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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Im Blickpunkt</title>
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		<title>»Theologisch sprachfähig werden«</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 14:42:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchlicher Fernunterricht]]></category>

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		<description><![CDATA[h5>Seit 50 Jahren gibt es ihn in Mitteldeutschland. Trotzdem ist der Kirchliche Fernunterricht (KFU) vielen unbekannt.

Eigentlich ist es fast wie ein richtiges Theologie-Studium. Da sind Vorlesungen und Seminare zu besuchen, meistens am Wochenende oder gleich eine ganze Woche lang. Da sind dicke Bücher durchzuarbeiten, und Hausarbeiten und Predigten zu verfassen. Der KFU verlangt den Teilnehmern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2108" class="wp-caption alignnone" style="width: 580px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/09/3-Bild-1.jpg" alt="Konditormeisterin oder Gärtner, Hausfrau  oder Arzt:  Die Teilnehmer  des kirchlichen  Fernunterrichts kommen aus den verschiedensten Berufen.  Im Bild die  diesjährigen  Absolventen. (Foto: KFU)" title="3-Bild-1" width="570" height="378" class="size-full wp-image-2108" /><p class="wp-caption-text">Konditormeisterin oder Gärtner, Hausfrau  oder Arzt:  Die Teilnehmer  des kirchlichen  Fernunterrichts kommen aus den verschiedensten Berufen.  Im Bild die  diesjährigen  Absolventen. (Foto: KFU)</p></div><br />
<h5>Seit 50 Jahren gibt es ihn in Mitteldeutschland. Trotzdem ist der Kirchliche Fernunterricht (KFU) vielen unbekannt.</p>
</h5>
<p>Eigentlich ist es fast wie ein richtiges Theologie-Studium. Da sind Vorlesungen und Seminare zu besuchen, meistens am Wochenende oder gleich eine ganze Woche lang. Da sind dicke Bücher durchzuarbeiten, und Hausarbeiten und Predigten zu verfassen. Der <a href="http://www.kfu-ekmd.de">KFU </a>verlangt den Teilnehmern einiges ab – alles neben Beruf, Familie, Alltag. Denn die Teilnehmer sind im richtigen Leben Konditormeisterin oder Gärtner, Hausfrau oder Arzt. Zweieinhalb Jahre lang pauken sie in den Kursen, die es seit genau 50 Jahren gibt.</p>
<p>Begonnen hatte alles 1960 als Reaktion auf die Kirchenpolitik der DDR. Zwei ­Tendenzen stellte die Kirchenleitung der Kirchenprovinz Sachsen damals fest. Zum einen schränkte das Regime das Theologie-Studium immer mehr ein. Zum anderen schwand mit den Jahren auch das religiöse Grundwissen in den Gemeinden. Beidem wollte die Kirchenleitung entgegenwirken, als sie Pfarrer Ernst Hofmeister von der Männerarbeit den Auftrag gab den KFU aufzubauen.</p>
<p>Hofmeister verfolgte mit dem Fernunterricht von Beginn an ein doppeltes Ziel. Erstens sollten Menschen für den ­ehrenamtlichen Verkündigungsdienst als Prädikanten ausgebildet werden, die selbstständig Gottesdienste halten und auch ihre Predigten selbst schreiben. </p>
<p>Zweitens sollten die Kursteilnehmer ein solides Wissen aus Glaube und Kirche ­vermittelt bekommen. Oder, wie es die heutige Rektorin des Fernunterrichts, Magdalene Frettlöh, erläutert: die 25- bis 70-Jährigen sollen »theologisch sprachfähig werden« und damit Antworten finden auf Fragen nach der Bibel, nach Tod und Auferstehung, nach Brot und Wein. Das und vieles mehr vermittelt der Kirchliche Fernunterricht seither in den Fächern Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische und Praktische Theologie.</p>
<p>Ab 1970 beteiligten sich nach und nach alle Landeskirchen der DDR am Fernunterricht, außerdem die Evangelische Kirche der Union. Weil Bildungsarbeit der Kirche zu DDR-Zeiten vom Staat misstrauisch beobachtet wurde, interessierte sich natürlich auch die Staatssicherheit für den KFU, wie Dogmatik-Dozent Michael Beintker rückblickend feststellt.</p>
<p>Heute wird der Fernunterricht rechtlich getragen von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), finanziert auch von den Landeskirchen in Anhalt, Sachsen und Berlin/Brandenburg/Oberlausitz. Aus diesen Kirchen kommen auch die meisten der zurzeit rund 120&nbsp;Teilnehmer an den vier Studienorten Neudietendorf bei Erfurt, Röhrsdorf bei Chemnitz, Meißen oder Niederndodeleben bei Magdeburg. Rektorin Frettlöh verfolgt das Ziel, auch die anderen EKD-Kirchen und eine Universität mit einzubinden, um die Basis zu verbreitern und die Zukunft zu sichern.</p>
<p>Zwar sind die Teilnehmerzahlen in den Wende-Jahren kurzzeitig ziemlich geschrumpft. Inzwischen ist der Fernunterricht aber lebendig wie selten zuvor&nbsp;– und seit 1991 auch offen für Teilnehmer aus den westdeutschen EKD-Kirchen. Schließlich setzen fast alle Landeskirchen immer mehr auf die Mitarbeit von Ehrenamt­lichen bei der Verkündigung.</p>
<p>Und während sich der Fernunterricht zu DDR-Zeiten zusammen mit einer Zusatzausbildung teilweise als weiterer Weg ins Pfarramt entwickelte, sieht Frettlöh heute einen klaren Unterschied. »Prädikanten sind keine Notnägel, wenn Stellen gestrichen werden«, findet sie deutliche Worte. Sie sollen deshalb auch nicht Pfarrer imitieren, sondern ihren eigenen Stil einbringen: »Weil sie in anderen Lebenswelten zu Hause sind, wird die Konditormeisterin anders über das Gleichnis vom Sauerteig predigen oder der Arzt anders über eine Heilungsgeschichte.«<br />
<em><br />
Markus Wetterauer</em></p>
<blockquote><p>Das 50-jährige Bestehen des KFU wird am 4. und 5. September in Neudietendorf gefeiert.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>»… und die alten Lieder singen«</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 14:53:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Carsten Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche und Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Laizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Laizität]]></category>
		<category><![CDATA[Nils Opitz-Leifheit]]></category>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Thierse]]></category>

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		<description><![CDATA[Debatte: Kirchenferne Genossen blasen zum Angriff&#160;– in der SPD wollen Laizisten einen Arbeitskreis gründen
»Wann wir schreiten Seit’ an Seit’ und die alten Lieder singen …«, beginnt ein bekanntes Sozialistenlied. Die Forderungen der Laizistinnen und Laizisten in der SPD erinnern fatal an alte Kampfgesänge.
In CDU und CSU hat sich vor Kurzem aus Sorge um das katholisch-konservative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><em>Debatte:</em> Kirchenferne Genossen blasen zum Angriff&#160;– in der SPD wollen Laizisten einen Arbeitskreis gründen</h5>
<p><strong>»Wann wir schreiten Seit’ an Seit’ und die alten Lieder singen …«, beginnt ein bekanntes Sozialistenlied. Die Forderungen der Laizistinnen und Laizisten in der SPD erinnern fatal an alte Kampfgesänge.</strong></p>
<div id="attachment_1997" class="wp-caption alignright" style="width: 360px"><img class="size-full wp-image-1997 " title="Jakob" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Jakob.jpg" alt="Die Sozialdemokratie und ihre Feinde: Krieg, Kapitalismus, Junkertum und ­Kirche – die Karikatur erschien im Jahr 1900 auf der Titelseite der sozialdemokratischen Satirezeitschrift »Der Wahre Jakob«. (Repro: akg-images)" width="350" height="510" /><p class="wp-caption-text">Die Sozialdemokratie und ihre Feinde: Krieg, Kapitalismus, Junkertum und ­Kirche – die Karikatur erschien im Jahr 1900 auf der Titelseite der sozialdemokratischen Satirezeitschrift »Der Wahre Jakob«. (Repro: akg-images)</p></div>
<p>In CDU und CSU hat sich vor Kurzem aus Sorge um das katholisch-konservative Profil der Partei ein »Arbeitskreis Engagierter Katholiken« gegründet. In die SPD kommt ebenfalls Bewegung&#160;– allerdings genau in die entgegengesetzte Richtung. Im Herbst soll ein Arbeitskreis »Laizistinnen und Laizisten in der SPD« ins Leben gerufen werden. Nach Auskunft des Initiators, Nils Opitz-Leifheit, gibt es schon 300&#160;Interessenten. Bei einer Gründungsversammlung im Juni in Nürnberg wurden bereits Grundsätze beschlossen.</p>
<p>Die Gruppe versteht sich nicht als kirchenfeindlich. »Religiöse Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die für einen weltanschaulich neutralen Staat sind, sind uns&#160;… herzlich willkommen«, heißt es auf der <a href="http://www.spd-laizisten.de" target="_blank">Homepage</a>. Kernforderung ist die komplette Trennung von Kirche und Staat. Er stehe dem Engagement von Christen in seiner Partei nicht ablehnend ­gegenüber, sagt Opitz-Leifheit, Fraktionsreferent im baden-württembergischen Landtag. Die SPD sei aber zu wenig kirchenkritisch und verliere bei Kirchenfernen nach seiner Erfahrung an Zuspruch, meint der 46-Jährige, der aus der katholischen Kirche ausgetreten ist.</p>
<p>Die neue Gruppe hat die Unterstützung mehrerer Bundestagsabgeordneter, darunter sind Carsten Schneider aus Erfurt, der frühere Staatsminister Rolf Schwanitz&#160;(Sachsen) und die rheinland-pfälzische Abgeordnete Doris Barnett. Auch der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig und die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier, haben sich angeschlossen.</p>
