»Es kommt immer wieder ein Sommer«

24. Juli 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Porträt: Mit Gottvertrauen durch die Flut – Familie Kropa aus Kabelitz ist noch enger zusammengerückt


Vor fünf Wochen standen die überschwemmten Orte an der Elbe im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Nun sind die Menschen mit ihren traumatischen Erlebnissen wieder allein.

Einige Kilometer von der Deichbruchstelle bei Fischbeck entfernt steht das Haus von Susanne und Jens Kropa, etwas zurückgesetzt auf dem Familienhof in Kabelitz. Dass jemals Elbewasser bis zu ihnen vordringen könnte – das war bislang unvorstellbar. Doch 23 Zentimeter hoch stand dann das Wasser im Haus. Mehr als eine Woche brauchte es, um wieder zurückzugehen.

Inzwischen sind mehr als vier Wochen vergangen, etwas Normalität hat wieder Einzug gehalten. Und doch: Seit dem Deichbruch ist alles anders, sagt Jens Kropa. Gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern Sarah (14) und Jannes (11) sitzt er auf der Terrasse – und denkt zurück an die schlimmsten Tage ihres Lebens. An die Sorge und die Hoffnung seiner Frau, als sie nur wenige Stunden vor dem Deichbruch mit den Kindern und Eltern zum Cousin nach Storkau auf der anderen Elbseite fuhren, fest überzeugt, die angeordnete Evakuierung würde höchstens ein paar Stunden anhalten, der Deich halten. Sie erinnert sich an die Fassungslosigkeit am Morgen danach, als das Wasser unaufhaltsam stieg – und auch Kabelitz zur Insel wurde. An die Hilflosigkeit, dass auch fünf Tage nach dem Deichbruch die Fluten nicht zurückgingen. Und an die Hoffnung: »Gemeinsam schaffen wir das.«

Wieder auf dem Trockenen: Familie Kropa vor ihrem Haus in Kabelitz. Das Boot war für Jens Kropa wichtigstes Verkehrsmittel während des Hochwassers. – Foto: Doreen Jonas

Wieder auf dem Trockenen: Familie Kropa vor ihrem Haus in Kabelitz. Das Boot war für Jens Kropa wichtigstes Verkehrsmittel während des Hochwassers. – Foto: Doreen Jonas

Jens Kropa gehörte zu den zehn Männern im Dorf, die trotz Evakuierungsaufruf geblieben waren, sich um die Versorgung der Tiere kümmerten und bei den Häusern nach dem Rechten schauten. Doch die Familie, das Wichtigste, war auf der anderen Elbseite, Telefonate mit dem Handy für kräftigende, liebevolle und tröstende Worte für den anderen und die Kinder waren kostbar. Denn Energie gab es nur vom Notstrom-Aggregat – und das benötigte das rare Benzin.

Und dann die Rückkehr, da war die Evakuierung noch längst nicht aufgehoben. »Mach dir keine Vorstellungen, es ist schlimmer«, hatte Jens Kropa seiner Frau gesagt. Da war das Wasser sogar schon raus. »Wir hatten kein Schlafzimmer mehr, das gesamte Erdgeschoss war hinüber«, sagt sie. Zunächst fiel es schwer, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. »Aber wir waren wieder zusammen, endlich«, sagt ihr Mann. Jetzt können sie schon fast lachen, wenn sie ans kalte Duschen denken – und an die Euphorie, als nach zwei weiteren Tagen der Strom wieder lief.

Das Hochwasser hat die Familie noch enger zusammengeschweißt, räumlich in der obersten Etage, aber auch im Herzen und im Glauben. »So ist ja auch unser Trauspruch«, sagt Jens Kropa: »Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.« Viel gebetet hätten sie in der Zeit, für Kraft und Durchhaltevermögen, auf dass das Wasser endlich zurückgehen möge. Und, sagt Jens Kropa, seit dem Hochwasser hängt zum ersten Mal ein Kruzifix im Wohnzimmer. Wie viele Menschen haben auch die vier eine große Hilfsbereitschaft erfahren, von wildfremden Menschen, von fernen Verwandten. »Man kann gar nicht sagen, wie man sich da fühlt«, meint Susanne Kropa: »Alle sind etwas mehr zusammengerückt.«

Auch ihr Haus war nicht gegen Elementarschäden versichert. »Wir machen das einfach so, den großen Schaden verdrängt man«, sagt Susanne Kropa. Und ihr Mann fügt hinzu: »Den Kopf in den Sand stecken geht nicht.« Auch wenn es manchmal Momente gebe, wo man fix und fertig ist, nicht so viel Zeit hat für die Kinder. Wenn die Ungewissheit und das Warten beim Trockenlegen unerträglich sind. Aber: »Es gibt wieder lichte Tage.« Große Hilfsbereitschaft gibt es nach wie vor, der Estrichleger machte einen Extra-Flutopfer-Preis.

Eigentlich wollte die Familie vorigen Sonntag in den Urlaub an die Ostsee fahren. Der ist abgesagt, aber eins ist sicher: »Es kommt immer wieder ein Sommer.« Und vielleicht bleibt der derzeitige Sommer schön – und die Mücken werden gnädiger. Wie bei vielen Menschen im Elbe-Havel-Winkel ist auch bei ihnen die Hoffnung: Weihnachten soll alles wieder fertig sein.

