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	<title>Mitteldeutsche Kirchenzeitungen &#187; Eine Welt</title>
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		<title>Rosen für Europa, Mais für die USA</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 09:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsländer]]></category>
		<category><![CDATA[Land Grabbing]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<description><![CDATA[»Land Grabbing«: Internationale Unternehmen bewirtschaften in Entwicklungsländern riesige Flächen
Während die Hälfte der Menschen in Äthiopien hungert, züchtet eine indische Firma dort auf riesigen Plantagen Rosen für Europa.
Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weichen wegen der hohen Bodenpreise in ihrer Heimat zunehmend in Entwicklungsländer aus. Dabei werden vielfach über die Köpfe der Kleinbauern hinweg lukrative Verkaufs- und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»Land Grabbing«: Internationale Unternehmen bewirtschaften in Entwicklungsländern riesige Flächen</strong></p>
<div id="attachment_5244" class="wp-caption alignright" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-5244 " title="Eine-Welt-06" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/02/Eine-Welt-06.jpg" alt="Rosen für Europa, Mais für die USA" width="600" height="233" /><p class="wp-caption-text">Oft das Ende vom Lied: riesige Monokulturen und Chemieeinsatz – wie hier auf einer Sojaplantage in Paraguay. Foto: epd-bild/Heiner Heine</p></div>
<p>Während die Hälfte der Menschen in Äthiopien hungert, züchtet eine indische Firma dort auf riesigen Plantagen Rosen für Europa.</p>
<p>Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weichen wegen der hohen Bodenpreise in ihrer Heimat zunehmend in Entwicklungsländer aus. Dabei werden vielfach über die Köpfe der Kleinbauern hinweg lukrative Verkaufs- und Pachtverträge zwischen den Regierungen und den Investoren abgeschlossen. Die Bauern verlieren ihr Land, oft auch ihr Zuhause.</p>
<p>Denn die Eigentumsverhältnisse in Entwicklungsländern sind oft nicht ausreichend geregelt. Selbst wenn die Menschen seit Generationen ein Grundstück bewohnen und bewirtschaften, können sie es selten nachweisen. Und viele Regierungspolitiker wollen von den Geschäften mit Großinvestoren profitieren. So bedrohen ausländische Investitionen vielfach das Leben der Einwohner, statt wie erhofft zu Aufschwung und Entwicklung zu führen. Die Kritiker sprechen von »Land Grabbing« (Landnahme).</p>
<p>Knapp die Hälfte der Fläche, die ausländische Großinvestoren in Beschlag nahmen, diene dem Anbau von Pflanzen für Agrar-Treibstoffe, erklärt der südafrikanische Wissenschaftler Ward Anseeuw. Die Philippinen sind nach seiner Statistik der Staat mit dem meisten Land Grabbing: 4,7 Millionen Hektar, eine Fläche von der Größe Niedersachsens, die etwas weniger als ein Drittel der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Philippinen ausmacht.</p>
<p>In Madagaskar werden 2,6 Millionen Hektar, in Äthiopien 2,3 Millionen Hektar durch ausländische Investoren bewirtschaftet. Anseeuw erstellt zusammen mit Michael Taylor von der »International Land Coalition«, die sich für die Landrechte der Armen einsetzt, eine Datenbank zu Land Grabbing.</p>
<p>Der Landrechte-Experte der UN-Landwirtschafts- und Ernährungs­organisation (FAO), Paul Mathieu, spricht von einer Strategie der Industrieländer, ihre landwirtschaftliche Produktion auszulagern. Um die negativen Auswirkungen zu dämpfen, arbeitet die FAO an Richtlinien.</p>
<p>»Das Menschenrecht auf Nahrung steht seit Jahrzehnten auf dem Papier, wurde aber nie richtig umgesetzt«, beklagt der stellvertretende FAO-Generaldirektor Alexander Müller. Länder, in denen die Bevölkerung hungere, exportierten dennoch Agrarprodukte. Dass es weltweit noch viel ungenutzten Boden gebe, weist Müller als Fehleinschätzung zurück. Alle nutzbaren Flächen würden bewirtschaftet, besonders in Entwicklungsländern herrsche deshalb ein reger »Verdrängungswettbewerb«.</p>
<p>Die FAO wendet sich nicht generell gegen Landkauf durch Großinvestoren, spiegelt die UN-Organisation doch die Interessen aller ihrer 191 Mitgliedsstaaten wider. Es gibt jedoch schwierige Debatten und heftigen Streit.</p>
<p>Der Inder Sai Ramakrishna Karuturi ist mit seiner Rosenzucht in Äthiopien reich geworden. Rund 311000 Hektar Land lässt er bewirtschaften und neben Blumen Reis, Mais, Palmöl und Zuckerrohr im großen Stil anbauen&#xA0;– weiteres Wachstum ist geplant.<br />
Die Investoren betonen die Vorteile für die Entwicklungsländer.</p>
<p>Sie werben damit, dass sie Arbeitsplätze schaffen und nach gewissen ökologischen Standards anbauen. Denn in der westlichen Welt gehört nachhaltiges Wirtschaften und die Achtung der Menschenrechte zum guten Ton. Doch der ehemalige Grünen-Politiker Müller warnt: »In vielen Bereichen sind hehre Absichtserklärungen und tägliches Handeln nicht immer in Einklang zu bringen.«</p>
<p>Im Unterschied zu Müller sieht Landrechte-Experte Mathieu Investitionen in Agrarflächen als Chance, wenn transparente und faire Verträge abgeschlossen werden, die auch überwacht werden. Afrika brauche dringend mehr Investitionen und Arbeitsplätze. »Wenn nichts geschieht, wie in den letzten 10, 20 Jahren, und weiterhin zu wenig in den Agrarsektor investiert wird, wäre das ein katastrophales Szenario«, warnt Mathieu. »Die Zeiten für billige Investitionen in Land sind ­ohnehin bald vorbei.« Denn der Wettbewerb um Land treibe auch in den Entwicklungsländern die Bodenpreise nach oben.</p>
<p><em>Bettina Gabbe (epd)</em></p>
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		<title>Als Pfarrerin im Urlaubsparadies</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/27/als-pfarrerin-im-urlaubsparadies/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 09:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
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		<description><![CDATA[Ägypten: Hurghada am Roten Meer&#xA0;– Treffpunkt für Rentner, Urlauber, Abenteurer und verkrachte Existenzen
In der ägyptischen Touristenhochburg Hurghada gibt es seit dem Sommer eine Pfarrstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Du bist ein Volltreffer«, singen die Kinder im Kreis. Es ist ihr Lieblingslied beim Kinderbrunch. So heißt der deutschsprachige evangelische Kindergottesdienst im ägyptischen Touristenzentrum Hurghada am Roten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img title="welt0512" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/welt0512.jpg" alt="" width="200" height="299" /><p class="wp-caption-text">Pfarrerin Eva Gabra – Foto: epd-bild</p></div>
<p><strong>Ägypten: Hurghada am Roten Meer&#xA0;– Treffpunkt für Rentner, Urlauber, Abenteurer und verkrachte Existenzen</strong></p>
<p>In der ägyptischen Touristenhochburg Hurghada gibt es seit dem Sommer eine Pfarrstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland.</p>
<p>Du bist ein Volltreffer«, singen die Kinder im Kreis. Es ist ihr Lieblingslied beim Kinderbrunch. So heißt der deutschsprachige evangelische Kindergottesdienst im ägyptischen Touristenzentrum Hurghada am Roten Meer. Eva Gabra ist seit Sommer vergangenen Jahres Auslandspfarrerin der Evangelischen Kirche in Deutschland in Hurghada.</p>
<p>Die Zeiten sind nicht leicht. Die ägyptischen Christen, die <a href="http://www.evangelisch.de/themen/religion/kopten-die-christlichen-nachfolger-der-pharaonen8265" target="_blank">Kopten</a>, werden angegriffen und verfolgt, mehr als Hunderttausend sollen im vergangenen Jahr das Land verlassen haben. Die deutschsprachigen Christen in Hurghada, für die Eva Gabra zuständig ist, wurden von den Anfeindungen aber bisher nicht getroffen.</p>
<p>Die 29-Jährige mit dem blonden Pferdeschwanz ist Pfarrerin einer Gemeinde, die offiziell noch gar nicht existiert. Aber die deutschsprachigen evangelischen Christen in Hurghada sind schon lange sehr aktiv. »Bisher hatten wir keine theologische Anleitung, aber ich habe ab und zu meinen Vater angerufen, der ist Pfarrer in Deutschland und hat mir dann ein paar Tipps gegeben«, sagt Beke Hoppe, die den Kinderbrunch mitorganisiert hat.</p>
<p>»Wir leben in einem Land, in dem Religion eine große Rolle spielt. Da fragt man sich automatisch, an was man eigentlich selber glaubt und wo man hingehört«, konstatiert Hoppe. Kein Wunder also, dass Eva Gabra herzlich empfangen wird. »Ich habe das Gefühl, offene Türen einzurennen«, sagt die Pfarrerin, die in Wuppertal, Heidelberg und Kairo studiert hat.</p>
