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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Glaube und Alltag</title>
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	<description>Gemeinsames Portal von „Glaube + Heimat“ und „Der Sonntag“</description>
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		<title>Selig sind, die anders handeln</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 14:57:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
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		<description><![CDATA[Hoffnung für eine veränderbare Welt im Hier und Jetzt
 Margot Käßmann zu den Seligpreisungen 
(Fortsetzung von Eine Vision in Worte gefasst)
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden: All zu viele finden sich ab. Wen interessiert in den reichen Industrienationen, dass fast eine Milliarde Menschen hungern. Das Elend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Hoffnung für eine veränderbare Welt im Hier und Jetzt</h2>
<h3> Margot Käßmann zu den Seligpreisungen </h3>
<p><strong>(Fortsetzung von <a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/08/26/eine-vision-in-worte-gefasst/">Eine Vision in Worte gefasst</a>)</strong></p>
<div id="attachment_2118" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/09/Kaessmann-2.jpg" alt="Margot Käßmann ist Pfarrerin der hannoverschen Landeskirche und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland." title="Kaessmann-2" width="250" height="484" class="size-full wp-image-2118" /><p class="wp-caption-text">Margot Käßmann ist Pfarrerin der hannoverschen Landeskirche und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.</p></div>
<p>Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden: All zu viele finden sich ab. Wen interessiert in den reichen Industrienationen, dass fast eine Milliarde Menschen hungern. Das Elend der zwangsprostituierten Kinder? Die geschlagenen Frauen? Die gefolterten Menschenrechtsaktivisten? </p>
<p>Einen Hunger nach Gerechtigkeit für sie brauchen wir, damit sich etwas ändert. Einen Hunger, der etwas wagt, um satt zu werden. Eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die es wagt, die Stimme zu erheben für die stumm Gemachten dieser Erde.</p>
<p>Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen: Bei der Geschichte vom barmherzigen Samariter stöhnen viele – alles bekannt. Aber wie sehr brauchen wir alle Barmherzigkeit! Wir sind doch keine Glamourwesen, die alles perfekt hinbekommen, so sehr manche Lebensfassade das auch vermitteln will. Barmherzig mit Fehlern und Verfehlungen der anderen, mit Schuld, die Menschen im Leben auf sich laden. Solche Barmherzigkeit zu erfahren macht frei, selbst barmherzig zu sein.</p>
<p>Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Was ist eigentlich das Gegenteil eines reinen Herzens? Verschlagen sein? Berechnend? Zynisch? Ein reines Herz ist wohl ein naives, das alles zum Besten kehren will. Es berechnet nicht, was das Beste wäre, sondern lebt frei und liebt unbefangen, vertraut ohne Vorbehalte. Ein Segen für die, denen ein solches Herz geschenkt ist, sie sind Gott nahe.</p>
<p>Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen: Was für eine Zumutung in der Welt der Waffenlobbyisten. Deutschland exportiert wieder vermehrt Waffen, auch in Krisengebiete. In kriegerische Auseinandersetzungen ist die Bundeswehr verwickelt. Wenn mir dann der Bundeswehrbeauftragte der Bundesregierung sagt, ich solle mich doch mit den Taliban in ein Zelt setzen und bei Kerzenlicht beten, dann denke ich, das ist sicher weitreichender, als Tanklastzüge zu bombardieren. Mir fehlt weiterhin Fantasie für den Frieden in unserem Land.</p>
<p>Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich: Erinnern will ich an die Gefolterten im Iran, in den Gefängnissen dort, die für Freiheit und Gerechtigkeit eingetreten sind. Frauen wurden brutal vergewaltigt, weil sie für ihre Rechte eintraten. Und Deutschland will kaum einen der Flüchtlinge aufnehmen, die in der Türkei auf Visum und Ausreise so dringend warten. Selig sind sie, weil sie Mut haben! Selig sind sie, die ­Geschundenen und Gefolterten und Vergewaltigten und Verängstigten dieser Erde! Was für ein Kontrastprogramm zu all der Macht, Gewalt, zu all dem Auftrumpfen der Gewehre und der Furchteinflößung.</p>
<p>Selig sind, die anders handeln. Widerständig, mit einer unbändigen Hoffnung treten sie an gegen alles ­Unrecht, das die Erde beherrscht. Alle sind dabei offenbar gemeint, nicht nur die Gläubigen, die Rechtschaffenen, die Angehörigen einer bestimmten Klasse oder Religion. Eine inklusive Hoffnungsgemeinschaft, die Grenzen überwindet – das macht die Seligpreisungen so anstößig und so bewegend. Sie werden Christinnen und Christen immer wieder aufrütteln, sich nicht anzupassen, auch wenn das für eine Kirche manches Mal angemessen scheint. Die Kirchen tun gut daran, diese Gedanken des Jesus von Nazareth wachzuhalten, auch als selbstkritischen Faktor, wenn sie allzu ruhig werden angesichts der Lage der Welt. Die Seligpreisungen sind nicht eine Vertröstung auf eine bessere Welt, sondern eine Aufforderung zur Einmischung in unserer Zeit und Welt. Ihr Kraftpotenzial hat sich durch die Jahrhunderte immer wieder erwiesen.</p>
<p><em>Margot Käßmann</em></p>
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		<title>Eine Vision in Worte gefasst</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 15:29:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Bergpredigt]]></category>
		<category><![CDATA[Margot Käßmann]]></category>
		<category><![CDATA[Seligpreisung]]></category>

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		<description><![CDATA[Hoffnung für eine veränderbare Welt im Hier und Jetzt 
– Margot Käßmann zu den Seligpreisungen (Teil 1) –
Es gibt Texte, die die Menschheit über Jahrhunderte begleiten und bewegen. Die Seligpreisungen aus Matthäus 5 (und Lukas 6) haben ein solches Potenzial erwiesen. Sie stellen die Welt, wie wir sie vorfinden, auf den Kopf, sie überschreiten Grenzen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Hoffnung für eine veränderbare Welt im Hier und Jetzt </h2>
<h3>– Margot Käßmann zu den Seligpreisungen <em>(Teil 1) –</em></h3>
<p><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Seligpreisungen_1.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Seligpreisungen_1.jpg" alt="Seligpreisungen_1" title="Seligpreisungen_1" width="247" height="247" class="alignright size-full wp-image-2028" /></a>Es gibt Texte, die die Menschheit über Jahrhunderte begleiten und bewegen. Die Seligpreisungen aus Matthäus 5 (und Lukas 6) haben ein solches Potenzial erwiesen. Sie stellen die Welt, wie wir sie vorfinden, auf den Kopf, sie überschreiten Grenzen, sind also revolutionär im besten Sinne. Jesus zeichnet mit ihnen eine Kontrastgesellschaft. Eine Vision ist in Worte gefasst, die Menschen hat aufstehen lassen, wo immer ihre Rechte gebrochen, wo sie gefoltert, erniedrigt, vernachlässigt wurden.</p>
<p>Nein, eine Vertröstung auf das Jenseits, Opium des Volkes, sind die Seligpreisungen nicht. Sie sind Hoffnung für eine veränderbare, verbesserliche Welt im Hier und Jetzt, in dieser Welt. Sie speist sich dabei aus der Hoffnung auf Gottes Zukunft, die über unsere Zeit und Welt hinausgeht. O ja, belächelt wurden jene Worte immer ­wieder, wie alle Träumer und Weltverbesserer belächelt werden. </p>
<p>Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt, mit den Seligpreisungen könne man keine Politik machen. Aber vielleicht wäre gerade das ein überzeugender Ansatz, weil es dann nicht um eine Politik des puren Pragmatismus, des ökonomischen Rechnens und des Machterhaltes ginge, sondern um eine Politik, die noch Visionen kennt, die sieht, was die Bibel sagt: Gerechtigkeit im Land misst sich immer daran, wie es den Schwächsten in der Gesellschaft geht.</p>