<p>Die »Laizisten in der SPD« sehen sich in der Tradition des Humanismus, der Aufklärung und der Arbeiterbewegung. In ihren Anfängen war die Arbeiterbewegung zunächst antiklerikal eingestellt. Kirchen wurden von der frühen, marxistisch geprägten ­Sozialdemokratie als Verbündete der herrschenden Klasse in Staat und ­Gesellschaft eingestuft. Freidenkertum war eine der sozialdemokra­tischen Wurzeln. In SPD-Parteiprogrammen des 19. und frühen 20.&#160;Jahrhunderts machte die Forderung »Re­ligion ist Privatsache« dies deutlich. Umgekehrt gab es von kirchlicher Seite eine klare Distanzierung zur Sozialdemokratie.</p>
<p>In der Weimarer Republik versuchte die SPD vergeblich, ihre Forderungen nach Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen. Nach 1945 sorgten vor allem die Beitritte aus der Gesamtdeutschen Partei – darunter Gustav Heinemann, Johannes Rau, Diether Posser, Erhard Eppler und Jürgen Schmude&#160;– für ein starkes protestantisches Profil der&#160;SPD.</p>
<p>Einen Bruch mit der Tradition des Marxismus markiert das Godesberger Programm von 1958, in dem sich die SPD von überkommenen Dogmen verabschiedete. Demokratischer Sozialismus sei gleichermaßen in »christlicher Ethik, im Humanismus und in der klassischen Philosophie verwurzelt«. Dem Sozialismus gehe es nicht um Glaubenswahrheiten, weder Partei noch Staat hätten darüber zu entscheiden. Den Kirchen versichert das SPD-Programm »öffentlich-rechtlichen Schutz«. Erst in der Folgezeit kam es zu Kontakten zwischen SPD und katholischer Kirche.</p>
<p>Die »Laizisten in der SPD« erheben weitgehende Forderungen. Sie wollen sich für einen weltanschaulich neutralen Staat einsetzen, in der die beiden großen Kirchen keine Privi­legien genießen. Kreuze in Klassenzimmern oder Amtsstuben werden ebenso abgelehnt wie Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach oder die Einsegnung von öffentlichen Gebäuden.</p>
<p>Der Sprecher der »Christinnen und Christen in der SPD«, Wolfgang Thierse, sieht darin eine »dramatische Einengung der SPD«. Die Partei sei weltanschaulich plural. »Ich kann meine Partei nur davor warnen, eine Partei der Kirchenfeinde werden zu wollen«, betont der Vizepräsident des Bundestags. Das Verhältnis zu den Kirchen nennt Thierse freundschaftlich und konstruktiv. In vielen sozialen Fragen gebe es eine große Übereinstimmung. »Warum sollten wir das verleugnen oder eine künstliche Distanz schaffen?«</p>
<p><em>Rainer Clos und Jutta Wagemann<br />
(epd)</em></p>
<p>.</p>
<h2>Ist eine stärkere Trennung von Staat und Kirche nötig?</h2>
<p><div id="attachment_2014" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Carsten-Schneider.jpg" alt="Carsten Schneider (Erfurt) ist Mitglied des Deutschen ­Bundestages und haushaltspolitischer Sprecher  der SPD-Bundestagsfraktion." title="Carsten-Schneider" width="200" height="418" class="size-full wp-image-2014" /><p class="wp-caption-text">Carsten Schneider (Erfurt) ist Mitglied des Deutschen ­Bundestages und haushaltspolitischer Sprecher  der SPD-Bundestagsfraktion.</p></div><br />
<h3>Pro: Carsten Schneider </h3>
<p>Ich fange an mit dem, was wir nicht wollen. Erstens: Wir wollen aus der SPD keine »Partei der Kirchenfeinde« machen, wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse befürchtet, und wir wollen auch keine kirchenfeindliche Gesellschaft. Zweitens: Es geht nicht in erster Linie ums Geld. Es ist nicht die »Jagd auf die Kirchenmäuse« (Der&#160;Spiegel vom 26.&#160;Juli&#160;2010), die mich motiviert, obwohl ich Haushaltspolitiker bin. </p>
<p>Nein: Mir geht es ums Prinzip.</p>
<p>Das Prinzip, für das ich eintrete, ist das des weltanschaulich neutralen Staates, das Prinzip einer klaren Trennung von Staat und Kirche. Es ist<br />
das Prinzip des Grundgesetzes. Das Grundgesetz garantiert die Glaubensfreiheit und die ungestörte Religionsausübung. Das Grundgesetz stellt aber auch klar, dass es keine Staatskirche gibt. Für mich sind dies zwei Seiten einer ungeheuer wertvollen Medaille.</p>
<p>Was allgemeine Prinzipien im konkreten Einzelfall bedeuten, ist oft eine schwierige Frage. Die Verständigung über die richtige Antwort ist auch abhängig von der Zeit, in der wir leben. Gesetzgebung und Gerichts­urteile zu Ehe und Familie oder zur Homosexualität zeigen: Was vor 20&#160;Jahren akzeptabel erschien, ist heute untragbar, weil es der Lebenswirklichkeit und dem Gerechtigkeitsempfinden der Menschen nicht mehr entspricht.</p>
<p>Mir geht es mit den vielen Rechten und Vorrechten der Kirchen genauso: Ich halte sie für unangemessen und überholt. Ich verstehe die historischen Hintergründe, ich weiß um die bestehenden Verträge, aber ich bleibe dabei: Vieles davon passt nicht mehr in unsere Zeit und unser Land.</p>
<p>Warum sollen die Bürger meines Heimatlandes Thüringen, von denen 92&#160;Prozent keine Katholiken sind, eine katholisch-theologische Fakultät an der Universität Erfurt finanzieren und damit die Priesterausbildung subventionieren? Warum zahlen ­konfessionslose oder muslimische Steuerzahler die Gehälter evangelischer Bischöfe oder die Renovierung katholischer Kirchen? Wegen Grundstücksgeschäften, die vor 200&#160;Jahren abgeschlossen wurden? Da muss es ordnungspolitisch bessere Lösungen geben.</p>
<p>Von der strikten Trennung zwischen Staat und Kirche könnten die Kirchen meines Erachtens sogar profitieren&#160;– sie gewönnen wohl nicht an Geld, aber an Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit.<br />
<em><br />
 Carsten Schneider</em></p>
<p>.</p>
<h2>Ist eine stärkere Trennung von Staat und Kirche nötig?</h2>
<p><div id="attachment_2012" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/grimm-benne.jpg" alt="Petra Grimm-Benne ist Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion  Sachsen-Anhalt  und Mitglied der EKM-Synode" title="grimm-benne" width="200" height="418" class="size-full wp-image-2012" /><p class="wp-caption-text">Petra Grimm-Benne ist Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion  Sachsen-Anhalt  und Mitglied der EKM-Synode</p></div><br />
<h3>Kontra: Petra Grimm-Benne</h3>
<p>Die Trennung von Staat und Kirche ist eines der Grundprinzipien unseres Staates. Sie fußt auf der Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des ­religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses nach Art.&#160;4 des Grundgesetzes. Dieses Grundprinzip bildet somit eine der Säulen unserer pluralistischen Demokratie, die auf dem Funktionieren unseres Staats- und Gemeinwesens unabhängig von religiösen Ansichten und Weltanschauungen beruht. </p>
<p>Es ist für alle Christinnen und Christen ganz selbstverständlich Teil unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und damit Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Die Trennung von Staat und Kirche wird also erlebt und gelebt.</p>
<p>Die Kritik – an der übrigens seit Jahrzehnten geübten Praxis&#160;– der Staat verletze seine weltanschauliche und religiöse Neutralitätspflicht, ist gänzlich unberechtigt. Die Stellung der Kirchen und ihre damit verbundenen Rechte spiegeln ihre tiefe Verankerung in der Gesellschaft wieder. </p>
<p>Fast 60 Prozent der Bundesbürger sind christlich-konfessionell gebunden. Die Stellung der Kirche stellt also keine Privilegierung einer Religion dar, sondern orientiert sich an den Bedürfnissen ­einer Mehrheit der Menschen.</p>
<p>Zudem besteht die Neutralitätspflicht des Staates in Fragen der Religion und der Weltanschauungen aus zwei Elementen. Zum einen darf der Staat keinen seiner Bürgerinnen und Bürger zu einem Glaubensbekenntnis gleich welcher Art zwingen. Dieser Pflicht kommt der Staat nach. Niemand muss gegen seinen Willen ein solches Bekenntnis ablegen. </p>
<p>Zum anderen ist es die Pflicht des Staates, dafür zu sorgen, dass jeder seinem Glauben nachgehen kann. Insofern ist sehr wohl richtig, an den Schulen Reli­gionsunterricht zu halten, wenn niemand zur Teilnahme gezwungen wird. Und es ist sehr wohl richtig, jedem die Möglichkeit zu eröffnen, eine Eidesformel mit Gottesbezug zu leisten.</p>
<p>Eine Diskussion, wie sie im Moment geführt wird, birgt eine Gefahr: Unter dem Deckmantel einer vermeintlich völligen Freiheit wird vielen Menschen in einigen Bereichen die Möglichkeit genommen, ihren Glauben ganz selbstverständlich zu leben. </p>
<p>Freiheit ist auch die Freiheit des (Anders)Gläubigen. Das sage ich als gläubige Christin UND überzeugte Sozialdemokratin.</p>
<p><em>Petra Grimm-Benne</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wir lernen, wenn wir schlafen</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/08/20/wir-lernen-wenn-wir-schlafen/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 14:32:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Hirnforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlaf]]></category>
		<category><![CDATA[Traumentzug]]></category>

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		<description><![CDATA[Wissenschaft: Moderne bildgebende Verfahren machen es möglich, der Spur der Träume zu folgen

Während wir träumen, ist ­unser Hirn höchst aktiv und kreativ, mehr als wenn wir wach sind. Träume sind von existenzieller Bedeutung. Ohne traumreichen Schlaf gibt es wahrscheinlich überhaupt keine dauerhaften Lernerfolge.
