Gott verspricht Gnade und Vergebung

9. Oktober 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Die Flut als Strafinstrument Gottes: Darstellung der Sinntflut von Michelangelo Buonarroti in der sichtinischen Kapelle im Vatikan. Foto: Archiv

Die Flut als Strafinstrument Gottes: Darstellung der Sinntflut von Michelangelo Buonarroti in der sichtinischen Kapelle im Vatikan. Foto: Archiv


In der Bibel finden sich viele verschiedene Aussagen über Fluten

Aktuelle Berichte von Flutkatastrophen bestimmen derzeit die Nachrichten. Auch in biblischen Zeiten litten Menschen unter Fluten. Mit Himmel, Erde und Wasser begann Gott sein Schöpfungswerk. Eine Urflut bedeckte die Erde. Wie Gott seitdem das Wasser und die Fluten lenkt, beschreibt der Psalmist: »Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten.« (Psalm 33, 7)

Aus diesen Wasserkammern schickt Gott den Menschen Fluten zum Segen wie zum Gericht. Dass Gott der Herr über Wasser und Fluten ist, betont das Alte Testament auch als Abgrenzung gegen die religiösen Vorstellungen anderer Religionen, die dem Wasser selbst göttliche Kraft beimessen oder es als Geburtsstätte der Götter verstehen.

»Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.« (1. Mose 1,2)

An mehreren Stellen der Bibel benutzt Gott die Flut als Strafinstrument. Die größte ist die Sintflut. Weil das Trachten der Menschheit von Grund auf böse war, fasste Gott den Entschluss, fast alles Leben auf der Erde durch eine Flut auszulöschen. Nur Noah, ein gottesfürchtiger Mann, darf überleben, mit ihm seine Familie und je ein Paar jeder Tiergattung. Um die erforderlichen Wassermassen in Gang zu setzen, ließ Gott es 150 Tage lang regnen und ließ zudem »alle Brunnen der großen Tiefe« aufbrechen. So lange, bis alles vertilgt wurde, »was auf dem Erdboden war«. Leben war nur auf der Arche Noah. Nach der Sintflut versprach Gott zwar, nie wieder so grausam zu sein. Das hielt ihn aber nicht davon ab, feindlichen Völkern mit der Flut zu drohen.

»Denn so spricht Gott der Herr: Ich will eine große Flut über dich kommen lassen, dass hohe Wogen dich bedecken.« (Hesekiel 26,19)

Es ist paradox: Gott ist letztverantwortlich für Fluten, aber er schützt Menschen auch vor ihnen. Wer Gott vertraut, den »schirmt« er vor den ­Fluten. In falscher Sicherheit jedoch wähnen sich die Feinde Israels, die meinen, »mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht zu haben: Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen.« (Jesaja 28,15b) Ihnen kündigt Gott an, dass Fluten ihre Schutzbauten wegschwemmen, während Zion bewahrt bleibt: »Wenn die Flut herannaht, wird sie euch zermalmen.« (Jesaja 28,18)

Habakuk lässt die Möglichkeit offen, dass Gott selbst auch zornig auf die Flut sein kann: »Warst du zornig, Herr, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer?« (Habakuk 3,8)

Mit einem ergreifenden Segen verabschiedet sich Stammvater Jakob von seinen zwölf Söhnen. Josef, seinem Lieblingssohn, verheißt er auch den »Segen von der Flut«. Was bedeuten kann, dass die Fluten ihm so wohl gesonnen sind, dass er sich nicht vor ihnen fürchten muss.

»Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, und von dem Allmächtigen seist du gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab, mit Segen von der Flut, die drunten liegt, mit Segen der Brüste und des Mutterleibes.« (1. Mose 49,25)

Der Psalmist (Psalm 69) benennt seine Ängste in aller Offenheit, auch die vor dem Ertrinken. »Ich versinke in tiefem Schlamm«, schreibt er, »ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.« In dieser Todesangst bittet er Gott um Errettung – darum, dass ihn »die Tiefe nicht verschlinge«. Der Psalmist beendet sein Gebet mit der Zuversicht, dass Gott den Armen und Elenden – also auch ihm – beistehe.

