Der Countdown läuft

24. Dezember 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Von Predigtgedanken, Fußballfreunden, Sauerkraut und Kirchenglocken: Ein Gedankentagebuch des Schlotheimer Pfarrers Frank Freudenberg in den Tagen vor Weihnachten, im vergangenen Jahr.

Aufgezeichnet von Katharina Freudenberg

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

7.42 Uhr: Ein heißer Tee wärmt mir den Magen. Dann bringe ich unsere beiden Kinder zum Kindergarten.
8.04 Uhr: Großes Gewusel im Gemeindebüro. Es gibt noch viel zu organisieren: Die Liederhefte für die Gottesdienste müssen noch in die Ortschaften gelangen. Drängende Frage: Reichen die Präsente als Dank für die Krippenspielkinder?

9.35 Uhr: Den Urlaubsantrag für die Tage nach Weihnachten muss ich noch schnell ins Kirchenkreisbüro schicken.

22. Dezember, morgens im Gemeindebüro: Die Liederhefte für die Christvespern werden sortiert. Fotos: Katharina Freudenberg

22. Dezember, morgens im Gemeindebüro: Die Liederhefte für die Christvespern werden sortiert. Fotos: Katharina Freudenberg

9.45 Uhr: Am Schreibtisch angekommen setzte ich mich an die Predigt. Der Kerngedanke ist mir schon lange im Sinn: »Fürchtet euch nicht!« Wovor fürchten wir uns heute? Jetzt, nach dem Anschlag in Berlin liegt das Thema ganz oben auf. Es gibt so viele Ängste.

12.01 Uhr: Mitarbeiterweihnachtsessen in Sondershausen: Wir halten Rückblick auf das vergangene Jahr. Ich genieße den Moment der Besinnung. Es ist ein ereignisreiches Jahr gewesen. Ohne diese Zeiten des Innehaltens rast es einfach weiter.

14.24 Uhr: Einige Besorgungen liegen noch an: diverse Weihnachtsgeschenke und ein Kreativkoffer für die Christenlehre.

16.10 Uhr: Weihnachtsfeier des Fußballinternats, mit dem die Kirchengemeinde zusammenarbeitet. Angeregtes Gespräch mit einem ehemaligen Trainer über das anstehende Reformationsjubiläum und die Bewertung Martin Luthers in der evangelischen Kirche. Er ist überhaupt kein Kirchgänger, aber dennoch sehr interessiert.
17.05 Uhr: Nun ist es Zeit, den morgigen Gottesdienst im Seniorenheim vorzubereiten. Habe ich alle Weihnachtspräsente für die Senioren?
18.03 Uhr: Abendessen mit der Familie

20.01 Uhr: Zurück am Schreibtisch: aktuelle Zeitungslektüre. Erstaunlicherweise findet sich das weihnachtliche Motiv »Fürchtet euch nicht« in etlichen Zeitungskommentaren. Mir gehen einzelne Menschen durch den Kopf und wie sie das »Fürchtet euch nicht« wohl hören werden. Menschen zum Beispiel, deren Emotionen hochkochen, wenn sie das Wort »Geflüchtete« hören. Ich denke auch an manche Gemeindeglieder, die ein geliebtes Familienmitglied im vergangenen Jahr verloren haben. Und es gab schwere Schicksalsschläge.

Die Krippe der Pfarrersfamilie Freudenberg im Schlotheimer Pfarrhaus. Fotos: Katharina Freudenberg

Die Krippe der Pfarrersfamilie Freudenberg im Schlotheimer Pfarrhaus. Fotos: Katharina Freudenberg

10.01 Uhr: Gottesdienst im Seniorenheim: Wir singen schon mal die Weihnachtslieder, denn die meisten der Senioren können nicht in die Kirche kommen. Angeregte Stimmung, viele Redebeiträge. Jeder Gottesdienstteilnehmer bekommt ein kleines Geschenk zum Abschied. Jetzt geht’s los auf die Stationen – zu den Menschen, die das Bett nicht mehr verlassen können. Auch sie sollen einen kleinen Gruß bekommen.