<p>Exegetisch gesehen sind die Seligpreisungen besonders interessant, weil sie offenbar auf originale Rede Jesu zurückgreifen. Trotz unterschiedlicher Akzente bei Matthäus und Lukas sind Bibelforschende überzeugt, dass beide Evangelisten aus derselben Quelle schöpften, in der mündlich überlieferte Worte Jesu sehr bald nach seinem Tod zusammengefügt wurden. Beide Evangelienschreiber haben diese einzeln überlieferten Worte dann auf je eigene Weise in ihr Evangelium eingefügt. So können wir sagen, dass wir heute mit den Seligpreisungen am Beginn der Bergpredigt Worte vorfinden, die den originalen Aussagen des Jesus von Nazareth sehr nah sind. Und bis heute übermitteln sie etwas von der Faszination, die von ihm ausging, wenn er redete. Er malt eine Welt, die anders sein könnte, die Welt, wie Gott sie sich erhoffte bei der Schöpfung, die »sehr gut war«. Aber seine Bilder sind für die vorfindliche Welt der Durchsetzungskraft und Stärke, der militärischen Mächte und Gewalten eine Provokation, damals wie heute. Er selbst starb am Ende für diese Provokation.</p>
<p><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Seligpreisungen_2.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Seligpreisungen_2.jpg" alt="Seligpreisungen_2" title="Seligpreisungen_2" width="247" height="247" class="alignleft size-full wp-image-2029" /></a>Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich: Du lieber Himmel, die geistlich Armen, die werden bei uns zur Therapie geschickt! Wir haben Förderschulen für sie oder Behinderteneinrichtungen. Wir sind eine Leistungsgesellschaft, wir brauchen Eliten. Da können wir nicht auf jeden warten, alle mit durchziehen. Als wir in Fulda wohnten, war nebenan eine Schule für geistig Behinderte. Jeden Morgen konnte ich von der Küche aus sehen, wie sie zur Schule gingen. Fröhliche Kinder. Anders, ja. Aber wer wollte sagen, ob sie weniger glücklich sind als die »Gesunden«? Wer definiert Behinderung?</p>
<p>Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden: Es ist schwer, Trauer und Leid zu ertragen. Viele Menschen zweifeln an Gott, wenn sie mit Leid konfrontiert sind. Aber Leiderfahrungen vertiefen auch das Leben. Gerade, wenn wir Leid erleben, sind wir näher an der eigenen Existenz, an den Fragen, die wirklich zählen. Getröstet werden – das ist eine wunderbare Erfahrung für alle, die Schmerz und Kummer tragen müssen. Und es ist eine Hoffnung auf ­Gottes Zukunft, in der alle Tränen abgetrocknet sein werden.</p>
<p>Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen: Sanftmütig ist keine sinnvolle Eigenschaft in der Leistungsgesellschaft. Durchsetzungskraft und Ehrgeiz, Ellenbogen und Cleverness zählen. Wer sanftmütig ist, wird kaum aufsteigen in einer Firma. Und politisch wäre er im Abseits. Aber wie wäre es, wenn wir auf die Sanftmütigkeit einiger zählen könnten in Konflikten und Krisen? Wenn einer nachgeben würde, und »Fünfe gerade sein« lässt? Liebenswerter, leichter, weniger angstbesetzt wären Beziehungen sicher.</p>
<p>An die Xukuru Indianer denke ich dabei. Ich habe sie im Norden Brasiliens einmal besucht auf Land, das sie besetzt hatten. Ihr größter Stolz war ein Säugling&#160;– das erste Xukurukind, das auf Xukuruland geboren wurde nach zwei Jahrhunderten Vertreibung. Aber sie durften das Erdreich nicht ­besitzen, die Waffengewalt des Großgrundbesitzers hat sie schnell wieder vertrieben&#160;…</p>
<p><em><br />
Margot Käßmann ist Pfarrerin der hannoverschen Landeskirche und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.</em></p>
<p><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/09/03/selig-sind-die-anders-handeln/">Teil 2</a></p>
<p><span style="font-size:smaller"><strong>Anmerkung: </strong>Die Seligpreisungen stehen im Zentrum der sogenannten Bergpredigt Jesu &#8211; im Text Ausschnitte einer Darstellung des dänischen Malers Carl Heinrich&#160;Bloch&#160;(1834&#160;bis&#160;1890). <em>Repro:&#160;wikipedia </em></span></p>
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		<title>Berührt – an Körper und Geist</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/08/20/beruhrt-%e2%80%93-an-korper-und-geist/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 13:56:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Heilungsgottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Salbungsgottesdienst]]></category>

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Im Salbungsgottesdienst wird die Kirche körperlich – und ist der Glaube für einmal nicht aufs Denken fixiert
Das Öl riecht nach Orange. Die Heilerin zeichnet mir mit dem Öl ein Kreuz auf die Stirn, und während ihre warme Hand mit sanftem Druck auf meinem Kopf liegt, sagt sie: »Du kannst Gott niemals verlieren. Nicht durch Krankheit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1969" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/salbung.jpg" alt="Salbungsgottesdienst der evangelischen Kirchgemeinde Pirna, Gemeindezentrum Pirna Copitz.  (Foto: epd-bild)" title="salbung" width="580" height="336" class="size-full wp-image-1969" /><p class="wp-caption-text">Salbungsgottesdienst der evangelischen Kirchgemeinde Pirna, Gemeindezentrum Pirna Copitz.  (Foto: epd-bild)</p></div>
<p><strong><br />
Im Salbungsgottesdienst wird die Kirche körperlich – und ist der Glaube für einmal nicht aufs Denken fixiert</strong></p>
<p>Das Öl riecht nach Orange. Die Heilerin zeichnet mir mit dem Öl ein Kreuz auf die Stirn, und während ihre warme Hand mit sanftem Druck auf meinem Kopf liegt, sagt sie: »Du kannst Gott niemals verlieren. Nicht durch Krankheit, nicht durch Tod.« Dann streicht sie mit der Hand sanft über meinen linken Arm und sagt, Gott stelle mir jetzt einen Engel zur Seite, damit mein Leben zur Erfüllung komme.</p>
<p>Es ist Sonntagabend, ich nehme an einem Salbungs- und Heilungsgottesdienst in Basel teil. Gestaltet wird er vom Pfarrer und sechs Heilerinnen, die in der Kirche regelmäßig ihre Dienste anbieten. Rund 30 Personen sind gekommen, um sich salben zu lassen: zur Unterstützung bei der ­Heilung einer Krankheit oder einfach als »Zuspruch Gottes«. Eingehüllt vom Duft des Orangeöls stelle ich fest: Die Berührung der Heilerin ist überraschend angenehm – obwohl ziemlich intim: Am Kopf berührt mich meist nur mein Liebster.</p>
<p>Ich gehe zurück an meinen Platz, und mir wird bewusst: Soeben wurde ich zum ersten Mal in einem Gottesdienst berührt. Das eine oder andere Mal habe ich zwar beim Friedensgruß meinem Banknachbarn verlegen die Hand gedrückt. Doch das war dann ­jeweils schon alles. Im Gottesdienst<br />
ist der Körper unbedeutend für die Begegnung mit Gott.</p>
<p>Ich selbst empfinde das entschieden anders, und ich weiß, dass es ­vielen anderen auch so geht. Selbstverständlich kann man sich auch über körperliche Erfahrungen für Gott öffnen – sei es mit Tanz oder Körper­arbeit, sei es in achtsam gelebter Sexualität mit dem Partner. »Der Körper ist ein Tempel des Heiligen Geistes«, heißt es im Korintherbrief. Die Kirche hat hingegen den Körper lange abgewertet und sich auf den Verstand fixiert. Damit krankt sie an derselben Einseitigkeit wie die ganze abendländische Kultur, die meint, die Dinge seien am besten mit dem Denken zu verstehen. Es gab aber immer Menschen, die wussten, dass der Verstand nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit erfasst. Und nur einen ­superwinzigen Teil des allumfassenden Göttlichen.</p>
<p>Auch der Salbungsgottesdienst zeigt, wie schwer es der Kirche fällt, Kopf und Körper zu verbinden. Zu Beginn des Gottesdienstes hält nämlich der Pfarrer eine abstrakte Predigt über Weisheitsforschung – erst ganz am Schluss kommt die Salbung. Danach kann man still sitzen bleiben oder sich frei in der Kirche bewegen und von den Heilerinnen die Hände auflegen lassen. Die Orgel spielt leise, eine Atmosphäre der Verbundenheit füllt den Raum. Ich fühle mich friedlich und aufgehoben. Die Berührung hat mir das Empfinden vermittelt: dass ich in Gott geborgen bin, von ihm berührt.</p>
<p><em>Sabine Schüpbach</em></p>
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		<title>»Lady Superintendent« – 100. Todestag von Florence Nightingale</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 13:04:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Florence Nightingale]]></category>

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		<description><![CDATA[Florence Nightingale gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege und Sozialreform. In der einst männlich dominierten Zeit, als für junge Damen ihrer Herkunft Arbeit als Sünde galt, und in einer guten Partie der einzige Lebensinhalt bestand, emanzipierte sie sich gegen alle Vorbehalte ihrer Familie und der Gesellschaft.
