Grün ist meine absolute Lieblingsfarbe

1. Oktober 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Vorige Woche hätte ich noch unter dem Verdacht verdeckter Wahlwerbung gestanden – jetzt kann ich der Hildegard von Bingen offen zustimmen: »Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese Kraft ist grün. Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen und alle Schönheit der Welt.« Das hat die wieder sehr populär gewordene Mystikerin vor 1000 Jahren gesagt und es wird – wenn diese Erde dann noch steht – auch in 1000 Jahren seine Gültigkeit haben. Nicht rot, gold, blau oder gelb, die ­bevorzugten Farben der mittelalterlichen Malerei, spielen bei ihr eine Rolle. Für sie ist grün die heilige Farbe. Sie steht für die Schöpfung, für Zeugung und Heilung und kommt vor in allem, was lebt. Hildegard von Bingen spricht von der »Grünkraft Gottes«, der »Herzkraft himmlischer Geheimnisse«.

Christine Lässig

Christine Lässig

Grün ist für die Augen gut, hat unsere Idel-Oma immer gesagt. Und das galt bei ihr für Spinat ebenso wie für den Blick ins Freie. Dabei hätte sie sich direkt auf die heiliggesprochene Nonne und Kirchenlehrerin beziehen können – wenn sie die Frau gekannt hätte. »Es soll der Mensch hinaus gehen auf eine grüne Wiese und sie so lange anschauen, bis seine Augen wie vom Weinen nass werden: Das Grün dieser Wiese nämlich beseitigt das Trübe in den Augen und macht sie wieder sauber und klar.« Vielleicht gilt ja nicht nur für gestresste Augen, sondern auch für gestresste Seelen, dass sie dann wieder klar sehen können. Naturliebhaber und Gartenfreunde sind jedenfalls überzeugt davon.

»Die ganze Natur ist eine Melodie, in der eine tiefe Harmonie verborgen ist«  Johann Wolfgang von Goethe

Hildegard von Bingen ist eine Mystikerin aus dem Mittelalter und für nüchterne Leute von heute schwer zu verstehen. Aber die Grünkraft Gottes ist ein Thema, zu dem Menschen aller Zeiten und jeder Generation Zugang haben – mehr oder weniger. Das ist ein weites Feld, und man könnte jahrelang darüber schreiben. Muss es aber nicht. Deswegen setze ich meinerseits einen Punkt und beende nach 40 Folgen die Reihe der kleinen Gärtnereien. Genießen Sie Gottes schöne Welt, freuen Sie sich über die Oktobersonne, bunte Blätter und reife Früchte. Und seien Sie versichert: Nach ein paar Monaten wird alles wieder grün.

Christine Lässig

Die leisen Kräfte tragen das Leben

23. September 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Komisch. Wenn ich mich an vergangene Tage erinnere, fallen mir weniger die großen Worte ein und die geschichtsträchtigen Fakten. Dabei habe ich viele bedeutende Reden gehört und manches wichtige Ereignis miterlebt. Vielmehr sind mir kleine Randbemerkungen und eher beiläufige Begebenheiten lebendiger geblieben: die Marotten eines Lehrers, der Geschmack eines Gravensteiner Apfels, der salzige Geruch der Ostsee oder die Stimmung eines Sommer­tages am Müggelsee. Vielleicht liegt es ja daran, dass mein Gedächtnis nicht besonders gut ist und das Verhältnis zu Zahlen schon immer zu wünschen übrig ließ. Vielleicht zeigt es aber auch, dass unsere Seele andere Prioritäten kennt als unser Verstand, und dass manche Nebensächlichkeiten offenbar gar nicht so nebensächlich sind.

»Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen, und wer sie aufzuheben weiß, hat ein Vermögen«
Jean Anouilh

»Glaube mir, es kommt im Leben auf Kleinigkeiten an«, behauptet der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi. Und ganz ähnlich denkt der Religionsphilosoph Romano Guardini: »Die ­leisen Kräfte sind es, die das Leben tragen.« So gesehen ist die Freude daran, dass manches, was wir säen, blüht, wächst und gedeiht von Bedeutung. Da hat selbst ein Schrebergärtner, von so manchem belächelt, seinen Verächtern etwas voraus. Und wenn auch die neugegründete Gartenpartei der Magdeburger Kleingärtner eine etwas überzogene Reaktion auf Überlegungen der Stadt ist, aus ­einigen Pachtzellen Bauland für Eigenheime zu machen, kann ich doch verstehen, wie wichtig den Betroffenen ihr Stückchen Erde ist.

Christine Lässig

Christine Lässig

Gärten bieten eine Menge kleiner Freuden, die das Leben bereichern und Sorgen mildern. An der Mauer duften die gelben Rosen, die im September zum zweiten Mal blühen. Hummeln hängen an den blauen Blüten der Kräuter. Die Rispenhortensie ist besonders schön dieses Jahr, und der späte Phlox zieht die Blicke auf sich. Die Herbsthimbeeren sind groß und aromatisch, und die Tomaten schmecken natürlich ganz anders als die aus dem Supermarkt. Mag der Tag bringen, was er mag – ganz schlecht kann er nicht werden nach diesen ­erfreulichen Momenten im Garten.

Christine Lässig

Zum Leben gehören Brot und Rosen

18. August 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Blumen sind Luxus. Wir geben viel Geld aus für einen Strauß, der nach kurzer Zeit die Blütenblätter fallen lässt und nach Fäulnis riecht. Verschwenderisch schmücken Blumen die Geburtstagstische, Hochzeitstafeln und Särge. Zu Einladungen aller Art, Krankenbesuchen und Liebeserklärungen gehören sie einfach dazu. Wie verlassen würde eine Kirche ohne Altarschmuck wirken und wie kulturlos der Tisch im Café. Blumen sprechen ihre eigene Sprache, Blumen begleiten Leben und Tod, Blumen müssen sein. Ihre vergängliche Schönheit macht sie kostbar und sichert besondere Aufmerksamkeit.

»Ach der eitlen Blumenfreude und der kurzen Augenweide! Heute blühet sie noch schön, morgen pflegt sie abzugehn.«
M. Daniel Pfisterer

Natürlich könnte man stattdessen nützliche Dinge kaufen, die ein langes Leben haben. Wir gehen ja sonst sehr preisbewusst um mit den Angeboten in Einkaufszentren, Märkten und Gasthäusern. Vielleicht sollte man eher ein Küchengerät schenken statt roter Rosen. Da hätte man länger etwas davon. Vielleicht hätte Rainer Maria Rilke der Bettlerin in Paris besser ein Geldstück in ihre Hand fallen lassen statt einer weißen Rose. Der tiefe Eindruck, den er damit hinterlässt, zeigt freilich, dass er genau das Richtige getan hat. »Es gibt Augenblicke, in denen eine Rose wichtiger ist als ein Stück Brot«, sagt er zu seiner irritierten Begleiterin.

Christine Lässig

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Keine Frage, dass man beides braucht: Brot und Rosen, genug zum Lebensunterhalt und daneben immer wieder Zeichen der Wertschätzung, der Anteilnahme oder Mitfreude. Ob auf der Wiese gepflückt, im Garten ­geschnitten oder im Laden ­gekauft, bescheren Blumen Augenblicke voller Schönheit, Duft und ­Farbenrausch. Gut angelegtes Geld für – wenn auch flüchtige – Glücksmomente. Manchmal haben sie sogar Bestand. Ich kann die Maiglöckchen auf dem Geburtstagstisch meines Vaters und die sommerlichen Wickensträuße meiner Mutter noch heute sehen und riechen. Der Hochzeitsstrauß meiner Schwiegertochter hängt schon viele Jahre in der Wohnung, und in den vergilbten Liebesbriefen meiner längst verstorbenen Großeltern liegen gepresste Veilchen.

Christine Lässig

Wie sieht’s bei Ihnen rund um die Kirche aus?

4. August 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Das Gasthausessen mag gut sein – wenn die Topfpflanzen an Fenstern kränkeln und verstaubte Plasteblumen die Tische zieren, schmeckt es mir nicht besonders. Das Auge isst mit. Wenn öffentliche Anlagen verunkrauten, ist das schlecht fürs Image der Stadt. Und wenn der Kirchgarten sich Gottesdienstbesuchern und neugierigen Touristen ungepflegt präsentiert, kommt der Verdacht auf, dass die Gemeinde wenig Interesse an ihrer Ortskirche hat. Vertane Chance.

»Wo Blumen blühen, da lächelt die Welt«
Ralph Waldo Emerson

Dabei lässt sich einiges denken, wie man den Weg zur Kirchentür einladend gestalten kann: mit grünem Rasen, Bodendeckern, blühenden Sträuchern und robusten Stauden, mit einer Bank, einem Kunstwerk – oder was die Gegebenheiten sonst noch nahelegen. Man könnte auch überlegen, ob die Bepflanzung nicht nur schön aussehen soll, sondern auch mit dem Gebäude eine innere Beziehung eingehen kann. Vielleicht ist es eine alte Klosterkirche, zu der ein kleiner Klostergarten mit vielen Kräutern passen würde. Oder es werden christliche Symbolpflanzen gezeigt, die in der Kunst des Mittelalters mit frommen, manchmal auch kuriosen Erklärungen der Dreieinigkeit und allen Heiligen zugeordnet wurden. In manchen Orten gibt es einen Bibelgarten, in dem der Betrachter seine Kenntnisse des Alten und Neuen Testamentes überprüfen kann.

