Neue Kirchen in Maos Land

24. März 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Kommentar: Haben die Christen in Deutschland die Erhörung ihrer Gebete für China verpasst?

Christsein in China – das assoziieren viele immer noch mit grausamer Verfolgung und Umerziehungslagern. Doch die Realität ist
inzwischen glücklicherweise vielschichtiger.

Seit Jahrzehnten wird in Gemeinden und Gebetskreisen in Deutschland treu für die Christen in China gebetet – das ist gut so! Doch was ich in China erlebe und sehe, überzeugt mich davon, dass unsere Gebete erhört worden sind. Leider kommt diese glückliche Information nur spärlich in Deutschland an oder wird misstrauisch abgelehnt.

Wolkenkratzer und Kirchenkreuz: Die Chong-Yi-Kirche in Hangzhou bei Shanghai wurde erst 2005 erbaut. Trotz ihrer rund 5 000 Sitzplätze müssen sonntags drei Gottesdienste hintereinander gefeiert werden.

Wolkenkratzer und Kirchenkreuz: Die Chong-Yi-Kirche in Hangzhou bei Shanghai wurde erst 2005 erbaut. Trotz ihrer rund 5 000 Sitzplätze müssen sonntags drei Gottesdienste hintereinander gefeiert werden.

Ein paar Tatsachen: Die Zahl der Christen ist seit 1980 von circa fünf Millionen auf schätzungsweise 80 bis 100 Millionen angewachsen. Die offizielle, staatlich registrierte Drei-Selbst-Kirche hat viele neue Freiheiten. Die Gottesdienste sind so gefragt, dass oft drei bis fünf Gottesdienste pro Sonntag angeboten werden müssen.

Glaubenskurse und Bibelstunden werden innerhalb der Woche regelmäßig besucht. Wenn Weihnachten und Ostern Taufgottesdienst gefeiert wird, dann sind es oft Hunderte, die sich nach absolviertem Taufunterricht nun öffentlich zu Jesus und zur Kirche bekennen. Die Christen können ihre Kirchen nicht nur wieder nutzen, sondern auch erstaunlich große Kirchen neu bauen. Pro Tag – so die Aussage des Christenrates – werden fünf neue Gemeinden gegründet und drei Kirchenräume in Betrieb genommen.

Eigentlich ist religiöse Erziehung für Kinder verboten, doch in allen Gottesdiensten in Chinas Kirchen gehören Kinder selbstverständlich dazu. Es gibt Kindergottesdienste sowie Angebote der Jugendarbeit. Fotos: Albrecht Kaul

Eigentlich ist religiöse Erziehung für Kinder verboten, doch in allen Gottesdiensten in Chinas Kirchen gehören Kinder selbstverständlich dazu. Es gibt Kindergottesdienste sowie Angebote der Jugendarbeit. Fotos: Albrecht Kaul

Wenn man quer durch China fährt, entdeckt man auch in modernen Satellitenstädten immer wieder Kirchtürme mit einem weit sichtbaren Kreuz. Obwohl religiöse Erziehung erst ab dem 18. Lebensjahr erlaubt ist, haben die Kirchen eine interessante Jugendarbeit und bieten sonntags Kindergottesdienste mit zum Teil Hunderten von Kindern. In Nanjing steht die Bibeldruckerei der Amity-Stiftung – es ist die größte Bibeldruckerei der Welt – die monatlich eine Million Bibeln druckt.

Aber auch die nicht registrierten Hauskirchen schießen immer noch wie Pilze aus dem Boden. In den Städten sind es eher die Studenten und wirtschaftlich gut gestellten Chinesen, die sich in diesen Gruppen versammeln. Auf dem Land meist die einfache Bevölkerung, die im Glauben an Jesus Christus eine Alternative zu ihren enttäuschten kommunistischen Hoffnungen sieht. Diese Gruppen werden zwar beargwöhnt und beobachtet, aber nicht mehr generell verfolgt. Zwar hört man von einzelnen Inhaftierungen von Hauskreisleitern, aber dies ist nicht mehr die allgemeine Praxis. Auch wenn jede Verhaftung eine zu viel ist!

