Da sein – mit ungeteiltem Herzen

4. September 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Suche nach einem einfachen Lebensstil ist ein modernes Thema und ein wichtiges. Einfachheit – im Christentum steht der Begriff für die Ausrichtung des ganzen Herzens auf Christus, für Liebe ohne Nebenabsichten.

Im Alten Testament entspricht das Wort »tham« unserer Einfachheit. Allerdings hat es noch viele andere Bedeutungen. Und auch die Septuaginta übersetzt es verschieden, einmal mit einfach, dann mit vollkommen, lauter, wahrhaftig, heilig, untadelig. Gott selbst spricht zu Salomon: »Wenn du mit ungeteiltem und aufrichtigem Herzen vor mir den Weg gehst, den dein Vater David gegangen ist, und wenn du alles tust, was ich dir befohlen habe, wenn du auf meine Gebote und Rechtsvorschriften achtest, dann werde ich deinen Königsthron auf ewig in Israel bestehen lassen.« (1. Könige 9,4+5)

Einfachheit meint hier die völlige Hingabe des Menschen an Gott. Ich bin König in seinem Dienst. Es geht mir nicht um meinen Ruhm und um meine Macht, sondern einfach darum, für die Menschen da zu sein und das Beste für sie zu wollen. Wer mit einfachem Herzen für die Menschen da ist, der ist ein Segen für sie. Auf ihn kann man sich verlassen. Man spürt, dass er es gut mit einem meint. Er ist frei von allem egoistischen Kreisen um sich selbst. Er ist ganz und gar von Gottes Geist durchdrungen. Er ist allein auf das eine gerichtet: gut zu sein und Gutes zu tun und für die Menschen das Beste zu wollen.

In der Bergpredigt spricht Jesus vom einfachen und klaren Auge: »Wenn dein Auge einfach (griechisch: haplous) ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. Wenn aber dein Auge böse (griechisch: poneros) ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein.« (Matthäus 6,22 und Lukas 11,34) Manche Exegeten übersetzen das »haplous« oft mit »gesund« und das »poneros« mit »krank«. Da ist sicher etwas Richtiges gesehen. Das einfache Auge ist gesund. Es sind die Dinge so, wie sie sind. Es projiziert nicht die eigenen Bedürfnisse oder Emotionen in die Dinge und in die Menschen hinein. Wir sehen es einem Menschen an, ob er klar und aufrichtig ist. Wir brauchen ihm nur in die Augen zu sehen. Dann spüren wir, was von ihm ausgeht: Klarheit oder Unklarheit, Liebe oder Härte, Verurteilen oder Annehmen, Güte oder Verachtung.

Foto: Srubina – Fotolia.com

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Es gibt Menschen, die einen freundlich begrüßen. Aber das Auge bleibt unfreundlich und abweisend. Bei solchen Menschen fühlt man sich nicht wohl. Da sehnen wir uns nach Menschen mit einem einfachen Auge. Bei ihnen wissen wir, woran wir sind. Und von solchen Menschen geht eine gute Ausstrahlung aus. Im Lukasevangelium verweist Jesus auf diese positive Ausstrahlung, wenn er das Wort vom Auge noch weiter ausführt: »Achte also darauf, dass in dir statt Licht nicht Finsternis ist. Wenn dein ganzer Körper von Licht erfüllt und nichts Finsteres in ihm ist, dann wird er so hell sein, wie wenn die Lampe dich mit ihrem Schein beleuchtet.« (Lukas 11,35f.) Von so einem Menschen mit einem einfachen und gütigen Auge wird Licht ausgehen. Die Menschen werden seine Wärme spüren. Sie werden das Klare und Einfache in ihm wahrnehmen. So können sie ihm vertrauen. Und sie fühlen sich in seiner Nähe wohl.

Paulus, der die stoische Philosophie kennt und ihre Vorliebe für die Einfachheit, gebraucht siebenmal das Wort »haplotes«. Im Römerbrief fordert er die Christen auf: »Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken (en haploteti = in Einfachheit, in der Einfalt des Herzens).« (Römer 12,8) Auch zu den Korinthern spricht er dreimal vom selbstlosen Geben (haplotes) (2. Korinther 8,2; 9,11.13). Und er hält seine eigene Selbstlosigkeit und Einfachheit denen entgegen, die diese Einfachheit vermissen lassen. »Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch ihre Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen.« (2. Korinther 11,3) Hier geht es nicht mehr um Selbstlosigkeit, sondern um die Ausrichtung des ganzen Herzens auf Christus. Der einfache Christ ist der, der sich ganz und gar vom Geist Jesu bestimmen lässt und sich mit ungeteiltem Herzen Christus hingibt. Einfachheit ist hier Ausdruck von einer Liebe ohne Nebenabsichten. Es ist eine klare Liebe. Und es ist eine Haltung, in der ich durchlässig bin für Christus, und Christi Geist nicht mit meinen eigenen egoistischen Wünschen trübe.

Die deutsche Sprache hat ihre eigene Erfahrung mit dem Wort »einfach«. Es meint ursprünglich: nicht doppelt, nicht zusammengesetzt. In »einfach« steckt das Wort »Fach«, das etwas Abgeteiltes meint. Ursprünglich beschreibt es das geflochtene Fischwehr in Flüssen. Im Mittelalter nennt man das mit Flechtwerk ausgefüllte Zwischenfeld in einer Wand Fach. Man errichtet Fachwerkbauten. Später spricht man dann vom Fach im Unterricht oder von einem Spezialgebiet in Handwerk, Kunst und Wissenschaft. Da gibt es dann den Fachmann, der für dieses Fach besonders begabt oder gebildet ist. In dem Wort »einfach« klingt noch das »eine Fach« nach, das einen Fachmann braucht, der sich auf das »eine« konzentriert. Für den Fachmann ist alles einfach. Er braucht die Dinge nicht zusammenzusetzen oder gar doppelt auszuführen. Er formt die Dinge so, dass sie einfach und klar werden. Es ist nicht so einfach, einfach zu leben. Dazu braucht es den Fachmann, der es versteht, das eine zu wollen.

»Einfachheit ist das Resultat der Reife«, sagt Friedrich von Schiller. Wir sagen manchmal eher abschätzig von einem Menschen, dass er sehr einfach sei, einfach strukturiert, einfach im Denken, fast etwas einfältig. Schiller sieht die Einfachheit als Zeichen eines reifen Menschen. Wer reif geworden ist, der ist auch in sich und mit sich eins geworden. Seine innere Einheit wird sich auch auf die Beziehung zu den anderen Menschen auswirken. Er wird ihnen gegenüber klar sein. Er muss sich nicht darstellen. Er kann es sich erlauben, einfach da zu sein. Seine Einfachheit im Denken und in seiner Ausstrahlung wirkt befreiend und einend. In seiner Nähe wird einem etwas klar, da klärt sich das Trübe in uns und wir blicken durch.

Anselm Grün

Christenlehre für Iraner

20. Juni 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Flüchtlingsgeschichte: Sie wirkt bei vielen reformierten Gemeinden bis heute nach

Ausgerechnet im Dom zu Halle, dem Schmuckkästchen von Luthers Gegner Kardinal Albrecht, haben die Reformierten im 17. Jahrhundert ihre Heimat gefunden. Die Geschichte der evangelisch-reformierten Gemeinde ist eine Geschichte von Flucht und Vertreibung. Nachdem die Hugenotten von Frankreich auch nach Halle geflohen waren, überließ ihnen der »Große Kurfürst« Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1688 den Dom »zur ewigen Nutzung«. Heute, fast 330 Jahre später, nimmt die Gemeinde selbst Flüchtlinge auf – aus dem Iran und Afghanistan.

»Die Ernsthaftigkeit, mit der diese jungen Menschen ihrer Taufe begegnen, berührt mich und viele andere in unserer Gemeinde«, sagt Jutta Noetzel, Pfarrerin der Domgemeinde und Senior des reformierten Kirchenkreises der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Viele Täuflinge empfinden die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft als Start in ein neues Leben. Zum Teil hatten sie sich im Iran bereits einer christlichen Hauskirche angeschlossen. Manche sind auf der Flucht konvertiert. Andere haben sich in Deutschland dazu entschlossen. Auf die Konversion steht im Iran die Todesstrafe. Oft ist sie zudem mit Verwerfungen in den Familien verbunden.

Das Bekenntnis ist ein Ja zum Christentum, aber auch ein Nein zu einer religiös-fundierten Ideologie, eine Absage an das totalitäre und brutale Regime im Iran. Die Bergpredigt, besonders die Seligpreisungen, seien für viele der Iraner wichtige Texte.