Christine Lässig

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In meiner Gemeinde haben wir uns dafür entschieden, auf den Beeten an der Eingangstür alles zu pflanzen, was den Kirchenbezug schon im Namen trägt. Und das ist nicht wenig. Im Frühling blühen Christrosen, Himmelschlüsselchen und Osterglocken, gefolgt von Pfingstrosen, Jakobsleiter und Salomonssiegel, Kerzenkreuzkraut, Passionsblume und Glockenblumen aller Art, Heiligenkraut, Johanniskraut und Judassilberling, Kapuzinerkresse und Kartäusernelke, Engelwurz und Engelsüß, Madonnenlilie, Mariendistel und Marienglockenblume, dazu Gottesaugen und Gloria Dei, die meistverkaufte Rose der Welt. Gut beschildert und in einem Faltblatt erklärt, erschließt sich der tiefere Sinn. Im Team angelegt, im Team gepflegt – anders geht das nicht. So wird es keinem zu viel. Gemeindeglieder und Besucher freuen sich daran.

Christine Lässig

Schöne Blumen wachsen langsam

7. Juli 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Schöne Blumen wachsen langsam, nur das Unkraut hat es eilig, hat William Shakespeare festgestellt. Jeder wird ihm beipflichten, der ein Stück Land bearbeitet. Wer es nicht betonieren will, muss damit leben. Und selbst dann würde ein Löwenzahn genug Platz finden, sich fröhlich zu entwickeln. Es ist ganz erstaunlich, wie viel Überlebenswille in diesen Pflanzen steckt. Niemand will sie haben. Wenigstens auf dem Blumenbeet nicht und auch nicht im Rasen. Aber ungeachtet aller Unkrautvernichter, ständigem Jäten und böser Blicke ­gedeihen sie allerorten, überwuchern teuer erstandene Pflanzen und stören das Bild. Da mag die Vogelmiere noch so hübsche kleine Blütchen haben und wie Giersch und Brennnesseln essbar sein – sie hat im Kübel der Blaulilie nichts zu suchen. Auch nirgendwo anders im Garten an Stellen, wo schöne Blumen das Herz erfreuen sollen. Zum Teufel mit Winden, Quecken, Scharbockskraut und allen Unkräutern, deren Namen ich nicht mal wissen will.

»Aus derselben Ackerkrume wächst das Unkraut wie die Blume«

Natürlich lässt sich einwenden, dass »Wildkräuter« die treffendere Bezeichnung ist, dass nicht nur Kaninchen und Meerschweinchen sie zum Fressen gern haben und Insekten auf sie fliegen. Ohne sie würde manches Stück Erde ziemlich kahl aussehen. Man könnte auch sagen, dass wir den natürlichen Pflanzenwuchs mit unseren Gärtnereien stören statt umgekehrt, und die ungebetenen Gäste nur Besitz von dem nehmen, was ihnen eigentlich gehört. Ihre erstaunliche Vitalität, die wir ihnen vorhalten, zeigt, dass sie unseren Züchtungen eben überlegen sind. – Alles schön und gut. Sollen sie woanders wachsen!

Christine Lässig

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Im Unterschied zum ständigen Jäten auf irdischen Beeten kann sich Pastor Thomas Schleiff aus Heide den Himmelsgarten nur unkrautfrei vorstellen. Paradiesische Zustände sozusagen. »Der Gärtner ist ein Traumberuf, den Gott im Paradies schon schuf«, beginnt er sein Gedicht über den »Gärtner im Himmel«. Und er fragt sich: »Muss er, wie hier auf dieser Welt, / dereinst auch in den Himmelsbeeten / noch stets und ständig Unkraut jäten? / Nein, diese Gärtnertätigkeit/gehört laut Mosebuch erst seit / der paradiesischen Vertreibung / zu seiner Arbeitsplatzbeschreibung.«

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Kein Röslein ohne Läuschen

23. Juni 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Ob die Rose die Königin aller Blumen ist – darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich kann das Entzücken nicht teilen, wenn in Rosarien, Parkanlagen und privaten Gärten quadratmeterweise ›Gloria Dei‹, ›Superstar‹ oder ›Queen Elizabeth‹ mit zig anderen Sorten wachsen. Vom Anspruch her allerdings könnte der Titel passen. Man muss ihr erhöhte Aufmerksamkeit widmen, der stolzen Rose. Was es nicht alles für Krankheiten gibt, die es abzuwehren gilt: Sternrußtau, Mehltau und Rosenrost sind nur die bekanntesten. Zahllose Schädlinge zeigen keinerlei Respekt und haben es besonders auf Ihre Hoheit abgesehen: Gefurchte Dickmaulrüssler, Spinnmilben und Blattläuse, die Rosenblattrollwespe, die Gemeine Rosenlaubzikade und der Rosentriebbohrer, wobei zwischen dem Aufsteigenden und dem Absteigenden zu unterscheiden ist. Und denken Sie nicht, dass ein neuer Rosenstock auf den alten Platz gesetzt werden könnte. Die Erde ist rosenmüde und muss ausgetauscht werden.

»Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er’s verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten«
Wilhelm Busch

Andererseits: Wenn sich ›Bobby James‹ in alte Bäume schlingt, ›Golden Gate‹ Spaliere erobert, sich ›Veilchenblau‹ über eine Mauer ergießt oder die gestreifte ›Variegata di Bologna‹ als großer Strauch süß duftet – dann ist man voller Bewunderung über so viel Schönheit. »Oh, wer um alle Rosen wüsste, die rings in stillen Gärten stehn – oh, wer um alle wüsste, müsste wie im Rausch durchs Leben gehen«, reimt Christian Morgenstern. Kein Wunder, dass sie als Königin der Blumen in unzähligen Gedichten und Geschichten, Liedern und Poesiealben besungen wird, makellos, duftend, ein Symbol für die Liebe.

Christine Lässig

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Die Dornen kommen auch vor. Zwiespältig ist Schönheit, mit Gefahr verbunden – Anlass für weise Sinnsprüche über das Leben. Von Gefurchten Dickmaulrüsslern und Co. redet allerdings keiner. Höchstens Wilhelm Busch, der die Realität nicht ganz aus dem Auge verliert: »Dass keine Rose ohne Dorn/bringt mich nicht aus dem Häuschen./Auch sage ich ganz ohne Zorn:/Kein Röslein ohne Läuschen.« Da ist Gelassenheit gefragt und das Bemühen, den Ansprüchen dieser besonderen Pflanze Genüge zu tun. Geduld bringt Rosen.

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Schau an der schönen Gärten Zier

9. Juni 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Wenn es am schönsten ist im Garten und die Sommerblumen und Stauden üppig daherkommen, Gehölze in Saft und Kraft stehen und der Rasen noch frisch und grün ist, öffnen Hunderte von Gärten ihre Türen, um interessierten Besuchern einen Blick in ihre privaten oder halböffentlichen Refugien zu ermöglichen. Organisiert vom Bund Deutscher Landschafts­architekten und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und

Christine Lässig

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Landschaftskultur präsentieren Hobbygärtner und Profis an einem Tag im Juni, was sich hinter ihren Zäunen, Hecken und Mauern verbirgt. Die Open Gardens gibt es in England schon seit 1927. Mittlerweile haben die Deutschen nachgezogen und unter dem Slogan »Offene Gärten«, »Gartenwelten – Gartenspaziergänge« oder die »Offene Gartenpforte« an diese Erfolgsgeschichte angeknüpft. In jedem Jahr machen mehr Gartenbesitzer mit, und die Besucherzahlen steigen ständig.

»Zum schönsten Erlebnis des Gärtners ­gehört die Erfahrung, dass Pflanzen- und Gartenfreude in hohem Maße menschenverbindend wirkt«
Karl Foerster

Mir gefällt das Projekt über alle Maßen. Es ist vergnüglich zu sehen, was andere gestaltet haben, und lehrreich, weil persönliche Erfahrungen ausgetauscht und jede Menge Anregungen gegeben werden. Was gibt es für einen Gärtner Schöneres, als anderen zu zeigen, wie gut die blauen Schwertlilien zur weißen Edelpfingstrose ­passen, wie ertragreich die Gemüsebeete zu werden versprechen und wie verlockend der Sitzplatz zum Aus-
ruhen einlädt. Wie lässt sich ein Innenhof gestalten, wie ein 1000-Quadratmeter-Garten? Was tun, wenn das Grundstück am Hang liegt oder im Schatten alter Bäume? Welche Gartengestaltung passt zu modernen Stadthäusern und welche zu alten Bauernhöfen?

