Paradies mit Schattenseiten

4. März 2015 von Gemeinsame Redaktion  
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Vorgestellt: Beim Weltgebetstag der Frauen am 6. März stehen in diesem Jahr die Bahamas im Blickpunkt

Klares Wasser, Traumstrände, Korallenriffe: Die Bahamas gelten als Urlaubsparadies. Doch auch Vergewaltigungen, Teenager-Schwangerschaften und Aids prägen den Alltag im karibischen Inselstaat.

Sie schwärmt von der wunderschönen Natur, den unzähligen Sonnenstunden und der Herzlichkeit ihrer Landsleute. Dass ihre Heimat, die Bahamas, sechs Millionen Touristen im Jahr anlocken, wundert die quirlige Ordensschwester Annie Thompson deshalb nicht. Obwohl die Bahamaer sich das diesjährige Motto «Begreift ihr meineLiebe?» nicht aussuchen konnten, findet die Benediktinerin es sehr passend: »Gott hat es mit den Menschen aus den Bahamas sehr gut gemeint. Wir sind ein kleines, aber gesegnetes Land. Und oft vergessen wir das.«

Die Bahamas sind das reichste karibische Land. Auf Bildung wird sehr viel Wert gelegt: 95 Prozent aller Inselbewohner können lesen und schreiben.Doch es gibt auch Schattenseiten, von denen das Mitglied des Bahamaischen Weltgebetstagkomitees erzählt: Die Bahamas sind wirtschaftlich extrem abhängig vom Ausland und vom Tourismus. Nicht nur für die schönen Strände, auch für illegale Finanz-Transaktionen und Drogenhandel ist das Land bekannt. Immer mehr Flüchtlinge aus Haiti kommen mit Schleusern übers Meer auf die Bahamas, wo sie oft alles andere als willkommen sind.

Teenager als Mütter: In kaum einem anderen Land der Welt haben junge Mädchen so früh Sex wie auf den Bahamas. Jede vierte Mutter ist jünger als 18 Jahre. Vielfach werden junge Mädchen auch Opfer von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Foto: Weltgebetstag/F. Marquardt

Teenager als Mütter: In kaum einem anderen Land der Welt haben junge Mädchen so früh Sex wie auf den Bahamas. Jede vierte Mutter ist jünger als 18 Jahre. Vielfach werden junge Mädchen auch Opfer von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Foto: Weltgebetstag/F. Marquardt

Außerdem ist HIV und Aids ein großes Problem, geschätzte drei Prozent der 15- bis 49-Jährigen seien mit dem Virus infiziert. In der Hauptstadt der Bahamas, in Nassau, setzte sich die 73-Jährige Ordenschwester viele Jahre beruflich als Lehrerin und Schulleiterin für benachteiligte Kinder ein. Besonders am Herzen liegen ihr die schwangeren, minderjährigen Mädchen. »Etwa jede vierte Mutter auf den Bahamas ist jünger als 18 Jahre, viele wurden wegen Vergewaltigung, Inzest, oder einer sehr frühen sexuellen Beziehung schwanger.« Die Bahamas weisen eine der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit auf, häusliche Gewalt ist an der Tagesordnung.

In Nassau steht die Benediktinerin einem Konvent von elf Nonnen vor. Thompson schätzt am Weltgebetstag, dass er eine überkonfessionelle Bewegung ist. »Viele Menschen auf den Bahamas sind sehr gläubig, es gibt viele verschiedene Kirchen«, sagt die Ordensschwester. Über 90 Prozent der Bevölkerung auf dem karibischen Inselstaat gehören einer Kirche an, die größten Kirchen sind die protestantische, römisch-katholische und anglikanische.

»Auch ich wuchs in einer ökumenischen Atmosphäre auf«, erinnert sich Schwester Annie mit einem versonnenen Lächeln. »Ich selbst war Methodistin, aber wir wohnten als Familie direkt neben einer Baptistenkirche. Deshalb kenne ich die Hymnen der Baptisten von Kindheit auf und liebe sie bis heute. Als ich neun Jahre alt war, konvertierte mein Vater und damit unsere ganze Familie zum Katholizismus.« Doch egal, welche Konfession: Gospelmusik ist bei der schwarzen Bevölkerung der Bahamas sehr beliebt, sagt
Thompson.

Auf den Bahamas selbst ist der Weltgebetstag hauptsächlich in der Hauptstadt Nassau und Umgebung bekannt, aber die bahamaischen Frauen des Komitees versuchen ihn auch auf den anderen Inseln bekannt zu machen. Doch das ist nicht so einfach und auch nicht billig, wenn man nur mit dem Flugzeug oder einem Schiff zu den anderen Inseln kommt.

Judith Kubitscheck (epd)

www.weltgebetstag.de

Das Stichwort: Bahamas
Die Bahamas bestehen aus rund 700 Inseln, von denen 30 bewohnt sind. Der Inselstaat, zu dem rund 2 400 Korallenriffe gehören, liegt im Atlantik und ist Teil der Westindischen Inseln in der Karibik. Die Hauptinseln sind New Providence und Grand Bahama, in denen rund 250 000 der insgesamt etwa 370 000 Einwohner leben. Etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört den Baptisten an, 20 Prozent der Anglikanischen Kirche und 19 Prozent sind Katholiken. Ebenfalls vertreten sind die Methodisten und die Church of God mit etwa sechs Prozent sowie weitere protestantische Kirchen.

Die ehemalige britische Kolonie ist seit 1973 unabhängig als Parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth. An der Spitze steht die britische Königin Elizabeth II.