Von Reinhard Lassek
Goethes wundervoller Gedan­ke, »der Mensch träumt nur, damit er nicht aufhöre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Wissenschaft: Moderne bildgebende Verfahren machen es möglich, der Spur der Träume zu folgen</strong><br />
</em><br />
<strong>Während wir träumen, ist ­unser Hirn höchst aktiv und kreativ, mehr als wenn wir wach sind. Träume sind von existenzieller Bedeutung. Ohne traumreichen Schlaf gibt es wahrscheinlich überhaupt keine dauerhaften Lernerfolge.</strong></p>
<p><em>Von Reinhard Lassek</em></p>
<p>Goethes wundervoller Gedan­ke, »der Mensch träumt nur, damit er nicht aufhöre zu sehen«, erlebt derzeit eine neurobiolo­gische Renaissance. Entgegen früheren Annahmen sind Träume alles ­andere als eine neuronale Müllabfuhr. Sie dienen in der Tat wichtigeren Dingen als der Verdauung von »Tages­resten«. Während wir träumen, ist ­unser Hirn zumeist sogar viel aktiver und auch kreativer als in den Wachphasen. Und egal, ob wir uns nun an unsere Träume erinnern oder nicht: Ohne Träume können wir nicht existieren.</p>
<div id="attachment_1974" class="wp-caption alignleft" style="width: 232px"><img class="size-full wp-image-1974" title="schlaflabor" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/schlaflabor.jpg" alt="Im Schlaflabor können Mediziner exakt nachweisen, dass jemand träumt. Doch niemand kann sich in die Intimsphäre unserer Träume einloggen." width="222" height="417" /><p class="wp-caption-text">Im Schlaflabor können Mediziner exakt nachweisen, dass jemand träumt. Doch niemand kann sich in die Intimsphäre unserer Träume einloggen.</p></div>
<p>Träume gelten unter Hirnforschern keineswegs als die Hauptstörenfriede gesunden Schlafs. Sie sind vielmehr die hohe Schule unseres Erinnerungsvermögens. Denn während wir schlafen und träumen, arbeitet unser Hirn – es übt zuvor gelernte Inhalte ein. Auf lange Sicht bleiben daher auch nur notorische Träumer geistig leistungsfähig und gesund. Schlaf ist also weitaus mehr als ein Stand-by-Modus ­unseres zentralen Nervensystems.</p>
<p>Dank der sogenannten bildgebenden Verfahren wie etwa der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Positronen-Emissions-Tomographie" target="_self">Posi­tronen-Emissions-Tomografie</a> ist es heutzutage möglich, den Spuren unserer Traumaktivitäten – nicht jedoch etwa der Trauminhalte – bis in die kleinsten und entlegendsten Hirnwindungen zu folgen. Denn jede Aktivität unseres Hirns ist mit irgendeiner Form von Energiestoffwechsel bzw. elektrochemischen Prozessen verbunden. Mit Vorgängen also, die sich auf den Millimeter und die Millisekunde genau messen lassen.</p>
<p>Entgegen früheren Vorstellungen ist unsere Hirnrinde alles andere als ein straff organisiertes System. Jene graue Rindensubstanz, auf die wir so stolz sind, gleicht eher einem undurchdringlichen Dschungel: Die ­Fasern von rund 15 Milliarden Nervenzellen verknüpfen sich zu einem gigantischen Verbindungsnetz von rund 500000 Kilometern Länge. Denn Nervenzellen neigen dazu, sich permanent mit ihren Nachbarzellen in alle Richtungen zu vernetzen. Und ­jeder Gedanke und jede körperliche Aktivität verändert augenblicklich das Verknüpfungsmuster.</p>
<p>Das Ergebnis dieser Netzflickerei lässt geradezu vor Erfurcht erschaudern: Denn die Zahl der mutmaßlichen neuronalen Verknüpfungsmöglichkeiten des menschlichen Hirns übersteigt mutmaßlich die Anzahl der Atome des ganzen Universums. Unser Hirn ist die komplexeste Struktur, mit der sich Wissenschaft überhaupt beschäftigen kann.</p>
<p>Sowohl im Wach- als auch im Traumzustand herrscht in sämtlichen Feldern unserer Großhirnrinde ein gleichmäßiges »Hintergrundrauschen«. Dieses beständige Getöse rührt daher, dass unsere Nervenzellen untereinander im permanenten Funkkontakt stehen.</p>
<p>Ohne einen Taktgeber – eine Art Dirigenten – käme niemals Ordnung in diese wabernde Vielfalt. Während des Schlafs jedoch bricht zunächst jede Koordination zusammen. Das Ensemble der Neuronen wird führungslos und jeder neuronale Schaltkreis macht, was er will. Es sei denn, wir träumen. Sogleich nimmt jener Dirigent seine Tätigkeit wieder auf, um die zum Teil heftigen Neuronenaktivitäten des träumenden Hirns in ganz ähnlicher Weise zu synchro­nisieren wie im Wachzustand. Nur der traumlose Schlaf gewährt somit unserem Hirn einige Momente zügelloser Taktlosigkeit.</p>
<p>Nicht durch Schlafentzug, sondern allein durch Traumentzug kommt es zu ernsthaften psychischen Störungen wie Verfolgungswahn, Apathie und Halluzinationen. Die Züricher Schlafforscherin <a href="http://www.neuroscience.uzh.ch/research/neural_basis/tobler" target="_blank">Irene Tobler</a> fasste diesen bemerkenswerten Umstand in die ­Regel: Der Körper braucht nur Ruhe, das Hirn jedoch den Schlaf. Gemeint ist, dass außer dem Hirn alle unsere Organe auf energiesparende Regenerationsphasen angewiesen sind. Das Hirn jedoch nutzt gerade den Schlaf, um seine vornehmste Pflicht zu erfüllen: es lernt. Denn unser Hirn, so der Hirnforscher Manfred Spitzer, kann so ziemlich alles. Nur eines kann es nicht: nicht lernen. Ein gutes Ruhekissen schafft also ideale Voraussetzungen für das nächtliche Gedächtnistraining. Ohne traumreichen Schlaf gibt es wahrscheinlich überhaupt keine dauerhaften Lernerfolge.</p>
<p>In einer »geruhsamen« Nacht durchläuft unser Hirn drei- bis fünfmal einen Zyklus verschiedener Schlafphasen. Doch geträumt wird vor allem während des sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/REM-Schlaf" target="_blank">REM-Schlafs</a>. Dieser Schlaf zeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen unter geschlossenen Lidern aus – daher die Abkürzung REM für Rapid-Eye-Movements. Während der REM-Phase wird das Hirn besonders stark durchblutet und auch seine elektrische Aktivität ist erhöht. Offenbar spielen sich während dieser auffällig traumreichen Schlafperioden eben jene Prozesse der Eiweißsynthese ab, die dafür sorgen, dass Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses in das Langzeitgedächtnis übernommen werden.</p>
<p>Ein träumendes Hirn kann nahezu beliebig auf alle Gedächtnisinhalte zurückgreifen. Und es kann diese ­dabei offenbar freier kombinieren, als es uns im Wachzustand je vergönnt ist. Ein glücklicher Umstand, den der Dichter Friedrich Hölderlin in die schönen Worte fasste: »Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt.«</p>
<p>Dass sich die Wissenschaft nunmehr zum Beherrscher unserer geheimsten Träume aufschwingen könnte, steht indes nicht zu befürchten. Davor schützt allein schon die Komplexität unseres wichtigsten und auch menschlichsten aller Organe. Unser Hirn ist schließlich kein Computer – keine Denkmaschine. Seiner hohen Dynamik und Flexibilität wegen gleicht es eher einem komplexen Ökosystem. Die Allmachtsfantasien einiger marktschreierischer Hirnforscher brauchen uns daher auch nicht zu beunruhigen. Über kurz oder lang wird sich niemand in die Intimsphäre unserer Träume einloggen können.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>»Lassen Sie sich schieben von Gott«</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/08/13/%c2%bblassen-sie-sich-schieben-von-gott%c2%ab/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 12:50:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blindengarten]]></category>
		<category><![CDATA[Radeberg]]></category>
		<category><![CDATA[Ruth Zacharias]]></category>
		<category><![CDATA[Seelsorge für Taubblinde]]></category>
		<category><![CDATA[Taubblindendienst]]></category>

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		<description><![CDATA[Porträt: Pastorin Ruth Zacharias, Leiterin des Taubblindendienstes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Sie hat zwei Berufungen, ihre erste ist die Seelsorge für Taubblinde, ihre zweite der Blindengarten. Am 12. August wurde Ruth Zacharias 70  Jahre alt.