ür diese Frau beschränkte sich die Religion nicht auf die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Florence Nightingale gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege und Sozialreform. In der einst männlich dominierten Zeit, als für junge Damen ihrer Herkunft Arbeit als Sünde galt, und in einer guten Partie der einzige Lebensinhalt bestand, emanzipierte sie sich gegen alle Vorbehalte ihrer Familie und der Gesellschaft.</p>
<p><div id="attachment_1948" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Nightingale.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/Nightingale.jpg" alt="Florence Nightingale gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege. (Quelle: Academic dictionaries and encyclopedias)" title="Nightingale" width="250" height="314" class="size-full wp-image-1948" /></a><p class="wp-caption-text">Florence Nightingale gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege. (Quelle: Academic dictionaries and encyclopedias)</p></div>Für diese Frau beschränkte sich die Religion nicht auf die Andacht. »Es wird keinen Himmel geben, wenn wir ihn nicht machen. Und es ist eine sehr kümmerliche Theodizee, die uns lehrt, dass wir uns nicht für diese Welt bereiten sollen, sondern für eine andere. Müssen wir Gott nicht schon hier besitzen, wenn wir ihn im Jenseits besitzen wollen?« Sie realisierte ihr Christentum bis zu ihrem Tod vor 100 Jahren in tätiger Nächstenliebe. Damit avancierte sie zu einer Vorbildgestalt der Caritas und der Emanzipation der Frau.</p>
<p>Florence Nightingale wurde am 15. Mai 1820 geboren. Ihre Eltern besaßen zahlreiche Güter in Südengland, die der Familie ein standesgemäßes Leben in Reichtum und viele Reisen quer durch Europa ermöglichten. Tochter Flo, wie sie gerufen wurde, erhielt Privatunterricht, beherrschte bald außer ihrer Muttersprache Griechisch, Latein, Französisch sowie Deutsch. Sie interessierte sich besonders für Geschichte sowie Philosophie und mauserte sich zu ­einer umschwärmten Schönheit. In ihrer Heimatregion und auf Reisen in Frankreich, Italien und der Schweiz avancierte sie oft zur Ballkönigin. ­Gelehrte schätzten ihre Kenntnisse. Reiche Snobs machten ihr Heirats­anträge. Aber sie fühlte sich wie in einem goldenen Käfig und schrieb in ihr ­Tagebuch: »Ich verlange heftig nach einer regelmäßigen Beschäftigung, nach etwas Vernünftigem, das des Tuns wert ist, statt meine Zeit mit Nichtigkeiten zu vertrödeln.« Als 25-Jährige verkündete sie, dass sie sich der Krankenpflege widmen wolle. Ihre Familie war über diese Entscheidung sehr verärgert und besorgt. Doch die junge Frau setzte sich durch.</p>
<p>Flo weilte während eines Ägypten-Aufenthaltes in Alexandria bei den Vinzentinerinnen, arbeitete im Fiedner-Hospital in Kaiserswerth, das heute zu Düsseldorf gehört und hospitierte europaweit in verschiedenen Hospitälern. Sie las Schriften der christlichen Mystiker, Sozialisten sowie Freidenker. 1853 übernahm sie ­gegen den Widerstand ihrer Familie die Leitung des heimischen Harley-Street-Hospitals.</p>
<p>1854 brach der Krimkrieg aus. Die katastrophalen Zustände in den Feldlazaretten bewogen den verantwortlichen Minister Sidney Herbert, Flo als verantwortliche »Lady Superintendent« mit einer Schar Schwestern ins Kriegsgebiet zu schicken. In den Lazaretten herrschte Schmutz, Mangel an allem und eine inhumane Kommiss-Bürokratie mit großen männlichen Vorbehalten gegen die weibliche Einmischung.</p>
<p>Florence Nightingale setzte sich mit Beharrlichkeit durch. Sie verbesserte die Hygiene, betreute die Verletzten, besorgte Entlausungsmittel, Nachtgeschirre, Medikamente, Stiefel sowie Zitronensaft und erlebte wie Krieggewinnler in der Heimat ein ­Vermögen mit ihren Lieferungen verdienten.</p>
<p>Nach dem Kriegsende 1856 fasste sie ihre Erkenntnisse in einer Denkschrift zusammen, die in den Folgejahren zur Grundlage einer umfas­senden Sozialreform gedieh, die dank ihrer fortdauernden Wirksamkeit in England realisiert wurde. 1860 erschien zudem ihr dreibändiges gesellschaftskritisches Werk »Anregungen für Wahrheitssucher«.</p>
<p>Nightingale gehörte königlichen Kommissionen an, entwarf Gutachten, überstand eine Vielzahl eigener Infektionen und wurde fast nebenbei auch zur Mutter der Genfer Konvention. Sie gründete eine Schwestern-Schule, die bald auf allen Kontinenten Tochter-Einrichtungen besaß, wurde von ihren Patienten als Heilige verehrt und bekam 1907 als erste Frau in England den »Order of Merit«, Englands höchste Auszeichnung. Eine späte Ehre für die beispielhafte Frau, die 90-jährig am 13. August 1910 erblindete und in geistiger Umnachtung in London starb.<br />
<em>Martin Stolzenau</em></p>
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		<item>
		<title>Gott kommt in Israel zur Welt</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Aug 2010 19:06:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Israelsonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Jerusalem]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Erinnerung aus Anlass des Israelsonntags
Dass Jesus Christus ein geborner Jude sei«, daran hat Martin Luther mit seiner gleichnamigen Schrift erinnert. Juden und Jüdinnen sind, wie Luther formuliert, Blutsfreunde Jesu und verdienen allen Respekt von christlicher Seite. Dass diese Hochachtung des Judeseins Jesu für Luther schon 1523 im Dienst der Bekehrung der Juden zu Christus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1927" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/jerusalem-israel.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/08/jerusalem-israel.jpg" alt="Jerusalem, Foto: photoshop " title="Jerusalem, Foto: photoshop " width="560" height="421" class="size-full wp-image-1927" /></a><p class="wp-caption-text">Jerusalem, Foto: photoshop </p></div><br />
<strong>Eine Erinnerung aus Anlass des Israelsonntags</strong></p>
<p>Dass Jesus Christus ein geborner Jude sei«, daran hat Martin Luther mit seiner gleichnamigen Schrift erinnert. Juden und Jüdinnen sind, wie Luther formuliert, Blutsfreunde Jesu und verdienen allen Respekt von christlicher Seite. Dass diese Hochachtung des Judeseins Jesu für Luther schon 1523 im Dienst der Bekehrung der Juden zu Christus stand, darf dabei ebenso wenig übersehen werden wie die weitere Entwicklung: Je mehr sich Luthers Hoffnungen, seine jüdischen Zeitgenossen für das aus kirchlicher Bevormundung befreite Evangelium zu gewinnen, zerschlugen, desto drastischer wurden seine Maßnahmenkataloge zur Zwangsbekehrung oder zur Bestrafung bekehrungsunwilliger Juden.</p>
<p>Der Reformator selbst ist ein erschütterndes und beschämendes Beispiel für den Antijudaismus, der die christliche Theologie und Kirche über Jahrhunderte geprägt und dabei gesellschaftlichen Antisemitismus gefördert hat. Auch der Israelsonntag ist von dieser Haltung lange mitbestimmt gewesen: Während Jüdinnen und Juden an diesem 9. Aw, dem traurigsten aller jüdischen Feiertage, der Zerstörung des Jerusalemer Tempels, des irdischen Wohnortes Gottes inmitten seines Volkes, gedachten, feierte die Kirche sich nicht selten selbst als das neue, gar wahre Israel. Statt mitzutrauern über den Verlust und sich voller Scham der eigenen Schuld an diesem Volk zu erinnern, eignete sie sich an, was Gott doch Israel bleibend geschenkt hat: die Erwählung und den Segen, den Bund und die Verheißungen. Triumphalismus statt Trauer, Schadenfreude statt Scham! Doch wie kann Gott uns, den Christinnen und Christen aus der Völkerwelt, treu sein, wenn er Israel nicht mehr treu ist?</p>