<p>Dennoch steht sie vor großen Herausforderungen, denn in den Auslandskirchen sind evangelische Christen nicht automatisch Mitglied, sie müssen eintreten und bezahlen. Das erfordert Überzeugungsarbeit. Auch hat sie bisher keinen Raum: So schiebt sie entweder die Sofas zur Seite und lädt zu sich ins Wohnzimmer ein oder sie feiert ihre Gottesdienste im Garten des deutschen Honorarkonsulats.</p>
<p>Es gilt, Brücken zu schlagen, denn Hurghadas Deutsche könnten unterschiedlicher nicht sein: »Dies ist ein Ort, der viele Abenteurer anlockt. Manche schaffen es hier, aber es gibt auch verkrachte Existenzen«, weiß die Pfarrerin zu berichten.</p>
<p>Der Honorarkonsul von Hurghada, Peter Jürgen Ely, schätzt, dass rund 7000 Deutsche dauerhaft in Hurghada und Umgebung leben. Viele von ihnen arbeiten in Hotels und Tauchschulen. Doch der Tourismus steckt seit der Revolution in der Krise. Viele aus der Branche machen sich Sorgen um die Zukunft – auch, weil die Salafisten, die bei den Parlamentswahlen zur zweitstärksten Kraft wurden, den Touristen Alkohol und Bikini verbieten wollen. Wer will dann noch Urlaub in Hurghada machen?</p>
<p>Nicht alle leben vom Tourismus. Viele Deutsche in Hurghada sind Rentner, die in der Sonne ihren Lebensabend verbringen. Hinzu kommen deutsche Frauen, die sich im Urlaub in einen Ägypter verliebt haben und geblieben sind. »Viele der Frauen sind wegen der Ehe zum Islam übergetreten, andere sind Christinnen geblieben. Das Zusammenleben mit ihren muslimischen Männern wirft bei ihnen jedoch die Frage auf, was das Christentum eigentlich ausmacht«, sagt Eva Gabra. Sie hat deswegen mit diesen Frauen bereits im November einen Glaubenskurs gemacht: Es ging um die Grundlagen des Christentums und darum, was die Christen im Alltag von den Muslimen unterscheidet.</p>
<p>Gabra hat sich in ihrem Studium auf christlich-islamischen Dialog spezialisiert und weiß, was es heißt, eine Ehe zwischen den Kulturen zu führen. Auch ihr Mann ist Ägypter. Sie hat ihn allerdings an der theologischen Fakultät kennengelernt. Auch David Gabra ist Pfarrer. Er betreut die evangelisch-koptische Gemeinde von Hurghada.</p>
<p>Zu Eva Gabras Gemeinde sollen aber nicht nur die in Hurghada lebenden Deutschen gehören. Auch mit Touristenseelsorge hat die Evangelische Kirche in Deutschland die Pfarrerin beauftragt. Doch wie fängt man das an? Hurghada ist ein Ferienort, der auf billigen Massentourismus setzt. Die meisten kommen her, weil sie mit Vollpension am Strand liegen wollen. Eine Pastorin haben sie nicht gebucht. »Andererseits ist der Urlaub auch ein Moment, in dem die Menschen zur Besinnung kommen und sich die Fragen des Lebens stellen. Dabei können sie vielleicht Begleitung gebrauchen«, sagt Eva Gabra.</p>
<p><em>Julia Gerlach (epd)</em></p>
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		<title>Großfarmer jubeln bereits</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/19/grosfarmer-jubeln-bereits/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 10:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Brasilien: Eine umstrittene Gesetzesnovelle soll die Schutzbestimmungen für den Regenwald lockern
Umweltschützer in Brasilien laufen Sturm. Denn eine Mehrheit im Parlament will den Schutz des Regenwaldes lockern. Und die Großfarmer jubeln schon.

Brasiliens neues, heftig umstrittenes Waldgesetz hat kurz vor Ende des vergangenen Jahres eine wichtige Hürde genommen: Der Senat verabschiedete seine umkämpfte Novelle. 59 der 67 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Brasilien: Eine umstrittene Gesetzesnovelle soll die Schutzbestimmungen für den Regenwald lockern</strong></p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="  " title="Großfarmer jubeln bereits" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Eine-Welt-Bild.jpg" alt="Umstritten: Die Abstimmung im brasilianischen Senat über die Novelle des Waldgesetzes wurde von Protesten der ­Umweltschützer begleitet. Doch die Wirtschaftsinteressen setzen sich durch. Foto: picture-alliance/Pedro Ladeira" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Umstritten: Die Abstimmung im brasilianischen Senat über die Novelle des Waldgesetzes wurde von Protesten der ­Umweltschützer begleitet. Doch die Wirtschaftsinteressen setzen sich durch. Foto: picture-alliance/Pedro Ladeira</p></div>
<p><em>Umweltschützer in Brasilien laufen Sturm. Denn eine Mehrheit im Parlament will den Schutz des Regenwaldes lockern. Und die Großfarmer jubeln schon.<br />
</em><br />
Brasiliens neues, heftig umstrittenes Waldgesetz hat kurz vor Ende des vergangenen Jahres eine wichtige Hürde genommen: Der Senat verabschiedete seine umkämpfte Novelle. 59 der 67 anwesenden Vertreter des Oberhauses billigten die Reform, gegen die Brasiliens Umweltbewegung seit Monaten Sturm läuft. Sie befürchtet, dass die Zerstörung hochsensibler ökologischer Schutzgebiete im ganzen Land lega­lisiert wird.</p>
<p>Für die armen Urwaldbewohner und die Umwelt setzten sich hingegen zwei Senatoren der oppositionellen »Partei für Sozialismus und Freiheit« aus Amazonien ein. Sie stimmten mit Nein, »im Namen all jener, die bei der Verteidigung des Urwalds ihr Leben gelassen haben«, so die Senatoren. Die Novelle muss nun vom Parlament erneut bestätigt und dann von der Präsidentin Dilma Rousseff unterzeichnet werden.</p>
<p>Vor der Unterzeichnung des Gesetzes hätte die Präsidentin allerdings noch die Möglichkeit, ihr Veto gegen umstrittene Passagen einzulegen. Im Wahlkampf 2010 hatte sie öffentlich gelobt, keinem Gesetz zuzustimmen, das etwa eine Amnestie für Waldzerstörer enthält. Genau dies zeichnet sich jetzt ab: Die Novelle sieht unter anderem Straffreiheit für jene Landbesitzer vor, die vor Juli 2008 die ­gesetzlich vorgeschriebenen Schutzgebiete auf ihren Ländereien zerstört haben und sie nun wieder aufforsten. Alle, deren Landbesitz aber weniger als 440 Hektar umfasst, sollen von dieser Auflage befreit werden.</p>
<p>Um das Gesetz unter Dach und Fach zu bringen, hatte sich die Regierung mit Großfarmern bereits geeinigt. Senator Jorge Viana von Rousseffs Arbeiterpartei, ein früherer Mitstreiter der Umweltschützer Chico Mendes und Marina Silva, koordinierte jetzt die Senatsnovelle. »Wir ­beginnen eine neue Geschichte«, sagte Viana, dank des neuen Gesetzes würden in den kommenden 20 Jahren jeweils 20000 Quadratkilometer wieder aufgeforstet.</p>
<p>Das sehen Kritiker allerdings anders. Der Agrarökonom José Eli da Veiga sagt düster voraus, das neue ­Gesetz werde vor allem den »Billig­export von Naturressourcen aus Amazonien« in Form von Rindfleisch beflügeln. Damit widerspreche es den Zielen der brasilianischen Klimapolitik und den Bestrebungen, sagte da Veiga.</p>
<p>Auch die größte internationale ­Naturschutzorganisation, der World Wide Fund For Nature (WWF), reagiert entsetzt. Er befürchtet, dass die geplanten Lockerungen insgesamt zur Zerstörung von rund 76,5 Millionen Hektar Regenwald führen. Dies entspräche der Fläche von Deutschland, Österreich und Italien zusammen. »Der brasilianische Staat ist vor der Agrarlobby eingeknickt«, resümiert Eberhard Brandes, Vorstand von WWF-Deutschland.</p>
<p>Die Aufweichung des Waldgesetzes betrifft aber nicht nur den Regenwald im Amazonasgebiet. Im ganzen Land sollen Schutzgebiete an Flussufern zum Teil erheblich verringert und die landwirtschaftliche Nutzung an Berghängen und Kuppen ausgeweitet werden. Dabei kommt es schon jetzt bei heftigen Regenfällen in dicht besiedelten Gebieten regelmäßig zu großen Erdrutschen mit zahlreichen Todesopfern. Auch weil im kommenden Juni ein großer UN-Umweltgipfel »Rio+20« in Rio de Janeiro stattfindet, hoffen Umweltschützer nun auf das Veto der Präsidentin.</p>
<p><em>Gerhard Dilger, (epd)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zum politischen Handeln ermutigen</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/12/zum-politischen-handeln-ermutigen/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 12:26:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Christen im Nahen Osten]]></category>
		<category><![CDATA[christliches Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[SAT 7]]></category>

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		<description><![CDATA[Naher Osten: Der Fernsehsender »SAT 7« trägt die Botschaft von Christus in die arabisch sprechende Welt
Die Satellitentechnik macht es möglich, dass christliches Fernsehen überall im Nahen Osten und in Nordafrika zu empfangen ist. »SAT 7« heißt der Sender, der derzeit vor ganz neuen Aufgaben steht.
