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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Dresden</title>
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		<title>Die Bo(o)tschafter aus Anhalt</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 09:26:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Anhaltischen Bo(o)tschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[MS Marco Polo]]></category>
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		<description><![CDATA[Aktion: Auf dem Weg zum 33.&#xA0;Deutschen Evangelischen&#xA0;– in Dessau heißt es dazu bald »Leinen los!«
&#xA0;


&#xA0;
Viele Wege führen zum ­Kirchentag vom 1. bis 5.&#xA0;Juni nach Dresden. Die Evangelische Landeskirche Anhalts reist von Dessau aus mit Marco Polo.
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Genau genommen: auf der Marco Polo, denn gemeint ist nicht der venezianische Kaufmann und Entdecker, der im 13.&#xA0;Jahrhundert China und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Aktion: </strong><em>Auf dem Weg zum 33.&#xA0;Deutschen Evangelischen&#xA0;– in Dessau heißt es dazu bald »Leinen los!«<br />
&#xA0;</em><br />
</h5>
<div id="attachment_3432" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/04/bootschafter1.jpg" alt="Kurs auf Dresden: Schiffsführer Silvio Süßenbach und die beiden Mitorganisatoren Martin Bahlmann und Carsten Damm. (Foto:&#xA0;Thorsten&#xA0;Keßler)" title="bootschafter" width="580" height="272" class="size-full wp-image-3432" /><p class="wp-caption-text">Kurs auf Dresden: Schiffsführer Silvio Süßenbach und die beiden Mitorganisatoren Martin Bahlmann und Carsten Damm. (Foto:&#xA0;Thorsten&#xA0;Keßler)</p></div>
<h5>
&#xA0;<br />
Viele Wege führen zum ­Kirchentag vom 1. bis 5.&#xA0;Juni nach Dresden. Die Evangelische Landeskirche Anhalts reist von Dessau aus mit Marco Polo.</h5>
<p>&#xA0;<br />
Genau genommen: auf der Marco Polo, denn gemeint ist nicht der venezianische Kaufmann und Entdecker, der im 13.&#xA0;Jahrhundert China und Ostasien bereist haben soll, vielmehr geht es um die MS&#xA0;Marco&#xA0;Polo: 27&#xA0;Meter lang, 6,20&#xA0;Meter breit, 80&#xA0;Zentimeter Tiefgang und Platz für bis zu 150&#xA0;Passagiere. Kapitän Silvio Süßenbach hatte schon häufiger Glaubensgemeinschaften an Bord. »Es wird auch ein paar kleine Seminare geben«, kündigt der Schiffsführer an: »Knoten, Schallsignale oder Flaggenkunde.«</p>
<p>Am Montag, 30. Mai, wird es in Dessau »Leinen los« heißen. Die erste Etappe führt bis in die Lutherstadt Wittenberg, am Dienstag geht die Reise weiter bis in das sächsische Riesa. Dort kommen am Mittwoch dann auch Kirchenpräsident Joachim Liebig und die anhaltischen Posaunenchöre an Bord und nehmen den letzten Abschnitt über etwa 50&#xA0;Kilometer bis Dresden in Angriff, um am späten Nachmittag pünktlich zur Eröffnung des Kirchentages einzutreffen.</p>
<p>Während des Christentreffens vom 1. bis 5.&#xA0;Juni geht die MS Marco Polo dann am Schiffsanleger an der Carola­brücke in Dresden vor Anker und ­repräsentiert als schwimmende »Anhaltische Bo(o)tschaft« unter dem Motto »vernünftig und fromm« die Landeskirche. »Kirchentagsbesucher sind ganz herzlich eingeladen, Anhalt kennenzulernen«, sagt Martin Bahlmann vom Kinder- und Jugendpfarramt der Landeskirche und einer der Organisatoren der Flusskreuzfahrt zum Kirchentag. Es geht um »Christsein in einer kleinen, selbstbewussten ostdeutschen Landeskirche«, aber auch über die historische Region Anhalt, denn immerhin feiert das ehemalige Fürstentum im kommenden Jahr mit »Anhalt&#xA0;800« das 800-jährige Jubiläum.</p>
<p>Auf der »Anhaltischen Bo(o)t­schaft« werden die Hauptthemen des Kirchentages aufgegriffen und aus ­anhaltischer Perspektive beleuchtet. So steht am Donnerstag, 2.&#xA0;Juni, der Glaube im Mittelpunkt und dabei vor allem Christsein in einem Umfeld, in dem die Kirche vielen Menschen seit Generationen fremd geworden ist.</p>