Der Staat hat erkannt, dass die Christen die Gesellschaft stabilisieren und zur Harmonie – dem großen gesellschaftlichen Thema – im Lande beitragen. Der unabhängige »Christliche Verein Junger Menschen« (YMCA/CVJM) arbeitet in zehn Großstädten und macht wie viele christliche Gemeinden eine erstaunliche soziale Arbeit. Auch dies wird vom Staat sehr positiv gesehen und anerkannt. Die katholischen Christen, die den Anschluss an Rom nicht aufgeben wollen, haben demgegenüber viel größere Schwierigkeiten. Bischöfe und Pastoren, die nicht linientreu sind, müssen mit Hausarrest oder Inhaftierung rechnen.

Albrecht Kaul war Landesjugendwart des sächsischen Jungmännerwerkes und ist derzeit China-Beauftragter des CVJM in Deutschland.

Albrecht Kaul war Landesjugendwart des sächsischen Jungmännerwerkes und ist derzeit China-Beauftragter des CVJM in Deutschland.

Unter dem Strich kann man aber dankbar feststellen, dass die Zeit der brutalen und polizeilich organisierten Verfolgung der Christen in China wirklich vorbei ist. Auch die Hilfsorganisation »Open Doors« stuft in der weltweiten Rankingliste der verfolgten Christen China inzwischen auf Platz 37 ein – hinter Jordanien, Indien und Tansania!

Brauchen wir also nicht mehr für China zu beten? Natürlich sollten wir für China beten – zuerst mit Dank für Gottes wunderbares Handeln. Zugleich sollten wir beten, dass die gewonnenen Freiheiten nicht zurückgenommen werden und dass die Begeisterung am christlichen Glauben überspringt auf ganz Asien und bis zu uns nach Deutschland. Auch sollten wir beten, dass der zunehmende Wohlstand in China den Menschen nicht die Augen verblendet, sondern ihnen nichts wichtiger wird als das Glück, bei Jesus zu sein. Und weil unsere Gebete erhört worden sind, lasst uns umso intensiver für Nord-Korea und die Christen in muslimischen Ländern beten!

Albrecht Kaul

Hoffnung auf die Mittelschicht

18. März 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Südafrika: Seit Jahren herrscht der ANC unangefochten im Land – und zugleich wachsen seit Jahren die Probleme

Am Kap der Guten Hoffnung sieht längst nicht alles hoffnungsvoll aus. Der frühere thüringische Regionalbischof Hans Mikosch und seine Frau Adelheid lebten ein halbes Jahr in Südafrika. Harald Krille sprach mit ihnen über ihre Erfahrungen.


Frau Mikosch, Herr Mikosch, was ist Ihr Eindruck – hat der Versöhnungsprozess nach dem Ende der Apartheid zu einer Aussöhnung der Gesellschaft Südafrikas geführt?
Hans Mikosch:
Ja und nein zugleich. Ja, weil es in Südafrika zu keinem Bürgerkrieg gekommen ist, obwohl die Zeichen auf Rache standen. Durch die Einrichtung der Wahrheits- und Versöhnungskommissionen zur Aufarbeitung politischer Verbrechen während der Apartheid standen sich Menschen Auge in Auge gegenüber. Und da war es möglich, in Einzelfällen Vergebung zu gewähren. In der Gesamtgesellschaft scheint es mir noch ein weiter Weg zu sein. Weil im Augenblick der Weg umgekehrt gegangen wird: Schwarze haben überall Vortritt, vor allem auch schwarze Frauen. Von daher herrscht die große Sorge, dass dann junge Weiße ins Ausland abwandern.