Weißer Schnee, geschmückte Tannenbäume und blonde Kinder, die die Weihnachtsgeschichte erleben: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Naher Osten: Der Fernsehsender »SAT 7« trägt die Botschaft von Christus in die arabisch sprechende Welt</strong></p>
<p>Die Satellitentechnik macht es möglich, dass christliches Fernsehen überall im Nahen Osten und in Nordafrika zu empfangen ist. »SAT 7« heißt der Sender, der derzeit vor ganz neuen Aufgaben steht.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="wp-caption  " title="Zum politischen Handeln ermutigen" src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/12-Bild-1.jpg" alt="Die elektronischen Augen gen Himmel gerichtet: Blick auf die Wohnhäuser auf der Nil-Insel Zamalek in Kairo mit ihrem Wald von Satellitenschüsseln. Foto:picture alliance/ZB/Matthias Tödt" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Die elektronischen Augen gen Himmel gerichtet: Blick auf die Wohnhäuser auf der Nil-Insel Zamalek in Kairo mit ihrem Wald von Satellitenschüsseln. Foto:picture alliance/ZB/Matthias Tödt</p></div>
<p>Weißer Schnee, geschmückte Tannenbäume und blonde Kinder, die die Weihnachtsgeschichte erleben: Was in den vergangenen Wochen über die Bildschirme in den Wohnstuben des Nahen Ostens flimmerte, hat auf den ersten Blick mit den Ländern des Vorderen Orients nicht viel zu tun. Es war ein TV-Adventskalender aus Norwegen, den das christliche Fernsehprogramm »SAT 7« eingekauft und übersetzt hat. </p>
<p>»Natürlich mussten wir im Vorspann erklären, was Schnee ist«, lacht Kurt Johansen. Der Däne ist Europa-Referent des Fernsehsenders, der 1995 von dem Briten Terence Ascott gegründet wurde, und mittlerweile aus Studios in Kairo, Beirut und Zypern auf vier Kanälen christliche Fernsehprogramme in arabischer, ­türkischer und persischer Sprache sendet.</p>
<p>Zwischen acht und zehn Millionen Menschen zwischen Marokko und dem Iran schalten die Sendungen regelmäßig ein. Eingekaufte Sendungen wie der norwegische Adventskalender sind dabei die Ausnahme. Immerhin 70 Prozent der Programme werden in enger Zusammenarbeit mit einheimischen Kirchen vor Ort produziert, etwa gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land. Deren palästinensischer Bischof Munib Younan, der auch Präsident des Lutherischen Weltbundes ist, gehört ebenso zum Vorstand des Senders wie der in Bethlehem ansässige Pfarrer Mitri Raheb.</p>
<p>Wobei sich durch die arabische ­Revolution auch für »SAT 7« viel geändert hat. »Nichts ist mehr, wie es war«, sagt Kurt Johansen. Die Christen im Nahen Osten seien einerseits in Ländern wie Ägypten stark unter Druck geraten, andererseits habe »SAT 7« zum ersten Mal überhaupt einen Fernsehgottesdienst aus Algerien übertragen. Bislang hätten sich christliche Gemeinden in dem nordafrikanischen Land aus Angst vor Verfolgung geweigert, an die Öffentlichkeit zu gehen.</p>
<p>Und während der Sender früher jeden Bezug zur Politik krampfhaft zu vermeiden suchte, bemühe sich »SAT 7« nun, die Christen der ­Region zum politischen Engagement und mit speziell produzierten Videoclips zum Verbleib in ihren Heimatländern zu motivieren. Denn allein im vergangenen Jahr hätten rund 100000 Christen aus dem Nahen Osten ihre Heimatregion verlassen.</p>
<p>Auch verstärke »SAT 7« Johansen zufolge den Anteil der Live-Sendungen: Ein Programm mit dem Titel »Licht und Salz« stelle demnach aktuelle politische Ereignisse aus Sicht der arabischen Kirchen dar. »Früher hatten die Christen der Region entweder keine Möglichkeit, zur Wahl zu gehen oder sie sind zu Hause geblieben«, so Johansen. Durch politisches Engagement könnten jedoch die Lebensverhältnisse in den arabischen Ländern auch für Christen besser werden.</p>
<p>»Wir reden heute deutlich offener über die Situation der Christen im ­Nahen Osten als früher«, bekennt der Europa-Referent. Dabei sei es »SAT 7« wichtig, keinen Hass gegen die Regierungen zu erzeugen, sondern auch mit Muslimen im Dialog zu bleiben. »Wir ergreifen keine Partei, wir vermitteln«, so Johansen.</p>
<p>Finanziert werden die Programme von »SAT 7« überwiegend durch Spenden aus Europa und Nordamerika. Rund eine Million Euro pro Jahr kommen allein aus Skandinavien, wo nicht nur die Kirchen, sondern auch die Regierungen »SAT 7« unterstützen. Denn manche Programme des Senders, etwa Sendungen über Gesundheitsvorsorge oder ein Alphabetisierungskurs für Erwachsene, werden etwa von der norwegischen Regierung als Entwicklungshilfe gefördert.</p>
<p>In Deutschland wird das Fernsehprogramm dagegen bisher nur von Kirchen und kirchlichen Werken ­unterstützt. Zu den Förderern zählen etwa die Landeskirchen Bayerns und Württembergs, die Evangelisch-methodistische Kirche, das Nordelbische Missionszentrum und verschiedene andere landeskirchliche Missionswerke.</p>
<p><em>Benjamin Lassiwe</em></p>
<p><a href="http://www.sat7.org/">www.sat7.org</a> (nur in Englisch)</p>
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		<item>
		<title>Mit Judenstern und KZ-Jacken</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2012/01/05/mit-judenstern-und-kz-jacken/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 11:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Netanjahu]]></category>
		<category><![CDATA[Charedim]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen im Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralrat der Juden]]></category>

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		<description><![CDATA[Israel: Der Konflikt zwischen ultraorthodoxen und liberalen Israelis nimmt groteske Formen an
Schon lange schwelt in der israelischen Gesellschaft der Konflikt zwischen den Vertretern des ultraorthodoxen Judentums und den Vorstellungen vieler Israelis von einer liberalen Gesellschaft. Derzeit eskaliert er.
Der Streit zwischen den radikal religiösen und weltlichen Israelis nimmt immer groteskere Züge an. In schwarz-weiß gestreiften KZ-Anzügen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Israel: Der Konflikt zwischen ultraorthodoxen und liberalen Israelis nimmt groteske Formen an</strong><br />
<div id="attachment_5006" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Eine-Welt212.jpg" alt="Mit dem nationalsozialistischen Judenstern an der Brust demonstrieren ultraorthodoxe Juden in Jerusalem. Sie fühlen sich verfolgt, weil die Mehrheitsgesellschaft ihre Forderungen etwa nach Trennung der Geschlechter in der Öffentlichkeit nicht akzeptiert. Foto: picture alliance/epa/Jim Hollander" title="Eine-Welt212" width="580" height="396" class="size-full wp-image-5006" /><p class="wp-caption-text">Mit dem nationalsozialistischen Judenstern an der Brust demonstrieren ultraorthodoxe Juden in Jerusalem. Sie fühlen sich verfolgt, weil die Mehrheitsgesellschaft ihre Forderungen etwa nach Trennung der Geschlechter in der Öffentlichkeit nicht akzeptiert. Foto: picture alliance/epa/Jim Hollander</p></div><br />
Schon lange schwelt in der israelischen Gesellschaft der Konflikt zwischen den Vertretern des ultraorthodoxen Judentums und den Vorstellungen vieler Israelis von einer liberalen Gesellschaft. Derzeit eskaliert er.</p>
<p>Der Streit zwischen den radikal religiösen und weltlichen Israelis nimmt immer groteskere Züge an. In schwarz-weiß gestreiften KZ-Anzügen und mit dem gelben Judenstern am Revers und erhobenen Händen zogen einige von insgesamt rund 1000 ultraorthodoxen Männern und Kindern am vergangenen Wochenende in Jerusalem auf die Straße – gegen die »Verdrängung der Charedim«, wie sie sich nennen.</p>
<p>In Nazideutschland habe man die Juden physisch verfolgt, in Israel gehe es um die ideologische Verfolgung der Ultraorthodoxen, rechtfertigten einige Demonstranten den Missbrauch der Symbole. Auslöser für den eskalierenden Konflikt war eine Reihe von Übergriffen radikaler frommer Juden gegen Mädchen und Frauen. Auf ihren Druck hin wurden Frauen etwa aufgefordert, im Bus separate hintere Plätze einzunehmen.</p>
<p><strong>Dürfen Frauen auch vorn im Bus sitzen?</strong><br />
Am 27. Dezember hatten sich zum ersten Mal einige Tausend weltliche Israelis versammelt, um gegen die von den Ultraorthodoxen ­vorangetriebene Verdrängung der Frauen aus dem öffentlichen Leben zu demonstrieren. Beide Lager haben dabei ihre Helden. Der Protest am vergangenen Sonnabendabend galt der Solidarität mit dem ultraorthodoxen Rabbi Schmuel Weisfisch, der am 1. Januar eine zweijährige Gefängnishaft antreten musste, weil er einen Computerladen verwüstete. Sein gläubiger Mitstreiter Schlomo Fuchs steht seit einigen Tagen unter Hausarrest, nachdem er die Soldatin Doron Matalon eine »Hure« schimpfte, weil sie sich weigerte, seiner Aufforderung nachzukommen und in den hinteren Teil des Busses umzuziehen. Dutzende Bewunderer begleiteten ihn vor Gericht.</p>
