Mit Gottes Hilfe aus der Abhängigkeit

22. Oktober 2017 von Gemeinsame Redaktion  
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Befreit: Bei einer Therapie im Diakonie-Krankenhaus Harz hat Jens Reinländer zum christlichen Glauben gefunden. Seit 2011 ist er trocken. Hier erzählt er seine Geschichte:

Ich habe 15 Jahre lang gesoffen und weiß noch sehr genau, wie alles anfing. Zuerst war mein Alkoholkonsum normal, hier und da habe ich bei Partys getrunken. Einmal hatte ich einen Kasten Bier gekauft, weil ich ein paar Leute gebeten hatte, mir beim Umzug zu helfen. Als die nicht wie verabredet kamen, war ich frustriert und habe den Kasten alleine geleert. Über viele Jahre hinweg habe ich versucht, Probleme oder Unzufriedenheiten wegzutrinken. Ich fühlte mich einfach besser, die Probleme schienen kleiner, wenn ich getrunken hatte. Dann steigerte sich die Menge. Ich wurde zum Spiegeltrinker, das heißt, dass ich den ganzen Tag über einen bestimmten Alkoholpegel im Blut halten musste.

Ich habe schon morgens vor der Arbeit mein erstes Bier getrunken. Weil ich als Elektriker viel draußen im Einsatz bin, hat das zunächst niemand gemerkt. Nachmittags und abends ging es dann mit Whiskey Cola weiter, die war an jeder Tankstelle verfügbar. Zu Hause hatte ich Alkohol-Verstecke, es war also immer Vorrat da. Ich spiele im Jugendblasorchester Tenorhorn. Wenn ich damals zu den Proben und Konzerten gegangen bin, war ich natürlich auch nicht nüchtern. Aber ich fühlte mich gut und dachte, niemand merkt mir etwas an.

Aber das stimmt nicht, mittlerweile hatten viele mitbekommen, was mit mir los ist. 2009 sagte eine meiner Orchesterkolleginnen, die ich schon sehr lange kenne und deren Meinung mir wichtig ist, dass ich was ändern muss, wenn ich die Jugendweihe meiner Tochter noch erleben will. Dieser Satz hat mich beschäftigt. Er war der Wendepunkt. Ich habe gemerkt, dass ich ohne Hilfe nicht mehr klarkomme. Auch mein Arbeitgeber sagte, dass ich in dem Zustand nicht zur Arbeit kommen kann. Ich habe dann mit meiner Frau geredet, und sie hat mich zu einer Psychologin begleitet. Dann habe ich recht schnell einen Platz zur Entgiftung im Ballenstedter Krankenhaus bekommen. Dort habe ich zum ersten Mal gehört, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Allerdings ist es keine, die man so einfach abschütteln kann.

Schon zwei Wochen später habe ich wieder angefangen zu trinken. Und so ging es dann immer weiter. Ich habe sieben Entgiftungen und zwei Langzeit-Therapien hinter mir. Ich bin immer wieder rückfällig geworden, weil ich mir eingebildet habe, dass ich es schaffen könnte, kontrolliert zu trinken. Also nur ein oder zwei Bier am Tag. Aber das funktioniert nicht.

Nach der letzten 15-wöchigen Langzeit-Therapie in Elbingerode habe ich es endlich geschafft. Während der Therapie hatten wir die Möglichkeit, jeden Sonntag den Gottesdienst im Diakonissen-Mutterhaus zu besuchen. Mich haben die Gottesdienste immer zum Nachdenken gebracht, obwohl ich bis dahin eigentlich kein gläubiger Mensch war. In den Predigten erkannte ich mich wieder. Sie waren gar nicht so weltfremd, wie ich immer dachte. Ich habe beschlossen, mich darauf einzulassen.

Heute glaube ich an Gott, auch wenn ich eher unregelmäßig in die Kirche gehe. Ich lebe den Glauben für mich allein. Nach einem Gottesdienst in Elbingerode, bei dem ich Gott um Hilfe bat, meine Sucht in den Griff zu bekommen, spürte ich: Jetzt ist es vorbei. Beim Duschen hatte ich das Gefühl, eine Last von mir abzuspülen. Von da an wollte ich nicht mehr trinken. Ich hatte Hoffnung, es jetzt endlich zu schaffen. Ich fühlte mich nicht mehr allein.

