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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Im Blickpunkt</title>
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		<title>Selbst ein Akteur auf dem Markt</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 13:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Noack]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelischen Kirche in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Hinrich Wichern]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Dierken]]></category>
		<category><![CDATA[Martin-Luther-Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Theologischen Tage]]></category>

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		<description><![CDATA[Wirtschaft: »Theologische Tage« in Halle fragten nach der Rolle der Kirche zwischen Kapital und kirchlichem Auftrag
Der Kapitalismus steckt in der Krise.  Selbst Wirtschaftsvertreter wissen um die Schwachpunkte.  Auch die Kirche kommt nicht umhin, sich mit ihrer Rolle auf dem Markt auseinanderzusetzen.
Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hält mit seiner Meinung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wirtschaft: »Theologische Tage« in Halle fragten nach der Rolle der Kirche zwischen Kapital und kirchlichem Auftrag</strong></p>
<p><em>Der Kapitalismus steckt in der Krise.  Selbst Wirtschaftsvertreter wissen um die Schwachpunkte.  Auch die Kirche kommt nicht umhin, sich mit ihrer Rolle auf dem Markt auseinanderzusetzen.</em></p>
<p>Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. »Wir«, sagt Gerhard Wegner, »brauchen eine grundlegende Veränderung des Wirtschaftssystems.« So, wie es jetzt aufgestellt ist, seien die Zukunftsperspektiven nicht besonders gut. Eine Ursache der gegenwärtigen Krise sieht der Wirtschaftsfachmann und Sozialethiker in der dominierenden Rolle des Geldes und im Auseinanderklaffen von Real- und Finanzwirtschaft. »Derzeit«, weist Wegner nach, »geht es nur noch um die Vermehrung des Geldes.« Mit allen negativen Begleiterscheinungen.</p>
<p>Zugleich hält sich der Theologe aber auch nicht mit Selbstkritik zurück. Die Kirche dürfe ihre Positionierung nicht nur auf das Soziale verkürzen, sondern müsse auch das ökonomische Geschehen in den Blick nehmen, findet Wegner. Ein fairer Wettbewerb etwa könne weltweit gesehen durchaus sinnvoll sein. Als Negativbeispiel nennt er die Agrarsubventionen in der EU, die die armen Länder benachteiligen würden.</p>
<p>Zwei Tage lang stehen wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt der Theologischen Tage der Martin-Luther-Universität in Halle. Unter dem Motto »Zwischen Angebot und Nachfrage. Kirche&#xA0;– Markt&#xA0;– Macht« geht es um jüdisch-christliche Wertvorstellungen zu Geld, Zinswesen und zur ­Wirtschaft sowie um die Frage, ob diese religiösen Orientierungsangebote überhaupt noch zeitgemäß sind.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-5233" title="Blickpunkt-06" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/02/Blickpunkt-06.jpg" alt="Blickpunkt-06" width="320" height="600" />Neben dem Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes spricht der Tübinger Theologieprofessor Eilert Herms über Markt und Macht im Selbstverständnis der Kirche, der frühere Bischof Axel Noack fragt nach unternehmerischem Handeln aus christlicher Sicht und der Hallenser Professor für systematische Theologie Jörg Dierken befasst sich in einem Workshop mit Kapitalismus und Marktzerstörung in christlicher Perspektive. </p>
<p>Die traditionsreichen Theologischen Tage greifen damit ein Thema auf, das durch die Krise des Euro und der globalen Finanzsysteme derzeit in aller Munde ist und die Medien beherrscht. Wenn ganze Staaten ins Taumeln geraten, könnten sich die Kirchen nicht einfach zurücklehnen, heißt es dazu in Halle.</p>
<p>Tatsächlich gehört sie selbst zu den »nicht ganz kleinen Akteuren« (Wegner) und unterliegt mit ihrem Geld den Regeln des Marktes. Allein die Pensions­kassen aller Landeskirchen umfassen derzeit etwa 15&#xA0;Milliarden Euro. Für den Leiter des Sozialwissenschaftlichen Ins­titutes kann das nur eines bedeuten:</p>
<p>Die Kirche müsse sich fragen, ob sie sich dem Markt angleichen oder andere Strukturen entwickeln wolle. Dass der Umgang mit dem Geld dabei immer wichtiger wird, darauf weist auch der frühere Magdeburger Propst Matthias Sens hin. So habe die mitteldeutsche Kirche Ende des vergangenen Jahres ethische Kriterien zur Kapitalanlage beschlossen, sagt er in der anschließenden Diskussion.</p>
<p>Doch grundlegend ändern lässt sich das Wirtschaftssystem damit nicht, das vor allem auf Wachstum angelegt ist. Wichtig sei es deshalb zu fragen, woran künftig der Wohlstand gemessen werden soll, findet Wegner. Dagegen plädiert der Hallenser Theologie-Professor Jörg Dierken für mehr Realitätssinn in der Debatte und wirft einen kritischen Blick auf die lange Tradition des Antikapitalismus im Luthertum.</p>
<p>So seien August Hermann Francke oder Johann Hinrich Wichern auch große Unternehmer gewesen, durch deren Handeln etwas Positives für andere herausgekommen sei. Nach seiner Ansicht haben Theologie und Ökonomie eine ganze Menge miteinander zu tun. »Religion ist der Umgang mit der Endlichkeit, in der Ökonomie geht es um den Umgang mit der Knappheit.« Zudem könne auch wirtschaftliches Handeln als Lebenssinnquelle verstanden werden, so Dierken.</p>
<p>Einen Schritt weiter geht der Tübinger Soziologe Christoph Deutschmann, der sich in seinem Beitrag mit der »dämonischen Qualität des Geldes« befasst. Seit dem 19.&#xA0;Jahrhundert hätte der Markt eine quasi religiöse Rolle erhalten. »Heute ist Geld weit mehr als ein harmloses Tauschmittel«, zeigt er sich überzeugt. Auch in der Idee des Marktes sieht Deutschmann keineswegs ein Naturgesetz. </p>
<p>Vielmehr handele es sich um einen Glauben, der in direkter Konkurrenz zur christlichen Religion stehe. »Der Marktgott ist kein gütiger Gott, sondern ein ­Dämon!« Dabei sei der Kapitalismus nicht per se amoralisch, stellt der Soziologe klar. Das Argument der liberalen Theorie, der Markt führe zu globaler Gerechtigkeit, sei nicht völlig falsch. »Aber wir sollten uns vor einer Marktgläubigkeit hüten.« Heute stehe die Aufgabe, wie sich die »Entgrenzung des Marktes« ­wieder rückgängig machen lasse. »Das«, findet Deutschmann, »kann auch eine Aufgabe der Kirche sein.«</p>
<p><em>Martin Hanusch</em></p>
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		<item>
		<title>Dem Vergessen einen Strich durch die Rechnung machen</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/26/dem-vergessen-einen-strich-durch-die-rechnung-machen/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 12:54:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Yad Vashem]]></category>

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		<description><![CDATA[Holocaustgedenktag: Bis heute arbeitet Yad Vashem daran, den Opfern ein Denkmal und einen Namen zu geben
Yad Vashem, die zentrale ­Holocaustgedenkstätte des Staates Israel, ist ein Muss für jeden Israelbesucher. Der Ort steht sowohl für das Erinnern wie auch für die wissenschaftliche Erforschung der Judenvernichtung.
Kein führender Politiker oder hochrangiger Geistlicher kann es sich leisten, den jüdischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Holocaustgedenktag: Bis heute arbeitet Yad Vashem daran, den Opfern ein Denkmal und einen Namen zu geben</strong></p>
<p>Yad Vashem, die zentrale ­Holocaustgedenkstätte des Staates Israel, ist ein Muss für jeden Israelbesucher. Der Ort steht sowohl für das Erinnern wie auch für die wissenschaftliche Erforschung der Judenvernichtung.</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 590px"><img title="blickpunkt0512" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/blick0512.jpg" alt="" width="580" height="386" /><p class="wp-caption-text">In der Halle der Namen: Auch die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer, ­besuchte im März 2010 während ihres Israelaufenthaltes die Gedenkstätte Yad Vashem. Foto: Johannes Gerloff</p></div>
<p style="text-align: left">Kein führender Politiker oder hochrangiger Geistlicher kann es sich leisten, den jüdischen Staat zu besuchen, ohne einen Kranz in der Halle des Gedenkens neben der ewigen Flamme niederzulegen oder sich in der Halle der Namen fotografieren zu lassen. Niemand bleibt unberührt beim Gang durch das Museum, das sich wie ein Pfeil durch den Bergrücken im Westen Jerusalems bohrt und die Geschichte des nationalsozialistischen Völkermords nachzeichnet. Der Name der Gedenkstätte ist dem biblischen Buch des Propheten Jesaja entnommen, wo der Gott ­Israels verspricht, Menschen »in meinem Hause und in meinen Mauern ›Yad Vashem‹ – ein Denkmal und einen Namen« – zu geben. (Jesaja 56,5)</p>
<p>Seit 1955 sammelt und archiviert Yad Vashem die Namen von Holocaustopfern. Von den schätzungswei­se sechs Millionen Holocaustopfern sind mehr als vier Millionen namentlich registriert. Zwei Millionen Namen fehlen noch. Debbie Berman gehört zu denen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Namen ausfindig zu machen. Seit 2006 arbeitet sie in Yad Vashem, heute als Projekt-Koordinatorin für die Erhaltung der Namen von Opfern der Schoah, wie der Holocaust auf Hebräisch genannt wird. Die modern-orthodoxe Mutter von vier Kindern betrachtet ihren Wettlauf ­gegen die Zeit und das Vergessen als Familienprojekt, als Mission und ganz einfach als Vorrecht.</p>
<p>Bermans Eltern und Großeltern sind selbst Holocaustüberlebende. Aber keiner wollte erzählen, was sie in den Konzentrationslagern, auf der Flucht oder im jahrelangen Versteck durchgemacht haben. »Emma Salgo war voller Leben, Freude und Lachen«, erklärt Debbie Berman das Schweigen ihrer Großmutter, »das wollte sie uns weitergeben – nicht die Geschichten von Verfolgung, Qual und Tod.« Deshalb hat sie ihren Kindern und Enkeln nie erzählt, was sie im Arbeitslager Kaufring, einer Außenstelle des KZ Dachau, erlebt hat. Im November 1944 wurde sie dorthin deportiert. Ihrem Mann Chaim war die Flucht in die Schweiz gelungen. Die Kinder, Robbi und Schoschanna, wurden in Budapest versteckt.</p>
<p>Dass Überlebende der Schoah nicht über die Vergangenheit reden wollen, ist nicht ungewöhnlich. Eine Antwort auf die Frage nach dem Grund dafür ist nicht leicht zu finden. »Viele haben nie wirklich um ihre Lieben trauern können. Der Verlust war einfach überwältigend«, meint Debbie Berman, »manchmal kann eine einzige Person 50, 60 oder gar 80 Namen aus dem engeren Verwandtenkreis nennen, die in der Schoah ihr Leben verloren haben.«</p>