Von Tomas Gärtner
Der Balkon vor ihrem Arbeitszimmer ist ein Reich der Düfte. Fenchel, Edelwicken, Zitronenthymian, Myrte, Salbei, Liebstöckel wachsen in Töpfen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Porträt: <em>Pastorin Ruth Zacharias, Leiterin des Taubblindendienstes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)</em></strong><em><br />
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<strong>Sie hat zwei Berufungen, ihre erste ist die Seelsorge für Taubblinde, ihre zweite der Blindengarten. Am 12. August wurde Ruth Zacharias 70  Jahre alt.</strong></p>
<p><em>Von Tomas Gärtner</em></p>
<p>Der Balkon vor ihrem Arbeitszimmer ist ein Reich der Düfte. Fenchel, Edelwicken, Zitronenthymian, Myrte, Salbei, Liebstöckel wachsen in Töpfen und Kästen. Ruth Zacharias tastet nach dem Rand eines Blumenkastens, schüttet Wasser aus einer Gießkanne hinein. Sie bewegt die Hände in den Blättern, hält sie vor die Nase. »Man atmet gleich tiefer«, sagt sie. Für sie sei das die beste Art, sich in den Pausen von ihrer Arbeit zu erholen, sagt sie.</p>
<div id="attachment_1941" class="wp-caption alignleft" style="width: 340px"><img class="size-full wp-image-1941" title="ruth" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/ruth.jpg" alt="Mit zehn Jahren ist Ruth  Zacharias erblindet. (Foto: Steffen Giersch)" width="330" height="331" /><p class="wp-caption-text">Mit zehn Jahren ist Ruth  Zacharias erblindet. (Foto: Steffen Giersch)</p></div>
<p>Mit zehn Jahren ist Ruth Zacharias erblindet. Am 12. August ist die evangelische Pastorin, die den Taubblindendienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitet, 70 Jahre alt geworden. Vor dem Haus auf dem Gelände des »<a href="http://www.taubblindendienst.de/index.php?menuid=6" target="_blank">Storchennests</a>«, der Bildungs- und Ferienstätte für Taubblinde, hörsehbehinderte und mehrfach behinderte Blinde in Radeberg bei Dresden, hat sie einen speziellen Garten anlegen lassen.</p>
<p>»Es ist der kleinste unter den 141 botanischen Gärten, aber der einzige Botanische Blindengarten.« Und auf den rund 20000 Quadratmetern – fast so viel wie drei Fußballfelder – gedeihen vor allem Duftpflanzen, mehr als 700 Arten. Riechen und Tasten sind für Taubblinde enorm wichtig. Daher hat sich Ruth Zacharias selbst zur Expertin auf diesem Gebiet gebildet. »Ganze Urlaube habe ich nur mit Gartenbüchern zugebracht.« Mittlerweile, sagt sie, sei ihr diese Arbeit zu einer zweiten Berufung geworden.</p>
<p>Ihre erste Berufung ist die Seelsorge für Taubblinde. 1963 begann sie, hat aber eine Vorgeschichte, die das Ganze erst verständlich macht. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Mölschow auf der Insel Usedom, in christlichem Geist erzogen, schien ihr Weg nach Abschluss der Oberschule für Blinde in Königs Wusterhausen festzustehen. Dolmetscherin sollte die sprachbegabte junge Frau werden. Doch es kam anders.</p>
<p>Sie hatte die Geborgenheit in einer Jungen Gemeinde außerhalb der Schule und einen beeindruckenden Seelsorger erlebt. Entschied sich nun für ein bewusst gelebtes Christentum. Der Wendepunkt in ihrem Leben. Sie wolle in den kirchlichen Dienst, erklärte sie den erstaunten Lehrern und Eltern. Noch ohne zu wissen, was sie als Blinde da überhaupt konkret tun konnte. Nach einer Ausbildung zur Gemeindehelferin und Katechetin ging sie in die Evangelische Bücherei und Druckerei für Blinde nach Wernigerode, lernte Schriftsetzerin und Korrektorin für Punktschrift.</p>
<p>Im Dezember 1962 berichtet ihr Pfarrer Georg Hentsch, der Leiter des Christlichen Blindendienstes, von immer mehr Taubblinden, die er entdeckt. Er fragt sie, ob sie die seelsorgerische Arbeit für sie übernehmen könne. Es sei seltsam gewesen, so erinnert sie sich: »In gleicher Sekunde wusste ich unangefochten: Das ist es, was Gott von dir will.« Sie fragt, was sie da tun solle. Das wisse er auch nicht, entgegnet Pfarrer Hentsch und setzt hinzu: »Lassen Sie sich schieben von Gott.« Ruth Zacharias begreift: Sie kann sich leiten lassen, muss nicht ­alles selber planen und bestimmen, vielmehr sehr aufmerksam die Impulse wahrnehmen für diesen Beginn. Dies wird zum Prinzip ihrer Pionier­arbeit.</p>
<p>Sie studiert Theologie, damals die einzige Frau und einzige Blinde am Paulinum in Berlin. Lernt das Lormen – ein Alphabet, getastet in die Hand des Taubblinden. Fährt durch die DDR, besucht Taubblinde. Menschen, die, wie sie beschreibt, in »pechschwarzer, tonloser Nacht« leben und für die Kommunikation auf andere angewiesen sind. Organisiert Seminare mit deren Familien. Und macht die paradoxe Erfahrung: Ihre Be-<br />
hinderung, die Blindheit, erweist sich als Vorteil. Einmal sagen ihr Eltern taubblinder Kinder: »Wie gut, dass Sie wenigstens blind sind; dann sind Sie uns ein bisschen näher.«</p>
<p>Bis heute ist die Zahl dieser Behinderten in Deutschland nicht bekannt. Zwischen 2500 und 6000 bewegen sich die Schätzungen. 2004 hat das EU-Parlament Taubblindheit als eigene Form der Behinderung anerkannt.</p>
<p>Als Ruth Zacharias 1989 in Radeberg das »Storchennest« übernimmt, ein ehemaliges Entbindungsheim, ist es ein heruntergekommener Gebäudekomplex. Unter ihrer Leitung wird es ein sechs Gebäude umfassendes Zentrum für Beratung, Seminare und Erholung. 2008, mit 68 Jahren, hat sie noch einmal mit Pionierarbeit begonnen: Unweit des »Storchennests« hat sie ein Haus ausbauen lassen – die erste Stätte ambulant betreuten Wohnens für Taubblinde. Sechs Frauen und Männer leben dort inzwischen. Beschäftigt werden sollen sie im Blindengarten. »Es ist ein mühsamer Weg«, sagt Ruth Zacharias. Etwa fünf Jahre brauche man, um zu wissen, wie es geht. »Jetzt warten sie anderswo in Deutschland schon auf unsere Erfahrungen.«</p>
<p><strong>Feier des Geburtstages am 13. und 14. August mit »Fest zur Ehre Gottes« in Radeberg für geladene Gäste. Öffentlich ist der Gottesdienst am 13. August, 17.30 Uhr in der Radeberger Stadtkirche.</strong></p>
<p><em>Buch: </em>Zacharias, Ruth: Gottes Liebe zu ­bezeugen. Eigenverlag. Zu beziehen nur über den Taubblindendienst, Pillnitzer Straße 71, 01454 Radeberg; Telefon (03528) 4397-0; Fax -21; E-Mail <a href="mailto:info@taubblindendienst.de">info@taubblindendienst.de</a></p>
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		<title>»Jesus hätte uns nicht ausgegrenzt«</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 16:09:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[gleichgeschlechtliche Paare]]></category>
		<category><![CDATA[Segnung]]></category>

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		<description><![CDATA[strong>Seelsorge: Wenn gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft vor Gott besiegeln wollen, gibt es Probleme
Thomas Friedrich und ­Marcel Bauer wollen für ihre Partnerschaft um Gottes ­Segen bitten. Doch in ­Sachsen ist das nicht in ­einem Gottesdienst möglich.