Manche sprechen im Blick auf Südafrika ja sogar schon von einer umgekehrten Apartheid …
Adelheid Mikosch:
Das würde ich auch so sehen. In der lutherischen Gemeinde beispielsweise, in der wir lebten und arbeiteten, gab es drei Gottesdienste: Einen für die Deutschsprachigen, die zumeist auch deutschstämmig sind, einen für die aus holländischem Hintergrund stammende Gruppe, die Afrikaans spricht und sich als die eigentlichen Südafrikaner versteht, und einen englischsprachigen Gottesdienst, zu dem vor allem die schwarzen Gemeindemitglieder kommen. Ein gelegentlicher gemeinsamer Gottesdienst, an dem dann aus jeder Gruppe wenigstens ein kleiner Teil teilnimmt, ist schon ein großer Erfolg der Integration. Ich habe gespürt, dass die Verletzungen auf beiden Seiten so stark sind, dass es wohl mehrere Generationen dauern wird, bis man sich vorurteilsfrei gegenübertreten kann.

Hans Mikosch: Allerdings ist der Begriff Apartheid dafür zu scharf. Denn dabei ging es ja um die leider auch von manchen weißen Theologinnen und Theologen genährte Überzeugung, wonach die Schwarzen minderwertige Menschen seien. Heute haben alle Menschen in Südafrika gleiche Rechte.

Der im Ruhestand befindliche frühere ostthüringische Regionalbischof Hans Mikosch und seine Frau Adelheid arbeiteten im Rahmen eines EKD-Studienprojektes ein halbes Jahr gemeinsam auf einer Pfarrstelle in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Foto: Harald Krille

Der im Ruhestand befindliche frühere ostthüringische Regionalbischof Hans Mikosch und seine Frau Adelheid arbeiteten im Rahmen eines EKD-Studienprojektes ein halbes Jahr gemeinsam auf einer Pfarrstelle in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Foto: Harald Krille

Südafrika galt ja lange als der Motor für wirtschaftliche Entwicklung Afrikas. Wie sieht es aktuell aus?
Hans Mikosch:
Südafrika gehört dem Zusammenschluss aufsteigender Volkswirtschaften, den sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), an. Praktisch orientiert man sich am chinesischen Weg: Die Wirtschaft funktioniert auf absolut kapitalistische Weise. Was dazu führt, dass es eine immer größere Schere zwischen Arm und Reich unter Schwarzen wie Weißen gibt. Und es existiert eine führende Partei, der ANC, in dem man Mitglied sein muss, um Karriere im Lande zu machen. Zudem spielt die Korruption eine große Rolle und schädigt massiv die Wirtschaft. Ich denke, die Zukunft liegt bei der schwarzen Mittelschicht. Sie muss darauf hinwirken, dass innerhalb des ANC Kräfte an die Macht kommen, die nicht nur rückwärtsgewandt auf die Befreiung von der Apartheid verweisen, sondern dafür sorgen, dass alle Menschen Arbeit und Zukunftsperspektiven finden.

Mittelschicht hat viel mit Bildung zu tun. Südafrika investiert seit Jahren mehr als ein Drittel seines Haushaltes in diesen Bereich und steht damit an erster Stelle aller afrikanischen Länder. Doch im praktischen Ergebnis liegt es nur auf dem 49. Platz.
Adelheid Mikosch:
Es herrscht eine unglaubliche Misswirtschaft. Da werden neue Schulen in abgelegenen Gebieten gebaut. Die Kinder laufen dann stundenlang, um dorthin zu kommen. Und haben sie den weiten Weg in die Schule endlich geschafft, finden sie oft Unterrichtsmittel und Bücher in einer anderen Stammessprache vor, weil die Verteilung falschgelaufen ist. Alle Arbeitsmittel sind vorhanden, aber sie kommen erst, wenn ein halbes Schuljahr vergangen ist.