<p>Umgekehrt gehört für die Liberalen Tanja Rosenblit zu den Heldinnen, die dem massiven Druck frommer Männer standhielten und sich nicht von ihren Plätzen vertreiben ließen. Genauso wie die achtjährige Schülerin Naama Margolese, die von mehreren erwachsenen Männern beschimpft und sogar angespuckt worden war, weil sie ihren Vorstellungen von keuscher Bekleidung nicht entsprach. Der Übergriff auf das zierliche Kind löste die ersten großen weltlichen Proteste aus. Auch orthodoxe Juden und sogar einige Charedim waren unter den Demonstranten, ihnen waren die Radikalen zu weit gegangen.</p>
<p><strong>Liberale Juden warnen vor der »Verschwarzung«</strong><br />
»Mit den frauenfeindlichen Übergriffen haben sie eine rote Linie überschritten«, erklärt Ram Vromen, Mitgründer des »Forums zum Schutz des weltlichen Charakters in den Nachbarschaften landesweit«, der erklärtermaßen gegen die »Verschwarzung« israelischer Ortschaften und Städte kämpft. Vromen warnt schon lange auf einer Internetseite, bei Diskussionsveranstaltungen und Demonstrationen vor dem schleichenden und steten Vormarsch der Frommen. »Gut, dass die Liberalen endlich aus ihrem Phlegmatismus aufgewacht sind.«</p>
<p>Obschon seine Gruppe nur von Weltlichen gegründet wurde, spricht für Vromen nichts gegen eine Zusammenarbeit mit Religiösen. »Für uns spielt es keine Rolle, ob jemand eine Kipa auf dem Kopf trägt«, sagt er. »Wichtig ist, ob er einen religiös­fundamentalistischen Staat will oder einen liberalen.« Die Tatsache, dass in einem Land, das schon vor über 40 Jahren von einer Frau regiert wurde, heute Frauen um die vorderen Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln kämpfen müssen, scheint paradox. Schuld daran sind vor allem demografische Veränderungen seit den Tagen Golda Meirs. Jeder vierte Schulanfänger stammt heute aus dem ultraorthodoxen Sektor.</p>
<p><strong>Zunehmende Radikalisierung der Ultraorthodoxen</strong><br />
»Die Charedim glauben, dass sie über größere politische Macht verfügen«, sagt Vromen. »Sie erleben in letzter Zeit eine Radikalisierung.« Nirgends werden die Gegensätze deutlicher als in der Knesset (Parlament). Die Oppositionsführerin ist eine Frau und die Führung der Arbeitspartei liegt ebenso in den Händen einer Frau. Dennoch gibt es Parteien, in denen Frauen gar nicht erst zugelassen werden. Die beiden Koalitionsparteien Schass und Agudat Israel etwa sind frauenfreie Organisationen.</p>
<p>Schon signalisieren Meinungsumfragen den jüngsten Demonstrationen folgend einen Popularitätsschub für die Politikerinnen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unternimmt derweil eine Gratwanderung. Einerseits spricht er sich für Gleichberechtigung aus, zum anderen will er seine ultra­orthodoxen Regierungspartner nicht verprellen. Die Rabbiner in Israel, die für eine Abkühlung der erhitzten Gemüter sorgen könnten, bleiben bisher stumm.</p>
<p>In Deutschland äußert sich derweil der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, kritisch zur jüngsten Instrumentalisierung des Nationalsozialistischen Völkermordes durch die Ultraorthodoxen. »Die Bilder haben mich schockiert«, so Graumann gegenüber dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Er schäme sich dafür, dass ausgerechnet Juden ein »Zerrbild des Holocaust« lieferten. Das sei »geschichtslos und geschmacklos«.</p>
<p><em>Susanne Knaul</em> (epd)</p>
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		<title>»Haltet durch, seid stark«</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 15:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Kopten]]></category>
		<category><![CDATA[Wadi al-Natrun]]></category>

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		<description><![CDATA[Reportage: Christen zwischen Angst und Hoffnung&#xA0; – die Kopten verstehen sich als die ursprünglichen Ägypter
Seit Jahrhunderten sind die koptischen Christen Ägyptens unterdrückt und benachteiligt. Die Hoffnungen, dass sich infolge der »Arabellion« etwas ändert, schwinden zusehends.
Der Evangelist Matthäus berichtet davon, wie Maria, Josef und der Neugeborene Jesus auf ihrer Flucht vor den Schergen des Herodes nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reportage: Christen zwischen Angst und Hoffnung&#xA0; – die Kopten verstehen sich als die ursprünglichen Ägypter</strong><br />
<div id="attachment_4959" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2012/01/Eine-Welt_112.jpg" alt="Den Blick fest auf das Kreuz gerichtet: Bruder Joaquin im Kloster St. Bischoi. Foto: Andreas Boueke" title="Eine-Welt_112" width="300" height="513" class="size-full wp-image-4959" /><p class="wp-caption-text">Den Blick fest auf das Kreuz gerichtet: Bruder Joaquin im Kloster St. Bischoi. Foto: Andreas Boueke</p></div><br />
Seit Jahrhunderten sind die koptischen Christen Ägyptens unterdrückt und benachteiligt. Die Hoffnungen, dass sich infolge der »Arabellion« etwas ändert, schwinden zusehends.</p>
<p>Der Evangelist Matthäus berichtet davon, wie Maria, Josef und der Neugeborene Jesus auf ihrer Flucht vor den Schergen des Herodes nach Ägypten gezogen sind. Dabei sollen sie auch durch die unwirtliche Gegend von Wadi el-Natrun gekommen sein. Zahlreiche Kultstätten erinnern an die Reise. Schon zu Beginn des vierten Jahrhunderts haben sich christliche Eremiten in diese Klöster und Kirchen zurückgezogen. Heute ist die Wüstenlandschaft Wadi al-Natrun eine Hochburg christlichen Lebens in Ägypten.</p>
<p>Die meisten Christen in Ägypten sind Kopten. Das Wort Kopt kommt von Aigyptios. Deshalb sagen viele Kopten, sie seien die ursprünglichen Ägypter. Die Araber sind erst im Jahr 620 nach Christus in das Nildelta gekommen.</p>
<p>Das wohl älteste koptische Kloster ist das von el Baramus. Hier lebt ein junger Mönch, der seinen Namen nicht nennen möchte. Aber über sein Leben gibt er Auskunft: »Ich verlasse das Kloster nur sehr, sehr selten. In zwölf Jahren bin ich dreimal raus gegangen. Ich habe dieses Leben selbst gewählt. Deshalb empfinde ich es nicht als eine Beeinträchtigung meiner Freiheit.«</p>
<p>In den Klöstern von Wadi el-Natrun leben heute mehrere hundert Mönche in selbst auferlegter Armut und Enthaltsamkeit. Ihr Leben ist geprägt von Ritualen und Bräuchen. Die Mönche spüren nur wenig von den umwälzenden Ereignissen, die die ägyptische Gesellschaft zurzeit erlebt. »Wir kümmern uns nicht um Politik.</p>
<p>Aber immer mal wieder kommen Leute von außerhalb, die uns Nachrichten bringen. Wir haben eine Meinung, so wie jeder Mensch. Ich glaube, dass die Islamisierung des Landes zunimmt. Es gibt jetzt zwar mehr Freiheiten, aber nicht für Christen«, so der junge Mönch.</p>
<p>Bei den Demonstrationen im Januar des vergangenen Jahres gegen den Despoten Mubarak haben Kopten und Moslems Schulter an Schulter protestiert. Doch die Solidarität lässt nach. Die politischen und sozialen Umwälzungen haben neue Freiheiten für die Bevölkerung gebracht. Dazu gehört aber auch die Freiheit, ungestraft religiöse Minderheiten zu diskriminieren. In Ägypten leben weit über 80 Millionen Menschen. Nur rund fünf Millionen von ihnen sind Kopten.</p>
<p>Gewalttätige Übergriffe gegen christliche Gemeinden gab es auch während der 30jährigen Herrschaft Hosni Mubaraks. Doch die Berichterstattung darüber wurde häufig unterdrückt. Seit der Revolution sind solche Informationen weitgehend frei verfügbar.</p>
<p>Deshalb wissen die Kopten im ganzen Land genau, dass im Laufe der vergangenen Monate viele Kirchen in Brand gesetzt und Dutzende ihrer Glaubensbrüder ermordet wurden. Zu solchen Gewaltausbrüchen kommt es besonders dann, wenn Christen Selbstbewusstsein zeigen und gegen die latente Einschränkung ihrer Religionsfreiheit protestieren.</p>
<p>Diese Diskriminierung hat Tradition in Ägypten. Selbst der ehemalige Präsident und Friedensnobelpreisträger Anwar as-Sadat gilt als Gegner der Religionsfreiheit für Christen. Im Jahr 1981 verbannte er den koptischen Papst in das Kloster Sankt Bischoi. Erst vier Jahre später wurde das Oberhaupt der orthodoxen Kopten von Sadats Nachfolger Mubarak freigelassen.</p>
<p>St.&#xA0;Bischoi ist jetzt die zweite Residenz des koptischen Papstes Shenouda. Auch 120 Mönche leben in dem Kloster. Einer von ihnen ist Bruder Joaquin. Er sitzt auf einem Bett aus Holzplanken in einem kargen Raum, der nicht größer ist als fünf Quadratmeter. »Dies ist eine Mönchszelle aus dem neunten Jahrhundert«, sagt Bruder Joaquin. Während sich die Menschen in Ägypten auf grundlegende Veränderungen einstellen müssen, bleibt das Leben der Mönche in den Klöstern weitgehend gleich.</p>
<p>»Das System für uns ist jeden Tag dasselbe. Wir beten für die Menschen, die draußen leben. Außerdem haben wir täglich ein spirituelles Programm zu leisten, in dem wir für den Frieden beten.«</p>
<p>In der Kirche der Heiligen Barbara im alten Zentrum Kairos endet gerade ein Gottesdienst. Der Priester Sarabamoni Zaki ist in sein luxuriös ausgestattetes Büro gegangen. Der Mann hat einen langen, grauen Bart. Früher war er gut rasiert. Er meint, die Situation der Kopten habe sich durch die Revolution spürbar verändert: »Seit dem 25.&#xA0;Januar haben einige Christen Angst. Wir wissen nicht, was geschehen wird. Der moslemische Flügel bemüht sich heftig um die Macht. So etwas haben wir in den vergangenen 30 Jahren noch nicht erlebt.«</p>