Seit 2011 bin ich trocken. Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe. Aber mir ist auch bewusst, dass ich ein Leben lang Alki bleibe. Den Alkoholismus hast du nie überwunden. Deshalb habe ich auch die Selbsthilfegruppe gegründet. Hier tauschen wir uns aus und üben Verhaltensweisen, die uns in kritischen Situationen helfen, nicht rückfällig zu werden. Wir haben zu Hause keinen Alkohol im Haus. Das schützt mich. Wenn Freunde kommen, bringen die selbst ihr Bier mit und nehmen das, was nicht getrunken wurde, auch wieder mit nach Hause.

Mein Umfeld weiß Bescheid – meine Freunde, Kollegen und die Familie. Aber es gibt Situationen, in denen ich in Versuchung gerate. Wenn ich zum Beispiel mit dem Orchester auf einem Schützenfest spiele, dann denke ich daran, in der Pause ein Bier zu trinken. Damit das nicht passiert, gehe ich eine Runde spazieren. Das Bierzelt ist sozusagen eine Stresssituation für mich. Mein Suchtgedächtnis will mir sagen: He, dir könnte es gleich besser gehen, wenn du jetzt ein Bier trinkst. Diese Situationen kennen die meisten trockenen Alkoholiker. Das Gute ist, dass es über die Jahre leichter wird. Man darf nur den Mut und die Willenskraft nicht verlieren. Weil wir uns gegenseitig unterstützen, ist die Selbsthilfegruppe wertvoll für uns. Im Moment kommen sieben Männer und Frauen. Die Gruppe richtet sich an trockene Alkoholiker, aber auch an die, die noch trinken und von ihrer Sucht loskommen wollen. Jeder hat ja seine eigene Geschichte, seine eigenen Probleme. Aber die Erfahrungen der anderen sind Gold wert.

Wer sich eingesteht, dass er Hilfe braucht, der ist bei uns willkommen. Wir zeigen einen Weg aus der Sucht auf. Ich selbst führe heute ein anderes Leben als vor der Therapie. Ich habe vieles verändert. Ich bin glücklich, weil alles so gut läuft. Ich brauche keinen Alkohol mehr, um zufrieden zu sein.« Inzwischen ist Jens Reinländer seit sechs Jahren trocken und unterstützt mit der Selbsthilfegruppe »Clean Life« in Halberstadt andere dabei, einen Weg aus der Sucht zu finden.

Aufgeschrieben von Dana Toschner

Tipps
Rund 1,3 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig und etwa 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken zu viel Alkohol. 73 000 Menschen sterben jährlich allein in Deutschland an den Folgen von Alkoholmissbrauch und rund 1 500 Menschen aufgrund illegaler Drogen – Trend steigend. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und darauf aufmerksam zu machen, hat das Blaue Kreuz in Deutschland die Kampagne »Dein Leben. Dein Traum. Deine Entscheidung.« ins Leben gerufen.

Außerdem gibt es die blu:app zum kostenlosen Download (für iOS und Android) bei Google Play und im App Store Damit werden vor allem Jugendliche angesprochen und für Themen rund um Sucht sensibilisiert. Die Bandbreite reicht von sehr niederschwelligen und einfach verständlichen Informationen und Inhalten bis hin zu konkreten Beratungsangeboten.

www.blaues-kreuz.de


Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

»Rups« will für Jesus singen

16. Juli 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Porträt: Thomas »Rups« Unger will mit seinen Liedern Christus bezeugen

Millionen lieben Volksmusik. Zu den Stars der Szene gehören »De Randfichten«. Seit über 20 Jahren ist Thomas »Rups« Unger ihr Frontmann. Jetzt soll damit Schluss sein.

