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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Kultur</title>
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		<title>Leben in der Unterwelt</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 07:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[In Darkness]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Schmidtz Katze Filmkollektiv]]></category>

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		<description><![CDATA[»In Darkness« erzählt die Geschichte vom Überlebenskampf einer Gruppe Juden in der Kanalisation
In der von Nazis besetzten polnischen Stadt Lvov (Lemberg) herrscht 1943 Armut. Die Schwachen plündern die Schwächeren, die Armen bestehlen die, die noch weniger haben. Juden werden auf der Straße exekutiert, die Nazis räumen die Ghettos. Leopold Socha, ein polnischer Kanalarbeiter und Gelegenheitsdieb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»In Darkness« erzählt die Geschichte vom Überlebenskampf einer Gruppe Juden in der Kanalisation</strong></p>
<p>In der von Nazis besetzten polnischen Stadt Lvov (Lemberg) herrscht 1943 Armut. Die Schwachen plündern die Schwächeren, die Armen bestehlen die, die noch weniger haben. Juden werden auf der Straße exekutiert, die Nazis räumen die Ghettos. Leopold Socha, ein polnischer Kanalarbeiter und Gelegenheitsdieb kämpft um das Überleben seiner Frau und seiner Tochter. Eines Tages entdeckt er eine Gruppe von Juden, die versucht, der bevorstehenden Auflösung des Lvov’er Ghettos durch Flucht in die Kanalisation zu entkommen.</p>
<p>Socha versteckt sie gegen Geld im Labyrinth der Kanalisation. Am 9.&#xA0;Februar kommt der Film »In Darkness&#xA0;– Eine wahre Geschichte« in die Kinos. Das Drama der polnischen Regisseurin und Drehbuchautorin Agnieszka Holland erzählt die wahre Geschichte des Polen Leopold Socha, der unter Einsatz seines eigenen Lebens und das seiner Familie während des Zweiten Weltkrieges Juden über viele Monate in der Kanalisation von Lvov Schutz gewährte. In der Realität hatten sich dort 20 Juden versteckt. Zwölf von ihnen haben es irgendwann nicht mehr ausgehalten und sind ans Tageslicht zurückgekehrt. Von ihnen hat keiner den Krieg überlebt.</p>
<div id="attachment_5241" class="wp-caption alignleft" style="width: 460px"><img class="size-full wp-image-5241" title="Kultur-06" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/02/Kultur-06.jpg" alt="Leben in der Unterwelt" width="450" height="300" /><p class="wp-caption-text">Leben in der Unterwelt</p></div>
<p>Der Film der Produzenten von Schmidtz Katze Filmkollektiv aus Halle und Berlin ist für den Oscar nominiert.</p>
<p>Die Geschichte wird in den Originalsprachen Polnisch, Deutsch, Jiddisch und Ukrainisch erzählt. Benno Fürmann spielt den Juden Mundek Margulies, der in der Kanalisation die große Liebe findet. Maria Schrader und Herbert Knaup sind das reiche Ehepaar Chiger, Eltern der ­beiden Kinder, von denen das Mädchen Krystyna als letzte noch lebende Zeugin der Geschichte heute in den USA lebt. Den Helden Leopold Socha spielt der polnische Schauspieler Robert Wiekie­wicz.</p>
<p>Das Leben für die kleine Gruppe Juden in der Unterwelt ist menschenunwürdig. Zwischen Ratten versuchen sie, sich trotzdem einen menschlichen Alltag aufzubauen und so normal wie möglich zu ­leben.</p>
<p>Der Großteil des Filmes spielt in der Kanalisation. Die Dreharbeiten dort waren nach Angaben der Protagonisten eine Herausforderung, ebenso die Imitation des Abwassersystems. Gedreht wurde in echten Abwasserkanälen von Lvov und in einer Halle am Stadtrand von Leipzig, wo aus Holz die Kanalisation samt Gullydeckeln, einströmendem Wasser und Dunkelheit nachgebaut worden war.</p>
<p>Eine Filmkritik würdigt Agnieszka ­Hollands polnischen Oscar-Beitrag »In Darkness« als ein so unprätentiöses wie unbequemes Holocaust-Drama, das zur historischen Auseinandersetzung jenseits von Allgemeinplätzen und vorschnellen Vereinfachungen einlade.</p>
<p><em>(GKZ)</em></p>
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		<title>Der neue Stradivari</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 11:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Geigenbauer]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Schleske]]></category>
		<category><![CDATA[Violinenbauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Porträt: Für Martin Schleske ist der Geigenbau ein Gleichnis für den Weg des Menschen zu Gott
Martin Schleske aus dem bayerischen Stockdorf gilt als einer der besten Geigenbauer der Gegenwart. Daneben begeistert er als Schriftsteller seine Leser.
Einst, so lautet die Legende, suchten die alten Meister ihr Tonholz, indem sie am Ufer der Gebirgsflüsse standen und auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Porträt: Für Martin Schleske ist der Geigenbau ein Gleichnis für den Weg des Menschen zu Gott</strong></p>
<p>Martin Schleske aus dem bayerischen Stockdorf gilt als einer der besten Geigenbauer der Gegenwart. Daneben begeistert er als Schriftsteller seine Leser.</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 590px"><img title="kultur0512" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/kultur0512.jpg" alt="" width="580" height="435" /><p class="wp-caption-text">Martin Schleske ist ein geschickter Handwerker und ein Mann der akribischen Wissenschaft zugleich. – Foto: privat</p></div>
<p style="text-align: left">Einst, so lautet die Legende, suchten die alten Meister ihr Tonholz, indem sie am Ufer der Gebirgsflüsse standen und auf das Aneinanderschlagen der Baumstämme hörten, die talwärts geflößt wurden. Am Klang erkannten sie, welches die wahren »Sänger« des Waldes waren. So nennen die Geigenbauer jene raren Stämme, die für die Herstellung hochwertiger Musikinstrumente geeignet sind. Bergfichte muss es sein, gewachsen im kargen Alpenboden, mit gleichmäßigen Jahrringen.</p>
<p>Das Holz soll ein geringes Gewicht, aber dennoch hohe Festigkeit haben und wie ein kleines Glöckchen klingen, wenn man an den richtigen Stellen dagegen klopft.</p>
<p>Mit dieser Anekdote beginnt Martin Schleskes Buch »Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens«. Der Instrumentenmacher mit Weltruf erläutert darin die ganze Entstehungsgeschichte einer Geige, angefangen beim Holzschlag an der Waldgrenze und endend im Konzertsaal. Er gewährt einen seltenen Einblick in eine Handwerkskunst, die schon immer eine geheimnisvolle Aura umgab, nicht erst seit für antike Violinen von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Stradivari" target="_blank">Stradivari</a> &amp; Co. Millionensummen bezahlt werden.</p>
<p>Doch nicht Schleskes Fachwissen ist es, welches das schriftstellerische Debüt zu einer herausragenden Lektüre macht. Denn wie der Untertitel schon ankündigt, geht es dem Autor um mehr. Für den tiefgläubigen Tontüftler stellt der Geigenbau ein Gleichnis für den Weg des Menschen zu Gott dar. Jeder Arbeitsschritt bekommt dabei eine symbolische Bedeutung.</p>
<p>Ähnlich wie aus dem rohen Holz in der Werkstatt ein kostbarer Klangkörper wird, ist für Schleske jeder Einzelne dazu berufen, ein Instrument Gottes zu sein. »Glück bedeutet dann, dass der Weisheit Gottes durch uns etwas Gutes geglückt ist«, heißt es in dem Buch.<br />
Diesen Prozess der Verwandlung beschreibt der 46-Jährige auf berührende und poetische Weise anhand vieler persönlicher Erfahrungen und Einsichten. Außerdem hat der Verlag ein Kalenderbuch für sieben Jahre mit dem Titel »KlangBilder. Werkstattgedanken« herausgebracht. Es enthält teilweise veränderte, teilweise neue kurze Texte von Schleske neben kunstvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der international bekannten Berliner Fotografin Donata Wenders.</p>
<p>Heute wie damals wird in den Ateliers der Violinenbauer nicht nur mit frommem Berufsethos, sondern ebenso mit unermüdlichem Forschergeist nach dem vollkommenen Klang gesucht. Während die Großen der Barockzeit schon komplizierte geometrische Formen für die Wölbungen ihrer Geigendecken entwarfen, ist inzwischen vielerorts modernste Technik mit im Spiel.</p>
<p>Das gilt auch für Martin Schleskes Werkstatt. Direkt an seinen Arbeitsraum grenzt ein kleines Akustiklabor, in dem er die Resonanzen jeder entstehenden Geige präzise misst und analysiert. Der hochgewachsene Brillenträger mit der Mütze auf dem Kopf ist ein geschickter Handwerker und ein Mann der akribischen Wissenschaft zugleich, mit abgeschlossener Zweitausbildung als Diplomphysiker.</p>
<p>Zwar werden gute Streichinstrumente bis heute ausschließlich von Hand geschnitzt und gefertigt. Doch daneben hat jeder Meister seine individuellen Tricks, um die Klangqualität zu verbessern. So gelangen beispielsweise kurzwellige Lichtstrahlen, Sauerstoffgemische oder Ozon zum Einsatz, um die Holzstruktur zu beeinflussen. Die genauen Methoden sind stets geheim.</p>
<p>Nur ein Instrument bleibt trotz aller Tüftelei in vieler Hinsicht unschlagbar, wie Martin Schleske bei seiner Tätigkeit immer wieder erkennen musste, und das ist die menschliche Stimme.</p>
<p>Als er jüngst eine Arie von Maria Callas mit einem speziellen Computerprogramm untersuchte, stellte sich heraus, dass die Operndiva in einem Vibrato bis zu zehnmal pro Sekunde die Obertöne ihres Gesangs veränderte. Dazu ist kein herkömmlicher Klangkörper der Welt fähig. Deshalb zählt es zu den wichtigsten Vorhaben von Schleskes privater Forschung, den Klangcharakter seiner Streichinstrumente immer mehr demjenigen der Stimme anzupassen. Vollständig wird Martin Schleske sein Ziel allerdings kaum je erreichen. Denn der Mensch ist eben doch aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. Und Gott ein außergewöhnlich guter Werkmeister.</p>
<p><em>Fabian Kramer</em></p>
<blockquote><p><strong>Buchtipps</strong><br />
Schleske, Martin: Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens, Kösel-Verlag, 352 S., ISBN 978-3-466-36883-9, 21,95 Euro<br />
Schleske, Martin: KlangBilder. Werkstattgedanken – Ein Kalendertagebuch für 7 Jahre aus der Geigenbauwerkstatt von Martin Schleske mit 52 Fotografien von Donata Wender, Kösel-Verlag, 224 S., ISBN 978-3-466-37026-9, 19,99 Euro</p></blockquote>
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		<title>Flöte spielender Kriegsherr</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 10:47:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich der Große]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich II.]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Schiller]]></category>
		<category><![CDATA[Preußen]]></category>
		<category><![CDATA[Siebenjähriger Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Soldatenkönig]]></category>

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		<description><![CDATA[Jubiläum: Vor 300 Jahren wurde Friedrich der Große, der König von Preußen geboren, er gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus 
Berlin und Brandenburg ­feiern 2012 den 300. Geburtstag Friedrich des Großen.
