Indien: Gemischte Gefühle bei Muslimen und Christen

27. Mai 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Stärkste politische Kraft in Indien ist nun die BJP (Baratiya Janata Party) mit ihrem Führer Narendra Damodardas Modi an der Spitze, der bisher als Ministerpräsident den Staat Gujarat führte. Ein gutes Abschneiden seiner Partei wurde erwartet, aber dass Modi in Zukunft mit seiner Partei allein wird regieren können, kam für einige doch überraschend und ist für manche beängstigend. Insgesamt waren 814 Millionen Bürger wahlberechtigt, von denen etwa eine halbe Milliarde (66 Prozent der Wahlberechtigten) zur Wahl gingen. Die meisten von ihnen Hindus.

Hans-Georg Tannhäuser ist stellvertretender Direktor des Leipziger Missionswerkes und leitet das Referat Asien/Pazifik. – Foto: privat www.lmw-mission.de

Hans-Georg Tannhäuser ist stellvertretender Direktor des Leipziger Missionswerkes und leitet das Referat Asien/Pazifik. – Foto: privat

Was sagen Vertreter anderer Religionen zum Ausgang dieser Wahl? Unter den Muslimen erinnert man sich an die Vorgänge vor über zehn Jahren im Bundesstaat Gujarat. Damals mussten nach einem Anschlag auf hinduistische Pilger im Gegenzug 790 Muslime ihr Leben lassen und weitere 254 Hindus wurden umgebracht. Modi hatte damals nicht eingreifen wollen und der Gewalt ihren Lauf gelassen. Auch sonst verfolgt er eine für die muslimische Bevölkerung befremdliche Politik, die den Unterschied zwischen den beiden Religionen betont und damit auch einer Gettoisierung der muslimischen Bevölkerung in den großen Städten Vorschub leistet.

Die christliche Bevölkerung des Landes schaut ebenfalls besorgt in die Zukunft, wenn sie an das Thema Religionsfreiheit denkt. Man erinnert sich daran, dass Narendra Modi der Hindutva Bewegung und ihrer radikal-hinduistischen Organisation RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh) nahesteht, die den Wechsel von einer Religion zur anderen erschweren, die Rechte der Hindus stärken und die Religionsausübung anderer Glaubensrichtungen einschränken will. Das Ziel ist letztlich die Durchsetzung einer »hinduistischen Leitkultur«, die man mit dem Slogan »Indien den Hindus« beschreiben könnte.

Vertreter der Tamilisch-Evangelischen Kirche (TELC), die Partnerin des Leipziger Missionswerkes ist und etwa 110000 registrierte Kirchenglieder hat, sprechen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses von einer großen Enttäuschung. Man hatte sich zumindest eine Koalition mit einer anderen, gemäßigteren Partei gewünscht und befürchtet nun, dass die absolute Mehrheit der BJP zu drastischen Einschränkungen der Religionsfreiheit führen könnte. Insgesamt wird der Anteil der Christen an der Bevölkerung Indiens offiziell mit 2,3 Prozent angegeben. Die Zahl der Wahlberechtigten aus dem christlichen Umfeld kann zwischen 10 und 20 Millionen angesetzt werden.

Wirtschaftlich gesehen verspricht man sich von der Modi-Partei allerdings einen Aufschwung, weil sie im Bundesstaat Gujarat demonstrieren konnte, wie Erhöhung des Lebensstandards und Korruptionsbekämpfung durchaus erfolgreich Hand in Hand gehen können. Dies waren wohl auch die sichtbaren Hauptargumente für die Mehrheit der Wähler, die zu diesem erdrutschartigen Wahlsieg der BJP beigetragen haben.

Hans-Georg Tannhäuser

Partnerschaft auf Augenhöhe

27. März 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Mission heute: Hans-Georg Tannhäuser ist im Leipziger Missionswerk neuer Referent für Papua-Neuguinea

Die protestantische Kirche in Papua-Neuguinea ist nicht zuletzt durch deutsche Missionare entstanden. Heute hat das Leipziger Missionswerk (LMW) feste Verbindungen in das Pazifikland.

