Die Zeit – unbegreiflich
9. Juli 2010 von Gemeinsame Redaktion
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Sonderpräsentation im Besucherzentrum »Arche Nebra«
Am Eingang der Ausstellung steht die berühmte Antwort des bedeutenden Kirchenlehrers und Philosophen Augustinus auf die Frage »Was ist Zeit?«: »Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es jemand auf seine Frage hin erklären will, weiß ich es nicht.«Schon immer wurde Zeitmessung in den verschiedenen Kulturen betrieben, auf unterschiedliche Weise, aber meistens nach astronomischen Maßstäben, z. B. mit dem Sonnenobservatorium in Goseck in der Jungsteinzeit, der Himmelsscheibe von Nebra in der frühen Bronzezeit und später mit Sonnenuhren, Sanduhren, mechanischen Uhren bis hin zur Atomuhr.
Die aktuelle Sonderpräsentation »Von Zeit zu Zeit – Allgegenwärtig und unbegreifbar« im Besucherzentrum Arche Nebra zeigt solche unterschiedlichen Methoden mit historischen Originalobjekten, die von Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden.
Neben einem Astrolabium aus dem 13./14. Jahrhundert, einem Sextanten oder einer Kanzeluhr aus dem Jahr 1716 ist die »Mittagskanone« (1750) eine besondere Kuriosität: Schlag 12 Uhr löst sich hier, entzündet durch die Sonne, ein kleiner Schuss und lädt zum Mittag ein …
Die Präsentation regt an zum Nachdenken über Zeit: Was sie sein könnte und wie wir sie wahrnehmen. Dabei werden auch philosophische und physikalische Zusammenhänge beleuchtet, wie etwa Albert Einsteins Relativitätstheorie, die Theorie vom Urknall, die Entstehung der Zeitzonen der Erde sowie die Zeitrechnung unterschiedlicher Kulturen.
Das subjektive Zeitempfinden wird auf ganz andere Weise dargestellt, ein großformatiges Buch zeigt mit witzigen Karikaturen, was in einer bestimmten Zeitspanne so alles passieren kann: Wie lange braucht etwa das Herz, um das Blut durch den gesamten Kreislauf zu pumpen? Wie lange träumen wir nachts? Oder: Wie lautet der Weltrekord im statischen Apnoetauchen?
»Vielen Besuchern wird in der Präsentation bewusst: Obwohl wir alle ganz selbstverständlich jede Minute unseres Lebens in der Zeit verbringen, erscheint uns das Phänomen ›Zeit‹ bei näherer Betrachtung unbegreiflich. Darum freuen sich die Gäste vor allem darüber, dass es in der Präsentation so viele Stationen zum ›Begreifen‹ im wahrsten Sinne des Wortes gibt: nämlich Stationen zum Anfassen, an denen man mit dem eigenen Zeitempfinden, mit der Zeit auf dem Mond oder mit dem Zeitverständnis anderer Kulturen experimentieren kann«, so Bettina Pfaff, Geschäftsführerin des Erlebniszentrums.
Sibylle Kölmel
Das Besucherzentrum Arche Nebra ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das betrifft auch den Aussichtsturm auf dem Mittelberg. Regelmäßig verkehrt ein Shuttlebus zwischen dem Bahnhaltepunkt Wangen, dem Parkplatz der Arche Nebra, dem Besucherzentrum und dem Mittelberg.