Der preußische König ging als Inbegriff eines aufgeklärten Monarchen in die Geschichte ein. Doch der ­Herrscher­alltag sah anders aus.
Seine Taufe war die letzte, die im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jubiläum: Vor 300 Jahren wurde Friedrich der Große, der König von Preußen geboren, er gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus </strong></p>
<p><em>Berlin und Brandenburg ­feiern 2012 den 300. Geburtstag Friedrich des Großen.<br />
Der preußische König ging als Inbegriff eines aufgeklärten Monarchen in die Geschichte ein. Doch der ­Herrscher­alltag sah anders aus.</em></p>
<p><img class="alignright" title="Flöte spielender Kriegsherr" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Kultur-Alter-Fritz-1.jpg" alt="" width="300" height="359" />Seine Taufe war die letzte, die im Berliner Stadtschloss mit barockem Pomp gefeiert wurde. Als Friedrich II. vor 300 Jahren am 24. Januar 1712 geboren wurde, da wollte sich sein Großvater und erster preußischer König eine solche »Solennität« (Feierlichkeit) noch nicht nehmen lassen. Der Täufling wurde bei dem Zeremoniell nicht nur mit dem Segen Gottes versehen, sondern gleich auch mit dem Orden vom Schwarzen Adler dekoriert, dem höchsten preußischen Orden.</p>
<p>Mit Thomas Mann, Adolf Hitler und Erich Honecker könnte die Schar seiner späteren Verehrer unterschiedlicher nicht sein, von den Preußen-Enthusiasten heutiger Tage ganz zu schweigen. Hingegen verbannte Helmut Schmidt eine Friedrich-Büste aus seinem Büro, als er 1969 Verteidigungsminister wurde. Mit dem »Alexander dem Großen im Taschenformat« wollte der Sozialdemokrat nichts zu tun haben.</p>
<p>Schon Zeitgenosse Friedrich Schiller mochte »diesen Charakter nicht lieb gewinnen«. Nicht erst mit einem Zeitabstand von zwei Jahrhunderten konnten die Widersprüche zwischen Schein und Sein, zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit ins Auge stechen. Kein anderer Monarch hatte sich bis dato so zu den Ideen der Aufklärung bekannt, sich gar als Flöte spielender »Philosoph auf dem Thron« verstanden und Freundschaften zu Intellektuellen geknüpft – wie Friedrich zu Voltaire.</p>
<p>1781, acht Jahre vor der Französischen Revolution, schreibt der damals schon mehr als vier Jahrzehnte regierende preußische König, »dass alle Monarchien durch den Reichtum verderbt worden sind«. Die Gesetze seien dazu da, »die Schwachen vor der Bedrückung durch die Starken zu schützen«. Schon zuvor hatte Friedrich erklärt, der Fürst sei »nur der erste Diener des Staates«.</p>
<p>Bereits vier Tage nach seiner Thronbesteigung hatte er die Folter abgeschafft, nur nicht für Hochverrat. Weitere zwei Tage später hob Friedrich auch die Zensur auf. Ein halbes Jahr danach, als er ohne Kriegserklärung Schlesien überfiel, führte er sie jedoch wieder ein.<br />
Durch die Annexion soll sein Land zur Großmacht aufsteigen, was Friedrich auf friedlichem Wege nicht erreichen kann. Das Preußen des Jahres 1740 ist dafür zu schwach, ein rückständiger Flickenteppich.</p>
<p>Im Keller des Berliner Schlosses liegt allerdings ein Staatsschatz von acht Millionen Goldtalern, und die Armee ist von seinem Vater Friedrich Wilhelm I. gut ausgebildet. In jungen Jahren hatte der »Soldatenkönig« selbst den Kronprinz zum Spiel mit Zinnsoldaten und Pistolen gezwungen. Wenn sich Friedrich beim Abfeuern von Kanonen als »hasenfüßiges Kind« zeigte, verachtete der Vater ihn. Dieser Drill führte dann auch zur ­Auflehnung gegen den Vater und zu der Tragödie um die Fluchtpläne mit Freund Hans Hermann von Katte, für die dieser hingerichtet wurde.</p>
<p>Im fünfjährigen Schlesien-Krieg zeigt der neue König dann keine Abneigung mehr gegenüber dem Militär. Beim Triumphzug durch Berlin rufen ihn Claqueure zu »Friedrich dem Großen« aus. Es folgen Reformen nach innen. Der König kümmert sich persönlich um die Bauern, macht den Oderbruch urbar. Es entsteht der Mythos vom fürsorglichen Landesherren. Die Leibeigenschaft schafft Friedrich aber nicht ab. Knechte wie auch Juden dürfen nicht »nach ihrer Façon« leben.</p>
<p>Nach den jüngst veröffentlichten »Schatullrechnungen« war es auch mit einer angeblichen Sparsamkeit nicht so weit her. Seine berühmten Windspiel-Hunde, neben denen er unbedingt begraben werden wollte, waren ihm pro Jahr 20 Taler wert – es war das Jahresgehalt seiner Klofrau. Und um auch im Januar sein Lieblingsobst verspeisen zu können, gab er für Kirschen 396 Taler aus.</p>
<p>Es sind nicht die einzigen Kosten, die dem Staat entstehen. Friedrichs »Siebenjähriger Krieg« (1756–1763) gegen Österreich, Russland und Frankreich wird nicht nur zum finanziellen Desaster.</p>
<p>Ganze Landstriche werden verwüstet, mit einer Million Toten verliert das Land proportional mehr Einwohner als Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Nur der frühe Tod der russischen Zarin rettet Friedrich. Um die zerrütteten Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen, reduziert er sogar heimlich den Edelmetallanteil. Der Monarch wird zum Falschmünzer.</p>
<p>Der Krieg bringt Friedrich an den Rand der Selbsttötung. Fast hätte er zu den 18 giftigen Opiumpillen gegriffen, die er ständig um den Hals trägt. Doch der Tod ereilt ihn erst mehr als zwei Jahrzehnte später. Friedrich, schwerkrank und unter wachsender Atemnot leidend, stirbt in einer Augustnacht 1786 in einem Sessel des von ihm erbauten Lieblingsschlosses Sanssouci in Potsdam. Seine Gemahlin, mit der er keine Kinder hatte und die er auch schon mal als »Kuh« angesprochen haben soll, hatte er ein halbes Jahr zuvor das letzte Mal gesehen.</p>
<p>Nicht nur in ihren Augen dürfte Friedrich »das alte Ekel« gewesen sein. Die Trauer nach seinem Tod hielt sich offenbar in engen Grenzen: »Alle Welt beglückwünschte sich«, ­notierte einer seiner letzten Besucher, der französische Marquis de Mirabeau. »Kein Bedauern wird laut.«</p>
<p><em>Jürgen Heilig, (epd)</em></p>
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		<title>86 Takte Friedensvision</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/12/86-takte-friedensvision/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Erfurter Thomaskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Ludger Vollmer]]></category>
		<category><![CDATA[Madrigalchor Weimar]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation und Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Einstudierung: Motette »Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen«
Wer sich in einen Selbstversuch begibt, ist Überzeugungstäter. Auf Ludger Vollmer trifft dies zu. Der Vollblutmusiker und Christ gehört zu jenen 20 Komponisten, deren Werke sich im druckfrischen Luther-Chorbuch finden.