<p>Bildung und die gesellschaftliche Verantwortung von Christen in der Politik stehen am Freitag im Zentrum. In einer Podiumsdiskussion sollen die Herausforderungen an die Bildungsträger diskutiert und die Frage gestellt werden, welchen Beitrag die Kirchen leisten können. Mit zahlreichen evangelischen Kindergärten, Horten und Grundschulen bereichert die Landeskirche bereits jetzt die Bildungslandschaft.</p>
<p>Einbezogen in die Veranstaltungen am Freitag ist der inzwischen 4.&#xA0;Elbekirchentag. Bereits seit 2008 setzen sich Christen mit den Elbekirchentagen für den Schutz des letzten frei fließenden Stromes in Mitteleuropa ein. Die sieben Elbanrainerkirchen (Nordelbien, Mecklenburg, Hannover, Mitteldeutschland, Anhalt, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Sachsen) haben erst im Oktober vergangenen Jahres in einer gemeinsamen Erklärung ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Elbe gefordert.</p>
<p>Mit dem Tagesthema Welt am Sonnabend werden dann abschließend die vielfältigen Beziehungen und Verbindungen Anhalts in andere Länder verfolgt.</p>
<p>Das Tagesprogramm auf der »Anhaltischen Bo(o)tschaft« an der ­Caro­la­brücke in Dresden beginnt täglich um neun Uhr mit Morgengebet und der anschließenden Bibelarbeit. Neben den Tagesthemen gibt es zudem jeden Tag die Malaktion »Wenn mein Herz ein Schiff wäre«: Besucher sind dabei eingeladen, ihrer künstlerischen Kreativität freien Lauf zu lassen.</p>
<p>Und so hat auch die MS Marco Polo eine ganze Menge mit Entdecken zu tun, ganz wie der venezianische Kaufmann: Man kann Anhalt und seine evangelische Landeskirche entdecken.</p>
<p><em>Thorsten Keßler</em></p>
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		<title>»Im Schreiben konnte ich mir die Welt selber gestalten«</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 19:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Pohlmann]]></category>
		<category><![CDATA[Parkinson]]></category>

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		<description><![CDATA[em> 
Welt-Parkinson-Tag: Ein Betroffener hat die Krankheit in Literatur verarbeitetet – solange es ging
 
Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Michael Pohlmann leidet an der Krankheit und erzählt von seinem Kampf gegen das Verstummen.
Eigentlich möchte Michael Pohlmann nicht über seine Krankheit sprechen, er hat schon zu oft darüber berichtet und er will nicht allein auf dieses Zittern, dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3337" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/04/Pohlmann.jpg" alt="Regelmäßig zieht es Michael Pohlmann an seine einstige Arbeits- und Wirkstätte, die Dresdner Neustadt. Foto: Steffen Giersch" title="Pohlmann" width="580" height="384" class="size-full wp-image-3337" /><p class="wp-caption-text">Regelmäßig zieht es Michael Pohlmann an seine einstige Arbeits- und Wirkstätte, die Dresdner Neustadt. Foto: Steffen Giersch</p></div><em> </em></p>
<h5><strong>Welt-Parkinson-Tag:</strong> Ein Betroffener hat die Krankheit in Literatur verarbeitetet – solange es ging</h5>
<p><em> </em></p>
<p><em>Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Michael Pohlmann leidet an der Krankheit und erzählt von seinem Kampf gegen das Verstummen.</em></p>
<p>Eigentlich möchte Michael Pohlmann nicht über seine Krankheit sprechen, er hat schon zu oft darüber berichtet und er will nicht allein auf dieses Zittern, dieses Ungelenke, Unberechenbare, kurz auf Parkinson reduziert werden. Aber reden möchte er schon. Zum Beispiel über das, was er mittlerweile nicht mehr vermag zu tun, wovon ihn genau diese Krankheit abhält: vom Schreiben. Michael Pohlmann, 54 Jahre, durchstreift seine kleine Dresdner Wohnung, deren Wände von alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen dominiert werden: Fotos von der Familie seines Großonkels<br />
