gedanken der Umkehr, der Lebenswende dienen all die uralten und großteils vergessenen Riten und Bräuche in diesen Wochen, in denen zu besonderen »Fastenpredigten« und »Bußgottesdiensten« eingeladen wird und deren Sonntage geheimnisvolle Namen tragen: Okuli, Lätare, Judika nach den lateinischen Anfangsworten der uralten Eingangsgesänge Fastenzeit, Passionszeit, österliche Bußzeit: ein Weg der Umkehr, eine Entdeckungsreise in das eigene Innere, ein Abenteuerurlaub von den eingefahrenen Gewohnheiten, eine aufregende Suche nach neuen Möglichkeiten und Visionen. Die Suche beginnt mit der Frage, woran unser Herz hängt, was wir aufzugeben bereit sind, wonach wir uns sehnen, wo wir eigentlich hin wollen.

Wie es der protestantische Theologe Jörg Zink einmal ganz einfach und doch ziemlich poetisch ausgedrückt hat: »Herr, in deiner Hand verwandelt sich die Welt. Du sprichst: Ich bin die Auferstehung und das Leben! Und alles ändert sich vor unseren Augen. (…) In Christus ist die Erde auferstanden.«

Christian Feldmann

Vom Sektenmeer zum Massenphänomen

30. April 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Ökumene: Neue christliche Gemeinschaften und Bewegungen fordern weltweit die traditionellen Kirchen heraus

Noch bis zum Beginn der 90er des vergangenen Jahrhunderts beurteilten große Kirchenversammlungen Pfingstler, Charismatiker und Evangelikale abschätzig als Sekten. Das hat sich geändert.

Die Flut hebt alle Boote«: Mit diesem Bild fasste der Religionssoziologe Philip Jenkins die Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren der Auseinandersetzung mit dem rapiden Anwachsen neuer Kirchen bei einer Tagung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Rom zusammen. Denn mittlerweile werten die traditionellen christlichen Konfessionen die neuen religiösen Bewegungen differenzierter: teils als positive Herausforderung und Ansporn zur Selbstkritik, teils als Dialogpartner, teils als konfessionellen Gegner, der jede Form der Ökumene ablehnt.

Auf Anregung des damaligen Bischofs und späteren Vorsitzenden des päpstlichen Einheitsrats, Walter Kasper, starteten die katholischen Bischöfe in Deutschland bereits in den 90er Jahren ein Forschungsprojekt über die neuen kirchlichen Bewegungen. Wie wichtig ihre Ergebnisse und der Austausch mit anderen Experten über das vor allem – aber nicht nur – in Lateinamerika und Afrika starke Phänomen auch für den Vatikan sind, demonstrierte die Bischofskonferenz mit der Ortswahl der hochkarätig ­besetzten Konferenz. Kaspers Nachfolger als vatikanischer Ökumene-­Minister, Kardinal Kurt Koch, gestand denn auch als Schirmherr der dreitägigen Begegnung in Rom ein, dass die neuen Bewegungen eine »wirklich große Herausforderung« für die katholische Kirche seien.

Eine »vierte Grundform des Christseins«

Für den protestantischen Ökumene-Experten Christoph Raedel von der Kasseler CVJM-Hochschule erwies die Tagung die verbreiteten Klagen über einen angeblichen Untergang des Religiösen als Trugschluss. Protestanten und Katholiken stimmten mit Koch und der von ihm zitierten Dogmatikerin Margit Eckholt vielmehr darin überein, dass es sich um eine neue, »vierte Grundform des Christseins« handelt, die zu einer »Pentekostalisierung« (Verpfingstlichung) der alten Kirchen führt.

