Leben in der Unterwelt

6. Februar 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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»In Darkness« erzählt die Geschichte vom Überlebenskampf einer Gruppe Juden in der Kanalisation

In der von Nazis besetzten polnischen Stadt Lvov (Lemberg) herrscht 1943 Armut. Die Schwachen plündern die Schwächeren, die Armen bestehlen die, die noch weniger haben. Juden werden auf der Straße exekutiert, die Nazis räumen die Ghettos. Leopold Socha, ein polnischer Kanalarbeiter und Gelegenheitsdieb kämpft um das Überleben seiner Frau und seiner Tochter. Eines Tages entdeckt er eine Gruppe von Juden, die versucht, der bevorstehenden Auflösung des Lvov’er Ghettos durch Flucht in die Kanalisation zu entkommen.

Socha versteckt sie gegen Geld im Labyrinth der Kanalisation. Am 9. Februar kommt der Film »In Darkness – Eine wahre Geschichte« in die Kinos. Das Drama der polnischen Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Holland erzählt die wahre Geschichte des Polen Leopold Socha, der unter Einsatz seines eigenen Lebens und das seiner Familie während des Zweiten Weltkrieges Juden über viele Monate in der Kanalisation von Lvov Schutz gewährte. In der Realität hatten sich dort 20 Juden versteckt. Zwölf von ihnen haben es irgendwann nicht mehr ausgehalten und sind ans Tageslicht zurückgekehrt. Von ihnen hat keiner den Krieg überlebt.

Leben in der Unterwelt

Leben in der Unterwelt

Der Film der Produzenten von Schmidtz Katze Filmkollektiv aus Halle und Berlin ist für den Oscar nominiert.

Die Geschichte wird in den Originalsprachen Polnisch, Deutsch, Jiddisch und Ukrainisch erzählt. Benno Fürmann spielt den Juden Mundek Margulies, der in der Kanalisation die große Liebe findet. Maria Schrader und Herbert Knaup sind das reiche Ehepaar Chiger, Eltern der ­beiden Kinder, von denen das Mädchen Krystyna als letzte noch lebende Zeugin der Geschichte heute in den USA lebt. Den Helden Leopold Socha spielt der polnische Schauspieler Robert Wiekie­wicz.

Das Leben für die kleine Gruppe Juden in der Unterwelt ist menschenunwürdig. Zwischen Ratten versuchen sie, sich trotzdem einen menschlichen Alltag aufzubauen und so normal wie möglich zu ­leben.

Der Großteil des Filmes spielt in der Kanalisation. Die Dreharbeiten dort waren nach Angaben der Protagonisten eine Herausforderung, ebenso die Imitation des Abwassersystems. Gedreht wurde in echten Abwasserkanälen von Lvov und in einer Halle am Stadtrand von Leipzig, wo aus Holz die Kanalisation samt Gullydeckeln, einströmendem Wasser und Dunkelheit nachgebaut worden war.

Eine Filmkritik würdigt Agnieszka ­Hollands polnischen Oscar-Beitrag »In Darkness« als ein so unprätentiöses wie unbequemes Holocaust-Drama, das zur historischen Auseinandersetzung jenseits von Allgemeinplätzen und vorschnellen Vereinfachungen einlade.

(GKZ)