in Leipzig, die ihn sehr geprägt hat, Bilder von seinem Sohn, einer Reise durch die USA. Dazwischen hängen alte Fahrkarten, ein Schwerter-zu-Pflugscharen-Band und Boxhandschuhe. Und über der Tür klebt dieses Plakat mit dem Kopf von Reiner Kunze, daneben ein Zitat des Schriftstellers: »Das Gedicht ist zur Ruhe ­gekommene Unruhe.« Für Michael Pohlmann bringt es eine ganze Menge auf den Punkt.<br />
<em><br />
»›Maschinenmenschentappern‹, sage ich zu meinen ersten Schritten am Morgen. Meine Beine sind steif, als wären es schlecht geschmierte Prothesen. Stolpernd, die Hände verkrampft in Pfötchenhaltung, setze ich einen Fuß vor den anderen.«</em></p>
<p>»Am Anfang hab ich gedacht: Gedichte, das ist etwas für pubertierende Mädchen«, sagt Pohlmann. Inzwischen hat er selber Dutzende geschrieben und sie in zwei kleinen Bänden veröffentlicht. Daneben schrieb er viele Erzählungen, kurze Geschichten, meist aus seinem eigenen Leben und Erleben. Pohlmann wurde in Leipzig geboren, lernte zu DDR-Zeiten Krankenpfleger und stöberte dann in anderen Berufsständen herum: als Rangierer, Grabmacher, Bibliothekshelfer oder Fensterputzer. Bevor er kirchliche Sozialarbeit studierte, gründete er mit Gleichgesinnten die erste Wohngemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung der DDR in einem kleinen Dorf in Ostthüringen. Später leitete er die Dresdner Wohnungslosenhilfe und war bis zu seiner Berentung 2002 Kirchensozialarbeiter in Dresden-Mitte. Er hat viel zu erzählen, weil er viele Menschen kennengelernt hat. </p>
<p>Michael Pohlmann hat die Geschichten aufgeschrieben, seine Manuskripte ­einem kleinen Dresdner Verleger zu lesen gegeben und der hat sie gedruckt. Auf einem der Buchrücken steht: »Erste Schreibversuche 1996 im Krankenhaus.« In dem Jahr erfährt Pohlmann seine Diagnose Parkinson, er ist 40 Jahre alt.</p>
<p><em>»Mit einer ruckartigen Bewegung werfe ich mir die weißen Dinger in den Mund und komme mir dabei vor, wie ein wilhelminischer Unteroffizier, der einem Vorgesetzten zuprostet.«</em></p>
<p>In seinem ersten Band »Erzählungen über Hoffmann«, der 2004 erscheint, beschreibt Pohlmann in dem Text »Parkinson-Junkie«, wie bei langsam fortschreitenden Symptomen für ihn ein beliebiger Morgen beginnt. Auf den fünf bedruckten Seiten scheint die Zeit stehen zu bleiben. Mit Vergleichen, die beim Leser gleichzeitig ein Schmunzeln und Stöhnen erzeugen, versucht der Autor seinen Krankheitszustand zu beschreiben. »Ich habe früher gerne geschrieben«, sagt Pohlmann. Das leise monotone Sprechen ist eine Folge der Krankheit, die von Verlangsamung, Muskelverspannung und Zittern geprägt ist. »Im Schreiben konnte ich mir die Welt selber gestalten.« Pohlmann sagt »konnte« und meint: Heute ist dieses feinmotorische Handwerk für ihn nicht mehr möglich. »Ich habe dieses unbedingte Bedürfnis zu Schreiben, aber ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich sehe es für mich einfach nicht mehr.«</p>
<p><em>»Starre und Zittern kämpfen um meinen Körper, für die nächsten zwei Stunden hat die Überbeweglichkeit das Sagen. Ich fühle mich aufgezogen wie ein altes Spielzeug.«</em></p>
<p>Dabei hat Michael Pohlmann lange versucht, seine Literatur über seine Krankheit zu halten. Er entwickelte Lesungen mit musikalischem Programm. Irgendwann konnte er seine Gedichte und Erzählungen nicht mehr selber vortragen. Für einen Moment lehnt er sich gelassen in seinem Sessel zurück, zieht an seiner Zigarette, guckt hinaus zwischen die Häuser des noblen Dresdner Viertels Weißer Hirsch und sagt: »Es ist schön ruhig hier.« Zurückgezogen hat er sich in den letzten Jahren. Nur eines kann ihm die Krankheit so schnell nicht nehmen: Fast täglich setzt er sich auf sein Fahrrad, rollt hinunter in die Dresdner Neustadt, dort wo er einst als Sozialarbeiter fast selbst zum Inventar gehörte.<br />
<em><br />
Maxie Thielemann</em></p>
<blockquote><p>
Bücher und Audio-CD von Michael Pohlmann, erschienen im Verlag Christoph Hille:<br />
<strong>Erzählungen über Hoffmann,</strong> 164 S., ISBN 978-3-932858-71-0, <em>10,50 Euro</em><br />
