Gerechtigkeit und Fürsorge

Christliche Werte verhindern Gewalt – Interview mit dem Kriminologen Dieter Hermann

Ob jemand zuschlägt oder nicht, das hängt davon ab, von welchen Werten sich ein Mensch leiten lässt. Dieter Hermann, Professor für Kriminologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, erforscht, wie Werte menschliches Tun beeinflussen. Mit ihm sprach Sabine Kuschel.

Herr Professor Hermann, Sie erforschen, wie Werte das Handeln von Menschen beeinflussen. Sie sind dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass Werte auch kriminelles Verhalten beeinflussen?
Hermann:
Theoretisch beeinflussen Werte alle Verhaltensweisen, und somit auch kriminelles Handeln. Allerdings gab es in den letzten 30 Jahren kaum Studien zum Einfluss von Werten auf kriminelles Verhalten. Das Thema ist in Vergessenheit geraten. Ich habe es lediglich neu entdeckt. Man kann mit Werten kriminelles Verhalten sehr gut prognostizieren und sehr gut erklären.

Dann müsste man umgekehrt schließen, dass Werte Gewaltbereitschaft auch zurückdrängen können. Aber so einfach ist es doch nicht?
Hermann:
Nein, Werte sind relativ stabile Merkmale. Sie sind etwas ganz Individuelles und Persönliches, sie machen die Persönlichkeit aus. Werte lassen sich nicht ohne Weiteres beeinflussen. Von daher ist es schwierig, sie zu verändern, hier einzugreifen. Aber sie sind veränderbar, beeinflussbar.

Wie können wir unsere Gesellschaft zum Guten verändern?
Hermann:
Das geht mit Präventionsmaßnahmen. Generell ist es so, dass Werte einen Einfluss auf Gewaltbereitschaft haben, jedoch nicht alle Wertorientierungen, sondern nur bestimmte Werte. Wertorientierungen, die Gewalt verhindern, bezeichne ich als idealistisch nomozentrierte Werte. Idealistisch meint: Hilfsbereitschaft, die Bereitschaft anderen, sozial Schwachen zu helfen. Nomozentriert meint, dass die Orientierung an Normen und Gesetzen wichtig ist. Diese Kombination von Hilfsbereitschaft und der Lebensphilosophie, soziale Normen einzuhalten, charakterisiert idealistisch nomozentrierte Werte. Personen, die diese Werte haben, sind weniger gewaltbereit. Diese Werte sind abhängig von religiösen Werten. Diese werden in erster Linie in der Familie vermittelt, aber auch von der Kirche.

Zur Prävention von Gewalt müsste in der Gesellschaft ein Klima entstehen, das solche idealistisch nomozentrierten Werte als wichtig betrachtet. Gleichzeitig haben Kirchen eine Verantwortung, christliche Werte zu vermitteln. Wenn sie christliche Werte vermitteln, verstärken diese auch die Wichtigkeit idealistisch-nomozentrierter Werte.

Dieter Hermann: »Die Kombination von Gerechtigkeit und Fürsorge bildet den Kern christlich-religiöser Werte.« Foto: privat

Dieter Hermann: »Die Kombination von Gerechtigkeit und Fürsorge bildet den Kern christlich-religiöser Werte.« Foto: privat

Neben diesen beiden Ansatzpunkten für Prävention gibt es noch einen dritten Aspekt. Die idealistisch-nomozentrierten Werte haben einen Einfluss auf Medienpräferenzen – bei allen Menschen und insbesondere bei Kindern. Personen mit dieser Wertorientierung lehnen gewaltorientierte Medieninhalte stärker ab als andere. Die Präferenz und der Konsum von Gewaltmedien wirken sich auf das Verhalten aus. Man könnte also in einem weiteren Schritt versuchen, schon bei Kindern diese Präferenz für mediale Gewalt zu unterbinden.

Es müsste bereits an Grundschulen ein Unterrichtsfach wie zum Beispiel Medienpädagogik zur Vermittlung von Medienkompetenz eingerichtet werden. Und wenn man das mit der Vermittlung von Werten kombiniert, wäre dies ein vorzügliches Präventionsinstrument.