Hans Mikosch: Dazu kommt, dass Kinder häufig durch die Lehrerinnen und Lehrer sexuell missbraucht werden. Auf der anderen Seite werden Lehrer schlecht bezahlt und streiken im Jahresschnitt an etwa 22 Tagen. Viele haben ein zweites Arbeitsverhältnis. Sie geben den Schülern dann keine Hausarbeiten auf, weil sie keine Zeit zur Korrektur haben.

Adelheid Mikosch: Allerdings gibt es viele Privatschulen, in Pretoria etwa auch die Deutsche Schule. An der sind mittlerweile rund 70 Prozent der Schüler und Schülerinnen schwarz. Das ist die wachsende Mittelschicht.

Welche Rolle spielen die Kirchen in der gesellschaftlichen Situation?
Hans Mikosch:
Wir mussten feststellen, dass es allein in den Großräumen Durban und Johannesburg ca. 2 000 verschiedene selbstständige Kirchen und Gemeinschaften gibt. Eine Kirchengemeinschaft wie bei uns etwa auf der Basis der Leuenberger Konkordie ist ein völliges Fremdwort, selbst unter protestantischen Kirchen. Man sieht die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, die noch lange nicht erreichte Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß, aber man ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Können die deutschen Kirchen in dieser Situation helfen?
Hans Mikosch:
Ganz praktisch könnten wir »Amtshilfe« in einigen Bereichen leisten. Aber wir sollten uns davor hüten, unsere Kirchen- und Gemeindevorstellungen zu übertragen. Man ist dankbar für die Hilfe aus Deutschland, aber man möchte nicht bevormundet sein.

Adelheid Mikosch: Vor allem sollten wir auf Urteile aus der Ferne verzichten. Wir können stattdessen das Land und seine Kirchen besuchen und die Meinungen der Menschen dort hören. Und dann können wir vielleicht punktuell helfen. Ich denke da besonders an Projekte im diakonischen und sozialen Bereich.

Zwischen Aufbruch und Ernüchterung

22. Januar 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Äthiopien: Ein Land auf dem Weg vom Hungerland zum afrikanischen »Löwenstaat«

Hungerland oder aufstrebende Wirtschaftsmacht, Entwicklungsdiktatur oder Vorbild für demokratische Reformen: Kaum ein Staat in Afrika polarisiert so wie Äthiopien.

Äthiopien ist ein Land voller Widersprüche. Auf dem aktuellen »Index für menschliche Entwicklung« des UN-Entwicklungsprogramms steht der Bundesstaat am Horn von Afrika auf Platz 173 von 184. Rund 40 Prozent der 91 Millionen Äthiopier sind von Unterernährung bedroht. Allein 2008 flossen mehr als drei Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe ins Land. Trotzdem prognostizieren Ökonomen und Entwicklungshelfer Äthiopien eine Zukunft als »afrikanischer Löwenstaat«, als aufstrebende Wirtschaftsmacht.

Ein Land der Widersprüche: Während in einem Bildungsprojekt im vergangenen Jahr äthiopische Kinder mithilfe von Tablet-PCs lesen und schreiben lernen,  dominieren in anderen Regionen noch Stammesriten – etwa bei den Hamer im Südwesten des Landes. Fotos: picture alliance

Ein Land der Widersprüche: Während in einem Bildungsprojekt im vergangenen Jahr äthiopische Kinder mithilfe von Tablet-PCs lesen und schreiben lernen, dominieren in anderen Regionen noch Stammesriten – etwa bei den Hamer im Südwesten des Landes. Fotos: picture alliance

»Blühende Demokratie auf der einen, Menschenrechtsverletzungen auf der anderen Seite – in Äthiopien geht das gut zusammen«, sagt der deutsche Ethnologe Wolbert Smidt, der in Äthiopien lebt. Mehr als 80 Völker gibt es in dem Land. Ob die Menschen hungern oder Kritiker verfolgt werden, ist nach Smidts Einschätzung von Region zu Region verschieden. »Zentralismus ist in Äthiopien zum Scheitern verurteilt«, betont er. Es gehört zu den Widersprüchen des Landes, dass die Zentralregierung ihre Macht trotzdem auf die Einheitspartei EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) stützen kann.