<p>Manche hoffen immer noch, vermisste Familienmitglieder und Freun­de wiederzufinden. Berman hilft Überlebenden, Fragebögen zu vermissten Schoahopfern auszufüllen. »Den Satz ›Mendel ist tot‹ zu denken, auszusprechen, aufzuschreiben und dann auch noch eine Unterschrift unter ein Formular zu machen, erscheint ihnen oft unmöglich«, erzählt die junge Frau aus ihrer Arbeit. Aber dann ist es ­immer wieder doch eine gewaltige ­Erleichterung für diese Menschen, die jahrzehntelang eine unglaubliche, ­erdrückende Last mit sich herumgetragen haben. »Wir nennen die Zeugnisbögen auch ›virtuelle Grabsteine‹«, erklärt Berman.</p>
<p>»Es ist wichtig, dass da ein Name steht, wenn möglich ein Foto; dass die Erinnerungen ausgesprochen und aufgeschrieben werden, um so dem Bemühen der Deutschen, uns zu einer Nummer zu degradieren, uns zu vernichten, unseren Namen auszuradieren, einen Strich durch die Rechnung zu machen.«</p>
<p>Berman berichtet, dass ihre eigene Mutter anfangs auch nicht erzählen wollte. »Ich erinnere mich an nichts. Ich weiß nichts Wesentliches«, hatte sie immer wieder betont. Doch dann fuhren Mutter und Tochter nach Budapest, wo die Mutter als kleines Mädchen vor den Nazi-Schergen versteckt worden war. »Intuitiv kannte sie sich aus, wusste genau wo der Bahnhof sein musste«, erlebte Debbie Berman. Schließlich umfassten die ­Erinnerungen der Mutter 13 Seiten – und die Erinnerungen wurden bestätigt. Das Online-Archiv von Yad Vashem fand Verbindungen zu weiteren Verwandten und stellte fest, dass Debbies Urgroßmutter, Theresa Salgo-Rottenberg, eine Erinnerungsseite für ihren Sohn eingereicht hatte.</p>
<p>Debbies Vater, Simon Deutsch, wurde wie die Mutter von Nichtjuden gerettet. Debbie kennt die Namen der Retter ihrer Eltern. Es war der Portugiese Sousa Mendes, der ihrem Vater nach der Flucht aus dem von Deutschen besetzten Antwerpen das Überleben und einen Neuanfang im fernen Amerika ermöglichte. In den Archiven von Yad Vashem begegnete Berman schließlich noch einem Onkel ihres Vaters, dem Künstler Carol Deutsch. Seine Tochter Ingrid hatte in einem Versteck überlebt und 99 Illustrationen biblischer Geschichten ihres Vaters gerettet. Sie werden jetzt in der Gedenkstätte ausgestellt.</p>
<p>Immer wieder kommt es vor, dass Berman miterleben darf, wie Menschen Tote suchen und Lebende finden – etwa Liora Tamir, die als Vollwaise in der sowjetischen Gulagstadt Workuta und später in einem Waisenhaus in Leningrad aufwuchs. Tamir lebte in der Annahme, ihre gesamte Familie sei ausgerottet. Bis eines Tages ihre Tochter Ilana durch Nachforschungen herausfand, dass ein Onkel von Liora, Simcha Shikler, 1956 einen Eintrag in Yad Vashem veranlasst hatte. So wurde der Frau, die sich mutterseelenallein glaubte, »eine Familie geboren«, wie ihre Tochter Ilana im Rückblick formulierte.</p>
<p>Auf wunderbareweise überlebte die ganze Familie von Debbie Berman und wurde nach dem Krieg wiedervereint. Die Großmutter hatte es irgendwie geschafft, durch die gesamte Leidenszeit im Konzentrationslager ein kleines rosa Kleid ihrer Tochter zu bewahren. »Es war ein Hoffnungsschimmer inmitten des erlebten Albtraums.« Bevor Debbie 1992 nach Israel einwanderte, schenkte die Mutter ihr das rosa Kleidchen. »Ich habe es all diese Jahre aufbewahrt und dann einmal meiner kleinen Tochter Emma, die nach ihrer Großmutter genannt wurde, angezogen«, erzählt sie heute.</p>
<p>»Als ich meine eigene Tochter in diesem Kleidchen spielen und lachen sah, wurde mir plötzlich klar, was für ein Schmerz es für meine Großmutter gewesen sein muss, so lange und unter solchen Umständen von ihren Kindern getrennt sein zu müssen.« 2010 feierte Emma Berman ihren zwölften Geburtstag, ihre Bat-Mizwa. Aus diesem Anlass vermachte die Familie das geschichtsträchtige Familienkleidungsstück der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. »Ich denke, hier ist es am besten aufgehoben«, meint Debbie.</p>
<p><em> Johannes Gerloff</em></p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">
<h3>Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus</h3>
<p style="text-align: left">Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Überlebenden des größten nationalsozialistischen Vernichtungslagers in Auschwitz-Birkenau. Mit einer Proklamation des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wurde am 3. Januar 1996 der 27. Januar in Deutschland offiziell zum »Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus« erhoben. »Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen«, hieß es in der Proklamation.</p>
<p>Im Jahr 2005 erklärte zudem die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Holocaustgedenktag.<br />
In Israel selbst ist der Jom haScho’a ein israelischer Nationalfeiertag. Er beginnt mit dem Sonnenuntergang am 27. Nisan des jüdischen Kalenders und endet am folgenden Abend. Nach dem gregorianischen Kalender fällt der Tag in diesem Jahr auf den 19. April.<br />
<em>(GKZ)</em></p></blockquote>
<p style="text-align: left"><a href="http://www.yadvashem.org/" target="_blank">www.yadvashem.org/</a><br />
<a href="http://www.yad-vashem.de" target="_blank"> www.yad-vashem.de</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Glaubens-Façon und preußischer Mehrwert</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/22/glaubens-facon-und-preusischer-mehrwert/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 10:51:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich II.]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Wilhelm I.]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Carl von Carlowitz]]></category>
		<category><![CDATA[Preußische Tugenden]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Huber]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview: Der Sozialethiker Wolfgang Huber über Friedrich II., preußische Tugenden und religiöse Toleranz
Am 24. Januar jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag des späteren preußischen Königs Friedrich II. Er steht ebenso für das Preußentum mit seinen umstrittenen Tugenden wie für einen aufgeklärten Absolutismus. Harald Krille sprach darüber mit Wolfgang Huber.
Herr Professor Huber, in der DDR [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview: Der Sozialethiker Wolfgang Huber über Friedrich II., preußische Tugenden und religiöse Toleranz</strong></p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 205px"><img title="Glaubens-Façon und preußischer Mehrwert" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Blickpunkt-Huber.jpg" alt="Wolfgang Huber, Jahrgang 1942, ist evangelischer Theologe und Sozialethiker. Er war von 1993 bis 2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Huber ist unter anderem Mitglied im Nationalen Ethikrat und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Garnisonkirche in Potsdam. Foto: picture-alliance" width="195" height="300" /><p class="wp-caption-text">Wolfgang Huber, Jahrgang 1942, ist evangelischer Theologe und Sozialethiker. Er war von 1993 bis 2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Huber ist unter anderem Mitglied im Nationalen Ethikrat und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Garnisonkirche in Potsdam. Foto: picture-alliance</p></div>
<p>Am 24. Januar jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag des späteren preußischen Königs Friedrich II. Er steht ebenso für das Preußentum mit seinen umstrittenen Tugenden wie für einen aufgeklärten Absolutismus. Harald Krille sprach darüber mit Wolfgang Huber.</p>
<p><em>Herr Professor Huber, in der DDR galten Friedrich II. und die preußischen Tugenden weithin als Synonym für Militarismus und alles Böse. Gibt es gute Gründe für eine Renaissance des Alten Fritzen?</em><br />
<strong>Huber:</strong> Zunächst muss man sagen, dass die Rezeption der Geschichte Preußens in der DDR außerordentlich widersprüchlich war. Einerseits wollte man ein Feindbild haben, von dem man sich abgrenzen konnte, und brachte deswegen den preußischen Militarismus und den Hitlerfaschismus ganz nahe zusammen. Und auf der anderen Seite wollte man gerne das kulturelle Erbe auf die eigenen Mühlen lenken. Deshalb hat man beispielsweise den Alten Fritz unter den Linden in Berlin wieder aufgestellt. Statt eines solchen zwiespältigen Verhältnisses sollten wir uns um eine kritische Aneignung der Tradition bemühen.</p>
<p>Friedrich II. war eine Persönlichkeit, die eindrucksvolle Züge hatte, die sich jedoch auch in einer Weise am militärischen Ruhm orientierte, die wir heute kritisch sehen. Aber ohne jeden Zweifel handelt es sich um eine herausragende und geschichtsprägende Gestalt. Friedrich II. hat Preußen nahezu ein halbes Jahrhundert regiert. Und dieses Preußen sah danach völlig anders aus. Er hat auf seine Weise dazu beigetragen, dass Preußen zu einem Kulturstaat geworden ist. Deswegen können wir gar nicht an ihm vorbei, denn die Spuren dieser kulturellen Prägung begegnen uns auf Schritt und Tritt.</p>
<p><em>Stichwort »kritische Aneignung«: Was taugt denn aus der preußischen Tradition für Demokraten im Rechtsstaat?</em><br />
<strong>Huber:</strong> Aus dieser Tradition taugen vor allem zwei preußische Tugenden, die in meinen Augen ganz in den Vordergrund gerückt werden sollten:</p>
<p>Verlässlichkeit und Toleranz. Verlässlichkeit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Vertrauen bilden kann. Und Offenheit für den Anderen, für den Fremden ist eine Grundvoraussetzung für den Respekt vor der Glaubensüberzeugung auch derjenigen, die anders glauben als ich selbst. Diese beiden Tugenden sind für die Demokratie sehr wichtig. Sie taugen auch als kritische Maßstäbe im Blick auf Auswüchse in der Wirtschaft oder auf den Finanzmärkten, die wir gegenwärtig beobachten; sie können uns in der Gestaltung einer pluralistischen Gesellschaft hilfreich sein.</p>
<p><em>Viele verstehen die religiöse Toleranz Friedrichs II. und seinen berühmten Satz, »jeder soll nach seiner Façon selig werden«, eher als Ausdruck einer religiösen Gleichgültigkeit …</em><br />