<p>Der Israelsonntag, der in unserem Land als der eigentliche Buß- und Bettag begangen werden sollte, gibt Anlass, daran zu erinnern, dass Gott in Israel zur Welt gekommen ist, dass der Gottessohn als Kind einer jüdischen Frau geboren wurde. Unsere Weihnachtschoräle besingen staunend die Menschwerdung des Gottessohnes: »Er ist geborn eu’r Fleisch und Blut, / eu’r Bruder ist das ewig Gut« (EG 25,3). »Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen?« (EG 41,4). Doch dieses Lob auf den buchstäblich ›eingefleischten‹ Gott, der sich mit Haut und Haar auf menschliches Dasein eingelassen hat, verschweigt, dass der biblische Gott in einem jüdischen Menschen Hand und Fuß bekommen hat.</p>
<p>»Das Wort wurde – nicht ›Fleisch‹, Mensch, erniedrigter und leidender Mensch in irgendeiner Allgemeinheit, sondern jüdisches Fleisch«, konkre­tisiert der Theologe Karl Barth. Und Michael Wyschogrod, einer der jüdischen Partner im christlich-jüdischen Gespräch, erinnert: »Von dem Mann, der später Papst Johannes XXIII. werden sollte, wird erzählt, dass er, als er die Bilder von den Bulldozern sah, die in den gerade befreiten Nazi-Todes­lagern die jüdischen Leichen in Massengräber schoben, ausgerufen habe: ›Da ist der Leib Christi.‹«<br />
<strong><br />
Das Bekenntnis zu Christus neu buchstabieren</strong><br />
In Jesus von Nazareth wiederholt Gott seine unkündbare Bindung an Israel. In Israel zur Welt kommend, bezeugt der Gottessohn, dass Gott nicht ohne das jüdische Volk Gott sein will.</p>
<p>Wir müssen das Bekenntnis zu Jesus, dem Christus, neu buchstabieren lernen und dabei aufhören, Jesus aus seinem Volk herauszulösen und unsere christliche Identität auf Kosten Israels zu gewinnen. Mir ist dafür das Wort des alten Mannes Simeon wegweisend, der nicht sterben konnte, bevor er nicht den »Trost Israels« gesehen hat – wie oft aber haben Christen und Christinnen den Trost Israels in einen todbringenden Schrecken für Israel verwandelt! Als Jesus von seinen Eltern nach jüdischem Gebot in den Tempel gebracht wird, nimmt Simeon den Säugling auf den Arm und lobt Gott: »… meine Augen haben das Heil gesehen, … ein Licht zur Erleuchtung der Völker und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.« (Lukas 2,30f.)</p>
<p>Jesus nimmt an uns die ureigene Aufklärungs-Aufgabe Israels wahr: Er ist Licht für die Völker. Wenn Jesus uns in die Geschichte Gottes mit Israel einbezieht und seinem Volk damit ­Gewicht gibt und Ehre macht, wie können wir uns dann zu ihm als dem Christus bekennen, ohne unsererseits Israel Respekt entgegenzubringen?</p>
<p>Respekt – das heißt keineswegs Kritiklosigkeit gegenüber der Politik des Staates Israels, der theologisches Gewicht hat und zugleich ein ganz und gar weltlicher Staat ist. Es heißt aber Anerkennung und Wertschätzung, Mittrauer und Mitfreude und allemal Fürbitte für den Frieden im Nahen ­Osten. Der 122. Psalm gibt uns Worte dafür: »Wünscht Jerusalem Frieden! Sicher mögen leben, die dich lieben!«</p>
<p><em>Magdalene L. Frettlöh</em></p>
<p>Magdalene L. Frettlöh leitet den Kirchlichen Fernunterricht der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und lehrt dort wie an der Ruhr-Universität Bochum Systematische Theologie.</p>
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		<title>Kühlende spirituelle Erfahrungen</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/29/kuhlende-spirituelle-erfahrungen/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 17:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Biblische Tips]]></category>
		<category><![CDATA[Hitze]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie heiße Tage gut überstanden werden – Hitze-Tipps der Bibel
Die derzeitigen Temperaturen in Deutschland gehören im Heiligen Land seit biblischen Zeiten zum Sommeralltag. Bis auf 40 Grad Celsius klettert das Thermometer im sommerlichen Jerusalem hoch; an der Küste und im Jordangraben kann es noch heißer werden. Besonders der Ostwind (»Schirokko«) treibt die Temperaturen in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1910" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/schirm.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/schirm.jpg" alt="Unter dem Schirm Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Psalm 91, Vers 1 bis 2" title="schirm" width="560" height="373" class="size-full wp-image-1910" /></a><p class="wp-caption-text">Unter dem Schirm Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Psalm 91, Vers 1 bis 2</p></div><br />
<strong>Wie heiße Tage gut überstanden werden – Hitze-Tipps der Bibel</strong></p>
<p>Die derzeitigen Temperaturen in Deutschland gehören im Heiligen Land seit biblischen Zeiten zum Sommeralltag. Bis auf 40 Grad Celsius klettert das Thermometer im sommerlichen Jerusalem hoch; an der Küste und im Jordangraben kann es noch heißer werden. Besonders der Ostwind (»Schirokko«) treibt die Temperaturen in die Höhe und ist wegen seiner Trockenheit berüchtigt.</p>
<p>Die Bibel hält Tipps bereit, wie man sich gegen die Hitze wehren kann.</p>
<blockquote><p>Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer<br />
und Winter, Tag und Nacht.<br />
1 Mose 8,22 </p></blockquote>
<p>Auch wenn uns die Hitze nervt: Wir müssen wohl oder übel mit ihr leben. Denn in biblischen Urzeiten hat Gott angekündigt, dass es auf der Erde ständig den Wechsel von Frost und Hitze geben wird. Nachdem die Sintflut weggetrocknet war, hatte Gott ­reumütig gelobt, dass er die Erde hinfort nicht mehr verfluchen, sondern schonen wolle. Dazu gehört auch, die Voraussetzung für gute Ernten zu schaffen. So wie Saat und Ernte aufeinander folgen, ist die Natur vom ­steten Wechsel geprägt: Sommer und Winter, Tag und Nacht – und eben auch Frost und Hitze.</p>
<blockquote><p>Wie der Tau die Hitze kühlt,<br />
so ist ein gutes Wort<br />
besser als eine Gabe.<br />
Sirach 18,16</p></blockquote>
<p>Wenn die Sonne gnadenlos vom ­Himmel niederknallt, fürchtet man: So bleibt es immer. Keine Wolke am Himmel, kein Baum verheißt Schatten. Wo Hoffnung ist? Im Warten auf die Abkühlung in der Nacht. Der Morgentau wird für frische Luft sorgen.</p>
<blockquote><p>
Denn du bist der Geringen Schutz gewesen, der Armen Schutz in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze.<br />
Jesaja 25,4f.; Jesus Sirach 14,27; 34,19</p></blockquote>
<p>Wer auf Gott vertraut, kann in heißen Zeiten kühlende Erfahrungen der spirituellen Art machen. Gott biete wie ein Schatten Schutz vor Hitze, meint unter anderem der Prophet Jesaja. Wie ein »gewaltiger Schild« oder wie »ein schützendes Dach am heißen Mittag« würde Gott die Hitze vom Gläubigen fernhalten, schreibt der weise Jesus Sirach.</p>
<p>Doch leider gilt auch andersherum: Gott kann auch mit Hitze strafen. Das kündigt der Seher Johannes an, der die Geschehnisse im Endgericht beschreibt:</p>
<blockquote><p>Und die Menschen wurden versengt von der großen Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und bekehrten sich nicht, ihm die Ehre zu geben. Offenbarung 16,9</p></blockquote>
<blockquote><p>