Die Nachricht schlug bei Volksmusikfans wie eine Bombe ein: Thomas »Rups« Unger verlässt »De Randfichten«. Nur bis Ende 2014 wird der 45-Jährige noch mit seinen beiden Kollegen auf der Bühne stehen. Ein Grund für die Trennung ist sein Glaube an Jesus Christus. »Es war ein langer Prozess. Doch der Glaube hat meinen Horizont erweitert«, erklärt Unger. »Zwei Atheisten und ein Christ in einer Band, wir waren nicht mehr auf einer Wellenlänge«, erläutert er seinen Ausstieg.

Dabei liegen erfolgreiche Jahre hinter den Volksmusikern aus Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. Seit 1992 begeisterte das Trio Tausende Fans. Große Bekanntheit erlangten »De Randfichten« 2004 mit ihrem Lied »Lebt denn dr alte Holzmichl noch …?«, das sogar bis auf Platz drei der Hitparade kletterte.

Doch das Leben von Thomas Unger, den Freunde nur »Rups« nennen, besteht nicht nur aus positiven Erfahrungen. Seit seinem 17. Lebensjahr leidet er unter Panikattacken. In unregelmäßigen Abständen überfallen ihn Angstzustände. Unger griff zur Flasche – und wurde alkoholabhängig. Ein Freund nahm ihn 1993 mit zur christlichen Suchtkrankenhilfe Blaues Kreuz. Anschließend machte er eine Entgiftung. Seit über 20 Jahren ist er jetzt »trocken«. »Es ist ein Geschenk Gottes, dass ich vom Alkoholismus geheilt wurde«, bekennt »Rups« heute. Seit diesem Moment lässt ihn der Glaube nie mehr ganz los. »Ich spürte den Heiligen Geist«

Der Musiker Thomas Unger. Foto: Randfichten-PR/Marko Lorenz

Der Musiker Thomas Unger. Foto: Randfichten-PR/Marko Lorenz

Großen Anteil am »Hineinwachsen in das Christsein« hat seine heutige Ehefrau Tabea. Unger lernt sie im Jahr 2000 kennen. Tabea nimmt ihn mit in eine evangelisch-methodistische Gemeinde. 2002 heiraten die beiden. Ihnen ist eine kirchliche Trauung wichtig, und so lässt sich Unger taufen. »Doch so richtig war ich damals noch nicht mit dem Herzen dabei«, gesteht »Rups«. Das ändert sich 2009 schlagartig. Damals kehren die Angstzustände zurück – schlimmer als je zuvor. Unger fängt an, regelmäßig zu beten: »Lieber Herr, wenn du mir jetzt hilfst, will ich dir mein Leben anvertrauen«, fleht er. Und tatsächlich legt sich die Panik. Gemeinsam mit Tabea besucht »Rups« im Oktober 2009 im Urlaub einen Gottesdienst in der Freien evangelischen Gemeinde in Burglengenfeld (Bayern). Am Abend sieht er Joyce Meyer im Fernsehen. Sie spricht über Thomas den Zweifler. Plötzlich wird Unger klar, dass er noch Vergebung von Schuld braucht. Er beichtet und lässt sich in der Naab taufen.

»Das Gefühl danach war unbeschreiblich. Ich spürte, wie mich der Heilige Geist überkam«, schildert Unger die Situation. Seitdem kann er nicht mehr ohne eine enge Beziehung zu Christus leben. 2012 nimmt er ein Soloalbum mit bekannten christlichen Liedern und einigen eigenen Titeln auf. Die CD verkauft sich so gut, dass sie viermal neu aufgelegt werden muss. Im Februar 2014 folgt dann ein Rückschlag: Als Unger mit einer Rückenmarksentzündung im Krankenhaus liegt, kehrt die Angst zurück.

Wieder sucht er Hilfe im Gebet, wieder spürt er den Heiligen Geist: »Vor allem der Vers Epheser 6,11 – in dem es um die geistliche Waffenrüstung geht – hat mir geholfen, die Panik wieder loszuwerden. Danach schrieb ich im Krankenhaus ein geistliches Lied nach dem anderen«, so Unger. Das Ergebnis wird man Ende des Jahres hören können. Dann erscheint sein neues Album, und »Rups« singt wieder für Jesus.