Zum Auftakt des Themenjahres »Reformation und Musik« erschien zu Jahresbeginn das »Luther-Chorbuch«, eine Initiative verschie­dener Thüringer Musikverbände [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einstudierung: Motette »Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen«</strong></p>
<p>Wer sich in einen Selbstversuch begibt, ist Überzeugungstäter. Auf Ludger Vollmer trifft dies zu. Der Vollblutmusiker und Christ gehört zu jenen 20 Komponisten, deren Werke sich im druckfrischen Luther-Chorbuch finden.</p>
<div id="attachment_5000" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-5000   " title="86 Takte Friedensvision" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/11-chor3151.jpg" alt="" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Der renommierte Künstler Ludger Vollmer probt mit dem Weimarer Madrigalchor. Fotos: Maik Schuck</p></div>
<p>Zum Auftakt des Themenjahres »Reformation und Musik« erschien zu Jahresbeginn das »Luther-Chorbuch«, eine Initiative verschie­dener Thüringer Musikverbände und ­Institutionen. Zeitgenössische Komponisten lieferten Beiträge zu Luther-Texten. Da die Werke für Laienchöre gedacht sind, studiert Ludger Vollmer seine Komposition mit dem Madrigalchor Weimar selbst ein und wird auch die Uraufführung im Rahmen des Festaktes am 18. Januar, um 19.30 Uhr, in der Erfurter Thomaskirche leiten. Derzeit laufen die Proben.</p>
<p>Mittwochabend, in einem Seminarraum der Bauhausuniversität Weimar: Die Tische sind übereinandergestellt, die Stühle zusammengesucht, das alte Klavier zurechtgerückt. Es wird eng, wenn alle der gut 40 Sängerinnen und Sänger da sind. Sie kommen sozusagen in alter Verbundenheit hierher, auch wenn optimale Probenbedingungen anders aussehen.</p>
<p>Bis 1992 gehörte der Madrigalchor zur Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar. Und er ist der jetzigen Universität als Verein dankbar, in diesem Raum kostenlos proben zu können. Inzwischen ist die Dominanz der Bauberufe im Chor gewichen, die Altersspanne reicht vom Studenten bis zum Senioren – der Chor ist ein Stück Leben nach dem Arbeitsalltag.</p>
<p>»Lasst uns mal einen Durchlauf wagen, dann hören wir gleich, wo noch Arbeit ist.« Ludger Vollmer steht aufmunternd vorm Chor. – Schon nach den ersten Takten wird klar: Eine zusätzliche Wochenendprobe ist unabdingbar. »Ihr Tenöre, hört doch mal auf den Sopran. Ensemble-Singen heißt, ein inneres Bewusstsein zu entwickeln, Töne weiterzureichen. Singt euch gegenseitig an, wenn’s hilft!« Es hilft, diese Hürde ist genommen. Die nächste liegt beim Bass. »Der Registerwechsel ist für euch schwer, ich weiß das.</p>
<p>Aber beim Komponieren ist das nun mal so.« Es klingt fast wie eine Entschuldigung, aber die hat Ludger Vollmer hier nicht mehr nötig. Schon nach der ersten Probe im Dezember vergangenen Jahres war die anfängliche Skepsis und Befangenheit des Chores in Leistungsbereitschaft gewechselt. Da steht einer vorn, dessen Intensität mitzureißen vermag und der ohne jede Attitüde überzeugen will.</p>
<p>Ludger Vollmer lebt in Weimar. Seit 1993 arbeitet er als freischaffender Komponist und Musiker. International renommierte Künstler führen seine Werke auf, das Oeuvre reicht von Opern, Filmmusiken bis zu Streichquartetten, in Europa, Australien, den USA und Fernost wird er als Komponist gefeiert. »Es ist nur ein kleines Stück, was wir hier machen, aber es steht viel dahinter.« Und zur Demonstration eilt Vollmer im Weimarer Seminarraum zur Wand, umreißt mit großer Gebärde die riesigen Tempelsteine in Jerusalem. »Die lassen sich nicht verrücken, das muss man hören, wenn ihr vom Berg singt, ›da des Herren Haus fest steht‹. Das ist keine Kammermusik, da muss ein Klang sein, dass die Thomaskirche wackelt!«</p>
<p>Musik und besonders jene, die mit einem frei gewählten Text verbunden ist, wird zu einem persönlichen Bekenntnis ihres Schöpfers. Ludger Vollmer hat seiner Motette »Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen« das Bibelwort aus Jesaja 2, Verse 1 bis 4, in der Übersetzung von Martin Luther zugrunde gelegt. Der 1961 in Berlin-Köpenick Geborene studierte von 1984 bis 1990 Violine, Viola und Komposition in Leipzig.</p>
<p>Bei den friedlichen Demonstrationen war er dabei, sah die aufmarschierten Kampfgruppen im Herbst 1989. Das sei ein Grund, weshalb er diese Friedensprophezeiung gewählt habe. Der andere: die Eindrücke 2010 in Israel. Ein Arbeitsstipendium des Thüringer Kultusministeriums hatte ihm einen längeren Aufenthalt in Israel ermöglicht als Vorstudium für die Oper »Crusades«. Sie beschäftigt sich mit den Spätfolgen der Kreuzzüge. »Ich wollte wissen, warum es damals wie heute religiös motivierte Kriege gibt.«</p>
<p>Seine nächtlichen Erlebnisse in der Grabeskirche von Jerusalem, wo er den liturgischen Gesängen der armenischen Christen lauschte, fanden Eingang in die Motette, die eine Art musikalische Studie für sein Opernprojekt darstellt.</p>
<div id="attachment_5000" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><img class="size-full wp-image-5000   " title="86 Takte Friedensvision" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/11-chor3179.jpg" alt="Der Komponist Ludger Vollmer." width="150" height="135" /><p class="wp-caption-text">Der Komponist Ludger Vollmer.</p></div>
<p>Ludger Vollmer ist Katholik. Für ihn ist Luther ein spirituelles Genie und ein Held, dessen emotionale ­Bindung an Gott ihn tief beeindruckt. »Ich möchte, dass Zuhörer wie Ausführende diese beiden Aspekte auch in meiner Komposition erspüren und emotional ergriffen werden. Für Luther war die Musik ein wichtiges Mittel, Gott zu preisen, und keines der Ablenkung. Das hat auch einen starken Widerhall in der katholischen Kirche gefunden.« Vollmer freut sich sehr, zum Luther-Chorbuch einen Beitrag leisten zu dürfen.</p>
<p>»Für uns ist das Projekt eine große Herausforderung und eine einzigartige Chance, ein zeitgenössisches Stück gemeinsam mit dem Komponisten zu erarbeiten. Die Kraft der Musik und des Textes und der Geschichten dahinter sind eine bereichernde Erfahrung und Motivation«, so Uta Tannhäuser vom Vorstand des Madrigalchores.</p>
<p>»Ich bedanke mich für die schweißtreibende Probe«, sagt Ludger Vollmer leicht erschöpft, aber mit fröhlichem Gesicht. Die Choristen räumen wieder ein, stellen Pappmodelle von Häusern und Städten zurück. Es geht auf halb elf zu. Sie haben fast eine Stunde länger als normal geprobt. Die Zeit verflog, die Begeisterung aber bleibt.</p>
<p><em>Uta Schäfer</em></p>
<blockquote><p>Lang, Peter Helmut (Hg.): »…ich kann nicht anders«. 20 neue Kompositionen für gemischten Chor zum Themenjahr »Reformation und Musik« 2012, Strube Verlag, 127 S., ISBN 978-3-89912-158-2, Einzelpreis: 15 Euro, Staffelpreise möglich</p></blockquote>
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		<title>Wenn Musik predigt</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/05/wenn-musik-predigt/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 13:15:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Hänssler]]></category>
		<category><![CDATA[geistliche Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Hänssler Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Igor Strawinsky]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Sebastian Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenmusik]]></category>

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Interview: Friedrich Hänssler und sein Verlag stehen bis heute vor allem für exquisite geistliche Musik