Die Sonne gibt so hellen Glanz von sich, dass sie die Augen blendet.<br />
Sirach 38,29; 43,3</p></blockquote>
<p>Biblische Schmiede stöhnen über die Hitze ihrer Glutöfen, die das Erz schmelzen. Die Handwerker werden oft »vom Feuer versengt« und arbeiten sich »in der Hitze des Ofens müde«. Weil es in der Schmiede schon so unvorstellbar heiß zugeht, wirkt der Vergleich zwischen einem Schmelzofen und der Sonne besonders eindrücklich. »Dreimal mehr« erhitze die Sonne die Berge, erklärt der lebenserfahrene Jesus Sirach. Und mahnt die Menschen, die Augen vor der grellen Sonne zu schützen.</p>
<blockquote><p>Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten;<br />
es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze.<br />
Jesaja 49,10; 2. Petrus 3,10-12; Offenbarung 7,16</p></blockquote>
<p>Am Ende aller Tage wird eine apokalyptische Hitze die Erde heimsuchen; Feuer wird die Himmel durchzüngeln, die Elemente werden »vor Hitze schmelzen«. Den wahrhaft Gläubigen allerdings wird die sengende Hitze nichts anhaben können; »in heiligem Wandel und frommem Wesen« stehen sie die endzeitlichen Katastrophen durch, wartend »auf einen neuen Himmel und eine neue Erde«. Das Warten lohnt sich. Denn danach werden sie nie wieder unter Hitze leiden müssen, kündigt der Prophet Jesaja an.<br />
<em><br />
Uwe Birnstein</em></p>
<p><strong>Buchtipp</strong><br />
Birnstein, Uwe: Das Beste aus der Bibel,<br />
Echter Verlag, 224 S., ISBN 978-3-429-03211-1,<br />
12 Euro</p>
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		<title>Ein Politjunkie entdeckt die Stille</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 19:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Notbremse]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Kasparik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der ehemalige Staatssekretär Ulrich Kasparick wagte den Ausstieg aus der Politik
Von Termin eilte er zu Termin, von Sitzung zu Sitzung. Ulrich Kasparick war ein »Politjunkie«. Als Parlamentarischer Staatssekretär zuerst im Bildungs- und dann im Verkehrsministerium gehörte der SPD-Politiker fünf Jahre lang der Bundesregierung an. Heute sitzt er in Jeans auf seiner Terrasse und kocht dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1888" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/kasparick.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/kasparick.jpg" alt="Ulrich Kasparick hat die Notbremse gezogen und hält sie in der Hand in Form seines Buches, in dem er über seine Erfahrungen berichtet. Foto: Benjamin Lassiwe" title="kasparick" width="560" height="420" class="size-full wp-image-1888" /></a><p class="wp-caption-text">Ulrich Kasparick hat die Notbremse gezogen und hält sie in der Hand in Form seines Buches, in dem er über seine Erfahrungen berichtet. Foto: Benjamin Lassiwe</p></div><br />
<strong>Der ehemalige Staatssekretär Ulrich Kasparick wagte den Ausstieg aus der Politik</strong></p>
<p>Von Termin eilte er zu Termin, von Sitzung zu Sitzung. Ulrich Kasparick war ein »Politjunkie«. Als Parlamentarischer Staatssekretär zuerst im Bildungs- und dann im Verkehrsministerium gehörte der SPD-Politiker fünf Jahre lang der Bundesregierung an. Heute sitzt er in Jeans auf seiner Terrasse und kocht dem Besucher Kaffee. Denn Ulrich Kasparick hat die Notbremse gezogen: Bei der ­Bundestagswahl im vergangenen Jahr trat er nicht wieder an – obwohl er ­seinen Wahlkreis in der Magdeburger Börde zuvor drei Mal direkt gewonnen hatte.</p>
<p>Es waren eine Nierenkrebsoperation und der anschließende Besuch in einer rheinländischen Trappistenabtei, die den Bruder des Regional­bischofs von Halle-Wittenberg, Propst Siegfried Kasparick, nachdenklich werden ließen. »Das war der erste Gong, die Frage, ob du nicht zu viel machst.« Auch ein Besuch in einem ­islamischen Zentrum in Afghanistan trug dazu bei, dass der Staatssekretär begann, sich mit christlicher Mystik auseinanderzusetzen. Denn Kasparick, der vor der politischen Wende in der DDR Stadtjugendpfarrer in Jena war, merkte, wie abhängig er als Berufspolitiker war. »Ein Politiker stellt sich für ein Amt zur Verfügung, macht Wahlkämpfe und löst die Probleme anderer Leute«, sagt er. »Sein Brot ist es, gebraucht zu werden.« Doch das sei wie ein Hamsterrad: »Man wird abhängig davon, gebraucht zu werden. Man wird abhängig von öffentlicher Anerkennung, vom Wohlwollen der Presse.« Politiker bräuchten immer höhere Ämter, immer mehr Anerkennung, das Rad drehe sich immer schneller. Wie bei einer Drogensucht.</p>
<p>Der Politiker beschloss, auszusteigen. Schon Anfang 2009 wusste er, dass er im Herbst nicht mehr zur Wahl antreten würde. Heute lebt er in einem »Sabbatical«: Alle Stellenangebote, die es nach dem Ausscheiden aus dem Parlament gab, schlug er aus. Derzeit bezieht der Theologe das Übergangsgeld, das jedem Politiker beim Ausscheiden aus dem Bundestag zusteht. Kasparick nutzt die neu gewonnene Zeit für Stille, zum Lesen und Nachdenken. »Es ist ein zentrales Thema der Leistungsgesellschaft: Was passiert, wenn du keine Leistung mehr bringst?«, sagt er. Als Theologe erinnert er sich an Martin Luther. Denn »Sola gratia« – »allein aus Gnade Gottes« – lautet einer der Kernsätze des Reformators. »Wir leben nicht aus Leistung, wir leben aus der Gnade«, sagt Kasparick. »So wie du bist, so ist es gut.« Als Politiker habe er sich selbst wie einen Entwurzelten erlebt, sagt der Theologe heute rückblickend. Freundschaften zerbrachen, weil Kasparick nie die Zeit hatte sie zu pflegen. </p>
<p>Dienstliche Kontakte bestimmten sein Leben. Heute nimmt sich der Theologe Zeit, um neue Netzwerke aufzubauen. Auf einer Internetseite widmet er sich Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. »Natürlich, mir hat die eigene Tapferkeit auch Angst ­gemacht«, sagt Ulrich Kasparick. »Manchmal bin ich aufgewacht und habe gedacht: Du gehst ja voll auf ­Risiko.« Es könne gut sein, dass das Übergangsgeld auslaufe und der Theologe dann ohne Job dastehe. Aber mancher alte Weggefährte sei heute auch richtig neidisch: Denn ­Ulrich Kasparick hat die Notbremse gezogen. Vielen anderen Politikern, Unternehmern oder Journalisten gelingt das nicht.<br />
<em><br />
Benjamin Lassiwe</em></p>
<p>Über seine Erfahrungen hat der ehemalige Politiker ein Buch geschrieben: </p>
<p><strong>Kasparick, Ulrich: Notbremse. Ein Polit­junkie entdeckt die Stille,<br />
Gütersloher Verlagshaus, 222 S.,<br />
ISBN 978-3-579-06768-1, 17,95 Euro</strong></p>
<p>Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (03643)246161</p>
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		<title>Jesus und seine Option für die Armen</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/16/jesus-und-seine-option-fur-die-armen/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 13:30:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Wirkstätten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wirkstätten des Gottessohnes, seine Lebensweise und sein Herzensanliegen
Wer sich mit Jesus beschäftigt, der beschäftigt sich meist mit all dem, was ihn in unseren Augen einzigartig und göttlich macht. Auch im zweiten und letzten Teil unserer Beitragsserie wird der umgekehrte Weg beschritten. Jesus wird aus einer familiären, alltäglichen Perspektive in den Blick genommen.