<strong>Huber:</strong> Es wird erzählt, dass Friedrich II. gelegentlich hinzugefügt haben soll: »Jeder soll nach seiner Façon selig werden, Hauptsache die Kerle haben überhaupt Religion.« So wurstig das klingt und so distanziert auch das eigene Verhältnis des Voltaire-Freundes zur Religion gewesen ist, so deutlich hat er doch ein Bewusstsein davon gehabt, dass der Mensch auf einen Bezugspunkt außerhalb seiner selbst angewiesen ist. Das ist ein Hinweis darauf, dass Menschen verarmen, wenn ihr Glaube verkümmert.</p>
<p>Außerdem: Die Preußen haben im Blick auf einwandernde Menschen anderer Konfession diese Glaubensüberzeugungen eben nicht zur Privatsache erklärt. Sie nahmen auch deren Religion und konfessionelle Prägung wichtig und sorgten dafür, dass sie ihren Glauben frei leben konnten. Das ist etwas anderes als Gleichgültigkeit.</p>
<p><em>Zu den preußischen Tugenden gehören auch solche Begriffe wie Treue, Gehorsam und Disziplin, die nicht zuletzt im Dritten Reich fürchterlich missbraucht wurden. Kann man heute wieder unbefangen vom Wert preußischer Tugenden sprechen?</em><br />
<strong>Huber:</strong> Wenn unbefangen unkritisch bedeutet, dann kann man das natürlich nicht. Wenn man aber durch eine kritische Analyse der Wirkungsgeschichte hindurch wieder fragt, was denn eigentlich der Kern dieser preußischen Tugenden ist, dann kann man im Blick auf diesen Kern wieder ein Stück Unbefangenheit entwickeln. Denn dann merkt man, dass das Zerrbild eines preußischen Militarismus nicht unbedingt dem Kern preußischer Tugenden entspricht.</p>
<p><em>Was wären denn außer Verlässlichkeit und Toleranz aneignungswerte Kernwerte?</em><br />
<strong>Huber</strong>: Ich will ein Stichwort nennen, das sehr modern klingt, aber in Wirklichkeit schon viel länger aktuell ist – nämlich die Tugend der Nachhaltigkeit. Wenn Sie anschauen, welche Kultivierungsleistung beispielsweise die Ansiedlung holländischer Bauern im Oderbruch zur Folge hatte, dann sehen Sie daran, dass in diesem Land mit seinen durchaus kärglichen Lebensbedingungen nicht nur an kurzfristigen Profit gedacht wurde. Es war die Zeit Friedrich des Großen, in der das Wort Nachhaltigkeit zum ersten Mal verwendet wird.</p>
<p>Zugegeben: nicht von einem Preußen, sondern von dem sächsischen Forstmeister Hans Carl von Carlowitz. Aber wir ­wissen, dass zur selben Zeit auch in Preußen in der Landwirtschaft genau der gleiche Gedanke vorangetrieben wurde: Nämlich den Ackerboden so zu bewirtschaften, dass die Erträge auch für die nächste Generation sichergestellt werden. Diese Art von ­Tugend haben wir lange Zeit sträflich vernachlässigt.</p>
<p><em>Wo würden Sie den Unterschied sehen zwischen den sogenannten preußischen Tugenden und den klassischen Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung oder den christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe?</em><br />
<strong>Huber:</strong> Der Unterschied scheint mir die größere Alltagsnähe der preußischen Tugenden zu sein. Hier werden praktische Maßstäbe des persönlichen Verhaltens ins Zentrum gerückt, Maßstäbe, an denen der Einzelne sich orientieren kann und in denen er ­einen verlässlichen Kompass für die persönlichen Entscheidungen im Alltag hat. Es geht um gelebten Anstand im täglichen Miteinander. Sowohl die sogenannten Kardinaltugenden als auch die christlichen Tugenden sind im Vergleich dazu eher so etwas wie grundlegende Voraussetzungen.</p>
<p><em>Ein zeitgenössisches französisches Sprichwort lautet: »Preuße zu sein ist eine Ehre, aber kein Vergnügen« …</em><br />
<strong>Huber:</strong> (lacht) Ja, man muss sicher auch die kritische Frage stellen, ob die Erfahrung von Glück, die Freude am Leben, die Muße zum Feiern in der preußischen Lebensauffassung den wünschenswerten Raum hatte. Bei Friedrich II. hat es an diesen Dimensionen eigentlich nicht gefehlt. Denken Sie an seine große Begeisterung für die Musik, denken Sie an die Gastlichkeit, die am preußischen Hof durchaus vorhanden war.</p>
<p>Oder denken Sie an die Gestaltung Potsdams und seiner Parkanlagen, in denen ein Stück mediterrane Lebensfreude auftaucht. Aber es gehört sicher zur kritischen Aneignung mitzureflektieren, dass die Hochschätzung der Arbeit nur dann ein Maß bleibt, wenn auch die Grenzen der Arbeit geachtet ­werden, und dass Pflicht nur dann mit Augenmaß betrachtet wird, wenn auch die Bereitschaft zur Freude an der Schönheit des Lebens vorhanden ist.</p>
<p><em>Sie haben Glaube, Hoffnung, Liebe eher als grundlegende Voraussetzungen bezeichnet – und für den pietistisch geprägten Vater Friedrichs II., Friedrich Wilhelm I., waren sie es besonders. Können preußische Tugenden überhaupt auf Dauer ohne Rückbindung an solche Voraussetzungen gelebt werden?</em><br />
<strong>Huber:</strong> Sie verarmen sicher, wenn man sie nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Nützlichkeit für das eigene Leben und das eigene Fortkommen anschaut, statt unter dem Aspekt, dass ich für mein anvertrautes Leben, meine anvertrauten Gaben und für meine Mitmenschen Verantwortung vor Gott habe und ihm rechenschaftspflichtig bin. Das kann nicht in dem Sinn gemeint sein, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, kein gutes und an Tugenden orientiertes Leben führen könnten.</p>
<p>Aber die Frage nach dem entscheidenden Grund und Halt für mein Leben, die Fähigkeit neu anzufangen, wenn etwas misslungen ist, wenn man gescheitert ist, wenn man Schuld auf sich geladen hat – das sind Glaubensfragen, ohne die allen Tugenden eine entscheidende Basis fehlt. Sie gehören unmittelbar zu unserem Leben; deshalb verweist unser Gespräch über Tugenden unmittelbar auf die Dimension des Glaubens. Und deshalb möchte ich jedem Menschen wünschen, dass er die Verwurzelung eines verantwortlichen Lebens in der Beziehung zu Gott verstehen und sich selber aneignen kann.</p>
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		<title>Die neue Super-Kirche im Norden</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/12/die-neue-super-kirche-im-norden/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 12:42:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Ulrich]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Möhring]]></category>

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		<description><![CDATA[Strukturwandel: Die Kirchenparlamentarier aus Mecklenburg, Pommern und Nordelbien stimmten der Fusion zu
Erst gab es stehenden Applaus, dann ein lautes »Großer Gott, wir loben dich!«: Am vergangenen Sonnabend wurde die letzte Hürde zur Fusion der Kirchen im Norden genommen.

Spontan stimmte ein Mitglied der »Verfassunggebenden Synode« der neuen Nordkirche den alten Choral an, als Präses Heiner Möhring [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Strukturwandel: Die Kirchenparlamentarier aus Mecklenburg, Pommern und Nordelbien stimmten der Fusion zu</strong></p>
<p>Erst gab es stehenden Applaus, dann ein lautes »Großer Gott, wir loben dich!«: Am vergangenen Sonnabend wurde die letzte Hürde zur Fusion der Kirchen im Norden genommen.</p>
<p><img class="wp-caption-dd alignright" title="Die neue Super-Kirche im Norden" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/3-Grafik1.jpg" alt="" width="300" height="180" /></p>
<p>Spontan stimmte ein Mitglied der »Verfassunggebenden Synode« der neuen Nordkirche den alten Choral an, als Präses Heiner Möhring im großen Tagungssaal der Yachthafenresidenz in Warnemünde-Hohe Düne die Ergebnisse der endgültigen und finalen Abstimmung über die Bildung der gemeinsamen Landeskirche in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern verkündet hatte:</p>
<p>Von den 255 anwesenden Synodalen stimmten 227 in dritter Lesung für die Verfassung der neuen Kirche. 22 votierten dagegen, sechs enthielten sich. »Nun sind wir diesen Schritt gegangen, haben diesen Schritt geschafft, Gott sei Dank!«, sagte der Vorsitzende der gemeinsamen Kirchenleitung, Schleswigs Bischof Gerhard Ulrich, in einer ersten Reaktion.</p>
<p>Damit wird es zum Pfingstfest 2012 nur noch eine einzige evangelische Landeskirche in Norddeutschland mit 2,3 Millionen Gemeindegliedern zwischen Usedom und Helgoland geben. Die 478 Jahre alte Pommersche Evangelische Kirche, die 465 Jahre alte Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die 35 Jahre alte Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche sind dann Geschichte.</p>
<p>Mit einem vom Fernsehen übertragenen Festgottesdienst im Ratzeburger Dom soll dann die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland gegründet werden. »Wer etwas Neues anfangen will, muss altes loslassen«, sagte Ulrich. Die neue Nordkirche sei eine historische Zäsur, die »von Bedeutung für die Entwicklung des Protestantismus in unserem Land und für das Zusammenwachsen zwischen Ost und West« sei, so der Bischof.</p>
<p><strong>Erstmals »Barmer Erklärung« als offizielle Grundlage</strong><br />
&#xA0;<br />
Offiziell verhandelt wurde über den Zusammenschluss bereits seit 2007. Damals war klar: Alleine würden die damals noch 200000 beziehungsweise 100000 Gemeindeglieder zählenden Kirchen in Mecklenburg und Vorpommern langfristig nicht überleben können. Schon die demografische Entwicklung im Nordosten sprach gegen eine fortgesetzte Selbstständigkeit. Doch Versuche, lediglich die mecklenburgische und die pommersche Kirche zu fusionieren, scheiterten an der Mentalität vor Ort. Mit dem direkten Nachbarn ging es nicht. Die ganz große Lösung musste her.</p>
<p>Dazu mussten zahlreiche Probleme aus dem Weg geräumt werden: Kirchenleitungen, Verhandlungskommissionen und Synoden haben sich darauf geeinigt, dass es künftig einen Landesbischof mit Sitz in Schwerin und drei Sprengelbischöfe mit Sitz in Schleswig, Greifswald und Hamburg geben wird. Das in den beteiligten Kirchen noch unterschiedlich geregelte Arbeitsrecht – in Nordelbien gibt es einen Tarifvertrag, in den Kirchen Mecklenburg-Vorpommerns den in den meisten anderen Landeskirchen üblichen »Dritten Weg« – soll erst in sechs Jahren vereinheitlicht werden.</p>
<p>&lt;Und auch in der Theologie ist die neue Kirche eine Besonderheit: »Die neue Nordkirche nimmt in ihrer Präambel ausdrücklich Bezug auf die ›Barmer Theologische Erklärung‹ von 1938«, sagt Bischof Ulrich. Damit ist sie die erste lutherische Kirche weltweit, die dieses Grundlagendokument der Bekennenden Kirche in ihrer Verfassung als theologische Grundlage anerkennt.</p>
<p>Doch selbst auf der finalen Synode in Warnemünde konnten nicht alle zustimmen: Die Gebrüder Mahlburg – der eine pommerscher, der andere mecklenburgischer Synodaler – und der mecklenburgische Synodale Lutz Decker machten ihre Ablehnung offen deutlich. Sie hätten sich eine langsamere Fusion gewünscht. »Natürlich bin ich auch ein kleines bisschen traurig«, sagte Decker hinterher. Doch auch er wolle sich nun auf den Weg in die Nordkirche machen und die gemeinsame Kirche kritisch begleiten.</p>