<p>Die meisten koptischen Würdenträger sagen, sie seien froh darüber, dass es der Bevölkerung gelungen ist, Mubarak zu stürzen. Aber sie vermissen auch einige Vorzüge des alten Regimes. »Ich würde nicht sagen, er war gut oder er war schlecht. Aber es gab nicht diese Unsicherheit, unter der wir jetzt leiden. Wir verstehen, dass dies eine Übergangsphase ist. Aber wie wird das Ende dieser Phase aussehen? Nur Gott weiß das.«</p>
<p>Der Priester macht sich Sorgen um die Zukunft der Kopten in Ägypten. Trotzdem sieht er keinen Grund, sich zu verstecken: »Den jungen Leuten sage ich: Haltet durch, seid stark. Ihr müsst euch unter die Moslems mischen und mit ihnen zusammen leben. Habt keine Angst. Macht sie zu euren Freunden und erklärt ihnen eure Sorgen. Werdet nie wütend oder nervös. Seid respektvoll und sprecht friedlich.«</p>
<p><em>Andreas Boueke</em></p>
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		<title>Wo alles begann</title>
		<link>http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2011/12/24/wo-alles-begann/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 09:43:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bethlehem]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Jesu Geburt]]></category>
		<category><![CDATA[Zankapfel]]></category>

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		<description><![CDATA[&#xA0;
Bethlehem: Hier soll nach der Tradition in einer als Stall genutzten Grotte Maria den Heiland geboren haben.

&#xA0;
Wo sie steht, soll sich einst die Geburt des Friedefürsten ereignet haben. Doch bis heute geht es in und um die Geburtskirche in Bethlehem mitunter alles andere als friedlich zu.
&#xA0;
Im vierten Jahrhundert nach Christus machte die byzantinische Königinmutter Helena [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4936" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Bethlehem.jpg" alt="Eine Frau berührt den Stern in der Geburtsgrotte unter der Geburtskirche in Bethlehem. Er trägt die Inschrift »Hic de ­Virgine Maria Jesus Christus natus est« - »Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren«.	Foto: epd-bild/Kobi Wolf." title="Bethlehem" width="580" height="387" class="size-full wp-image-4936" /><p class="wp-caption-text">Eine Frau berührt den Stern in der Geburtsgrotte unter der Geburtskirche in Bethlehem. Er trägt die Inschrift »Hic de ­Virgine Maria Jesus Christus natus est« - »Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren«.	Foto: epd-bild/Kobi Wolf.</p></div><br />
&#xA0;</p>
<h5><strong>Bethlehem:</strong> Hier soll nach der Tradition in einer als Stall genutzten Grotte Maria den Heiland geboren haben.</h5>
<p><strong><br />
&#xA0;<br />
Wo sie steht, soll sich einst die Geburt des Friedefürsten ereignet haben. Doch bis heute geht es in und um die Geburtskirche in Bethlehem mitunter alles andere als friedlich zu.</strong><br />
&#xA0;<br />
Im vierten Jahrhundert nach Christus machte die byzantinische Königinmutter Helena eine Reise ins Heilige Land und lokalisierte dabei die meisten traditionellen Heiligen Stätten – so etwa den Berg Sinai, die Grabeskirche und die Geburtsgrotte Jesu. Zwischen 327 und 333 ließ Kaiser Konstantin eine erste Basilika bauen. Als im 7. Jahrhundert die Perser alle Kirchen des Landes dem Erdboden gleichmachten, blieb die Geburtskirche verschont. Der persische Kommandeur soll von einem Fresko der Drei Weisen aus dem Morgenland so beeindruckt gewesen sein, dass er das christliche Gotteshaus stehen ließ: Die drei Magier waren persisch gekleidet.<br />
&#xA0;<br />
Bis in die jüngste Zeit hinein hat die Geburtskirche eine bewegte Geschichte und ist Gegenstand des Streites christlicher Konfessionen. Mitte des 19. Jahrhunderts war sie einer der Hauptgründe dafür, dass die Franzosen in den Krimkrieg gegen Russland einstiegen. Auch während der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen wurde sie immer wieder Schauplatz von Kämpfen. Im Frühjahr 2002 verschanzte sich eine Gruppe militanter Palästinenser in dem Gebäude und wurde von der israelischen Armee belagert.<br />
&#xA0;<br />
Die heutige, im fünften Jahrhundert errichtete Kirche, gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Bauten aus der frühen Christenheit und hat für viele Menschen eine geradezu mystische Ausstrahlung. Selbst muslimische Frauen kommen, stecken ihre Finger in kreuzförmige Löcher einer der uralten Säulen und bitten um Fruchtbarkeit. Palästinensische Christen bringen ihre Neugeborenen an den Geburtsort des Herrn. Sie versprechen sich davon einen besonderen Segen.<br />
<strong>&#xA0;<br />
Zankapfel der Politik und der Konfessionen </strong><br />
Zu Weihnachten geht es in Bethlehem hoch her. Am späten Vormittag des 24. Dezember wird der lateinische Patriarch, der seinen Sitz in Jerusalem hat, von Bevölkerung und Geistlichkeit Bethlehems pompös vor der Geburtskirche empfangen. Aus der katholischen Katharinenkirche, direkt neben der orthodoxen Basilika gelegen, wird am Heiligabend die Christvesper weltweit im Fernsehen übertragen.<br />
&#xA0;<br />
Nachdem der Moslem Jasser Arafat zum Weihnachtsfest 1995 an diesen Festivitäten teilgenommen hatte, erlebten sie eine zunehmende Politisierung. Zu Ehren des PLO-Vorsitzenden wurde damals ein Modell des Felsendoms auf dem Dach der Geburtskirche platziert, was Beobachter als Demonstration der Herrschaft des Islam über die heiligste christliche Stätte ­interpretierten. Erstmals in der Geschichte der Geburtskirche hing eine Nationalflagge, die palästinensische, an der Kirchenmauer – was weder unter den Türken, noch unter Briten, Jordaniern oder Israelis jemals der Fall gewesen war.<br />
&#xA0;<br />
Auch ohne Weltpolitik bietet das Areal genug Zündstoff für Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen christlichen Denominationen, die Anspruch auf die Geburtsgrotte Jesu erheben. Besonders zu Festzeiten wird jeder Tritt einer Prozession, die genaue Länge von Gottesdienstzeiten, jeder Besenstrich eines Mönchs beim Hausputz vor dem Fest, mit eisernem Ernst durchfochten. Deshalb haben die britischen Kolonialherren 1929 jede Einzelheit im sogenannten »Status quo« schriftlich dokumentiert, nachdem dieser 1856 in Paris festgelegt und auf dem Berliner Kongress 1878 und im Vertrag von Versailles 1919 noch einmal bestätigt worden war.<br />
&#xA0;<br />
Zwar konnten die römischen Katholiken (Lateiner) mit Dokumenten aus dem 17. und 18. Jahrhundert<br />
ihre uralten Ansprüche »beweisen«. Durchgesetzt haben sich aber die ­Orthodoxen, die heute das alleinige Recht besitzen, im Hauptschiff der kreuzförmigen Kirche Prozessionen abhalten zu dürfen. Die Armenier, die im nördlichen Querschiff sitzen, dürfen das Hauptschiff nur auf dem Weg in ihren Bereich durchqueren. Und die Lateiner, die den Krippenaltar in der Grotte besitzen, haben nur Durchgangsrechte vom Haupteingang zum Eingang ihres Konvents, und von ihrer Kirche in einer geraden Linie durch das nördliche Querschiff zur Nordtür der Grotte.<br />
&#xA0;<br />
Sie dürfen keinerlei religiöse Zeremonien in der Basilika durchführen und dürfen dort auch nicht putzen. Die eifrigen Nachfolger des Friedefürsten kämpfen um jeden Quadratzentimeter, um jedes Quäntchen Staub, um jedes Jota Rechtsanspruch. Was zuweilen bis zu blutigen Schlägereien führt. Die Staatsmacht wird in solchen Fällen zur Schlichtung gerufen. Vor einigen Jahren war das noch die israelische Militärregierung, heute ist es die Palästinensische Autonomiebehörde.<br />
&#xA0;<br />
Die westliche Christenheit kümmert der kleinliche Streit um den Geburtsort Jesu nur wenig. Sie feiert Weihnachten am 24. Dezember – und am Abend dieses Tages sind die Lateiner Alleindarsteller in der Geburtskirche. Die evangelischen Lutheraner haben ihre Weihnachtskirche Luftlinie ein paar Hundert Meter entfernt auf der anderen Seite der Altstadt von Bethlehem und erheben keinen Besitzanspruch auf den angeblich originalen Geburtsort Jesu. Und die orthodoxen Ostkirchen feiern das Christfest erst am 6. Januar.<br />
&#xA0;<br />
Der wichtige Großputz, beim dem jeder Besenstrich ein Akt von weltpolitischer Bedeutung ist, weil es weniger um Sauberkeit als um Besitzansprüche geht, ist ein Streitpunkt ­zwischen Gläubigen der Ostkirchen. Auch er findet erst im Januar statt, wenn für die Westkirche das Weihnachtsfest schon längst im Rummel von Silvester und Jahreswechsel verklungen ist.<br />
&#xA0;<em><br />
Johannes Gerloff</em></p>
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		<title>Griechische Weihnacht: Fest ohne Hoffnung</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 11:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Thessaloniki]]></category>

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		<description><![CDATA[Reportage: Mildes Wetter, dennoch harte Zeiten – immer mehr Hellenen kehren ihrer Heimat den Rücken zu
Die Krise in Griechenland wird immer drastischer. Die Wirtschaft liegt brach. Angesichts der Perspektivlosigkeit denken viele Menschen
an Auswanderung&#xA0;– nicht nur die ganz jungen.