Nachdem Jesus – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1866" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Fischzug.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Fischzug.jpg" alt="Jesus suchte die Nähe der einfache Menschen wie etwa die Fischer vom See Genezareth. Vom Maler Raphael (1483 bis 1520) stammt diese Darstellung des wunderbaren Fischzuges von Petrus und seinen Mitarbeitern. Repro: Archiv" title="Fischzug" width="560" height="453" class="size-full wp-image-1866" /></a><p class="wp-caption-text">Jesus suchte die Nähe der einfache Menschen wie etwa die Fischer vom See Genezareth. Vom Maler Raphael (1483 bis 1520) stammt diese Darstellung des wunderbaren Fischzuges von Petrus und seinen Mitarbeitern. Repro: Archiv</p></div><br />
<strong>Die Wirkstätten des Gottessohnes, seine Lebensweise und sein Herzensanliegen</strong></p>
<p>Wer sich mit Jesus beschäftigt, der beschäftigt sich meist mit all dem, was ihn in unseren Augen einzigartig und göttlich macht. Auch im zweiten und letzten Teil unserer Beitragsserie wird der umgekehrte Weg beschritten. Jesus wird aus einer familiären, alltäglichen Perspektive in den Blick genommen.</p>
<p>Nachdem Jesus – wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Umkehrbewegung von Johannes dem Täufer – erkannt hatte, dass Gott in ­allernächster Zukunft sein göttliches Reich errichten wird und ihm, Jesus, als Repräsentanten Gottes dabei eine Schlüsselrolle zukommt, berief er sich zwölf Jünger und begann, diese Freudenbotschaft überall zu verkünden. Der Schwerpunkt seines Wirkens waren drei Dörfer, die allesamt im nord-westlichen Bereich des Sees Genezareth lagen: Kapernaum, Bethsaida und Chorazin. Einen besonderen Stellenwert hatte dabei Kapernaum, das Matthäus sogar als »seine Stadt« (9,1) bezeichnet. Eine Stadt war Kapernaum zwar nicht, eher ein »Großdorf«, aber ganz sicher war es der Ort, in dem sich Jesus am häufigsten aufhielt und wo er viele Heilungstaten vollbrachte. Als neues »Zuhause«, das an die Stelle von Nazareth trat, sollte man Kapernaum aber besser nicht verstehen (so Matthäus 4,12-16). Typisch für die Lebensweise Jesu war ja gerade, dass er keinen ­festen Wohnsitz hatte (Lukas 9,58), sondern als »Wandercharismatiker« das Reich Gottes im ganzen Land verkündigte.</p>
<p>Nun mag die Bevorzugung von Kapernaum mit der verkehrstechnisch günstigen Lage zusammenhängen. Wenn Jesus mit seiner Botschaft ganz Israel erreichen wollte, dann, so ist anzunehmen, wird er sich auch darum bemüht haben, einen Ort als Ausgangsbasis zu finden, von dem aus er dieses Unternehmen sinnvoll in Gang bringen konnte. Nun konnte er von Kapernaum zwar nicht das ganze Land gut erreichen, aber immerhin den Norden. Das gegenüber Obergaliläa wesentlich stärker besiedelte Untergaliläa konnte er über die Gennesar-Ebene erreichen, und das Reich des Herodessohnes Philippus, das ­ungefähr vom heutigen Golan bis an die libanesische Grenze reichte, war von Kapernaum nur einen Katzensprung entfernt.</p>
<p>Die Vorliebe Jesu für Kapernaum wird allerdings noch mehr damit zusammenhängen, dass dort Petrus und sein Bruder Andreas wohnten. Hier konnte Jesus mitsamt seiner Jüngerschar immer wieder Unterkunft finden. Gerade weil die Jesusgruppe fast immer unterwegs war, werden die Jünger und Jüngerinnen Jesu froh darüber gewesen sein, in Kapernaum eine Art »Basiscamp« zu haben. Ganz ohne Beheimatung geht es anscheinend auch bei Wandercharismatikern nicht.</p>
<p>In Kapernaum hat man manches ausgegraben, das in einem Zusammenhang mit der Zeit Jesu steht. So könnte die prächtige Kalksteinsynagoge aus dem 4. Jahrhundert an dem Ort stehen – Fundamente und ein ­Basaltpflaster darunter deuten darauf hin –, wo einst die Synagoge Jesu stand. Außerdem kann man dort das »Haus des Petrus« sehen. Das klingt zwar ein wenig fantastisch, aber tatsächlich kann hier eine bis ins 2. Jahrhundert zurückreichende christliche Verehrung nachgewiesen werden. Beeindruckend sind auch die Wohninseln, in denen ganze Großfamilien samt Angestellten lebten. Die Ausgrabungen zeigen, dass in Kapernaum vor allem Fischer, Bauern und Händler lebten: Menschen, die nicht bitterarm waren, aber zur Unterschicht gehörten und sich gewiss keinen großen Luxus leisten konnten.</p>
<p>Jesus und seine Option für die Armen: Herodes Antipas, der Herrscher Galiläas zur Zeit Jesu, hat zuerst in dem nur fünf Kilometer von Nazareth entfernten Sepphoris residiert, bis er dann im Jahr 19/20 n. Chr. Tiberias zur Hauptstadt machte. Nun ist auffällig, dass die Evangelien nie erwähnen, dass Jesus in einer dieser römisch-­hellenistisch geprägten Städte gewirkt hat. Dies dürfte seinen Grund darin haben, dass Jesus sich in erster Linie zu der normalen, von Armut bedrohten Bevölkerung gesandt sah. Diese »Option für die Armen« kommt exemplarisch in der ersten Seligpreisung zum Ausdruck: »Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.» (Lukas 6,20) Nun war die Zeit, in der Jesus in Galiläa lebte, aufgrund der langen und im Großen und Ganzen durchaus gedeihlichen Regierungszeit des Herodes Antipas wirtschaftlich relativ stabil, und manche Juden werden davon auch profitiert haben. Aber diejenigen, die sowieso nur wenig hatten – und das waren die meisten –, rutschten durch Zölle und die zunehmende Besteuerung schnell noch weiter nach unten ab.</p>
<p>Jesus war kein Sozialrevolutionär. Es ging ihm um die Gottesherrschaft. Aber diese zielt eben auch auf eine ­radikal neue und bessere Gesellschaftsordnung. 	</p>
<p><em>Peter Hirschberg</em></p>
<p><em>Der Autor ist promovierter Theologe und als Hochschul- und Studierendenpfarrer in Bayreuth mit verschiedenen Lehraufträgen im Bereich Biblische Theologie/Judaistik.</em></p>
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		<item>
		<title>Der Mensch Jesus ganz privat</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2010/07/09/der-mensch-jesus-ganz-privat/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 13:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[privat]]></category>

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		<description><![CDATA[Er war Sohn seiner Eltern, Bruder, ein Mensch mit Beruf und Alltag – Familie und Herkunft des Gottessohnes
Wer sich mit Jesus beschäftigt, der beschäftigt sich meist mit all dem, was ihn in unseren Augen einzig-