Unter den Verlegern christlicher Musik war er einer der bedeutendsten: Friedrich Hänssler, langjähriger Inhaber des gleichnamigen, heute zur Stiftung Christliche Medien gehörenden Verlags. Zusammen mit dem Dirigenten Helmuth Rilling brachte er eine Ausgabe sämtlicher Bachwerke auf CD auf den Markt. Zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5011" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Kultur-212.jpg" alt="Friedrich Hänssler, der im März 85 Jahre alt wird, leitete als Theologe und Musikwissenschaftler jahrzehntelang den vom Vater übernommenen Verlag und machte ihn zu einem der führenden christlichen Verlagshäuser in Deutschland. Foto: privat" title="Kultur-212" width="250" height="355" class="size-full wp-image-5011" /><p class="wp-caption-text">Friedrich Hänssler, der im März 85 Jahre alt wird, leitete als Theologe und Musikwissenschaftler jahrzehntelang den vom Vater übernommenen Verlag und machte ihn zu einem der führenden christlichen Verlagshäuser in Deutschland. Foto: privat</p></div><br />
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<strong>Interview: Friedrich Hänssler und sein Verlag stehen bis heute vor allem für exquisite geistliche Musik</strong></p>
<p>Unter den Verlegern christlicher Musik war er einer der bedeutendsten: Friedrich Hänssler, langjähriger Inhaber des gleichnamigen, heute zur Stiftung Christliche Medien gehörenden Verlags. Zusammen mit dem Dirigenten Helmuth Rilling brachte er eine Ausgabe sämtlicher Bachwerke auf CD auf den Markt. Zum Jahr der Kirchenmusik hat Benjamin Lassiwe mit ihm gesprochen.</p>
<p><em>Herr Hänssler, welche Musik hören Sie privat am Liebsten?<br />
</em><strong>Hänssler:</strong> Im Laufe der Zeit hat sich natürlich mein recht breit angelegter Musikgeschmack immer wieder einmal gewandelt. Aber am Liebsten höre und beschäftige ich mich mit Johann Sebastian Bach. Das war dann auch der Grund für die Gesamtausgabe seiner Werke auf 172 CDs, die wir mit Helmuth Rilling aufgenommen haben. Meine erste selbst gekaufte Schallplatte war allerdings die »Psalmensymphonie« von Igor Strawinsky.</p>
<p><em>Was fasziniert Sie so an Johann Sebastian Bach?<br />
</em><strong>Hänssler:</strong> Eigentlich alles: seine Kompositionsweise, die kunstvolle Durchführung der musikalischen Themen in seinen Instrumentalwerken, der wunderschöne Klang seiner Musikstücke. Aber vor allem erkenne ich in seinem geistlichen Werk eine ganz starke Bindung an die Bibel: Bach lebte mit seiner Lutherbibel, das sieht jeder, der das Glück hatte, sich einmal seine in den USA wieder aufgefundene Bibel ansehen zu dürfen. Sie ist voller Unterstreichungen und persönlicher Bemerkungen. Und nicht umsonst hat ja auch der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom Bach als den fünften Evangelisten bezeichnet. Denn Bach hat mit seiner Musik gepredigt: Vor allem seine Kantaten legen durch Text, Wort und Musik das Sonntagsevangelium oder die Epistel nicht weniger aus als es der Prediger tut.</p>
<p><em>Warum war und ist Johann Sebastian Bach so erfolgreich?<br />
</em><strong>Hänssler:</strong> Ehrlicherweise muss man sagen, dass Bach zu Lebzeiten nicht sonderlich erfolgreich war. Er war ein brillanter Orgelspieler und ein gefürchteter Prüfer neu errichteter Orgeln. Aber seine Genialität als Komponist wurde erst viel später erkannt. Von seinen rund 200 erhaltenen Kantaten wurde nur eine einzige zu seinen Lebzeiten gedruckt. Und von seinem »Musikalischen Opfer«, das er dem preußischen König Friedrich II. in Berlin gewidmet hatte, wurden bis 1756, also bis sechs Jahre nach seinem Tod, nur 30 Exemplare verkauft.</p>
<p><em>Heute gilt er als Genie. Was geschieht mit Ihnen, wenn Sie Bach hören?<br />
</em><strong>Hänssler:</strong> Die Musik Bachs spricht mich ganz persönlich an. Sie strahlt eine unwahrscheinliche Ruhe aus, etwas wirklich friedvolles, und das auch in ihren schnellsten Passagen. Und umgekehrt ist es etwas so Konstruiertes, etwas so planvoll Komponiertes, dass selbst moderne Jazzmusiker heute am Beispiel von Bach studieren, wie man komponiert.</p>
<p><em>Umgekehrt sind viele geistliche Choräle aus alten Zeiten heute vergessen …<br />
</em><strong>Hänssler:</strong> Es ist nichts so beständig, wie die Veränderung. Das gilt auch für geistliche Lieder. Bei der unerbittlichen Sichtung, die die Zeit über die Jahrhunderte hinweg vornimmt, bleibt eben nur beste Qualität übrig. Wahrscheinlich liegt es aber auch ­daran, dass die Choräle eines Paul Gerhardt und eines Philipp Nicolai und anderer durch schwere Lebenssituationen zu echten Glaubenszeugnissen geworden und bis heute auch geblieben sind.</p>
<p><em>Ihr Verlag hat stets auch moderne Kirchenlieder herausgebracht. Was ist denn nun besser? Ein Dieter Trautwein von heute oder ein Paul Gerhardt von damals?</em><br />
<strong>Hänssler:</strong> Ich würde das nicht vergleichen wollen. Singen geistlicher Musik ist nicht nur Lob, Bekenntnis und Verkündigung, sondern auch Antwort auf das verkündigte Wort. Und diese Antwort wird von jeder neuen Generation neu formuliert. Das führt oft zu einer persönlicheren Identifikation mit den Texten.</p>
<p><em>Jahrhundertelang hat es in allen Kirchen ähnliche Lieder gegeben – warum geht es heute so stark auseinander? Warum singen die einen Kirchentagslieder von Fritz Baltruweit und die anderen Lobpreissongs?</em><br />
<strong>Hänssler:</strong> Das ist eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Ich will jetzt nicht den Begriff der Parallelgesellschaften verwenden, aber vielleicht liegt es daran, dass sich die Kirchen stärker auseinanderentwickelt haben. In den Landeskirchen waren die Kirchentage wichtige Ereignisse für die Kirchenmusik. Ihr Liedgut ist in die Gemeinden eingezogen. Die Freikirchen und ähnliche Gruppierungen hingegen waren eher kirchentagsabstinent. Sie waren mehr mit den USA verbunden, und haben von dort viele Impulse übernommen: im Musikstil wie in den Texten.</p>
<p><em>Was sind denn die Herausforderungen für die Kirchenmusik im Jahr der Kirchenmusik?</em><br />
<strong>Hänssler:</strong> Die Aufgabe der Kirchenmusik ist schwerer geworden – denn überall ertönt der Ruf, dass die Gottesdienste verlebendigt werden sollen. Dabei steht so vieles im Angebot, vom ganz banalen, wohl nur gut gemeinten, manchmal mit großer Einbildung vorgetragenen, aber nicht guten, bis zur Exklusivität mancher Superspezialisten, die nur Kunstverständnis zelebrieren. Meiner Ansicht nach ist die Aufgabe der Kirchenmusik, die Kriterien, die das Neue Testament uns vorgegeben hat, wieder neu zu beachten: hin zur Gemeinde, hin zu Gott und hin zum Nächsten. Martin Luther gibt uns da eine Leitlinie, wie das zu geschehen hat: »Es muss beides, Text und Noten, Accent, Weise und Gebärde aus rechter Muttersprache und Stimme kommen.«</p>
<p><em>Und was wünscht sich der Musikverleger im Jahr der Kirchenmusik?</em><br />
<strong>Hänssler:</strong> Wünschen würde ich mir zunächst einmal, dass generell wieder viel mehr gesungen wird. Im Gottesdienst, in der Familie, auch in der Schule. Die ständige Berieselung mit Musikkonserven ist für das Singen keinesfalls förderlich. Ich sehe einen gewissen Niedergang bei Jugendchören, einen steigenden Altersdurchschnitt bei Laienchören, auch bei Kirchenchören.</p>
<p>Nur bei der Gospelmusik gibt es ein großes Wachstum – sie entspricht den Lebensäußerungen mancher Menschen heute vielleicht mehr. Entscheidend scheint mir, dass zeitgenössische Dichter und Komponisten und Ausführende Formen finden, bei denen sie vom Bibelwort erfüllt sind, dass sie dessen Bote sein möchten – ein Bote, der nicht nur eine Order überbringt, sondern sich persönlich damit identifiziert.</p>
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		<title>Am Fuße des Vesuvs</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/02/am-fuse-des-vesuvs/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 16:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Landesmuseum für Vorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Pompeji]]></category>
		<category><![CDATA[Vesuv]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausstellung: Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zeigt Kunst und Alltag in der antiken Stadt Pompeji
Die neue Landesausstellung Sachsen-Anhalts steht unter dem Titel »Pompeji&#xA0;– Nola&#xA0;– Herculaneum. Katastrophen am Vesuv«. Sie zeichnet das römische Leben am Hang des Vulkans nach.