Gärten anschauen verbindet. Man trifft Gesinnungsgenossen und kommt leicht ins Gespräch. Fachsimpeln ist angesagt. Zwischen wortlosem Vorbeigehen und intimer Einladung ins Haus wird hier eine offene Kontaktaufnahme unter Gartenfreunden angeboten. »Komm in meinen Garten, ich möchte, dass meine Rosen dich kennenlernen.« (Richard B. Sheridan)

Christine Lässig

Gärtnern macht offenbar glücklich

26. Mai 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Wenn ich mit einem intellektuellen Freund spreche, festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich dagegen mit meinem Gärtner, bin ich vom ­Gegenteil überzeugt«, so Bertrand Russell, der britische Philosoph und Schriftsteller. Mir fällt dazu Schmidt von Werneuchen ein, der 1764 als Sohn eines brandenburgischen Landpastors geboren wurde, in die Fuß­stapfen seines Vaters trat und bis zu seinem Tode 1838 mit großer Begeisterung auf dem Dorfe lebte. Offenbar war er mehr Gärtner als Intellektueller – seine Gedichte jedenfalls hat ein glücklicher Mensch geschrieben.

Christine Lässig

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Von theologischen Gedankenflügen ist nichts zu finden, umso mehr von dem herzlichen Vergnügen, die Natur vor der Haustür zu haben und alle Jahre wieder ihr Erwachen und Vergehen zu beobachten. Das hat er in Verse gegossen, die seinerzeit durchaus populär waren. Von den Dichterkollegen allerdings haben sie ihm überwiegend Hohn und Spott eingebracht. Wie kann man poetisch über Alltägliches schreiben! Selbst Goethe amüsierte sich in einer Parodie über die »Musen und Grazien in der Mark«.

»Kein Mensch auf Erden hat mir so viel Freude gemacht als die Natur mit ihren Farben, Klängen, Düften, mit ihrem Frieden und ihren Stimmungen«
Peter Rosegger

Schmidt von Werneuchen hat das wenig angefochten. Überzeugt davon, mit dem einfachen Leben auf dem Lande das bessere Teil erwählt zu ­haben, reimt und gärtnert er unverdrossen vor sich hin: »Komm her zu uns, wenn Winterstürme tosen, / Komm her im Lenz, komm um die Zeit der Rosen, / Komm, wenn der Herbst die Feldgewebe spinnt, / Und sieh, wie froh wir hier im Flecken sind. / Ja, gute Frau, die Stadt ist mir ein Kerker; / Nie tausch’ ich drum der Hütte kleinen Erker, / Das Gärtchen nie mit bogigtem Stacket, / Wo schwesterlich Ebresch’ und Linde steht. / Nie tausch’ ich drum mein Lusthaus unterm Schatten / Des Austbirnbaums, der Lehmwand Rebenlatten, / Mein Bienenhaus voll gelber Körbe, nie / Mein Beet, geschmückt mit Boll’ und Sellerie.«

Theodor Fontane hat den Pfarrgarten 23 Jahre nach dem Tod von Friedrich Wilhelm August Schmidt besucht und rühmt seine Rosen, Fliederlauben und den uralten Birnbaum. »In diesem Garten arbeiten war unseres Freundes Lust«, schreibt er in seinen »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« – und bringt ein Hoch aus auf einen glücklichen Menschen.

Christine Lässig

Gottesdienst im Grünen macht die Sache rund

12. Mai 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Es kann einem richtig andächtig zumute werden im Wald und auf der Heide, auf dem Berg und im lieblichen Tal, unter einem blühenden Apfelbaum und mitten im lachenden Frühling. Natur tut der Seele gut. Und wenn sie in frischem Grün daherkommt, erst recht. »Eine Blume kann fromm machen, sie kann spüren lassen, Gott hält zu seiner Schöpfung«, meinte sogar Bertolt Brecht, der nun wirklich nicht der Gefühlsduselei und Frömmelei verdächtig ist. Man muss kein zartbesaiteter Mensch sein, um zu spüren, dass sich hier etwas Wunderbares vor unseren Augen abspielt. Manches lässt sich nüchtern erklären, doch das Staunen über so viel Schönheit und die Erkenntnis, dass alles so wohl geordnet ist, ist alle Jahre neu. Die ganze Schöpfung sei ein Lobpreis Gottes, fand die grüne Heilige Hildegard von Bingen, deren spezielle Kenntnisse über die Heilkräfte der ­Natur noch heute von großem Interesse sind.

»Groß und kleiner Blumen Pracht zeugen all von Gottes Macht«
M. Daniel Pfisterer

Christine Lässig

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Dass Berge, Bäume oder Felsen göttlich sind und anbetungswürdig, hat das Christentum hinter sich gelassen. Im Unterschied zu den Naturreligionen gründet es sich auf die ­Offenbarung Gottes in einer Person. Wer wissen will, wie man nach Gottes Willen leben soll, muss die Bibel zur Hand und Christus zum Vorbild nehmen. Und doch ist seit jeher mit der Schöpfungstheologie die Natur als zweite Offenbarung im Spiel. Sie ­spiegelt die Güte Gottes und seine ­Allmacht. »Herr, wie sind deine Werke so groß und viel«, staunt schon der Beter des Schöpfungspsalms 104.

Schief wird’s freilich, wenn die Liebe zur Natur die Nächsten- und Gottesliebe vergessen lässt, wenn sie als Kirchenersatz dient. Die Gleichung Wald- und Wiesenspaziergang gleich Gottesdienst stimmt nicht. Glaube ist mehr als Freude an der Schöpfung. Da geht es ums ganze Leben, um Mitmenschlichkeit und Liebe, Krankheit und Tod, Schuld und Vergebung und was das menschliche Dasein sonst noch ausmacht. Wald- und Wiesenspaziergang mit Gottesdienst wie zu Himmelfahrt oder Pfingsten macht die Sache rund und bringt augenfällig zusammen, was zusammengehört.

Christine Lässig

Mein Kampfplatz für den Frieden

28. April 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Mein Kampfplatz für den Frieden.« Einst war diese Losung auf Transparenten und Wandzeitungen ziemlich weitreichend gemeint. Da ging es um den Arbeitsplatz eines Werktätigen und um nichts Geringeres als den Weltfrieden. Ein paar Nummern kleiner gedacht könnte ich die Parole auch persönlich nehmen und in meinem Garten anbringen. Um dort friedlich sitzen zu können und beschaulich in die Runde zu schauen, muss vorher der Boden ­bearbeitet werden, findet der Kampf gegen Unkraut und Schädlinge statt, kann ohne Mühe und Schweiß nichts werden. Mein Kampfplatz für den Frieden. Aber das Ziel ist realistisch ganz im Unterschied zum Weltfrieden, der leider mehr braucht als ein vorbildliches Berufsethos.

Christine Lässig

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Allerdings ist der grüne Friede hinterm Haus bedroht vom Unfrieden auf dieser Welt. Johann Rist (1607–1667), Dichter, Gärtner, Apotheker und Pfarrer in Wedel bei Hamburg, hat dies schmerzlich erfahren. Im Dreißigjährigen Krieg zerstörten schwedische Soldaten den berühmten Südergarten, das bewundernswerte Ergebnis seiner Gartenkunst und langjährigen Sammlerleidenschaft. Dieser Ort des Friedens für ihn, seine Gemeindeglieder und Gartenfreunde wurde ein Opfer des Krieges wie viele andere von langer Hand angelegte Parkanlagen, Obstbaumwiesen und Hausgärten. Sicherlich wiegt das nicht so schwer wie der Tod von Menschenleben, aber wer wie Rist den Garten liebt, versteht seine Trauer.

Gärten geben Frieden, aber sie brauchen ihn auch für Wachstum und Gedeihen. So sind sie zum Inbegriff für friedliche ­Zeiten geworden: »Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen«, so der Prophet Amos. Johann Rist hat nach der Zerstörung unverdrossen wieder von vorn angefangen: »Auf, ihr Gärtner, senket Reben, / Impfet Bäume mancher Art, / Pflanzet Kraut und Obst daneben, / Das sich fein zusammenpaart. / Lasset an einander wohnen / Rosen, Liljen, Nägelein, / Hyazinthen groß und klein, / Tulipen und Anemonen, / Daß ihr ja den Friedenschatz / Schön bekränzet auf dem Platz!«

Christine Lässig

Es geht auch ohne Beet

15. April 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Topfgärten sind in Mode. Mit ihnen lässt sich auf kleinem Raum viel gestalten. Ob Beton oder unfruchtbarer Erdboden, ob Terrasse oder Balkon, gepflasterter Hauseingang oder Fenstersims – überall lassen sich Pflanzen ziehen. Und das nicht nur in Töpfen, sondern auch in Kisten und Kasten, in ausrangierten Suppenschüsseln, vom Holzwurm angefressenen Backmulden, geflochtenen Weidenkörben und was Flohmarkt,

Christine Lässig

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Gebrauchtwarenhändler und Großmutters Dachboden noch so hergeben. Fantasie ist gefragt. Hauptsache, das Gieß- oder Regenwasser kann durch Drainage und Abzugslöcher ­ablaufen, damit keine Staunässe ­entsteht. Gar manche Blume kommt an solch herausgehobener Stelle viel besser zur Geltung. Unansehnlich Gewordenes kann beiseite gestellt, Blühendes in den Vordergrund gerückt werden. Und ein gewisser Schutz gegen Schnecken ist auch gegeben. Gegossen werden muss allerdings öfter, und die Gefäßgröße muss stimmen. Eine Kletterrose im Eimer wird nicht alt.