Dennis Pfeifer (idea)

www.thomas-rups-unger.de

Jesus befreit – das ist das Wunderbare

2. Mai 2014 von Gemeinsame Redaktion  
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Vorgestellt: Rüdiger Borchardt – das 85-jährige Urgestein der Thüringer Suchtkrankenarbeit ist bis heute im Einsatz für Alkoholkranke

Das aktuelle »Jahrbuch Sucht« hat es gerade wieder gezeigt: Alkohol ist und bleibt die Droge Nummer 1 in Deutschland (siehe unten). Einer, der seit Jahrzehnten um die Probleme und um Wege der Hilfe weiß, ist Rüdiger Borchardt.

Ende März wurde die kleine Tamina geboren. Sie ist sein sechstes Urenkelchen. Liebevoll betrachtet Rüdiger Borchardt, der in seinem Leben unzählige Alkoholiker betreute, das Foto der neuen Erdenbürgerin. »Wir sind dankbar, dass du uns ein Wegweiser auf unserem Glaubensweg bist«, ist auf einer Osterkarte von Christine und Michael aus Chemnitz zu lesen. »Na – das ist doch schön«, meint der 85-Jährige und zeigt auf seine Schätze: eine deutlich abgegriffene Bibel im Ledereinband, ein Büchlein mit Losungen und Bibelversen und sein Gebetsbuch. »Hier stehen alle drin, für die ich täglich bete.«

Die Hände zu falten ist für ihn ungeheuer wichtig. »Wir denken immer, wir können alles, dabei sind wir arme Sünder«, sagt er. Das Foto eines in Paraguay tätigen Freundes fällt ihm in die Hände. »Für die Mission bete ich auch. Bei uns zu Hause wurde viel gebetet.« Mit sieben Jahren hat er bereits in der heimischen Küche gepredigt. »Ich bin auf eine Fußbank geklettert und los ging es.« Zeit seines bewegten Lebens war ihm das Predigen immer ungeheuer wichtig. »Ich bin dankbar, dass ich mithelfen durfte, die Frohe Botschaft weiterzugeben«, meint er schlicht.

Rüdiger Borchardt – Zeit seines Lebens gehört seine Aufmerksamkeit den schwachen, insbesondere den Alkoholkranken. Foto: Anett Recknagel

Rüdiger Borchardt – Zeit seines Lebens gehört seine Aufmerksamkeit den schwachen, insbesondere den Alkoholkranken. Foto: Anett Recknagel

Sein Lieblingsspruch steht im Römerbrief und lautet: »Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.« – »Darauf habe ich mich mein ganzes Leben verlassen«, sagt er. »Jedes Mal, wenn ein Alkoholiker zu mir kam, wusste ich vorher nicht, was ich ihm sagen sollte – Gott hat mir immer die rechten Worte geschenkt.«
In der englischen Kriegsgefangenschaft fand der im westpommerschen Treptow an der Rega, heute Trzebiatów, als Sohn eines Bäckermeisters geborene Rüdiger Borchardt zum Glauben. Dort lernte er als 17-Jähriger gläubige Männer kennen, die Andachten hielten. Er schloss sich ihnen an und begann, für seine Mutter zu beten. Gott erhörte ihn – die Mutter war am Leben. Über das Rote Kreuz fand er zu ihr nach Königsee. Es dauerte nicht lange, bis er dort in der Jungen Gemeinde mitarbeitete.

Anfang der 1950er Jahre zog es Rüdiger Borchardt in den Westen. In Heidenheim engagierte er sich in der christlichen Jugendarbeit und leitete seine erste Freizeit. Schon frühzeitig entschloss sich Rüdiger Borchardt, enthaltsam zu leben. Als in Heidenheim ein Blaukreuzverein gegründet wurde, stand für ihn sofort fest, darin mitzuarbeiten.

