»Glaubt an euch – zweifelt nicht«
10. Juni 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Idol mit der Nummer 10: Jay Jay Okocha im Zweikampf mit dem Kameruner Nationalspieler Njitap Geremi (l.) bei der 22. Afrika-Meisterschaft im Jahr 2000
Nigerias berühmtester Nationalspieler betreibt in der Hauptstadt seines Heimatlandes eine Bar – und kümmert sich zumindest medial um die Nationalmannschaft.
Bescheidenheit gehört nicht zu den Eigenschaften, die man Nigerianern nachsagt. Dave Arohson, der an der Bar von »No. 10« in Lagos arbeitet, ist keine Ausnahme. »No. 10 ist ein einzigartiger Platz, vor allem, wenn man Klasse schätzt und globalen Standard.« Arohson kann stundenlang von dem Lokal schwärmen, seinen Kellnern und den angeblich schusssicheren Fenstern. Doch der wahre Grund, warum im »No. 10« so viele Menschen andächtig Cocktails schlürfen, ist ein ganz anderer: der Besitzer, die Fußball-Legende Jay Jay Okocha.
Er ist der berühmteste Nationalspieler, den Nigeria je hatte. Der 1973 geborene Okocha, dessen eigentliche Vorname Augustine Azuka lauten, führte die »Super-Adler« zu ihren größten Erfolgen: 1994 gewann sein Team den Afrika-Cup, 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta Gold. Dreimal, 1994, 1998 und 2002 nahm Okocha, der seine Karriere mit 17 beim saarländischen Drittligisten Neunkirchen begann, an einer WM-Endrunde teil. Seine Trikot-Nummer war immer die gleiche: 10. Nach ihr hat Jay Jay Okocha sein Restaurant benannt.
Auf der Karte stehen Shrimps, Foie Gras und Champagner. Auch Okocha übt sich nicht in Bescheidenheit. Ihm nimmt das keiner übel. Im Februar etwa, Nigeria hatte den blamablen Auftritt des Nationalteams beim Afrika-Cup in Angola noch nicht überwunden, forderte Okocha: »Wir brauchen einen ausländischen Coach, einen Trainer von der Qualität, wie ihn die Spieler aus ihren Clubs kennen.« Zunehmend unter Druck, trennte sich die Verbandsspitze vom bisherigen Trainer Shaibu Amodu und brachte kurz darauf praktisch alle Trainerberühmtheiten als Nachfolger ins Spiel.
Ein Schwede machte das Rennen: Lars Lagerbäck. Der hatte zwar bisher wenig Chancen mit seinen Spielern – fast alle in Europa unter Vertrag – zu trainieren, wurde aber von Nigerias neuem Präsidenten Goodluck Jonathan mit den Worten nach Südafrika geschickt: »Bringen Sie die goldene Trophäe mit nach Hause.«
Selbst Nigerianer halten das für unbescheiden. »Wir können froh sein, wenn wir es eine Runde weiter schaffen«, glaubt ein Taxifahrer in Abuja, der sich als Jameson vorstellt. Andere sind optimistischer. »Quatsch, wir werden natürlich Weltmeister, so wie einst fast mit Jay Jay«, prahlt sein Kollege Richard.
Zumindest hat Nigerias Elf in Südafrika inzwischen ein Dach über dem Kopf: Das war zwischenzeitlich alles andere als sicher. Vom »Hampshire-Gate« sprechen die Nigerianer, benannt nach dem Hampshire-Motel, das gleich an einer Autobahn am Stadtrand von Durban liegt und Zimmer hat, die dreckig und vorwiegend von Moskitos und Flöhen bewohnt sein sollen. Hier quartierte Nigerias Fußballverband die Nationalelf ein. Trainieren sollten die Spieler auf einer Tartanbahn der nahen Grundschule.