»Ein Garten kann eine Welt für sich werden, dabei ist ganz gleich, ob dieser Garten groß oder klein ist«
Hugo von Hofmannsthal

Gemüse oder gar Obst auf einem Balkon anzubauen, wie das überall nahegelegt wird, hat nicht allzu viel Sinn, finde ich. Es sei denn, man will Kindern demonstrieren, dass Andenbeeren auch hierzulande reifen, Möhren nicht an Bäumen wachsen und Tomaten ganz anders schmecken können. Auch wenn der rotstielige Mangold sehr attraktiv aussieht – für die Küche müssen schon andere Flächen her. Was soll da eine Apfelsäule mit zwölf Früchten, die man nicht essen mag, weil sie so schön aussehen. Oder der Kartoffelanbau im Eimer, der höchstens für zwei Mahlzeiten reicht. Wenn auf so kleinem Raum Nährwert und Zierwert im Streit liegen, ist das unbefriedigend. Hat ersterer Vorrang, ist die Zierde dahin, und im umgekehrten Falle wird es mit der Ernte nichts.

Was sich allerdings immer lohnt, sind Kräuter aller Art. Da merkt keiner, wenn ein paar Salbeiblätter im Tee landen, Rosmarinnadeln auf den Ofenkartoffeln oder Basilikum im ­Tomatensalat. Hier kann man beides genießen, ohne sich für das eine oder andere entscheiden zu müssen: die gesunde Würzkraft im Essen und den erfreulichen Anblick im Kübel.

Christine Lässig

Heute schon übers Wetter geredet?

3. März 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Nicht? Da wird es Zeit. Das Wetter ist immer und überall Gesprächsthema Nr. 1: bei Veranstaltern jeder Art, bei Ostseeurlaubern, Wintersportlern und Auslandsreisenden, beim Joggen ebenso wie bei Auto­fahren, unter Bauern und Seeleuten, beim Small Talk im Vorbeigehen – und natürlich auch unter Gärtnern. Nicht auszudenken, wenn das Wetter zum Tabuthema würde. Man wüsste oft gar nicht, worüber man reden sollte, und die Medien hätten ein Topthema ­weniger. Es ist das ganze Jahr über von allgemeinem Interesse, ob es schneien wird oder frieren, ob Regen aufzieht oder mit Sonnenschein gerechnet werden kann, ob es kalt wird oder eine Hitzeperiode ansteht.

»Wer jede Wolke fürchtet, taugt zu einem Gärtner nicht«
Sprichwort

Wetter und Wetter ist allerdings zweierlei. Es kommt entscheidend darauf an, für wen. Bei den Moderatoren ist das klar: für Nichtgärtner. Sonst würden sie sich nicht fast entschuldigen, wenn die Aussichten trübe sind. Es hat zuweilen den Anschein, dass sie eine Schlechtwetterfront als persönliches Versagen empfinden und es ihnen sehr unangenehm ist, der Überbringer schlechter Nachrichten zu sein. Da mögen sie im Blick auf Eisverkäufer und Dachdecker richtigliegen – für Gärtner kann das durchaus eine sehr erfreuliche Mitteilung sein.

Christine Lässig

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Ein Gewitterregen wirkt mehr als tausend Gießkannen, weiß man aus Erfahrung. Ein trüber Tag im Februar schützt die Gehölze vor der gefährlichen Wintersonne, und wenn der Frühling allzu früh kommt, verleitet das Wetter zu Dingen, die man bald darauf bereut, wie Kübel ins Freie bringen, im Gewächshaus vorgezogene Pflanzen den späten Frösten ausliefern oder Buschbohnen legen. Eine Portion Gelassenheit wäre also nicht schlecht, zumal man es sowieso nicht in der Hand hat. »Die Menschen machen den Kalender, aber Gott das Wetter«, sagt der Volksmund. Und der Gärtner hierzulande hat eine doppelte Chance, damit zufrieden zu sein. Ob bewölkt oder sonnig: Entweder tut es den Pflanzen gut oder den Menschen und manchmal beiden zugleich. Sehen wir’s also positiv, das Wetter. Es sei denn, es wird zu einseitig: »Ein Sommerregen ist erfreulich, ein Regensommer ganz abscheulich.« (Eugen Roth).

Christine Lässig

»Je länger wir gärtnern, umso mehr lernen wir«

17. Februar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

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Ob einjährig, zweijährig oder mehrjährig, ob sonnenhungrig oder schattenverträglich, bodendeckertief oder mannshoch – eine gewisse Kenntnis von Pflanzen sollte man schon haben als Gärtner. Jedenfalls wenn man eine Rabatte haben möchte, die immer blüht, wo Farben und Wuchshöhe gut aufeinander abgestimmt sind und jede Pflanze optimale Bedingungen zum Wachsen hat. Welche Pflanzenkombinationen haben sich bewährt, soll es ein bunter Bauerngarten werden oder ein edles Rundbeet vor der Villa, handelt es sich um einen Topfgarten oder ein weitläufiges Gelände. Was ist für Anfänger geeignet und was sollte besser ausgewiesenen Pflanzenkennern vorbehalten bleiben. Es sind eine Menge Kriterien zu beachten, damit das Ergebnis stimmt. Und oft genug hält sich der Erfolg durchaus in Grenzen, obwohl man doch alles berücksichtigt hat, was man so weiß. »Je länger wir gärtnern, umso mehr lernen wir; und je mehr wir lernen, umso häufiger geht uns auf, wie wenig wir wissen«, gibt die Gartenexpertin Vita Sackville-West zu.

Das gilt allerdings für alle Disziplinen, für die übrige Naturwissenschaft genauso wie für die Philosophie oder Architektur. Nur die Selbstzufriedenen wissen genug. »Manche Leute«, so beschreibt Harry Sinclair Lewis das Gegenteil, »können sich an keinem Garten erfreuen, wenn sie nicht die Namen aller Blumen kennen.« So weit kommt es bei uns Hobbygärtnern eher selten mit unseren bescheidenen Kenntnissen. Wir freuen uns auch über Pflanzen, die wir nicht einordnen können. Sogar der eifrige M. Daniel Pfisterer, Pfarrer zu Köngen, musste gelegentlich passen: »Wie dieses Blümle heiß und was es hab auf sich, muß Einer sagen der es beßer kennt als Ich.« Dabei hatte er in seinem »Buch von Menschen, Tieren, Blumen, Gewächsen und allerlei Einfällen«, das er 1716 zu schreiben und vor allem zu malen begann, eine Unzahl von Pflanzen namentlich aufgeführt. In diesem speziellen Falle hätte ich ihm sogar weiterhelfen können. Es war das Gemeine Seifenkraut, Saponaria officinalis. Zufälligerweise wächst es in meinem Garten.

Christine Lässig

Mein sorgfältig erstellter Plan ist fertig

3. Februar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Tage werden länger. Es geht »nauswärts«, wie man im Thüringer Wald sagt. Zum Glück! Praktisch ist im Garten außer dem Gehölzschnitt nicht viel zu tun. Aber rein theoretisch könnte man sich allmählich Gedanken machen, wie Blumenrabatten und Grabeland in diesem Jahr aussehen sollen. Bunt, üppig und nahrhaft, gesund und schneckenfrei. So viel steht fest. Lediglich die Details müssten noch geklärt werden. Und das ist eine äußerst befriedigende Angelegenheit ohne Schweißperlen auf der Stirn und mögliche Misserfolge im Blick. Notizen aus dem letzten Jahr, Anregungen auf Hochglanzpapier und Angebote von Versandgärtnereien helfen bei der Planung.

»Es gibt im Grunde nichts, was dem Dichten so nahe steht, als ein Stück lebendiger Natur nach seiner Phantasie umzugestalten«
Hugo von Hoffmannsthal

Christine Lässig

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»Bei deinen immer neuen Ideen müssen die Pflanzen ständig ums Überleben kämpfen«, sagt mein Mann. Er hat nur ein bisschen recht. »Der wahre Gärtner muss brutal sein und voller Fantasie an die Zukunft denken«, meint Vita Sackville-West. Ich bin auf ihrer Seite. Gartengestaltung macht den Unterschied zur Natur jenseits der Mauern und Zäune. Weg mit den orangenen Ringelblumen, die sich neben den rosa Cosmeen ausgesät haben. Raus mit der pinkfarbenen Clematis neben der kirschroten Rose. Auf den Kompost mit den Kübelpflanzen, denen das Winterquartier so schlecht bekommen ist, dass sie das Jahr über damit zu tun hätten, an einem der Äste drei grüne Blätter zu schieben. Oder wenigstens auf die Krankenstation, damit sie aus dem Blick sind.