<p>Eine Gelegenheit dazu fand sich schnell. Denn in Warnemünde erlebte die neue Nordkirche auch ihre erste Krise. Die Überleitung der vier Bischöfe (zwei in Nordelbien sowie je einer aus Pommern und Mecklenburg) in die neue Kirche, eigentlich nur eine Formalie, scheiterte im ersten Anlauf. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit war verfehlt. Schuld daran war nach Ansicht vieler Synodaler die Debatte um die Amtszeitverlängerung des pommerschen Bischofs Hans-Jürgen Abromeit.</p>
<p><strong>Bis zuletzt noch Streit um die Bischöfe</strong><br />
&#xA0;<br />
Denn Abromeit ist nur bis 2013 als Bischof gewählt. Und eine »geistliche Vertrauensfrage«, die der Bischof im November vor der Landessynode in Züssow stellte, machte deutlich, dass ein gutes Drittel seiner Landessynode nicht hinter ihm steht. Trotzdem entschied sich der Bischofswahlausschuss der pommerschen Kirche, ihn bis 2018 zu verlängern. Seine Gegner beantragten daraufhin eine pommersche Sondersynode, die in Warnemünde bis tief in die Nacht tagte.</p>
<p>Ein mit den Worten »Die Synode steht zu ihrem Bischof« beginnender Beschluss, der der Verlängerung zustimmte, fand dann zwar wiederum die Zustimmung von zwei Dritteln der Synode. Immerhin ein Drittel stimmte weiterhin dagegen oder enthielt sich. Nun musste auch die gemeinsame Nordkirchensynode eine Nachtsitzung einlegen – im zweiten Anlauf einigten sich die Kirchenparlamentarier dann doch noch darauf, alle ihre Bischöfe mit in die Nordkirche zu nehmen. »Es wäre ein Desaster geworden, wenn wir die Debatte nicht in dieser Form aufgearbeitet hätten«, sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs.</p>
<p>So herrschte am Ende auch in Warnemünde wieder eitel Sonnenschein. Mit einem lautstark gesungenen »Vertraut den neuen Wegen« des Jenaer Theologieprofessors Klaus-Peter Hertzsch gingen die Synodalen auseinander – um sich zum Pfingstfest zur Kirchengründung in Ratzeburg wieder zu treffen. Für alle sichtbar wird die neue Kirche spätestens 2013: Der dann in Hamburg stattfindende Deutsche Evangelische Kirchentag wird von der gesamten Nordkirche gemeinsam vorbereitet.</p>
<p>In Bewegung ist die Kirchenlandschaft bereits seit 2009. Damals kam der Zusammenschluss der Thüringer Kirche und der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit rund 900000 Mitgliedern zustande. Eine erste Neugliederung der östlichen Kirchen lag damals schon fünf Jahre zurück. Zum 1. Januar 2004 hatten sich die Berlin-Brandenburgische Kirche und die Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz mit derzeit rund 1,1 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen.</p>
<p><em>Benjamin Lassiwe</em><br />
&#xA0;<br />
<a href="http://www.kirche-im-norden.de/">www.kirche-im-norden.de</a></p>
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		<title>Schöpfung ohne Schöpfer?</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/05/schopfung-ohne-schopfer/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 10:30:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen ­Audretsch]]></category>
		<category><![CDATA[Leonard Mlodinow]]></category>
		<category><![CDATA[Päpstliche Akademie der Wissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Hawking]]></category>
		<category><![CDATA[Urknall]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Thiede]]></category>

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		<description><![CDATA[Glaube und Naturwissenschaft: Eine theologische Beleuchtung gegenwärtiger naturwissenschaftlicher Spekulationen

Sollte das christliche Credo am Ende sein? Wenn es nach dem derzeit wohl bekanntesten Physiker der Welt, dem britischen Cambridge-Professor Stephen Hawking ginge, entstand das Universum von allein.
In seinem Buch »Der große Entwurf. Eine neue Erklärung des Universums« (2010) scheuten sich der Astrophysiker Steven Hawking aus Cambridge, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Glaube und Naturwissenschaft: Eine theologische Beleuchtung gegenwärtiger naturwissenschaftlicher Spekulationen<br />
</strong><br />
<div id="attachment_5000" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Blickpunkt212.jpg" alt="»Kosmischer Christus«: Christus als Schöpfer und Architekt des Universums in einer gotischen Miniaturmalerei aus dem 13. Jahrhundert. Repro: akg-images" title="Blickpunkt212" width="300" height="572" class="size-full wp-image-5000" /><p class="wp-caption-text">»Kosmischer Christus«: Christus als Schöpfer und Architekt des Universums in einer gotischen Miniaturmalerei aus dem 13. Jahrhundert. Repro: akg-images</p></div></p>
<p>Sollte das christliche Credo am Ende sein? Wenn es nach dem derzeit wohl bekanntesten Physiker der Welt, dem britischen Cambridge-Professor Stephen Hawking ginge, entstand das Universum von allein.</p>
<p>In seinem Buch »Der große Entwurf. Eine neue Erklärung des Universums« (2010) scheuten sich der Astrophysiker Steven Hawking aus Cambridge, seines Zeichens Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, und der US-amerikanische Co-Autor Leonard Mlodinow in keiner Weise, Gott den Schöpfer als unnötig auszugeben.</p>
<p>1988 hatte Hawking noch in seinem Bestseller »Eine kurze Geschichte der Zeit« auf das Finden der »Weltformel« spekuliert mit den Worten: »… dann würden wir Gottes Plan kennen.« Jetzt aber streitet er den Gedanken an einen göttlichen Plan oder Schöpfer vollends als überflüssig ab: Es sei »nicht nötig, einen Gott heraufzubeschwören, der das blaue Zündpapier in Brand und das Universum in Gang setzt.«</p>
<p>Dabei tun er und sein Kollege so, als sei nun eine neue Erklärung des Weltalls auf den Tisch gekommen. Tatsächlich ist jedoch der Gedanke einer Selbstsetzung des Kosmos’ in der modernen Naturwissenschaft sogar schon älter als Hawkings Buch von 1988. Bereits 1973 trat der US-amerikanische Physikprofessor Edward Tryon mit der These hervor, das All sei aus dem Vakuum des leeren Raumes per Quantenfluktuation hervorgegangen. Rund ein Jahrzehnt später publizierte dessen Oxforder Kollege Peter W. Atkins ein Buch unter dem Titel »Schöpfung ohne Schöpfer. Was war vor dem Urknall?«.</p>
<p>Die damals mehr als heute provozierende These lautete, dass die Raumzeit im Zuge ihres selbsttätigen Aufbaus ihren eigenen Staub erzeuge: »Das Universum kann aus nichts entstehen. Ohne Eingriff. Durch Zufall.«</p>
<p>Auch wenn der Naturwissenschaftler sich mit solchen Formulierungen mindestens ansatzweise auf geisteswissenschaftliches Gebiet begab, sah es doch so aus, als habe er nicht anders gekonnt und als sei es Angelegenheit der Geisteswissenschaften, die Konsequenzen aus dem naturwissenschaftlichen Befund zu ziehen. Dabei lässt sich Atkins schon im Blick auf seine eigene Argumentation kritisieren. Zur Durchführung seiner Annahme einer Weltentstehung aus dem Nichts braucht er immerhin »zwei Zutaten« – eigentlich sogar drei. Die dritte, von ihm gar nicht ausdrücklich aufgezählte, war nämlich die These, dass die Naturwissenschaft verlässlich über den Urknall hinaus spekulieren könne.</p>
<p>Wer allerdings – wie einst Atkins und heute Hawking – den »Big Bang« vor 13,7 Milliarden Jahren als nur einen besonders drastischen von vielen Phasenübergängen im Universum deuten will, geht von nicht wirklich bewiesenen ­Voraussetzungen aus. Einstweilen muss es offenbleiben, ob sich das Weltall zyklisch ausdehnt und wieder zusammenzieht, wie das analog vor allem die indische Religiosität und von ihr abgeleitete esoterische Weltanschauungen annehmen oder ob von einem singulären Urknall auszugehen ist, von dem ab es sich in dauernder Ausdehnung befindet.</p>
<p>Die gewagten ­naturwissenschaftlichen Spekulationen über eine Zeit noch »vor« dem Urknall entsprechen den mathematisch gestützten Überlegungen und Fantasien über weitere Universen, also ein »Multiversum«. Der Oxforder Mathematikprofessor und Wissenschaftsphilosoph John Lennox hält gegenüber Hawking fest: »Die Theorie vom Multiversum ist allerdings unter Wissenschaftlern sehr umstritten.«</p>
<p>Wenn naturwissenschaftliche Spekulationen in durchaus »meta-physisch« anmutender Manier »hinter« den Urknall zurückzudenken versuchen, drängt sich ihnen in der Regel folgendes Bild auf: Aus dem untersten denkbaren Kältegrad heraus bildeten sich immer wieder einmal scherbenartig erste Wirklichkeitspunkte.</p>
<p>So lehrte es schon Atkins, der hierfür ­allerdings »zwei Zutaten« benennt, die er benötigt, um ein derartiges Zustandekommen des Urknalls zu erklären: ­»Erstens brauchen wir die Punkte, die sich zu den Zeit und Raum bestimmenden Mustern zusammenfinden. Zweitens brauchen wir die Punkte, die von der Zeitstruktur in ihre Gegensätze zerlegt werden. Die Zeit verleiht den Punkten Leben; die Punkte verleihen der Zeit Leben. Die Zeit brachte die Punkte in die Welt, und die Punkte brachten die Zeit in die Welt. Das ist der kosmische Reißverschluss, der unser Universum zusammenhält.«</p>
<p>Bereits die Formulierung dieser Sätze zeigt, dass hier mehr spekuliert als bewiesen wird. Atkins vermag nicht plausibel darzulegen, wodurch das Entstehen anfänglicher Punkte und damit auch der Zeit aus dem Gar-Nichts bedingt gewesen sein soll – denn ein Werden aus dem »Fast-Nichts« erklärt in der entscheidenden Hinsicht auch fast nichts. Deshalb schlägt der italienische Physikprofessor Maurizio Gasperini, der wie Atkins von einem langen Werden des Alls schon vor dem Urknall ausgeht, stringtheoretisch vor, den Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel heute folgendermaßen umzuformulieren: »Am Anfang erschuf Gott die Hintergrundfelder und die Materiequellen. Und die Quellen waren ohne Druck und eingebettet in den flachen Raum …«</p>
<p>Selbst ein Vertreter des hinter den Urknall zurückgehenden Modells macht sich also bewusst, dass die Annahme eines Schöpfers sinnvoll ist. Atkins’ Zutaten hingegen sind wackelige Hypothesen, die auf den Glaubenscharakter seiner Hauptthese hindeuten. Gewiss kann der Naturwissenschaftler auf die Realität quantenphysikalischer Sprünge aus dem Nichts – also außerhalb des Kausalitätsgesetzes – und auf die Bildung spontaner Fluktuationen verweisen. Doch nach wie vor bleibt die gerade auch geisteswissenschaftlich zu stellende Grundfrage bestehen, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts. Denn quantenmechanische Gesetze werfen wiederum das Problem ihrer eigenen Ursprünglichkeit »im Anfang« auf.</p>