12.15 Uhr: Problem. Der Josef ist uns abhandengekommen. Schon zur Generalprobe war er nicht da und seine Handynummer stimmt offensichtlich nicht mehr. Ärger steigt in mir hoch. Krippenspiel ohne Josef – das geht nicht. Im Team beraten wir, wer spontan einspringen könnte. Ich vielleicht? Ich telefoniere rum. Wer hat Josef gesehen? Ob Maria damals wohl auch solche Schwierigkeiten hatte?

14.03 Uhr: Besuch zum 91. Geburtstag eines Gemeindeglieds im Nachbardorf. Früher hat sie sich immer um das Krippenspiel gekümmert. Die Tochter der Jubilarin trällert ein Lied­chen.

15.27 Uhr: Im Seniorenheim: Plötzlich steht der Josef da. Er konnte zu den letzten Proben nicht kommen, sein Telefon war kaputt. Aber jetzt ist er da. Erleichterung macht sich breit. Erst recht als die Aufführung doch besser lief als befürchtet und ich nicht in die Rolle des Josef schlüpfen musste. Das Kostüm hatte ich schon dabei.

16.45 Uhr: Am Heiligabend soll es wie jedes Jahr ein traditionelles Weihnachtsgericht bei uns zu Hause geben. Genau das gleiche, mit dem ich aufgewachsen bin. Die Bratwürste sind schon besorgt. Aber das Sauerkraut und die Kartoffeln für die Klöße fehlen noch. Also schnell in den Supermarkt, auch wenn es um diese Zeit kein Spaß ist, sich durch die Gänge zu schieben.

17.45 Uhr: Was sein muss, muss sein – ab zum Fußballtraining der Alten Herren. Nach Möglichkeit lasse ich keine der wöchentlichen Trainingszeiten aus. Sonst bewegt man sich ja gar nicht mehr – und die Jungs in der Mannschaft hab ich einfach gern. Manchmal sagen sie, dass in der Mannschaft, in der ich mitspiele, noch einer mehr dabei ist und zeigen dabei augenzwinkernd Richtung Himmel.

19.54 Uhr: Ein Gutenachtlied für die Kinder.

20.15 Uhr: Mein Magen knurrt. Damit mein Gehirn noch arbeitstüchtig bleibt, brauche ich dringend etwas zu Essen. Meine Frau hat die Suppe schon warmgemacht.

20.40 Uhr: Die Endfassung der Predigt steht an.
8.43 Uhr: Erste wichtige Aufgabe des Tages: den Weihnachtsbaum aufstellen. Nachdem er schon ein paar Tage draußen im Kalten gewartet hat, darf er nun in die gute Stube. Rein in den Baumständer, noch ein bisschen ausrichten und schon können die Kinder mit dem Schmücken beginnen.

9.54 Uhr: Ein Freund bringt uns den Weihnachtsbraten – er hat das Reh am Vortag erst geschossen. Das wird ein Fest!

11.44 Uhr: Die Nudelsuppe können wir noch alle zusammen essen, bevor wir am Nachmittag in verschiedene Kirchen aufbrechen.

13.15 Uhr: Mein Schwager trifft ein, um die Kinder zu hüten.

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

15.01 Uhr: Christvesper mit kleinem Krippenspiel. Das Glockenläuten bringt mich zur Ruhe. Ich bin aber eindeutig zu warm angezogen, denn die fürsorglichen Kirchenältesten haben einen Gasheizer direkt neben meinem Platz aufgestellt; Nebeneffekt: der Gasheizer raubt mir den Sauerstoff, ich muss gähnen. Nun ist das Vorspiel vorbei, ich bin dran. Hoffentlich kann ich die Erwartungen, mit denen die vielen Menschen jetzt in der Kirche sitzen, gut aufnehmen und in Worte fassen.

Mit dem »Gloria« des Kirchenchors kommt Weihnachtsstimmung auf. Am Ausgang dann die persönliche Verabschiedung: Ich sehe viele Menschen, die schon lange nicht mehr hier wohnen, aber zu Weihnachten zu ihren Ursprüngen zurückkehren. Da sind die stolzen Omas, die ihre Kinder beim Krippenspiel bewundert haben. Ich drücke auch die Hände derer, von denen ich weiß, dass bei ihnen in diesem Jahr ein Stuhl leer bleibt. Und natürlich sind da auch die freudestrahlenden Kinder, die es kaum erwarten können, dass es nun endlich zur Bescherung geht.

