Zu Besuch bei den Kiwis

11. September 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Das Leipziger »Ensemble Nobiles« machte eine Konzerttournee durch Neuseelands Kirchen.

In ihren Alltagsklamotten sehen sie aus wie ganz normale Abiturienten, auf der Bühne werden Paul Heller, Christian Pohlers, Lucas Heller, Gregor Praetorius und Julius Linnert (v. l.) zu professionellen Sängern.  (Foto: Uwe Winkler)

In ihren Alltagsklamotten sehen sie aus wie ganz normale Abiturienten, auf der Bühne werden Paul Heller, Christian Pohlers, Lucas Heller, Gregor Praetorius und Julius Linnert (v. l.) zu professionellen Sängern. (Foto: Uwe Winkler)

»The Choir from Bach’s Church« (der Chor aus Bachs Kirche) – so wurden sie in den neuseeländischen Kirchen vorgestellt. Die sechs Sänger des »Ensemble Nobiles« haben anderthalb Jahre organisiert und geplant, damit die Konzerttournee mit Musik der deutschen Romantik stattfinden konnte. Vor drei Jahren haben die damaligen Thomaner das Vocalensemble gegründet. Mit dem Chor waren sie es gewohnt, auf der ganzen Welt zu singen. »Aber dem Chorleiter hinterherzutrotten oder alle Auftritte in Eigenregie zu organisieren, ist doch was anderes«, so Sänger Christian Pohlers. Mehr von Land und Leuten habe er dieses Mal gesehen als bei den Chortourneen durch Europa, Japan, Südkorea, Australien und Amerika.

Die 18- bis 19-jährigen Sänger übernachteten während der drei Wochen in Familien der ortsansässigen Kirchgemeinden. »Die Kiwis sind ein unheimlich gastfreundliches Volk«, so Gregor Praetorius. Über eine Bekannte seines Vaters entstand der Kontakt nach Neuseeland. Außerdem profitierten sie von den Beziehungen ihres Förderers, dem ehemaligen Leipziger Kulturbürgermeister Georg Girardet, der ihnen zu einer deutschsprachigen Busfahrerin und vielen ­Essenseinladungen bei Verwandten verhalf.

Manchmal waren die selbst ernannten »Kulturbotschafter« enttäuscht über wenige Besucher. Schuld daran waren die fehlenden Plakate, die wochenlang per Post unterwegs und nicht rechtzeitig bei den Kirchgemeinden angekommen waren. Werbung machten sie deshalb selbst, sangen in Cafés und auf der Straße, um auf ihre Konzerte aufmerksam zu ­machen. Und man erklärte ihnen, dass 60 Besucher in einem 4000-Seelen-Nest ein großer Erfolg seien für Neuseelands nicht gerade blühende Kulturlandschaft.

Besonders begeistert war das Publikum von dem neuseeländischen Volkslied »Tutira Mai Nga Iwi«, das sie in der Eingeborenensprache Te Reo Maori zum Besten ­gaben. »Daraufhin kam gleich ein neuseeländischer Komponist auf uns zu, der uns jetzt ein Stück mit ­Shakespearetexten schreiben möch­te«, so Paul Heller. Er hat wie seine Mitsänger gerade das Abitur in der Tasche und will weiter singen.

»Manchmal vielleicht in ­anderer Besetzung und weiterhin als Hobby, aber wir wollen professioneller werden«, so der Tenor. Einige Sänger fangen in Leipzig an zu studieren, aber Bariton Felix Hübner geht nach Frankreich und ­Tenor Gregor Praetorius zum Freiwilligendienst des Leipziger Missionswerkes nach Indien. Trotzdem stehen im September an ­allen Wochenenden Auftritte an, manchmal sogar zwei täglich.

Am 12. September tritt das Ensemble um 20 Uhr gemeinsam mit der Mädchengruppe »Chickpeas« in der Gedächtniskirche in Schönefeld auf. Um 22.15 Uhr geht es bei der Nacht der offenen Kirchen in der Heilands­kirche Leipzig weiter.

Annika Falk

www.nobiles.de.tl