Ein Lutheraner in Rom

10. Juni 2012 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Comments Off

Händel-Festspiele widmen sich dem Verhältnis des Komponisten zu den Konfessionen

An Luther kommt in diesem Jahr keines der Musikfestivals vorbei. Auch die Händel-Festspiele in Halle machen da keine Ausnahme und erweisen dem Reformator gegenwärtig die Ehre. »Händel und die Konfessionen« lautet das Motto des traditionsreichen Musikfestivals, das seit dem 31. Mai in Halle läuft und noch bis zum 10. Juni andauert. Passend zum Schwerpunktjahr »Reformation und Musik« innerhalb der Lutherdekade wollen die Festspiele dabei auf die ­unterschiedlichen Strömungen eingehen, denen Händel in seiner Zeit begegnete.

So viele kleine Händel. Parallel zu den großen Festspielen gibt es in Halle auch Kinderhändelfestspiele. Zum Auftakt am 4. Juni beteiligten sich 250 Jungen und Mädchen in barocken Kostümen. Foto: Thomas Meinicke

So viele kleine Händel. Parallel zu den großen Festspielen gibt es in Halle auch Kinderhändelfestspiele. Zum Auftakt am 4. Juni beteiligten sich 250 Jungen und Mädchen in barocken Kostümen. Foto: Thomas Meinicke

Für Clemens Birnbaum, Intendant der Händel-Festspiele, ist das Motto dabei eine logische Konsequenz. »Im Gegensatz zu Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, die durchgehend in einem protestantisch geprägten Umfeld gearbeitet haben«, zähle Händel zu den wenigen Komponisten des 18. Jahrhunderts, die für verschiedene Konfessionen tätig waren, unterstreicht der Direktor der Stiftung Händel-Haus. Er selbst stammte aus einem streng lutherischen Elternhaus, genoss eine Kantorenausbildung, spielte im calvinistischen Dom in Halle die Orgel und komponierte in seiner italienischen Zeit diverse Werke für die römisch-katholische Kirche. In England wandte sich der begnadete Komponist dann der Musiktradition der anglikanischen Kirche zu.

Deutlich wird seine Offenheit und religiöse Toleranz in dem thematischen Konzert unter dem Motto »Der ökumenische Musiker – ein Lutheraner in Rom«. Zwar habe es zu Händels Zeit keine Ökumene in unserem Sinne gegeben, räumt Erik Dremel, Dozent an der Theologischen Fakultät in Halle, in seinem Einführungsvortrag ein. Doch eine gelebte Ökumene, »eine Begegnung von Menschen verschiedener Konfessionen auf Augenhöhe«, gab es schon. Dafür steht in besonderer Weise seine Zeit in Italien. Händel hat in den Jahren 1707 bis 1710 kein Problem damit, katholische Kirchenmusik zu schreiben. Zu seinen Förderern gehören hier die Kardinäle Pamphilij, Ottoboni und Colonna. Beispielhaft erklingen am 2. Juni in ­einem Konzert im Händel-Haus drei geistliche Werke aus seiner Feder: »Laudate Puer Dominum«, das noch aus seiner Hamburger Zeit stammt, sowie das »Salve Regina«, eine marianische Antiphon, und die Kantate »Gloria«.

Der überzeugende Auftritt des Bozen Baroque-Orchesters unter der Leitung von Claudio Astronio mit der Sopranistin Gemma Bertagnoli ist ein Teil der Veranstaltungsreihe »Nach Luther«, die den Händel-Festspielen in diesem Jahr ihr besonderes Gepräge geben. Neben einem Konzert, das sich Händels Lehrer, dem wichtigen protestantischen Kirchenmusiker Friedrich Wilhelm Zachow, zuwendet, erklingt im Rahmen dieser Reihe auch Händels einzige deutschsprachige Passionsmusik, die »Brockes-Passion«. Insgesamt elf Aufführungen und eine Sonderausstellung widmen sich sowohl dem Schwerpunktthema »Händel und die Konfessionen« als auch dem Veranstaltungsreigen »Nach Luther«. Dabei werden eine Reihe von Kompositionen an authentischen ­Orten der Reformation zur Aufführung gebracht. So zählen Exkursionen nach Wittenberg und Eisleben und Konzerte im Lutherhaus oder der Andreaskirche zum Programm.

Für die Schirmherrin der diesjährigen Händel-Festspiele, die EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann, ist eine solche Schwerpunktsetzung folgerichtig. Händels Lebensweg sei stark von der Reformation geprägt ­gewesen. Zudem hätten in seinem Schaffen zentrale biblische Texte immer eine große Rolle gespielt, sagt sie zum Auftakt. Das kann Erik Dremel von der Theologischen Fakultät nur unterstreichen. Händel sei Zeit seines Lebens ein stolzer Lutheraner geblieben, der seine Bibel »selbst fleißig gelesen hat«. Um in Rom weiter Karriere zu machen, hätte Händel konvertieren müssen. Das habe er bewusst nicht getan, auch nicht in seiner langen Londoner Zeit, wo er wiederum Kirchenmusik für die anglikanische Kirche schrieb. »Seine lutherische Herkunft und seine Heimat«, ist Dremel überzeugt, »hat er nie verleugnet.«

Martin Hanusch

www.haendelfestspiele.halle.de

Kirchen – Veranstaltungsorte für große Musikfeste

3. April 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Kultur

Comments Off

haendelfestspiele_web

Ein Überblick über die diesjährigen musikalischen Höhepunkte in Mitteldeutschland

Sakralbauten zwischen Magdeburg und dem Erzgebirge, zwischen Dresden und Erfurt werden zu den musikalischen Höhepunkten auch in diesem Jahr wieder ganz im Mittelpunkt stehen. Einen Schwerpunkt ­bildet dabei die Barockmusik, deren Großmeister sich alle irgendwann auch im Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufhielten.

