Jubiläum einer alten Dame

20. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Comments Off

Fernsehen: Das »Wort zum Sonntag wird 60 und soll eine »kleine Schwester« erhalten

Seit 60 Jahren behauptet  das »Wort zum Sonntag« seinen wöchentlichen Sendeplatz. Für die einen eine willkommene Pause zum Toilettengang oder zum Zappen, für die anderen ein Moment des Innehaltens.

Es ist eine der ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Jeden Sonnabend, zwischen 22 Uhr und Mitternacht, strahlt die ARD das »Wort zum Sonntag« aus. Ein Geistlicher, abwechselnd evangelisch-landeskirchlicher, freikirchlicher oder römisch-katholischer Konfession, steht vor einer blauen Wand im Studio und hält eine etwa fünfminütige Kurzansprache.

Und das seit 60 Jahren: Am 8. Mai 1954 sprach der Hamburger Pastor Walter Dittmann das allererste Wort zum Sonntag – nachdem die eigentlich geplante Sendung mit dem katholischen Prälaten Klaus Mund aus Aachen am 1. Mai 1954 aus technischen Gründen ausfallen musste.

An diesem Montag, 20. Januar, lädt die EKD aus diesem Anlass zu einem Festakt nach Hamburg ein. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wollen das »Wort zum Sonntag« würdigen.

»Das ›Wort zum Sonntag‹ ist eine Sendung, die gleichzeitig einfach und schwierig ist«, sagt der ARD-Beauftragte der EKD, Thomas Dörken-Kucharz. »Es ist kein Format, das die Möglichkeiten des Fernsehens ausnutzt.« Fernsehen werde hier auf eine Kamera, einen Hintergrund und einen Sprecher reduziert. »Die Wiedererkennbarkeit sind Studio, Gesicht und Botschaft.«

Prost, Herr Pfarrer: Seit 60 Jahren sorgt das »Wort zum Sonntag« für manchen Spott und manche Diskussion – doch die Zuschauerreaktionen zeigen auch, dass Menschen sich persönlich angesprochen fühlen. Foto: Ana Blazic Partovic-Fotolia.com/Montage: G+H

Prost, Herr Pfarrer: Seit 60 Jahren sorgt das »Wort zum Sonntag« für manchen Spott und manche Diskussion – doch die Zuschauerreaktionen zeigen auch, dass Menschen sich persönlich angesprochen fühlen. Foto: Ana Blazic Partovic-Fotolia.com/Montage: G+H

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, der selbst einst Sprecher des »Worts zum Sonntag« war, wird noch deutlicher. Er spricht von einem »Anachronismus«, der aber auch »eine Perle im Programm der ARD« sei. »Wo sonst gibt es noch einen so langen – insgesamt über vier Minuten – durchgehenden Wortbeitrag im deutschen Fernsehen?«, fragt Meister. »Selbst ein Kommentar in den Tagesthemen dauert niemals mehr als drei Minuten.« Noch immer wird der frühere Propst von Lübeck bei Veranstaltungen als »früherer Wort-zum-Sonntag-Sprecher« vorgestellt. Doch über die Inhalte der Sendungen redet man in den Gemeinden nur wenig, hat Meister bei seinen zahlreichen Besuchen in ganz Niedersachsen beobachtet.

Stimmt es also, was böse Zungen behaupten: Dass die Wasserwerke während der Sendung einen deutlichen Druckabfall in den Leitungsnetzen der Städte feststellen können, weil dann alle Zuschauer auf die Toilette gehen? »Das ist bitterer Spott«, sagt Thomas Dörken-Kucharz. »Wer am Samstagabend die ARD schaut, guckt auch das Wort zum Sonntag.«

Die erfolgreichste Sendung war dabei das »Wort zum Sonntag« von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987. Zwar war das noch zu Zeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunkmonopols. »Aber so viele Zuschauer hatten wir nie wieder.« Auch wenn etwa Papst Benedikt XVI. bei seinem letzten Deutschlandbesuch ebenfalls ein »Wort zum Sonntag« gesprochen hat.

Kritik gibt es dagegen, wenn fromme Christen das »Wort« mal wieder für zu wenig christlich halten. Dass etwa die Hildesheimer Pfarrerin Nora Steen zum ersten Advent über den »Zauber« sprach, den Kinderherzen in der Vorweihnachtszeit erleben, dabei aber nicht darauf einging, was Christen die Adventszeit bedeute, erregte den damaligen Geschäftsführer des Christlichen Medienverbunds KEP, Wolfgang Baake. Der Leiter der einst als »Konferenz Evangelikaler Publizisten« bekannten Organisation sprach von einer »aus missionarischer und kultureller Sicht missglückten« Sendung.