Meinetwegen kann der Frühling kommen, auch wenn das erst für den 20. März vorgesehen ist. Mein sorgfältig erstellter Plan ist fertig, die nötigen Arbeitsschritte bedacht. Den blauen Ehrenpreis bekomme ich von der Nachbarin, die rote Kokardenblume habe ich bei ­einer Versandgärtnerei bestellt. Und nicht nur die. Samentütchen von Petersilie bis Sonnenblume liegen bereit ebenso wie Hornspäne und Humus. – Wenn dann die Erde wirklich nach Frühling riecht, läuft allerdings manches anders als geplant. Das ist ein Erfahrungswert, der mich immer wieder lächeln lässt. Grau, teurer Freund, ist alle Theorie. Man kann es auch ganz anders machen.
Christine Lässig

Der Himmel ist ohne Blumen nicht vorstellbar

19. Januar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Natürlich kann ein Gottesdienst sonst wo stattfinden: »Auff dem Feld, in der Kirchen oder auff dem Meer«, wie schon Luther sagt. Das Museum, der Bahnhof, eine Einkaufsgalerie oder das Stadtfest sind heute Orte, wo gelegentlich Choräle angestimmt, Predigten gehalten und Gebete gesprochen werden. Alltagsnähe wird gesucht, Kirchenfremde sind mit im Blick, das Evangelium wird mit dem normalen Leben konfrontiert und muss sich daran messen lassen. Das hat Sinn.

Christine Lässig

Christine Lässig

Mir persönlich sind die Gottesdienste in den Kirchen immer noch am liebsten. Alles konzentriert sich auf den Altar mit dem Kruzifix, der weite und doch geschützte Raum spiegelt den Glauben der Altvorderen, die Luft ist voll von Bittgebeten und Dankeshymnen vergangener Zeiten. Wer sich umschaut, hat viel zu sehen. Und wer seinen Blick nach oben richtet, hat manchmal sogar das Paradies vor Augen. Zwischen den Rippen der gotischen Gewölbe wächst und blüht es in der Schlosskirche Wittenberg etwa, in der Schleizer Bergkirche, in St. Johannes in Saalfeld oder St. Marien in Pirna. Diese Himmelswiesen, wie sie genannt werden, stammen meist aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Besonders beeindruckend ist der monumentale Himmelsgarten von

St. Michael in Bamberg, der Mittelschiff, Seitenschiffe und Querhaus überspannt. Mit seinen 578 Pflanzenbildern sucht er seinesgleichen. Dass florale Ornamente in Stein, Holz und Farbe die Kirchen zieren, ist gang und gäbe. Aber hier lässt sich jedes Kräutlein, jede Blume und jeder Baum identifizieren. Der Künstler ist zugleich Botaniker und darum bemüht, dass jedes Detail stimmt. Und wenn der Betrachter ein Gewächs nicht einordnen kann, liegt das an seiner mangelnden Kenntnis und ganz bestimmt nicht am Maler.

»Gottes Natur – mein Meister, sein Himmel – meine Heimat,
und meine Werkstatt – seine weite, schöne Erde«
Peter Josef Lenné

Eigene Naturstudien und die reich bebilderten Pflanzen- und Kräuterbücher jener Zeit machten es möglich, naturgetreu mit christlichen Symbolpflanzen, Heilkräutern und neu entdeckten Exoten einen Paradiesgarten zu schaffen, der an den verlorenen Garten Eden erinnert, das Lob der irdischen Schöpfung singt und Freude auf das himmlische Paradies weckt.

Christine Lässig

Es gibt ein Leben jenseits des Gartenzaunes

6. Januar 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Seit Monaten habe ich das Hohelied der Gärtnerei gesungen als Heilmittel für Leib und Seele, Quelle mannigfacher Freuden, als Spiegelbild des menschlichen Lebens und ein Stück Eden für jeden. Es wird Zeit zu sagen, dass ein Garten zwar schön und nützlich ist und dass es weit weniger sinnvolle Freizeitbeschäftigungen gibt, als abends zu schauen, was tagsüber gewachsen ist. Aber wenn es so weit kommt, dass umgraben und säen, Unkraut jäten, Blumen gießen und Gemüse ernten wichtiger werden als die Sorgen und Freuden der Mitmenschen nebenan und anderswo – dann ist die rote Linie überschritten. »Macht aber nicht, liebe Leute, dass euch die große Massenwelt fatal werde, weil die kleine Samen- und Baumwelt so niedlich ist«, schreibt der Theologe und Humanist Johann Gottfried von Herder an Karl Ludwig von Knebel im Mai 1785. Und er dichtet: »Die Blume, die der Erd entblüht, war meiner ersten Jugend Lied; bis ich die edlere erkannt, die uns der Himmel zugewandt. Fortan sei ihr mein Lied geweiht, der schönsten Blume, Menschlichkeit.«

Christine Lässig

Christine Lässig

Natürlich hat er recht: Was sind die Sorgen und Freuden diesseits des Gartenzauns gegen die großen Themen der Menschheit wie Krieg und Frieden, Armut und Hunger, Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Es geht beim Radieschen säen nicht um Leben und Tod, wenigstens nicht um den von Menschen. Und was bringt ein Vorzeigegarten, der alle Kräfte beansprucht und davon abhält, sich sozial zu engagieren? Was nützen üppige Blumenbeete, wenn kein Mensch kommt, der sie mit mir bewundert. Man muss im Zweifelsfall Schwerpunkte setzen – Humanität ist wichtiger als Pflanzenliebhaberei. Ein Garten ist nicht der Mittelpunkt der Welt.

Wer will bestreiten, dass es ein Leben jenseits von Kieswegen und ­Komposthaufen gibt. Aber man muss ja nicht beides gegeneinander ausspielen. Warum nicht die »Blume, die der Erd entblüht« mit der »schönsten Blume Menschlichkeit« in einem Strauß zusammenbinden. Herder hat sich auch noch im Alter über den Duft seiner Rosen gefreut und gleichzeitig das Seine getan, um die Welt besser zu machen. Man kann das eine tun und braucht das andere nicht zu lassen. So gesehen bleibt die Gärtnerei auch im neuen Jahr mein Thema.

Christine Lässig

Alles Lebendige ist vergänglich

19. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Du hast den Garten des Lebens verlassen, doch deine Rosen blühen weiter«, steht in einer Todesanzeige. Vielleicht. Es gibt Rosenstöcke, die Jahrhunderte alt werden und viele Generationen lang an den erinnern, der sie gepflanzt hat. Häufig ist das nicht, sind Gärten doch ein sehr vergänglich Ding – nicht nur im Blick auf die Jahreszeiten. Sie werden geschaffen von ihren Besitzern und vergehen mit ihnen oder verändern sich nach den aktuellen Bedürfnissen der wechselnden Eigentümer. Oft holt die Natur sie zurück oder sie werden versiegelt, und kein Mensch erinnert sich daran, was hier alles geblüht hat. Untergegangene Paradiese, die der Vergessenheit anheimgefallen sind wie die, die sie bearbeitet haben.

»Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schöne!
Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet!«

Michael Franck (1609–1667)

Natürlich gibt es auch Gärten, die als historische Anlagen immer wieder nach altem Muster bepflanzt und gepflegt werden. Sie haben Bestand, weil sie zu Schlössern gehören oder zu Klöstern. Hier verbinden sich Architektur und Natur und bringen einander zur Geltung. Der Besucher kann nachvollziehen, wie dort gelebt wurde. Manchmal genügt auch ein großer Name, damit weitgehend alles so bleibt, wie es zu Lebzeiten der Maler, Dichter oder Gärtner ausgesehen hat. Beispielsweise im Garten von Claude Monet in Giverny und Emil Nolde in Seebüll, von Johann Wolfgang von Goethe oder Gottfried Herder in Weimar oder von Vita Sackville-West in Sissinghurst und Karl Foerster in Potsdam-Bornim. Da kann es sogar passieren, dass der zubetonierte Garten von Max Liebermann am Berliner Wannsee wieder bunt und üppig aufersteht zur Freude aller Besucher.

Christine Lässig

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Aber das sind Ausnahmen. Die Bibel weiß um die Vergänglichkeit alles Lebendigen: »Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr« (Psalm 103,15.16). Das ist eine schonungslose Feststellung am Ende des Kirchenjahres. Je älter ich werde, desto mehr geht mir auf, was das bedeutet. Der Psalm geht zum Glück weiter: »Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten. Seine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht über denen, die seinen Bund halten, an seine Gebote denken und danach tun.«
Christine Lässig

Alles hat seine Zeit

10. November 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Jedes Mal dieselbe Unentschlossenheit im April und im Oktober. Sollen die Kübelpflanzen und Sommerblumen ins Freie, obwohl frostfreie Tage nicht garantiert sind? Oder sollen sie schon ins Haus, obwohl es noch viele schöne Herbsttage geben könnte? Den winterharten Chrysanthemen und Herbstastern kann es egal sein, den üppigen Dahlien schon weniger, und für den zartbesaiteten Mottenkönig würde eine Fehlentscheidung das sofortige Todesurteil bedeuten. Das hat er mir im vergangenen Herbst eindrucksvoll bewiesen.

Blumen im alten Jahr verweht, lasse das neue reicher dir blühen!
Doch hoffst du, Freund, auf ein üppiges Beet,
so musst du auch selbst dich im Garten bemühen.
Wolrad Eigenbrod

Die bunten Sommerblumen dagegen können sorglos den letzen Sonnenstrahl genießen, als Henkersmahlzeit sozusagen. Ihr kurzes Leben ist ohnehin vorbei. Sie leben höchstens in ihren Nachkommen weiter, wenn sie zu der robusten Kategorie von Mutterkraut und Akelei, Ringelblumen und Kapuzinerkresse gehören, die sich ungefragt aussamen.