Das Wetter ist mild. In den letzten Tagen vor Weihnachten ist das ungewöhnlich für Nordgriechenland. Die Bewohner sind zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reportage: Mildes Wetter, dennoch harte Zeiten – immer mehr Hellenen kehren ihrer Heimat den Rücken zu</strong><br />
<div id="attachment_4888" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Griechenland2.jpg" alt="Die Gespenster der Schuldenkrise inspirieren auch griechische Graffiti-Künstler – wie hier auf einem Ladentor in der Hauptstadt Athen. Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Aristidis Vafeiadakis" title="Griechenland" width="580" height="387" class="size-full wp-image-4888" /><p class="wp-caption-text">Die Gespenster der Schuldenkrise inspirieren auch griechische Graffiti-Künstler – wie hier auf einem Ladentor in der Hauptstadt Athen. Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Aristidis Vafeiadakis</p></div><br />
Die Krise in Griechenland wird immer drastischer. Die Wirtschaft liegt brach. Angesichts der Perspektivlosigkeit denken viele Menschen<br />
an Auswanderung&#xA0;– nicht nur die ganz jungen.</p>
<p>Das Wetter ist mild. In den letzten Tagen vor Weihnachten ist das ungewöhnlich für Nordgriechenland. Die Bewohner sind zu dieser Jahreszeit einen rauen Seewind gewohnt. Vor allem in der Hafenstadt Thessaloniki tobt er sich aus. Ganz ­anders in diesem Jahr: Bei angenehmen 13 Grad und Sonnenschein herrscht dichtes Gedränge in der Innenstadt.</p>
<p>Die Massen ziehen an den Schaufenstern entlang, trotz der Krisen­situation herrscht in der Millionenmetropole noch Kauflaune&#xA0;– so als wolle man sich und seinen Liebsten ein letztes Mal etwas gönnen. Dennoch: Von einem regen Konsum vor dem Fest kann allerdings keine Rede sein. Etliche Beschäftigte warten seit Monaten auf ihre Bezahlung. Andere mussten Gehaltskürzungen von mehreren Hundert Euro hinnehmen. Oder sie waren vom massiven Stellenabbau in ihrer Firma betroffen. Wer noch regelmäßig rund 1200 Euro im Monat bekommt, kann sich glücklich schätzen. Die Lebenshaltungskosten sind denen in Deutschland vergleichbar.</p>
<h5>»Ausverkauf« – Vorzeichen für kältere Tage</h5>
<p>&#xA0;<br />
Dass die Zeiten sich radikal geändert haben, tritt auch in der City von ­Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, deutlich zutage. Geschäftsleute klagen über einbrechende Umsätze. An beinah allen Läden gibt es Schilder, die mit Extrem-Rabatten locken. Preisnachlässe bis zu 50 Prozent sind die Regel. Bargeld muss dringend in die Kassen. Auch solche Hinweise sind zuhauf ausgehängt: »Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe« oder »Zu vermieten«. Täglich mehren sich diese Ankündigungen.</p>
<p>Vorzeichen kälterer Tage, Zeiten sozialer Härte. Weihnachten ist in Griechenland in diesem Jahr ein Fest ohne Hoffnung. Für die elf Millionen Hellenen, die zu 98 Prozent orthodox sind, ist es eine notwendige Auszeit vor den massiven Sorgen des Alltags. Die Angst vor Jobverlust, sozialem Abstieg und anhaltender Perspektiv­losigkeit geht um. Viele sehen eine Chance nur noch im Auswandern, auch wenn sie schon ein gesetzteres Alter erreicht haben.</p>
<p>Zu ihnen gehört der 46-jährige ­Kriton Grigoriou. Sein Ziel lautet: Melbourne in Australien. »Ich habe ein Touristenvisum für den Sommer, werde bei einem Verwandten wohnen und mich nach Arbeit umsehen«, berichtet er nüchtern. Die Lage in Griechenland sei »sehr schlecht«&#xA0;– und Aussicht auf zügige Besserung gebe es nicht.</p>
<p>Grigoriou hat in den USA und in England studiert. Sport und Tourismus-Management. Lange hat er in ­einem Reiseunternehmen gearbeitet, dann wurde ihm infolge der Krise gekündigt. Er schlug sich als Aufseher im Byzantinischen Museum von Thessaloniki durch, doch seit einem Monat ist er wieder arbeitslos. »Ein halbes Jahr lang erhalte ich den Einheitssatz von 450 Euro staatlicher Unterstützung«, sagt er.<br />
Die Arbeitslosenhilfe ist in Griechenland zeitlich nach der Beschäftigungsdauer gestaffelt. Maximal wird sie ein Jahr lang gezahlt. Danach fallen viele ins Bodenlose. Sozialhilfe gibt es in Griechenland nicht.</p>
<p>Grigoriou sieht in der Übersiedlung auf den fünften Kontinent seine einzige Möglichkeit, wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen. Die Zeit drängt. Er erklärt: »Einwandern kann man in Australien nur bis zum 50.&#xA0;Lebensjahr. Vorausgesetzt, dass man einen Beruf hat, bei dem Nachfrage besteht.« Das gelte besonders für Ärzte, Mechaniker, Pflegekräfte und eben Tourismus-Experten. Mulmig sei ihm schon zumute angesichts des Wechsels in eine neue Welt. Doch immerhin spricht er fließend Englisch und hat seine berufliche Ausbildung im angelsächsischen Ausland absolviert.</p>
<h5>Heute gehen Fachkräfte&#xA0;– morgen fehlen sie dem Land</h5>
<p>&#xA0;<br />
Der Abzug von Fachkräften&#xA0;– er könnte die Lage in Griechenland ­verschlimmern. Grigoriou weiß allein aus seinem Freundeskreis von vier Personen, die ihr Glück in einem anderen EU-Land suchen wollen. Der Tourismus gilt zwar als jene Branche, in der Griechenland gute Entwicklungschancen hat. Doch Grigoriou, der vom Fach ist, sagt entnervt: »Ich habe allein im letzten Jahr 250 Bewerbungen geschrieben und keine einzige Antwort erhalten.«</p>
<p>Die Wirtschaft liegt am Boden. Und viele befürchten, dass es wegen der Sparauflagen der Regierung noch schlimmer wird. Loukas Papademos, neuer parteiloser Regierungschef, musste als ersten Akt seiner Amtszeit per Unterschrift ein Bekenntnis zum Konsolidierungskurs des Landes abgeben&#xA0;– Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte es gefordert. Auch von den Chefs der Koalitionsparteien, den ­Vorsitzenden der Sozialisten, Konservativen und Rechtspopulisten. Die Schreiben galten als eine der Voraussetzungen für weitere EU-Hilfen.</p>
<p>In Griechenland teilen sich die Meinungen über den Einfluss und die Kontrolle der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über den Haushalt des Landes. Viele sprechen auch von einer zu großen deutschen Dominanz. Andere wiederum sehen gerade in der EU-Führungsrolle Deutschlands die einzige Rettung&#xA0;– nicht nur für das eigene Land. Kriton Grigoriou ist dieser Auffassung: »Die Nachrichten überstürzen sich. Man weiß nicht mehr, was man glauben soll und kann. Fest steht: Ich bin für ein vereintes Europa.« Wie sich die Lage im alten Kontinent entwickelt, wird er aber aus dem fernen Australien beobachten.</p>
<p><em>Gorgio Tzimurtas</em></p>
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		<title>Wege ins »Gelobte Land«</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 08:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gemeinsame Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Gelobte Land]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Sächsische Israelfreunde e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Zionismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Israel: Bis heute wandern Juden aus aller Welt nach Israel ein&#xA0;– drei Beispiele aus drei Generationen
Auslöser war der zunehmende Antisemitismus in Europa: Ende des 19.&#xA0;Jahrhunderts entstand der moderne Zionismus&#xA0;– der Traum vom freien jüdischen Leben im eigenen Land.