Herausforderung für traditionelle Kirchen: Volkstümlich und emotional geht es in einem pfingstkirchlichen Gottesdienst in der chilenischen Bergbaustadt Lota zu. Foto: epd-bild

Herausforderung für traditionelle Kirchen: Volkstümlich und emotional geht es in einem pfingstkirchlichen Gottesdienst in der chilenischen Bergbaustadt Lota zu. Foto: epd-bild

Die neuen Kirchen zählen mittlerweile 400 Millionen Mitglieder, rund ein Drittel der Zahl der Katholiken weltweit. Neben der katholischen, ­orthodoxen und den klassischen evangelischen Kirchen bilden sie inzwischen eine vierte Grundform christlichen Glaubenslebens. Koch rief die katholische Kirche bei der Konferenz mit dem Titel »Evangelikale – Pfingstkirchen – Charismatiker« zur Selbstkritik auf. »Die katholische Kirche muss sich die Frage stellen, was machen wir falsch, warum verlassen die Gläubigen uns?«

Priestermangel einerseits und mangelnde Antworten der Traditionskirchen auf die Lebenssituation von Migranten und einer zunehmend in die Städte ziehenden Landbevölkerung wurden bei der Konferenz als Hauptmängel der traditionellen Kirchen ausgemacht. Evangelikale und Pfingstkirchen geben von ihren alten religiösen Traditionen entwurzelten Menschen ein starkes Gemeinschafts- und Familiengefühl. Gleichzeitig verheißen sie oft Wohlergehen nicht erst im Jenseits, sondern auch materiellen Wohlstand im Diesseits.

Soziale Verantwortung und starke Rolle der Frauen

Für westliche Beobachter zunächst überraschend klangen Untersuchungsergebnisse, nach denen die Zugehörigkeit auch zu solchen christlichen Gemeinschaften, die materiellen Reichtum versprechen, verantwortliches Handeln und die Rolle der Frauen stärken. Letztere freuen sich etwa in Afrika, in Pfingstkirchen Männer zu finden, die ihr Geld nicht in Alkohol oder Glücksspiel investieren, sondern in das Wohlergehen der Familie.

Protestantische Kirchen seien im Vergleich zur katholischen auf zwei wesentliche Elemente besser vorbereitet, die den Erfolg der neuen Bewegungen ausmachen, konstatiert der Kasseler Ökumeniker Raedel. Ebenso wie die Evangelikalen und die Pfingstler spielten Frauen und Laien bei ­ihnen eine wichtige Rolle. Dass für die katholische Kirche eine Eucharistiefeier die Anwesenheit eines Priesters voraussetzt, erschwert deren Überleben vor allem in Lateinamerika, wo es vielen Gemeinden an Geistlichen fehlt.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick übte in Rom, angesichts der ­Abwanderung von Katholiken hin zu den neuen Bewegungen, zwar auch Selbstkritik. Mit Blick auf deren teils aggressive Praktiken bei der Anwerbung von Gläubigen forderte er jedoch: »Wir müssen kritische Fragen an die pfingstkirchlichen und evangelikalen Bewegungen stellen.«

Bei der Tagung wurde anhand der Ergebnisse des Forschungsprojekts der Deutschen Bischofskonferenz sowie von Teilnehmern aus den betroffenen Ländern deutlich, dass ein Teil der Bewegungen zum Dialog bereit ist. Andere Gruppen verstünden sich als grundlegende Opposition zu den traditionellen Kirchen, hieß es. Mit ­gefühlsbetonten Feiern wirken sie auf viele gerade auch für eine starke Frömmigkeit offene Gläubige jedoch attraktiver denn die vielfach als zu ­trocken und institutionalisiert wirkenden traditionellen Großkirchen.

Bettina Gabbe

Staunen auf der »Via Sacra«

4. Februar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Feuilleton

Comments Off

Reise: Sakrale Bauwerke und Kunstschätze im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck

Jeder kennt Dresden, Prag und Breslau, viele haben diese Städte auch schon ­einmal besucht – doch die Region dazwischen ist ­un­bekanntes Land. Ganz zu Unrecht, wie eine Reise auf der »Via Sacra« im ­deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck zeigt.

Eine große Fachwerkscheune, würde ein ahnungsloser Passant denken. Irritierend nur dieser Turm, der seitlich angebaut ist. Scheune? Nichts da. Eine Kirche. Und was für eine.