Vor allem bei Geflüchteten, die sich in Deutschland taufen lassen, hinterfragt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Motivation. In etlichen Fällen wird sie als »selbst verschuldeter Nachfluchtgrund« eingestuft. Zu den »Glaubensprüfungen« des Bamf sagt Jutta Noetzel: »Es ist eine pfarramtliche Aufgabe, die Taufe zu verantworten.«

Seit etwa zwei Jahren ist die Domgemeinde Anlaufstelle für christliche Flüchtlinge. Das war nicht forciert. Es ergab sich. Diakonische Aufgaben waren selten und sind bis heute zweitrangig, der Taufwunsch stand stets im Vordergrund. Mittlerweile bietet die Gemeinde »Christenlehre für Iraner« an. Jeden Donnerstag treffen sie sich mit Pfarrerin Noetzel, um mithilfe des Übersetzers Vahid Shahidifar über den christlichen Glauben zu sprechen und die Bibel zu lesen.

Flüchtlingsherberge: Jutta Noetzel vor dem Dom in Halle. Bereits 1688 überließ Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Gotteshaus den reformierten Glaubensflüchtlingen aus Frankreich. Foto: Katja Schmidtke

Flüchtlingsherberge: Jutta Noetzel vor dem Dom in Halle. Bereits 1688 überließ Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Gotteshaus den reformierten Glaubensflüchtlingen aus Frankreich. Foto: Katja Schmidtke

Dabei kommen bestimmte Themen immer wieder zur Sprache, etwa die Frage nach der Gottessohnschaft Jesu und der Zusammenhang von Altem und Neuem Testament. Der Iran lehnt Israel ab, es gibt dort einen scharfen Antisemitismus. »In dieser Kultur sind sie groß geworden. Wir machen deutlich, dass wir Antisemitismus radikal ablehnen. So steht es auch in unserer Kirchenverfassung.« Vor allem komme es auf eine persönliche Haltung zum Glauben an und darauf, Pluralität zu akzeptieren. Eine feste Gruppe von bis zu 20 Leuten komme regelmäßig – auch in die Gottesdienste. Um sie zu integrieren, wird eine der Lesungen auf Farsi gehalten. Auch ein Handzettel zum Gottesdienstablauf ist in Vorbereitung.

In der 250 Menschen zählenden Domgemeinde sei aufgrund der eigenen Flüchtlingsgeschichte die Akzeptanz groß, erzählt Pfarrerin Noetzel. Die jungen Flüchtlinge brechen radikal die Altersstruktur auf. Das Gemeindeleben sei offener und lebendiger geworden. Am Heiligabend gab es ein gemeinsames Essen: Gans, nach persischem Rezept.

Katja Schmidtke

Klein-Deutschland in Äthiopien

24. April 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Eine Nachfahrin der Königin von Saba, Königin Taytu, ließ sich 1888, aus den rauen Bergen kommend, an einer warmen Quelle im Tal ein Haus bauen, gründete eine Stadt und gab ihr den Namen »Addis Abeba« – die Neue Blume. Kürzlich hatte die Deutsche Evangelische Kreuzkirche Besuch vom katholischen Seelsorger aus Sambia.

Auf dem Altarplatz der Deutschen Evangelischen Kreuzkirche in Addis Abeba ein ungewohntes Bild: Neben Pastorin Anja Jacobi im lutherisch-schwarzen Talar der katholische Reiseseelsorger Thomas Matthaei aus Sambia in der weiß-violetten Robe seiner Kirche. Ungewohnt aber vor allem, weil der Pater, der seit 33 Jahren in Sambia amtiert, zum ersten Mal Äthiopien besucht. Sowohl das Pastoren-Ehepaar Anja und Karl Jacobi als auch Pater Matthaei kommen ursprünglich aus Mainz und haben sich seit Langem dem Dienst in Afrika verschrieben.

Der Glockenturm der Deutschen Evangelischen Kirche, »Umschlagplatz der Güte und Güter Gottes« für Deutschsprachige in der äthiopischen Hauptstadt, wird noch von Hand geläutet. Foto: Georg Meusel

Der Glockenturm der Deutschen Evangelischen Kirche, »Umschlagplatz der Güte und Güter Gottes« für Deutschsprachige in der äthiopischen Hauptstadt, wird noch von Hand geläutet. Foto: Georg Meusel

In diesem Gottesdienst in der äthiopischen Hauptstadt erlebe ich ein Stück lebendiger deutsch-afrikanischer Ökumene mit. Die Farbe Ocker der Äthiopischen Orthodoxen Kirche Tewahedo fehlt allerdings. Pfarrer Jacobi erklärt mir, dass sich die orthodoxe Geistlichkeit im Blick auf Ökumene vor Ort zurzeit zurückhalte. Zur protestantischen Mekane Yesus Church (»Der Ort Jesu«), die auf Missionstätigkeit von Lutheranern und Anglikanern zurückgeht, hat die deutsche evangelische Gemeinde gute Kontakte.

Der ökumenische Gottesdienst wird von jugendlichen und erwachsenen Gemeindegliedern mitgestaltet und ist der Höhepunkt des Besuches von Pfarrer Matthaei.

Der Gast berichtet von seiner Arbeit als Diozösan-Priester seit 1984 und einziger weißer Priester in dem von 72 Stämmen bewohnten Norden Sambias. Etwa die Hälfte der Bevölkerung seien Christen. Er selbst predige in Bantu, welches von vielen als Umgangssprache verwendet wird. Thomas Matthaeis Diözese hat eine Ausdehnung von 500 Kilometern von Nord nach Süd und er betreut dort 15 Pfarreien. Als er nach 20 Dienstjahren in Sambia nach Deutschland zurückkehren wollte, habe sein Heimatbischof in Mainz humorvoll zu ihm gesagt: »Du bist verbuscht, bleibe am besten, wo du bist.« Nun ist er nach 33 Jahren noch immer in Afrika aktiv und wird als Reiseseelsorger künftig von Sambia aus viermal im Jahr nach Addis Abeba kommen.

In der äthiopischen Hauptstadt leben nicht wenige Deutsche. Nachdem Kaiser Haile Selassie der deutschen evangelischen Gemeinde in Addis Abeba ein Grundstück geschenkt hatte, konnte dort die Kreuzkirche errichtet und das Projekt später um die German Church School erweitert werden. »Klein-Deutschland« wird die German Church von vielen genannt. Das zeigt, dass sie Treffpunkt vieler Deutschsprachiger und Umschlagplatz von Nachrichten ist. Immer wieder kommen Äthiopien-Neulinge hierher, um sich bei denen zu informieren, die schon länger im Land sind.

Das Pfarrer-Ehepaar machte es zur Tradition, dass, wer zum ersten Mal in ihrem Gottesdienst auftaucht, sich der Gemeinde vorstellt. So erfährt man voneinander und auch von den unterschiedlichsten Gründen, weshalb und für wie lange Deutsche, Österreicher und Schweizer nach Addis Abeba kommen. Oft sind es junge Leute, die auf Zeit an Hilfsprojekten mitarbeiten, manchmal langjährig Erfahrene, die schon in anderen afrikanischen Ländern Hilfe geleistet haben. Und dann diejenigen, die eine Äthiopierin heirateten und gemeinsame Kinder haben. Deren Urgestein ist der über 80-jährige Karl Hildebrandt, der die Kirche mit aufgebaut hat und seit mehr als 50 Jahren in Addis Abeba eine deutsche Apotheke betreibt. Die Gemeindeglieder sind gerührt, als im Gottesdienst der Tod seiner äthiopischen Frau abgekündigt wird. Sie war zur Krebstherapie nach Deutschland geflogen worden. Karl Hildebrandt hat sie dort noch besucht. In äthiopischer Erde wurde sie inzwischen bestattet.

Viele Kinder weißer und schwarzer Hautfarbe fliegen nach dem Kindergottesdienst ihren Eltern in die Arme und strömen zusammen mit den anderen Besuchern zum Kirchenkaffee und zum Austausch ins Gemeindehaus. Die evangelische Kreuzkirche in Addis Abeba – nicht nur an diesem Tag der Ökumene ein Umschlagplatz der Güte und Güter Gottes.
Das Christentum ist in Äthiopien, wie das Land in der Antike hieß und nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie 1974 sich wieder nennt, sehr alt.

Mit dem laut Apostelgeschichte im Neuen Testament durch Philippus bekehrten »Kämmerer aus dem Mohrenland« gelangte es schon im 1. Jahrhundert nach Äthiopien. Nach anderer Überlieferung wurde die christliche Botschaft von den Brüdern Frumentius und Aidesios aus Tyrus, die auf einer Reise an der Küste des Roten Meeres überfallen und an den Hof des Königs von Aksum verkauft wurden, nach Äthiopien getragen.

Heute bildet die äthiopische orthodoxe Kirche mit etwa 50 Millionen Gläubigen und mehr als 50 Prozent der Einwohner des Landes eine überwältigende Mehrheit.

Vor Ort verhält sich die orthodoxe Geistlichkeit gegenüber der Ökumene reserviert. Nach einem Gottesdienst in der St. Urael Church nehme ich mit einem Priester Kontakt auf. Ich stelle mich mit einem Flyer des Martin-Luther-King-Zentrums vor. Dieser zeigt ein Porträt des Baptistenpastors und Bürgerrechtskämpfers King. Der Priester sagt abweisend: »That is not our leader« (Das ist nicht unser Vorbild).