Eine interessante Überlegung. Die Medien werden seit Langem gerügt, weil sie der Gewalt viel Raum geben. Allerdings orientieren sie sich an der Marktlage. Und es gibt offensichtlich ein großes Interesse an diesen Themen. Ihr Ansatz würde ein komplettes Umdenken bewirken?
Hermann:
Ja, wobei dieses Umdenken beim Konsumenten ansetzen müsste, nicht bei den Medienproduzenten. Es wäre wichtig, den Reiz von medialen Gewaltinhalten zu reduzieren und Medieninhalte besser zu reflektieren, sodass gewaltorientierte Medienfiguren nicht unbedingt als Vorbild gelten. Dies würde auch die Marktlage verändern, sodass sich langfristig das Medienangebot verändern würde.

Wie erklären Sie sich das große Interesse der Konsumenten an diesen Themen?
Hermann:
Es könnte eine anthropologische Konstante sein: Gewalt hat etwas Faszinierendes.

Bei der Vermittlung von Werten hat das Elternhaus eine große Bedeutung?
Hermann:
Ja. Werte entstehen in erster Linie in Sozialisationsprozessen. Eltern sind der primäre Faktor für die Vermittlung von Werten. An zweiter Stelle kommen die Freunde. Wenn die Kinder dann älter sind, kommen auch Institutionen als Vermittler von Werten dazu: Kirche, Schule, Gesellschaft und Arbeitgeber.

Eine Verantwortung für die Kirche, viel wert auf Werte zu legen. Tut sie es in ausreichendem Maße?
Hermann:
Es gelingt den Kirchen oft nicht, ihre Werte nach außen zu tragen. Die Kirchen sind multinationale Unternehmen und haben ein breites Spektrum an Handlungsfeldern. Ich habe den Eindruck, sie sind in der Gefahr, das Zentrum aus den Augen zu verlieren und wichtige Dinge als zweitrangig einzustufen. Ich war lange Zeit in einem Kirchengemeinderat tätig. Dort ist mir aufgefallen, dass Fragen über die Farben von Fliesen oder Gottesdienstzeiten wichtiger waren als die Inhalte.

Natürlich sind Personalfragen und Fragen nach der Organisation und Optimierung, nach Marketingkonzepten wichtig. Aber wenn dabei das Zentrum der Religion in die zweite Reihe rückt, ist das ein Problem.

Welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?
Hermann:
Christlich-religiöse Werte sind für mich persönlich besonders wichtig sowie Gerechtigkeit und Fürsorge. Ich denke, die Kombination von Gerechtigkeit und Fürsorge bildet den Kern christlich-religiöser Werte. Und diese Mischung ist wahrscheinlich auch notwendig. Gerechtigkeit ohne Fürsorge, ohne Nächstenliebe, ist kalt und herzlos. Und Nächstenliebe ohne Gerechtigkeit ist wahrscheinlich auch nicht optimal.

Unsere Existenz – Gottes Treuebeweis

28. Juli 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Von der Treue im Kleinen und von Gottes großer Treue

Unübersehbar erinnert ein großes Transparent vom Kirchturm in Borna bei Leipzig an: »500 Jahre Martin Luther – 1517 – Thesenanschlag zu Wittenberg.« Das nenne ich »Treue«! Treue des Protestantismus. Unsere evangelische Kirche bekennt sich also bis heute zu den Protesten Luthers, die sich gegen Verzerrung und willkürliche Auslegung biblischer Lehren richteten. Luther weist auf die Bibel. Die Treue zur Heiligen Schrift bedeutete dem Reformator alles. Er war dafür bereit, in Worms sein Leben aufs Spiel zu setzen. Nur ein biblischer Gegenbeweis hätte ihn zum Widerruf bewegt. Welch Lehrstück!

Luther Treue zur Heiligen Schrift prägt den Protestantismus bis heute: Ein Relief am Sockel des Eislebener Lutherdenkmals zeigt den Reformator bei der Übersetzung der Bibel auf der Wartburg. Foto: Archiv

Luther Treue zur Heiligen Schrift prägt den Protestantismus bis heute: Ein Relief am Sockel des Eislebener Lutherdenkmals zeigt den Reformator bei der Übersetzung der Bibel auf der Wartburg. Foto: Archiv

Sein »Vierfaches Allein« prägen den Protestantismus wie den Pietismus bis heute: Allein die Gnade; Allein Jesus Christus; Allein der Glaube; Allein die Heilige Schrift.

