Bei Bachs Nachbarn

26. März 2010 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Kultur

Comments Off

Museum zu Leben und Wirken Johann Sebastian Bachs in Leipzig wieder eröffnet

Tonröhre: Aus raumhohen Rohren ertönt bei Berührung Orgelklang - ein Teil der vielfältigen Klanginstallationen im neueröffneten Museum. Foto: Bachmuseum

Tonröhre: Aus raumhohen Rohren ertönt bei Berührung Orgelklang - ein Teil der vielfältigen Klanginstallationen im neueröffneten Museum. Foto: Bachmuseum

Der Besucher ist zwar nicht bei Johann Sebastian Bach zu Hause. Der große Komponist und Thomaskantor ist aber dennoch allgegenwärtig – im Haus seiner damaligen Nachbarn. Im Leipziger Bosehaus, benannt nach dem Eigentümer und Bach-Freund Georg Heinrich Bose, ist seit 1985 das Bach-Museum der Stadt beheimatet. Nach zweijähriger Bauzeit, in der bei den Nachbarn angebaut wurde, wurde es am Sonnabend, den 20. März wieder eröffnet.

Das Museum habe dort den richtigen Platz, sagt Museumsleiterin Kerstin Wiese. Bachs seien oft zu Gast bei den Boses gewesen. Anna Magdalena, die zweite Frau Bachs plauschte hier mit ihrer »Herzensfreundin«, die Männer mögen gemütlich im barocken Lustgarten gesessen haben.

Nun hat das Haus zwei klimatisierte Räume erhalten. Dort sollen originale Handschriften Bachs aus dem eigenen Archiv sowie Sonderausstellungen mit Leihgaben aus der Berliner Staatsbibliothek gezeigt werden, erklärt Wiese. Sie sind neben neu entdeckten Exponaten die Höhepunkte des neuen Museums.

Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), dessen 325. Geburtstag am 21. März gefeiert wurde, wohnte selbst in der Thomasschule gegenüber dem Bosehaus. Das Gebäude an der Thomaskirche steht heute nicht mehr. Trotzdem bekommt der Besucher im neuen Bach-Museum eine Vorstellung von der Nachbarschaft im alten Leipzig. Der Raum, in dem es um das Privatleben des Musikers geht, schaut durch ein Fenster direkt dorthin, wo Bach wohnte. Das Bachsche Privat­leben war dabei durchaus turbulent mit gelegentlichen Dramen, erzählt Wiese. 20 Kinder brachten die beiden Frauen Bachs insgesamt zur Welt. Nur zehn davon überlebten allerdings das Kindesalter. Und nicht alle machten Bach nur Freude.

Johann Gottfried Bernhard – dritter Sohn Bachs und seiner ersten Frau Maria Barbara – zum Beispiel trat als Thomasschüler und begabter Musiker zunächst offenbar in die Fußstapfen der Familie Bach, in der seit jeher Musiker zu finden waren. Dann aber machte der Jugendliche Schulden und verließ Hals über Kopf die Stadt. Die Gläubiger klingelten beim Thomaskantor, dessen aufgebrachte Briefe nun im Museum zu sehen sind. Erst viel später erfuhr der Vater, dass sein Sohn inzwischen ein Jura-Studium in Jena begonnen hatte.

Das Leipziger Museum setzt sich vor allem aber mit dem musikalischen Schaffen Johann Sebastian Bachs auseinander, auf den ein Großteil geistlicher Kantaten, Oratorien oder der gerade jetzt vielfach aufgeführten Passionsmusiken zurückgeht. Dabei widmet sich je ein Raum einer Facette des vielseitigen Künstlers: dem Organisten Bach, dem Hofmusiker Bach, dem Komponisten und Kantor Bach.
Bachs Leipziger Zeit gilt als seine produktivste und nachhaltigste. Diesem Lebensabschnitt ist deswegen auch der größte Raum gewidmet. Auf einem auf den Boden gedruckten Stadtplan wandelt der Besucher in Gassen und auf Plätzen durch den Alltag des Komponisten und klickt sich an den entsprechenden Stationen auf kleinen Bildschirmen durch historische Ansichten und Informationen zur Bedeutung der Orte im Komponistenleben.

Neben dem als Dauerleihgabe ausgestellten Spieltisch der Orgel der alten Leipziger Johanniskirche, die Bach auf ihren Klang geprüft haben soll, und einer neu entdeckten Geldkassette der Familie Bach gehören mehrere Autographe zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Augenfällig in allen Räumen des Museums sind die zahlreichen Kopfhörer. Die Hörstationen sollen dem Besucher an Bachs Karriere entlang einen Eindruck seiner musikalischen Entwicklung geben, erläutert Museumsleiterin Wiese. Der Besucher lauscht an raumhohen Metallrohren, die durch Berühren Orgelmusik von sich geben. Im abgegrenzten Hörkabinett kann sogar das gesamte Werk des Komponisten abgerufen werden, erklärt Wiese.

Corinna Buschow (epd)