Die andere Seite Chinas

13. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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Übung macht den Meister: Gemeinsam mit freiwilligen Helfern aus Deutschland lernen Kinder im Süden Chinas die Grundregeln der Hygiene. Zahnbürsten und -creme sowie Seife und Handtücher werden in China selbst gesammelt. (Foto: baumhaus-projekt.de)

Übung macht den Meister: Gemeinsam mit freiwilligen Helfern aus Deutschland lernen Kinder im Süden Chinas die Grundregeln der Hygiene. Zahnbürsten und -creme sowie Seife und Handtücher werden in China selbst gesammelt. (Foto: baumhaus-projekt.de)


Deutsche Freiwillige versuchen im Reich der Mitte, Nothilfe im eigenen Land zu organisieren.


Chinas Wirtschaftswachstum ist verblüffend. Doch die Entwicklung verläuft asynchron: Neben florierenden Großstädten und Regionen mit stetig steigendem ­Lebensstandard gibt es ­Gebiete mit bitterer Armut.

Neben den pulsierenden Großstädten wie Peking oder Schanghai hat China auch eine andere Seite zu bieten: Die kargen Ebenen der sibirischen Steppe, die Unendlichkeit der Wüste Gobi und die tropische Schönheit der Flusstäler Yunnans. Yunnan ist eine der ärmsten Provinzen Chinas. Sie liegt ganz im Süden, angrenzend an Vietnam, Laos und Myanmar. Den meisten Europäern ist die Region aufgrund des Teeanbaus bekannt. In China selbst jedoch ist Yunnan ein Symbol für kulturelle Vielfalt, aber auch für bittere Armut.

Die meisten Menschen außerhalb der Großstädte leben traditionell wie ihre Urahnen. In den Bergen spricht kaum jemand Hochchinesisch und fließendes Wasser gibt es aus Bächen ein paar Hundert Meter weiter unten; zu erreichen nur über schmale Pfade an den Berghängen entlang. Das Bergwasser wirkt sauber und klar, ist aber häufig durch Fäkalien oder Abfälle verseucht. Besonders die Kinder leiden darunter: Viele von ihnen haben krätzeähnlichen Ausschlag.

Ein weiterer Grund für schlechte Hygiene ist die fehlende Bildung. Kinder der armen Bevölkerungsschicht bekommen, wenn überhaupt, nur eine grundlegende Schulbildung. Ihre Familien können das Schulgeld für eine weiterführende Schule nicht aufbringen und brauchen zudem die ­Kinder als Hilfe bei der Feldarbeit.

Auf den Straßen der Kleinstädte ­Yunnans sieht man viele Kinder im Grundschulalter, die zur Unterstützung der Familie Müll sammeln.

In der Region Nujiang, der auto­nomen Region der Lisu-Minderheit, wurden daher einige Projekte ins ­Leben gerufen, um die Lage der ­Menschen, vor allem jedoch der Kinder zu verbessern: Because They Are Children (»Weil sie Kinder sind«) ist ein von deutschen Freiwilligen initiiertes Patenschaftsprogramm der Peter Jochimsen Stiftung. Dabei werden sowohl chinesische als auch ausländische Paten für Kinder aus armen Verhältnissen gesucht.

Es geht in erster Linie um den Kontakt zwischen Pate und Kind. E-Mail beziehungsweise Briefkontakt ist erwünscht und wird von den Freiwilligen vor Ort angeregt und unterstützt. Sie besuchen auch in regelmäßigen Abständen alle Patenkinder. Dabei wird überprüft, was diese wirklich benötigen. So ist es den Paten möglich, zweckgebundene Spenden für die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder zu geben, ihm etwa auch den Besuch weiterführender Schulen zu ermöglichen.


Hilfe durch Zahnbürsten und gebrauchte Kleidung


Weil in der kurzen Grundschulzeit nur das Allernötigste vermittelt wird, kommen Themen wie etwa Erziehung zur Hygiene nicht vor. Ein anderes Projekt der Freiwilligen aus ganz Deutschland hat sich deshalb des ­Hygienenotstandes angenommen.

In Zusammenarbeit mit dem wohlhabenderen Teil der einheimischen ­Bevölkerung sowie kleinstädtischen Supermärkten und Hotels werden Zahnbürsten, Zahnpasta, Seife und Handtücher gesammelt. Diese Artikel werden dann in den Grundschulen der Bergregion verteilt. Und natürlich wird dabei erklärt, wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen und die Zähne zu putzen.

Da praktisches Beispiel die beste Form der Vermittlung ist, üben die deutschen Freiwilligen gemeinsam mit den einheimischen Kindern den richtigen Gebrauch von Zahnbürste und Zahncreme. Unterstützend werden Plakate mit Bildern und Erläuterungen in den Schulen ausgehängt.

Ein weiteres Projekt nimmt sich des Kleidermangels der armen Bevölkerung an. Auch wenn das Klima in den Tälern Yunnans tropisch ist – die Winter in den Höhenlagen der Bergbewohner sind streng. Die Schüler in den Bergschulen, aber auch in den ­Internaten der Städte haben in der ­Regel nur eine dünne Decke zum Schlafen, eine Hose, ein Hemd und ein rotes Halstuch. Deswegen haben die Freiwilligen in Yunnan gemeinsam mit Freiwilligen in der Großstadt Tsingtau an der Ostküste Chinas ein Kleiderprojekt ins Leben gerufen.

Auf öffentlichen Plätzen der wohlhabenden Hafenstadt, die zu den wirtschaftlichen Wachstumsregionen gehört, werden Kleidersammlungen ­durch­geführt. Die gesammelten Kleidungsstücke werden gewaschen und dann in den Schulen der abgelegenen Dörfer verteilt. Ein Gemeinschaftsprojekt von Chinesen und Deutschen, das schon deutlich zu einer Verbesserung der Situation beigetragen hat.

Mechthild Sasse

Mechthild Sasse stammt aus Leipzig und war nach dem Abitur ein Jahr lang im ­Rahmen des »weltwärts«-Programms der Bundesregierung in China.