<strong>Erzählungen über Hoffmann, </strong>Audio-CD, ISBN 978-3-932858-72-7, <em>12,50 Euro</em><br />
<strong>Schneetaubenschlag</strong>, 40 S., ISBN 978-3-932858-56-7, <em>5,00 Euro</em><br />
<strong>Stachelhaut,</strong> 176 S., ISBN 978-3-932858-24-6, <em>12,50 Euro</em></p></blockquote>
<p><em>Die auf dieser Seite empfohlenen ­Bücher sind zu beziehen über den Buchhandel oder den Bestellservice ­Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (03643) 246161</em></p>
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		<title>Individuell und vielfältig</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/04/03/individuell-und-vielfaltig/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Apr 2010 15:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches Hygienemuseum]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheit und Erfolg]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausstellung über Schönheit im Deutschen Hygienemuseum Dresden
Warum ist Schönheit so wichtig?« »Sind Glück, Erfolg und Lebensfreude daran gebunden?« »Was beeinflusst unser ästhetisches Empfinden?« Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Sonderausstellung des Deutschen Hygienemuseums Dresden »Was ist schön?«
er erste Raum, in dunklem Rot gehalten und von einem prunkvollen Kristalllüster erleuchtet, stellt unsere Vorstellungen von Schönheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ausstellung über Schönheit im Deutschen Hygienemuseum Dresden</strong></p>
<p>Warum ist Schönheit so wichtig?« »Sind Glück, Erfolg und Lebensfreude daran gebunden?« »Was beeinflusst unser ästhetisches Empfinden?« Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Sonderausstellung des Deutschen Hygienemuseums Dresden »Was ist schön?«</p>
<p><div id="attachment_1511" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/03/Schönheit.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/03/Schönheit.jpg" alt="Urheber: Deutsches Hygienemuseum" title="Schönheit im Deutschen Hygienemuseum" width="300" height="600" class="size-full wp-image-1511" /></a><p class="wp-caption-text">Urheber: Deutsches Hygienemuseum</p></div>Der erste Raum, in dunklem Rot gehalten und von einem prunkvollen Kristalllüster erleuchtet, stellt unsere Vorstellungen von Schönheit infrage. Gezeigt werden Fotografien, die die Spannung zwischen der Sehnsucht nach Schönheit und der Erfüllung dieses Wunsches ebenso zum Ausdruck bringen wie die Gegensätze von Makellosigkeit und vermeintlicher Hässlichkeit. Auf der einen Seite Porträts berühmter Schauspieler, ihnen gegenüber Fotos von jungen Mädchen, die eine Modelkarriere anstreben. Lebensgroße weibliche Rückenakte zeigen makellose Haut, im Kontrast dazu Aufnahmen alternder, runzliger Haut.</p>
<p>Sowohl die Aufnahmen der Prominenten wie die der jungen Mädchen auf dem Weg zur ersehnten Berühmtheit wollen die Differenz zwischen den medial vermittelten Bildern und der Wirklichkeit deutlich machen.</p>
<p>Die Ausstellung thematisiert den Zusammenhang von Schönheit und Erfolg. Untersuchungen zeigen, dass überdies gutes Aussehen in der Regel mit positiven Eigenschaften und Fähigkeiten verbunden wird, was sich auf Beruf und Karriere auswirkt. Dazu werden Karrieremagazine präsentiert sowie Erläuterungen zum Umgang mit Bewerbungsfotos. Zu betrachten ist eine Galerie historischer Persönlichkeiten, deren gesellschaftlicher Aufstieg mit ihrem attraktiven Aussehen in Verbindung steht. Doch wie die Schau zeigt, ist nichts absolut. Die mögliche Bevorzugung aufgrund des Aussehens hat auch Gegenbewegungen ins Leben gerufen, zum Beispiel den »Club der Hässlichen«. Und der Film »Unansehnlich, aber stolz« stellt Menschen vor, die selbstbewusst ihre ungewöhnlichen Körpermerkmale akzeptieren und als schön empfinden.</p>