artig und göttlich macht. In einer zweiteiligen Beitragsserie soll der umgekehrte Weg beschritten werden. Jesus soll aus einer familiären, alltäglichen Perspektive [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1840" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Jesus-in-Werkstatt.jpg"><img class="size-full wp-image-1840" title="Jesus-in-Werkstatt" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Jesus-in-Werkstatt.jpg" alt="Selten haben Künstler Jesus in seiner familiären Umgebung darzustellen versucht. Eine der wenigen Ausnahme bildet das Gemälde &quot;Christus im Haus seiner Eltern&quot; von John Everett Millais (1829 bis 1896), einem Vertreter der sogenannten Präraffaeliten. Es galt bei seiner ersten Präsentation im Jahr 1850 in London als &quot;blasphemisch&quot; und sorgte für einen Skandal. Repro: Archiv" width="560" height="366" /></a><p class="wp-caption-text">Selten haben Künstler Jesus in seiner familiären Umgebung darzustellen versucht. Eine der wenigen Ausnahme bildet das Gemälde &quot;Christus im Haus seiner Eltern&quot; von John Everett Millais (1829 bis 1896), einem Vertreter der sogenannten Präraffaeliten. Es galt bei seiner ersten Präsentation im Jahr 1850 in London als &quot;blasphemisch&quot; und sorgte für einen Skandal. Repro: Archiv</p></div><br />
<strong>Er war Sohn seiner Eltern, Bruder, ein Mensch mit Beruf und Alltag – Familie und Herkunft des Gottessohnes</strong></p>
<p><em>Wer sich mit Jesus beschäftigt, der beschäftigt sich meist mit all dem, was ihn in unseren Augen einzig-<br />
artig und göttlich macht. In einer zweiteiligen Beitragsserie soll der umgekehrte Weg beschritten werden. Jesus soll aus einer familiären, alltäglichen Perspektive in den Blick kommen.<br />
</em><br />
Er war Sohn seiner Eltern, Erstgeborener unter einer Schar von ­Geschwistern, Mensch mit Beruf und Alltag. Was die Eltern Jesu angeht, so ist eines klar: Seine Mutter hieß Maria (hebräisch Mirjam). Bei seinem Vater dagegen stellt sich die Sache schwieriger dar. Markus, immerhin der älteste Evangelist (70 n. Chr.), kennt nicht einmal seinen Namen. Matthäus und Lukas kennen zwar den Namen, aber dennoch taucht Josef nur am Rande auf: in den stark theologisch orien­tierten Geburtsgeschichten (Matthäus 1-2; Lukas 1-2) oder – zum letzten Mal – in der lukanischen Erzählung vom zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lukas 2,41-52). Man gewinnt den Eindruck, dass Josef am Anfang »da war«, dann aber sehr plötzlich und unvermittelt von der Bildfläche verschwindet. Es verwundert deshalb nicht, dass hier die Spekulationen blühen: Hat Josef sich klammheimlich aus dem Staub gemacht? War er früh gestorben? Oder war Jesus gar ein uneheliches Kind, sodass die neutestamentliche Josefsgestalt nur einen Sinn hat: diese Ver-<br />
legenheit zu überspielen? Wir wissen es nicht, und doch scheint es wahrscheinlich, dass Jesus eine über weite Strecken vaterlose Kindheit erlebt hat.</p>
<p>Interessant ist, dass Jesus nach Markus 6,3 vier Brüder (Jakobus, Joses, Judas, Simon) und mehrere Schwestern hatte. Das vertraute Weihnachtsbild von Maria, Josef und Jesus als moderne Kleinfamilie entsprach der Wirklichkeit also nur für eine relativ kurze Zeit. Jesus lebte in einer Großfamilie, und deshalb darf man sich das Zuhause Jesu auch nicht zu »kontemplativ« vorstellen.</p>
<p>Als Jesus mit seiner öffentlichen Wirksamkeit begann, wurde das Verhältnis zur Familie immer schwieriger. Markus berichtet mit deutlichen Worten, dass der Familienclan ihn nach Nazareth zurückholen will, weil man den Sohn und Bruder für einen durchgedrehten religiösen Fanatiker hielt: »Er ist von Sinnen.« (Markus 3,20f) Erst nach der Auferstehung begann die Jesusfamilie an ihn zu glauben. Maria wurde zu einer wichtigen Person in der jüdischen Urgemeinde Jerusalems, und Jakobus, einer der Brüder Jesu, übernahm später sogar die Führung der Jerusalemer Gemeinde.</p>
<p>Dieser Familienkonflikt macht einerseits deutlich, dass Menschen sich schwertun, wenn einer, den man von Kindesbeinen an kennt, sich auf einmal zu Besonderem berufen fühlt. Er wirft aber auch ein erhellendes Licht auf Jesus: Er zeigt, dass Jesus innerlich stark und frei war. Gegen alle familiär-gesellschaftlichen Konventionen riskierte er den Konflikt. Er hatte den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Für Jesus war die wichtigste Quelle seines Selbstwertgefühls eben nicht die Anerkennung der Menschen, sondern die Liebe des göttlichen Du.</p>
<p>Obwohl Jesus die längste Zeit seines Lebens, über dreißig Jahre, in Nazareth verbracht hat, berichten die Evangelien kaum etwas über den Heimatort Jesu. Deshalb ist es umso spannender, dass der Franziskanerarchäologe Bellarmino Bagatti dort Spuren einer dörflichen Siedlung aus dem 1. Jahrhundert freilegte. Seine Grabungsergebnisse zeigen, dass es sich bei Nazareth um ein kleines, an einen Hang gebautes jüdisches Bauerndorf handelte, in dem allerhöchstens 200 bis 300 Juden wohnten. Diese Menschen waren nicht bitterarm, aber lebten wie die meisten Galiläer in äußerst bescheidenen Verhältnissen.</p>
<p>In diesem Umfeld kann man sich nun auch gut vorstellen, dass Jesus wie sein Vater als Bauhandwerker (griechisch: technon, so in Markus 6,3) arbeitete. Wir können also davon ausgehen, dass Jesus sich nicht nur in höheren geistigen oder geistlichen Sphären bewegte, sondern wusste, wie der Alltag eines hart arbeitenden Menschen aussieht.</p>
<p>Nazareth war klein, so unbedeutend, dass es weder im Alten Testament noch in den außerbiblischen Quellen jener Zeit auch nur ein einziges Mal erwähnt wird. Man kann schon verstehen, dass die Behauptung, aus diesem Flecken soll der Messias kommen, bei vielen auf Unverständnis stieß: »Was kann aus Nazareth Gutes kommen!« (Johannes 1,46)</p>
<p>Wer sich Jesus in einem so normalen Kontext vorstellt, der wird sich vielleicht auch fragen, wann und wie Jesus das erste Mal bewusst wurde, dass sein Gottesverhältnis einzigartig ist und Gott ihn zu Besonderem berufen hatte. Doch genau darüber schweigen sich die Evangelien aus. Indem sie berichten, dass Jesus erst in einem relativ fortgeschrittenen Alter an die Öffentlichkeit trat, lassen sie nur eines erkennen: Auch Jesus brauchte Zeit. Auch er musste einen längeren Such- und Entwicklungsprozess absolvieren, bis er sich gefunden hatte und bereit war, zu neuen Ufern aufzubrechen.<br />
<em><br />
Peter Hirschberg</em></p>
<p><em>Der Autor ist promovierter Theologe und als Hochschul- und Studierendenpfarrer in Bayreuth mit verschiedenen Lehraufträgen im Bereich Biblische Theologie/Judaistik tätig.</em></p>
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		<title>»Es soll mich nichts gefangen nehmen«</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 19:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glaube und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Alkoholismus]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe zum Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Günter Schmidt ist 80 Jahre alt, der Alkohol hat fast sein ganzes Leben bestimmt.