16.30 Uhr: Christvesper mit Krippenspiel im nächsten Dorf: Zum Glück komme ich frühzeitig an. Ich muss sehen, dass ich noch kurz mit dem Organisten sprechen kann. Dann geht es auch schon los. Bei der Predigt steige ich auf die Kanzel. Das mache ich im restlichen Jahr nie. Bei den Anspielungen auf die Geflüchteten erahne ich in einigen Gesichtern Widerspruch. Aber es bleibt bei der Ahnung, am Ausgang spricht mich niemand darauf an.

18.39 Uhr: Zum Glück komme ich zwanzig Minuten vor Beginn der nächsten Christvesper an. Die Krippenspielkinder sind unglaublich aufgeregt. Auch Josef ist da – puuh! Jetzt geht es darum, für Ruhe zu sorgen, jedes Kind braucht seinen Platz. Wichtig ist auch ein letzter Technik-Check. Mein Blick streift durch das Kirchenschiff. Fast alle Plätze sind bereits besetzt. Wie schön, einige Gesichter zu sehen, die sonst nicht kommen. Am Ende dann »O du Fröhliche« im Stehen – es erinnert mich an die Weihnachtsgottesdienste meiner vogtländischen Kindheit.

19.42 Uhr: Zu Hause angekommen. Der Duft von Bratwurst, Klößen und Sauerkraut strömt mir schon auf der Treppe in die Nase. Die Kinder kommen mir freudestrahlend entgegengerannt. Ich muss schnell die langen Unterhosen loswerden und mir ein frisches Hemd anziehen. Dann kann der Weihnachtsabend beginnen.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ich bin dann mal im Kloster …

20. Mai 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Lebensart: Immer mehr Klöster und Kommunitäten bieten ein Mitleben auf Zeit an – wie beispielsweise in Volkenroda

Wie das Pilgern erfreut sich auch das »Kloster auf Zeit« zunehmender Beliebtheit. Was motiviert Menschen, für einige Tage oder Wochen aus Alltag, Familie und Beruf auszusteigen und in ein Kloster zu gehen?

In der Rallye des Lebens ist mein Glauben auf der Strecke geblieben. Leider ging vor zwei Jahren auch meine Partnerschaft in die Brüche, ebenso wie meine Arbeit. Das war der Zeitpunkt, als ich erstmals nach Volkenroda kam, um ›Kloster auf Zeit‹ zu machen«, erinnert sich Stefan Hendel. Der Ingenieur ist mittlerweile zum fünften Mal in den kleinen Ort im Norden Thüringens gekommen, um für einige Wochen Abstand von seinem Alltag zu gewinnen. Am stärksten beeindruckt haben ihn die Menschen, die er dort traf: die Mitglieder der ökumenischen Jesus-Bruderschaft, die das Kloster dauerhaft mit Leben füllen, ebenso wie auch die Menschen, die nur für kurze Zeit am Leben des Klosters teilhaben.

»Es ist ein warmer, herzlicher Ort durch die Menschen, die ich dort traf. So manches Gespräch war mir hilfreich dafür, dass ich wieder glauben kann«, blickt der gebürtige Kölner auf seine bisherigen Aufenthalte zurück.

»Beten und Arbeiten« wie die Mönche

Viele Menschen sehnen sich nach einer Auszeit, nach einer Neuorientierung, nach geistlicher Erfrischung oder schlicht nach tiefer Erholung. Für diese Lebenssituationen bieten viele christliche Gemeinschaften »Kloster auf Zeit« an. Für wenige Tage oder auch mehrere Monate können Menschen im Kloster mitleben, Seelsorge in Anspruch nehmen oder auch praktisch mit anpacken. So auch im Kloster Volkenroda. Hier wird die klösterliche Auszeit unter das alte Motto der Zisterzienser-Mönche »Ora et Labora« (Beten und Arbeiten) gestellt. So gibt es einen strukturierten Tagesablauf mit gemeinsamen Mahl- und Gebetszeiten, mit Arbeitseinsätzen und Freizeit.

»Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Menschen gut tut, wenn sie neben der inneren Einkehr auch ihre Hände gebrauchen. Bei der Arbeit in der Landwirtschaft, beim Rasenmähen oder Reparieren werden manche Probleme ganz körperlich verarbeitet«, erklärt Ulrike Köhler, die sich als geistliche Begleiterin um die Menschen kümmert, die sich für »Kloster auf Zeit« anmelden.