<p>Ausstaffiert mit Stapeln von Pappkartons erweckt der zweite Raum den Eindruck des Vorläufigen, Unvollkommenen. Hier soll der Blick hinter die Kulissen des Glamourösen simuliert werden, wo körperliche Mängel retuschiert und überschminkt, wo Menschen vor ihrem Auftritt im Scheinwerferlicht schön gemacht werden. Die Ausstellung hebt hervor, dass die von der Werbe- und Medienbranche produzierten Schönheitsideale und -vorbilder nicht »echt« sind.</p>
<p>In dieser Abteilung geht es auch um die Entwicklung einer Industrie im Dienste der Schönheit, geboren aus dem Wunsch, mangelnde Attrak­tivität mit Disziplin und Geld herzustellen. Ein langer Spiegelgang, auf der gegenüberliegenden Seite mit einem rotsamtenen Vorhang verkleidet, führt vom zweiten in den dritten Raum. Unter dem Titel »Norm und Differenz« beschäftigt sich die Ausstellung damit, woher unsere Vorstellungen und Ideale von menschlicher Schönheit kommen. Sie vermittelt die Erkenntnis, dass die Interpretationen von Schönheit individuell und vielfältig sind.</p>
<p>Außerdem geht es um die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, um sich bestimmten Schönheitsnormen anzunähern. Ein Bereich widmet sich der Plastischen Chirurgie sowie Hormon- und Botoxbehandlungen. Welche Areale in unserem Gehirn aktiv sind, wenn wir Gesichter, grafische Muster und Musik hinsichtlich ihrer Attraktivität bewerten, veranschaulicht ein von innen leuchtendes Modell des menschlichen Gehirns im Zentrum des vierten Raumes. Die Exponate geben Auskunft über neurobiologische und wahrnehmungspsychologische Forschungserkenntnisse.</p>
<p>Der fünfte und letzte Raum – eine große Halle mit hohen Pfeilern – weitet den Blick für andere, fremde Vorstellungen von Schönheit. In Videos erzählen Menschen, was sie als schön empfinden. Die sich durch die Ausstellung ziehende Einsicht, dass Schönheit nicht absolut und feststehend, sondern individuell und vielfältig ist, wird in diesem Bereich bekräftigt.</p>
<p><em>Sabine Kuschel</em></p>
<p><em>Die Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum ist bis 2. Januar dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.</em><br />
<a href="http://www.dhmd.de">www.dhmd.de</a></p>
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		<item>
		<title>Die Bombardierung Dresdens – Tragödie und Rettung</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 15:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[13. Februar]]></category>
		<category><![CDATA[1945]]></category>
		<category><![CDATA[Bombenangriff]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[­Michal Salomonovic]]></category>

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		<description><![CDATA[Holocaustgedenken: Ein neues Projekt ermöglicht Gespräche zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen

Der tschechische Jude ­Michal Salomonovic überlebte vier Konzentrationslager und die Zerstörung Dresdens. Am 13. Februar war er wieder in der Stadt.
Michal Salomonovic hat begonnen, zu erzählen, als es immer weniger wurden, die das erlebt hatten. Er spricht vor tschechischen Schülern, und auch vor deutschen Jugendlichen aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Holocaustgedenken: Ein neues Projekt ermöglicht Gespräche zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen</strong><br />
<em></p>
<div id="attachment_1319" class="wp-caption alignleft" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/02/ostrava.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/02/ostrava.jpg" alt="Michal Salomonovic im Bethaus der Jüdischen Gemeinde Ostrava (Ostrau). In dem Buch auf der rechten Seite, links ­unten, ein Bild seines Vaters, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Stutthof ermordet wurde. Foto: Steffen Neumann" title="ostrava" width="560" height="420" class="size-full wp-image-1319" /></a><p class="wp-caption-text">Michal Salomonovic im Bethaus der Jüdischen Gemeinde Ostrava (Ostrau). In dem Buch auf der rechten Seite, links ­unten, ein Bild seines Vaters, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Stutthof ermordet wurde. Foto: Steffen Neumann</p></div>