Rückblende. Nach dem Dreißigjährigen Krieg leben in Jauer – polnisch: Jawor – 150 Menschen; davor waren es 1400. Im Westfälischen Frieden 1648 werden den Protestanten im nun katholischen Schlesien drei eigene Kirchen zugestanden, die sogenannten Friedenskirchen. Unter Auflagen freilich: Steine dürfen nicht verwendet werden, Türme und Glocken sind verboten, gebaut werden muss außerhalb der schützenden Stadtmauern.

Die Friedenskirche in Jauer sieht von außen wie eine große Scheune aus, der Raumeindruck innen ist überwältigend. Fotos:MGO/ René Tech

Die Friedenskirche in Jauer sieht von außen wie eine große Scheune aus, der Raumeindruck innen ist überwältigend. Fotos:MGO/ René Tech

Die Friedenskirche in Jauer ist eine der beiden bis heute erhaltenen. Wäre der – später angefügte – Turm nicht, deutete von außen nichts auf das, was einen drinnen erwartet. Die Kassettendecke in 16 Metern Höhe schließt den Raum nach oben ab, an den Brüstungen der vier umlaufenden Emporen finden sich rund 200 Bildfelder, die meisten zeigen biblische Szenen. Sehenswert auch Kanzel, Hochaltar und Orgel – staunen aber macht vor allem der überwältigende Raumeindruck dieses Gotteshauses, das seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

2500 Sitz- und 3500 Stehplätze ­bietet die Kirche, informiert die Tonbandführung in deutscher Sprache. Nicht genug – sonntags seien oft 15000 Gläubige gekommen. »Ich habe nachgelesen«, korrigiert Tomasz Stawiak, »es waren bis zu 18000.« Sie kamen von weither, fügt der Pastor der heute recht kleinen evangelischen ­Gemeinde von Jauer hinzu: »Manche brauchten sieben Stunden – für einen Weg!«

Ortswechsel. Farbenfrohe Gewölbegemälde, riesige Kronleuchter, eine reich verzierte Kanzel. Und dann diese gewaltige Orgel über dem grandiosen Hochaltar – das soll ein evangelisches Gotteshaus sein?

Nun, die Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz im polnischen Jelenia Góra – deutsch: Hirschberg – ist zwar nach dem Zweiten Weltkrieg den Katholiken übertragen worden, doch sie wurde als protestantisches Gotteshaus erbaut. 1707 durften in Schlesien sechs weitere evangelische Kirchen gebaut werden – eine »Gnade« des Kaisers, weshalb sie Gnadenkirchen heißen.

Unten dunkel, oben hell und licht

Die Hirschberger Gnadenkirche bietet mit ihren zweigeschossigen Emporen über 4000 Gläubigen Platz. Verglichen mit den üblicherweise eher schmucklosen protestantischen Kirchen, erscheint die barocke Pracht in der Tat außergewöhnlich. Aber so hat es den Schlesiern gefallen, gelten sie doch als gefühlsbetonte Menschen, der Innerlichkeit und der Mystik zugeneigt.

Hirschbergs Gnaden- und Jauers Friedenskirche sind zwei der vier polnischen Stationen auf der »Via Sacra«, zu der außerdem vier Stätten in Tschechien und acht in Deutschland gehören. Die Kulturroute durch die Oberlausitz, Niederschlesien und Nordböhmen führt zu sakralen Bauten und Kunstwerken von europäischem Rang. Vier kirchliche Tagungs- und Bildungshäuser in Herrnhut, Markersdorf und Ostritz haben sich jetzt zusammengetan und bieten Reisenden das adäquate Quartier für Touren auf der »Via Sacra« an.

Das passt schon deshalb gut, weil die Route mit dem Slogan »Reisen ohne Grenzen. Durch die Jahrhunderte. Zur Besinnung« wirbt. Das Stichwort Besinnung ist ernst gemeint: »Wir wollen nicht, dass der Reiseleiter mit der Uhr am Bus steht und die Leute zur Eile antreibt«, sagt Volker Dudeck. Der ehemalige Direktor der Städtischen Museen Zittau ist der Initiator der »Via Sacra«.