Georg Meusel

Wenn Sie die Gemeinde unterstützen wollen:
gemeinde.addis.center/joomla

Glauben alle an denselben Gott?

16. Januar 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Ja

Christen glauben an den einen, dreieinigen Gott. Dieser Glaube hat sich uns durch Jesus Christus eröffnet und wird durch den Heiligen Geist gewirkt und erhalten. Es ist der Glaube an Gott den Schöpfer, den Erbarmer und den Richter – und diesen Glauben an den einen Gott teilen wir mit den Juden und den Moslems. Für das Judentum ist aus christlicher Sicht unbestritten, dass wir denselben Gott meinen. Gleichwohl gehen Juden und Christen unterschiedliche Wege und suchen auf dieser Basis die Versöhnung.

Wie steht es mit den Muslimen? Der Islam kam später und hat vielfältige Impulse aus beiden Religionen aufgenommen. Mohammed war schon vor seinen Offenbarungen ein »Hanif«, ein Monotheist. Darin sah er sich in der Nachfolge Abrahams. Und er sah auch in den Christen und Juden solche Anhänger des einen Gottes.

Prof. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Foto: medio.tv /schauderna

Prof. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Foto: medio.tv /schauderna

Strittig ist daher auch von islamischer Seite aus nicht die Frage nach Gott, sondern die Frage nach dem Weg. Das mag dem einen oder der anderen als Haarspalterei erscheinen. Doch es macht einen Unterschied, ob ich in der Begegnung mit Muslimen ihnen den Glauben an Gott abspreche und sie zu »Götzendienern« erkläre (was die Konsequenz wäre) oder ob ich mit ihnen darüber nachdenke, was dieser Glaube an den einen Gott bedeutet. Damit ist die Frage nach der Erlösung durch Christus noch gar nicht gestellt – und schon gar nicht in Frage gestellt! Ein zentraler Begriff aber ist in allen drei Religionen »Barmherzigkeit«: Darin ist eine gemeinsame Glaubenserfahrung zu erkennen.

Für uns Christen hat sich der dreieinige Gott in Jesus Christus offenbart, im Heiligen Geist aber darüber hinaus in vielfältigen Zeugnissen auch aus den »Völkern«, in denen wir die gute Botschaft wiedererkennen. Das war schon immer eine zentrale Lehre des Christentums. Man denke nur an die Rede des Apostels Paulus in Athen (Apg. 17). Auch für die römisch-katholische Lehre steht das völlig außer Frage. Man lese die entsprechenden Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils!

Wir können als Christen in dem, was im Islam von der christlichen Botschaft erhalten und bewahrt wird, so etwas wie ein Echo, eine Spur oder einen Schatten des Wortes Gottes erkennen und daran auch anknüpfen. Das heißt doch nicht, dass wir uns damit verleugnen! Ganz im Gegenteil: Wir machen ernst mit dem Auftrag der Versöhnung, wir machen ernst mit dem Glauben an den einen Gott.

Die Gemeinsamkeiten sind groß: der Glaube an den einen, barmherzigen Gott, die Bedeutung Abrahams, die hohe Wertschätzung Jesu und seiner jungfräulichen Mutter Maria, das Jüngste Gericht und die allgemeine Auferstehung von den Toten, die Unsichtbarkeit Gottes und die Wirksamkeit seines Wortes.

Was uns trennt, ist die Auslegung! Und hier sage ich deutlich: Wenn der Islam uns Christen vorwirft, wir würden »drei Götter« anbeten, dann möchte ich, dass dieses Vorurteil islamischerseits ernsthaft überprüft wird. Hier ist der Punkt, wo die theologische Auseinandersetzung mit dem Islam gesucht werden muss! Gerade wenn wir von einem christlichen Bekenntnis herkommen, das sich des barmherzigen Gottes gewiss ist, sollte es uns nicht schwerfallen, auch im islamischen Bekenntnis zu dem einen Gott den gemeinsamen Gott zu erkennen – »wie in einem dunklen Bild« (1.Korinther 13,9).

Inzwischen stehen wir vor einer Herausforderung, vor der weder Christentum, Judentum noch Islam bislang je standen: Wir haben es gemeinsam mit einer Welt zu tun, die Gott nicht wahrhaben will, und mit Fanatikern, die Gott für ihre Interessen missbrauchen.

An der Entdeckung der Gemeinsamkeiten wird sich vieles entscheiden!

Nein

Die romantische Vorstellung, Menschen unterschiedlicher Religionen würden letztlich doch alle an denselben Gott glauben, findet sich bereits in der Antike. In der Gegenwart nährt sie die Hoffnung, dass die Gegensätze zwischen den Religionen so groß doch nicht seien, ja nicht sein dürfen, und irgendwie friedlich gelöst werden müssen. Es gibt mehrere Gründe, warum diese Hoffnung trügt.

Religionen sind immer Deutungen religiöser Erfahrungen und schon insofern notwendigerweise verschieden. In das Judentum, das Christentum und den Islam sind sehr verschiedene religiöse und kulturelle Traditionen eingeflossen, die ein je eigenes Gottesbild und eine je eigene Ethik hervorgebracht haben. Es gibt Überschneidungen, aber auch grundlegende Unterschiede.

Prof. Udo Schnelle lehrt evang. Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: Jörg Hammerbacher

Prof. Udo Schnelle lehrt evang. Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: Jörg Hammerbacher

Die entscheidende Differenz besteht darin, dass die Christen eine besondere Form des Monotheismus bekennen: den dreieinigen Gott. Was ist damit gemeint? Zuallererst geht es um das besondere Verhältnis Gottes zu Jesus von Nazareth, das sich exemplarisch in der Auferweckung des gekreuzigten Jesus von den Toten durch Gott zeigt. Speziell dieses Geschehen verstanden die frühen Christen als Bestätigung der Gottesauslegung Jesu und folgerten daraus, dass er in einem ganz besonderen Verhältnis zu Gott steht. Weil Gott sich bis in den Tod am Kreuz mit diesem Jesus von Nazareth identifizierte, muss er mehr als ein Prophet oder Gesandter des Vaters sein, nämlich sein Sohn. Die Gottheit des Sohnes ist somit von der Gottheit des Vaters her zu verstehen, die Gottheit des Vaters wird auf den Sohn ausgeweitet.

Der Sohn hat nicht nur am Wesen des Vaters teil, sondern er ist vom Wesen des Vaters. In diesem Schritt liegt die eigentliche Neudefinition Gottes im frühen Christentum: Gott ist so, wie Jesus von Nazareth ihn ausgelegt hat und deshalb gebührt ihm der göttliche Status des Sohnes. Das Neue Testament insistiert damit auf der göttlichen Würde Jesu, ohne das Bekenntnis zu dem einen Gott Israels damit zu schmälern. Hinzu kommt eine weitere Erkenntnis: Gott wurde in Jesus von Nazareth nicht nur Mensch, sondern er lässt sich bleibend im Leben der Menschen erfahren: durch den Heiligen Geist.

Gottes Wirklichkeit weist eine erfahrbare Wirksamkeit auf. In frühchristlichen Gemeinden wie Korinth (1.Korinther 12) oder Rom (Römer 12) wurden intensive Geisterfahrungen als Gottes­erfahrungen interpretiert und führten zu einer zweiten Innovation des Gottesbildes: Gott wirkt bleibend durch den Geist in der Geschichte und im Leben der einzelnen Menschen. In der Geisterfahrung ist Gott somit selbst gegenwärtig und nicht nur eine andere untergeordnete Größe. Das frühchristliche Gottesbild ist somit nicht zuallererst an einem prinzipiell jenseitigen und primär herrschenden Gott interessiert, der Gesandte aussendet oder Schriften verfasst, die den Menschen seinen Willen kundtun. Vielmehr geht es um den Gott, der sich auf die Welt zubewegt und in die Welt eingeht. Der Gott der Christen ist ein naher Gott; ein kommunizierender und lebendiger Gott, der aus Liebe für die Welt und die Menschen eintritt.

Dieses Modell eines nahen dreieinigen Gottes wurde von Anfang an vom Islam bekämpft. Es gilt als Ausdruck der Verfälschung des Wesens des einen allmächtigen Gottes. Die Christen sind Lügner und zu bekämpfende »Polytheisten« (Sure 9,29-33) und werden ermahnt: »O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er zu Maria hinunterbrachte, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei. Hört auf, das ist besser für euch.« (Sure 4,171; Sure 112)

Der entscheidende Gegensatz bleibt: Jesus von Nazareth ist mehr als ein Prophet, er ist Sohn Gottes und verkündet einen anderen Gott als der Koran! Den liebenden, nahen, leidenden und gekreuzigten Gott; einen Gott, der in die Welt eingeht und bei den Menschen sein und bleiben will.

Fazit: Jesus ist der Unterschied und macht den Unterschied zu jeder anderen Religion!