Vesuv, das Wort allein weckt Assoziationen. Neapel und sein Feuer speiender Berg sind ein Begriff für Leid [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ausstellung: Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zeigt Kunst und Alltag in der antiken Stadt Pompeji</strong><br />
<div id="attachment_4964" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Kultur_112.jpg" alt="Ösen in Form von Sirenenköpfen, die zu einem Eimer römischer Herkunft gehörten. Sie wurden bei Grabungen in Quetzdölsdorf im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gefunden. Foto: Klaus-Peter Voigt" title="Kultur_112" width="580" height="383" class="size-full wp-image-4964" /><p class="wp-caption-text">Ösen in Form von Sirenenköpfen, die zu einem Eimer römischer Herkunft gehörten. Sie wurden bei Grabungen in Quetzdölsdorf im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gefunden. Foto: Klaus-Peter Voigt</p></div><br />
Die neue Landesausstellung Sachsen-Anhalts steht unter dem Titel »Pompeji&#xA0;– Nola&#xA0;– Herculaneum. Katastrophen am Vesuv«. Sie zeichnet das römische Leben am Hang des Vulkans nach.</p>
<p>Vesuv, das Wort allein weckt Assoziationen. Neapel und sein Feuer speiender Berg sind ein Begriff für Leid und Urgewalten. Gerade einmal 140 Meter höher als der Brocken hat der einzige auf dem europäischen Festland noch tätige Vulkan Geschichte geschrieben. Seit 1944 schlummert er in trügerischer Ruhe. Faszination ging von ihm zu allen Zeiten aus. Die Menschen an seinem Fuß blickten stets in Sorge auf den Krater.</p>
<p>Schon die Neandertaler erlebten vermutlich an den Hängen des Vesuvs Explosionen. Frühe Siedlungen aus der Bronzezeit wurden durch Asche und Lava verschüttet. Historiker und Archäologen sehen in solchen Funden nahezu einen Glücksfall, für die Menschen, die sich nicht retten konnten, waren die Ausbrüche eine Katastrophe. Das Hallesche Landesmuseum für Vorgeschichte greift das spannende Thema auf.</p>
<p>Die Ausstellung »Pompeji« widmet sich den zahlreichen Artefakten, die ein nahezu vollständiges Bild römischer Alltagskultur der Zeit 79 vor Christus widerspiegeln. Nur scheinbar ist zu diesem Thema alles gesagt. Die Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt blieben nicht bei der puren Rezeption der damaligen Ereignisse, sie wollten etwas Eigenständiges schaffen. So erlebt der Betrachter nicht eine der klassischen Wanderexpositionen zu diesem Thema, sondern eine Schau mit 600 originalen Exponaten vom kleinen Glasgefäß bis zu kompletten Räumen. Viele sind Leihgaben unter anderem aus dem Nationalmuseum in Neapel.</p>
<p>Die Zusammenarbeit mit den Machern des Projektes sei »hervorragend und fruchtbar« gewesen, sagt dessen Direktorin Valeria Sampaola. Sie lobt die dreijährige Vorbereitung und freut sich, dass im Land von Johann Joachim Winckelmann, des in Stendal geborenen Begründers der wissenschaftlichen Archäologie, historische Bezüge in die Antike dargestellt werden.</p>
<p>Und in der Tat, Parallelen finden sich an vielen Stellen zum Mitteldeutschen Raum. Erstmals wird in solcher Deutlichkeit gezeigt, dass die ganze Region zur Zeit des Untergangs von Pompeji enge Kontakte mit Italien verbanden. Das Grab einer reichen Germanin, entdeckt 2008 in einem Urnengräberfeld bei Profen im Burgenlandkreis und nun erstmals öffentlich gezeigt, belegt solche Beziehungen.</p>
<p>In ihre Urne hatten unsere Altvorderen ihren prachtvollen Goldschmuck gelegt. Und eine Kette aus dieser Bestattung findet eine Entsprechung in Funden der Städte am Vesuv. Selbst ein kleines Achatgefäß aus Kleinjena belegt frühe Handelsbeziehungen, wenn es auf sein Gegenstück aus Italien trifft.</p>
<p>Die Inszenierung der gesamten Ausstellung ist gelungen. Konzentration auf das Wesentliche, im richtigen Licht präsentierte Objekte, die Darstellung ganzer Gebäudeteile mit großformatigen und qualitativ hochwertigen Fotos sowie originalen Stücken lässt Geschichte nachvollziehbar werden. Nichts setzt allein auf den Schaueffekt um seiner selbst willen.</p>
<p>Fußabdrücke, die flüchtende Menschen des Dorfes Nola um 1900 vor Christus bei einem Vulkanausbruch hinterließen, sind zu sehen. Aber auch die Abdrücke von Menschen, die Pompeji nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten. Beeindruckend die Casa del Menandro (Haus des Menander), denn dieses Haus wurde komplett ausgegraben und nun in einer bislang außerhalb Italiens in solcher Vielfalt nie gezeigten Fülle vorgestellt. Eines der größten repräsentativen Häuser Pompejis lässt ein wenig vom Alltag erahnen.</p>
<p>Ein Korkmodell erleichtert die Orientierung. Möbelbeschläge, Amphoren, und fantastisch erhaltene Silbergefäße belegen den Reichtum der Bewohner. Im Zentrum finden sich gehobene Wohn- und Empfangsräume. Gladiatorenspiele waren Bestandteil des Lebens im antiken Rom. Verzierte Helme und Beinschienen aus einer Kaserne der untergegangenen Stadt dienen als Beleg für die unterschiedlichen Gattungen der Kämpfer.</p>
<p>Als Korrespondenzstandort der Ausstellung empfiehlt sich nahezu das Schloss Wörlitz. Vom 21. April bis zum 26. August werden dort »Fremde Welten ganz nah« zu sehen sein. Eine logische Folge, denn dieser Ort und das ganze Dessau-Wörlitzer-Gartenreich hat ein Stückweit das Interesse am Vesuv und der Antike nach Sachsen-Anhalt getragen. Fürst Franz bestieg 1766 selbst den Vesuv. </p>
<p>Seine Grandtour führte ihn durch Europa, er besuchte Pompeji und Herculaneum. Seine Eindrücke fanden später Eingang in seine Anlagen. Der künstliche Vulkan auf der Insel Stein&#xA0;– am 24.&#xA0;August soll er wieder einmal »ausbrechen«&#xA0;– gehört zu den Nachwirkungen der Entdeckerreise. Mit ihm begann die Antikenrezeption nördlich der ­Alpen. In seinen Schlössern geht ein Großteil der Ausstattung auf diese Zeit zurück. Die Nachahmung der Villa Hamilton gehört dazu. Das Gebäude mit dem angrenzenden Vulkan ruht auf neun Pfeilern.</p>
<p><em>Klaus-Peter Voigt</em></p>
<blockquote><p>Die Ausstellung »Pompeji&#xA0;– Nola&#xA0;– Herculaneum. Katastrophen am Vesuv« ist bis zum 8.&#xA0;Juni 2012 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen. Sie ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr ­geöffnet.</p></blockquote>
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		<title>Perlen der Filmkunst zu Weihnachten</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 17:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Bräuer]]></category>
		<category><![CDATA[Programm]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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Fernsehen: Zum Weihnachtsprogramm gehören Spielfilme, die den Geist der Versöhnung und des Friedens aufnehmen.
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Es lohnt sich, an den Weihnachtstagen einen Blick ins Fernsehprogramm zu werfen. Neben Thriller, Action- und Horrorfilmen gibt es auch spannende Filme mit weihnachtlichem Flair.