Bei aller Positionssuche heute hat sich diese Lutherposition nicht geändert. Unter dem Wort »Treue« im Internet steht: »fest sein, sicher sein, vertrauen, hoffen, glauben, wagen«. Treue wird als eine Tugend bezeichnet, welche Verlässlichkeit einem anderen gegenüber ausdrückt.

In der revidierten Fassung der Lutherbibel von 1984 begegnet »Treue« im Guten etwa 220-mal, wobei die Treue Gottes überwiegt. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch beide Testamente. Das »Lied des Mose« in 5. Mose 32,3/4, jubelt: »Denn ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre! Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.«

Treue in Familie und Gesellschaft

Paulus schreibt als erstes den Korinthern (1. Kor. 1,9): »Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.«

Ein Treuebeweis Gottes ist unsere Existenz. Hätte Gott nicht allen Grund, die Geduld mit uns Menschen zu verlieren? Wie oft schenkte er uns eine »zweite Chance« und wie selten haben wir aus Erfahrung gelernt. In den Klageliedern Jeremias 3,22f heißt es: »Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.« Wir haben unser Leben der Treue Gottes zu verdanken!

Treue ist der biblische Qualifikationsmaßstab für Mitarbeiter. »Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.« (1. Korinther 4,2) Dazu gehört die Treue im Alltag, im Miteinander der Familie, Gemeinde und Gesellschaft. »Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.« (Lukas 16,10)

Als Junge musste ich einmal auf Anweisung meiner Mutter fünf Pfennige, die ich beim Wechseln vom Bäcker zu viel erhalten hatte, zurückbringen. Das war ein heilsames Lehrstück für mein ganzes Leben.

Die »Treue im Kleinen« ist ein Übungsfeld für große Aufgaben.

Zur Treue gehören noch andere göttliche Eigenschaften. Was wäre Liebe ohne Treue? Schwächelt die Liebe, stabilisiert die Treue oder umgekehrt. Schon Jakob bat seinen Sohn Josef ihn aus Liebe und Treue nicht in Ägypten zu begraben (1. Mose 47,29).

Als David seinen Gegner Saul zur Rede stellt, spricht er von Gerechtigkeit und Treue. Ein andermal von Barmherzigkeit und Treue oder von Gnade und Treue. Die Psalmen erzählen von Güte und Treue Gottes. Welch ein treuer Gott!

Wie lange hält er das durch? Wird unsere Untreue seine Treue begrenzen? Paulus klärt das: »Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? Das sei ferne!« (Römer 3,3/4a)

Dennoch gilt hier Dietrich Bonhoeffers Warnung von der »Billigen Gnade«. Jesus stand als Einziger zur Ehebrecherin, aber er sagte ihr auch: »Tu’s nicht wieder.« (Johannes 8,11)
Unmissverständlich steht in der Bibel: »Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.« (1. Johannes 1,9)

Hervorzuheben ist auch Gottes Treue zu seinem Wort und zu seinem Volk. »Denn der HERR wird sich über Jakob erbarmen und Israel noch einmal erwählen und sie in ihr Land setzen.« (Jesaja 14,1) – Welch eine Liebes­erklärung!

Weil Gottes Treue berechtigte Hoffnung bewirkt, abschließend ein Vers aus dem Hebräerbrief 10,23: »Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.«

Stefan Püschmann

Der Autor lebt in Chemnitz. Vor dem Eintritt in den Ruhestand war er Referent im Sächsischen Jugendverband »Entschieden für Christus« des sächsischen Gemeinschaftsverbandes.

Damit sich das Herz zum Herzen findet

10. Februar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

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Interview mit Weihbischof Reinhard Hauke, dem Schirmherrn über eine Partnervermittlung


Reinhard Hauke, Weihbischof im Bistum Erfurt, hat die Schirmherrschaft über die Partnervermittlung »Ich und Du« übernommen. Die 1999 in Hamburg gegründete Partnervermittlung eröffnete am 1. Februar ein zweites Büro in Erfurt. ­Warum es dem Bischof am Herzen liegt, dass Mann und Frau zueinanderfinden, darüber sprach Sabine Kuschel mit ihm.