Zur Besinnung kommen kann der Besucher zum Beispiel am Heiligen Grab in Görlitz. Die Andachtsstätte wurde vor gut 500 Jahren vor den ­Toren der Altstadt auf einer Anhöhe angelegt, wo Hingerichtete beerdigt worden waren. 33 Stufen – für die 33 Lebensjahre Jesu – führen hinauf zu den drei Linden, die für die drei Kreuze auf Golgatha stehen.

Dahinter erhebt sich die zweigeschossige Kreuzkapelle. Theologie in Stein: unten die Adamskapelle, ein dunkler, gedrückt wirkender Raum; ein Riss in der Mauer hinter dem Altar stellt die einzige Verbindung zur nur von außen zugänglichen Golgatha­kapelle darüber dar – in diesem ­hellen, lichten Raum finden sich drei Löcher für die Kreuzesstämme und eine Rinne seitlich des mittleren Lochs, die symbolisch das Blut Jesu auffängt und in den Spalt zur Adamskapelle mündet.

Ein Salbhaus und die Nachbildung des Jerusalemer Grabes Christi vervollständigen die Anlage, an die sich ein Hügelgelände anschließt: der ­Ölberg mit dem Garten Gethsemane. Dieses »Lausitzer Jerusalem« lädt tatsächlich zu Andacht und Meditation ein – durchaus im Unterschied zu den originalen Orten in Jerusalem.

Die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung im tschechischen Hejnice (Haindorf) mit dem Feldaltar Wallensteins, Deutschlands ältestes Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal oder die Herrnhuter Brüdergemeine – viele der 16 Stationen der »Via Sacra« lohnen einen ausgiebigeren Besuch. Nicht zu vergessen die Zittauer Fastentücher.

Das kleine ist die größere Rarität. Von seiner Art gibt es weltweit nur sieben Exemplare. Zudem gilt es als das einzige, das je von einer evangelischen Gemeinde in Auftrag gegeben wurde, obwohl doch Martin Luther Fastentücher für »Gaukelwerk« hielt.

Zur »Via Sacra« zählen 16 Kulturstätten in drei Ländern.

Zur »Via Sacra« zählen 16 Kulturstätten in drei Ländern.

Das große, seit 1999 in der ehemaligen Kirche zum Heiligen Kreuz ausgestellt, zieht alljährlich um die 30000 Besucher an. 1472 entstanden, verhüllte es 200 Jahre lang in der Fastenzeit den Altarraum der Zittauer Hauptkirche St. Johannis, sodass die Gemeinde weder die Zelebranten noch den prächtigen Altar sehen konnte – damit, erklärt Volker Dudeck, »wurde das körperliche Fasten durch ein Fasten der Augen ergänzt«.

Was im Fall des 8,20 Meter hohen und 6,80 Meter breiten Tuchs keine Nulldiät bedeutet: Es zeigt 90 Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Mit bemerkenswerten Details: Statt Löwe und Lamm liegen hier Katze und Maus beieinander; Kain und Abel sind als Zwillinge dargestellt. Allerdings hat der Künstler auch gepatzt: Erst zeigt er die Geburt Jesu, danach den Besuch Marias bei Elisabeth. Als er den Fehler bemerkt, malt er einfach »b« und »a« an die Bildränder.

Die Passion des Zittauer Fastentuchs

Weniger heiter nimmt sich die Geschichte des Tuches aus. Ein halbes Jahrtausend hat es unbeschadet überstanden – bis zum Mai 1945. Da fällt es sowjetischen Soldaten in die Hände, die es zerschneiden und damit eine Dampfsauna abdichten, die sie sich zusammengebastelt haben. »Damals hat das Tuch seine Passion erlebt«, sagt Volker Dudeck. Glück im Unglück: Es konnte vollständig geborgen und 1995 restauriert werden. Dass es nun in seiner zwar teils verblichenen, dennoch Ehrfurcht gebietenden Pracht zu sehen ist, gilt vielen als »Wunder von Zittau«.

Hubertus Büker

www.via-sacra.info