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Alle Jahre wieder, kommt …« das Weihnachtsprogramm der Fernsehsender und damit spätestens ab 22 Uhr am Heiligabend Thriller, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4924" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Fernsehen.jpg" alt="Gemütliche Flimmerstunde in Familie. Foto: ddpimages" title="Fernsehen" width="580" height="386" class="size-full wp-image-4924" /><p class="wp-caption-text">Gemütliche Flimmerstunde in Familie. Foto: ddpimages</p></div><br />
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<h5><strong>Fernsehen:</strong> Zum Weihnachtsprogramm gehören Spielfilme, die den Geist der Versöhnung und des Friedens aufnehmen.</h5>
<p>&#xA0;<br />
Es lohnt sich, an den Weihnachtstagen einen Blick ins Fernsehprogramm zu werfen. Neben Thriller, Action- und Horrorfilmen gibt es auch spannende Filme mit weihnachtlichem Flair.<br />
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Alle Jahre wieder, kommt …« das Weihnachtsprogramm der Fernsehsender und damit spätestens ab 22 Uhr am Heiligabend Thriller, Action- und Horrorfilme mit Titeln wie »Tödliche Weihnachten«, »Scream 2« oder »Stirb langsam 2«.<br />
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Daneben gibt es aber auch Perlen der Filmkunst mit weihnachtlichem Flair, versteckt im vorweihnachtlichen Programm, im Nachmittagsprogramm oder spät in der Nacht. Filme wie »Ist das Leben nicht schön?«, »Der kleine Lord« oder eine der vielen Verfilmungen von Charles Dickens klassischer Weihnachtsgeschichte »A Christmas Carol in Prose«.<br />
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Jahr für Jahr appellieren die Kirchen an die Sender, das Weihnachtsprogramm weniger blutig zu gestalten. »Ich bin mit allen Sendern darüber im Gespräch. Und auch bei den Privatsendern ist der Heilige Abend, zum Teil auch der erste Feiertag, moderat, feiertagsgemäß und familienfreundlich programmiert«, sagt Oberkirchenrat Markus Bräuer, Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ab 22 Uhr am zweiten Feiertag sehe es dann aber oft anders aus: Der Quotendruck, der Wettbewerb sei hart, und dann werde oft auf den bewährten Blockbuster gesetzt.<br />
&#xA0;<br />
Thriller sind laut Bräuer aber auch am zweiten Weihnachtstag und zu später Stunde deplatziert. Das Angebot an spannenden Filmen sei so groß, dass nicht auf Actionthriller gesetzt werden müsse, um die Quoten zu erreichen.<br />
&#xA0;<br />
Ein gutes Weihnachtsprogramm spiegelt nach Ansicht Bräuers die Botschaft des Christfestes in allen Fernsehformaten: Fernsehgottesdienste in ARD und ZDF, die auch die Menschen, die nicht selbst in die Christvesper gehen können, über die Weihnachtsbotschaft aufklärt. Reportagen, die historische Kenntnisse über die Zeit Jesu und das Heilige Land vermitteln. Dokumentationen, die zeigen, wie viele Ehrenamtliche es zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben, die Menschenfreundlichkeit Gottes weiterzugeben und in der Kältehilfe oder der Obdachlosenarbeit tätig sind.<br />
&#xA0;<br />
Das ist das Programm, das er sich wünscht. »Für mich gehören auch Spielfilme dazu, die den Geist der Versöhnung und des Friedens aufnehmen«, sagt der Medienbeauftragte. Versöhnung, Frieden, die Wandlung vom bösen zum guten Menschen, der Sieg der scheinbar Schwachen und Armen über die Reichen und Hochmütigen – das sind auch die klassischen Themen der großen ­Weihnachtsfilme. Dabei taucht immer wieder ein Archetypus, eine charakteristische Figur auf: der Menschenfeind. Oft reich und geizig, fast immer hartherzig und gefühlsarm, aber nicht unbedingt von Grund auf böse. Manchmal ist er derjenige, der im Mittelpunkt der Handlung steht und sich wandelt, manchmal muss der Protagonist ihn überwinden.<br />
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Eine der besten Darstellungen dieses Archetypus ist Charles Dickens in seiner Erzählung »A Christmas Carol in Prose« – zu Deutsch »Eine Weihnachtsgeschichte« – mit seiner Hauptfigur Ebenezer Scrooge gelungen. Die Geschichte spielt zu Weihnachten. Scrooge ist seit dem Tod seines Geschäftspartners Jacob Marley einziger Inhaber eines Warenhauses im England des 19. Jahrhunderts. Seinen einzigen Angestellten beutet er aus. Seinen einzigen Verwandten, seinen Neffen, der ihn zum Weihnachtsessen einladen will, weist er kalt zurück. Für zwei Männer, die für arme Menschen Geld sammeln, hat er nur Hohn und Spott.<br />
&#xA0;<br />
Am Heiligen Abend erscheint Scrooge der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Marley und prophezeit ihm ein düsteres Ende für den Fall, dass er sein Leben nicht ­grund­legend ändere.<br />
&#xA0;<br />
Den Geist des Miteinanders, das selbstlose Geben, die Armut des materiell Reichen und der Reichtum dessen, der Freunde hat – wohl kein Film vereint diese Themen besser als der Weihnachtsklassiker schlechthin: »Ist das Leben nicht schön?« von 1946. James Stewart ist George Bailey, der in der verschlafenen Kleinstadt Bedford Falls lebt. Als sein Vater stirbt, muss er seine hochfliegenden Pläne, die Welt zu bereisen und zu studieren, fallen lassen und die kleine Bausparkasse »Building and Loan« übernehmen. Privat findet er sein Glück mit seiner Jugendliebe Mary, doch beruflich gibt es immer wieder Rückschläge, und alle anderen scheinen an ihm vorbeizuziehen. Sein kleiner Bruder, dem er einst das Leben rettete, wird zum Baseball-Star und zum Flieger-Ass, sein bester Freund schwimmt in Geld und besitzt mehrere Fabriken. Seine Hochzeitsreise fällt aus, weil er das Geld in der Wirtschaftskrise braucht, um die Kunden seiner Bausparkasse zu bedienen.<br />
&#xA0;<br />
Und dann ist da noch sein Gegenspieler: Mr. Potter, Besitzer von Mietskasernen, Banken und vielem mehr in Bedford Falls, hartherzig, gierig, nur auf Profit orientiert – unser Archetypus. George ist mit seiner Bausparkasse Potter ein Dorn im Auge. Denn George ermöglicht den ärmeren Menschen, sich ein Eigenheim zu bauen und aus Potters Mietskasernen auszuziehen. Doch dann passiert das Unglück: Die »Building and Loan« muss Potter 8000 Dollar zurückzahlen, und Georges Onkel verliert das Geld – und das zu Weihnachten. Die Pleite droht, George verzweifelt und will sich umbringen; wünscht sich gar, er hätte nie gelebt. Doch der Himmel schickt George einen Engel, um ihn zu retten.<br />
&#xA0;<br />
<em>Jochen Krümpelmann</em></p>
<blockquote><p><strong>Empfehlenswerte Weihnachtsfilme</strong><br />
<strong>Ist das Leben nicht schön? </strong><em>ZDF, 25. 12., 0.35 Uhr, auf DVD erhältlich.</em><br />
<strong>Der kleine Lord ARD</strong>, <em>23. 12., 20.15 Uhr und 24. 12., 13.15 Uhr sowie in mehreren dritten Programmen.</em><br />
<strong>Charles Dickens:</strong> <em>Eine Weihnachtsgeschichte, mehrere Verfilmungen zum ­Beispiel: Die Geister, die ich rief, Kabel 1, 26. 12., 20.15 Uhr, auf DVD erhältlich,</em> modernisierte Fassung der Geschichte <strong>Charles Dickens – Eine Weihnachtsgeschichte, </strong><em>Das Vierte, 24. 12., 20.15 Uhr, auf DVD erhältlich.</em><br />
<strong>Schöne Bescherung,</strong><em> Vox, 24. 12., 20.15, auf DVD erhältlich.</em><br />
<strong>Der Polarexpress</strong>, <em>RTL, 25. 12., 16.15 Uhr, auf DVD erhältlich.</em><br />
Noch ein Tipp: Ähnlich wie zu Silvester »Dinner for one« genießt bei vielen zu Weihnachten Loriots Sketchsammlung <strong>»Weihnachten bei Hoppenstedts«</strong> Kultcharakter, <em>WDR, 26. 12., 17.40 Uhr.</em></p></blockquote>
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		<item>
		<title>»Mein Leben wird von unsichtbarer Hand geführt«</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2011/12/16/%c2%bbmein-leben-wird-von-unsichtbarer-hand-gefuhrt%c2%ab/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 08:41:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Krause]]></category>
		<category><![CDATA[Krauses Braut]]></category>
		<category><![CDATA[Polizeiruf]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Reichert]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview: Der Schauspieler Horst Krause alias Dorfpolizist Horst Krause über seine Arbeit, sein Leben und den Glauben
Horst Krause ist als liebenswert grummelnder Dorfpolizist im brandenburgischen »Polizeiruf« einem Millionenpublikum bekannt. Am 18.&#xA0;Dezember wird der Schauspieler 70. Am 20.&#xA0;Dezember ist er in der ARD in »Krauses Braut« zu sehen. Steffen Reichert sprach mit ihm.
