Katastrophe des Wegschauens

5. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Für Cornelia Füllkrug-­Weitzel, die Leiterin der evangelischen Hilfswerke »Brot für die Welt« und ­Diakonie Katastrophenhilfe, ist im Blick auf Ostafrika schnelles Handeln nötig. ­Elvira Treffinger sprach mit ihr.


Cornelia Füllkrug-Weitzel (Foto: Brot für die Welt)

Cornelia Füllkrug-Weitzel (Foto: Brot für die Welt)

Frau Füllkrug-Weitzel, aus Ostafrika kommen schreckliche Bilder von abgemagerten Menschen. Zwölf Millionen Männer, Frauen und Kinder sind von Hunger bedroht. Bahnt sich dort eine riesige Katastrophe mit vielen Toten an?
Füllkrug-Weitzel: Anbahnen scheint mir das falsche Wort. Die Katastrophe hat längst begonnen, Menschen und Herden sterben schon in der Region, die die größte Dürre seit 60 Jahren verzeichnet. Eine Dürre, die zum Beispiel in Somalia und im Sudan Menschen trifft, die durch Jahrzehnte gewaltsamer Konflikte, Zerstörung und Flucht ohnehin extrem arm, geschwächt und wenig widerstandsfähig sind.

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bewegten dramatische Hungersnöte am Horn von Afrika die Welt. Hat man daraus nichts gelernt?
Füllkrug-Weitzel: Leider muss man sagen: Es ist zu wenig geschehen! Die Gewaltkonflikte am Horn von Afrika haben nicht nur keine Gelegenheit gelassen, in Entwicklung – das heißt in Bildung, die Stärkung der Menschenrechte, die soziale Infrastruktur und in Einkommensmöglichkeiten – zu investieren. Sie haben im Gegenteil die Voraussetzungen dafür noch weiter ruiniert.

Schon länger wären entschiedene Anstrengungen zur Anpassung an die Erderwärmung notwendig gewesen. Denn dass die Region im Zuge des Klimawandels zunehmend mehr unter Dürren, unmäßigen und ­un­regelmäßigen Regenfällen leiden würde, war abzusehen. Jetzt muss zugleich mit der Nothilfe auch an langfristigen, nachhaltigen Lösungen gearbeitet werden.

In Kenia leben bereits mehrere Hunderttausend Somalier im größten Flüchtlingslager der Welt. Wie können die Menschen in den Dürregebieten gerettet werden?
Füllkrug-Weitzel: Tatsächlich ist jetzt kurzfristig in sehr großem Stil internationale Hilfe bei der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln notwendig. Die ausländischen Summen, die bisher in die Unterstützung der Menschen in der Region geflossen sind, sind lächerlich. Die größte Katastrophe ist das Vergessen und Wegschauen. Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern! Wir brauchen Spenden und Zusagen der Regierungen des Westens, die Mittel für die UN-Hilfswerke aufzustocken.

Die Krieg führenden Parteien in Süd- und Zentral-Somalia, wo die Dürre besonders dramatisch in den fruchtbarsten Gebieten des Landes wütet, müssen dazu gebracht werden, freien Zugang für humanitäre Helfer zu garantieren und deren Neutralität zu akzeptieren. Wir und unsere Partner werden weiterhin nicht bereit sein, unsere Hilfe politisch instrumentalisieren zu lassen. Alle Menschen, die hungern in der Region – egal welcher religiösen, ethnischen oder politischen Zugehörigkeit – brauchen Hilfe!

Spendenkonten

Diakonie Mitteldeutschland, Konto 800 8000 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft, BLZ 52060410, Kennwort: Ostafrika

Diakonie Sachsen, Konto 100100100 bei der LKG Sachsen – Bank für Kirche und Diakonie, BLZ 35060190, Kennwort: Ostafrika