Frauen der Reformationszeit: Katharina von Bora – Luthers »Herr Käthe«

15. Oktober 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Energisch schreitet sie – in Bronze gegossen – im Hof des Lutherhauses zu Wittenberg daher, Katharina von Bora, Luthers »Herr Käthe«. Kaum zu glauben, dass sie kurz zuvor noch eine stille, zurückgezogene Nonne war. Doch hier im Schwarzen Kloster, an Luthers Seite, füllte sie ihren mutig erkämpften Platz in der Welt souverän aus.

Statue von Katharina von Bora vor dem Lutherhaus in ­Wittenberg. (Foto: epd-bild)

Statue von Katharina von Bora vor dem Lutherhaus in ­Wittenberg. (Foto: epd-bild)

Katharina von Bora wurde am 29. Januar 1499 geboren. Ihre Eltern kamen aus mitteldeutschen Adelsfamilien, waren aber kaum vermögend, sodass die Familie später ihr Gut aufgeben musste; ein Verlust, der gern bemüht wird, um das Streben der Lutherin nach Grundbesitz zu erklären.

1505 kam sie in das Benediktiner-Kloster nach Brehna. 1508/09 wurde sie dem Kloster Marienthron zu Nimb­schen übergeben. Im Kloster lernte Katharina Lesen, Schreiben, Singen, etwas Latein, Hauswirtschaft u. a. Dinge. 1515 leistete sie das Gelübde als Braut Christi und trug nun die weiße Kutte mit dem schwarzen Schleier der Zisterzienserinnen. Dann aber kam Martin Luther und verkündete Dinge, die sie nie zu denken gewagt hätte. Ostern 1523 floh sie mit elf weiteren Nonnen aus dem Kloster und nahm ihr Schicksal in die eigene Hand.

Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie den Nürnberger Patriziersohn Hieronymus Baumgartner geheiratet, ihre erste Liebe. Doch die Ehe kam nicht zustande. Die stolze und eigenwillige Adlige war schwer unter die Haube zu bringen. Als sie den von Luther vorgeschlagenen ­Kaspar Glatz ablehnte, weil sie »keine Lust und Neigung zu ihm« habe, schimpfte Luther: »Welcher Teufel will sie denn haben!« Doch sie erwählte gerade ihn, er erbarmte sich der »übrig gebliebenen« Nonne und musste bekennen: »Käthe ist das Beste, was mir Gott schenken konnte!«

Glaubt man den Tischreden, so entsprach Käthe ganz und gar nicht dem Frauenbild des Reformators, wird ihm doch nachgesagt, er hätte etwas gegen kluge und wortgewandte Frauen: »Es ist kein Rock, der einer Frau oder Jungfrau so übel ansteht, als wenn sie klug sein will.« Katharina aber war klug, wortgewandt und resolut, selbst wenn sie ihrem Mann in Gesellschaft den nötigen Respekt zollte. In ihrem Hause aber war sie die Herrin, in ihrer Ehe war sie die Stärkere. Sie richtete ihren oft depressiven Mann wieder auf und pflegte ihn aufopferungsvoll, wenn er krank war. Zudem ruhte die ganze Last des Haushalts auf ihren Schultern, für den Luther so gar keinen Sinn hatte.

Die Familie lebte im Schwarzen Kloster, das Kurfürst Johann der Beständige Luther 1532 schenkte. Katharina hatte die Umgestaltung des Klosters zum Wohnhaus geleitet, einen Gemüse- und Obstgarten angelegt, Ställe bauen lassen. Sie war Gärtnerin, Bäuerin und Wirtschafterin, Bierbrauerin und Imkerin, bewirtschaftete Pachtland vor den Toren Wittenbergs und den Familienbesitz der Boras, Gut Zülsdorf, das ihr Luther 1540 geschenkt hatte. Einfach war das Leben für Katharina nicht. Die tägliche Arbeit wurde nur durch die Geburten ihrer Kinder unterbrochen, bei denen ihr Gatte mit ihr litt und überaus besorgt um sie war, auch wenn er unwissend noch 1522 verkündet hatte, schwangere Frauen sollten »ihre höchste Kraft und Macht daran stecken, dass das Kind ­genese, ob sie gleich darüber sterben.« Katharina brachte sechs Kinder zur Welt, die Stammmutter der Lutheriden.

Neben ihrer eigenen Familie hatte sie für zahlreiche Verwandte, darunter Kinder von ­Luthers verstorbenen Geschwistern, zu sorgen. Dazu kamen Studenten, Gäste, Durchreisende, Kranke und Waisen, die stets herzlich willkommen waren. Oft mangelte es bei Luthers an Bargeld. An diesem Zustand änderte sich zeitlebens kaum ­etwas, obgleich Luther nicht schlecht verdiente und Käthe hervorragend wirtschaftete.

Aus der anfänglichen Vernunftehe zwischen Luther und seiner Käthe wurde über die Zeit eine innige Liebesbeziehung, wie u. a. Anreden wie »mein Liebchen«, »meine herzliebe Käthe« oder der Gruß »dein Herzliebchen« bekunden. Mit seinem Letzten Willen aber brachte Luther seine Frau in große Schwierigkeiten. In seiner Abneigung gegen Juristen hatte er sein Testament selbst erstellt und ­Katharina zum Vormund ihrer Kinder und zur Alleinverwaltung des Besitzes ­bestimmt. Doch das Testament wurde nicht anerkannt; nach sächsischem Recht wurde der Witwe und ihren Kindern ein Vormund bestimmt. Katharina wäre jedoch nicht Katharina, hätte sie sich gefügt. In zähen Verhandlungen erreichte sie schließlich die Anerkennung des ­Testaments.

Nach Luthers Tod wurde es still um sie. Als 1552 in Wittenberg die Pest ausbrach, floh Katharina nach Torgau, wo sie am 20. Dezember starb. In der Torgauer Stadtkirche, der Grabstätte des kursächsischen Hofes, ist sie begraben.

Als flüchtige und mittellose Nonne reiste sie in Wittenberg ein. Am Ende war sie die Frau mit dem größten Grundbesitz in der Stadt. Sie war die einzige Gelehrtenfrau Wittenbergs, die von Cranach ­gemalt wurde, sie war eine ganz außer­gewöhnliche Frau – und ist doch im ­Gedächtnis der Nachwelt vor allem die »Lutherin«, die Frau an Luthers Seite.

Sylvia Weigelt

Die Autorin ist Historikerin mit Schwerpunkt für europäisches Mittelalter.