<p>Der tschechische Jude ­Michal Salomonovic überlebte vier Konzentrationslager und die Zerstörung Dresdens. Am 13. Februar war er wieder in der Stadt.</em></p>
<p>Michal Salomonovic hat begonnen, zu erzählen, als es immer weniger wurden, die das erlebt hatten. Er spricht vor tschechischen Schülern, und auch vor deutschen Jugendlichen aus Dresden. Möglich ist das durch ein neues deutsch-tschechisches Projekt der Dresdner Brücke/Most-Stiftung mit dem Collegium Bohemicum aus Usti nad Labem, das Gespräche zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen vermittelt. Salomonovic kommt aber nicht nur deswegen nach Dresden. Mit der Stadt und ihrer Zerstörung verbin-<br />
det ihn seine ganz persönliche Geschichte.</p>
<p>Es ist die Kindheit als jüdischer Häftling der Nationalsozialisten. Bereits im Oktober 1939, kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wird sein Vater mit einem der ersten organisierten Transporte von Juden überhaupt aus dem heimatlichen Ostrava ins polnische Nisko geschafft. Der ­Versuch, hier ein jüdisches Lager ­aufzubauen, misslingt. Der Vater darf zurückkehren und die Familie übersiedelt nach Prag. Doch dieser Schritt bringt ihnen kein Glück. Als dann mit der Konzentration der Juden an einzelnen Orten begonnen wird, sind sie wieder die ersten. Am 3. November 1941 bringt sie ein Transport ins Ghetto nach Litzmannstadt (Lodz). »Wir waren 1000 Menschen, ganze ­Familien, nur 46 haben den Krieg überlebt«, sagt Salomonovic leise, freundlich und bestimmt.</p>
<p>Die Freundlichkeit in Salomonovics Stimme irritiert. Als ob er seine Zuhörer vor der Grausamkeit, die er erlebt hat, in Schutz nehmen möchte. Und doch sagt er es bestimmt. In Litzmannstadt entschied sich sein Schicksal. Als sie im Ghetto ankamen, war er acht Jahre alt, die Grundschule musste er nach einem Jahr ­abbrechen. Während sein Vater ihm einen Platz in der Metallfabrik besorgen konnte, musste sich sein dreijähriger Bruder Josef verstecken. »Kinder und Alte wurden zuerst aussortiert und in den Tod geschickt«, begründet Salomonovic die Vorsicht. </p>
<p>Die Arbeit in der Fabrik brachte ihm jeden Tag eine Suppe zusätzlich. »Der Hunger war allgegenwärtig, wir lebten immer bis zum nächsten Bissen.« Für die Suppe musste der Junge zwölf Stunden an sieben Tagen der Woche arbeiten. In der ganzen Zeit ging ein Transport nach dem anderen Richtung Auschwitz ab. Die Arbeiter im Werk wurden verschont, bis das Ghetto im August 1944 aufgelöst und die restlichen Insassen ebenfalls nach Auschwitz deportiert wurden.</p>
<p>Nach etwa einer Woche Aufenthalt im Todeslager geschah das Wunder, die Gruppe brach samt mobiler ­Munitionsfabrik wieder auf. Neues Ziel war das Konzentrationslager Stutthof. Das Wunder hatte eine einfache Erklärung. Die Führung solcher Werke lag in den Händen von hochrangigen Nationalsozialisten, die dafür Sorge trugen, dass sie über genügend »arbeitsfähiges« Personal verfügten. Dass diese Sorge zynischer Eigennutz war und keine ­Lebensgarantie bedeutete, musste Salomonovic kurz darauf schmerzlich feststellen. In Stutthof fragten die SS-Aufseher, wer Vitamine braucht. Wer krank war, wurde gnadenlos umgebracht. Sein Vater sagte ihm: »Ich melde mich und gebe sie dann dir.« Michal sah den Vater zum letzten Mal. »Er hatte den Deutschen immer geglaubt«, beschreibt Salo­monovic heute das Verhängnis seines Vaters.</p>
<p>Die Front rückte näher und bestimmte erneut den weiteren Weg. So landeten sie in Dresden, einer der ­wenigen deutschen Großstädte, die bis dahin vom Krieg verschont ­wurden. Hier befand sich ein wichtiges Eisenbahnkreuz, und konnte die Kriegswirtschaft ungestört auf Hochtouren produzieren. Die Arbeitskraft dafür stellten Zwangsarbeiter und ­jüdische Häftlinge wie Salomonovic, weshalb das Konzentrationslager Flossenbürg immer mehr Außenstellen in und um Dresden ansiedelte. »Wir wurden von Stutthof nach ­Dresden in offenen Waggons transportiert. Es war Winter, ungefähr so kalt wie jetzt«, fährt Salomonovic fort. Vom Bahnhof ging es zu Fuß in die Schandauer Straße. Eine Tabakfabrik wurde zum Munitions­betrieb umfunktioniert.</p>