Als eine nigerianische Tageszeitung Bilder des Skandalmotels veröffentlichte, flog der Sportminister persönlich nach Durban und stornierte die Buchung – trotz gut 100000 Euro Vertragsstrafe. Hintergrund der Hotelwahl war vermutlich die Praxis der FIFA, 400 US-Dollar pro Nacht und Spieler an den nationalen Fußballverband zu überweisen. Weil das heruntergekommene »Hotel Hampshire« nicht einmal halb so viel kostete, konnten Verbandsmanager offenbar ein hübsches Sümmchen abzweigen. Bewiesen ist dies indes nicht.
Auch Jay Jay Okocha ist inzwischen in Südafrika eingetroffen. Mit dem Team sprechen darf er aber nicht, bedauert Okocha. »Ich hätte gerne unser Team beraten, aber der Nationale Fußballverband glaubt, dass ich dafür nicht qualifiziert genug bin«, erklärte Okocha vor seiner Abreise lakonisch. Als Rat gab er seinem Team über die Medien dennoch mit: »Glaubt an euch und zweifelt nicht.«
Von Marc Engelhardt (epd)
Sieben biblische Tipps für Stürmer und Verteidiger
3. Juni 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Mit Augenzwinkern: Glaube und Fußball – was die Bibel den WM-Spielern zu sagen hat

In freudiger Erwartung: Wenn in der kommenden Woche in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, werden Tausende Südafrikaner begeistert mitfeiern. Foto: epd-bild/Ulrich Doering
Die Bibel sagt nichts zum Fußball? Wer so denkt, kennt das Buch der Bücher nicht – oder ist nicht so kreativ, wie unser Autor. Er hat rechtzeitig vor Beginn der Weltmeisterschaft in Südafrika entsprechende Hinweise für die Akteure zusammengestellt.
Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein … sondern alles liegt an Zeit und Glück.
Prediger 9,11; Judit 9,15; Tobias 13,11
Nein, liebe Fußballer, dieser Tipp bedeutet natürlich nicht, dass ihr nicht schnell laufen oder den Gegnern keine starken Kämpfe liefern sollt. Gemeint ist: Ohne eine gehörige Portion Glück hilft auch schnelles Laufen und hartes Kämpfen nicht. Diese Einsicht könnte auch Trost spenden, wenn’s mal trotz größter Anstrengung nicht geklappt hat. Helfen wird in jedem Fall ein Gebet vor dem Spiel – zum Beispiel mit den Worten der mutigen Witwe Judit: »Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu.« Und wenn das Glück hold und die Punkte sicher sind, empfiehlt sich ein Dankgebet: »Danke dem Herrn für dein Glück und preise den ewigen Gott.«
Verschont nicht ihre junge Mannschaft …
Jeremia 51,3; Lukas 6,27
Wer Gott auf seiner Seite weiß, kann sich gewiss sein: Er wird helfen, den Gegner zu besiegen. Zum Beispiel damals, zu Zeiten des Propheten Jeremia: Die fremde Macht Babel bedrohte Israel und hätte das kleine Land besiegen können. Gott springt seinem Volk zur Seite und schickt »Verderben bringenden Wind« (der im Falle eines Fußballspiels den Torball über die Latte wehen könnte). Danach scheint Gott die Gegner in eine Art Starre zu versetzen, denn es heißt: »Ihre Schützen sollen nicht schießen.« Am Ende folgt der himmlische Ratschlag, rücksichtslos gegen die gegnerische Elf vorzugehen. Wer diesen Tipp zu radikal umsetzen möchte, sei jedoch an Jesu Gebot der Feindesliebe erinnert und wäge ab: »Liebt eure Feinde!«
Einer empfängt den Siegespreis. Lauft so, dass ihr ihn erlangt!