Drei Religionen, ein Haus:  Das »House of One« ist ein interreligiöses Gebäude, das voraussichtlich ab 2018 am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte entstehen soll. Das Gebäude wird unter seinem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen. Die Baukosten des Gebäudes, die mit 43,5 Millionen Euro beziffert werden, sollen vor allem durch eine Spenden-Kampagne erbracht werden. Träger des Projektes »House of One« ist seit dem 8. September 2016 eine Stiftung. Sie ist aus dem Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin hervorgegangen. Im Vorstand des Vereins wird die jüdische Seite vertreten durch das Abraham-Geiger-Kolleg sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die christliche Seite durch die evangelische Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien und die muslimische Seite durch das Forum für Interkulturellen Dialog. Illustrationen aus dem »House of One«-Bastelbogen

Drei Religionen, ein Haus: Das »House of One« ist ein interreligiöses Gebäude, das voraussichtlich ab 2018 am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte entstehen soll. Das Gebäude wird unter seinem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen. Die Baukosten des Gebäudes, die mit 43,5 Millionen Euro beziffert werden, sollen vor allem durch eine Spenden-Kampagne erbracht werden. Träger des Projektes »House of One« ist seit dem 8. September 2016 eine Stiftung. Sie ist aus dem Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin hervorgegangen. Im Vorstand des Vereins wird die jüdische Seite vertreten durch das Abraham-Geiger-Kolleg sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die christliche Seite durch die evangelische Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien und die muslimische Seite durch das Forum für Interkulturellen Dialog. Illustrationen aus dem »House of One«-Bastelbogen

Wenn das Amt den Glauben prüft

9. Januar 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Zum Christentum konvertierte Flüchtlinge werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf die Ernsthaftigkeit ihres Religionswechsels getestet. Mit teilweise äußerst zweifelhaften Methoden.

Wie heißen die beiden Söhne im Gleichnis vom verlorenen Sohn?« Pfarrer Gottfried Martens aus Berlin-Steglitz kann diese Frage nicht beantworten. Sein iranischer Täufling noch weniger. Denn in der Bibel werden die Namen der beiden Söhne überhaupt nicht erwähnt. Der Iraner allerdings könnte deswegen nun in seine Heimat abgeschoben werden. Denn weil er in seiner Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die kürzlich in Berlin stattfand, diese Frage nicht beantworten konnte, glaubte ihm das Amt nicht, dass er wirklich und aus voller Überzeugung zum christlichen Glauben konvertiert ist.

Ein Einzelfall? Mitnichten. Bei dem zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehörenden Pfarrer Martens häufen sich die Fälle von Konvertiten, die einen negativen Asylbescheid erhalten haben. »Und fast immer finden sich in den Anhörungsprotokollen Belege dafür, dass Anhörer, Dolmetscher und Entscheider, also alle mit dem jeweiligen Fall betrauten Personen, selbst überhaupt keine Ahnung von dem haben, wonach sie fragen«, sagt Martens.

Vom »Schweinefleischfest« bis zu Luthers Geburtsdatum

So verwechselte eine Anhörende das Apostolische Glaubensbekenntnis mit dem Vaterunser. Ein Dolmetscher übersetzte das Osterfest mit dem Begriff »Schweinefleischfest«. Und ein Konvertit scheiterte an der Frage nach dem Geburtstag Martin Luthers – den vermutlich die wenigsten lutherischen Christen in Deutschland auf Anhieb nennen können.

Rund 1 000 iranische und afghanische Flüchtlinge hat Martens in den letzten Jahren getauft. Alle erhielten einen mehrmonatigen Taufunterricht. Alle mussten am Ende eine Prüfung bestehen. Fast alle halten sich auch nach Jahren noch zur Gemeinde, besuchen die Gottesdienste. Den immer wieder erhobenen Vorwurf, die Menschen kämen nur zu ihm, um als Konvertiten ein Bleiberecht zu erhalten, weist Martens entschieden zurück. »Ich habe aber den Eindruck, dass es im BAMF mittlerweile die Maßgabe gibt, Konvertiten besonders streng zu beurteilen«, sagt Martens.

Und die Erfahrungen des Berliner Pfarrers sind kein Einzelfall. Auch in Bayern erleben Kirchenvertreter Ähnliches. Auf der vor Kurzem in Nürnberg tagenden Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayerns berichtete Oberkirchenrat Michael Martin nicht nur davon, dass sich in Bayern ebenfalls viele Flüchtlinge in der Landeskirche taufen ließen. Vielmehr führe auch dort das Bundesamt »Glaubensprüfungen« bei Flüchtlingen durch.

»Unbestritten ist: Die Taufe gehört zum Kernbereich kirchlichen Handelns«, sagte Martin vor der Synode. »Als solche ist sie einer staatlichen Überprüfung entzogen.« Aus kirchlicher Sicht halte man fest, dass Glaube mehr sei als die Ansammlung von Faktenwissen. Deshalb könne er überhaupt nicht überprüft werden.

Vor der Synode berichtete Martin davon, dass einem Täufling aus Bayreuth dazu geraten wurde, seinen Glauben bei einer Abschiebung in den Iran doch einfach zu verleugnen. »Es braucht wohl keine große Begründung dafür mehr, dass es so nicht geht«, sagte Martin.

In der anschließenden Debatte äußerte sich auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm: »Als ich davon gehört habe, war ich entsetzt. Es kann keine Glaubensprüfung durch Menschen geben, die dazu keine Kompetenz haben, und es kann auch nicht angezweifelt werden, dass die Menschen, die von der Kirche getauft werden, aus ernsthaften Motiven getauft werden.« Ähnlich sieht das der Berliner Pfarrer Martens. »Es geht nicht nur um dumme Fragen, es geht hier um einen massiven Eingriff des BAMF in Fragen der kirchlichen Lehre.«

Auf Nachfrage wollte sich das BAMF nicht zu den konkret angesprochenen Fällen äußern. Ein Sprecher betonte jedoch, dass im Rahmen der persönlichen Anhörung die näheren Umstände des Glaubenswechsels geprüft würden. »Die Taufbescheinigung bestätigt, dass ein Glaubensübertritt stattgefunden hat, sie sagt aber nichts darüber aus, wie der Antragsteller seinen neuen Glauben bei Rückkehr in sein Heimatland voraussichtlich leben wird und welche Gefahren sich hieraus ergeben«, sagte der Sprecher. »Die Klärung dieser Frage ist Bestandteil der persönlichen Anhörung.«

Der Entscheider müsse beurteilen, ob der Glaubenswechsel des Antragstellers aus asyltaktischen Gründen oder aus echter Überzeugung erfolgt sei. »Das Bundesamt zweifelt aber den durch Taufbescheinigung nachgewiesenen Glaubenswechsel an sich nicht an«, so der Sprecher. Es werde generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung vonseiten der christlichen Gemeinden erfolgt sei. Allerdings werde von einem Konvertiten durchaus erwartet, dass er ausführlich schildern könne, welche Beweggründe er für die Konversion hatte und welche Bedeutung die neue Religion für ihn persönlich habe.

Gespräche zwischen EKD und Bundesamt

Inzwischen ist die EKD wegen der umstrittenen »Glaubensprüfungen« mit dem Bundesamt im Gespräch. Das bestätigte der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Martin Dutzmann, auf Nachfrage dieser Zeitung. »Es darf in so einem Verfahren kein ›Glaubensexamen‹ geben«, betont Dutzmann. Gefragt werden könne nur danach, wie der eigene Glaube praktiziert werde – also, ob ein Konvertit etwa regelmäßig den Gottesdienst besuche.

Bundesweit sei zudem eine entsprechende Qualifizierung der Anhörer und Dolmetscher erforderlich. Übersetzer müssten christliche Fachtermini kennen, und Anhörer, die sich mit Konvertiten beschäftigen, sollten über Grundkenntnisse des christlichen Glaubens verfügen. Ein erstes Gespräch darüber mit dem Präsidenten des Bundesamtes, Frank-Jürgen Weise, ist aus Sicht von Dutzmann positiv verlaufen.

Benjamin Lassiwe

Der Teufel höchstpersönlich

27. Oktober 2015 von Gemeinsame Redaktion  
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Theologie: Er ist klug, kennt die Bibel ganz genau und seine Versprechungen sind verführerisch schön …

Wer oder was ist der Teufel? Ist er eine Witzfigur mit Hörnern? Ist er wie im Kasperletheater mit der Bratpfanne zu besiegen? Oder ist er das Pendant zum Guten, das Böse schlechthin? Das Essay eines streitbaren Theologen.

Immerhin ist der Teufel ebenso zäh wie intelligent. Jesus braucht 40 Tage in der Wüste, um mit ihm fertigzuwerden. Denn der Teufel stapelt eine Bibelstelle auf die andere, jede Stelle kann zum Einwand gegen Jesus werden. Denn wenn er zum Beispiel vom Tempel springt, wird niemand ihn aufhalten, und damit ist aus der Sicht des Teufels Jesu Anspruch auf Gottessohnschaft widerlegt. Und nach Lukas 22 kann Jesus am Ende den Jüngern sogar sagen, sie hätten mit ihm ausgeharrt in allen seinen Versuchungen.

