Von der Sehnsucht nach dem Paradies

27. August 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Der erzgebirgische Holzgestalter Dieter Groh wurde 80

Vor wenigen Tagen, am 20. August, ist er bei guter Gesundheit 80 Jahre alt geworden: der Holzgestalter Dieter Groh. Geboren 1930 im westerzgebirgischen Burkersdorf, hat er sich als gelernter Möbeltischler seit 1965 auf dem väterlichen Grundstück seinen Kindheitstraum erfüllen dürfen, den Traum von den eigenen Weihnachtsfiguren.

Aufgewachsen in einer über Generationen von tiefer Frömmigkeit geprägten Familie, war es die farbenfrohe Welt der traditionellen Leuchterfiguren, die ihn frühzeitig gefangen nahm und nie mehr loslassen sollte. Obwohl er bald schon als gefragter Holzrestaurator galt, wurde für Dieter Groh erst das eigene Nachempfinden von Althergebrachtem in Verantwortung gegenüber den historisch gewachsenen Formen zum eigentlichen beruflichen Erlebnis. So widmet er sich seitdem ganz bewusst den aus dem 19. Jahrhundert überkommenen Techniken und drechselt, schnitzt, modelliert mit Brotteig und bemalt ­alles nach wie vor von Hand.

Dieter Groh, Holzgestalter aus Burkersdorf im Westerzgebirge, in seiner geliebten Werkstatt. (Foto: Gottwald Klinger)

Dieter Groh, Holzgestalter aus Burkersdorf im Westerzgebirge, in seiner geliebten Werkstatt. (Foto: Gottwald Klinger)

Wer sein Haus betritt, ist überrascht von der Fülle dessen, was in all den Jahren in seiner Werkstatt entstanden ist: traditionelle Leuchter­figuren, sparsam mit Ornamenten verziert, in ihrer Farbigkeit an barocke Dorfkirchen erinnernd, Bergleute, ­Engel, deren Vorbilder im Freiberger und Schneeberger Raum zu finden sind, Spielzeug, Fröbelscher Gedankenwelt entlehnt, Leuchterspinnen, Bevensen-Leuchter, einer norddeutschen Heiligabendsitte nachempfunden und Schwebeengel, denen Dieter Grohs besondere Liebe gilt.

Mehr als zwei Jahrzehnte wirkte Dieter Groh an der Schneeberger »Fachschule für Angewandte Kunst«. War es doch sein Wunsch, all den Generationen von Studenten etwas vom Geheimnis der »Formen aus der Tradition des Erzgebirges«, wie es im Vorlesungskatalog hieß, nahezubringen.

Längst schon haben seine Arbeiten Erwähnung gefunden in den Bibliografien zur sächsischen Volkskunst oder lassen sich in deren Museen ­betrachten. Ausstellungen im In- und Ausland haben seinen Namen bekannt gemacht. Sein Wahlspruch »Lege Deine Hände an die Arbeit und Dein Herz in Gott«, von der Shakergemeinde, einer aus dem Quäkertum entstandenen amerikanischen Freikirche überliefert, begleitet ihn bis heute.

Von all seinen Miniaturen sei ihm die Geschichte von Adam und Eva und vom Apfel, einem in Seiffener Manier geschaffenen Paradiesgarten, besonders ans Herz gewachsen. Von seiner »Sehnsucht nach dem Paradies« ist in der Figurenwelt des Dieter Groh manches zu entdecken. Man muss nur mit dem Herzen hinschauen.

Gottwald Klinger