1. Korinther 9,24; 2. Timotheus 4,7; Philipper 3,14
Es gab eine Zeit, auch in der kirchlichen Pädagogik, in der wurden für Kinder »Spiele ohne Sieger« vorgeschlagen. Spielen um des Spielens Willen war Ziel, damit niemand am Ende als Verlierer traurig ist und sich kein Sieger auf die stolz geschwellte Brust schlagen kann. Die Fußballer der Weltmeisterschaftsmannschaften haben hoffentlich anderes im Sinn: den WM-Pokal. Es geht nicht um den zweiten Platz, erst recht nicht um den dritten und vierten – es geht um den Siegespreis. Ist der empfangen, kann die Siegermannschaft wiederum mit den Worten des Apostels Paulus sagen: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet.« Und nach der WM hat jeder Zeit, über den Siegespreis nachzusinnen, den Paulus eigentlich meint: »Jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.«
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, … dass sie laufen und nicht matt werden.
Jesaja 40,31
Neunzig Minuten, dazu womöglich noch eine Nachspielzeit und gar Elfmeterschießen: Das kann ganz schön an den Muskeln zerren und an den Energiereserven zehren. Massagen sind auf dem Platz nicht möglich. Ein Gebet schon. Denn die Verheißung des Propheten Jesaja gilt für alle Zeiten und alle Lebenslagen: Wer an die Hilfe Gottes glaubt, wird neue Kraft schöpfen und nicht laufmüde werden.
Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren.
Psalm 118,11; Habakuk 1,9
Vor dieser schwierigen Situation werden viele Spieler nicht bewahrt bleiben in den kommenden Wochen: Da stürmen drei oder vier Gegner mit dem Ball zum Tor, und der Verteidiger, allein auf weiter Flur, muss die Angreifer stoppen. Vielleicht kommt ihm ein Spruch des Propheten Habakuk in den Sinn und verstärkt die Angst: »Sie kommen allesamt, um Schaden zu tun; wo sie hinwollen, stürmen sie vorwärts.« Keine Chance? Doch, die gibt’s immer. Vor allem mit dem Bewusstsein, dass Gott im Spiel ist. Denn im Namen des Herrn lässt sich jeder Angriff parieren. Das wusste schon der Psalmist.
Die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen.
Sacharja 8,5
Fußballweltmeisterschaft in Südafrika – das bedeutet viel mehr als die offiziellen Spiele. Auch die südafrikanischen Kinder sind im Bann des Balles, träumen davon, einst vor großem Publikum auf dem grünen Rasen zu spielen. Die WM bedeutet Hoffnung für das ganze Land, besonders für die jungen Menschen am unteren Zipfel des armen Kontinents. Das sollten sich auch die Profi-Fußballer immer wieder ins Gedächtnis rufen und abseits ihrer Hotels und Spielstätten zu den Menschen vor Ort gehen. Dort können sie besonders den Kindern gute Vorbilder sein und ihnen Mut machen auf dem Weg in die Welt des Profifußballs.
Viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor.
Richter 9,40; 2. Mose 20,13
Nein, alle Tipps der Bibel sollten die Fußballer nicht befolgen. Man kann eben nicht alle Sätze herausnehmen und auf eine völlig andere Situation anwenden. Denn erstens ist im Richterbuch mit »Tor« nicht ein Fußball-, sondern ein Stadttor gemeint. Und zweitens wiegt das Gebot »Du sollst nicht töten« immer schwerer als gegenteilige Äußerungen der Bibel. Wehe, da liegt jemand erschlagen vor dem Tor! Also, liebe Spieler: In euren Spielen geht es nicht um Leben und Tod, sondern um die Ehre und um einen Pokal. Nicht um mehr – aber auch nicht um weniger. Deswegen sind Schiedsrichter unerlässlich und grüne und rote Karten eine segensreiche Erfindung.
Von Uwe Birnstein
Der Autor Uwe Birnstein, geboren 1962, ist evangelischer Theologe und arbeitet als freischaffender Journalist für Print, Hörfunk und Fernsehen.
Buchtipp:
Birnstein, Uwe: Das Beste aus der Bibel, Echter-Verlag 2010, 224 Seiten, ISBN 978-3-429-03211-1, 12 Euro
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