Herr Krause, Sie werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview: Der Schauspieler Horst Krause alias Dorfpolizist Horst Krause über seine Arbeit, sein Leben und den Glauben</strong><br />
<div id="attachment_4881" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/krause2.jpg" alt="Der Brummbär in der Kirchenbank: (v. l.) Elsa Krause (Carmen-Maja Antoni), Horst Krause (Horst Krause), Meta Krause (Angelika Böttiger) und Rudi Weißglut (Tilo Prückner) im neuen Fernsehfilm »Krauses Braut«. Foto: rbb/Arnim Thomaß" title="Horst Krause" width="580" height="332" class="size-full wp-image-4881" /><p class="wp-caption-text">Der Brummbär in der Kirchenbank: (v. l.) Elsa Krause (Carmen-Maja Antoni), Horst Krause (Horst Krause), Meta Krause (Angelika Böttiger) und Rudi Weißglut (Tilo Prückner) im neuen Fernsehfilm »Krauses Braut«. Foto: rbb/Arnim Thomaß</p></div><br />
Horst Krause ist als liebenswert grummelnder Dorfpolizist im brandenburgischen »Polizeiruf« einem Millionenpublikum bekannt. Am 18.&#xA0;Dezember wird der Schauspieler 70. Am 20.&#xA0;Dezember ist er in der ARD in »Krauses Braut« zu sehen. Steffen Reichert sprach mit ihm.</p>
<p><em>Herr Krause, Sie werden in Ihren Interviews immer wieder auf die Kons­tellation angesprochen, Horst Krau­se vs. Horst Krause. Heute sollen Sie stattdessen sagen, ob Sie das nervt. Es ist ja für den Zuschauer tatsächlich schwer auseinanderzuhalten, was bei Horst Krause Fiktion und was Realität ist.</em><br />
<strong>Krause</strong>: Das ist auch für den Zuschauer unwichtig. Wichtig ist, dass sich der Zuschauer mitgenommen fühlt. So, dass die Frage eigentlich gar nicht auftaucht. Wenn die Frage wirklich auftaucht&#xA0;– was ist Krause, was ist Figur&#xA0;–, dann stimmt vielleicht auch beim Zuschauer was nicht.</p>
<p><em>Sie sind in den letzten zehn, 15&#xA0;Jahren ganz stark über die Rolle Krause identifiziert worden&#xA0;…</em><br />
<strong>Krause</strong>: Also, wollen wir mal so sagen: Die Wende war für mich ein völlig neuer Abschnitt im Leben. Nach der Wende entdeckten auf einmal Leute Dinge bei mir, die vorher nicht gesehen wurden. Oder vielleicht vorher nicht gesehen werden wollten. Aus welchen Gründen, weiß man nicht. Aber auf jeden Fall – nach der Wende brach für mich eine Zeit an, für die ich dem Schöpfer danken kann.</p>
<p><em>Denken wir nur an die Geschichte mit der Frotteeunterwäsche. Sie beschwerten sich bis hin zum Parteisekretär eines Chemnitzer Kaufhauses, weil man Ihnen nicht fünf Garnituren verkaufen wollte. Sie waren also offensichtlich jemand, der auch schon vor 1989 deutlich gesagt hat, was er denkt.</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ja, aber so portioniert, dass man nicht sagen konnte: Der ist gesellschaftsfeindlich eingestellt. Sondern ich habe das so vorgetragen, dass man die Möglichkeit hatte, mich zu korrigieren.</p>
<p><em>War die Zeit in Chemnitz eigentlich Ihre schönste, Ihre prägendste Zeit?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Die längste Zeit. Ich war 15&#xA0;Jahre in Chemnitz am Theater. Danach bin ich ja nach Dresden gegangen.</p>
<p><em>Sie haben mal gesagt, Sie hätten sich da unterfordert gefühlt&#xA0;…</em><br />
<strong>Krause</strong>: Jaja, ich hätte dort vielleicht auch andere Rollen spielen können. Wenn ich mir überlege, was dort gemacht wurde&#xA0;– Don Quichotte und Sancho Pansa. Da hätte ich mich schon als Sancho Pansa gesehen. Aber die Konzeption hätte natürlich eine völlig andere sein müssen. Ich weiß nicht, woran es lag. Ob es an mir lag oder der damaligen Führung.</p>
<p><em>Ihr Repertoire ist sehr breit angelegt. Welche religiöse oder historische Rolle würden Sie gerne einmal spielen?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Mich hat immer sehr »Nathan der Weise« interessiert. Aber ich glaube nicht, dass ich ihn in meinem Leben noch spielen werde.</p>
<p><em>Verbinden Sie mit Kirche beziehungsweise mit Glaube ein besonderes Erlebnis, eine besondere Erfahrung?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ja, ich glaube, dass mein ­Leben von einer unsichtbaren Hand geführt wird und habe den Eindruck, das auch zu spüren.</p>
<p><em>Haben Sie denn schon einmal in einer Kirche als einem Ort der Ruhe gedreht, die plötzlich zum hektischen Tatort wurde?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Diese Situation hatten wir einmal bei einem »Polizeiruf«. Aber in diesem Fall wird die Kirche zu einem Drehort wie jeder andere.</p>
<p><em>Nun steht ja in diesem Jahr ein großes Jubiläum an: Wohl wissend, dass Sie eher ungern über Ihr privates ­Leben reden …</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ja, das möchte ich nicht.</p>
<p><em>Wollen Sie dennoch sagen, wie Sie diesen 70.&#xA0;Geburtstag im Dezember feiern werden?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ich werde nicht zu erreichen sein.</p>
<p><em>Mit diesem Jubiläum verbindet sich aber eine Frage&#xA0;…</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ich habe kein Jubiläum.</p>
<p><em>Okay. Dennoch: Ihr Kollege Peter Sodann ist als »Tatort«-Kommissar vom MDR mit 70 in den Ruhestand geschickt worden.</em><br />
<strong>Krause:</strong> Wir sind beide nicht zu vergleichen!</p>
<p><em>Aber normalerweise wird man als Polizeibeamter spätestens mit 67 Jahren pensioniert. Denken Sie darüber nach?</em><br />
<strong>Krause</strong>: Nein, denke ich nicht, weil ich glaube, dass das die Zeit entscheidet. Und da soll man nicht drüber nachdenken. Man soll sich auf das Heute freuen! Über das Gestern nachdenken und sich auf das Morgen auch freuen!</p>
<p><em>Das kommt ja wie in Stein gemeißelt. Was haben Sie denn sonst noch für Pläne&#xA0;– Theater zum Beispiel?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Ich mache manchmal unbewusst Theater.</p>
<p><em>Mal im Ernst… </em><br />
<strong>Krause:</strong> So, wie ich im Moment zu tun habe, das genügt mir. Weil ich ja auch mit meiner Freizeit gerne etwas anzufangen weiß. Was kommt, wird gemacht, mit Freude gemacht. Wie war das bei Goethe? Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue.</p>
<p><em>Advent und Weihnachten sollen im biblischen Sinne einladen zum Innehalten. Haben Sie Gelegenheit dazu?</em><br />
<strong>Krause:</strong> Die innere Einkehr ist bei mir nicht an die Jahreszeit gebunden.</p>
<blockquote><p>Fernsehtipp: »Krauses Braut« wird am<br />
20. Dezember 2011 um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.</p></blockquote>
<p>&#xA0;<br />
<strong><u>Zur Person</u></strong><br />
Horst Krause, geboren in Bönhof in Westpreußen, feiert am 18.&#xA0;Dezember seinen 70.&#xA0;Geburtstag. Im Zuge der Vertreibung als eines von fünf Kindern 1947 ins brandenburgische Ludwigsfelde gekommen, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Er absolvierte eine Lehre als Traktorist, arbeitete als Laienschauspieler und wurde nach einem Schauspielstudium 1969 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) engagiert. Seinen nationalen Durchbruch erreichte er erst nach 1990. Krause drehte u. a. mit Hape Kerkeling und Wolfgang Stumph, Joachim Król, Evelyn Hamann und Gerd Dudenhöfer&#xA0;– meist stellt er humorvoll-markante Typen dar. ­Inzwischen als grummelnder, liebenswerter Polizeihauptmeister beim ­»Polizeiruf« des RBB ermittelnd, ist er längst einem Millionenpublikum ­bekannt. Aus dieser Krimireihe heraus ­entwickelte sich die erfolgreiche Filmreihe »Krauses Fest«, die den Polizeibeamten privat mit seinen Sorgen und Nöten zeigt.</p>
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		<title>Ganz und gar Familienmensch</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 18:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gustav Adolph Spangenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina von Bora]]></category>
		<category><![CDATA[Luthers Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Luthers Kinder]]></category>
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		<description><![CDATA[Martin Luther und seine Familie
Mein Herr hat mich plötzlich, während ich ganz andere Gedanken hatte, wunderbar in die Ehe geworfen mit Katharina Bora, jener Nonne«, schrieb Martin Luther am 20.&#xA0;Juni 1525 voller Begeisterung an seinen Freund und Mitstreiter Wenzeslaus Linck. Und das, obgleich er da noch keine »hitzige Liebe oder Leidenschaft« für seine Frau empfand. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Martin Luther und seine Familie</strong><br />
<div id="attachment_4810" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><a href=""><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/luther.jpg" alt="Gemälde von Gustav Adolph Spangenberg »Luther im Kreise seiner Familie«. Foto: akg-images" title="Luthers Familie" width="580" height="399" class="size-full wp-image-4810" /></a><p class="wp-caption-text">Gemälde von Gustav Adolph Spangenberg »Luther im Kreise seiner Familie«. Foto: akg-images</p></div><br />