<p>Das bestätigt auch das Buch des US-amerikanischen Physikprofessors Alan H. Guth mit dem Titel »Die Geburt des Kosmos aus dem Nichts« (1997). Der Autor muss nach allen Darlegungen schließlich einräumen, dass »sämtliche Versuche, die Entstehung des Universums aus dem Nichts physikalisch erklären zu wollen, äußerst spekulativ sind«.</p>
<p>Er schließt sein letztes Kapitel mit den Worten: »Wenn sich aber die Entstehung des Universums als quantenmechanischer Prozess beschreiben lässt, dann bliebe immer noch ein großes Rätsel unserer Existenz: Was bestimmt die Gesetze der Physik?«</p>
<p>Genau diese Frage stellt sich auch, wenn Hawking argumentiert, die Existenz der Schwerkraft bedeute, dass die Entstehung des Universums unvermeidlich gewesen sei. Mit Recht hält ihm Lennox entgegen: »Aber wie kam es überhaupt zur Schwerkraft? Welche schöpferische Kraft steckt hinter ihrer Existenz?</p>
<p>Die Hoffnung mancher Naturwissenschaftler unserer Zeit, die Welt in ihrem Sosein bald einmal restlos erklären zu können, ist nichts als blanker Materialismus. Sie ist Ausdruck einer bestimmten Glaubenshaltung – eben einer negativen. Das zeigt auch Alexander Unzickers Buch »Vom Urknall zum Durchknall« (2010) auf, indem es die zahlreichen Spekulationsblasen in der modernen Physik auf erfrischende Weise als das demaskiert, was sie sind.</p>
<p>Die Wirklichkeit könnte indes viel interessanter sein: Getragen sein von einem letzten, guten Sinn, der sich freilich aus guten Gründen so verborgen hält, dass seine Wahrheit vorläufig nur durch Offenbarung erkannt werden kann. Positiver wie negativer Glaube bleiben aber – erkenntnistheoretisch gesehen – Spekulation. Und Spekulationen kritisch wie konstruktiv zu bearbeiten, ist primär eine geisteswissenschaftliche Angelegenheit.</p>
<p>Ob das All sozusagen autonom aus dem Nichts entstanden ist oder ob sich sein Werden aus dem Nichts dem Wort eines göttlichen Schöpfers verdankt, lässt sich nur im existenziellen Setzen auf bestimmte Perspektiven von Sinn oder Unsinn entscheiden. Dem modernen ­Autonomiegefühl entsprechen zweifellos die Entwürfe einer »autonomen« Entstehung des Universums am ehesten. Doch ihre Akzeptanz ergibt sich für manche namhafte Physiker keineswegs zwangsläufig, die es weiterhin mit der religiösen Annahme eines Schöpfergottes halten.<br />
<div id="attachment_5001" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Blickpunkt-Autor212.jpg" alt="Der Theologe und Publizist Werner Thiede ist Referent beim Regionalbischof im bayerischen Kirchenkreis Regensburg und lehrt als außerplanmäßiger Professor Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg." title="Blickpunkt-Autor212" width="150" height="200" class="size-full wp-image-5001" /><p class="wp-caption-text">Der Theologe und Publizist Werner Thiede ist Referent beim Regionalbischof im bayerischen Kirchenkreis Regensburg und lehrt als außerplanmäßiger Professor Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.</p></div><br />
Wen sollte das laut Brian Greene »elegante Universum« in der Tiefe seines Geistes erfreuen, wenn es bei aller Eleganz ein sinnkaltes Gebilde darstellt, das modernsten Spekulationen zufolge nicht nur in endlose Kälte ausliefe, sondern auch aus endloser Kälte geboren wäre? »Für mich als Christen verstärkt die Schönheit der wissenschaftlichen Gesetze meinen Glauben an einen intelligenten Schöpfer«, bekräftigt Lennox. Und der deutsche Physikprofessor Jürgen ­Audretsch unterstreicht: »Die Vorstellung eines Gottes als Verursacher des Seins widerspricht der Kosmologie nicht.«</p>
<p>Ein Glaube liegt solchen Aussagen gewiss zugrunde. Doch auch der Glaube an die Möglichkeit einer »Weltformel« ist ein – wenn man so will: irrationaler – Vertrauensakt. Intellektuell redlich betonen Jean Guitto sowie Grichka und Igor Bogdanov in ihrem Buch »Gott und die Wissenschaft« (1993) nämlich: »Heute, an den seltsamen und beweglichen Grenzen, die die Quantentheorie gezogen hat, machen Physiker die Erfahrung eines Agnostizismus neuer Art: Die Realität ist nicht erkennbar; sie ist verschleiert und wird es immer bleiben.« Auch für den Astrophysiker Robert Jastrow steht fest, dass die Naturwissenschaft »niemals den Vorhang vor dem Mysterium der Schöpfung herunterreißen wird«.</p>
<p>Auf diesem Hintergrund hat das Credo der Christen weiterhin sein Recht. Und zwar sowohl mit seinem ersten Artikel als auch mit den anderen beiden, die von der Entfaltung des unbekannten Gottes in seiner Offenbarungsgeschichte handeln. Die Rede vom »kosmischen Christus« etwa bezieht sich auf alle drei Glaubensartikel. Wenn sich Naturwissenschaftler schon in Glaubensfragen einmischen, sollten sie bedenken, dass auch sie bei letzten Fragen nicht ohne Elemente irgendwelchen Glaubens auskommen.</p>
<p><em>Werner Thiede</em></p>
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		<title>Bomben gegen »Ungläubige«</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 16:25:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Boko Haram]]></category>
		<category><![CDATA[Mohammed Yusuf]]></category>
		<category><![CDATA[Terroranschläge Nigeria]]></category>

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		<description><![CDATA[h5>Islamistische Anschläge reißen in Nigeria mindestens 40&#xA0;Christen in&#xA0;den&#xA0;Tod.
&#xA0;
Die Terroristen der islamistischen Boko-Haram-Bewegung hatten die Anschläge mit grausamer Präzision geplant: Um möglichst viele nigerianische Christen zu töten, ließen sie die Sprengsätze zu Weihnachten vor Kirchen detonieren. Dass die vier Attentate am ersten Weihnachtsfeiertag nicht noch mehr als die geschätzten 40&#xA0;Opfer in den Tod rissen, ist Zufällen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4953" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Blickpunkt-01-12.jpg" alt="Zerstörte Autos vor der schwer beschädigten katholischen St.-Theresa-Kirche im nigerianischen Madalla. &lt;br&gt;Foto: picture alliance" title="Zerstörte Autos vor der schwer beschädigten katholischen St.-Theresa-Kirche im nigerianischen Madalla. &lt;br&gt;Foto: picture alliance" width="580" height="371" class="size-full wp-image-4953" /><p class="wp-caption-text">Zerstörte Autos vor der schwer beschädigten katholischen St.-Theresa-Kirche im nigerianischen Madalla. <br />Foto: picture alliance</p></div><br />
<h5>Islamistische Anschläge reißen in Nigeria mindestens 40&#xA0;Christen in&#xA0;den&#xA0;Tod.<br />
&#xA0;</h5>
<p>Die Terroristen der islamistischen Boko-Haram-Bewegung hatten die Anschläge mit grausamer Präzision geplant: Um möglichst viele nigerianische Christen zu töten, ließen sie die Sprengsätze zu Weihnachten vor Kirchen detonieren. Dass die vier Attentate am ersten Weihnachtsfeiertag nicht noch mehr als die geschätzten 40&#xA0;Opfer in den Tod rissen, ist Zufällen zu verdanken. In Jos konnte die Polizei mehrere Sprengsätze sicherstellen, bevor sie explodierten; mehrere Bomben waren zudem in der vergangenen Woche vorzeitig in die Luft gegangen.</p>
<p>Dennoch könnte die Rechnung der Boko-Haram-Gruppe aufgehen: Ihr Ziel ist es vermutlich, neue Unruhen zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen zu provozieren. Gelingt ihr das, würde das den Vielvölkerstaat Nigeria in seinen Grundfesten erschüttern. Die jahrelang kaum beachtete Sektierergruppe, die der Prediger Mohammed Yusuf 2002 im äußersten Nordosten Nigerias gründete, ist inzwischen die mit Abstand größte Gefahr für den Frieden in Afrikas bevölkerungsreichstem Land. Das Ziel von Boko Haram ist die Errichtung eines Gottesstaates.</p>
<p>Derzeit fehlen Polizei und Geheimdiensten offenbar jegliche Zugänge zur Terrorgruppe. Wie weit Boko Haram ungehindert gehen kann, zeigte der Anschlag auf das UN-Hauptgebäude in Nigerias Hauptstadt Abuja am 26.&#xA0;August. Ein mit Sprengstoff beladenes Auto raste ins Erdgeschoss des Gebäudes und detonierte: Nigerias erster Selbstmordanschlag. »Das ist unser&#xA0;9/11«, sagten Passanten kurz nach dem Attentat schockiert in die Mikrofone von Reportern. 23&#xA0;Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt. Seit August explodieren in ­regelmäßigen Abständen Sprengsätze im ganzen Land, vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden, wo Boko Haram seine Rückzugsräume hat.</p>
<p>Nigerianische Geheimdienstakten, die das Wall Street Journal veröffentlichte, belegen, dass Funktionäre von Boko Haram in Terrorcamps der Kaida in Afghanistan ausgebildet wurden – und zwar schon 2007. Sogar schon im Gründungsjahr 2002 sollen Boko-Haram-Kämpfer in Mauretanien und später in Algerien ausgebildet worden sein.</p>
<p>Nigerias Regierung will solche Berichte nicht kommentieren. Sie verharmlost die Terroristen meist als rein lokale Rebellengruppe und propagiert selbst den Namen Boko Haram, was in der Haussa-Sprache »Alles Westliche (oder: Westliche Bildung) ist Sünde« bedeutet. Die Bewegung selbst nennt sich indes »Sunnitische Bruderschaft in Ausführung des Heiligen Krieges«&#xA0;– ein deutlicher Hinweis auf die wahren Ziele der Dschihadisten, denen sich immer mehr arbeitslose und benachteiligte Jugendliche im muslimischen Norden Nigerias anschließen.</p>
<p>Dabei glaubten sich nigerianische Sicherheitskräfte 2009 am Ziel, als bei einer Großoffensive Boko-Haram-Gründer Mohammed Yusuf verhaftet und kurze Zeit später getötet wurde. Doch seitdem haben Zahl und Ausmaß der Terroranschläge zugenommen. Dass niemand zu wissen scheint, wer genau Boko Haram seit Yusufs Tod führt, zeigt einmal mehr, wie hilflos Nigerias Sicherheitsapparat gegen die neue Bedrohung ist. In dem westafrikanischen Staat glaubt jedenfalls kaum jemand, dass die Boko-Haram-Anschläge vom ersten Weihnachtsfeiertag die letzten gewesen sind.</p>
<p><em>Marc Engelhardt (epd)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Herr des Tages und der Nacht</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 19:46:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Löw]]></category>
		<category><![CDATA[Schöpfung]]></category>
		<category><![CDATA[Tag und Nacht]]></category>

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		<description><![CDATA[&#xA0;
Theologie: Tag und Nacht gehören zur Schöpfung Gottes und stehen unter seiner Herrschaft – Nachdenken über »Heilige Nächte«.