<p>Hier in den weitläufigen Kellergewölben überlebten sie den Bombenangriff im Februar 1945, der für die ­Familie Tragödie und Rettung zugleich war. Denn die herannahenden Flieger verhinderten, dass die SS Salomonovics Bruder Josef, den sie am Tag zuvor bei einer Kontrolle entdeckt ­hatten, umbrachte. »Dieser Angriff war schrecklich. Jedes Mal, wenn ich ein Flugzeug hörte, bekam ich vor Angst Durchfall«, erinnert sich Michal Salomonovic. Sie hatten Glück, in Dresden-Striesen fielen nur ­Brandbomben, die den Keller nicht erreichten. </p>
<p>Nachdem sie noch wochenlang zu Aufräumarbeiten eingesetzt wurden, gelang ihnen auf dem nachfolgenden Todesmarsch nach Bayern in Böhmen die Flucht. Nach dem Krieg kam Salomonovic immer wieder nach Dresden, das zu seiner Heimatstadt Ostrava eine Partnerschaft pflegt. Das Erinnern und Gedenken an Holocaust und Krieg ist ihm ein besonderes Anliegen. Deshalb kam er gerade zum Jahrestag des Luftangriffs, den Rechtsextreme seit Jahren zur Verharmlosung der Geschichte missbrauchen. </p>
<p><em>Steffen Neumann</em></p>
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		<title>Kampf um Straßen und Köpfe</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/01/21/kampf-um-strasen-und-kopfe/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 11:44:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Jahren mehren sich rechtsextreme Aufmärsche. Eine Tagung beschäftigte sich mit Gegenstrategien. Und in Dresden kommt es demnächst wieder zur Nagelprobe.
Eine bessere Vernetzung der ­Versammlungsbehörden angesichts häufiger rechtsextremer Aufmärsche fordert Professor Uwe Berlit, Richter am Bundesverwaltungsgericht Leipzig. Auf einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen zum Thema »Rechtsextreme Demonstrationspolitik und Versammlungsrecht« in Weimar sagte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Seit Jahren mehren sich rechtsextreme Aufmärsche. Eine Tagung beschäftigte sich mit Gegenstrategien. Und in Dresden kommt es demnächst wieder zur Nagelprobe.</strong></em></p>
<div id="attachment_1192" class="wp-caption alignleft" style="width: 380px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/01/epd-Nazi-Demo.jpg"><img class="size-full wp-image-1192 " style="margin-top: 2px;margin-bottom: 2px" title="epd-Nazi-Demo" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/01/epd-Nazi-Demo.jpg" alt="Seit 1999 nutzen Rechtsradikale das Gedenken an die Bombardierung Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 zum Aufmarsch – ein Foto vom vergangenen Jahr. (Foto: ullstein bild/Karwasz)" width="370" height="244" /></a><p class="wp-caption-text">Seit 1999 nutzen Rechtsradikale das Gedenken an die Bombardierung Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 zum Aufmarsch – ein Foto vom vergangenen Jahr. (Foto: ullstein bild/Karwasz)</p></div>
<p>Eine bessere Vernetzung der ­Versammlungsbehörden angesichts häufiger rechtsextremer Aufmärsche fordert Professor Uwe Berlit, Richter am Bundesverwaltungsgericht Leipzig. Auf einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen zum Thema »Rechtsextreme Demonstrationspolitik und Versammlungsrecht« in Weimar sagte er kürzlich: »Ein Know-how-Transfer wäre dringend nötig. Die Neonazis haben diesen Austausch bereits.«</p>
<p>Zugleich warnte er vor der Illusion, mit juristischen Mitteln dem Problem des Rechtsextremismus beizukommen: »Auch ›Rechte‹ haben Rechte. Was wollen wir noch alles verbieten?« Fünf bis acht Prozent der Bevölkerung seien rechtsextrem eingestellt, entsprechende Demonstrationen deshalb Normalität. »Das kann man bestenfalls begrenzt rechtlich regulieren«, stellte Berlit klar und betonte, der Rechtsextremismus sei weder ein Rand- noch ein ostdeutsches Phänomen. Zudem: »Eine notwendige Politik kann nicht durch rechtliche Verbote ersetzt werden«.</p>