Christine Lässig

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»Pflanzen hat seine Zeit und Gepflanztes ausreißen hat seine Zeit«, sagt der lebenserfahrene und altersweise Prediger in der Bibel. Im Nachhinein weiß man es genau, wann jeweils der beste Zeitpunkt gewesen ist und welcher der absolut falsche war. Man muss nur zusammenrechnen, wie viele Pflanzen im Frühjahr nachgepflanzt werden mussten und welche vor der Zeit abgestorben sind. Freilich denkt der Prediger wohl weniger an Eisheilige und Schafskälte noch das Einräumen der Kübelpflanzen im Herbst. Seine abgeklärte Sicht der Dinge hat das ganze Leben, ja das ganze Zeitalter im Blick. Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben, weinen und lachen, sich umarmen und aus der Umarmung lösen, zerreißen und zusammennähen, schweigen und reden, Krieg und Frieden – um nur einige der angeführten Gegensatzpaare des Predigers zu zitieren. Allerdings begreift der Mensch selten und erst im Rückblick, was von beidem gerade dran war.

Allgemeingültig und umfassend gedacht, lässt diese Bibelstelle mein kleines Problem beim Aus- und Einräumen von Pflanzen ziemlich nebensächlich aussehen. Es geht hier schließlich nicht um Leben und Tod – oder höchstens den von Pelargonien und Weihnachtskakteen. Des eingedenk muss ich freilich zugeben, dass Gärtnern für mich zu den Nebensachen gehören, auf die ich sehr ungern verzichten würde.

Christine Lässig

Regional ernten und saisonal essen

21. Oktober 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Ärgert Sie das auch so sehr, wenn selbst im Herbst in manchen Supermärkten kein Apfel aus Deutschland zu kaufen ist? Wenn Südfrüchte importiert werden, hat das ja seine gewisse Berechtigung. Aber Obst aus unseren Breiten? Die Bäume biegen sich unter der Last ihrer Früchte, aber sie werden unter dem Baum verfaulen, weil der Pflückerlohn zu hoch ist und sich das Ernten nicht lohnt. Oder weil die Äpfel keine Idealmaße haben und nicht wie gemalt aussehen. Dabei schmecken sie besser und haben mehr Vitamine. Es geht doch vor allem um die inneren Werte wie auch Jean Paul findet: »Unter den Menschen und Borsdorfer Äpfeln sind nicht die glatten die besten, sondern die rauen mit einigen Warzen.«

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!
Johann Wolfgang von Goethe

Regional ernten und saisonal essen – das ist mittlerweile eine Maxime, die in vieler Munde ist. Es müssen keine chinesischen Erdbeeren im Herbst sein, auch wenn nicht jedes Mal eine Magen-Darm-Epidemie die Folge ist. Wer weiß, wie die Anbaubedingungen von Obst und Gemüse in anderen Ländern aussehen, wie viel Konservierungsmittel und Treibstoff für den Transport um die halbe Welt gebraucht werden und wie viel Aroma und Vitamine auf der Strecke bleiben, weil die Früchte nicht ausreifen können. Dazu kommt, dass der heimische Obstbau an Bedeutung verliert und die eigene Landwirtschaft Schaden nimmt.

Christine Lässig

Christine Lässig

So mancher Gastwirt hat mittlerweile nur oder vor allem Gerichte auf der Speisekarte, die die Jahreszeit und der Landstrich hergeben: Spargel im Mai, Erdbeeren im Juni, Himbeeren im Juli, Tomaten im August, Trauben im September und so weiter und so weiter. Durch sinnreiche Sortenauswahl und erprobte Konservierungsmethoden lässt sich das alles flexibler gestalten, aber nichts ist so gesund und schmeckt so gut wie sonnengereifte Früchte und frisch geerntetes Gemüse. Dabei sind wir nicht nur auf Wochenmärkte oder eigenen Anbau angewiesen, sondern können auch auf Wildfrüchte im Wald und auf der Wiese zurückgreifen. Eigentlich nicht zu verstehen, dass das reiche Angebot der Natur hierzulande so missachtet wird. Aber auf uns hört ja niemand! Selbst wir nur manchmal.

Christine Lässig

Bewahre die Erinnerung an den Sommer

8. Oktober 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Zeiten, in denen eine gute Hausfrau im Herbst wohlgefällig auf Regale voller Einweckgläser, auf Dörrobst und Sauerkrautfässer, Speckseiten und Kartoffelmieten schauen konnte, sind vorbei. Jedenfalls in ­unserem Land und von passionierten Selbstversorgern abgesehen. Das mag manch einer bedauern, der im Winter auf spanische Äpfel zurückgreifen muss und auf Marmelade, die in der Masse aus sonst was besteht, nur nicht aus Erdbeeren, wie es uns das Etikett einreden will. Vielleicht lässt sich ja doch mehr vom Sommer konservieren als jetzt üblich geworden, ohne den Maßstab unserer Mütter und Großmütter zu verinnerlichen und den Kauf von Wintergemüse als persönliche Niederlage zu empfinden.

»Ich mach ein Lied aus Stille. Ich mach ein Lied aus Licht. So geh ich in den Winter. Und so vergeh ich nicht« Eva Strittmatter

Wie auch immer Ihre Möglichkeiten und Ihr Zeitbudget aussehen mögen – es lässt sich in dieser Jahreszeit aber noch mehr sammeln als essbare Vorräte. Die warme Sonne auf der Haut spüren, bevor es kalt wird, den Honigduft des Steinkrauts genießen und sich über das umwerfende Farbspiel des Wilden Weins freuen, mit Freunden spazieren gehen und verreisen, ehe der Aufenthalt im Freien ungemütlich wird und Glatteis das Laufen behindert. Wenn das Ende abzusehen ist, wird jeder schöne Augenblick umso kostbarer.

Christine Lässig

Christine Lässig

»Siehe den Schmetterling hier! Er küsst die blühende Rose; bald ist der Schmetterling nicht, bald auch die Rose nicht mehr«, schreibt Johann Gottfried Herder mit einem Schuss Wehmut im Herzen und meint sicher nicht nur ein Pfauenauge auf der Rosa alba ›Maxima‹, sondern das Leben an sich. Mit einem Vorrat an schönen Erlebnissen und der Erinnerung an warme lange Sommerabende und strahlend blauen Herbsthimmel lässt sich die dunkle Jahreszeit leichter durchstehen. Natürlich könnte man sich auch auf den Winter freuen, auf klare Luft und frisch gefallenen Schnee, auf Kristalle am Fenster, gemütliches Feuer im ­Kamin und Skifahren in den Alpen. Schön für den, der das kann. Mir gelingt das leider nur sehr unvollkommen. Ich freue mich dann monatelang auf den Frühling.

Christine Lässig

Jedes Jahr eine neue Chance

22. September 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Es wird höchste Zeit, an den nächsten Sommer zu denken. Nicht, dass ich den heurigen schon abgehakt hätte. Ganz im Gegenteil: Wer den Herbst kommen sieht, genießt Sommersonne, Sonnenhut und Sonnenbraut ganz bewusst. Aber die Wicken sind längst keine Zierde mehr, die Prunkwinde hat auch schon mal besser ausgesehen, und auf den Sonnenblumen liegt Mehltau.

»Auch ein kleiner Garten ist eine endlose Aufgabe«
Karl Foerster

Das schafft Platz für Neues, das zwar in diesem Jahr nicht mehr zum Zuge kommt, aber im nächsten sicher großartig aussehen wird.
Jetzt können die Zweijährigen an Ort und Stelle gepflanzt und entstandene Lücken mit Stauden aufgefüllt werden. Blumenzwiebeln sollten auch langsam in die Erde, und der Samentütchen werden es immer mehr. Mich überkommt das außerordentlich befriedigende Gefühl, mit Weitblick und Ordnungssinn das Meine getan zu ­haben, damit die nächste Gartensaison ein Erfolg wird. »Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, verdient ihn nicht«, hat der weise Stauden­gärtner Karl Foerster zu Protokoll gegeben.

Christine Lässig

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Freilich: Der schöne Plan ist das eine, die Umsetzung das andere, und das Ergebnis hält immer wieder Überraschungen bereit. »Jahre überdauernde Pflanzen sind die, die als Unkraut wachsen, zweijährig wachsende Pflanzen sind die, die schon in diesem Jahr eingehen statt im nächsten, und winterfeste Pflanzen sind die, die überhaupt nicht hochkommen.« (Katherine Whitehorn) Das ist zwar et-
was sarkastisch ausgedrückt, entbehrt aber nicht eines Schusses Realität. Ausfälle gibt es immer wieder. Doch in der Regel darf man durchaus damit rechnen, dass zweijährige Vergissmeinnicht zur Blüte kommen und Stauden den Winter überstehen. Die Langlebigkeit des Unkrauts allerdings kann nicht bezweifelt werden.