Theologe Klaus Berger

Zur Person Der Theologe Klaus Berger, geboren am 25. November 1940, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg. Der streitbare Theologe ist für seine provokanten Thesen bekannt, mit denen er immer wieder einen »Dritten Weg« zwischen Liberalismus und Fundamentalismus sucht. Für einen Skandal sorgte 2006 seine Rückkehr in die katholische Kirche, nachdem er 1968 in die evangelische Kirche eingetreten war. Bekannt wurde er auch durch eine Fülle allgemeinverständlicher Veröffentlichungen zu theologischen Themen. Sein 2013 erschienenes Buch »Die Bibelfälscher« ist eine kritische Abrechnung mit der universitären Bibelforschung, die nach Bergers Erfahrungen vor Denkverboten, Ignoranz und philosophischen Moden, die ans Märchenerzählen grenzten, nur so strotzt.

Jesus fasst sein Leben als eine Kette von Fallen auf, die eine intelligente Gegenmacht ihm aufgestellt hat. Und Judas hat den Teufel in sein Herz gelassen, denn sicher hatte Judas kluge Argumente, Jesus an die Obrigkeit auszuliefern. Die Jünger, Paulus und die ältesten Christen erleben den Teufel immer wieder als den, der sagt: War die Zeit vor dem Christwerden nicht bequemer, gemütlicher, friedlicher? Überlegt noch einmal, ob ihr nicht doch lieber austreten sollt. Denn Christentum, so sagt der Teufel, ist anstrengend und zehrt an den Nerven. Christentum ist teuer, weil man zur Nächstenliebe auch Geld braucht, und Christentum ist lebensgefährlich. Der Teufel erinnert immer wieder daran, dass jeder Diktator, kaum dass er an der Macht ist, die Christen als seine persönlichen Feinde entdeckt. Wäre es nicht vorteilhafter, mit dem Diktator seine Geschäfte zu machen? Ein teuflischer Rat. Besonders die frischgebackenen Christen, so sagt Paulus, sind immer wieder in Gefahr, sich nach den alten Zeiten zu sehnen, als es sich noch bequemer lebte. Der Teufel schürt die Sehnsucht nach den alten Zeiten und macht besonders die erste Zeit des Glaubens zu einer heißen Probe. Und manch einer ist, wenn er denn kurz vor dem Martyrium stand, fahnenflüchtig geworden und hat der Versuchung nachgegeben, doch lieber zu leben als zu bekennen.

Von dem Verhältnis des Apostels Judas zum Teufel her wissen wir auch, dass Geld eine Rolle spielte. Dabei kommt es auf die Höhe nicht besonders an. Entscheidend ist der Schnäppchen-Charakter des Verrats an Jesus. Von 30 Silberlingen konnte man drei Tage lang schick essen gehen. Und dann sagen viele Leute, der Teufel sei keine Person. Es gäbe nur »das Böse« und nicht den Bösen. Und das Böse sei zu meiden, das Gute aber zu tun. Auch den Herrgott braucht man ja nicht für »das Gute«. Auch beim Herrgott besteht dieses Problem des Denkens und der Sprache: Geht es nur um »das Gute« und ist es nicht viel zu naiv, Gott sich als eine opahafte Person mit weißem Bart und blauen Augen zu denken? – Auch für den Teufel ist ganz klar: Er ist nicht rot angestrichen, hat nicht Hörner, Schwanz und Pferdefuß. Und dass Martin Luther über ihn spottet und morgens auf der Bettkante sitzend zu ihm sagt: Komm, nimm dir meinen Furz als Stecken und geh damit nach Rom. Auch diese Verspottung des Teufels hat dazu beigetragen, den Teufel lediglich für eine Witzfigur zu halten. Luther ist freilich missverstanden, wenn man seinen Spott über den Teufel so auslegt, als sei der Böse nur lächerlich und witzig. Was Luther wirklich meint ist nicht Abbau der Teufelsvorstellung, sondern dass Ostern der Sieg des Heilands über Sünde, Tod und Teufel ist. Diese Gewissheit des Glaubens gibt den Christen je und je Freiheit und gelassene Heiterkeit gegenüber allen Anfechtungen und Versuchungen des Versuchers.

Nein, der Teufel ist keine Witzfigur und wird auch nicht wie im Kasperletheater mit der Bratpfanne besiegt. Er ist aber auch nicht einfach eine Person wie Sie und ich, wie Tante Frieda und Onkel Fritz. Er ist Person in einem weiteren Sinne wie auch Engel Personen sind und der Heilige Geist und Gott Vater. Das ist ein weiterer Personbegriff, wie er auch aus dem antiken Drama bekannt ist. Denn »Person« ist in erster Linie eine Rolle, jemand, der eine Funktion im Ganzen einnimmt. Und bei dieser Figur im Drama kommt es nicht auf das Innenleben an, sondern in diesem Fall zum Beispiel auf die verlockende, trickreiche, uns nicht loslassende Gegenmacht, geheimnisvoll und uns Menschen gegen allen Anschein feindlich gesonnen. Und dieses trotz verführerisch schöner Versprechungen. Weil der Teufel dies nicht sein lässt, weil er hartnäckig an unseren Nerven zerrt, bis wir schwach werden und nachgeben. Weil er uns vorgaukelt, etwas ganz Falsches wäre doch gerade gesund und heilsam für uns (»Tu was Gutes für dich«), deshalb ist der Teufel so etwas wie eine Person. Nicht eine Person im Sinne der Juristen mit Personalausweis, wohl aber im Sinne geballter perverser und scheinbar kluger, doch tückischer sogenannter Intelligenz.

Klaus Berger

Buchtipp:
Berger, Klaus: Die Bibelfälscher.
Wie wir um die Wahrheit betrogen werden,
Pattloch Verlag 2013, 352 Seiten,
ISBN 978-3-62-902185-4, 22,99 Euro

Zahlenmystik und Tetraphobie

12. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Anmerkungen zur Jahreszahl: Von fehlenden Stockwerken, Nothelfern und einem die Zahlen liebenden Komponisten

Das neue Jahr trägt die – im Vergleich zur angeblich Unglück verheißenden 13 – unscheinbare 14 im Namen. Doch auch diese Zahl ist nicht »ohne«.

Tetraphobie, die Angst vor Zahlen, in denen die Vier vorkommt, ist in ostasiatischen Ländern weit verbreitet. In vielen asiatischen Sprachen klingt das Wort für die Zahl Vier nämlich sehr ähnlich wie das Wort für Tod. Die 14 jedoch ist noch unbeliebter als die Vier. Denn Eins und Vier zusammen klingen in diesen Sprachen wie die Drohung, bald sterben zu müssen. In vielen öffentlichen und privaten Gebäuden werden die Hausnummer 14 oder der 14. Stock daher einfach ausgelassen. Weil die Asiaten vorsorglich auch noch die aus dem Westen stammende Abneigung gegen die 13 berücksichtigen, fahren Fahrstühle in Hongkong oder Singapur vom 12. meist direkt in den 15. Stock. Außerdem findet man in Hotels oft keine Zimmer mit der Nummer 14 und bei größeren Familienfeiern fehlt die Tischnummer 14.

Himmlische Gegenstücke: 14 Engel und Nothelfer

Auch die alten Babylonier verbanden mit der Zahl 14 eher düstere Vorstellungen. Man glaubte an 14 böse Dämonen und stellte sich vor, die Unterwelt habe 14 Tore. Außerdem wurde Nergal, der Sonnenhitze, Brände und Seuchen bringende Gott der Unterwelt, von 14 sogenannten Nothelfern in sein Reich begleitet.

Foto: Fotomek@Fotolia.com

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Als Gegenstück dazu kann man die 14 himmlischen Helfer betrachten, von denen im Christentum manchmal die Rede ist. So heißt es in einem alten Kindergebet: »Abends, wenn ich schlafen geh, / vierzehn Engel um mich stehn: / zwei zu meinen Häupten, / zwei zu meinen Füßen, / zwei zu meiner Rechten, / zwei zu meiner Linken, / zweie die mich decken, / zwei die mich wecken, / zweie die mich weisen / in das himmlische Paradieschen.«

Sieben mal zwei Schutzengelchen für die Nacht – in diesem Text zeigt sich nicht nur die Romantik in recht kitschiger Ausprägung, sondern es wird auch deutlich, was die 14 für Zahlenmystiker so besonders macht. In ihr steckt zweimal die Sieben, eine Zahl, die für Vollkommenheit und Heiligkeit steht. Wo gleich zweimal sieben Helfer sind, kann also gar nichts mehr schiefgehen.

So sind es auch 14 heilige Nothelfer, an die sich die Katholiken wenden, wenn sie in Bedrängnis sind. Noch populärer als sie seit dem 9. Jahrhundert schon war, wurde die Anrufung dieser Nothelfer aufgrund einer Legende. Danach sollen Mitte des 15. Jahrhunderts einem oberfränkischen Schäfer 14 Gestalten erschienen sein, die sich als die 14 Nothelfer bezeichneten und den Bau einer Kapelle an ihrem Erscheinungsort verlangten.