»Äthiopien ist anders«, sagt auch Christoph Schneider-Yattara. Der Entwicklungsexperte ist als Äthiopien-Koordinator der Hilfsorganisation »Brot für die Welt« in die Hauptstadt Addis Abeba. Die Infrastruktur sei im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern sehr gut entwickelt. »Es gibt selbst in abgelegenen Gebieten Stromversorgung«, sagt Schneider-Yattara. Das Straßen- und Telekommunikationsnetz gilt als gut ausgebaut.

Noch ist das Land vor allem von der Landwirtschaft geprägt, nach Regierungsangaben leben 85 Prozent der Bevölkerung davon. In den nächsten Jahren könnte sich das ändern. Die Textilindustrie wächst. »Äthiopien wird zum größten Energieproduzenten Afrikas aufsteigen«, sagt Smidt.

Das Land baut gewaltige Staudämme, von denen es sich einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Die Regierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2015 sollen über 2 000 Kilometer Schienenstrecken durch das Land führen – bis 2010 war im ganzen Land noch nie ein Zug gerollt. Der Staat baut immer mehr Schulen, Hochschulen und Krankenhäuser.

Smidt und Schneider-Yattara erinnert die aktuelle Entwicklung in Äthiopien an den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas. Tatsächlich sind chinesische Unternehmen die größten Investoren in Äthiopien. Sie bauen Straßen im ganzen Land und eine Stadtbahn für Addis Abeba. Auch die politischen Strukturen erinnern an China. Die EPRDF regiert das Land seit 1991, seitdem wird der Einfluss der Opposition auf zentralstaatlicher Ebene immer geringer. »Im äthiopischen Parlament sitzt nur noch ein Oppositionsabgeordneter«, sagt Schneider-Yattara. Nach dem Tod des langjährigen Premierministers Meles Zenawi erhofften sich viele von seinem Nachfolger Hailemariam Desalegn Reformen. Doch bislang hat sich nichts geändert.

»Äthiopien ist ein Überwachungsstaat«, sagt Schneider-Yattara. »Zivilgesellschaftliche Arbeit unterliegt einer unheimlichen Kontrolle.« Die Entwicklungshilfe im Land stellt das vor Herausforderungen. »Sie muss auf die ganz großen Projekte verzichten«, empfiehlt Smidt. »Kleinteilige Projekte helfen eher.« Und seien obendrein für Äthiopien auch eher geeignet.

Dominik Speck (epd)


Hintergrund: Christen in Äthiopien

Nach offiziellen Angaben gehören 43,5 Prozent der insgesamt knapp 92 Millionen Einwohner der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche an. Rund 18,6 Prozent sind Mitglieder protestantischer Kirchen, weniger als ein Prozent sind katholisch. Knapp 34 Prozent der Äthiopier bekennen sich zum Islam.

Trotz der Mehrheit der christlichen Bevölkerung und obwohl offiziell Glaubensfreiheit herrscht, nimmt das Land auf dem Weltverfolgungsindex der christlichen Hilfsorganisation Open Doors den Rang 17 ein. Wobei es den Angaben zufolge große Unterschiede in den einzelnen Regionen des Landes gibt. Als Hauptursachen für Benachteiligungen und auch gewaltsame Übergriffe gegen Christen werden ein in manchen Regionen erstarkender islamischer Extremismus, das klerikale Anspruchsdenken der traditionellen Äthiopisch-Orthodoxen Kirche, eine »totalitäre Paranoia« der Regierung wie auch ein exklusives Stammesdenken ausgemacht. Insbesondere würden immer wieder Menschen bedrängt, die sich vom Islam verabschieden oder aus einer der traditionellen Kirchen in eine andere übertreten.