Doreen Jonas

Gott verspricht Gnade und Vergebung

9. Oktober 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Die Flut als Strafinstrument Gottes: Darstellung der Sinntflut von Michelangelo Buonarroti in der sichtinischen Kapelle im Vatikan. Foto: Archiv

Die Flut als Strafinstrument Gottes: Darstellung der Sinntflut von Michelangelo Buonarroti in der sichtinischen Kapelle im Vatikan. Foto: Archiv


In der Bibel finden sich viele verschiedene Aussagen über Fluten

Aktuelle Berichte von Flutkatastrophen bestimmen derzeit die Nachrichten. Auch in biblischen Zeiten litten Menschen unter Fluten. Mit Himmel, Erde und Wasser begann Gott sein Schöpfungswerk. Eine Urflut bedeckte die Erde. Wie Gott seitdem das Wasser und die Fluten lenkt, beschreibt der Psalmist: »Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten.« (Psalm 33, 7)

Aus diesen Wasserkammern schickt Gott den Menschen Fluten zum Segen wie zum Gericht. Dass Gott der Herr über Wasser und Fluten ist, betont das Alte Testament auch als Abgrenzung gegen die religiösen Vorstellungen anderer Religionen, die dem Wasser selbst göttliche Kraft beimessen oder es als Geburtsstätte der Götter verstehen.

»Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.« (1. Mose 1,2)

An mehreren Stellen der Bibel benutzt Gott die Flut als Strafinstrument. Die größte ist die Sintflut. Weil das Trachten der Menschheit von Grund auf böse war, fasste Gott den Entschluss, fast alles Leben auf der Erde durch eine Flut auszulöschen. Nur Noah, ein gottesfürchtiger Mann, darf überleben, mit ihm seine Familie und je ein Paar jeder Tiergattung. Um die erforderlichen Wassermassen in Gang zu setzen, ließ Gott es 150 Tage lang regnen und ließ zudem »alle Brunnen der großen Tiefe« aufbrechen. So lange, bis alles vertilgt wurde, »was auf dem Erdboden war«. Leben war nur auf der Arche Noah. Nach der Sintflut versprach Gott zwar, nie wieder so grausam zu sein. Das hielt ihn aber nicht davon ab, feindlichen Völkern mit der Flut zu drohen.

»Denn so spricht Gott der Herr: Ich will eine große Flut über dich kommen lassen, dass hohe Wogen dich bedecken.« (Hesekiel 26,19)

Es ist paradox: Gott ist letztverantwortlich für Fluten, aber er schützt Menschen auch vor ihnen. Wer Gott vertraut, den »schirmt« er vor den ­Fluten. In falscher Sicherheit jedoch wähnen sich die Feinde Israels, die meinen, »mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht zu haben: Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen.« (Jesaja 28,15b) Ihnen kündigt Gott an, dass Fluten ihre Schutzbauten wegschwemmen, während Zion bewahrt bleibt: »Wenn die Flut herannaht, wird sie euch zermalmen.« (Jesaja 28,18)

Habakuk lässt die Möglichkeit offen, dass Gott selbst auch zornig auf die Flut sein kann: »Warst du zornig, Herr, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer?« (Habakuk 3,8)

Mit einem ergreifenden Segen verabschiedet sich Stammvater Jakob von seinen zwölf Söhnen. Josef, seinem Lieblingssohn, verheißt er auch den »Segen von der Flut«. Was bedeuten kann, dass die Fluten ihm so wohl gesonnen sind, dass er sich nicht vor ihnen fürchten muss.

»Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, und von dem Allmächtigen seist du gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab, mit Segen von der Flut, die drunten liegt, mit Segen der Brüste und des Mutterleibes.« (1. Mose 49,25)

Der Psalmist (Psalm 69) benennt seine Ängste in aller Offenheit, auch die vor dem Ertrinken. »Ich versinke in tiefem Schlamm«, schreibt er, »ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.« In dieser Todesangst bittet er Gott um Errettung – darum, dass ihn »die Tiefe nicht verschlinge«. Der Psalmist beendet sein Gebet mit der Zuversicht, dass Gott den Armen und Elenden – also auch ihm – beistehe.

»Normale«, berechenbare Fluten waren wichtig für die Fruchtbarkeit der Felder. Regelmäßig überschwemmte der Nil die Uferregionen und schuf damit Grundlage für Wachstum. Diese Art von Flut ist wie ein Segen für das Land, denn sie zerstört nicht, sondern tränkt die Erde. Gleichwohl können auch die Nilhochwasser bisweilen vernichtende Kräfte wecken, weiß der Prophet Jeremia: »Ägypten stieg empor wie der Nil, und seine Wasser wälzten sich daher wie Ströme.« (Jeremia 46,8)

Biblische Verfasser bedienen sich gerne des Begriffes der Flut als Sinnbild. Wie eine Flut werde ein Heer heranbrausen, mahnt etwa der Prophet Daniel. Auch die weisen Lehrer der Bibel benutzen das Wort, zum Beispiel Jesus Sirach: »Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und sein Rat ist wie eine lebendige Quelle.« (Sirach 21,16)

Katastrophale Fluten sind archäologisch belegt und haben sich tief in das Gedächtnis der Menschheit gefressen. In vielen Mythen spielen Sintfluten eine Rolle, auch in der Bibel. Die Erklärung dafür hält sich bis heute hartnäckig: Gott wolle mit einer Flut die Menschen für ihre Sünden bestrafen. Wer so argumentiert übersieht die Barmherzigkeit Gottes, der den Menschen nicht mit gefährlichen Fluten droht, sondern ihnen Gnade und Vergebung zusagt.

Uwe Birnstein

Buchtipp: Birnstein, Uwe: Das Beste aus der Bibel,
Echter Verlag, 224 S., ISBN 978-3-429-03211-1, 12,00 Euro