An diesem Ort befindet sich heute die vom Barockarchitekten Balthasar Neumann entworfene bekannte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Der Komponist Johann Sebastian Bach hatte eine Vorliebe für Zahlenspielereien und für ein Verfahren namens Gematrie, bei dem Worte und Buchstaben nach bestimmten Schlüsseln in Zahlen umgewandelt werden, um daraus tiefere Bedeutungen und Zusammenhänge abzuleiten. So finden sich in vielen seiner Stücke zahlensymbolische Anspielungen. Eine besondere Vorliebe hatte er jedoch für die Zahl 14, mit der er sich häufig selbst darstellte. Ordnet man den Buchstaben des Namens Bach nämlich Zahlen zu, die sich aus der Position der Buchstaben im Alphabet ergeben, und addiert sie, ergibt sich die Zahl 14.

Bach legte Wert auf 14 Knöpfe am Mantel

Mit dieser Zahl spielte er gerne. Er versteckte sie in seinen Noten und in seinem Wappen, das 14 verdickte Schnörkelenden an den Buchstaben J, S und B zeigt. Er ließ sich mit 14 Knöpfen an seinem Anzug porträtieren und wartete so lange auf die Aufnahme in die »Correspondierende Societät der Musicalischen Wissenschaften«, bis er als 14. eintreten konnte. Manche Interpreten wollen in seinen Werken sogar komplexe, zahlenmystisch verschlüsselte religiöse Botschaften entdeckt haben – vieles davon ist aber sicher nur Wunschdenken.

Einen so prominenten Stellenwert wie beispielsweise die Sieben hat die 14 in der Bibel nicht. Als Zahl des Mondes aber, die die Anzahl der Tage vom Halbmond zum Vollmond beschreibt, diente sie den Menschen, die sich am Mondkalender orientierten, schon damals als Zeitangabe.

Die Vorbereitungen für eines der wichtigsten jüdischen Feste, das Pessachfest, beginnen bis heute am 14. Tag des ersten Monats im religiösen Kalender, am sogenannten Rüsttag. Denn Gott hatte Mose und Aaron geboten: Es »nehme jeder Hausvater ein Lamm. … Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend« (2. Mose 12,3ff).

Außerdem sind es 14 Frauen, die das Alte Testament als schön bezeichnet; darunter auch Abrahams Frau Sara und Isaaks Frau Rebekka, die sich ihren Männern zuliebe als deren Schwestern ausgeben mussten, weil diese fürchteten, sie könnten der Schönheit ihrer Frauen wegen umgebracht werden.

Auch im Stammbaum König Davids, aus dessen Wurzeln Jesus hervorging, spielt die Zahl 14 – vermutlich als Steigerung der vollkommenen Sieben – eine Rolle. Der Evangelist Matthäus kommentiert diesen Stammbaum so: »Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder« (Matthäus 1,17).

Und wer im Jahr 2014 nicht alles bitter ernst nehmen will, der findet im apokryphen Buch Sirach im Kapitel 14, Vers 14 einen guten Rat fürs neue Jahr: »Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.«

Sonja Poppe

Fegefeuer und Paradies zugleich

21. Mai 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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200. Geburtstag: Richard Wagner – Für seine Musik vergöttert, für seine theoretischen Schriften verteufelt

An Richard Wagner scheiden sich die Geister wie an ­keinem anderen Künstler – und das seit mehr als ­anderthalb Jahrhunderten. Vor 200 Jahren, am 22. Mai 1813, wurde Wagner in ­Leipzig geboren.

Wer sich dem Phänomen Wagner nähern will, betritt gefährliches Gelände. Wagners Welten: Das ist emotionaler Treibsand, ideologischer Irrgarten, musi­kalische Hypnose, Fegefeuer und Paradies zugleich. Kein Wunder, dass Wagner bis heute so stark polarisiert wie keine zweite Figur der Kultur­geschichte: für seine Musik geradezu vergöttert, für seine theoretischen Schriften verteufelt. Ein Genie mit, vorsichtig formuliert, fragwürdigem Charakter und stets an der Schwelle zum Größenwahn. Sein Ausspruch »Die Welt ist mir schuldig, was ich brauche!«, überliefert von seiner Bekannten Eliza Wille, wurde zum geflügelten Wort.

Richard Wagner. Foto: akg-images

Richard Wagner. Foto: akg-images

Der ständig am finanziellen Abgrund balancierende Künstler fand in Bayerns schwärmerischem »Märchenkönig« Ludwig II. den einflussreichen Gönner, der ihm nicht nur einen luxuriösen Lebensstil finanzierte, sondern letztlich auch den Traum des Bayreuther Festspielhauses verwirklichen half, das ausschließlich für die Aufführung von Wagners Opern errichtet wurde. Und die Chronik des Wagner-Clans liest sich – nicht nur, aber in exemplarischer Weise – durch die einzigartige familiäre Beziehung zu Adolf Hitler geradezu wie ein Lehrstück deutscher Geschichte.

Sich im wagnerschen Spinnennetz, gewebt aus nordischer Mythologie, kompositorischen Grenzüberschreitungen, moralischen Wechselbädern und religiös-philosophischen Gedankenkonstruktionen, nicht zu verheddern, ist eine Kunst für sich. Allerdings lässt sich auch in diesem Netz so ­etwas wie ein roter Faden finden, der sich vor allem mit zwei Begriffen verknüpft: Erlösung und Mitleid.

In nahezu allen großen Opern Wagners geht es um »Erlösung«, um ein Opfer, das für ein höheres Ziel gebracht wird. 1882, ein Jahr vor seinem Tod, teilt Wagner mit dem »Bühnenweihfestspiel« Parsifal seine Heilsbotschaft für die Menschheit mit: Die aufrichtige Anteilnahme am Schicksal anderer Menschen (»durch Mitleid wissend«) ist Voraussetzung für eine »entsündigte« und vom Bösen befreite menschliche Gemeinschaft.

Diese Befreiung schien Wagner bitter nötig. Er war Zeitzeuge, wie sich Mitteleuropa durch die industrielle Revolution auf den Weg in den Kapi­talismus begab, wie die schlesischen Weber 1844 einen blutig niedergeschlagenen Aufstand gegen die wachsenden Textilfabriken unternahmen, war 1849 in Dresden persönlich Beteiligter bei revolutionären Straßenkämpfen (weshalb er steckbrieflich gesucht wurde und in die Schweiz flüchtete). Und nach dem deutsch-französischen Krieg erlebte er die Gründung des Deutschen Reichs mit – Kaiser Wilhelm I. sollte 1876 einer der Ehrengäste bei der Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele sein.

Vor dem Hintergrund solcher unruhigen Zeiten, die alte Werte fundamental erschütterten, war es wohl kein Zufall, dass Wagner mit den Themen Erlösung und Mitleid zwei zentrale Begriffe der christlichen Lehre in den Mittelpunkt stellte – nicht nur in seinen Bühnenwerken, auch in vielen seiner philosophischen Aufsätze. Zeitlebens hatte er sich an der christlichen Religion, ihren Symbolen und ihren Ritualen buchstäblich abgearbeitet, sie infrage gestellt.

Mithilfe der Kunst – und damit meinte Wagner vorrangig die Oper und die von ihm geschaffene Form des »Gesamtkunstwerks« – könne so etwas wie eine Reformation des Christentums stattfinden, das er durch die in ihren Strukturen erstarrten Kirchen am Rand der Dekadenz sah. Und er war sogar bereit, die von ihm oft und übel beschimpften Juden auf diesem Weg mitzunehmen – wenn sie sich christlich taufen lassen würden.

Hartnäckig hält sich die These, Wagner habe mit seinem »Bühnenweihfestspiel« Parsifal den Grundstock für eine eigene, neue »Kunstreligion« legen wollen, und das Festspielhaus in Bayreuth als dessen Tempel errichtet. Nun erwartet sich eine bestimmte Spezies unter den Wagnerianern in einer Parsifal-Aufführung in Bayreuth tatsächlich ein seelisches Hochgefühl, das einem Pontifikalamt als spiritueller Höhepunkt einer Wallfahrt vergleichbar sein könnte. Und Szenen wie das »Liebesmahl« der Gralsritter mit seinen ausgiebigen ­Parallelen zur (evangelischen) Abendmahlsfeier bedienen diese Sehnsucht auf den ersten Blick nur allzu offensichtlich. Wagner hatte die katholische Praxis als »Verwandlung des Abendmahles zur Theater-Vorstellung der Messe« verabscheut, wie Gattin Cosima in ihren Tagebüchern protokollierte; die Tochter des Klaviervirtuosen und katholischen Abbés Franz Liszt konvertierte übrigens 1872 zum lutherischen Glauben.