»Normale«, berechenbare Fluten waren wichtig für die Fruchtbarkeit der Felder. Regelmäßig überschwemmte der Nil die Uferregionen und schuf damit Grundlage für Wachstum. Diese Art von Flut ist wie ein Segen für das Land, denn sie zerstört nicht, sondern tränkt die Erde. Gleichwohl können auch die Nilhochwasser bisweilen vernichtende Kräfte wecken, weiß der Prophet Jeremia: »Ägypten stieg empor wie der Nil, und seine Wasser wälzten sich daher wie Ströme.« (Jeremia 46,8)

Biblische Verfasser bedienen sich gerne des Begriffes der Flut als Sinnbild. Wie eine Flut werde ein Heer heranbrausen, mahnt etwa der Prophet Daniel. Auch die weisen Lehrer der Bibel benutzen das Wort, zum Beispiel Jesus Sirach: »Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und sein Rat ist wie eine lebendige Quelle.« (Sirach 21,16)

Katastrophale Fluten sind archäologisch belegt und haben sich tief in das Gedächtnis der Menschheit gefressen. In vielen Mythen spielen Sintfluten eine Rolle, auch in der Bibel. Die Erklärung dafür hält sich bis heute hartnäckig: Gott wolle mit einer Flut die Menschen für ihre Sünden bestrafen. Wer so argumentiert übersieht die Barmherzigkeit Gottes, der den Menschen nicht mit gefährlichen Fluten droht, sondern ihnen Gnade und Vergebung zusagt.

Uwe Birnstein

Buchtipp: Birnstein, Uwe: Das Beste aus der Bibel,
Echter Verlag, 224 S., ISBN 978-3-429-03211-1, 12,00 Euro

Sieben biblische Tipps für Stürmer und Verteidiger

3. Juni 2010 von Gemeinsame Redaktion  
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Mit Augenzwinkern: Glaube und Fußball – was die Bibel den WM-Spielern zu sagen hat

In freudiger Erwartung: Wenn in der kommenden Woche in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, werden ­Tausende Südafrikaner begeistert mitfeiern. 	Foto: epd-bild/Ulrich Doering

In freudiger Erwartung: Wenn in der kommenden Woche in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, werden ­Tausende Südafrikaner begeistert mitfeiern. Foto: epd-bild/Ulrich Doering


Die Bibel sagt nichts zum ­Fußball? Wer so denkt, kennt das Buch der Bücher nicht – oder ist nicht so kreativ, wie unser Autor. Er hat rechtzeitig vor Beginn der Weltmeisterschaft in Südafrika entsprechende Hinweise für die Akteure zusammengestellt.

Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein … sondern alles liegt an Zeit und Glück.
Prediger 9,11; Judit 9,15; Tobias 13,11

Nein, liebe Fußballer, dieser Tipp bedeutet natürlich nicht, dass ihr nicht schnell laufen oder den Gegnern keine starken Kämpfe liefern sollt. Gemeint ist: Ohne eine gehörige Portion Glück hilft auch schnelles Laufen und hartes Kämpfen nicht. Diese Einsicht könnte auch Trost spenden, wenn’s mal trotz größter Anstrengung nicht geklappt hat. Helfen wird in jedem Fall ein Gebet vor dem Spiel – zum Beispiel mit den Worten der mutigen Witwe Judit: »Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu.« Und wenn das Glück hold und die Punkte sicher sind, empfiehlt sich ein Dankgebet: »Danke dem Herrn für dein Glück und preise den ewigen Gott.«

Verschont nicht ihre junge Mannschaft …
Jeremia 51,3; Lukas 6,27

Wer Gott auf seiner Seite weiß, kann sich gewiss sein: Er wird helfen, den Gegner zu besiegen. Zum Beispiel damals, zu Zeiten des Propheten Jeremia: Die fremde Macht Babel bedrohte Israel und hätte das kleine Land besiegen können. Gott springt seinem Volk zur Seite und schickt »Verderben bringenden Wind« (der im Falle eines Fußballspiels den Torball über die Latte wehen könnte). Danach scheint Gott die Gegner in eine Art Starre zu versetzen, denn es heißt: »Ihre Schützen sollen nicht schießen.« Am Ende folgt der himmlische Ratschlag, rücksichtslos gegen die gegnerische Elf vorzugehen. Wer diesen Tipp zu radikal umsetzen möchte, sei jedoch an Jesu ­Gebot der Feindesliebe erinnert und wäge ab: »Liebt eure Feinde!«