Dörken-Kucharz indes geht mit solch einer Kritik gelassen um. »Für jemanden, der Fernsehen macht, ist es gut, wenn Zuschauer reagieren«, sagt der ARD-Beauftragte der EKD. Tatsächlich würden aber besonders geistliche Worte von den Zuschauern am meisten nachgefragt – neben den Sendungen zu Katastrophen. »Wenn wir aktuell und mit tröstenden Worten reagieren, haben wir den größten Rücklauf.«

Doch in der modernen Mediengesellschaft reicht das allein nicht aus. Auch das Wort zum Sonntag soll zum 60. Geburtstag ein Facelifting erhalten. »Wir werden das Wort zum Sonntag grafisch verändern«, kündigt der ARD-Beauftragte an. Es wird einen neuen Trailer und eine neue Melodie zu Beginn der Sendung geben.

Und Hannovers Bischof Ralf Meister kündigt im Gespräch mit dieser Zeitung an, dass im Rahmen des Festakts am Montag auch ein neuer Vollbildhintergrund für die Sendung präsentiert werde.

Dazu soll die »alte Dame« »Wort zum Sonntag« Familienzuwachs erhalten: »Nächste Woche wird auch die ›kleine Schwester‹ des ›Wortes zum Sonntag‹ präsentiert«, sagt Meister. »Eine Kurzverkündigungssendung unter dem Titel ›Freisprecher‹ für Eins-Plus: Modern, mit jugendlichen Protagonisten, schnell geschnitten.« Nicht nur der hannoversche Landesbischof ist »sehr gespannt, wie das bei den Zuschauern ankommt«.

Benjamin Lassiwe

Perlen der Filmkunst zu Weihnachten

26. Dezember 2011 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Comments Off

Gemütliche Flimmerstunde in Familie. Foto: ddpimages

Gemütliche Flimmerstunde in Familie. Foto: ddpimages


 

Fernsehen: Zum Weihnachtsprogramm gehören Spielfilme, die den Geist der Versöhnung und des Friedens aufnehmen.

 
Es lohnt sich, an den Weihnachtstagen einen Blick ins Fernsehprogramm zu werfen. Neben Thriller, Action- und Horrorfilmen gibt es auch spannende Filme mit weihnachtlichem Flair.
 
Alle Jahre wieder, kommt …« das Weihnachtsprogramm der Fernsehsender und damit spätestens ab 22 Uhr am Heiligabend Thriller, Action- und Horrorfilme mit Titeln wie »Tödliche Weihnachten«, »Scream 2« oder »Stirb langsam 2«.
 
Daneben gibt es aber auch Perlen der Filmkunst mit weihnachtlichem Flair, versteckt im vorweihnachtlichen Programm, im Nachmittagsprogramm oder spät in der Nacht. Filme wie »Ist das Leben nicht schön?«, »Der kleine Lord« oder eine der vielen Verfilmungen von Charles Dickens klassischer Weihnachtsgeschichte »A Christmas Carol in Prose«.
 
Jahr für Jahr appellieren die Kirchen an die Sender, das Weihnachtsprogramm weniger blutig zu gestalten. »Ich bin mit allen Sendern darüber im Gespräch. Und auch bei den Privatsendern ist der Heilige Abend, zum Teil auch der erste Feiertag, moderat, feiertagsgemäß und familienfreundlich programmiert«, sagt Oberkirchenrat Markus Bräuer, Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ab 22 Uhr am zweiten Feiertag sehe es dann aber oft anders aus: Der Quotendruck, der Wettbewerb sei hart, und dann werde oft auf den bewährten Blockbuster gesetzt.
 
Thriller sind laut Bräuer aber auch am zweiten Weihnachtstag und zu später Stunde deplatziert. Das Angebot an spannenden Filmen sei so groß, dass nicht auf Actionthriller gesetzt werden müsse, um die Quoten zu erreichen.
 
Ein gutes Weihnachtsprogramm spiegelt nach Ansicht Bräuers die Botschaft des Christfestes in allen Fernsehformaten: Fernsehgottesdienste in ARD und ZDF, die auch die Menschen, die nicht selbst in die Christvesper gehen können, über die Weihnachtsbotschaft aufklärt. Reportagen, die historische Kenntnisse über die Zeit Jesu und das Heilige Land vermitteln. Dokumentationen, die zeigen, wie viele Ehrenamtliche es zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben, die Menschenfreundlichkeit Gottes weiterzugeben und in der Kältehilfe oder der Obdachlosenarbeit tätig sind.
 