Der Marburger Theologieprofessor Peter Steinacker, von 1993 bis 2008 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, kommt in seinem Buch »Richard Wagner und die Religion« zu dem Schluss, dass der Schöpfer des Parsifal mit diesem Werk »wirklich eine neue Religion mit Ritus, Kultus und Mythos gründen wollte«. Ein Indiz: Die Titelfigur Parsifal zeige vorbildhaft den Weg in eine Nachfolge, »nämlich die moralische Verpflichtung zu Askese und Mitleid, ­analog zur Religion Jesu«. Jan Rohls, evangelischer Theologieprofessor in München, sieht das anders. Wagner habe den »Geist des Christentums« durchaus positiv gedeutet, jedoch als ein Christentum »jenseits der Konfessionen, Dogmen und Kirchen«. Dabei habe sich Wagner zwar mit einer gewissen Distanz, doch sehr bewusst als Protestant gefühlt, wie er auch laut Rohls den Parsifal »keineswegs als ­katholisierend, sondern als durch und durch protestantisch« empfunden habe.

Der Tod des Komponisten 1883 in Venedig war für die internationale Wagner-Gemeinde der Beginn einer kaum zu fassenden »Heiligenverehrung«. Während sich die Karikaturisten wenig pietätvoll den Einzug Wagners in den Musikhimmel ausmalten, arbeitete in Bayreuth ein eingeschworener Zirkel von Getreuen um die Witwe Cosima und Hans von Wolzogen, Herausgeber der »Bayreuther Blätter«, eifrig an einem Wagner-Denkmal, für das sie die Maßstäbe vorgaben.

Der »Bayreuther Kreis« sicherte sich derweil die Meinungshoheit darüber, wie die Öffentlichkeit Wagners Werk korrekt zu deuten habe. Dabei zementierten Wolzogen und seine Mitstreiter auch die völkischen Theorien und den Antisemitismus in Wagners Schriften als sakrosankte Wahrheiten und legten unter anderem damit einen Stein für das ideologische Fundament des aufkeimenden Nationalsozialismus.

Was dann kam, hatte mit Wagners Idee der Erlösung nichts mehr zu tun.

Wolfgang Lammel

»Mutter Latein und ihre Kinder«

6. August 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Wegen seiner Bedeutung wird Latein an vielen Schulen und Universitäten gelehrt

Warum Pfarrerinnen und Pfarrer die Bibel in ihren Originalsprachen verstehen sollten, erörterten zwei Beiträge in den vorangegangenen Ausgaben Nr. 30 und 31. Abschließend geht es um Latein. Die Heilige Schrift ist zwar nicht in Latein abgefasst, doch hatte die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel großen Einfluss auf das Christentum und das kulturelle Leben in Westeuropa.

Latein ist tot. Es lebe Latein!«, so der Titel eines Buches von Wilfried Stroh, Deutschlands bekanntestem und wohl besten Lateiner. In der Tat ist Latein eine tote indogermanische Sprache, die sich seit der Zeitenwende nicht mehr entscheidend verändert hat, aber gerade deshalb zum internationalen Kommunikationsmittel im Mittelalter und der Neuzeit werden konnte. Latein war Amtssprache des Römischen Reiches und wurde durch dessen Expansion Verkehrssprache in allen eroberten Gebieten. So wird heute über die romanischen Sprachen gesagt: »Mutter Latein und ihre Kinder«, weil das Grundvokabular dieser Sprachen (Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Rumänisch, Spanisch als die wichtigsten) seine Wurzeln im Lateinischen hat. Das ­Studium der Theologie erfordert auch Kenntnisse der lateinischen Sprache, die ebenso wie die Kenntnisse in Griechisch und Hebräisch spätestens bei der Anmeldung zur Zwischenprüfung (Lehramt/Magister) bzw. Diplom-Vorprüfung nachgewiesen werden müssen. Dies bedeutet unter Umständen eine erhebliche Belastung der ersten vier Semester des Theologiestudiums durch die Nachholung der erforder­lichen Sprachnachweise.

Lateinische Bibel: Der Prolog des Johannesevangeliums in einer Vulgata-Ausgabe aus dem Jahr 1922. Foto: wikipedia/Jastrow

Lateinische Bibel: Der Prolog des Johannesevangeliums in einer Vulgata-Ausgabe aus dem Jahr 1922. Foto: wikipedia/Jastrow

Das Alte und das Neue Testament sind zwar nicht in Latein abgefasst, doch hatte die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel durch Hieronymus, großen Einfluss auf die Ausgestaltung des Christentums und damit des gesamten kulturellen Lebens in Westeuropa. Die meisten christlichen Denker der Spätantike, des Mittel­alters bis hinein in die Neuzeit haben ihre Gedanken in Latein ausgedrückt. Für das Studium kirchengeschichtlicher Quellen ist damit Latein unabdingbar, so schrieb der bedeutendste Autor des Spätmittelalters, Thomas von Aquin, in dieser Sprache. Der ­Unterricht in alten Sprachen in der Schule erschöpft sich nicht nur im Lernen von Vokabeln und Aufsagen von Deklinationen. Die Lektüre antiker Texte bringt den Schülern und ­Studenten eine Welt nahe, die zu Recht als Wiege unserer europäischen Kultur bezeichnet wird. Latein war die führende Sprache von Politik und Kirche, Literatur und Wissenschaft. Gelehrte wie Petrarca, Erasmus von Rotterdam, Luther, Kopernikus, Descartes oder Newton haben manche Werke in Latein verfasst. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Vorlesungen an den Universitäten in ganz Europa auf Latein gehalten. Bei der Bildung neuer Fachbegriffe wurde immer wieder auf ­Latein zurückgegriffen. In Tausenden von Lehn- und Fremdwörtern sowie Redewendungen ist Latein heute auch in nichtromanischen Sprachen wie Deutsch oder Englisch präsent.

Wegen seiner enormen Bedeutung für die sprachliche und kulturelle Entwicklung Europas wird Latein vor allem in Deutschland an vielen Schulen und Universitäten gelehrt. Für manche Studiengänge (nicht nur Theologie!) sind Lateinkenntnisse oder das Latinum nötig.

Als Stärke des lateinischen Sprachunterrichts wird sein Reflexionscharakter angeführt. Demnach sei Latein für die meisten ein »Modell von Sprache«, an dem sowohl der systematische Aufbau der Sprache als auch das Funktionieren von Sprache als Verständigungsmittel nachhaltig studiert werden können. Zudem trainiere das gewiss anstrengende und stets geforderte Nachdenken über Sprachstrukturen, Sätze und Satzperioden das Gehirn. Die dabei geschulten Fähigkeiten des mikroskopischen Beobachtens, des geduldigen und beharrlichen Analysierens und Kombinierens, des Überprüfens der logischen Stimmigkeit des jeweils Übersetzten seien Sekundärtugenden, die für fast alle Universitätsstudien die Voraussetzung bilden. Übersetzungen aus dem Lateinischen verlangen Präzision und schulen logisches und vernetztes Denken – eine Kompetenz, die auch in der Mathematik, den Naturwissenschaften und den Rechtswissenschaften gebraucht werden kann.

Marcel Schneider

Der Unbeugsame

20. März 2012 von Gemeinsame Redaktion  
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Iran: Wegen seines Glaubens droht im islamischen Gottesstaat einem protestantischen Pfarrer die Hinrichtung

Dem iranischen Pfarrer ­Youcef Nadarkhani droht die Hinrichtung. Weil er als ­junger Mann vom Islam zum Christentum übergetreten ist und eine evangelische ­Hauskirche leitete.

Von Youcef Nadarkhani gibt es einige Bilder in hellblauer Häftlingskleidung, wie er in seiner Zelle auf einer Pritsche sitzt und schüchtern in eine Kamera lächelt. Sie sind in einer Haftanstalt des iranischen Geheimdienstes in der Stadt Lakan entstanden, irgendwann nach dem 12. Oktober 2009, dem Tag, an dem er von einem Revolutionsgericht vorgeladen und verhaftet wurde. Anfangs durfte er regelmäßig Besuch von seinem Anwalt, seiner Familie und seinen Freunden empfangen.

Ein Bild aus der Zeit vor seiner Verhaftung: Pfarrer Youcef Nadarkhani mit seiner Frau Pasandideh und den beiden Söhnen des Ehepaares. Foto: privat

Ein Bild aus der Zeit vor seiner Verhaftung: Pfarrer Youcef Nadarkhani mit seiner Frau Pasandideh und den beiden Söhnen des Ehepaares. Foto: privat

Doch damit war es bald vorbei. Das iranische Regime übte massiven Druck aus. Sein Vergehen: Er war als 19-Jähriger vom Islam zum Christentum konvertiert und leitete bis zu seiner Verhaftung als Pastor eine 400 Mitglieder große freikirchliche evangelische Hauskirche.
Erst wurden die Besuche seines Anwalts eingeschränkt, dann wurde am 18. Juni 2010 seine Frau Fatemeh Pasandideh inhaftiert.