Es war der Karfreitag 2009. Marcel Bauer weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, wie er mit dem Chor in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1932" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/männer.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/männer.jpg" alt="Sie wünschten eine Trauung und bekamen einen Kompromiss: Marcel Bauer (l.)  und Thomas Friedrich auf den Straßenbahngleisen vor dem Chemnitzer Gunzenhauser-Museum, das Friedrich leitet.	Foto: Steffen Giersch" title="Bauer und Friedrich" width="300" height="324" class="size-full wp-image-1932" /></a><p class="wp-caption-text">Sie wünschten eine Trauung und bekamen einen Kompromiss: Marcel Bauer (l.)  und Thomas Friedrich auf den Straßenbahngleisen vor dem Chemnitzer Gunzenhauser-Museum, das Friedrich leitet.	Foto: Steffen Giersch</p></div><strong>Seelsorge: Wenn gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft vor Gott besiegeln wollen, gibt es Probleme</strong></p>
<p>Thomas Friedrich und ­Marcel Bauer wollen für ihre Partnerschaft um Gottes ­Segen bitten. Doch in ­Sachsen ist das nicht in ­einem Gottesdienst möglich.</p>
<p>Es war der Karfreitag 2009. Marcel Bauer weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, wie er mit dem Chor in der Chemnitzer Kreuzkirche stand und Bachs Matthäuspassion sang. Und wie sein Blick auf ein Augenpaar im Publikum fiel. So fand Marcel Bauer mitten in einem Gotteshaus die Liebe. Sie heißt Thomas Friedrich und ist ein Mann.</p>
<p>Die beiden Männer verstecken sich nicht. Friedrich ist Leiter des renommierten Museums Gunzenhauser, Bauer ein stadtbekannter Friseur. Am 1. Dezember lassen die 33-Jährigen ihre Partnerschaft im Chemnitzer Standesamt förmlich eintragen. Seit 2001 ist das in Deutschland für homosexuelle Paare möglich. »Doch wir wollten auch vor Gott noch einmal sagen, dass wir zueinander stehen und seinen Segen dafür erbitten«, sagt Thomas Friedrich, der wie sein Partner aus einer christlichen Familie stammt und in der Chemnitzer St.-Pauli-Kreuz-Kirchgemeinde zu Hause ist. Eine Segnung in einem Gottesdienst – das war ihr Wunsch. Mit der Bitte darum schrieben sie an den sächsischen Landesbischof, doch er lehnte ab.</p>
<p>»Das hat uns enttäuscht«, sagt Thomas Friedrich. »Wir sind vollwertige Mitglieder einer Kirchgemeinde – und da plötzlich nicht mehr. In anderen Landeskirchen ist die Segnung homosexueller Paare doch auch möglich.« Neun Landeskirchen – darunter die von Berlin-Brandenburg – lassen zwar keine Trauung, aber eine Segnung<br />
der Partnerschaft zu. Andere Landeskirchen – darunter die von Anhalt – haben sich noch nicht entschieden. Sechs lehnen eine solche Segnung ausdrücklich ab (lesen Sie dazu den Beitrag rechts).</p>
<p>Zu ihnen gehört die sächsische Landeskirche. Deren Kirchenleitung hat 2001 beschlossen: »Segnung homosexueller Partnerschaften kommt in unserer Landeskirche mit Blick auf das biblische Zeugnis nicht in ­Betracht. Wohl aber ist die Segnung homosexuell geprägter Menschen im Rahmen der persönlichen Seelsorge möglich.« Geht man von Schätzungen über die Zahl homosexueller Menschen in Deutschland aus, sind in der sächsischen Landeskirche mehrere Tausend Christen von dieser Aussage betroffen.</p>
<p>»Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Jesus Menschen so ausgegrenzt hätte«, sagt der Chemnitzer Thomas Friedrich. »Doch aus unserer Kirchgemeinde und der Kantorei, in der wir mitsingen, hatten wir von vornherein Rückendeckung. Warum soll ein Paar, das sich liebt, nicht den Segen bekommen, fragten viele.« Der Vorstand der St.-Pauli-Kreuz-Kirchgemeinde jedenfalls hatte schon im Dezember mehrheitlich keine ­Bedenken gegenüber einer Segnung im Gottesdienst. Es folgten ­Monate mit Gesprächen und Schriftwechsel hin und her zwischen den beiden Männern, dem Pfarrer der Kirchgemeinde, dem Chemnitzer Superintendenten und dem Landesbischof ­Jochen Bohl.</p>
<p>Bei dem Beschluss der Kirchenleitung werde es auch in den nächsten Jahren unverändert bleiben, betont Bohl. »Auf die Inhalte des ­Kirchenleitungsbeschlusses ist der Ortspfarrer durch meinen Referenten und den Superintendenten hingewiesen worden. Er hat in dessen Rahmen gehandelt.«</p>
<p>Am Ende stand ein Familiengottesdienst am Sonnabendnachmittag vor Pfingsten: Die Kreuzkirche war voll mit Gästen, Angehörigen, Freunden und Kollegen des Paares. Der Chor sang. Doch ihren Segen erhielten Thomas Friedrich und Marcel Bauer eine Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn nur im »seelsorgerlichen Rahmen«: Ohne Musik, ganz schlicht. Nur ihre Familien und ihre Trauzeugen vom Standesamt waren dabei. Gemeinsam mit dem Pfarrer beteten sie um Gottes Segen für ihre Partnerschaft. Es war ein Kompromiss.</p>
<p>Ein Kompromiss freilich, um den fast jeder in dem folgenden Gottesdienst wusste – und der deshalb trotz allem zu ihrem Gottesdienst wurde. »Danach kamen viele Menschen zu uns und gratulierten uns herzlich«, ­erinnert sich Marcel Bauer. »Viele von ihnen hofften, dass die Tür offen bleibt, die wir aufgestoßen haben.« Und manche aus der Kirchgemeinde sagten den Männern: »Der Gottesdienst war schön – so schön normal.«<br />
<em><br />
Andreas Roth</em></p>
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		<title>»Unsere Einheit ist unsere Stärke«</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/29/%c2%bbunsere-einheit-ist-unsere-starke%c2%ab/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 15:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Lutherischer Weltbund]]></category>
		<category><![CDATA[LWB-Präsident]]></category>
		<category><![CDATA[Munib A. Younan]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview: Der neue LWB-Präsident plädiert für Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme
Munib A. Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB). Benjamin Lassiwe
hat mit ihm gesprochen.
Bischof Younan, Sie kommen aus ­einer ausgesprochenen Konfliktregion. Was ist Ihre Perspektive für den Frieden im Nahen Osten?
Younan: Als Bischof einer Kirche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview: Der neue LWB-Präsident plädiert für Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme</strong></p>
<p>Munib A. Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB). Benjamin Lassiwe<br />
hat mit ihm gesprochen.</p>
<div id="attachment_1905" class="wp-caption alignleft" style="width: 265px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/3-Younan-freigestellt.jpg"><img class="size-medium wp-image-1905" title="3-Younan-freigestellt" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/3-Younan-freigestellt-255x300.jpg" alt="Der palästinensische Bischof Munib A. Younan ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB). Die in Stuttgart tagende 11. LWB-Vollversammlung wählte das 59-jährige Oberhaupt der rund 3000 Mitglieder umfassenden ­Evangelisch-Lutherischen Kirche von Jordanien und dem Heiligen Land mit  großer Mehrheit zum Nachfolger des US-amerikanischen Bischofs Mark Hanson. Foto: epd-bild/Norbert Neetz" width="255" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der palästinensische Bischof Munib A. Younan ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB). Die in Stuttgart tagende 11. LWB-Vollversammlung wählte das 59-jährige Oberhaupt der rund 3000 Mitglieder umfassenden ­Evangelisch-Lutherischen Kirche von Jordanien und dem Heiligen Land mit  großer Mehrheit zum Nachfolger des US-amerikanischen Bischofs Mark Hanson. Foto: epd-bild/Norbert Neetz</p></div>
<p><strong>Bischof Younan, Sie kommen aus ­einer ausgesprochenen Konfliktregion. Was ist Ihre Perspektive für den Frieden im Nahen Osten?<br />
Younan:</strong> Als Bischof einer Kirche im Nahen Osten glaube ich, dass wir in eine neue Phase der Verhandlungen eintreten müssen, mit deren Hilfe wir die Zwei-Staaten-Lösung entsprechend der Grenzen von 1967 erreichen. Ich hoffe, dass diese beiden Staaten in Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zusammenleben können. Und wir haben eine sehr klare Position zu Jerusalem: Es muss geteilt werden zwischen Juden, Christen und Muslimen, Palästinensern und Israelis. Dabei ist es ganz klar, dass diese beiden Staaten nicht ohne eine regionale Kooperation, wie wir sie von der EU kennen, existieren können.</p>
<p><strong>Zusammen mit anderen palästinensischen Theologen haben Sie das Kairos-Papier unterzeichnet, dass die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete als Sünde bezeichnet. Warum?<br />
Younan:</strong> Lassen Sie mich da ganz deutlich sein: Ich billigte es &#8211; zusammen mit den übrigen Kirchenoberhäuptern. Besatzung nimmt den Menschen ihre Menschenrechte. Aber Gott schuf alle Menschen gleich. Die Idee hinter dem Papier ist, dass jeder Mensch seine Rechte genießen sollte, egal ob er Jude, Palästinenser, Israeli oder Araber ist. Und wenn er die Rechte anderer Menschen verletzt, begeht er eine Sünde.</p>
<p><strong>Wie sieht das denn im Nahen Osten praktisch aus: Rechnen Sie angesichts der israelischen Sperranlagen damit, dass Sie im neuen Amt Probleme haben?<br />
Younan:</strong> Ich bin immer frei gereist, und nie hat mich jemand davon abgehalten. Natürlich geht es mir manchmal wie anderen Palästinensern, die unter den Kontrollen leiden, aber als Oberhaupt einer Kirche war es bislang eher einfacher zu reisen.</p>
<p><strong>Im LWB wird derzeit über das Thema »Ordination von homosexuellen Geistlichen« diskutiert. Was ist Ihre Position dazu?<br />
Younan:</strong> Bevor ich dazu eine Meinung abgebe, müssen wir uns in unserer LWB-Region Asien darüber beraten. Wir planen dort einen Workshop über Ehe, Sexualität und Familie. Und wenn wir dort unsere Studien gehabt haben, kann ich etwas dazu sagen. Bis dahin sage ich das, was ein Bischof aus Tansania kürzlich in der Versammlung sagte: Seid geduldig, denn ich vertrete nicht mich selbst. Ich vertrete eine Gemeinschaft, und ich muss der Gemeinschaft gegenüber loyal sein.</p>
<p><strong>Wie sehen Sie denn das Verhältnis zwischen den Mitgliedskirchen des LWB?<br />
Younan: </strong>Wir haben manchmal unterschiedliche Ansichten. Wir dürfen ­dabei nicht zu vorschnellen Entscheidungen kommen. Wir dürfen die ­Gemeinschaft nicht spalten. Es ist mein Ziel, dass unsere Einheit bestehen bleibt. Unsere Einheit ist unsere Stärke. Gemeinsam legen wir Zeugnis in der Welt ab.</p>
<p><strong>Sehen Sie die Einheit des LWB in Gefahr?<br />
Younan:</strong> Ich habe diese Versammlung als sehr einheitlich erlebt. Selbst schwierige Fragen haben wir sorgfältig diskutiert. Und selbst wenn wir bei manchen Themen unterschiedlicher Meinung sind, werden wir unsere Einheit bewahren. Denn auf dieser Versammlung haben wir Verständnis zwischen Kirchen aus Ost und West, Nord und Süd erfahren. Unsere Gemeinschaft hat die Aufgabe, für die Heilung der Welt Zeugnis abzulegen. Wir machen Entwicklungshilfe, Mission und betreiben theologische Studien. Ich bin begeistert davon, was wir als LWB alles machen – selbst wenn es manchmal unterschiedliche Meinungen der Christen im Norden und Süden gibt.</p>
<p><strong>Lassen Sie mich eine theologische Frage stellen: Wie verstehen Sie den Begriff »Kirche«?<br />
Younan: </strong>Unseren lutherischen Dokumenten nach ist das ganz einfach: Die Kirche sind die Menschen. Wenn Sie denken, dass die Kirche nur die Bischöfe sind, irren Sie sich. Die Frauen, die Männer, die Babys, die Laien und die Ordinierten sind die Kirche. Wir sind die Kirche. Als Bischof bin ich ­gerufen, die Kirche zu vertreten und nicht mich selbst, und ich bin gerufen, zu predigen und die Sakramente zu verwalten. Das ist unsere Theologie.<br />
<strong><br />
Sollte der LWB nur von Pastoren und Bischöfen oder auch von Laien geleitet werden?<br />
Younan:</strong> Unser lutherisches Verständnis ist, dass jedes getaufte Mitglied der Kirche an der Leitung der Kirche beteiligt sein kann, unabhängig vom Alter. Kinder und Erwachsene – alle sind wir Leiter, denn die Kirche ist ein Haus für alle. Und in diesem Haus erfahren wir die Gnade Gottes, die Gnade Christi. Und das ist die Kirche für mich – wir leiten sie alle. Bevor ich Entscheidungen treffen kann, berate ich mich mit den Frauen, mit anderen, mit allen. Das ist essenziell. Das ist die Kirche. Ich vertrete sie in dem, was sie sagen.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>»Wie neugeboren«</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 15:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Konvertierte]]></category>
		<category><![CDATA[Muslime]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>

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		<description><![CDATA[Migranten: Ein Pfarrer aus Hannover begleitet iranische Flüchtlinge – Dutzende lassen sich jeden Monat taufen.