&#xA0;
In der Nacht erscheint Gott dem Abraham, im Bethlehemer Stall wird des Nachts der Heiland geboren, der später ebenso in einer Nacht ­ver­raten wird. Ein nächtlicher Streifzug durch die Bibel.
&#xA0;
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4895" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Sternhimmel.jpg" alt="Foto: picture alliance" title="Sternhimmel" width="580" height="381" class="size-full wp-image-4895" /><p class="wp-caption-text">Foto: picture alliance</p></div><br />
&#xA0;</p>
<h5><strong>Theologie:</strong> Tag und Nacht gehören zur Schöpfung Gottes und stehen unter seiner Herrschaft – Nachdenken über »Heilige Nächte«.</h5>
<p>&#xA0;<br />
In der Nacht erscheint Gott dem Abraham, im Bethlehemer Stall wird des Nachts der Heiland geboren, der später ebenso in einer Nacht ­ver­raten wird. Ein nächtlicher Streifzug durch die Bibel.<br />
&#xA0;<br />
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!« – so beginnt ein Weihnachtslied von Dieter Trautwein (EG 56). Die tiefe Nacht der Gottesoffenbarung, die frohe Nacht der Geburt Jesu wird darin zur traurigen Nacht der Menschen in Beziehung gesetzt. In diesem Beziehungsgefüge leuchten Spuren dessen auf, was Nacht in der Bibel bedeutet.<br />
&#xA0;<br />
Die Finsternis, das lehren die ersten Verse der Bibel, ist älter als das Licht. »Es werde Licht!«, spricht Gott als ersten Satz in der Schöpfung (1.&#xA0;Mose&#xA0;1,3) und begrenzt mit diesem das Licht hervorbringenden Schöpferwort die Finsternis. Danach benennt Gott die Finsternis als Nacht und setzt sie sprachlich in Opposition zum Licht beziehungsweise zum Tag: Er »nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht«.<br />
&#xA0;<br />
Tag und Nacht, Licht und Finsternis stehen so als aufeinanderbezogene Dimensionen unter dem Urteil, das Gott über seine Schöpfung gefällt hat: »Gott sah an, alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut«.<br />
&#xA0;<br />
Nach der Vertreibung aus dem Paradies, nach der Rettung der Menschheit durch die Sintflut hindurch verheißt Gott: »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht« (1.&#xA0;Mose&#xA0;8,22).<br />
&#xA0;<br />
Weder im Raum des Paradieses noch in dem der gefallenen Schöpfung wird also die Finsternis als unbegrenzte Macht oder absolute Kraft gedacht. Dies gilt trotz aller Gefahren, die nach biblischem Zeugnis die Nacht birgt als Zeit des menschlichen Versagens (zum Vergleich vor allem das Verhalten der Jünger Jesu in der Nacht seiner Verhaftung).<br />
&#xA0;<br />
Dies gilt trotz aller todbringenden strafenden Begegnungen mit Gott in der Nacht (2.&#xA0;Mose&#xA0;12,29+30) und allen Schmerzen, aller Angst, aller Einsamkeit und Unruhe, die vor allem die Psalmbeter und Hiob in Worte fassen. Und das gilt auch und vor allem angesichts des Todes, des dem Raum der Nacht zugeordneten Schlafes Bruder.<br />
&#xA0;<br />
Dass die Nacht nicht gottlos ist, sondern dass die Finsternis vielmehr auch ein Bereich Gottes, ja ein Wohnort des göttlichen Geheimnisses ist, das wird in der Bibel vielfach bezeugt. Der weise König Salomo formuliert (1.&#xA0;Könige&#xA0;8,12): »Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen.«<br />
&#xA0;<br />
»Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt. Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht« (EG 16, Strophe 5), dichtet Jochen Klepper in der Adventszeit 1938.<br />
&#xA0;<br />
Zu dieser theologisch-weihnachtlichen Deutung der Nacht passt, dass die Nacht in der Bibel auch als die Zeit der Gottessuche und des Gebets verstanden wird: »Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.« (Psalm&#xA0;42,9) Auch für Jesus, so berichten die Evangelien, war die Nacht der Raum für das persönliche Gebet (Lukas&#xA0;6,12).<br />
&#xA0;<br />
Vielfach werden in der Bibel nächtliche Gottesbegegnungen und Gotteserfahrungen bezeugt: In Träumen und Nachtgesichten erscheint Gott Jakob und Salomo; auch den nichtjüdischen König Abimelech warnt Gott im Traum und Paulus erfährt vielfach Gottes Ermutigung und Wegweisung in Nachtgesichten.<br />
&#xA0;<br />
Sowohl im Alten wie im Neuen Testament ist die Nacht auch die Zeit der segensreichen Gottesoffenbarungen: In der Nacht verheißt Gott Abraham so viele Nachkommen als Sterne am Himmel zu sehen sind; in der Nacht sagt er Isaak seinen Segen und die Mehrung seiner Nachkommen zu; in der Nacht verheißt er durch den Propheten Nathan David und seinen Nachkommen das Königtum über Israel; in der Nacht offenbart er den ­Hirten die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem; in der Nacht erweist er seine Macht in der Auferweckung Jesu Christi vom Tode.<br />
&#xA0;<br />
Auch die christliche Gottesdienstordnung ist von solchen Nachtbezügen gekennzeichnet: »In der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot …« heißt es in 1.&#xA0;Korinther&#xA0;11,23 von der Einsetzung des Heiligen Abendmahls – und bis heute feiert die christliche Gemeinde am Gründonnerstag einen Abend- oder Nachtgottesdienst. Die zwei wichtigsten nächtlichen Gottesdienste sind bis heute jedoch die Osternacht, in Erinnerung an die Auferstehung Jesu Christi, und natürlich das Weihnachtsfest. Das Licht der Osterkerze am Ostermorgen bezeugt wie die vielen Kerzen in den Gottesdiensten der Heiligen Nacht Jesus Christus, der von sich gesagt hat: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.« (Johannes&#xA0;8,&#xA0;12)<br />
&#xA0;</p>
<p>Dass Jesus in der Heiligen Nacht geboren ist, Christus in der Nacht des Ostersonntags auferstand, findet seine Fortsetzung darin, dass das Gericht, das der Wiederkunft Christi vorausgeht, an manchen Stellen in der Bibel als ein nächtliches Ereignis beschrieben wird. Erst nach Christi Wiederkunft, am Ende der Zeit, so erzählt es die Offenbarung, verschwinden Tag und Nacht, das Fortschreiten der Zeit, ja verschwindet die Dunkelheit und Finsternis für ewig: »Und es wird keine Nacht mehr sein &#8230; denn Gott der Herr wird sie erleuchten.« (Offenbarung&#xA0;22,&#xA0;5)<br />
&#xA0;<br />
Bis die Nacht endgültig besiegt sein wird, feiert die Christenheit Weihnachten und singt dabei mit den Worten Martin Luthers: »Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein; es leucht’ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.« (EG&#xA0;23,&#xA0;Vers&#xA0;4)<br />
&#xA0;<br />
<em><br />
Andreas Löw, der promovierte Theologe ist Pfarrer in Korntal.</em></p>
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		<title>Glaubenssache: Brauchen wir ein neues Bekenntnis?</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 09:45:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Apostolikum]]></category>
		<category><![CDATA[Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Leibrock]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Küttler]]></category>

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		<description><![CDATA[Pro und Kontra: Ein gemeinsames Bekenntnis soll verbinden&#xA0;– doch immer wieder gibt es Streit um die traditionellen Formulierungen
In jedem Gottesdienst wird es gemeinsam ­gesprochen: das Glaubensbekenntnis. Zumeist das sogenannte Apostolikum. Doch an seinen Formulierungen reiben sich nicht wenige ­Christen. Für eine Neuformulierung gibt es gute Gründe. Doch auch für eine Beibehaltung des&#xA0;­alten Textes gibt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pro und Kontra: Ein gemeinsames Bekenntnis soll verbinden&#xA0;– doch immer wieder gibt es Streit um die traditionellen Formulierungen</strong></p>
<p>In jedem Gottesdienst wird es gemeinsam ­gesprochen: das Glaubensbekenntnis. Zumeist das sogenannte Apostolikum. Doch an seinen Formulierungen reiben sich nicht wenige ­Christen. Für eine Neuformulierung gibt es gute Gründe. Doch auch für eine Beibehaltung des&#xA0;­alten Textes gibt es gute Argumente.</p>
<h5>Pro</h5>
<div id="attachment_4842" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Felix-Leibrock.jpg" alt="Felix Leibrock, promovierter Theologe, Pfarrer in Apolda und ehrenamtlicher Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt." title="Felix Leibrock" width="250" height="333" class="size-full wp-image-4842" /><p class="wp-caption-text">Felix Leibrock, promovierter Theologe, Pfarrer in Apolda und ehrenamtlicher Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt.</p></div>
<p>Das Apostolikum ist alt und ehrwürdig. Es wird überall auf der Welt, auch ökumenisch gesprochen. Aber ist es zeitgemäß? Und wo ist die zentrale Botschaft des Jesus von Nazareth?</p>
<p>Zeitgemäß: Repräsentative Umfragen zeigen, dass der Glaube an dogmatische Lehrsätze dramatisch einbricht, auch unter<br />
Christenmenschen. Viele wollen Gott bekennen als den, dessen Spuren sie ganz persönlich in ihrem Leben entdecken. Wer nicht betriebsblind sein will, sieht diese Verunsicherung vieler. Sie wird noch vergrößert durch das antik-mittelalterliche Weltbild von Himmel, Erde und Hölle, das hinter dem Apostolikum steht. Kopernikus hat mit der Vorstellung der Erde als Mitte des Universums aufgeräumt.</p>
<p>Ein zeitgemäßes Credo nimmt ­solche Erkenntnisse ernst. Sonst darf sich niemand wundern, wenn intelligente ­Religionskritiker wie Richard Dawkins die Bestsellerlisten erobern. Auch erschließt sich die »Theologengeheimsprache des 2.&#xA0;bis&#xA0;5. Jahrhunderts« (J. Zink) nur schwer. Jesus hat mit seinen Reden die Hirten, Winzer, Frauen in ihrer Lebenswelt abgeholt. Luther hat dem Volk aufs Maul ­geschaut und die Bibel in zeitgemäße Sprache übersetzt. Das Credo ist zu wichtig. Es darf nicht irgendwann in der Mottenkiste landen, weil nur noch wenige seine Sprache und Bilder verstehen.</p>
<p>Jesu zentrale Botschaft: Heute fragen viele angesichts von Konsumdiktat und seelischer Obdachlosigkeit nach einem sinnerfüllten Leben. Jesus, der »glücklichste Mensch, der je gelebt hat« (D. Sölle), lebt ein solches Leben vor: Von Gott durchleuchtet, beflügelt, ermächtigt verströmt er Glück: Er wendet sich den Einsamen zu, stärkt die Position von Frauen und Kindern, betet abgeschieden, feiert mit den Menschen, predigt vom Seligsein, öffnet sich Ausländern, kritisiert die Gesetzesfanatiker, zweifelt auch an Gottes Nähe.</p>