Es gab Zeiten, da hat sich Günter Schmidt nur an einem gefüllten Glas erfreut, aber es musste schon Weinbrand, Korn oder Wodka darin sein. »Bier habe ich nur gegen den Durst getrunken«, sagt der 80-Jährige, der heute das Malen wiederentdeckt hat, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_1814" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><a href="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Schmidt-1.jpg"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2010/07/Schmidt-1.jpg" alt="Günter Schmidt hat neben der Liebe  zum Leben erkannt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Foto: Maxie Thielemann" title="Schmidt" width="560" height="420" class="size-full wp-image-1814" /></a><p class="wp-caption-text">Günter Schmidt hat neben der Liebe  zum Leben erkannt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Foto: Maxie Thielemann</p></div><br />
<strong>Günter Schmidt ist 80 Jahre alt, der Alkohol hat fast sein ganzes Leben bestimmt.</strong></p>
<p>Es gab Zeiten, da hat sich Günter Schmidt nur an einem gefüllten Glas erfreut, aber es musste schon Weinbrand, Korn oder Wodka darin sein. »Bier habe ich nur gegen den Durst getrunken«, sagt der 80-Jährige, der heute das Malen wiederentdeckt hat, der sich über Blumen am Wiesenrand freut und darüber, dass er seine Familie noch erleben kann. Viele Jahre hat er diesen Lebensgenuss einfach weggetrunken.</p>
<p>Günter Schmidt sitzt ein bisschen ins Sofa eingesunken in seiner Dresdner Wohnung. Der gebürtige Freiberger hat schon oft Zeugnis über sein Leben gegeben. Demut schwingt mit in seiner Erzählung und ein bisschen Abgeklärtheit. Er sagt: »Mein ganzes Leben war eine Lüge«, und »Ich bin selber Schuld daran, dass ich Alkoholiker geworden bin.«</p>
<p>Mit 15 Jahren begann er, den Alkohol für sich zu entdecken: »Ich glaubte, dass gehörte in den Wirren nach dem Krieg einfach dazu.« Er sei ein Außenseiter gewesen, der mit ­seinem Leben nicht zurechtkam. Der Alkohol konnte gut verdrängen. So ging es weiter in der Ausbildung zum Chemielaborant und im Studium, wo er mit Kommilitonen aus Benzin trinkbaren Alkohol herstellte. Er vertrug davon bald mehr als andere.</p>
<p>Wann er abhängig wurde, kann Günter Schmidt nicht sagen. Er habe es lange genug ignoriert. Auf Arbeit konnte sich der Spiegeltrinker tarnen, d. h. er trank tagsüber so viel, dass sein Blutalkoholspiegel konstant blieb und wirkte dennoch nicht betrunken. Obwohl seine Frau viel auszuhalten hatte, liefen Beruf und Familie einigermaßen weiter, gab es keinen Grund aufzuhören. Oft sagte er sich: »Ich bin doch kein Alkoholiker, ich stehe doch nicht schon um sechs Uhr mit einem Bier auf der Straße.«</p>
<p>Als seine Frau nach schwerer Krankheit 1992 starb, reichten die paar Gläser Schnaps am Tag nicht mehr. Günter Schmidt geniert sich noch heute dafür, dass er zeitweise täglich zwei Flaschen brauchte, sich immer mehr gehen ließ, nur noch zum Trinken aufstand. »Ich bin auch spazieren gegangen, habe das Kruzifix einer Kirche hier in der Nähe regelrecht belästigt, mich bei Jesus beklagt, wie mies es mir geht, dass er dafür die Schuld trage«, erinnert er sich und fügt hinzu: »Wir Alkoholiker machen so viele Schuldanweisungen, nur nicht an uns selbst.« Und in so einer Situation kam die Wende. Schmidt nennt es den Impuls, die Ohrfeige, die ein Süchtiger brauche, um aufzuhören.<br />
Bei ihm war es die Gemeindeschwester, die sich bis zum Tod um seine Frau gekümmert hatte und die ihn jetzt entsetzt anfuhr: »Herr Schmidt, merken Sie überhaupt, wie betrunken und wie schmuddelig Sie hier herumlaufen? </p>
<p>Wollen Sie so Ihre Frau ehren?« Nein, das wollte er nicht. Wenige Tage später begann er eine Entgiftung im Krankenhaus. Nach der ersten Nacht, unterstützt von Medikamenten, fühlte er sich befreit vom Saufdruck oder »Saufsog«, wie er es nennt. Denn das Trinken sei kein Druck von außen, sondern ein Bedürfnis von innen. Und auch heute viele Jahre nach seiner ambulanten Therapie, sagt er: »Ich bin frei!« und meint damit, dass er zwar immer noch alkoholkrank sei, aber eben durch Gottes Gnade trocken. Einer seiner Therapeuten hatte ihm eine Bibel in die Hand gedrückt.</p>
<p>Günter Schmidt sei früher eher formaler Christ gewesen: getauft, kirchlich getraut. Weil er mit dem Sozialismus sympathisierte, trat er aus der Kirche aus. »Ich komme von links und bin Alkoholiker, trotzdem hat mich ­Jesus Christus angenommen. Das ist für mich ganz wichtig.« Er ist bei der Suchtkrankenhilfe Blaues Kreuz e.V. aktiv und jeden Freitag beim Begegnungsabend der Dresdner Stadtmission für Suchtkranke und deren Angehörige dabei. Der regelmäßige Kontakt zu diesen Menschen sei ihm wichtig, weil er immer wieder zeige: Ein Rückfall ist möglich. Alkoholkrank ist man sein Leben lang.</p>
<p>Günter Schmidt hat neben der Liebe zum Leben erkannt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. »Die Ärzte und Therapeuten konnten mir nur Ratschläge geben, umsetzen musste ich sie selbst.« Ein Wort von Paulus steht ihm da am Nächsten: »Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen ­nehmen« (1. Korinther, 6,12).<br />
<em><br />
Maxie Thielemann</em></p>
<p><strong>Adressen</strong><br />
Ev. Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtkrankenhilfe Sachsen,<br />
Fachverband im Diakonischen Werk Sachsen e.V.,<br />
Obere Bergstraße 1, 01445 Radebeul,<br />
Telefon (0351)8315164</p>
<p>Ute Griesenbeck, Telefon (0345)12299-370,<br />
E-Mail </p>
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