Henry Stern gestikuliert unter einem Olivenbaum im Kibbuz Lavi, nahe des Sees Genezareth. Er erzählt von einer amerikanischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Israel: Bis heute wandern Juden aus aller Welt nach Israel ein&#xA0;– drei Beispiele aus drei Generationen</strong><br />
<div id="attachment_4819" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Klagemauer.jpg" alt="Symbol für die Sehnsucht nach Jerusalem: Die Westmauer des früheren Tempels in Jerusalem gilt Juden aus aller Welt als heiliger Ort des Gebets. Fotos: Harald Krille (3), Reinhard Heubner (1)" title="Klagemauer" width="580" height="378" class="size-full wp-image-4819" /><p class="wp-caption-text">Symbol für die Sehnsucht nach Jerusalem: Die Westmauer des früheren Tempels in Jerusalem gilt Juden aus aller Welt als heiliger Ort des Gebets. Fotos: Harald Krille (3), Reinhard Heubner (1)</p></div><br />
Auslöser war der zunehmende Antisemitismus in Europa: Ende des 19.&#xA0;Jahrhunderts entstand der moderne Zionismus&#xA0;– der Traum vom freien jüdischen Leben im eigenen Land.</p>
<p>Henry Stern gestikuliert unter einem Olivenbaum im Kibbuz Lavi, nahe des Sees Genezareth. Er erzählt von einer amerikanischen Reisegruppe, die ihn fragte, wie es komme, dass die Kibbuzim immer in den schönsten Parks gebaut wurden? »Als wir 1949 als junge Männer hier ankamen, gab es nur Steine und Geröll, zwei oder drei Olivenbäume, kein Wasser«, erinnert sich der heute 86-Jährige.</p>
<p>Zehn Jahre zuvor war der in Stuttgart geborene Henry im Alter von 14&#xA0;Jahren im Rahmen einer Kinderevakuierung gerade noch aus Deutschland herausgekommen. Er kam nach England, bereitete sich dort in einem Farmkurs auf die »Alija«, die Auswanderung ins »Gelobte Land«, vor. Viel hat die britische Farmausbildung nicht geholfen. »Immerhin&#xA0;– wir haben gelernt, wie eine Kuh aussieht«, schmunzelt Henry Stern. »Der junge Staat unterstützte uns so gut es ging, aber wir mussten unsere Erfahrungen durch Versuch und Irrtum machen.«<br />
<div id="attachment_4821" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/12-Stern.jpg" alt="Henry Stern" title="Henry Stern" width="250" height="250" class="size-full wp-image-4821" /><p class="wp-caption-text">Henry Stern</p></div><br />
Von den Mühen der Anfangszeit ist nichts mehr zu spüren: 1000 Kühe, 600000 Hühner, 800 Menschen, eine eigene Möbelfabrik und ein Gästehaus in idyllischer Parklandschaft. Aber auch Schutzräume und Bunker in allen Häusern, Kindergärten, Schulen gehören heute zur Heimat von Henry. 4000 Raketen feuerte die Hisbollah im Libanon vor fünf Jahren auf den Norden Israels. Dennoch gibt sich Henry Stern gelassen: »Wir wissen im Nahen Osten doch nie, was morgen passiert«.</p>
<p>Hadar Samalo gehört zu den fast 100000 äthiopischen Juden, die seit den 80er Jahren in teils spektakulären Aktionen aus Not, Verfolgung und Bürgerkrieg evakuiert wurden. Die sogenannten Falascha führen sich selbst auf die Begegnung des biblischen Königs Salomo mit der Königin aus Saba zurück. Den Juden gelten sie als Nachkommen des Stammes Dan. Fest steht, dass sie über Jahrhunderte eine archaische Form des Judentums bewahrten. Und die große Sehnsucht, eines Tages nach Hause, nach Zion zu kommen.<br />
<div id="attachment_4822" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/12-Samalo.jpg" alt="Hadar Samalo" title="Hadar Samalo" width="250" height="280" class="size-full wp-image-4822" /><p class="wp-caption-text">Hadar Samalo</p></div><br />
Die heute 44-jährige Hadar wusste nichts vom Staat Israel, als sie sich 1984 auf den Weg macht. Aber es sollte irgendwie im Sudan die Möglichkeit bestehen, ins »Gelobte Land« zu ­kommen, »dem Land, wo Milch und Honig fließen«. Gemeinsam mit zwölf anderen jungen Leuten vertraut sie sich bezahlten Führern an, wird von ihnen verraten, von Räubern überfallen. Irgendwie schafft sie es bis in ein Flüchtlingslager des Roten Kreuzes im Sudan.</p>
<p>Dort wird sie von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad entdeckt und auf damals noch geheimen Wegen nach Israel gebracht. Lange braucht sie, um sich im modernen Land Israel zurecht zu finden. Kulturen prallen aufeinander. Heute ist sie selbst Leiterin eines Aufnahmezentrums für afghanische Einwanderer in der Nähe von Jerusalem. Wurden ihre übersteigerten Erwartungen an »Zion« nicht enttäuscht? »Nein, ich bin froh und glücklich«, bekennt Hadar Samalo. Die einzige Enttäuschung sei die Erfahrung, dass es säkulare Juden gibt, die die Gebote nicht halten.<br />
<div id="attachment_4823" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/12-Shalicar.jpg" alt="Arye Sharuz Shalicar" title="Arye Sharuz Shalicar" width="250" height="262" class="size-full wp-image-4823" /><p class="wp-caption-text">Arye Sharuz Shalicar</p></div><br />
Zu diesen eher säkularen Juden ­gehört auch der 1977 geborene Arye Sharuz Shalicar. Der heutige Sprecher der israelischen Armee im Range eines Hauptmanns, der fließend zehn Sprachen spricht und Politikwissenschaften und Geschichte studierte, kam vor zehn Jahren nach Israel. Zuvor musste der Sohn iranischer Juden, die vor dem Ajatollah-Regime geflohen waren, wegen ­seiner Abstammung erleben, wie er durch Berlins Straßen gejagt wurde. Nicht von unbelehrbaren Deutschen, sondern von jungen Muslimen. »Diesen neuen muslimischen Antisemitismus in den Straßen Deutschlands habe ich jahrelang am eigenen Leib zu spüren bekommen«, erinnert er sich bitter.</p>
<p>Seine Erfahrungen hat er in dem Buch mit dem Titel »Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude« aufgeschrieben. »Für Deutsche war ich ein Türke, für die Türken und Araber ein verhasster Jude, hier in Israel bin ich als Jude endlich zu Hause&#xA0;– ob ich in die Synagoge gehe oder nicht, hier bin ich Mensch unter Menschen.«</p>
<p>Das ist es auch, was für Reuven Rozen im Mittelpunkt steht. Der Sohn dänischer Juden, die einst mit einem Fischkutter vor der SS flohen, ist einer der leitenden Mitarbeiter des Keren Hayessod. Die Stiftung fördert seit 1920 den Aufbau des Landes und die Integration der Neubürger. Zu den Unterstützern gehören nicht zuletzt Christen in Deutschland (siehe unten). »Jeder Jude auf der Welt kann und soll wissen, dass er jederzeit in ­Israel eine Heimat hat«, so das Credo von Reuven.</p>
<p><a href="http://www.kh-uia.org.il">www.kh-uia.org.il</a></p>
<p><em>Harald Krille</em><br />
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<h5>»Jesus ist ohne Israel nicht zu haben«</h5>
<p>&#xA0;<br />
<strong>Warum Christen Israel unterstützen&#xA0;– drei Fragen an Wilfried Gotter von den Sächsischen Israelfreunden</strong></p>
<p>Eine der größten Israel-Unterstützer-Gruppen im mitteldeutschen Raum sind die Sächsischen Israelfreunde. Soeben wurden sie für ihren Einsatz sogar vom israelischen Parlament geehrt. Drei Fragen an den Geschäftsführer Wilfried Gotter.</p>
<p><em>Seit wann gibt es die Sächsischen Israelfreunde und was ist das Anliegen des Vereins?</em><br />
<strong>Gotter:</strong> Die Sächsischen Israelfreunde wurden nach dem 50.&#xA0;Geburtstag des Staates Israel 1998 gegründet. Auslöser war eine erste große Konferenz in Chemnitz mit fast 6000 Teilnehmern. Seither fanden 15 Sächsische Israelkonferenzen statt. Da Israel in der ­Bibel kein Nebenthema für irgend­welche Spezialisten ist, lohnt es, sich kontinuierlich damit zu beschäftigen. Schwerpunkte unseres Tuns sind die Versöhnungs- und Bildungsarbeit im Blick auf Israel und das Judentum. Dazu gehört etwa auch die Unterstützung von Holocaust-Über­lebenden und Terroropfern. Und wir ermutigen zum Gebet für Israel. Die nächste ­Israelkonferenz findet übrigens am 17.&#xA0;Mai 2012 im Bildungs- und Begegnungszentrum im vogtländischen Reichenbach statt.<br />