<p>Er kennt grüne Auen und finstere Täler. Immer ist er verbunden mit Gott. Er zeigt eine andere Welt auf, zusammengefasst als »Reich Gottes«, das im Hier und Heute beginnt. Und das Apostolikum? Spart das aus. Zu seiner Entstehungszeit waren andere Themen wichtig. Das ist verständlich. Aber die Fragen ­haben sich heute gewandelt. Jesus hat Antworten. Die kann man bekennen.</p>
<p>Warum nicht ein ökumenisches Konzil? Hans Küng hat es schon einmal ­zuwege gebracht, sogar religionsübergreifend. Das Projekt Weltethos ist das ­Ergebnis. Ein Glaubensbekenntnis der Christenheit in unserer Sprache, das das naturwissenschaftliche Weltbild ernst nimmt und auch das Reich Gottes umfasst, das ist eine Aufgabe voller Verheißung.</p>
<h5>Kontra</h5>
<p>Martin Luther hat im Kleinen Katechismus fünf Texte zusammengestellt und mit Erklärungen versehen, die er für unentbehrlich für jeden Christenmenschen hielt: die Zehn Gebote, das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, den Taufbefehl und die Einsetzungsworte des Heiligen Abendmahles. Vier davon sind der Bibel entnommen. Das Glaubensbekenntnis ist eine Zusammenstellung von Bekenntnisaussagen der Alten Kirche, die sich aber alle für sich genommen in der Bibel finden.<br />
<div id="attachment_4844" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Thomas-Küttler.jpg" alt="Thomas Küttler, lutherischer ­Theologe, von 1979 bis 2002 Superintendent in Plauen, jetzt im Ruhestand." title="Thomas Küttler" width="250" height="350" class="size-full wp-image-4844" /><p class="wp-caption-text">Thomas Küttler, lutherischer ­Theologe, von 1979 bis 2002 Superintendent in Plauen, jetzt im Ruhestand.</p></div><br />
Sicher kann jeder für sich persönlich ein Bekenntnis seines Glaubens formu­lieren. Luther selber tut das ja in seinen »Erklärungen« im Katechismus. Um der Einmütigkeit und Einstimmigkeit der Christen willen sollte jedoch niemand seinen Bekenntnistext an die Stelle des gottesdienstlichen Glaubensbekenntnisses treten lassen oder gar für andere verbindlich machen wollen. Das Nizänum verbindet uns mit Christen weltweit, das Apostolikum stärker mit der Christenheit aller Jahrhunderte seit Christi Geburt. Das ist ein kostbares Gut.</p>
<p>Dass es nicht unsere Sprache spricht, sondern die des Neuen Testaments, sollte niemanden verwundern. Übersetzungsarbeit ist allemal zu leisten. Ein Beispiel: Die Doppelzeile »empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria« ließe sich einmal übersetzen mit: »Er stammt von Gott und wurde von ­Maria zur Welt gebracht.«</p>
<p>Aber bei Übersetzungen geht meist etwas verloren. Das Original ist unersetzbar. Das Apostolikum mit seinen knappen Formulierungen spricht sich zudem gut im Chor. Wenn wir darauf achten, dass unsre Kinder noch dabei sind, wenn die Gemeinde im Gottesdienst ihren Glauben bekennt, dann wird ihnen der Text vertraut, und wir ­können dann das Vertraute einmal verfremden, um eine Aussage besonders zu betonen.</p>
<p>Es stellt sich auch die Frage: Gibt es ­etwas, was uns im Apostolikum zu sehr fehlt? Es geht nicht darum, das Glaubensbekenntnis mutwillig zu erweitern. Wohl aber ist denkbar, dass etwas Vermisstes aus besonderem Anlass einmal besonders herausgestellt wird. Ich denke an den 10.&#xA0;Sonntag nach Trinitatis. Da könnte unserm Bekenntnis zu Christus, das heißt zu dem Messias des erwählten Volkes, dazugesetzt werden: »… ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.« Eine biblische Einfügung (vgl. Jes.49,6; Luk 2,32).</p>
<p>Wer sich schon einmal derartige Gedanken gemacht hat, der lernt freilich auch das Staunen über die Prägnanz und Dichte der Sprache, die diese altkirch­lichen Texte sprechen, und kehrt immer wieder dankbar zu ihnen zurück.</p>
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		<title>»Als Kirche dem Druck standgehalten«</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 13:21:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<category><![CDATA[Güstrower Dom]]></category>
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		<description><![CDATA[Erinnert: Vor 30 Jahren riegelten 42000 DDR-Sicherheitsleute die Kleinstadt Güstrow ab – weil Helmut Schmidt kam
Am 13. Dezember 1981 herrschte in der Kleinstadt Güstrow der Ausnahmezustand. Der damalige Bundeskanzler besuchte gemeinsam mit Erich Honecker die Stadt und ihren Dom.
Normalerweise ist Heinrich Rathke ein eher zurückhaltender Mensch. Aber als er, im Dezember 1981 mecklenburgischer Landesbischof, an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erinnert: Vor 30 Jahren riegelten 42000 DDR-Sicherheitsleute die Kleinstadt Güstrow ab – weil Helmut Schmidt kam</strong><br />
<div id="attachment_4799" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Schmidt-Honecker.jpg" alt="Gemeinsam in der Kirchenbank: Bundeskanzler Helmut Schmidt (links) und DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker lauschen am 15. Dezember 1981 ­gemeinsam im Güstrower Dom den Orgelklängen. Foto: ullstein-bilderdienst" title="Schmidt-Honecker" width="580" height="359" class="size-full wp-image-4799" /><p class="wp-caption-text">Gemeinsam in der Kirchenbank: Bundeskanzler Helmut Schmidt (links) und DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker lauschen am 15. Dezember 1981 ­gemeinsam im Güstrower Dom den Orgelklängen. Foto: ullstein-bilderdienst</p></div><br />
<em>Am 13. Dezember 1981 herrschte in der Kleinstadt Güstrow der Ausnahmezustand. Der damalige Bundeskanzler besuchte gemeinsam mit Erich Honecker die Stadt und ihren Dom.</em></p>
<p>Normalerweise ist Heinrich Rathke ein eher zurückhaltender Mensch. Aber als er, im Dezember 1981 mecklenburgischer Landesbischof, an jenem Morgen erfährt, dass ein ehemaliger Pastor im Pfarrhaus von der Stasi unter Hausarrest gestellt worden ist, da wird er sichtlich energisch. »Ich bestand darauf«, erinnert sich der heute 82-Jährige an die Vorgänge vor 30 Jahren, »Heiko Lietz in seiner Wohnung besuchen zu dürfen. Andernfalls müsste ein anderer als ich den Bundeskanzler begrüßen.« Also darf Bischof Rathke schließlich die Wohnung betreten.</p>
<p>Güstrow am 13. Dezember 1981: Nach zähem Ringen hinter den Kulissen besucht Bundeskanzler Helmut Schmidt nun offiziell das andere Deutschland. Am Tag vorher in Berlin in Gesprächen mit DDR-Partei- und Staatschef Erich Honecker zugange, wird er am Sonntag in die Kleinstadt Güstrow reisen, den Dom und die Ernst-Barlach-Gedenkstätte besichtigen. Für die DDR soll es ein großer Tag werden, das kleine Land erhofft sich Aufwertung und Anerkennung.</p>
<p>Tatsächlich wird es ein gespenstischer. »Operation Dialog« hat die Staatssicherheit ihre Planungen für ­jenes Wochenende genannt. Minister Erich Mielke persönlich führt die Planungen, die Honecker höchstselbst absegnet. Das Besondere des Gipfels ist nicht allein die Tatsache, dass ein Bundeskanzler in die DDR kommt.</p>
<p>Vor allem Schmidts geplanter Abstecher von Berlin nach Güstrow lässt bei der DDR alle Alarmglocken schrillen. Nicht nur, dass der Hanseat eine Kirche besuchen möchte. Nein. Vor allem sein Wunsch, mit möglichst authentischen Menschen in Berührung zu kommen, sorgt für Unruhe beim DDR-Sicherheitsapparat. Kein zweites Mal soll sich wiederholen, was 1970 in Erfurt geschah: dass DDR-Bürger unkontrolliert einem Bundeskanzler zujubeln. Damals ist es Willy Brandt gewesen.</p>
<p>Elf Jahre später betreibt die DDR deshalb einen Aufwand ohnegleichen, um eins sicherzustellen: Helmut Schmidt soll nur linientreuen Menschen begegnen. 21800 Stasileute und weitere 20000 Polizisten sollen an ­jenem Wochenende verhindern, dass der Westpolitiker bejubelt wird. So wird das Zentrum der Kleinstadt schließlich de facto evakuiert. In alle Häuser ziehen Sicherheitsleute ein. 10908 Personen stehen an jenem Tag unter Kontrolle der Staatssicherheit, 4481 Durchsuchungen sind im Vorfeld erfolgt, 4811 Anreiseverbote ausgesprochen und 5875 »Vorbeugungsgespräche« geführt worden.</p>
<p>Bürgerrechtler Lietz, damals gerade wegen seiner kirchenkritischen Haltung aus dem Kirchendienst entlassen und in Rostock als Essenausträger bei der »Volkssolidarität« untergekommen, wird noch in der Nacht vor Schmidts Besuch mit einem befreundeten Korrespondenten des Hamburger Magazins »Stern« durch Güstrow ziehen. »In unseren Kutten sahen wir genau aus wie die Teams von der Stasi, die in ganz Güstrow unterwegs waren. Gespenstisch«, erinnert er sich.</p>
<p>Am Morgen danach steht das MfS vor der Tür von Lietz und hindert den Familienvater am Gang zum Gottesdienst. Dass wenig später schließlich der gesamte Weihnachtsmarkt von »normalen Menschen« geräumt und mit Sicherheitsleuten besetzt wird, erfährt er deshalb erst später. Lietz, 1989 Mitbegründer des Neuen Forum und nach 1990 Landeschef von Bündnis 90/Die Grünen, verfolgt den Tag also per TV. Doch selbst die »Live«-Übertragung wird vorsorglich zehn Minuten versetzt ausgestrahlt.</p>
<p>Für den damaligen Bischof Heinrich Rathke freilich hat dieser Besuch noch eine andere Dimension. »Mit dem Besuch von Helmut Schmidt in einer Kirche musste auch Honecker erstmals eine Kirche als Kirche besuchen«, erinnert sich Rathke im Rückblick. Der Theologe verlangt zudem Redefreiheit für das Treffen im Dom. Und auch die ­Gemeinde besteht bereits im Vorfeld darauf, dass sie das Hausrecht behalten und eine Gruppe von Teilnehmern selbst benennen darf: darunter den Küster, die Katechetin und den Organisten. </p>
<p>Als die Orgel schließlich zu spielen beginnt und Helmut Schmidt sich demonstrativ in eine Bank setzt, um dem Choral andächtig zu lauschen, da muss es ihm Honecker gleichtun. Für den Schweriner Rathke ist dies ein bleibender Triumph: »Die Kirche hat an jenem Tag allem Druck standgehalten.«</p>
<p><em>Steffen Reichert</em></p>
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		<title>Was dem Papst Angst macht</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 10:31:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Benedikt XVI]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Demke]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther 2017]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Woelki]]></category>
		<category><![CDATA[Viola ­Kennert]]></category>

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		<description><![CDATA[
&#x202F;
Einwurf: Können Protestanten nicht zuhören?