Herr Bischof Hauke, die Tatsache, dass Sie als katholischer Bischof, der dem Zölibat verpflichtet ist, die Schirmherrschaft über eine Partnervermittlung übernommen haben, bringt Ihnen eine gute Presse ein!
Hauke:
Ja, überwiegend! Nicht nur, aber überwiegend.

Sie wollen dazu beitragen, dass Mann und Frau zueinanderfinden?
Hauke:
Ehe und Partnerschaft sind für uns als katholische Christen und als Kirche, die Verantwortung trägt, wichtig. Auch für einen Bischof, der zöli­batär lebt, ist das grundsätzlich eine wichtige Verantwortung. Denn eine Familie ist die kleinste Zelle der Kirche und der Gesellschaft. Deswegen sind wir sehr daran interessiert, dass das gelingt, was in der Partnerschaft gelingen soll. Das zeigt sich auch daran, dass ich schon seit dem Jahre 2000 den Valentinsgottesdienst am 14. Februar vorbereite.

Weihbischof Reinhard Hauke. Foto: Bistum Erfurt

Weihbischof Reinhard Hauke. Foto: Bistum Erfurt

In der katholischen Kirche gibt es das Sakrament der Ehe. Also sind Sie besonders interessiert, dass katholische Männer und Frauen miteinander in Beziehung kommen?
Hauke:
Wir sind daran interessiert, dass die Christen einander finden. Hier in unserer Diasporasituation, wo wir acht Prozent Katholiken und etwa 25 Prozent evangelische Christen haben, ist es nicht ganz leicht, einen christlichen Partner zu finden. Ich gehe davon aus, wer eine lebenslange Gemeinschaft schließen möchte, hat Interesse daran, dass die Weltanschauung der Eheleute in gewisser Weise übereinstimmt. Deswegen suchen Christen meistens einen christlichen Partner. Wer in einem kleinen Ort wohnt, findet nicht so schnell jemanden. Wir wissen auch, dass das selbst im Eichsfeld, wo es viele Katholiken gibt, nicht so leicht ist.

Nun ist »Ich und Du« keine katholische Partnervermittlung, sondern offen für evangelische Christen und auch für nicht konfessionelle Menschen.
Hauke:
Ja, das ist erst mal sinnvoll, denn ich bin natürlich daran interessiert, dass sich die Menschen grundsätzlich in der Partnerschaft finden.

In der Partnervermittlung wird nach den Ausschlusskriterien gefragt. Dabei kann ja gesagt werden: Also ich möchte auf jeden Fall einen Christen als Partner, ich möchte keinen Nichtchristen.

Vor einiger Zeit wurde eine Partnervermittlung geschlossen. Was ist ­Anlass, jetzt eine neue zu gründen?
Hauke:
Vor zehn Jahren ist das »Institut Nazareth« geschlossen worden. Die Bistümer Fulda und Hildesheim haben die Einrichtung 1923 in Erfurt gegründet. Fulda und Hildesheim sind Diözesen, wo es die Diasporagebiete gab und die Notwendigkeit zu helfen bestand. Die Einrichtung in Erfurt hat über 80 Jahre funktioniert. Die Frau, die sich bis heute ehrenamtlich engagiert hat, hört jetzt altersbedingt auf. Wenn man die Einrichtung hätte weiterführen wollen, hätten wir eine neue Konzeption gebraucht. Also wir wollten das aufgeben und Ulrike Grave bot sich an. Sie hat einen Standort in Hamburg und nun einen zweiten in Erfurt.

Sie wird zwischen Hamburg und Erfurt pendeln?
Hauke:
Ja. Sie sagt, sie vereinbart immer Gesprächstermine und kommt dann nach Erfurt.