Das ist das Programm, das er sich wünscht. »Für mich gehören auch Spielfilme dazu, die den Geist der Versöhnung und des Friedens aufnehmen«, sagt der Medienbeauftragte. Versöhnung, Frieden, die Wandlung vom bösen zum guten Menschen, der Sieg der scheinbar Schwachen und Armen über die Reichen und Hochmütigen – das sind auch die klassischen Themen der großen ­Weihnachtsfilme. Dabei taucht immer wieder ein Archetypus, eine charakteristische Figur auf: der Menschenfeind. Oft reich und geizig, fast immer hartherzig und gefühlsarm, aber nicht unbedingt von Grund auf böse. Manchmal ist er derjenige, der im Mittelpunkt der Handlung steht und sich wandelt, manchmal muss der Protagonist ihn überwinden.
 
Eine der besten Darstellungen dieses Archetypus ist Charles Dickens in seiner Erzählung »A Christmas Carol in Prose« – zu Deutsch »Eine Weihnachtsgeschichte« – mit seiner Hauptfigur Ebenezer Scrooge gelungen. Die Geschichte spielt zu Weihnachten. Scrooge ist seit dem Tod seines Geschäftspartners Jacob Marley einziger Inhaber eines Warenhauses im England des 19. Jahrhunderts. Seinen einzigen Angestellten beutet er aus. Seinen einzigen Verwandten, seinen Neffen, der ihn zum Weihnachtsessen einladen will, weist er kalt zurück. Für zwei Männer, die für arme Menschen Geld sammeln, hat er nur Hohn und Spott.
 
Am Heiligen Abend erscheint Scrooge der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Marley und prophezeit ihm ein düsteres Ende für den Fall, dass er sein Leben nicht ­grund­legend ändere.
 
Den Geist des Miteinanders, das selbstlose Geben, die Armut des materiell Reichen und der Reichtum dessen, der Freunde hat – wohl kein Film vereint diese Themen besser als der Weihnachtsklassiker schlechthin: »Ist das Leben nicht schön?« von 1946. James Stewart ist George Bailey, der in der verschlafenen Kleinstadt Bedford Falls lebt. Als sein Vater stirbt, muss er seine hochfliegenden Pläne, die Welt zu bereisen und zu studieren, fallen lassen und die kleine Bausparkasse »Building and Loan« übernehmen. Privat findet er sein Glück mit seiner Jugendliebe Mary, doch beruflich gibt es immer wieder Rückschläge, und alle anderen scheinen an ihm vorbeizuziehen. Sein kleiner Bruder, dem er einst das Leben rettete, wird zum Baseball-Star und zum Flieger-Ass, sein bester Freund schwimmt in Geld und besitzt mehrere Fabriken. Seine Hochzeitsreise fällt aus, weil er das Geld in der Wirtschaftskrise braucht, um die Kunden seiner Bausparkasse zu bedienen.
 
Und dann ist da noch sein Gegenspieler: Mr. Potter, Besitzer von Mietskasernen, Banken und vielem mehr in Bedford Falls, hartherzig, gierig, nur auf Profit orientiert – unser Archetypus. George ist mit seiner Bausparkasse Potter ein Dorn im Auge. Denn George ermöglicht den ärmeren Menschen, sich ein Eigenheim zu bauen und aus Potters Mietskasernen auszuziehen. Doch dann passiert das Unglück: Die »Building and Loan« muss Potter 8000 Dollar zurückzahlen, und Georges Onkel verliert das Geld – und das zu Weihnachten. Die Pleite droht, George verzweifelt und will sich umbringen; wünscht sich gar, er hätte nie gelebt. Doch der Himmel schickt George einen Engel, um ihn zu retten.
 
Jochen Krümpelmann

Empfehlenswerte Weihnachtsfilme
Ist das Leben nicht schön? ZDF, 25. 12., 0.35 Uhr, auf DVD erhältlich.
Der kleine Lord ARD, 23. 12., 20.15 Uhr und 24. 12., 13.15 Uhr sowie in mehreren dritten Programmen.
Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte, mehrere Verfilmungen zum ­Beispiel: Die Geister, die ich rief, Kabel 1, 26. 12., 20.15 Uhr, auf DVD erhältlich, modernisierte Fassung der Geschichte Charles Dickens – Eine Weihnachtsgeschichte, Das Vierte, 24. 12., 20.15 Uhr, auf DVD erhältlich.
Schöne Bescherung, Vox, 24. 12., 20.15, auf DVD erhältlich.
Der Polarexpress, RTL, 25. 12., 16.15 Uhr, auf DVD erhältlich.
Noch ein Tipp: Ähnlich wie zu Silvester »Dinner for one« genießt bei vielen zu Weihnachten Loriots Sketchsammlung »Weihnachten bei Hoppenstedts« Kultcharakter, WDR, 26. 12., 17.40 Uhr.