Nach Deutschland ­geflüchtete Iraner haben die Nase voll vom islamistischen Mullahregime. Für viele wird nicht nur westliche Demokratie, sondern auch christlicher Glaube zu einer neuen Erfahrung.

Noch vor einem Jahr unterrichtete die 30-jährige Parysa mit Kopftuch an einer Schule in der iranischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1884" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Bild-Seite-3.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Bild-Seite-3.jpg" alt="Leben unter den wachsamen Augen der Staatsreligion – eine verschleierte Frau im Iran. Viele Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland vom christlichen Glauben angezogen.  Foto: epd-bild/Walter G. Allgöwer" title="Bild-Seite-3" width="560" height="464" class="size-full wp-image-1884" /></a><p class="wp-caption-text">Leben unter den wachsamen Augen der Staatsreligion – eine verschleierte Frau im Iran. Viele Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland vom christlichen Glauben angezogen.  Foto: epd-bild/Walter G. Allgöwer</p></div><br />
<strong>Migranten: Ein Pfarrer aus Hannover begleitet iranische Flüchtlinge – Dutzende lassen sich jeden Monat taufen.</strong><br />
<em><br />
Nach Deutschland ­geflüchtete Iraner haben die Nase voll vom islamistischen Mullahregime. Für viele wird nicht nur westliche Demokratie, sondern auch christlicher Glaube zu einer neuen Erfahrung.<br />
</em><br />
Noch vor einem Jahr unterrichtete die 30-jährige Parysa mit Kopftuch an einer Schule in der iranischen Stadt Isfahan. Heute lebt sie in Deutschland, trägt Jeans und ihre Haare offen. Vor einem halben Jahr hat sie sich in Hannover christlich taufen lassen und nahm ­dabei den armenischen Namen Arpi an. Wie sie bekennen sich in Deutschland jeden Monat mehrere Dutzend iranische Flüchtlinge bei Festgottesdiensten zum Christentum. Erst kürzlich erwartete die evangelische Landeskirche Hannovers wieder rund 40 von ihnen zu einem Tauffest in der Landeshauptstadt.</p>
<p>Pastor Hans-Jürgen Kutzner betreut bundesweit bis zu 1000 Iraner und veranstaltet mit ihnen Gottesdienste auf Deutsch und Farsi. Der Theologe aus Hannover ist der einzige hauptamtliche evangelische Iraner-Seelsorger innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und hat selbst schon zahlreiche Iraner getauft. »Sie kommen aus einem Gottesstaat, in dem Religion und Politik nicht getrennt sind«, sagt er. Viele ­hätten Gewalt und Folter im Namen des Islam erlitten. »Wenn man eine Diktatur auf diese Weise erlebt, will man davon frei sein.«</p>
<p>Die Abkehr vom Islam und die Hinwendung zum Christentum sei für die Flüchtlinge deshalb oft mit einer politischen Botschaft verbunden. So sei die Zahl der Hilfesuchenden und der Täuflinge nach den Präsidentschaftswahlen und den großen Demonstrationen im Iran im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. »Es geht uns nicht um Mission, sondern um die Menschen«, betont Kutzner. »Wir helfen natürlich auch denen, die sich nicht taufen lassen.«</p>
<p>Arpi weigerte sich im Iran, den Ganzkörperschleier Tschador zu tragen, und wurde deshalb an eine Dorfschule versetzt. Kurze Zeit später floh sie nach Deutschland. Ihr sonst fröhliches Gesicht verfinstert sich, als sie davon spricht. »Ich war nie eine überzeugte Muslima«, sagt sie. Zudem sei es ihr schwergefallen, die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen zu akzeptieren.</p>
<p>Für sie ist die im deutschen Grundgesetz festgelegte Religionsfreiheit ­etwas Besonderes, das sie sich lange gewünscht hat. Wenn sie an ihre Taufe denkt, wirkt die junge Frau euphorisch: »Ich fühlte mich wie neugeboren.« Auch ihre Familie im Iran habe sich für sie gefreut. Arpi ist sich sicher: Wenn sie zurück in die alte Heimat müsste, drohe ihr der Tod durch Steinigung oder Erhängen.</p>
<p>Um getauft zu werden, müssen sich die Interessenten Grundkenntnisse des Christentums aneignen – meist über das Internet. »Wir sagen ihnen auch ein paar unbequeme Wahrheiten«, betont Kutzner. So ebne ihnen die Taufe keineswegs automatisch den Weg in die westliche Gesellschaft. Und sie sei ein Risiko, wenn sie wieder in den Iran zurückkehren müssten. Denn: Die deutschen Behörden nähmen bei einer drohenden Abschiebung kaum noch Rücksicht auf die ­Religionszugehörigkeit.</p>
<p>Der 31-jährige Dariush hat sich vor zwei Jahren bei einem Tauffest zum Christentum bekannt. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur wohnt in ­einem Asylbewerberheim und weiß nicht, ob er in Deutschland bleiben darf. »Als ich meinen Eltern von ­meiner Taufe erzählt habe, haben sie gedroht, mich umzubringen«, erzählt er. »Sie sagten, ich sei nicht mehr ihr Sohn.« 	(epd)<br />
<em><br />
Von Charlotte Morgenthal und Michael Grau</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>»Ein vollwertiges Menschenrecht«</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/15/%c2%bbein-vollwertiges-menschenrecht%c2%ab/</link>
		<comments>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/15/%c2%bbein-vollwertiges-menschenrecht%c2%ab/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 17:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Bielefeld]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsfreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Juni 2010 ist Heiner ­Bielefeldt Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit der Vereinten Nationen. ­Benjamin Lassiwe sprach mit dem Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität ­Erlangen-Nürnberg.
strong>Herr Professor Bielefeldt, warum braucht es Religionsfreiheit?