<div id="attachment_4830" class="wp-caption alignleft" style="width: 140px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/GotterWilfried-013.jpg" alt="Wilfried Gotter ist Geschäftsführer der Sächsischen Israelfreunde e.V. " title="Wilfried Gotter" width="130" height="173" class="size-full wp-image-4830" /><p class="wp-caption-text">Wilfried Gotter ist Geschäftsführer der Sächsischen Israelfreunde e.V. </p></div><br />
<em>Die Sächsischen Israelfreunde unterstützen unter anderem die Organisation Keren Hajessod. Warum eine dem Zionismus verpflichtete Gruppe?</em><br />
<strong>Gotter:</strong> Christen sind eingepfropft in den edlen Ölbaum Israel: »Nicht du trägst die Wurzel sondern die Wurzel trägt dich.« Man lese dazu den Römerbrief. Da der Jude Jesus ebenfalls Zionist war, wäre es verwunderlich, wenn wir es nicht wären. Wenn man Christ ist, kommt man an Jesus und seinem Land nicht vorbei. Jesus ist ohne Israel nicht zu haben. Geistlich und weltpolitisch haben wir als Christenheit keine Zukunft ohne Israel. Und noch eins ist wichtig: Das jüdische Volk ist das Gerichtskriterium Gottes für die nichtjüdischen Völker, siehe beim Propheten Joel. (Joel 4,1-4)<br />
&#xA0;<br />
<em>Und wie schätzen die Sächsischen ­Israelfreunde die Arbeit des Keren Hajessod ein?</em><br />
<strong>Gotter:</strong> Aus der eben beschriebenen Sicht war und ist es uns eine große Freude, nach unseren Möglichkeiten den Keren Hajessod, der zu den drei großen Säulen der Unterstützung ­Israels gilt, zu helfen. Der Segen fliest zurück&#xA0;– denn wer Israel segnet, soll gesegnet sein! Übrigens die anderen zwei Säulen, die Jewish Agency, die ­offizielle Einwanderungsorganisation Israels, und den Jüdischen Nationalfonds, Keren Kayemeth Leisrael (KKL), unterstützen wir ebenfalls. Beispielsweise durch Baumpflanzungen in der Wüste. Vertreter dieser Organisationen sind natürlich auch auf unseren Konferenzen anwesend.</p>
<p><a href="http://www.zum-leben.de">www.zum-leben.de</a></p>
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		<title>Nur der Tod befreit von den Schulden</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 21:54:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Privatinsolvenz in Polen]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Abstieg]]></category>
		<category><![CDATA[Tadeusz Broś]]></category>

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		<description><![CDATA[Polen: Krankheit, Arbeitsverlust, überzogene Kredite&#xA0;– die Spirale des materiellen und sozialen Abstiegs.
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Polen gehört zwar nicht zur Euro-Zone, hat aber auch eine Krise. Denn immer mehr Menschen sind hoffnungslos überschuldet. Einer der prominentesten: der ­frühere Fernsehmoderator Tadeusz Broś.
ein Gesicht mit dem zuversichtlichen Lächeln erschien vor kurzem wieder in den Medien. So wollte er in Erinnerung bleiben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Polen: </strong><em>Krankheit, Arbeitsverlust, überzogene Kredite&#xA0;– die Spirale des materiellen und sozialen Abstiegs.<br />
&#xA0;</em><br />
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<h5>Polen gehört zwar nicht zur Euro-Zone, hat aber auch eine Krise. Denn immer mehr Menschen sind hoffnungslos überschuldet. Einer der prominentesten: der ­frühere Fernsehmoderator Tadeusz Broś.</h5>
<p><div id="attachment_4787" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2011/12/Tadeusz-Bro_s.jpg" alt="Die Initialen an seiner Jacke erinnerten noch an einstige Glanzzeiten beim Staatsfernsehen: Tadeusz Broś." title="Tadeusz-Bro_s" width="300" height="537" class="size-full wp-image-4787" /><p class="wp-caption-text">Die Initialen an seiner Jacke erinnerten noch an einstige Glanzzeiten beim Staatsfernsehen: Tadeusz Broś.</p></div>Sein Gesicht mit dem zuversichtlichen Lächeln erschien vor kurzem wieder in den Medien. So wollte er in Erinnerung bleiben. Tadeusz Broś, der beliebte Fernsehjournalist der 80er- und 90er-Jahre ist <a href="http://www.tvp.pl/krakow/aktualnosci/spoleczne/pozegnanie-tadeusza-brosia/5585747">mit 62&#xA0;Jahren an ­einem Schlaganfall gestorben</a>. Millionen schauten seine Talkshows, am bekanntesten wurde er durch die Moderation von »Teleranek«, der Kindersendung des staatlichen Fernsehens TVP am Sonntagmorgen.</p>
<p>Doch der Tadeusz Broś der letzten Jahre verkörperte etwas ganz anderes – die Misere des neuen Polens: eine Verschuldung ohne Ausweg und ein sozialer Abstieg ohne Beispiel. Wer ihn in den letzten zwei Jahren traf, traf einen gebeugten Mann mit schlohweißem Haar und verfaulten Zähnen, der sich zum Interview auf eine Suppe einladen musste. Er revanchierte sich dann mit einem Foto aus alten, besseren Zeiten.</p>
<p>Schuld war der Alkohol, munkelten manche, Schuld haben die Schulden, meinte Broś. Vor einigen Jahren kaufte er sich eine Wohnung im Warschauer Stadtteil Praga, nahm dafür umgerechnet 50000 Euro Schulden auf. Dann wurde er länger krank, zudem hatte die rechtskonservative Partei »Recht und Gerechtigkeit« 2006 das Staatsfernsehen übernommen, und diese warf missliebige Redakteure hinaus.</p>
<p>Nach seiner Entlassung im Jahre 2007 fand er keine Arbeit mehr beim Fernsehen. Er, der mit dem Staatsfernsehen Reisereportagen in der ganzen Welt gedreht hatte, lebte einfach weiter auf der Überholspur, überzog Kreditkarten und kam den Zinszahlungen nicht nach. »Wenn Du nicht zahlst, wirst Du’s bereuen«, leuchtete es schließlich in roten Lettern aus den Mahnbriefen der Inkassofirmen.</p>
<p>Er bereute längst. Die Schulden waren auf umgerechnet 150.000&#xA0;Euro angewachsen. Er verdingte sich als Taxifahrer, Wachmann, im Supermarkt. Dort lernte er die Realitäten dieser Jobs kennen&#xA0;– die Demütigung, an ­einer Kasse zu stehen und bei der Abrechnung beschissen zu werden. Zuletzt arbeitete er in einem Callcenter. </p>
<p>Viele Menschen, denen er begegnete, glaubten ihm die Not nicht, sondern witterten versteckte Kameras. Jemand aus der Fernsehwelt konnte einfach nicht so tief absteigen.</p>
<p>In einer Sache stand er noch einmal ein wenig in der Öffentlichkeit&#xA0;– Broś war der erste Pole, der Privatinsolvenz anmeldete, und einer der wenigen Schuldner, der öffentlich dazu stand, einer zu sein. </p>
<p>Dabei sind es viele: Über zwei Millionen Polen haben mittlerweile Schwierigkeiten, geliehenes Geld zurückzahlen. Das Volumen der rückständigen Kredite ist innerhalb von zwei Jahren von rund drei Milliarden Euro&#xA0;(2009) auf acht Milliarden angewachsen.</p>
<p>Schuldner in Polen können seit zwei Jahren Privatinsolvenz anmelden. Doch die Prozedur gilt als eine der komplexesten und restriktivsten in Europa, so die Zeitung »Gazeta ­Wyborcza«. Darum haben angeblich bislang nur zwanzig Polen die Privatinsolvenz durchsetzen können.</p>
<p>Weitaus sichtbarer als die Hilfsangebote ist landauf landab die Verführung: Spots, in denen Konsum-Kredite wie Schokoriegel angeboten werden, dominieren noch immer die TV-Reklame. Es wird Schnelligkeit und Unkompliziertheit versprochen, wenn auch die Banken mit der Kreditvergabe nun etwas vorsichtiger agieren.</p>
<p>Tadeusz Broś, der Kredite mit Krediten bezahlte, gab auch der Werbung eine Teilschuld an seinem Schicksal, ein sogenannter »Lebenslänglicher« zu sein: »Nur der Tod«, meinte er letztes Jahr, »macht ein Ende mit meiner Verschuldung.« Vor wenigen Wochen hat sich seine Ahnung erfüllt.</p>
<p><em>Jens Mattern</em></p>
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