(GKZ)


Das Kreuz tragen

5. März 2013 von Gemeinsame Redaktion  
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Ein modernes Gemälde ist derzeit in Dresden ausgestellt

Düsternis ist eingezogen in die Dresdner Kreuzkirche. Ein überdimensionales modernes Kreuzgemälde des britischen Künstlers Terry Duffy hängt bis zum Karsamstag über dem Altar. Es stößt ab – und es zieht an. Ungeschönt zeigt es das Grauen der Leiden ungezählter Opfer von ­Gewaltherrschaft und Unmenschlichkeit. Dieses Kreuz hat nichts Roman­tisches, nichts Verklärendes. Es zeigt die furchtbare Wirklichkeit: Ein verstümmeltes, verbranntes Kriegsopfer könnte es sein, das an Duffys Kreuz hängt. Ein entstelltes, verkohltes Gesicht, das stumm ins Leere schreit. Eine entmenschlichte Leichenhand, die starr zum Nachbarkreuz ausgreift – und es doch nicht erreicht. Das Opfer ist einsam, ausgeliefert, hinabgestoßen in das Reich des Todes.

Aus dem Gekreuzigten windet sich eine gekreuzigte Frau, deren Brüste könnten die verstümmelten Beine ­eines behinderten Kindes sein. Schemenhaft zeichnen sich überall weitere Kreuze ab.
»Das Kreuz ist ein Fenster in die Welt, in die Wahrheit der Not der Menschen, die Opfer von Krieg, gewalttätigen Konflikten, Missbrauch von Macht und Autorität geworden sind«, erklärt Terry Duffy, der das Kreuz vor 30 Jahren unter dem Eindruck schwerer sozialer Unruhen in Großbritannien schuf.

Bis Karsamstag hängt das Kreuzgemälde des britischen Künstlers Terry Duffy über dem Altar in der Dresdner ­Kreuzkirche. Foto: Steffen Giersch

Bis Karsamstag hängt das Kreuzgemälde des britischen Künstlers Terry Duffy über dem Altar in der Dresdner ­Kreuzkirche. Foto: Steffen Giersch

Sein Kreuz schreit auf im Namen all dieser Opfer. Das Kreuz ist die Wunde der Welt, für die Golgatha ein Name geworden ist. Im Kruzifix sind eingezeichnet die Entrechteten und Kaputtgemachten dieser Erde aller Zeiten. Nur manche kennen wir mit Namen: Die Geschwister Scholl und Dietrich Bonhoeffer, Gertrud Kolmar und Elisabeth Käsemann, Anne Frank und Martin Luther King, Matthias Domaschk und Oskar Romero.

»Opfer – keine Auferstehung?« – der Titel des Kreuzgemäldes Terry Duffys provoziert. Ist die tiefste Nacht der Menschheit ohne Morgen? Ist Golgatha ohne Emmaus? »Das Gemäl­de bietet keine leichte Lösung, keine Beruhigung«, sagt Duffy und ergänzt: »Das Kreuz war und ist ein realistisches ­Ereignis, kein bloßes Symbol.«
Der 64-jährige Künstler, der früher mit Joseph Beuys und John Cage zusammengearbeitet hat, will am Kreuz verharren, die nackte Brutalität aushalten. Die Auferstehung soll nicht einfach als automatische göttliche Antwort auf das Leiden erscheinen. Damit wir es uns nicht zu leicht machen. »Die Auferstehung ist kein gegebenes Recht, wir müssen für sie wirken«, sagt Duffy und fügt hinzu: »Wir müssen mehr für diejenigen tun, deren Leben viel schlimmer ist als unseres.«

Und so spricht aus seinem düsteren Kunstwerk doch der Glaube daran, befähigt und berufen zu sein, etwas vom Leid der Welt abzutragen. Die Dresdner Station seines Kreuzes soll zudem an Simon von Kyrene erinnern, der einst Jesus half, das Kreuz zu tragen. Nach Ostern wird Duffys Kreuz weiterreisen. Nachdem es schon in Coventry und London ausgestellt war, soll es auf seinem großen Kreuzweg durch die Welt weiterreisen zu Schauplätzen von Krieg und gewalttätiger Konflikte – nach Krakau, Kapstadt, Belfast, Südamerika, Bosnien, China und New York.
»Das Ziel soll Jerusalem sein, wo es an einem Ostermorgen ankommen soll«, kündigt der Künstler an. Damit solle die Erzählung und die Erlösung dieses Kreuzes symbolisch vollendet werden.