Aidsaufklärung gehört zu den sozialdiakonischen Projekten der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea, Unterstützung kommt dazu auch aus Leipzig. 	Fotos: LMW

Aidsaufklärung gehört zu den sozialdiakonischen Projekten der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea, Unterstützung kommt dazu auch aus Leipzig. Fotos: LMW

Seit November des vergangenen Jahres ist der sächsische Pfarrer Hans-Georg Tannhäuser als neuer Referent für Papua-Neuguinea beim Leipziger Missionswerk tätig. Zu dem seit 1975 unabhängigen Land hat der 1958 im vogtländischen Klingenthal Geborene allerdings schon länger gute Beziehungen. Immerhin war er von 1994 bis 1998 als Missionar des LMW im südlichen Hochland des Landes tätig. Nicht als Missionar im klassischen Sinne, der mit der Bibel in der Hand Heiden bekehrt und zugleich die westliche Kultur verbreitet. Vielmehr unterstützte Tannhäuser die Aus- und Weiterbildung einheimischer Christen innerhalb der örtlichen LMW-Partnerkirche.

Zur Partnerkirche, der Evangelisch-Lutherische Kirche von Papua-Neuguinea (Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea – ELC-PNG), gehören rund eine Million der insgesamt etwa 5,9 Millionen Einwohner. Sie ist damit die größte lutherische Kirche Asiens und gehört seit 1976 zum ­Lutherischen Weltbund. Ihr Einfluss in der Gesellschaft sei hoch und ihr ­öffentlicher Ruf gut, berichtet Tannhäuser. Das hänge damit zusammen, dass sich die ELC-PNG durch sozial-diakonische Projekte stark für gesellschaftliche Belange und Probleme engagiert.

Insgesamt rechnet man, dass heute ca. 60 Prozent der Bevölkerung protestantischen Kirchen angehören. Rund 30 Prozent gehören zur katho­lischen Kirche. Im Gegensatz zu ­mancher Kritik aus den nördlichen Ländern, in der Mission als »kulturzerstörend« gesehen wird, sähen die Papua-Neuguineer diese erfolgreiche Glaubensverbreitung überaus positiv, berichtet Tannhäuser. Sie habe einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaftsbildung im Lande geleistet. Denn die Gesellschaft besteht bis heute aus fast 800 unterschiedlichen Ethnien mit fast ebenso vielen Sprachen. Ein ­ungesunder Ahnenglaube, Angst vor bösen Geistern und eine Kultur der gegenseitigen Rache seien der Grund für die selbst gewählte Isolation von Clans und Stämmen in den Tälern ­gewesen, so Tannhäuser. Der andere Stamm, das andere Dorf wurde als Feind, als Konkurrent gesehen. Für das Zurückdrängen dieser Kultur durch das Christentum und dessen Sicht des Nächsten als gottgeliebten Menschen und Bruder seien die Einheimischen bis heute dankbar.

»Eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe leben«, nennt der Referent denn auch als Leitbild der weiteren Hilfe des LMW für die Partner­kirche. Ein Schwerpunkt wird dabei in den nächsten Jahren die Aus- und Weiterbildung bleiben. Sechs Ausbildungsstellen der Partnerkirche, in denen Pfarrer, Jugendarbeiter und Mitarbeiterinnen für die Frauenarbeit geschult werden, erhalten konkrete Förderung. »Technik im Dienst des Evangeliums« heißt ein weiterer Schwerpunkt, bei dem es vor allem um Unterstützung im Computerbereich geht. Mit Robert Vogel ist seit rund zwei Jahren ein junger sächsischer IT-Techniker im Land tätig, da auch in Papua-Neuguinea die Vernetzung von Projekten und Mitarbeitern über das Internet immer wichtiger wird. Und bei dem besonders von sächsischen Christen unterstützten Projekt »Solarlampen für Hochgebirgsdörfer« fühlt sich das Missionswerk auch nach Abschluss für die Folgekosten verantwortlich. Dazu gehöre etwa der Austausch defekter Akkumulatoren.

Doch Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Die Leipziger erwarten deshalb im kommenden Jahr Besuch aus verschiedenen Partnerländern, auch aus »PNG«. Im Rahmen des Projektes »Mission to the North« werden die Gäste zum 175-jährigen Bestehen des LMW im Jahr 2011 einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Kirchen werfen und ihre Beobachtungen und Erfahrungen zum Thema Mission einbringen. »Da können wir mit Sicherheit viel lernen«, ist Tannhäuser überzeugt.

Harald Krille

www.lmw-mission.de