Mein Herr hat mich plötzlich, während ich ganz andere Gedanken hatte, wunderbar in die Ehe geworfen mit Katharina Bora, jener Nonne«, schrieb Martin Luther am 20.&#xA0;Juni 1525 voller Begeisterung an seinen Freund und Mitstreiter Wenzeslaus Linck. Und das, obgleich er da noch keine »hitzige Liebe oder Leidenschaft« für seine Frau empfand. Hatte er selber sich auch mit der Ehe schwergetan&#xA0;– noch drei Jahre zuvor schrieb er: »Mir graut und ich predige nicht gern vom ehelichen Leben, deshalb, weil ich befürchte: wo ichs einmal recht anrühre, wird’s mir und andern viel zu schaffen geben&#xA0;– so galt sie ihm doch als ein Geschenk Gottes.«</p>
<p>Als Geschenk Gottes erwies sich schließlich auch seine Käthe, »die beste Frau und d(as) geliebteste Weib«, die es ihm letztlich nicht schwer machte, der klaren Anweisung der Schrift »für die Ordnung in der Familie zu folgen: Liebet eure Frauen und erziehet eure Kinder«.</p>
<p>Martin und Käthe hatten sechs Kinder: Johannes (1526–1575), Elisabeth (1527 bis 1528, Magdalena (1529–1542), Luthers Liebling, Martin (1531–1565), Paul (1533 bis 1593) und Margarethe (1534–1570). Nach dem Tod der gerade acht Monate alten Elisabeth bekennt Luther: »Das hätte ich nie zuvor gedacht, dass ein väterliches Herz so weich werden könnte wegen der Kinder.</p>
<p>Der Tod der zwölfjährigen Margarethe trifft die Eltern tief: Und obwohl ich und meine Frau nur froh und dankbar sein sollten über ihren so glücklichen Heimgang&#xA0;… so ist doch die Macht der Liebe so groß, dass wir es ohne Schluchzen und Wehklagen des Herzens, ja ohne großes Absterben nicht vermögen.« </p>
<p>Luther hatte genaue Vorstellungen davon, was aus seinen Kindern werden sollte: Johannes Theologe, Martin Rechtsanwalt und der stämmige Paul ein Krieger. Das Schicksal entschied anders. Johannes studierte Rechtswissenschaft und war u.&#xA0;a. Ratgeber in der Weimarer Kanzlei, Martin studierte Theologie, war aber nie als Pfarrer tätig. Paul wurde ein angesehener Arzt. Margarethe schließlich wurde die Ahnherrin der heutigen Lutheriden. </p>
<h5>»Liebet eure Frauen und erziehet eure Kinder«</h5>
<p>&#xA0;<br />
Mit seinen Kindern, die er über alles liebte, war Luther zwar streng, aber aus gutem Grund nicht so streng, wie er ­selber erzogen worden war. Bei Tische ­erzählte er einmal: »Mein Vater stäupt’ mich einmal also sehr, dass ich ihm floh und dass ihm bang war, bis er mich wieder zu ihm gewöhnet. Ich wollt auch nicht gern mein’ Hansen sehr schlagen, sonst würd’ er blöde und mir feind; so wüßt ich kein größer Leide&#xA0;… Meine Eltern haben mich aufs peinlichste gezüchtigt, bis ich kleinmütig wurde&#xA0;… Und so haben sie mich mit ihrer strengen Zucht zuletzt ins Kloster getrieben, wiewohl sie es herzlich gut gemeint haben.« Luther also wollte es besser machen.</p>
<p>Luther war nicht nur ein kluger und konsequenter Streiter des Geistes, er war auch durch und durch Familienmensch. Gemälde und Reliefs&#xA0;– obgleich historisch nicht zwingend korrekt&#xA0;– zeigen ihn als Mittelpunkt seiner Familie, als Musik liebender Hausvater und stabiler Kern der Hausgemeinschaft. Zu dieser zählte aber nicht nur seine Familie im engeren Sinn, sondern auch alle, die ständig oder zeitweise in seinem Haus gastliche Aufnahme fanden, »Weib und Kind, Knechte und Magd, Vieh und Futter«.</p>
<p>Neben seinen eigenen Kindern wuchsen hier noch elf Waisenkinder auf, darunter Kinder von Luthers Schwestern und Verwandte von Katharina. »Im Haus der Lutherin«, sagten die Leute, »wohnt eine gar wunderlich gemischte Schar aus Studenten, verlaufene Nonnen, Witwen, alten Leuten und Kindern.« Doch das bunte Treiben störte den Hausvater nicht, im Gegenteil: Er selber zog immer wieder Gäste ins Haus und wollte Verwandte und Freunde um sich haben, wenn er aus seiner Studierstube kam. Das bewahre ihn vor schwarzen Gedanken, meinte er.</p>
<p>Das Leben im Schwarzen Kloster zu Wittenberg‚ Martins und Käthes Heimstatt, wurde für Generationen protestan­tischer Pfarrhäuser ein erstrebenswertes Modell. Ein gastfreundliches Haus, in dem Hilfe geleistet wurde, wo sie nötig war, in dem Bildung und Musik, Gebet, Andacht und Bibellektüre großgeschrieben wurden – das waren die Grundpfeiler dieser häuslichen Gemeinschaft.</p>
<p><em>Sylvia Weigelt</em></p>
<p>Die Autorin ist Historikerin mit Schwerpunkt europäisches Mittelalter.</p>
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		<title>Die Angst vor dem Volk</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 05:44:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Habemus Papam]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Piccoli]]></category>
		<category><![CDATA[Nanni Moretti]]></category>

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		<description><![CDATA[h5>Nanni Morettis Film »Habemus Papam« über einen Papst, der&#xA0;ausbüxt.
&#xA0;
Vor dem Petersdom drängen sich die Menschen. Die Glocken läuten. Weißer Rauch steigt in den Himmel. Gleich soll der neue Papst auf dem Balkon erscheinen. Doch Kardinal Melville, soeben zum geistlichen Oberhaupt gewählt, überfällt die Panik: »Ich schaffe das nicht, helft mir«, ruft er verzweifelt. Und läuft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4774" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/prokino.jpg" alt="Furcht vor dem Wahlergebnis: Kardinal Melville (Michel Piccoli) in dem Konklave.  Er beginnt zu ahnen, wie die Wahl ausgehen wird. (Foto:&#xA0;Prokino&#xA0;Filmverleih&#xA0;GmbH)" title="prokino" width="580" height="473" class="size-full wp-image-4774" /><p class="wp-caption-text">Furcht vor dem Wahlergebnis: Kardinal Melville (Michel Piccoli) in dem Konklave.  Er beginnt zu ahnen, wie die Wahl ausgehen wird. (Foto:&#xA0;Prokino&#xA0;Filmverleih&#xA0;GmbH)</p></div><br />
<h5>Nanni Morettis Film<strong> »Habemus Papam« </strong>über einen Papst, der&#xA0;ausbüxt.<br />
&#xA0;</h5>
<p>Vor dem Petersdom drängen sich die Menschen. Die Glocken läuten. Weißer Rauch steigt in den Himmel. Gleich soll der neue Papst auf dem Balkon erscheinen. Doch Kardinal Melville, soeben zum geistlichen Oberhaupt gewählt, überfällt die Panik: »Ich schaffe das nicht, helft mir«, ruft er verzweifelt. Und läuft davon.</p>
<p>Ein Papst, der sein Amt nicht ausüben will: Die Idee hat Regisseur Nanni Morretti zur Grundlage seines Filmes »Habemus Papam&#xA0;– Ein Papst büxt aus« genommen. Er ermöglicht es, einen unbefangenen Blick hinter die Kulissen der katholischen Kirche zu werfen. Die anfänglichen Befürchtungen des Vatikans, es könne ein kirchenkritischer Film entstehen, erwiesen sich als unbegründet, denn »Habemus Papam« zeigt tiefen Respekt vor dem katholischen Glauben.</p>
<p>Die Geschichte ist geschickt konstruiert. Es geht es um die Frage, was passiert, wenn ein Papst&#xA0;– schön gespielt von dem 85-jährigen französischen Darsteller Michel Piccoli&#xA0;– sein Amt nicht annimmt. Der gesamte Vatikan erstarrt im Schock: Die Kardinäle drängen ihn, einen Arzt zu konsultieren, sie lassen einen renommierten Psychoanalytiker kommen, doch auch er weiß keinen Rat. </p>
<p>Der Papst zieht sich in sein Zimmer zurück, schließlich soll es einen letzten Versuch geben: Er wird zu einer Psychologin in die Stadt ­geschickt und nutzt diese Gelegenheit, um zu fliehen. Mehrere Tage wandert der Papst nun durch die Großstadt. Die Begegnung mit fremden Menschen weckt längst vergessene Emotionen. Er erinnert sich an die Eltern, die Jugend und entdeckt seine alte Freude am Theater. </p>
<p>Bildet die Suche nach Freiheit den ­einen Pol des Films, so konzentriert sich ein zweiter Erzählstrang auf die Situation im Vatikan. Denn die Kardinäle dürfen die Gebäude so lange nicht verlassen, bis sich das gewählte Oberhaupt dem Volk gezeigt hat. </p>
<p>Um das Verschwinden des Papstes zu vertuschen, muss ein Schweizer Gardist das Zimmer hüten und gelegentlich am Vorhang rütteln. Selbst der Psychoanalytiker darf den Vatikan nicht verlassen. </p>
<p>Was aber tun gegen die Langeweile, die sich unter den wartenden Kardinälen ausbreitet? Erst wird gegessen, dann werden Spielkarten gezückt&#xA0;– und schließlich organisiert der Therapeut sogar ein Volleyball-Turnier.</p>
<p>Kardinäle und Päpste sind auch nur Menschen: Es ist diese schlichte Formel, die den Reiz und den Witz des Films ausmacht. Mit nachsichtigem Blick verfolgt die Kamera die Kardinäle: Der Eine mag nicht verlieren, der Nächste wird von ­Alpträumen verfolgt, die er mit starken Schlafmitteln bekämpft, ein Anderer raucht heimlich. </p>
<p>Und der Papst? Ist weder verwirrt noch altersschwach, sondern sehr klar in seinem Zweifel. Der Mann, der plötzlich Verantwortung über eine weltweite Religion bekommen soll, fühlt sich verloren und einsam. Das ist nachvollziehbar und verleiht der Figur ihre Stärke. </p>
<p>Der Film entfaltet mit seinen stillen Bildern eine große Kraft. Und er ist ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und Menschlichkeit beim kirchlichen Bodenpersonal. 	</p>
<p><em>Rieke C. Harmsen</em></p>
<blockquote><p>
Ab 8. Dezember im Kino.</p></blockquote>
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