Was wäre die Gärtnerei, wenn wir nicht jedes Jahr – so Gott will und wir leben – eine neue Chance bekämen, es besser zu machen als in der zu Ende gehenden Saison. Schließlich ist man um einige Erfahrungen reicher geworden. Das tröstet darüber hinweg, dass die warmen Tage bald vorbei sind und die meisten Blumen schon ihren Auftritt hinter sich haben. Es ist kein Abschied für immer.
Christine Lässig

Ausnahmen bestätigen die Regel

9. September 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

Christine Lässig


Die Kleingartenidylle in Eisenach ist seit Juli gestört. Die eine Leiche mit Abschiedsbrief, die andere verscharrt, passen nicht ins Bild. Dabei hatte der Tatverdächtige die verwilderte Parzelle so vorbildlich in Ordnung gebracht und sich aktiv am Vereinsleben beteiligt! Die Gartennachbarn können es nicht fassen. Dass der Mörder der Gärtner ist, kommt zwar in Krimis immer mal wieder vor, gilt aber im richtigen Leben als sehr unwahrscheinlich, genauso, wie böse Menschen keine Lieder singen. Wer sich um einen Garten kümmert, ist ein friedlicher Zeitgenosse, der höchstens Nacktschnecken mordet. Und das auch noch mit schlechtem Gewissen.
Die Ausnahme bestätigt die Regel. »Blumen machen die Menschen fröhlicher, glücklicher und hilfsbereiter. Sie sind der Sonnenschein, die Nahrung und die Medizin für die Seele.« (Luther Burbank) Das ist eine grundlegende Erfahrung, auf der ein ganzer Berufszweig aufbaut. Gartentherapie heißt das neue interdisziplinäre Fachgebiet, das in der Arbeit mit Traumatisierten, Verwirrten, Süchtigen, Traurigen und Altgewordenen von Belang ist. Die magische Wirkung von Grün wird professionell eingesetzt, um nicht nur den Leib zu stärken, sondern auch die Seele zu heilen. Gärten helfen leben. Man muss gar nicht krank sein, um das zu bestätigen.

»Wer mit Liebe im Garten arbeitet, muss ein guter Mensch sein.«
Eva Ibbotson

Um den Kopf frei zu bekommen, kann man joggen, Musik hören, Bilder anschauen, lesen, stupide Hausarbeit machen, mit Freunden reden, gut essen – oder in den Garten gehen. Jeder nach seinem Geschmack und seinen Möglichkeiten. Ich bin für alles und mehr (außer joggen), aber der Garten zählt zu den Favoriten. Er bringt mich auf gute Gedanken, beruhigt die Nerven, steigert mein Wohlbefinden und macht mir Freude. Dasitzen und den Pflanzen beim Wachsen zuschauen, ist einfach schön. Und sie dabei tatkräftig zu unterstützen auch – selbst wenn es Mühe und Arbeit kostet. Manchmal allerdings scheint es Seelenzustände zu geben, die sich durch Gartenarbeit nicht beheben lassen. Und dann wird auch ein Gärtner zum Mörder.

Christine Lässig

Ein Stück Eden für jeden

28. August 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

Christine Lässig

»Ein Stück Eden für jeden.« So heißt der Slogan eines Garten- und Landschaftsbau-Betriebes, ist das kämpferische Motto einer Bürgerinitiative von Kleingärtnern, die durch den Wohnungsbau vertrieben werden sollen, verspricht die Werbung einer Kreuzfahrt-Reederei, die paradiesische Sehnsuchtsorte anfährt. Findige Landbesitzer, die brachliegende Flächen an interessierte Hobbygärtner vermieten, haben dieses einprägsame Motto ebenso gewählt wie Ehrenamtliche, die einen Lehr- und Versuchsgarten offenhalten. Ein Bauträger lockt damit Käufer von Häusern mit Garten, und in England heißt der neue botanische Garten aus der Retorte das »Eden Project«. Er soll für alle da sein, die im größten Treibhaus der Welt ein Stück vom Paradies erleben wollen.

»Ein Stück Eden für jeden« ist also ein pfiffiger Spruch für Geschäftsleute und am Gemeinwohl Interessierte gleichermaßen. Aber darüber hinaus könnte er als wahrhaft frommer Wunsch durchgehen, denn das Paradies meint mehr als schöne Blumen und fruchtbare Bäume. Im Garten aller Gärten stimmt alles. Er ist ein Ort, an dem man Gott begegnen und mit ihm reden kann, heile Welt, ein Ort des Friedens, gut für Leib und Seele. Was kann man Menschen Besseres wünschen als ein Stück Eden für jeden!

»Ein Garten ist etwas, woraus man nur hat vertrieben werden können,
denn wie sonst hätte man ihn je verlassen.«
Rudolf Borchardt

Erfahrungsgemäß lässt sich das Paradies auf Erden aber nicht kopieren und individuell auch nur manchmal und ausnahmsweise erleben – Stückwerk eben. Dass der Mensch nur noch mehr vom Baum der Erkenntnis essen müsse, um zurückkehren zu können ins Paradies, wie es Tim Smit, der Erfinder des Eden Projects meint, ist eine ziemlich weltfremde Ansicht. Trotzdem ist es gut zu wissen, wie es sein könnte, wenn nicht Sündenfälle aller Art die Vertreibung aus dem Paradies zur Folge hätten. Die Sehnsucht nach heiler Welt bleibt. Und wer sie wenigstens ansatzweise in einem Garten findet, sollte sich glücklich schätzen. »Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten, und er ist in der Tat die reinste der menschlichen Freuden« (Francis Bacon). So gesehen ist jedem ein Stück Eden zu gönnen.

Christine Lässig

Die Natur ist ein guter Lehrmeister

12. August 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

Christine Lässig

Was im Garten geschieht, kann Punkt für Punkt als Gleichnis gelten für unser Leben außerhalb des Gartens. (Jürgen Dahl) Da ist was dran! Auf alle Fälle lernt man Demut und Bescheidenheit. In den Erbsen ist schnell der Wurm drin, und die prachtvollen Funkien sind kein Hingucker mehr, wenn sich die Schnecken dort eingenistet haben. Nie wird alles so vollkommen wie gedacht. Diese Erfahrung muss man alle Jahre wieder machen – im Garten und überhaupt.

Aber das ist beileibe nicht der einzige Erkenntnisgewinn. Man lerne Geduld und Ausdauer, sinniert ein Pfarrer Ende des 19. Jahrhunderts, das Schwache zu pflegen und das Verwundete zu heilen. Man sehe, dass das Edle am langsamsten wachse und das Gemeine üppig und ohne Mühe aufschieße, dass zuweilen aus edlem Samen nichts Rechtes werde, während bereits Aufgegebenes und Kränkelndes sich fasse und erhole. Man müsse erleben, dass manches, über dessen fröhliche Entwicklung man sich gefreut habe, plötzlich welke und manch schöne Frucht innen faul sei. Robert Moser ist überzeugt davon, dass seine praktischen Erfahrungen im Pfarrgarten ihm auch beruflich weiterhelfen. »Neben dem vergnüglichen Promenieren im Garten«, resümiert er, »fasst man auch Mut und Trost, wenn es im geistlichen Leben der Gemeinde nicht besser geht.«

»Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.«
Johann Wolfgang von Goethe

Für ihn und seine Amtsbrüder lieferte ein Gartenrundgang Predigtbeispiele zuhauf. An das Sichtbare wurde das Höhere geknüpft, es war die Zeit der erbaulichen Gartenpredigten. Wer sie heute liest, findet sie streckenweise mehr kurios als missionarisch und länger, als wir wachen Sinnes verkraften können. Aber dass die Natur ein guter Lehrmeister ist, Aha-Erlebnisse vermittelt und manchen abstrakten Gedanken anschaulich machen kann, bleibt wahr. Dass sie zudem als lebendiges Buch Gottes von seinem Schöpfer erzählt, auch. Man muss nur lesen können. Dann lässt sich bei der Gartenarbeit nicht nur Demut und Bescheidenheit lernen, sondern auch Geduld und Ausdauer, Mut und Trost, Hoffnung und den Glauben, dass Gott es gut mit uns meint.

Christine Lässig

Es wächst mehr im Garten als man gesät hat

28. Juli 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Man kämpft das ganze Wochenende mit dem Löwenzahn und da, am späten Montagnachmittag, ist er überall keck wieder da in voller wunderschöner Blüte, über alle Maßen hübsch und gedeiht, wie es nur Löwenzahn im Angesicht der Not tun kann«, ist die Erfahrung der ­englischen Schriftstellerin Katherine ­Whitehorn. Wer teilt sie nicht mit ihr. Unkraut ist unglaublich zäh, wenn es ums Überleben geht. Die zarte Vogelmiere behauptet sich ebenso erfolgreich wie der schier unausrottbare Giersch, die Brennnessel oder der Gundermann. Dass man sie samt und sonders in der Küche verwenden kann, sie überaus vitaminreich sind und keinen Cent kosten, tröstet nicht wirklich.

»Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner«
Oskar Kokoschka

Obwohl – die meisten sehen dazu noch hübsch aus. Gänseblümchen im Rasen sind nicht die feine englische Art, aber liebenswert, teetauglich und eine Zierde auf dem Salat. Das goldgelbe Scharbockskraut gehört zum ersten Grün und kann vor der Blüte als Vitamin C-Lieferant in die Kräuterbutter oder Frühlingssuppe. Sterne­köche haben den Geschmack von ­Unkraut – oder besser Wildkraut – neu entdeckt und dekorieren ihre Kreationen damit. Gartenzeitschriften winden Kränze aus Disteln und preisen Rezepte mit Melde. Altes Kräuterwissen und neue Begeisterung mischen sich und verwischen die Grenzziehung zwischen Unkraut und Gepflanztem.

Christine Lässig

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Überhaupt ist die Einteilung in Zierpflanzen, Nutzpflanzen und Unkraut nicht sehr überzeugend. Kapuzinerkresse kann man essen, Kartoffelblüten zierten früher die Frisuren vornehmer Damen, und roter Mohn im Kornfeld sieht umwerfend aus, auch wenn es den Bauern nicht freut.
Die Natur richtet sich einfach nicht nach unseren Bewertungskriterien. Sie lächelt über unseren Ordnungssinn und Gestaltungswillen. Da mag man noch so fleißig ­jäten – es wächst im Garten mehr als man gesät hat. Leider Gottes und Gott sei Dank. Denn sonst würde nicht ­neben meiner lavendelblauen Clematis diese ­zitronengelbe Rapontika blühen, ein ausgewildertes Gourmetgemüse der Goethezeit.
Christine Lässig

Einen Garten für Faule gibt es nicht

15. Juli 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

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Ein Garten will dich jeden Tag sehen, sagt man. Das ist etwas zugespitzt formuliert, aber die Richtung stimmt. Es gibt natürlich Gärten, die sehr pflegeintensiv sind, und solche, in denen es weniger zu tun gibt. Aber der »Garten für Faule«, wie ein ­Buch­titel verheißt, ist ein leeres Versprechen ebenso wie der »Faulenzer­garten« oder der »Nutzgarten ohne Arbeit«. Da soll man sich keinen Illusionen hingeben. Das funktioniert nur, wenn andere zum Spaten greifen und man sich aufs Lustwandeln beschränken kann.

Weil dies aber nur wenigen vergönnt ist, bleibt ein Garten immer mit Anstrengung und Schweiß verbunden. »Was der Frühling nicht sät, kann im Sommer nicht reifen, der Herbst nicht ernten, der Winter nicht genießen«, heißt ein Sinnspruch von Johann Gottfried Herder. Und wo er recht hat, hat er recht. Man muss etwas tun, damit der Unterschied zwischen gestalteten Gärten und naturbelassener Erde deutlich wird.

Wer das Säen und Ernten, das Pflanzen und Pflegen nur als Arbeitslast empfindet, taugt freilich nicht zum Gärtner. Der muss auch seine Freude daran haben und sich mit der Schriftstellerin Virginia Woolf einig sein: »Den ganzen Tag Unkraut gejätet und die Beete fertig gemacht in einer eigentümlichen Art von Begeisterung, die mich dazu brachte zu sagen: Das ist Glück.«

Mindestens ist es ein befriedigendes Gefühl, mit seiner Hände Arbeit aus dem anvertrauten Land ein Stück vom Garten Eden zu machen »ver­lockend anzusehen und gut zu essen«, wie es in der Bibel heißt. Doch selbst im Paradies – so schön und fruchtbar es Gott geschaffen hatte – gehörten für Adam und Eva das Bebauen und Bewahren dazu. Einen Garten für Faule oder einen Nutzgarten ohne Arbeit gab es auch dort nicht. Als sie später das Land selbst urbar machen mussten und den Acker voller Dornen und Disteln mit ihrem Schweiß düngten, ging ihnen freilich auf, dass es trotzdem paradiesische Zustände gewesen waren.
Christine Lässig

Es wird durchgeblüht

19. Juni 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Christine Lässig

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Alles Gute ist nie beieinander. Das ist leider auch im Garten so. Rosen, die besonders üppig blühen, tun es nur einmal im Jahr. Die in der Farbe ideal wären, duften nicht. Schwertlilien und Pfingstrosen geben nur ein kurzes, wenn auch prächtiges Schauspiel, sofern man ihre ­Blütezeit nicht durch verschiedene Sorten in die Länge ziehen kann. Ganz zu schweigen vom Klatschmohn, der seine zerknitterten Blütenblätter kaum entfaltet hat und schon dahin ist.

Die edlen Funkien werden gern von Schnecken gefressen, und die aromatischsten Erdbeeren sind besonders anfällig für Grauschimmel.
So bedauerlich das alles ist – es macht das Leben spannend. Was immerzu da ist, was tadellos daherkommt, wird auch schnell langweilig. Stellen Sie sich einen Garten vor, in dem dieselben Blumen das ganze Gartenjahr in Blüte stehen. Vom Frühjahr bis zum Herbst der gleiche Anblick. Keine Abwechslung in den ­Farben, kein neues Zusammenspiel in den Formen. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich Rosen schön finden soll, die durchblühen bis zum Frost. Im klassischen Weimar hat man ein Fest gefeiert, wenn im Park des umtriebigen Geschäftsmannes und Blumisten Friedrich Justin Bertuch die über 50 Rosensorten dufteten. Es war der Höhepunkt des Gartenjahres, den man mit seinem Blütenrausch bewusst genossen hat. Danach waren andere Blumen dran.

»Es wird durchgeblüht!«, hieß die Maxime des großen Staudengärtners Karl Foerster. Allerdings bezog sich das nicht auf einzelne Pflanzen, sondern auf die bunte Vielfalt der Gärten und die vielen Möglichkeiten, zu allen Jahreszeiten etwas fürs Auge zu haben. Das ist hohe Kunst, bedarf einiger Kenntnisse und Erfahrungswerte und macht eventuell mehr Arbeit als das Gestalten mit Dauerblühern. Aber man kann an den Blumen sehen, in welchem Monat wir leben. Und das ist doch was, in einer Zeit, wo immer alles zur Verfügung steht, Chrysanthemen in Frühlingssträuße gebunden werden und Tomaten das ganze Jahr über zu haben sind.
Christine Lässig

Zum Glück lässt sich nicht alles planen

9. April 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Kleine Gärtnereien

Christine Lässig

Christine Lässig

Mit diesem Beitrag beginnen wir eine Serie mit hintersinnigen Gedanken zu Garten und Gartenarbeit, die im 14-tägigen Rhythmus erscheint. Autorin ist Christine Lässig, die ehemalige Chefredakteurin der thüringischen Kirchenzeitung Glaube+Heimat und Gartenexpertin.

Dieses Gartenjahr wird schöner, bunter und ertragreicher als das vergangene. Davon bin ich fest überzeugt – wie immer im Frühling. Um etliche Erfahrungen reicher, wird jede Pflanze am richtigen Standort stehen, mit passenden Nachbarn optimal zur Geltung kommen und dank meiner ständigen Fürsorge ungezieferfrei, gut gedüngt und gewässert zur Hochform auflaufen. Noch nie haben die Rosen so schön geblüht wie in diesem Jahr, werde ich im Spätherbst sagen. Noch nie waren die Funkien so schneckenfrei und die Hortensien so blau. Die Teppich-Waldrebe über der alten Mauer war einfach überwältigend, und die Veilchen haben geduftet wie in Kindheitstagen.

»Immer wieder tröstlich und immer neu
in ewiger Schöpfung Glanz lacht mir die Welt ins Auge«
Hermann Hesse

Dabei müsste ich eigentlich wissen, dass nie alle Blütenträume reifen. Nicht alles, was in Katalogen, Gartenbüchern und in Nachbars Garten so üppig daherkommt, wird auch bei mir so fotogen sein. Übrigens bei Ihnen auch nicht – nur damit Sie sich keine falschen Hoffnungen machen und dann enttäuscht sind. Selbst wenn wir unsererseits alle lobenswerten Vorhaben in die Tat umsetzen, Ausgaben nicht scheuen und uns eifrig im Internet belesen – das Wetter mindestens haben wir nicht in der Hand. Den Magnolien setzen die Spätfröste zu, die Kirschblüte verregnet oder der Rasen verdorrt in der anhaltenden Sommerhitze. Ungeziefer macht sich breit und Nützlinge sind rar. Es ist so wie im richtigen Leben. Trotz aller gut durchdachten Pläne kommt es anders als man denkt.

Das kann zuweilen von Vorteil sein. Auch wenn die Akelei sich an einer Stelle ausgesamt hat, die für Kräuter vorgesehen war, sieht sie bezaubernd aus neben der Petersilie. Das kleine Vergissmeinnicht in der Plattenfuge rührt jeden, der vorbeikommt. Ganz von allein hat sich der Frauenmantel unter den Kletterrosen angesiedelt und ist die perfekte Ergänzung zur gelben Blütenfülle. Zum Glück lässt sich nicht alles planen. Manches wird schöner als gedacht. Anderes bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Im Garten geht es zu wie im richtigen Leben. Trotzdem oder gerade deswegen bin ich optimistisch. Es wird ein ganz besonders schönes Gartenjahr, da bin ich mir relativ sicher.

Christine Lässig