Auf der Suche nach Neuorientierung

Die Gründe, aus denen heraus sich Menschen zu einer Auszeit im Kloster entscheiden, sind durchaus verschieden. Sie reichen von grundlegenden Lebenskrisen über Erschöpfungszustände, Eheprobleme, geistliche Leere bis hin zum Wunsch nach beruflicher Neuorientierung oder dem Genießen der ruhigen Umgebung im Urlaub. Dementsprechend unterschiedlich setzen sich die Gruppen zusammen. So kommen sowohl Christen, darunter auch Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter, ebenso wie konfessionslose Menschen.

Auszeit in der ruhigen Umgebung des Klosters Volkenroda: (v.l.) Stefan Hendel (vorn), Jakob Radtke, Christina Rahn, Michael Fischer. Foto: Katharina Freudenberg

Auszeit in der ruhigen Umgebung des Klosters Volkenroda: (v.l.) Stefan Hendel (vorn), Jakob Radtke, Christina Rahn, Michael Fischer. Foto: Katharina Freudenberg

»Es ist eine interessante Mischung von Leuten, die sich zum Kloster auf Zeit einfinden. Es entstehen anregende Kontakte, aus denen manchmal sogar Freundschaften erwachsen. Diejenigen, die keinen Glaubenshintergrund haben, zeigen durchaus Offenheit und stellen viele Fragen«, fasst Christine Rahn aus Brandenburg ihre Erfahrungen mit verschiedenen »Kloster auf Zeit«-Gruppen zusammen, die sie ihm Rahmen ihres Bundesfreiwilligendienstes in Volkenroda gemacht hat.

Neben dem inhaltlichen Hauptzweig, der Gebet und Arbeit vereint, entsteht gegenwärtig mit »Ora et Scribe« (Beten und Schreiben) noch eine weitere Ausrichtung der klösterlichen Auszeit. Studierende, die für das Abfassen einer Abschlussarbeit eine ruhige Umgebung suchen, können statt in die Bibliothek auch ins Kloster Volkenroda gehen. »Seit ich vor anderthalb Wochen hier ankam, läuft das Schreiben meiner Diplomarbeit wesentlich besser. Das liegt nicht nur an dem tollen Blick aus meinem Zimmer, sondern auch am geregelten Tagesrhythmus und an der regelmäßigen Nachfrage nach meinem Arbeitsfortschritt«, resümiert etwa Psychologiestudent Jakob Radtke.

Die steigende Nachfrage nach solchen Auszeiten in Volkenroda veranlasste die Klostergemeinschaft, eigene Räumlichkeiten dafür auszubauen. Am Ostermontag wurden diese mit Konzert und Segnung feierlich eingeweiht. »Wir sind dankbar, dass nun eine eigene Klausur für das Kloster auf Zeit entstanden ist, und sind gespannt auf die neuen Menschen, die ihren Weg in den kommenden Monaten zu uns finden«, blickt Ulrike Köhler hoffnungsvoll in die Zukunft.

Katharina Freudenberg

Heute und hier glauben

26. März 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Vorgestellt: Katharina Freudenberg und Annegret Jende – Zwei Theologinnen nähern sich dem Glaubensbekenntnis

Ostern startet in unserer Kirchenzeitung der Glaubenskurs »CREDO«. Er wird alle zwei Wochen fortgeführt – unter redaktioneller Betreuung von Katharina Freudenberg und Annegret Jende.