<p>Außerdem machte er ein Dilemma deutlich: »Die Polizei, egal wie sie ­darüber denkt, ist verpflichtet, die Durchführung genehmigter Demonstrationen Rechtsextremer zu gewährleisten.« Sie dürfe allerdings zum Beispiel die Einhaltung erteilter Auflagen penibel kontrollieren. Ein Verbot ­derartiger Aufmärsche habe nur dann juristische Aussicht auf Erfolg, wenn die Versammlungsbehörde eine Gefahrenprognose abgebe, die mit konkreten Tatsachen belegt sei.</p>
<p>Dr. Fabian Virchow von der Uni Köln machte bei der gleichen Veranstaltung deutlich, dass sich die Zahl der Neonazi-Aufmärsche im Vergleich zu den 1980er Jahren verfünffacht habe und heute bei durchschnittlich 100 pro Jahr angekommen sei. Das liege auch mit an der gestiegenen Rechtssicherheit: »Angemeldete Demonstrationen finden zu 90 Prozent auch statt.« Die seien zudem inzwischen meist eingebunden in lokale Kampagnen und zumindest bei der NPD auch Teil einer langfristigen ­Strategie: »Die handeln nach dem Motto von SA und NSDAP: ›Macht auf der Straße bedeutet Macht im Staate‹.«</p>
<p>Dabei wolle man nach Ansicht ­Virchows nicht nur Präsenz zeigen, Grenzen überschreiten und Gegner einschüchtern, sondern auch in die rechtsextreme Szene hinein wirken: »Diese Aufmärsche eignen sich ideal, um Netzwerke aufzubauen, noch unsichere rechtsorientierte Jugendliche fester einzubinden sowie Disziplin und ›soldatische Haltung‹ zu schulen.« Demoralisieren ließe sich die rechtsextreme Szene nach Beobachtungen Virchows nur dann, wenn mehrere Aufmärsche in Folge im Desaster enden würden – sei es durch Verbot, polizeiliches Einschreiten oder durch Gegendemonstrationen.</p>
<p>Dass dieses Demoralisieren bisher nur in Einzelfällen glückt, zeigt das Beispiel Dresden: Hier organisiert der Landesverband der »Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland« seit 1999 jedes Jahr mit Unterstützung der NPD einen »Trauermarsch« anlässlich der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, die sich in diesem Jahr zum 65. Mal jährt. Der Marsch ist inzwischen das zentrale Ereignis der rechtsextremen Szene und zieht Neonazis aus ganz Europa an; 2009 waren es ca. 7000 Personen. Für dieses Jahr rechnet der sächsische Verfassungsschutz erneut mit mehreren Tausend, teils gewaltbereiten Rechtsextremisten, zumal der 13. Februar auf ein Wochenende fällt.</p>
<p>Doch nachdem sich in den vergangenen Jahren die Gegendemonstranten in ihrem ganzem Spektrum vom linken Antifa-Aktivisten bis zum konservativen CDU-Mitglied in der Öffentlichkeit als heillos zerstritten zeigten und auch Stadtverwaltung und Polizei teils ungeschickt agierten, scheint es dieses Jahr so, als ob man endlich zueinander finden könnte: Unter dem Slogan »Erinnern und Handeln. Für mein Dresden« rufen alle demokratischen Parteien, die Kirchen, die Jüdische Gemeinde und zahlreiche weitere Institutionen aus Wirtschaft und Gesellschaft zu einer Menschenkette auf, die die Dresdner Innenstadt »symbolisch wie einen Wall vor dem Eindringen Rechtsextremer schützen« soll.</p>
<p>Der »<a title="Aufruf zu Friedensgebet in Sicht- und Hörweite des Neonaziaufmarsches am 13. Februar 2010 in Dresden" href="http://www.asf-ev.de/aktuelles/nachrichten/2010/12010/pressemitteilung/" target="_blank">Aufruf zum Friedensgebet in Sicht- und Hörweite des Neonaziaufmarsches</a>« trägt die Unterschrift von Sachsens evangelischen Landesbischof Jochen Bohl wie seines katholischen Amtskollegen Joachim Reinelt vom Bistum Dresden-Meißen, sowie des Landesrabbiners Salomon Almekias-Siegl. Am Vorabend des 13. Februar findet darüber hinaus in Dresden die Gründungsveranstaltung der »Bundesarbeitsgemeinschaft Kirchen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus« statt.</p>
<p><em>Rainer Borsdorf</em></p>
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