Stefan Seidel

Das Gemälde »Opfer – keine Auferstehung?« ist bis zum 29. März ausgestellt in der Kreuzkirche Dresden. Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr. Freitags, 12 Uhr: Gebet unter dem Kreuz für Frieden und Versöhnung.

»weltwärts«: Von der Pleiße nach Quindao

10. September 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Wenn diese Zeilen in der Kirchenzeitung gedruckt vorliegen, ist die junge Leipzigerin Mechthild Sasse wahrscheinlich bereits am anderen Ende der Welt. Und sie wird nicht mehr Mechthild gerufen, sondern ZhenZhu(孙珍珠), was im Chinesischen so viel wie »Perle« heißt.

Mechthild Sasse

Mechthild Sasse

Mechthild Sasse, die zierliche Abitu­rientin aus der Leipziger Thomasschule, ist mit dem Verein »Jugend im Ausland« und dem Programm »weltwärts« der Bundesregierung für ein Jahr nach Quindao im Osten Chinas gegangen.

Die Hafenstadt ist manchem noch als ehemalige deutsche Kolonie Tsingtau bekannt.

Doch Mechthild, alias ZhenZhu, geht nicht aus touristischen Gründen in das Reich der Mitte. Auf Grund ­ihrer guten Sprachkenntnisse soll sie gemeinsam mit vier weiteren Freiwilligen an der dortigen Universität Deutsch und Englisch unterrichten. Daneben will »Jugend im Ausland« gemeinsam mit einer chinesischen Partnerorganisation ein soziales Projekt aufbauen. Dabei geht es um Altkleiderspenden für arme Bergbauern in benachteiligten Regionen im Süden Chinas.

Den Gedanken der christlichen Nächstenliebe bekam Mechthild Sasse quasi schon mit der Muttermilch vermittelt. Sind doch ihre Eltern seit Jahrzehnten in einer Leipziger Kirchengemeinde engagiert – der Vater im Kirchenvorstand, die Mutter 13 Jahre als Katechetin.

Das Interesse für China weckte eine chinesische Studentin in Leipzig. Wie ein Schwamm sog die damals achtjährige malbegeisterte Mechthild auf, was die Studentin ihr über chinesische Kunst und Kultur berichtete. Mit Freunden begann sie Chinesisch zu lernen. Ei­ne Reise des Schulorchesters nach China gab der Begeisterung weiteren Auftrieb. Fast selbstverständlich, dass sie nach der zehnten Klasse ein Auslandsjahr bei Gasteltern in China verbrachte.

Ihre eigenen Eltern beneiden sie und ihre drei Geschwister je fast ein wenig um die Möglichkeiten, von denen sie selbst in DDR-Zeiten nie zu träumen wagten. Und sie unterstützen ihre Tochter nach Kräften. Dennoch muss ein Teil der Kosten des Einsatzes durch Spenden abgedeckt werden.

Wer die junge Leipzigerin, die danach ein Studium der Sinologie und Koreanistik beginnen will, dabei unterstützen möchte, kann sich per E-Mail ­direkt an sie wenden: zhongguoren@gmx.net.

Natürlich betreibt Mechthild Sasse auch einen eigenen Blog im Internet. Alle anderen aber werden in den nächsten Monaten gelegentlich von ihr lesen können – hier in der Kirchenzeitung wird sie unter der Rubrik Blickwechsel von ihren Eindrücken berichten.

Harald Krille