Katharina Freudenberg – Foto: privat

Katharina Freudenberg – Foto: privat

»Ich bin begeistert von der Möglichkeit eines Glaubenskurses«, sagt Katharina Freudenberg. Dabei werde das Glaubensbekenntnis theologisch reflektiert und geschaut, wie dessen Aussagen im Alltag gelebt werden können. »Ich hoffe, dass der Glaubenskurs eine Anregung für Einzelne sowie Gemeindegruppen ist und auch Menschen einlädt, die bisher nicht zur Kirche kommen.«
Katharina Freudenberg, 1985 in Jena geboren, ist der christliche Glauben seit dem Kindesalter vertraut. Sie wird als Kind getauft und evangelisch erzogen. Prägend für ihren Glauben wird jedoch erst die Zeit nach dem Abitur und dem Weggang aus dem Elternhaus. Ihr Weg führt sie nach England, wo sie Gemeinden der anglikanischen Kirche kennenlernt und erlebt, wie junge Menschen ihres Alters Spiritualität ausdrücken. »Ich habe dort meinen Glauben neu entdeckt.« In England engagiert sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit, gestaltet Gottesdienste mit und predigt. »Dieses Jahr hat mein Interesse an der Theologie geweckt«, sagt sie. Zurück in Deutschland studiert sie in Leipzig und Halle Evangelische Theologie. Wie vermutet, komme der Praxisbezug hier tatsächlich zu kurz. Jedoch findet sie Gefallen an den alten Sprachen und weiß die breitangelegte Vermittlung historischer und wissenschaftlicher Fakten zu schätzen. Für ein dreiviertel Jahr unterbricht sie das Studium und geht nach Argentinien, wo sie in einer diakonischen Jugendtagesstätte arbeitet.
2011 – nach dem Studium – wird ihr Sohn Albert geboren. Verheiratet ist Katharina mit Frank Freudenberg, Pfarrer in Schlotheim (Kirchenkreis Frankenhausen-Sondershausen). Neben dem Glaubenskurs beschäftigt sie sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Kloster Volkenroda.
Theologisch sei sie nicht auf eine bestimmte Linie festgelegt, sondern durch vielfältige Erfahrungen geprägt. Traditionell durch ihr Elternhaus, später durch die Begegnungen im Ausland. Schließlich habe sie die Befreiungstheologie, mit der sie in Argentinien in Berührung kam, beeindruckt.

Annegret Jende – Foto: privat

Annegret Jende – Foto: privat

»Im Credo ist der Glauben an Jesus Christus so stark formuliert, dass ich mich darauf stützen kann. Damit reihe ich mich ein in die Tradition der Christen, die vor mir waren«, so Annegret Jende. 1986 im erzgebirgischen Schlema geboren, wächst sie in einem christlich-methodistischem Elternhaus auf. Sie sei gern in die Sonntagsschule und in die Gemeinde gegangen. »Aber es hat mich nicht berührt.« Erst mit etwa 14 Jahren fängt sie an, über Gott und Glauben nachzudenken. Als ein Bekehrungserlebnis schildert sie die Situation in einem Lobpreisgottesdienst, in der ihr klar wird, dass sie glauben und als Christ dazugehören will. Fortan engagiert sie sich in der Jugendarbeit – eine wichtige Erfahrung für ihre spätere Berufsentscheidung. 17-jährig wehrt sie sich jedoch noch dagegen, Theologie zu studieren. »Ich dachte: Das ist viel zu eingestaubt.« Ein Jahr später, in einer Gemeindeveranstaltung, entscheidet sie sich wieder – spontan – für die Theologie. Aber sie hat auch Angst vor diesem Schritt. »Ich bin konservativ von der Vorstellung geprägt, beim Theologiestudium verliert man den Glauben.« Von 2004 bis 2011 studiert sie in Leipzig, Reutlingen und Tübingen. Die sieben Jahre bezeichnet sie als eine persönliche Reifung. »Ich habe Leute kennengelernt, die anders als ich geglaubt und gelebt haben.« Früher habe sie immer gedacht, es kommt darauf an, nichts falsch zu machen, den richtigen Weg zu finden und von diesem nicht abzufallen. »Ich hatte ein sehr eingeengtes Bild, auch von mir.« Im Laufe des Studiums erweitert sich ihr Horizont, sie gibt die strenge Einteilung in richtig und falsch auf, denn sie nimmt wahr, dass das Leben eine große Vielfalt bietet.
Seit 2011 setzt sie sich im Rahmen ihrer Promotion mit der Ganztod-Theorie auseinander. Von protestantischen Theologen im 20. Jahrhundert entwickelt, geht diese davon aus, dass im Tod der ganze Mensch – Leib und Seele – stirbt. Die Auferstehung wird als Neuschöpfung des ganzen Menschen nach dessen vollständiger Auflösung begriffen. Sie beschäftige sich derzeit vor allem mit der Frage: Was ist die Seele? Daneben hat sie einen Job beim Studentenwerk – und engagiert sich beim Glaubenskurs unserer Kirchenzeitung.

Sabine Kuschel