Bielefeldt: Die Religionsfreiheit ist ein elementares Menschenrecht. Sie bietet dem Menschen die Möglichkeit, sich in den Sinnfragen des Lebens, also in Fragen der Religion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit Juni 2010 ist Heiner ­Bielefeldt Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit der Vereinten Nationen. ­Benjamin Lassiwe sprach mit dem Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität ­Erlangen-Nürnberg.</strong></p>
<p><div id="attachment_1860" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Bielefeldt_Heiner-freigestellt1.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Bielefeldt_Heiner-freigestellt1.jpg" alt="Heiner Bielefeldt ist ­Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der ­Universität Erlangen- Nürnberg und ehemaliger ­Direktor des Deutschen ­Instituts für Menschenrechte. 	Foto:ddp images/Henning Kaiser" title="Bielefeldt_Heiner-freigestellt" width="300" height="454" class="size-full wp-image-1860" /></a><p class="wp-caption-text">Heiner Bielefeldt ist ­Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der ­Universität Erlangen- Nürnberg und ehemaliger ­Direktor des Deutschen ­Instituts für Menschenrechte. 	Foto:ddp images/Henning Kaiser</p></div><strong>Herr Professor Bielefeldt, warum braucht es Religionsfreiheit?<br />
Bielefeldt:</strong> Die Religionsfreiheit ist ein elementares Menschenrecht. Sie bietet dem Menschen die Möglichkeit, sich in den Sinnfragen des Lebens, also in Fragen der Religion und der Weltanschauung, selbstständig zu orientieren. Deswegen gehören die Religionsfreiheit und die Würde des Menschen eng zusammen. Denn Menschenwürde heißt ja, den Menschen in seiner Eigenverantwortung zu respektieren. Das gilt gerade auch da, wo es um den Sinn des Lebens geht.<br />
<strong><br />
Welche Bedrohungen sehen Sie für die Religionsfreiheit?<br />
Bielefeldt:</strong> Es gibt Länder, in denen Menschen nicht einmal im Privaten ihre Religion praktizieren können. Länder, in denen der Staat die Seele vergewaltigt. Anderswo greifen Staaten in die Manifestationen des religiösen Lebens, also beispielsweise Gottesdienste und Gebete, ein und reglementieren sie. Dahinter steckt dann oft die Furcht, dass das gewünschte Bild einer homogenen Gesellschaft gefährdet wird, wenn Menschen einem anderen Glauben anhängen. Und es gibt oft Probleme mit der Gleichbehandlung der Angehörigen verschiedener Religionen: Als Menschenrecht geht die Religionsfreiheit natürlich von der Gleichbehandlung aller Menschen aus. Die Menschen sollen alle in der Lage sein, ihre Religion zu leben. Tatsächlich werden in einer Reihe von Staaten religiöse Minderheiten massiv verfolgt.</p>
<p><strong>Christliche Kirchen und Hilfswerke gehen davon aus, dass die Christen weltweit die am Stärksten verfolgte Religion sind. Wie sehen Sie das?<br />
Bielefeldt:</strong> Ich bin da etwas vorsich­tiger. Rein quantitativ haben die Kirchen natürlich recht: Die Christen sind die weltweit größte Religion, da ist es verständlich, dass es in Ländern, in denen die Religionsfreiheit nicht gewährleistet wird, oft Christen sind, die verfolgt werden. Und man muss ganz klar und deutlich sagen, dass in Ländern wie dem Iran, wie Pakistan, China oder Somalia christliche Gruppen sehr stark von Verfolgung betroffen sind. Allerdings geht es nicht immer nur um die Quantität, sondern auch um die Intensität der Verfolgung: Und da sollten wir nicht vergessen, dass manche kleineren Religionen, etwa die Bahai im Iran, ebenfalls sehr stark betroffen sind, und Opfer eines regelrechten Vernichtungsfeldzugs zu werden drohen.<br />
<strong><br />
Was können Sie als UN-Sonderbevollmächtigter daran ändern?<br />
Bielefeldt:</strong> Mein Amt hat eine Reihe von Möglichkeiten, die in der Praxis aber natürlich auch begrenzt sind. Eine Möglichkeit sind die Demarchen, ein diplomatischer Briefwechsel, mit dem ich bei Regierungen Protest gegen Verletzung der Religionsfreiheit einlegen kann. Geschieht dann nichts, kann der Briefwechsel auch veröffentlicht werden, was den Druck auf die Regierung natürlich erhöht. Daneben kann ich mit Länderbesuchen, deren Ergebnisse veröffentlicht werden, Aufmerksamkeit für die Religionsfreiheit wecken. Aber weil mein Amt ein Ehrenamt ist, geht das natürlich auch nur stichprobenartig. Und dann kann ich mich in die konzeptionelle Weiterentwicklung der Menschenrechte einbringen: Da ist es mir wichtig, dass die Religionsfreiheit als vollwertiges Menschenrecht zur Geltung kommt, und nicht in Richtung einer bloßen Toleranzsemantik ins Diffuse abrutscht.<br />
<strong><br />
Welche Möglichkeiten hat denn die UN, um die Religionsfreiheit durchzusetzen?<br />
Bielefeldt:</strong> In den Vereinten Nationen ist die Religionsfreiheit als Menschenrecht verankert, und zwar im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den derzeit 165 Mitgliedsstaaten der UN ratifiziert haben. Im Rahmen dieses Paktes sind regelmäßige Überprüfungen vereinbart worden, bei denen es darum geht, wie sehr die Staaten die Menschenrechte einhalten. Das ist eine Möglichkeit, um das Thema Religionsfreiheit auf den Tisch zu bringen, für die die öffentliche Aufmerksamkeit in der Regel auch sehr hoch ist.</p>
<p><strong>Was gibt es denn in Europa in Sachen Religionsfreiheit noch zu tun?<br />
Bielefeldt:</strong> Man wird sagen können, dass es in Europa um die Menschenrechte und auch um die Religionsfreiheit in der Regel gut bestellt ist. In Westeuropa gibt es keine aktive Verfolgung religiöser Minderheiten von Staats wegen. Gleichwohl bestehen Defizite, wenn es um die Gleichstellung der Angehörigen unterschied­licher Religionen geht. Da findet sich ein Gefälle zwischen Mehrheits- und Minderheitsreligionen. In einzelnen Ländern, etwa Griechenland, führt das zu Schwierigkeiten: Da ist die griechisch-orthodoxe Kirche von der Verfassung so bevorzugt, dass die Missionstätigkeit anderer Gruppen verboten wird. Mitglieder der Zeugen ­Jehovas etwa sind deswegen sogar schon ins Gefängnis gekommen. Und dann gibt es da noch eine völlig ­andere Ebene – etwa, wenn populistische Politiker, oft aus Oppositionsparteien, gegen religiöse Minderheiten hetzen. Dazu zählt etwa die islamfeindliche Partei des Holländers Geert Wilders. Hier hat der Staat die Aufgabe, die Menschenrechte nicht durch Extremisten gefährden zu lassen.<br />
<strong><br />
Wenn ein Menschenrecht so umstritten ist, wie die Religionsfreiheit – dient es dann dem Frieden?<br />
Bielefeldt: </strong>Die Religionsfreiheit ist auf jeden Fall ein Weg zum Frieden. Wobei der Frieden an dieser Stelle so definiert ist, dass jeder Mensch in Würde und Freiheit leben kann. Das ist für mich Maßstab des Friedens. Und wer die Menschenrechte, auch die Reli­gionsfreiheit durchsetzt, setzt sich damit für den Frieden ein.</p>
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		<title>Die neue Lust am Predigen</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 07:53:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Predigtcoaching]]></category>
		<category><![CDATA[Predigtkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Uwe Vetter]]></category>

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		<description><![CDATA[Predigtkultur: Zur »Runderneuerung« nach Wittenberg – wie sich ein gestandener Pfarrer neue Anregungen für seine Kanzelreden holt.
Das Zentrum für evangelische Predigtkultur in ­Wittenberg beschäftigt sich nicht nur theoretisch mit der Predigt. Es bietet auch Einzelcoachings für Pfarrer an.
roße Gesten sind nicht Uwe Vetters Art. Lieber stellt sich der Pfarrer hinter als vor das Rednerpult. Kerzengerade, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Predigtkultur: Zur »Runderneuerung« nach Wittenberg – wie sich ein gestandener Pfarrer neue Anregungen für seine Kanzelreden holt.</strong></p>
<p>Das Zentrum für evangelische Predigtkultur in ­Wittenberg beschäftigt sich nicht nur theoretisch mit der Predigt. Es bietet auch Einzelcoachings für Pfarrer an.</p>
<p><div id="attachment_1833" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/3-Bild-1.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/3-Bild-1.jpg" alt="Frohe Heiterkeit statt Anspannung: Kommunikationstrainer Felix Ritter (l.) legt sich voll ins Zeug, um Pfarrer Uwe Vetters Ausstrahlung beim Predigen zu verbessern. Foto: Maxie Thielemann" title="Kommunikationstrainer Felix Ritter, Pfarrer Uwe Vetter" width="300" height="313" class="size-full wp-image-1833" /></a><p class="wp-caption-text">Frohe Heiterkeit statt Anspannung: Kommunikationstrainer Felix Ritter (l.) legt sich voll ins Zeug, um Pfarrer Uwe Vetters Ausstrahlung beim Predigen zu verbessern. Foto: Maxie Thielemann</p></div>Große Gesten sind nicht Uwe Vetters Art. Lieber stellt sich der Pfarrer hinter als vor das Rednerpult. Kerzengerade, mit geschlossenen Füßen und skeptischem Blick steht er, liest seine Predigt. Die ist schön formuliert, mit Humor geschrieben, nah am Leben orientiert. Und doch will der Funke nicht auf den Zuhörer überspringen. Uwe Vetter empfindet das so: »Wir Pfarrer sind Aushängeschilder und wenn man sich da ein gewisses Schamgefühl bewahrt, dann muss man in die Fortbildung.« Mit ernster Miene setzt er nach: »Es gibt keine Alternative.«</p>
<p>Uwe Vetter ist extra aus Düsseldorf nach Wittenberg gereist, ins Zentrum für Evangelische Predigtkultur. Das Rednerpult steht dort im dritten Stock des alten Rathauses im Büro von ­Alexander Deeg. Deeg ist Leiter des im vergangenen Jahr eröffneten Predigtzentrums der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Angebot des eintägigen ­Predigtcoachings »Cura homiletica« ist ganz neu. Uwe Vetter ist einer der ersten Teilnehmer.</p>
<p>Seit sieben Jahren predigt Vetter in der Düsseldorfer Citykirche. Der 53-Jährige hat ein anspruchsvolles Publikum, denn in die Kirche mitten in der Düsseldorfer Innenstadt kommen vor allem Menschen, die mit Religion eher wenig zu tun haben. Von einer guten Predigt ließen sie sich überzeugen, meint Uwe Vetter. Seine Schlussfolgerung: Wenn er seine Gottesdienstgemeinde vergrößern will, müssen seine geistlichen Reden besser werden.</p>
