Haiti: Der Kampf ums Überleben

21. Januar 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
Abgelegt unter Eine Welt

Comments Off

Warten auf Hilfe: Überlebende Kinder der Erdbebenkatastrophe in dem Karibikstaat Haiti vor einer Lebensmittelausgabestelle der Welthungerhilfe in Petionville. (Foto: picture alliance/landov)

Warten auf Hilfe: Überlebende Kinder der Erdbebenkatastrophe in dem Karibikstaat Haiti vor einer Lebensmittelausgabestelle der Welthungerhilfe in Petionville. (Foto: picture alliance/landov)

Nach dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar in Haiti arbeiten internationale Helfer fieberhaft daran, die Versorgung der Überlebenden zu verbessern. Auch eine Woche nach dem Beben herrschen weiter chaotische Zustände im Katastrophengebiet, viele Schwerverletzte warteten vergeblich auf medizinische Behandlung.

Die haitianische Regierung befürchtet bis zu 200.000 Tote. 250.000 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt, 1,5 Millionen sind obdachlos. Behindert werden die Rettungsarbeiten nicht zuletzt durch das administrative Chaos.

Mehrere Minister sind vermisst, wahrscheinlich wurden auch sie Opfer des ­Bebens. Und nicht nur der Präsidentenpalast, auch Behörden und Verwaltungsgebäude sind großteils zerstört.

Die Missionare Volker und Annette Schnüll, die im Auftrag der Deutsche Missionsgemeinschaft (DMG) mit Sitz in Sinsheim seit Jahren in Haiti tätig sind, schildern die Situation auf der DMG-Internetseite als geradezu ­»apokalyptisch«. Durch die zentralistische Organisation des Landes wirkten sich die schweren Zerstörungen in der Hauptstadt Port-au-Prince besonders verheerend auch für die ­unzerstörten Regionen aus.

»Nichts kommt rein oder raus – keine Leute, keine Güter, nichts – außer über Port-au-Prince. Was dort nicht ankommt, fehlt irgendwann überall: Nahrung (fast alles wird eingeführt), Medikamente, Werkzeuge, Gas, Treibstoff … Mit Diesel wird in den meisten Orten der Strom produziert, ohne Diesel kein Strom«, so das Ehepaar. Aus seiner Sicht komme der Wiederaufbau des Landes einem vollständigen Neustart gleich.

Auf den zunehmenden Treibstoffmangel verweisen auch andere Organisationen. Viele Fahrzeuge und Helikopter könnten deshalb nicht eingesetzt werden, bestätigt Elisabeth Byrs, Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.

Auch Martin Ruppenthal, Regionalbeauftragter der Christoffel-Blindenmission (CBM) mit Sitz in Bensheim, die in Haiti insgesamt sieben Hilfsprojekte betreut, berichtet aus der haitianischen Hauptstadt: »Das noch verfügbare Benzin wird verwendet, um die Generatoren der Krankenhäuser anzutreiben. Zwei Tage reicht es noch, dann kann nicht mehr operiert werden.«

Und das, wo in den Krankenhäusern des Landes so schon dramatische Zustände herrschen: »Der Konkurrenzkampf der Menschen hier ist fürchterlich. Sobald einer im OP ist, müssen die Angehörigen das Bett hüten, sonst ist es bei seiner Rückkehr aus dem OP besetzt«, heißt es etwa in einem ersten Bericht des Teams des DMG-Missionsarztes Eckehart Wolff aus Port-au-Prince.

Zudem fehlen nach Angaben der Diakonie Katastrophenhilfe Medikamente und medizinisches Personal. Gemeinsam mit Caritas international schickte die Diakonie deshalb am Montag ein Flugzeug mit Hilfsgütern nach Port-au-Prince. Darunter sind medizinische Nothilfepakete für 80000 Menschen, Zelte, Nahrungsmittel sowie Tabletten zur Wasserreinigung. Die Verteilung erfolgt mit lokalen Partnerorganisationen und den Partnern im globalen kirchlichen Hilfsnetzwerk ACT (Kirchen helfen gemeinsam).

Mit Haiti hat die Katastrophe das mit Abstand ärmste Land des amerikanischen Kontinents getroffen. Etwas kleiner als Belgien und mit 9,6 Millionen Einwohnern ist Haiti damit dichter besiedelt als Deutschland. Vier von fünf Haitianern leben unter der Armutsschwelle und müssen mit ­weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen. Die Bevölkerung bekennt sich mehrheitlich zum katholischen Glauben.

Harald Krille/epd

Wie man konkret helfen kann:

Die Landeskirchen und die Diakonischen Werke in Mitteldeutschland rufen dringend zur Unterstützung der Opfer des Erbebens in Haiti auf.

Die Diakonie Sachsen bittet um Spenden auf das Konto 100 100 100 bei der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen (LKG), BLZ 850 951 64, ­Kennwort: Haiti Erdbebenhilfe

Die Diakonie Mitteldeutschland als Landesverband für Sachsen-Anhalt, ­Thüringen sowie Teilen Brandenburgs und Sachsens bittet um Spenden auf das Konto 800 8000, bei der Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel,
BLZ 520 604 10, Kennwort: Erdbebenopfer Haiti.