Einer empfängt den Siegespreis. Lauft so, dass ihr ihn erlangt!
1. Korinther 9,24; 2. Timotheus 4,7; Philipper 3,14

Es gab eine Zeit, auch in der kirchlichen Pädagogik, in der wurden für Kinder »Spiele ohne Sieger« vorgeschlagen. Spielen um des Spielens Willen war Ziel, damit niemand am Ende als Verlierer traurig ist und sich kein Sieger auf die stolz geschwellte Brust schlagen kann. Die Fußballer der Weltmeisterschaftsmannschaften haben hoffentlich anderes im Sinn: den WM-Pokal. Es geht nicht um den zweiten Platz, erst recht nicht um den dritten und vierten – es geht um den Siegespreis. Ist der empfangen, kann die Siegermannschaft wiederum mit den Worten des Apostels ­Paulus sagen: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet.« Und nach der WM hat jeder Zeit, über den Siegespreis nachzusinnen, den Paulus eigentlich meint: »Jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.«

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, … dass sie laufen und nicht matt werden.
Jesaja 40,31

Neunzig Minuten, dazu womöglich noch eine Nachspielzeit und gar Elfmeterschießen: Das kann ganz schön an den Muskeln zerren und an den Energiereserven zehren. Massagen sind auf dem Platz nicht möglich. Ein Gebet schon. Denn die Verheißung des Propheten ­Jesaja gilt für alle Zeiten und alle Lebenslagen: Wer an die Hilfe Gottes glaubt, wird neue Kraft schöpfen und nicht ­laufmüde werden.

Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren.
Psalm 118,11; Habakuk 1,9

Vor dieser schwierigen Situation werden viele Spieler nicht bewahrt bleiben in den kommenden Wochen: Da stürmen drei oder vier Gegner mit dem Ball zum Tor, und der Verteidiger, allein auf weiter Flur, muss die Angreifer stoppen. Vielleicht kommt ihm ein Spruch des Propheten Habakuk in den Sinn und verstärkt die Angst: »Sie kommen allesamt, um Schaden zu tun; wo sie hinwollen, stürmen sie vorwärts.« Keine Chance? Doch, die gibt’s immer. Vor allem mit dem Bewusstsein, dass Gott im Spiel ist. Denn im Namen des Herrn lässt sich ­jeder Angriff parieren. Das wusste schon der Psalmist.

Die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen.
Sacharja 8,5

Fußballweltmeisterschaft in Südafrika – das bedeutet viel mehr als die offiziellen Spiele. Auch die südafrikanischen Kinder sind im Bann des Balles, träumen ­davon, einst vor großem Publikum auf dem grünen Rasen zu spielen. Die WM bedeutet Hoffnung für das ganze Land, besonders für die jungen Menschen am unteren Zipfel des armen Kontinents. Das sollten sich auch die Profi-Fußballer immer wieder ins Gedächtnis rufen und abseits ihrer Hotels und Spielstätten zu den Menschen vor Ort gehen. Dort können sie besonders den Kindern gute Vorbilder sein und ihnen Mut machen auf dem Weg in die Welt des Profifußballs.

Viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor.
Richter 9,40; 2. Mose 20,13

Nein, alle Tipps der Bibel sollten die Fußballer nicht befolgen. Man kann eben nicht alle Sätze herausnehmen und auf eine völlig andere Situation anwenden. Denn erstens ist im Richterbuch mit »Tor« nicht ein Fußball-, sondern ein Stadttor gemeint. Und zweitens wiegt das Gebot »Du sollst nicht töten« immer schwerer als gegenteilige Äußerungen der Bibel. Wehe, da liegt jemand erschlagen vor dem Tor! Also, liebe Spieler: In euren Spielen geht es nicht um Leben und Tod, sondern um die Ehre und um einen Pokal. Nicht um mehr – aber auch nicht um weniger. Deswegen sind Schiedsrichter unerlässlich und grüne und rote Karten eine segensreiche Erfindung.

Von Uwe Birnstein

Der Autor Uwe Birnstein, geboren 1962, ist evangelischer Theologe und arbeitet als freischaffender Journalist für Print, Hörfunk und Fernsehen.

Buchtipp:
Birnstein, Uwe: Das Beste aus der Bibel, Echter-Verlag 2010, 224 Seiten, ISBN 978-3-429-03211-1, 12 Euro
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