Popmusik fürs Kirchenvolk

11. September 2016 von Gemeinsame Redaktion  
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»Oh happy day«: Am Wochenende treffen sich Gospelchöre aus ganz Deutschland in Braunschweig zum 8. Internationalen Gospelkirchentag, initiiert von der Creativen Kirche in Witten. Die »Singende Gemeinde« aus dem Ruhrgebiet hat auch für das Reformationsjahr 2017 Großes geplant.

Stellen Sie sich das mal vor«, jubelt Christian Gerhardus geradezu am Telefon, »für das Luther-Pop-Oratorium Ende Oktober 2017 in Berlin haben sich schon 1 200 Sänger angemeldet, obwohl die Werbung dafür noch gar nicht gestartet ist.« Gerhardus gehört zur Stiftung Creative Kirche in Witten, die »das Projekt der tausend Stimmen« organisiert. Berlin soll der krönende Abschluss werden. Acht Städte, zehn Aufführungen in den größten Hallen und eine vor der Schlosskirche in Wittenberg sind für das kommende Jahr geplant.

Musik der guten Nachricht: Das Evangelium steht im Mittelpunkt von Gospel. Wer einmal ein Gospelkonzert oder einen Gospel- gottesdienst miterlebt hat, weiß, wie expressiv und mit welchem Enthusiasmus Hoffnung und Dankbarkeit ausgedrückt werden. So auch bei diesen jungen Frauen beim Gospelkirchentag vor vier Jahren. Foto: Stiftung Creative Kirche

Musik der guten Nachricht: Das Evangelium steht im Mittelpunkt von Gospel. Wer einmal ein Gospelkonzert oder einen Gospel- gottesdienst miterlebt hat, weiß, wie expressiv und mit welchem Enthusiasmus Hoffnung und Dankbarkeit ausgedrückt werden. So auch bei diesen jungen Frauen beim Gospelkirchentag vor vier Jahren. Foto: Stiftung Creative Kirche

Bei der Creativen Kirche hat man Erfahrung mit musikalischen Großereignissen. Seit über 20 Jahren exportieren die »Creas« die Vision der »singenden Gemeinde«. Musikprojekte, Kinderbibelmusicals, Workshops, Chortage, Gottesdienste in neuer Form, die mit Popmusik Kinder, Jugendliche und Erwachsene berühren sollen. Was 1993 mit einer Idee der Diakone Ralf Rathmann und Martin Bartelworth begann, ist heute ein kleines Musikunternehmen im Ruhrgebiet, zu dem 22 Angestellte und viele Ehrenamtliche gehören.

Seit 2002 veranstaltet die Creative Kirche regelmäßig alle zwei Jahre den Gospelkirchentag an wechselnden Orten. Der 8. Internationale Gospelkirchentag ist diesmal in Braunschweig zu Gast. »Wir wollten einen Begegnungsraum und ein Forum für die vielen Gospelchöre schaffen«, erklärt Martin Bartelworth, der heute zusammen mit Ralf Rathmann Vorstand der Stiftung Creative Kirche ist.

Dass die Gospelchöre Unterstützung brauchen, wurde spätestens nach einer Befragung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD deutlich: 40 Prozent der Chorleiter gaben an, ohne Ausbildung, also Autodidakten zu sein. »Das war die Geburtsstunde der Evangelischen Popakademie«, so Bartelworth.

Im Herbst beginnt in Witten ein Studiengang, der speziell populär-musikalisch geprägt ist. »Wir wollen Glaube und Kirche attraktiv machen mit der Lebenskultur, mit der wir groß geworden sind. Das ist für uns die Popularmusik«, beschreibt er die Intention. Deshalb soll jetzt in Qualifizierung und Bildung investiert werden. Die Popakademie versteht er dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur klassischen Kirchenmusik.

Ein »blühendes Kreuz« als Symbol für die Auferstehung (re.) schmückte die Bühne. Fotos: Stiftung Creative Kirche

Ein »blühendes Kreuz« als Symbol für die Auferstehung (re.) schmückte die Bühne. Foto: Stiftung Creative Kirche

Vor sechs Jahren startete mit dem Pop-Oratorium »Die 10 Gebote« von Dieter Falk und Michael Kunze ein weiteres Projekt. In Zeiten, in denen Kirchenchöre Nachwuchssorgen plagen, gelang es, allein für die Uraufführung in der Dortmunder Westfalenhalle 2 500 ehrenamtliche Sänger zu gewinnen. Die Mischung aus Musical und Gospelkonzert kam an. Das soll im kommenden Jahr mit »Luther« noch getoppt werden.

Dass Projektchöre entstehen und wieder in der Versenkung verschwinden, findet Bartelworth nicht schlimm. »Jeder kann mitmachen und etwas Einmaliges erleben. Komm wie du bist, du bist willkommen, sagt Jesus«, und so laute auch das Credo der Creativen Kirche. Das sei zutiefst lutherisch, meint Bartelworth. Luther komponierte damals keine Klassik, sondern »Volks-Pop«. Der Diakon unterstreicht: »Es ging und geht um die frohe Botschaft des Evangeliums und um ihren auch musikalischen Sitz im Leben.«

Da gehörten die Choräle der alten Meister in neuen Arrangements genauso dazu wie Gospels, Worship und andere Stile.

Mit bis zu 5 000 Beteiligten zählt der Gospelkirchentag zu den größten Sängerfesten im Lande. Aber die Masse sei nicht entscheidend, meint Bartelworth. Es gehe vielmehr darum, dass Menschen gemeinsam Gottesdienst feiern – nach dem Motto, mit dem Besucher in den Räumen der Creativen Kirche in Witten empfangen werden: »Glauben singen. Glauben leben«. Kirche so zu gestalten, dass man guten Gewissens auch andere dazu einladen kann, sei das Ziel – im Kleinen wie im Großen.

Willi Wild

www.gospelkirchentag.de


www.creative-kirche.de


www.luther-oratorium.de


www.gospel.de