Wie sind die Bedingungen für Interessenten, um aufgenommen zu werden?
Hauke:
Die Aufnahme für ein Jahr kostet 680 Euro. Die Anzahlung 280 Euro. Eine Verlängerung des Vertrages kostet 480 Euro. Das klingt nach sehr viel. Aber im Vergleich zu anderen Partnervermittlungen ist das das untere Level. Das muss man auch wissen.

Und wenn kein Partner, keine Partnerin vermittelt werden kann?
Hauke:
Frau Grave sagt, in dem Falle könne sie auch etwas zurückzahlen.

Und wie hoch ist die Erfolgsquote?
Hauke:
Nach Frau Graves Aussagen fast 100 Prozent.

Fast 100 Prozent?
Hauke:
Ja, Frau Grave sagt, dass fast alle Interessenten vermittelt werden könnten. Das zeugt von ihrer Empathie. Sie kann offenbar gut einschätzen, wer zu wem passt.

Für mich war interessant, dass nur nach der Ankündigung, dass hier eine Partnervermittlung eröffnet wird, schon sechs Anmeldungen da sind. Interessant ist auch, Frau Grave arbeitet nicht mit Fotos. Wer sich bewirbt, muss kein Foto abgeben, sie zeigt also Interessenten kein Foto. Anfangs habe sie das gemacht, dann aber aufgegeben. Sie sagt: Manchmal sind Äußerlichkeiten sehr wichtig. Aber eigentlich sucht man einen Menschen, der innere Werte hat.

Als Schirmherr der Partnervermittlung bürgen Sie für deren Seriosität?
Hauke:
Die Schirmherrschaft dient dazu, Interessenten zu sagen, das ist alles ordentlich geprüft, keine Abzocke. Schirmherrschaft heißt, dass man mit seinem guten Namen dafür bürgt, dass die Einrichtung seriös ist.

Konservativ sein heißt, die richtigen Fragen zu stellen

22. Oktober 2010 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

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Diskussion: Wer Gutes bewahren will, ist ein Konservativer – doch wie kann das in Gesellschaft und Politik praktisch aussehen?

Nicht erst seit dem Buch des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geht die Diskussion um den Inhalt dieses Begriffes »konservativ« durch die Gesellschaft.

In der Regel bezieht sich das ­conservare, das Bewahren auf ­traditionelle Wertsysteme und ­Lebensformen. Diese sind im mitteleuropäischen Kontext ursprünglich christlich und/oder national geprägt. Damit verknüpft ist meist eine Betonung der Eigenverantwortlichkeit und insbesondere die Betonung des Rechts auf Privateigentum. Darüber hinaus spielen die Sekundärtugenden eine starke Rolle, wie etwa Ordnung, Fleiß, Höflichkeit etc. In der Haltung zum Staat gibt es zwei Strömungen: Zum einen die eher »republikanische«, die auf eine homogene Kultur und Werteordnung orientiert ist, und eine eher »liberale«, die vor allem die Rechte des Individuums im Blick hat, und deshalb gegenüber staatlich verordneter Vergemeinschaftung skeptisch ist.

»Einwecken« ist ein ­probates ­Mittel zur Konservierung von  Obst und  Gemüse. Zur Bewahrung gesellschaft- licher und ­politischer Werte ist es  allerdings ­weniger ­geeignet … Foto: picture- alliance/bsip/ Kovaleff

»Einwecken« ist ein ­probates ­Mittel zur Konservierung von Obst und Gemüse. Zur Bewahrung gesellschaft- licher und ­politischer Werte ist es allerdings ­weniger ­geeignet … Foto: picture- alliance/bsip/ Kovaleff

Im Gegensatz zu früheren Erscheinungsformen ist der Konservatismus heute unhintergehbar an eine universale Rechtsordnung gebunden. Die Orientierung an den Menschenrechten und am liberalen Rechtsstaat sind Begrenzungen für traditionale Gemeinschaftswerte oder eine nationale Verengung des Wertekanons. Die Würde aller Menschen zu bewahren, ist damit unhintergehbare Grundorientierung des politischen Konservatismus, der sich damit nicht einfach auf nationale Positionen zurückziehen kann – und wo er es versucht, ­gerät dies wenig überzeugend.