Man brachte sie ebenfalls ins Gefängnis nach Lakan. Die zwei Kinder des Ehepaares, ein Junge ist sieben, der andere neun, blieben bei Verwandten. Die iranischen Behörden drohten den Eltern, ihnen die Jungen wegzunehmen und in eine muslimische Familie zu geben. Nadarkhanis Frau Pasandideh wurde ohne Beistand eines Anwalts zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dann der große Schock: Am 22. September 2010 verurteilte die Erste Kammer des zuständigen Revolutionsgerichts den Pastor wegen des »Abfalls vom islamischen Glauben« und der »Verbreitung nichtislamischer Lehren« zum Tode.

Seine Frau wurde nach einem Berufungsverfahren nach viermonatiger Haft freigelassen, Nadarkhani aber wurde innerhalb des Gefängnisses in die Sektion für politische Gefangene verlegt. Er durfte keinen Besuch mehr erhalten. Am 13. November 2010 erhielt er von der Ersten Kammer des Revolutionsgerichts das schriftliche Urteil. Der Einspruch von Nadarkhanis Anwalt beim höchsten iranischen Revisionsgericht wurde verworfen, am 28. Juni 2011 bestätigte die dritte Kammer des Obersten Gerichtshofs in Qom die Todesstrafe.

Youcef Nadarkhani wurde allerdings ein Ausweg angeboten. Der einzige Weg, dieses Urteil außer Kraft zu setzen, wäre die Lossagung von seinem Glauben. Nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main sollte er durch eine Vielzahl an »Maßnahmen« wieder zum »richtigen« Glauben zurückgeführt werden. Im Zuge einer Verurteilungs- und Einschüchterungswelle wurde auch Nadarkhanis prominenter Anwalt Mohammad Ali Dadkhah Anfang Juli 2011 zu Peitschenhieben, neun Jahren Haft und einem zehnjährigen Berufsverbot sowie einer Geldstrafe verurteilt.

Dass nun seine Hinrichtung bevorsteht, erklären Beobachter mit der verfahrenen politischen Lage im Streit um das iranische Atomprogramm, die westlichen Sanktionen gegen das Mullahregime und die Kritik an den iranischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Die Lage ist sehr ernst.

Sein Tod würde die Lage für alle Christen im Iran verschärfen. Warum an Nadarkhani nun ein Exempel statuiert werden soll, kann nur vermutet werden. Vielleicht liegt es daran, dass er auch außerhalb seiner Hauskirche für seine christlichen Überzeugungen eingestanden ist. Er protestierte beispielsweise 2009 gegen ein neues Gesetz, das eine noch stärkere Akzentuierung des muslimischen Glaubens im Schulunterricht vorsah.

Nadarkhani wäre seit Jahren der erste Konvertit, den die iranische Justiz wegen des »Abfalls vom Islam« ­hinrichten würde. Die bedrängte iranische Untergrundgemeinde geriete ­dadurch sicher noch stärker unter Druck. Der Iran würde sich jedoch vor aller Welt ins Unrecht setzen, denn das Recht auf Religionsfreiheit im UN-Zivilpakt hat auch der Iran völkerrechtlich bindend anerkannt.

Doch das Völkerrecht wird davon überlagert, dass der Islam im Iran Staatsreligion ist. Alle Gesetze und Vorschriften müssen der offiziellen, sehr strikten Interpretation der Scharia-Gesetze entsprechen. Betroffen sind besonders die Bahai, Sufi-Muslime und Christen muslimischer Herkunft. Die Verfolgung von religiösen Minderheiten nahm seit der Wahl des konservativen Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten ständig zu.

Trotz des harten Kurses der Regierung und islamischer Geistlicher gründen Konvertiten neue Hausgemeinden. Meist geben einheimische Christen ihren neuen Glauben an ihre muslimischen Verwandten und Freunde weiter oder Menschen kommen durch christliches Satellitenfernsehen und Internetangebote zum christlichen Glauben. Christen muslimischer Herkunft bilden die Mehrheit der christlichen Minderheit im Iran, die derzeit etwa 460000 Gläubige umfasst. Mehr als drei Viertel der Christen im Land sind ehemalige Muslime. So wie Youcef Nadarkhani.

Helmut Frank

www.igfm.de

Blutvergießen in Nigeria

4. Februar 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Die Straßen von Jos nach den Unruhen: An zerstörten Geschäften und ausgebrannten Autos vorbei trägt ein Mann einen Sack Hirse nach Hause. Foto: picture alliance/dpa/George Esiri

Die Straßen von Jos nach den Unruhen: An zerstörten Geschäften und ausgebrannten Autos vorbei trägt ein Mann einen Sack Hirse nach Hause. Foto: picture alliance/dpa/George Esiri

Nigeria: Im Grenzgebiet zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden eskalieren Spannungen

Mehr als 200 Menschenleben kosteten die jüngsten Auseinandersetzungen ­zwischen Christen und Muslimen in der nigerianischen Stadt Jos.

Als vor zwei Wochen die Ausgangssperre zum ersten Mal seit Tagen aufgehoben wurde, blieben die Straßen in Jos in Zentralnigeria dennoch leer. »Wir haben nichts mehr zu essen im Haus, irgendwann müssen wir rausgehen«, sagt ein Bewohner der Stadt, die zuvor von Unruhen erschüttert wurde. »Aber ich habe Angst, dass wieder geschossen wird.« Seinen Namen will der Christ lieber nicht genannt wissen.

Spätestens seit 2001, als bei Unruhen zwischen Christen und Muslimen mehr als 1000 Menschen starben, ist Jos für Konflikte zwischen Religionsgemeinschaften berüchtigt. Kreuzzughaft anmutende christliche Missionsbewegungen sind in Jos ebenso zu Hause wie islamistische Kampfgruppen. Ihre Zielgruppen sind die Masse an Jugendlichen aus armen Familien unter den rund 860000 Einwohnern der Stadt, denen der Staat keine Perspektive bietet.

Was genau die jüngsten Unruhen ausgelöst hat, ist ungewiss. Womöglich stimmt die Geschichte, die Alhadschi Kabir Mohammed, ein muslimischer Bewohner von Jos, in der Presse erzählt. »Ich habe mein Haus wiederaufgebaut, das in den letzten Unruhen vor gut einem Jahr zerstört wurde«, so Mohammed. »Auf einmal kamen christliche Jugendliche auf Motor­rädern und befahlen mir, zu verschwinden.« Von da an, sagte Mohammed, habe die Lage sich hochgeschaukelt. Irgendwann brannten Kirchen, Moscheen und Häuser, und Tote lagen auf den Straßen.

Andere sprechen von vorbereiteten Angriffen auf Christen nach der Sonntagsmesse. »Das war geplant, unsere Jugendlichen haben sich nur verteidigt«, erklärt Pfarrer Pandang Yamsat, der der »Kirche Christi« vorsteht, mit drei Millionen Mitgliedern eine der größten Glaubensgemeinschaften in der Region. Er sieht in den neuer­lichen Unruhen eine Taktik, mit der Muslime Christen aus Jos vertreiben wollten. »Die Muslime wollen das Land alleine regieren, aber das geht nicht, es gehört Christen und Muslimen gleichermaßen.«

Nicht alle Christen teilen die Einschätzung von wütenden Kirchenführern wie Yamsat. »Die Auseinandersetzungen haben sehr wenig mit Religion zu tun«, sagt etwa Ignatius Kaigama, der katholische Erzbischof von Jos. Er setzt sich seit Langem für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein. »Religion wird instrumentalisiert, um ethnische und politische Interessen leichter durchzusetzen.« Kaigama warnt zudem vor der Macht von Gerüchten. Denen zufolge sollte auch seine Gemeinde angegriffen und die Kathedrale angezündet worden sein: »Das stimmt alles nicht, wer so etwas verbreitet, der lügt.«

Die wirklichen Ursachen des Konflikts sind sozialer Natur, meint auch der Muslim Shamaki Grad von der Menschenrechtsliga in Jos: »Nach den letzten Unruhen Ende 2008 sind die versprochenen Entschädigungszahlungen vom Staat nie geflossen. Die Leute sind arm und hoffnungslos, sie gehen aus Frust erneut auf die Straße.« Hinzu kommt: »Frühere Ausschreitungen sind nie aufgeklärt worden, niemand wurde verhaftet«, sagt Grad. »Deshalb gibt es hier ein Gefühl der Straflosigkeit.«

Nigerias Vizepräsident Goodluck Jonathan hat außer dem Militär auch den Chef des Geheimdiensts nach Jos entsandt. Er will präzise Informationen. Die Angst ist groß, dass sich die Gewalt wie ein Flächenbrand ausbreitet. In den umliegenden Bundesstaaten haben die Behörden die Polizei in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Offenbar zurecht: Nur wenige Stunden, nach dem im Zentrum von Jos Ruhe eingekehrt war, meldeten Bewohner neue Ausschreitungen in den Außenbezirken. Und in Pankshin, einer gut 100 Kilometer entfernten Stadt, wurde von brennenden Regierungsgebäuden berichtet. (epd)

Von Marc Engelhardt