Biblische Grabgeschichten

1. April 2015 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

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Die Bedeutung von Gräbern in der Heiligen Schrift

Der Wunsch, im Grab seiner Eltern bestattet zu werden, war in biblischen Zeiten weitverbreitet. Der 80-jährige Feldherr Barsillai bittet David darum, in seine Heimatstadt zurückzukehren, »dass ich sterbe in meiner Stadt bei meines Vaters und meiner Mutter Grab«.

Hiob beschrieb sarkastisch andere Familienmitglieder im Grab: »Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester.«

Wer es ganz besonders arg mit jemandem meinte, sorgte dafür, dass das Begräbnis im Grab der Eltern nicht klappt. Von einem geheimnisvollen »Gottesknecht« berichtet Jesaja, man habe ihm ein Grab »bei Gottlosen und Übeltätern« gegeben. (1. Mose 47,30, 2. Samuel 19,38, 1. Könige 13,22, Hiob 17,14)

»Umso schlimmer ist die Schmach, am Ende ohne Grab bestattet zu werden«

Gräber sind ein »Haus immerdar«, eine »Wohnung für und für«. Umso schlimmer ist die Schmach, am Ende ohne Grab bestattet zu werden. Diese Aussicht gehört zu den bedrohlichsten Prophetenworten: »Du bist hingeworfen ohne Grab wie ein verachteter Zweig, bedeckt von Erschlagenen, die mit dem Schwert erstochen sind, wie eine zertretene Leiche.« Feindlichen Soldaten droht Jesaja an, sie würden »hingeworfen werden, dass der Gestank von ihren Leichnamen aufsteigen wird und die Berge von ihrem Blut fließen.« Und Jeremia sagt dem ungehorsamen Jojakim voraus, »wie ein Esel« begraben zu werden, »fortgeschleift und hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems«. (5. Mose 28,26, Jesaja 14,19, Jeremia 22,19, Psalm 49,12)

»Mein Vater«, platzte es traurig aus Israels König heraus, als er von der lebensbedrohenden Krankheit seines Beraters, des Propheten Elisa, hörte. Nach dessen Tod fallen feindliche Moabiter ins Land ein. Elisa, der schon zu Lebzeiten Wunder vollbracht hatte, verliert diese Fähigkeit auch nach dem Tod nicht. Die Beisetzung eines Mannes wurde durch kriegerische Horden gestört; so wird der Verstorbene in das falsche Grab geworfen. Da geschieht Unglaubliches: »Als er die Gebeine Elisas berührte, wurde er lebendig und trat auf seine Füße.« Im Nachhinein erweist sich so erneut die große Nähe des Propheten Elisa zu Gott. (2. Könige 13,21)

Ging es gegen die selbstgerechten Pharisäer und Schriftgelehrten, griff der ansonsten sanfte Jesus oft zu harschen Wortattacken. Sein Hauptkritikpunkt: Sie würden den lebendigen Glauben erstarren lassen, sodass er nur noch Hülle sei. Einmal nennt er sie »Heuchler« und klagt sie direkt an: »Von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.« Das illustriert er mit einem allgemein bekannten Bild der damaligen Grabkultur. Da Gräber als unrein galten, wurden sie mit weißer Farbe kenntlich gemacht. Die Schriftgelehrten und Pharisäer seien wie »übertünchte Gräber«, »die von außen hübsch aussehen, aber innen voller Totengebeine und lauter Unrat« sind. Wer hört das schon gerne… Im selben Atemzug wirft Jesus seinen Widersachern vor, sie würden den Propheten Gräber bauen und die Grabmäler der Gerechten schmücken – und sich selbst als etwas Besseres sehen. (Matthäus 23,27 f.)

»Drei Tage später ist der Stein wundersamer Weise zur Seite gerollt und das Grab ist leer«

Sämtliche Jünger, die Jesus durch Galiläa bis nach Jerusalem begleitet hatten, waren bei der Gefangennahme geflohen; auch um die Beisetzung seines gemarterten Körpers kümmerten sie sich nicht. Josef aus Arimathäa, ein angesehener jüdischer Ratsherr und heimlicher Anhänger Jesu, springt ein. Er kauft ein Grab, besorgt ein Leinentuch und geht zum Kreuz. Gemeinsam mit dem ebenfalls jesusbegeisterten Nikodemus nimmt er den Leichnam ab und bestattet ihn im Felsengrab, das er mit einem großen Stein verschließt. Drei Tage später ist der Stein wundersamer Weise zur Seite gerollt und das Grab ist leer. (Markus 15,42-47, Johannes 19,38-42)

Das Buch des Propheten Hesekiel diente als Vorlage für unzählige Horrorfilme und wohl auch für Michael Jack­sons »Thriller«-Video. »Ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf«: Was Gott da verheißt, jagt gruselige Schauder über den Rücken. Es ist nicht nur für die Zukunft oder das Jüngste Gericht vorhergesagt, sondern ist einmal bereits wirklich geworden. Gleich nach der Kreuzigung Jesu »taten sich die Gräber auf«, berichtet der Evangelist Matthäus; die »Leiber der entschlafenen Heiligen« seien aufgestanden und aus den Gräbern nach Jerusalem gegangen, wo sie »vielen« erschienen seien. Apostel Paulus lehrt, dass die verstorbenen Christen bei der Wiederkunft Jesu ebenfalls auf diese Weise auferstehen und gemeinsam mit den Lebenden »auf den Wolken« entrückt werden. (Hesekiel 37,12 f., Matthäus 27,52,1. Thessalonicher 4,16 f.)

Uwe Birnstein