 Anmerkungen zum Papstbesuch.

em>Der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt&#xA0;XVI. und seine Reden wurden von vielen als enttäuschend bezeichnet. Doch ist diese Einschätzung wirklich berechtigt?
Bei vielen Reaktionen auf die Reise des Papstes hat man den Eindruck, sein Reden und Verhalten werden nach dem Testbogen bewertet, den unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Enttäuschungen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4782" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/papstbesuch.jpg" alt="Reden und Hören: Papst Benedikt XVI. im Erfurter Augustinerkloster im Vieraugen-Gespräch mit Nikolaus Schneider, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. (Foto: picture alliance/Guido Bergmann)" title="papstbesuch" width="580" height="386" class="size-full wp-image-4782" /><p class="wp-caption-text">Reden und Hören: Papst Benedikt XVI. im Erfurter Augustinerkloster im Vieraugen-Gespräch mit Nikolaus Schneider, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. (Foto: picture alliance/Guido Bergmann)</p></div>
<h5>
&#x202F;<br />
<strong>Einwurf: </strong>Können Protestanten nicht zuhören?<br />
<em> Anmerkungen zum Papstbesuch.<br />
</em></h5>
<p><div id="attachment_4750" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/demke.jpg" alt="Christoph Demke war 1983 bis 1997 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen und im Lutherjahr 1983 Sekretär des kirchlichen Lutherkomitees." title="demke" width="200" height="376" class="size-full wp-image-4750" /><p class="wp-caption-text">Christoph Demke war 1983 bis 1997 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen und im Lutherjahr 1983 Sekretär des kirchlichen Lutherkomitees.</p></div><em><strong>Der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt&#xA0;XVI. und seine Reden wurden von vielen als enttäuschend bezeichnet. Doch ist diese Einschätzung wirklich berechtigt?</strong></em></p>
<p>Bei vielen Reaktionen auf die Reise des Papstes hat man den Eindruck, sein Reden und Verhalten werden nach dem Testbogen bewertet, den unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Enttäuschungen und unsere Resignation zusammenstellt: Wo hat er unsere positiven oder negativen Erwartungen erfüllt? Entsprechend bekommt er Plus- und Minuspunkte. Neues können wir so natürlich nicht erfahren. Wie wäre es denn, wenn wir den Papst einmal ausreden ließen? Was bekommen wir dann zu hören?</p>
<p>Im Kapitelsaal des Augustinerklosters in Erfurt hat der Papst zwei Herausforderungen genannt, vor denen die »klassischen Konfessionskirchen« stehen. Und angesichts derer wir gemeinsam gerufen sind, uns der Grundlagen unseres Glaubens im biblischen Zeugnis und in den altkirchlichen Bekenntnissen zu vergewissern. Das eine ist die Herausforderung durch den »Säkularisierungsdruck«. Das andere sind die neuen Formen von ­Christentum, die eine »manchmal beängstigende missionarische Dynamik« entwickeln und die uns »ratlos« machen.</p>
<p>Ich denke, in beiden Fragen können wir Evangelischen uns nicht als glückliche Besitzer der Antworten aufführen. Wir sollten den Appell Benedikt&#xA0;XVI. aufnehmen, »uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube«. </p>
<p>Präses Schneider konnte das mit der von ihm mit Recht favorisierten Rede von der »Ökumene der Gaben« (und nicht der Profile!) aufnehmen. Der neue katholische Erzbischof von Berlin, Rainer Woelki, beförderte in seiner Grußansprache zum Reformationstag am 31.&#xA0;Oktober in der Berliner Marienkirche das »gegenseitig« sogar zum Hauptwort. Er sprach von der »aufrichtigen Gegenseitigkeit (also: auf Augenhöhe?) in der Ökumene«. In einer Ökumene, die »notwendiger Weise auch die Orthodoxie und die ­Freikirchen einschließt, zusammen mit einem wachen Blick auf geistliche Entwicklungen in der Weltchristenheit«.</p>
<p>Ich bin nicht kundig genug, um diese neuen Entwicklungen jetzt genauer zu beschreiben. Man hängt ihnen das Etikett »charismatisch« an. Die Beschreibung, die der Papst im Kapitelsaal des Augustinerklosters gegeben hat (geringe institutionelle Dichte und Stabilität, mit wenig rationalem und noch weniger dogmatischem Gepäck), ruft bei mir die Frage wach: Haben die »beängstigenden« missionarischen Entwicklungen damals in Damaskus oder Antiochia die ersten Christen in Jerusalem nicht ähnlich ratlos gemacht?</p>
<p>Jedenfalls hat das gar nicht nach irgendeinem Masterplan gesteuerte Entstehen heidenchristlicher Gemeinden, die so viele der vertrauten Riten nicht ­befolgten, nicht nur die Judenchristen ­erschreckt (siehe Apostelgeschichte&#xA0;10, Vers&#xA0;45), sondern auch zu einer&#xA0;– um mit dem Papst zu formulieren&#xA0;– »neuen Form des Christentums«&#xA0;– geführt. Der theologische und kirchenleitende Einsatz des Apostels Paulus ist ganz maßgeblich der Grund dafür, dass die Christenheit damals nicht auseinanderdriftete. </p>
<p>Stehen wir vor neuen, aber in der Struktur in ­vielen Punkten ähnlichen Entwicklungen und Verwandlungen der Christenheit? Werden sich unsere Kirchen darauf einlassen, die Wunder des Geistes (siehe noch einmal Apostelgeschichte&#xA0;10, Vers&#xA0;45-46) zu riskieren?</p>
<p>In den Reden des Papstes treten die klassischen konfessionellen Streitpunkte (Amt, Eucharistie und Kirchenverständnis) faktisch vor diesen aktuellen Herausforderungen zurück. Bei der Grußansprache von Erzbischof Woelki wird das noch deutlicher, wenn er im Blick auf die traditionellen Streitthemen einerseits sagte: »Zu hoffen, dass die jeweils anderen unsere Weise zu denken und unsere Weise zu glauben irgendwann schließlich doch übernehmen, das führt uns alle und die Ökumene in eine Sackgasse, entweder in Selbstgenügsamkeit oder Ratlosigkeit.«</p>
<p>Andererseits stellte er dann, im Blick auf die erst zu erahnenden Entwicklungen in der Weltchristenheit fest: »Auf diese Weise kann der Geist Gottes stärker wirken, unsere Denkformen und Strukturen im Sinne Christi umgestalten und verflüssigen – mehr und anders als wir es selbst vermögen und erwarten.« Er schloss mit dem Satz, dass er sich freue, mit uns auf dem »nicht vorhersehbaren Weg der ecclesia semper reformanda (der sich ständig reformierenden Kirche – die Red.) unterwegs zu sein, dem einen Herrn Jesus Christus entgegen.«</p>
<p>In beeindruckender Nachdrücklichkeit hat der Papst die Frage Luthers nach einem gnädigen Gott als wichtigen Eingang zu einem gewissen Glauben hervorgehoben. </p>
<p>Aber – und das ist das andere, was den Papst besorgt, ja ängstigt: »Wen kümmert das (Luthers Frage) eigentlich heute&#xA0;– auch unter Christenmenschen?« Gibt es in der abendländischen Christenheit Entwicklungen, die merkwürdig ähnlich sind den neuen Formen eines charismatischen Christentums, die sich in Afri­ka und anderen Weltteilen ausbreiten?</p>
<p>Kann man sagen, dass die klassischen Konfessionskirchen, also wir Abendländer, im Denken und in unseren Riten in einer Erlösungsreligion zu Hause sind, während nun eine christliche Religion des Lobpreises und der Dankbarkeit ­heraufdämmert, deren Eingangstor nicht Luthers Frage, »wie bekommen ich einen gnädigen Gott«, ist? Vielleicht ist es weniger das Erschrecken über die Übermacht der Sünde als vielmehr die Anfechtung durch die Erfahrungen der Ohnmacht der Liebe, die heute viele Menschen in der Kirche und vor der Kirche bewegt. Oder sind beides dieselben Fragen?</p>
<p>Die EKD-Synode hat in diesem Jahr ­erneut über den missionarischen Auftrag der Gemeinde Jesu Christi nachgedacht mit dem Schwerpunktthema: »Was hindert’s, dass ich Christ werde?« Der Vorbereitungsausschuss hatte drei gewissermaßen »Zeugen« gewonnen, die aus ihrem Leben mit wohltuendem Freimut erzählten, wie sie auf diese Frage geantwortet haben bzw. jetzt antworten würden. </p>
<p>Die Synode hatte große Schwierigkeiten, das, was da zu ­hören war, aufzunehmen bis dahin, dass die Berliner Synodale Viola ­Kennert in ihrem Redebeitrag zunächst ihre Mitsynodalen fragte, ob sie denn nicht zugehört hätten?</p>
<p>Welches sind die Fragen, die den Zugang zum Glauben an Jesus Christus aufschließen? Wie kann die Aufforderung, nein besser der Wunsch des Papstes, dass die Frage nach dem gnädigen Gott, die Luther so bedrängte, »wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage wird«, aufgenommen werden?</p>
<p>In der Tat: Für eine Protestanten und Katholiken vereinende, gemeinsame Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2017 hat der Besuch von Benedikt XVI. genügend Anstöße gegeben. Jedenfalls sollte sein Besuch dazu helfen, in den Schritten auf 2017 zu uns nicht bloß mit jährlich neuen Schwerpunkten der weitreichenden und umfassenden Bedeutung der Reformation zu vergewissern. Ein solches Konzept riecht trotz aller anders lautenden Beteuerungen nach Triumphalismus.</p>
<p><em>Christoph Demke</em></p>
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