Wieder zurück im thüringischen Königsee lag der Schritt, Alkoholiker zu Hause zu besuchen, nahe. Das war der Beginn einer lebenslangen Aufgabe. Als Mitglied der in der ehemaligen DDR existierenden Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr von Suchtkrankheiten (AGAS) setzte er in Jena seine Tätigkeit in der Trinkerrettungsarbeit fort. Dort war er im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen über zehn Jahre Landesbeauftragter für Suchtgefahren. Seine »Klienten« fand er in allen Bevölkerungsgruppen. Ob Ärzte, Parteisekretäre, einfache Arbeiter oder Lehrer – Rüdiger Borchardt schickte nie jemanden weg. »Selbst wenn Honecker gekommen wäre, hätte ich geholfen«, sagt er rückblickend. Dieter Nix fand er in Jena auf einer Müllkippe. Bis heute gehört er jährlich zu den ersten Geburtstagsgratulanten.

Viele Menschen hätten die Mitarbeiter der AGAS darum beneidet, dass gerade in dieser Organisation so viele Trinker dem Alkohol entsagten. »Eine Kur wurde nicht gebraucht – allein der Glaube an Jesus Christus zählte«, so Borchardt. Bei den ersten Gesprächen behaupteten die meisten von sich, nicht abhängig zu sein. Rüdiger Borchardt öffnete ihnen trotzdem die Tür, bat sie mit einem freundlichen »wir werden sehen« herein. Im Laufe des Gespräches begannen den Betroffenen dann die Hände zu zittern. Eine große Tasse mit Kaffee half.

»Viele waren von diesem Angenommensein überwältigt«, erinnert sich Borchardt. Und fügt hinzu: »Es gibt keine hoffnungslosen Alkoholiker – Jesus kann helfen.« Das war zudem die Aufschrift eines Stempels – »unserem Traktat«, wie Borchardt erzählt. Er zierte zu DDR-Zeiten viele Briefe und wurde nicht verboten. »Viele Abhängige haben die Liebe Gottes erfahren, sind zur Beichte gegangen und haben danach ihr Leben geordnet.«

Ein Oberarzt der Jenaer Universitätsklinik hatte in den 70er Jahren einmal zu ihm gesagt: »Alle meine Patienten gehören zu Ihnen, nicht zu mir.« Daran erinnert sich Borchardt immer wieder gern. Alkoholiker sind für ihn Perlen, die ihren Glanz verloren haben. Durch die Liebe Gottes leuchten jetzt viele wieder, sagt er, als wäre es die leichteste Sache der Welt.

Als die Familie im Mai 1989 nach Steinbach-Hallenberg übersiedelte, lagen neun Jahren im mecklenburgischen Linstow hinter ihr. Dort wohnten sie gemeinsam mit zwölf alkoholabhängigen Männern in einem ehemaligen Pfarrhaus. In Steinbach-Hallenberg suchte man seinerzeit einen Mitarbeiter im Suchtbereich. Rüdiger Borchardt war der Richtige. Kaum in der Kleinstadt angekommen, rief er hier eine Blaukreuzgruppe ins Leben.

»Bei Gott gibt es immer einen Ausweg – Jesus befreit, das ist das Wunderbare«, sagt der Mann, dessen Haar längst weiß geworden ist. Trotzdem strahlt er eine große Ruhe und Zufriedenheit aus. »Ich könnte auch Trübsal blasen, das liegt mir aber nicht, weil ich immer wieder neu sehe, wie Gott am Wirken ist«, sagt der tiefgläubige Christ und lächelt. In seinem Leben gebe es keine Zeit, an die er sich nicht gerne erinnere. Besonders froh ist er, erleben zu können, wie die von ihm begonnene Arbeit heute von vielen wertvollen Menschen fortgeführt werde. Seinen Weg mit Jesus gegangen zu sein, hat er nie bereut. Auch auf seine vier Kinder konnte er das übertragen. Und so ist Rüdiger Borchardt dankbar für die zurückliegende Zeit, für seine Familie, seine Kinder, seine Enkel und Urenkel.

Annett Recknagel

Am 4. Mai, Saalfeld, Treffen des Landesverbandes »Blaues Kreuz« Thüringen