<p>»Noch viel besser kann man sie fast gar nicht machen«, findet Alexander Deeg, der als Vorbereitung auf das Coaching zwei Predigten von Vetter gelesen hat. Er ist begeistert von dem Schreibstil, von der Dramaturgie und dem feinen Witz und lässt sich erklären, wie Vetter beim Schreiben vorgeht. Gemeinsam sitzen sie mit Deegs Kollegen, dem Dramaturg Dietrich Sagert, bei Kaffee und Kuchen. Der Zeitplan ist großzügig. Das Coaching – der Begriff kommt ursprünglich aus dem Sport und bedeutet so viel wie trainieren, betreuen – ist vielmehr gegen­seitiger Austausch und Erkenntnisgewinn als einseitige Lehre. Man wolle selber dazulernen, betont Alexander Deeg und »bloß keine Routine«.</p>
<p>Denn schließlich soll das Predigen Spaß machen. Deeg nennt es »die Lust am Predigen steigern«. Und das sei gar nicht immer so einfach, »denn bei vielen Pfarrerinnen und Pfarrern ist angesichts der großen Belastung im Pfarramt die Lust gar nicht immer so riesengroß.« Das weiß der studierte Theologe aus eigener Kanzel-Erfahrung. Dennoch glaubt er, dass die evangelische Predigt eine gigantische Chance sei: »Wir wissen aus Befragungen von Kirchenmitgliedern der EKD, wie hoch geschätzt die evangelische Predigt immer noch wird, vor allem in Ostdeutschland.« Nur dürfe man so ein Predigttraining niemandem aufzwängen. Es richtet sich daher vor allem an besonders ­ herausgeforderte Prediger. Das kann beispielsweise der Bischof sein oder ein Pfarrer, der acht Dorfkirchen gleichzeitig zu betreuen hat.</p>
<p>Uwe Vetter hat sich angesprochen gefühlt, weil er seit Jahren an seinen Predigten arbeitet. Schon seine erste Gemeinde nahe Wuppertal legte großen Wert auf die Predigtexte. Danach lebte er für sechs Jahre in London, ­betreute die dortige Deutsche Gemeinde. »Da stand ich in Konkurrenz zu ­meinen anglikanischen Kollegen«, ­erinnert sich Vetter schmunzelnd. »Sie haben eine andere Redekultur, die sehr pointiert ist und unterhaltsam. Von denen hab ich mir etwas abgeguckt.«</p>
<p>Abgucken ja, verstellen lieber nicht, meint Dietrich Sagert, der beim Predigtzentrum für Redekunst und Rhetorik zuständig ist und jahrelang als Regisseur gearbeitet hat. Mit Schauspieltraining sei das Predigtcoaching nicht zu vergleichen: »Es muss schon eine Verbindung zur Person geben, die mit dem, was man den persönlichen Glauben nennen kann, etwas zu tun haben muss. Und das macht es handwerklich so schwierig.« Sagerts Part an diesem Tag ist das ­Dazwischenreden. Er lässt Vetter seine Predigt vortragen, und feuert ihn dabei regelrecht an, animiert ihn zu mehr Blickkontakt, zu Pausen, insgesamt zu mehr Lebendigkeit.</p>
<p>Uwe Vetter lässt sich bereitwillig darauf ein. Das sei wichtig, denn »ich möchte ja glauben, was der Mensch auf der Kanzel sagt«, findet Kommunikationstrainer Felix Ritter, der unter anderen für die ZDF Fernsehgottesdienste arbeitet und mit Uwe Vetters ernster Ausstrahlung spielt. So lässt er ihn zum Beispiel eine Bibelgeschichte so erzählen, als wäre er als Reporter selbst dabei. Der Pfarrer legt seinen ernsten Gesichtsausdruck ab, spielt mit.</p>
<p>Viele Anregungen steckt Pfarrer Uwe Vetter nach diesem Tag in seinen Rollkoffer. Die anfängliche Anspannung scheint einer frohen Heiterkeit gewichen zu sein. Er habe sich gewünscht, Schwächen zu erkennen und Stärken auszubauen, erzählt er beim Hinausgehen. »Und beides ist heute wirklich sehr gut gelungen. Ich habe jedenfalls ein sehr gutes Gefühl. Das sollte es eigentlich für jeden ­geben. Schade, dass sich so wenige trauen.«</p>
<p><em>Maxie Thielemann</em></p>
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		<title>»Sparen ja, aber ausgewogen«</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 14:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Blickpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaus Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Sparpaket]]></category>

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		<description><![CDATA[Alle reden vom Sparen – im Staat wie in der Kirche. Christine Reuther sprach ­darüber mit dem Ratsvor-
sitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.
Herr Ratsvorsitzender, wie sehen Sie das Sparpaket der Bundesregierung?
Schneider: Mit diesem Sparpaket hat die Bundesregierung einen Schwerpunkt gesetzt bei Bildung und Entwicklung. Das begrüße ich außerordentlich. Aber es gibt Kürzungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1810" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/schneider-nikolaus-armin-kuehne.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/schneider-nikolaus-armin-kuehne.jpg" alt="Nikolaus Schneider, der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präses der rheinischen  Kirche, besuchte in der vergangenen Woche die Evangelische Verlagsanstalt in Leipzig und die Redaktion der Kirchenzeitung »DER SONNTAG«. Foto: Armin Kühne" title="Nikolaus Schneider" width="560" height="375" class="size-full wp-image-1810" /></a><p class="wp-caption-text">Nikolaus Schneider, der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präses der rheinischen  Kirche, besuchte in der vergangenen Woche die Evangelische Verlagsanstalt in Leipzig und die Redaktion der Kirchenzeitung »DER SONNTAG«. Foto: Armin Kühne</p></div><br />
<strong>Alle reden vom Sparen – im Staat wie in der Kirche. Christine Reuther sprach ­darüber mit dem Ratsvor-<br />
sitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.</strong></p>
<p><strong>Herr Ratsvorsitzender, wie sehen Sie das Sparpaket der Bundesregierung?<br />
Schneider:</strong> Mit diesem Sparpaket hat die Bundesregierung einen Schwerpunkt gesetzt bei Bildung und Entwicklung. Das begrüße ich außerordentlich. Aber es gibt Kürzungen im Sozialbereich, die ich für unausge-<br />
wogen halte. Für die Kürzung beim ­Elterngeld mag es zwar eine richtige systematische Begründung geben, aber die hilft nicht, denn die Menschen haben dann einfach zu wenig Geld. Es gibt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass die derzeitigen Sätze für Hartz IV vermutlich nicht ausreichend sind, auf jeden Fall nicht für die Kinder und Jugendlichen. Das Elterngeld für Hartz-IV-Empfängerin­nen zu streichen, ohne diese Schieflage korrigiert zu haben, ist nicht in Ordnung. Wenn sie die wachsende Zahl der Tafeln in unserem Land ­sehen, dann ist das ja ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Grundsicherung den Grund eben nicht mehr ­sichert. Also: Diese Kürzungen sind sozial unausgewogen und müssen ­kritisiert werden.</p>
<p><strong>Was würden Sie anders machen?<br />
Schneider:</strong> Ich würde die Ausgaben- und die Einnahmenseite betrachten. Es ist eine ideologische Engführung zu sagen, Steuern dürfen auf gar keinen Fall erhöht werden. Zumal in einer Situation, wo das obere Segment unserer Gesellschaft durch einige Sprecher sagt: Wir sind bereit, unseren Teil zu tragen. Aus diesem Grunde sollte man auch die Einnahmeseite analysieren und starken Schultern auch eine größere Last auflegen.</p>
<p><strong>Sehen Sie den inneren Frieden bedroht, wenn die angekündigten Kürzungen immer wieder Menschen zu Protesten auf die Straße treiben?<br />
Schneider:</strong> Eine Gefahr ist zumindest da. Diese Tendenz, dass sich unsere Gesellschaft immer weiter auseinanderentwickelt, haben wir seit 20 Jahren. Es ist ein schleichender Prozess: Eine Weile geht es gut, und dann könnte ein Punkt kommen, wo sich die Empörung Bahn bricht. Dann ist das auslösende Moment häufig gar nicht mehr wichtig. Aber aufgrund dessen, was sich aufgestaut hat, haben die Leute die Nase voll und sagen: Jetzt ist Schluss. Möglich, dass wir uns einem solchen Punkt nähern.</p>
<p><strong>Sie beobachten diese Entwicklung seit 20 Jahren, sagen Sie. Sehen Sie einen Zusammenhang mit der deutschen Einheit?<br />
Schneider:</strong> Diese Entwicklung hat viele Ursachen, besonders die Globalisierung. Aber dass mit dem Zusammenbruch der Ostblockregime den westlichen Demokratien die Systemkonkurrenz weggefallen ist, hat auch dazu geführt, dass soziale Standards abgebaut wurden. Ich beobachte einen schleichenden Transformationsprozess von einer sozialen Marktwirtschaft hin zu einer radikalen Marktwirtschaft.</p>
<p><strong>Was kommt auf die Kirchen zu, wenn auch dort die Einnahmen weniger werden?<br />
Schneider:</strong> Harte Zeiten. Die Kirchen haben ja nicht die Möglichkeit, sich wie der Staat über beide Ohren zu verschulden – und das ist auch gut so. Wir werden also sortieren müssen, was künftig von Kirchensteuern zu finanzieren ist. Und dann wird es Bereiche geben, wo wir verstärkt Mittel einwerben müssen. Das werden schmerzhafte Prozesse sein.</p>
<p><strong>Hat das Auswirkungen auf den angestoßenen Reformprozess?<br />
Schneider:</strong> Bei dem Reformprozess gibt es ein paar Elemente, die für eine solche Debatte von großer Bedeutung sein können. Es ist für die Kirche völlig unverzichtbar, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Doch dann müssen wir auch die Instrumente dafür haben. Zum Beispiel so eine Kirchenzeitung wie die Ihre, die sowohl nach innen Verständnis für die Lage der Kirche vermittelt aber auch wichtige gesellschaftliche Themen transportiert – in die Kirche hinein und aus der Kirche heraus. Wir müssen nur aufpassen, dass wir durchs Sparen ­unseren Auftrag nicht beschädigen: Nämlich das Evangelium von der freien Gnade Gottes unters Volk zu bringen.<br />
<strong><br />
Und wie kann die Kirche der Zukunft mit weniger Geld auskommen?<br />
Schneider:</strong> Die Stärke unserer Volkskirche ist, dass wir alle zusammengehören. Aber die Schwäche ist häufig, dass die Menschen zu wenig das Bewusstsein entwickelt haben, dass das ihre Sache ist. Unsere Leute müssen sagen: Kirche ist meine Sache, und wenn ich mich nicht engagiere, dann gibt es viele kirchliche Aktivitäten nicht mehr.</p>
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