Wichtig ist die zugegebenermaßen nicht ganz neue Einsicht, dass der Konservatismus die Werte, die er propagiert, durch die Wirtschaftspolitik, die er macht, strukturell untergräbt. Die Betonung des individuellen Besitzes und der selbstverantworteten Lebensführung geht meist einher mit ­einem marktliberalen Wirtschaftsverständnis. Die enorme Dynamik des modernen Kapitalismus in den letzten 150 Jahren untergräbt die traditionellen Lebensformen, die vom Konser­vatismus bewahrt werden wollen. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: In der Regel haben Konservative eine positive Bewertung der Familie als zentraler gesellschaftlicher Institution; zugleich unterstützen sie eine Wirtschaftspolitik, die über Flexibi­lisierung der Arbeitszeiten etc. das ­Familienleben erschweren.

Das Ringen um konservatives Profil steht deshalb gegenwärtig vor enormen Herausforderungen, da die traditionellen Werteordnungen und Lebensformen auch im christlichen und bürgerlichen Milieu nicht mehr unhinterfragt gelten und verlässlich tradiert werden. Sie unterliegen einem zunehmenden Wandel, der durch die ökonomisch und technologisch bedingte strukturelle Umwandlung der Gesellschaft verursacht wird. Weder das klassische Familienbild noch die traditionelle Geschlechterordnung sind heute noch vorherrschend. Auch die viel zitierte »deutsche Kultur« ist mehr eine mytholo­gische Größe, wenn sie nicht gleich mit Oktoberfest und Musikantenstadel in eins gesetzt wird.

Wenn keine positive Definition der konservativen Werte mehr möglich ist steht der politische Konservatismus in der Gefahr, einem populären Ressentiment gegen alles Fremde zu erliegen und dies mit konservativen Positionen zu verwechseln. Wenn ein vermeintlicher Patriotismus in Fremdenfeindlichkeit umschlägt, wenn liberale Rechtsstaatlichkeit einem dumpfen regionalen Patriotismus und einem diffusen Gleichheits- und Harmoniebedürfnis weicht, das gelegentlich noch kritische Untertöne gegen die parlamentarische Demokratie erklingen lässt, vom Ruf nach dem »starken Mann« oder inzwischen auch der »starken Frau« ganz zu schweigen, dann befindet man sich längst nicht mehr auf dem Terrain des konservativen Diskurses, sondern hat die Linie zur Ideologie der Neuen Rechten beziehungsweise zum Rechtspopulismus längst überschritten.

Die Hauptgefahr für den Konservatismus im Osten Deutschlands besteht meines Erachtens derzeit darin, dass oftmals die intellektuelle Kapazität – man könnte auch sagen »Bildung« – fehlt, um diese Differenz überhaupt analytisch verstehen zu können.

Vielleicht müsste ein im liberalen Rechtsstaat beheimateter Konservatismus im Moment gar nicht auf alles schon die richtigen Antworten haben, sondern es würde genügen, wenn er auf angemessenem Niveau die richtigen Fragen stellte: Wie können angesichts des gesellschaftlichen Wandels verlässliche Bindungen und verantwortungsvolle Beziehungen entstehen und unterstützt werden (egal in welcher Lebensform die Menschen ­leben)? Ist es vielleicht nicht sinnvoller die Chancengleichheit durch frühe Förderung zu erhöhen, statt Ergebnisgleichheit durch immense staatliche Bürokratien und Transfers erzielen zu wollen? Was könnte es heute heißen, die Eigenverantwortung zu stärken, ohne gleich den Sozialstaat prinzipiell infrage zu stellen? Wie kann die Schöpfung bewahrt werden, hier bei uns und weltweit, und zugleich ein angemessener Lebensstil für alle ermöglicht werden?

Egal wie man diese Fragen im Einzelnen beantwortet, die grundlegende Kategorie, um alle diese »konserva­tiven« Fragen zu bearbeiten ist: umfassende Bildung. Durch Bildung die eigene und eigenverantwortliche Lebensgestaltung im umfassenden Sin­ne zu ermöglichen, wäre der absolute Primat für eine Politik, die sich konservativ zu sein beansprucht.

Dr. Michael Haspel, ist Pfarrer und Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen in Neudietendorf.