Die halleschen Händel-Festspiele (2. bis 12. Juni) als größtes Musikfest Sachsen-Anhalts schlagen diesmal ­sogar eine Brücke zu einer anderen mitteldeutschen Metropole, denn ­thematisch im Mittelpunkt steht der Dresdner Barock. Händels Oper »Ottone« nach musikalischer Vorlage des Dresdner Kollegen Antonio Lotti wird zu den Festspielen freilich im halleschen Opernhaus aufgeführt, während in der zentralen Marktkirche zum Beispiel das interreligiöse Projekt »Israel in Egypt – von der Sklaverei zur Freiheit« (5. Juni, 18 Uhr) und die traditionelle Aufführung des »Messiah« zu erleben sind (3. Juni, 17 Uhr) – diesmal mit dem tschechischen Ensemble »Collegium 1704«. Letzteres präsentiert außerdem im Dom zu Halle (4. Juni, 19.30 Uhr) eine Gegenüberstellung von Werken Händels und Zelenkas.

Ein ähnliches Schwergewicht wie die halleschen Händel-Festspiele findet mit dem Leipziger Bachfest beinahe gleichzeitig, vom 10. bis 19. Juni, statt. Das Motto »nach italienischem Gusto« nimmt Bezug auf die starken italienischen Einflüsse in Bachs Musik, doch auch die Jubilare Franz Liszt und Gustav Mahler erhalten ihren Platz. Zahlreiche Konzerte mit hochrangigen Ensembles, aber auch musikalische Gottesdienste nicht nur in der Thomas- und der Nicolaikirche gehören dazu. Dem Thomaskantor sind auch die Thüringer Bachwochen gewidmet, die vom 15. April bis 8. Mai ein umfängliches Programm in zehn Städten bieten. Besondere Höhepunkte: ein Konzert mit dem Pianisten Martin Stadtfeld und dem Cellisten Jan Vogler in Ohrdruf (6. Mai, 19.30 Uhr, Trinitatiskirche) und die getanzte Uraufführung »Cantatatanz« mit »Nico and the navigators« in der Erfurter Predigerkirche (6./7. Mai, 21 Uhr).

Vom 7. bis 17. April finden in Zerbst die 11. Fasch-Festtage statt, die diesmal sowohl den Zerbster Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch, als auch ­seinen Sohn Carl Friedrich Christian in den Blick nehmen. Natürlich spielen dabei auch die örtlichen Kirchen St. Bartholomäi und St. Trinitatis eine wichtige Rolle – in letzterer findet am 17. April um 17 Uhr das Abschlusskonzert mit der Singakademie Berlin und der Lautten-Compagney statt.
Heinrich Schütz wird mit einem Festival wie immer länderübergreifend gefeiert, nämlich vom 7. bis
16. Oktober 2011 in Bad Köstritz, Dresden und Weißenfels. Und nicht zu ­vergessen sind auch die Gottfried-
Silbermann-Tage vom 7. bis 18. September, die sich naturgemäß fast ausschließlich in Kirchenräumen abspielen und ihren glanzvollen Abschluss am 18. September im Freiberger Dom (17 Uhr) mit dem Preisträgerkonzert des angeschlossenen Wettbewerbs finden. Auch ansonsten eher weltlich ausgerichtete Festivals verzichten nicht auf Kirchen als Veranstaltungsorte: das Kunstfest Weimar Ende August, das Sächsische Mozartfest, das A-cappella-Festival Leipzig und das Dessauer Kurt-Weill-Fest zählen dazu.

Die Dresdner Musikfestspiele schlagen vom 18. Mai bis 5. Juni diesmal unter dem Motto »Fünf Elemente« eine Brücke nach Fernost, ­wobei die Aufführung von Bruckners siebenter Sinfonie in der Frauenkirche mit Kurt Masur und der Dresdner Philharmonie (20. Mai, 20 Uhr) sich ebenso wenig in dieses Thema einzeichnet wie das Jubiläumskonzert des Dresdner Kammerchors in der Kreuzkirche (22. Mai, 17 Uhr).

Während der MDR-Musiksommer wie immer eine Reihe von Festivals im Festival und auch zahllose Kirchenkonzerte bietet, startet am 24. Juni in Wittenberg ein auf drei Jahre angelegtes klar fokussiertes ­Musikprojekt – das »Festival Sakrale Musik«. Zu erwarten sind zehn Konzerte mit namhaften Ensembles und spiritueller Musik aus aller Welt – von japanischen Priestergesängen über jüdische Chorwerke bis hin zu Musik der ­australischen Ureinwohner.

Johannes Killyen