Streit um Fliege

26. August 2011 von redaktionguh  
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Scharfe Kritik an dem früheren »Fernsehpfarrer«.

 
Mit immer absonderlicheren Äußerungen zum christlichen Glauben macht der ehemalige Fernsehpfarrer Jürgen Fliege von sich reden. Nachdem der evangelische Theologe wegen eines von ihm vertriebenen »Weihwassers«, der sogenannten »Fliege-Essenz«, in die Kritik von Medien und Sektenexperten geraten war, griff er in der Fernsehsendung »RTL exclusiv weekend« die biblischen Texte zur Wiederkunft Christi an: Dass eines Tages die Welt untergehe und einer vom Himmel komme, sei schlimmer, als alles, was die Scientologen sich ausgedacht hätten, so Fliege.

Zuvor hatte die frühere Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta Jürgen Fliege vorgeworfen, sich immer stärker der Esoterik zuzuwenden und mit Scientologen zusammenzuarbeiten. Bei dem von ihm seit mehreren Jahren im bayerischen Bad Wörishofen veranstalteten »Flieges Wörishofener Herbst« treten Geistheiler und Schamanen auf.

In der vergangenen Woche war Jürgen Fliege nun vor allem wegen seiner »Fliege-Essenz« in Kritik geraten. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit, die Fliege während des Produktionsvorgangs gesegnet haben soll. »Ich lege meine Hände auf die Maschine, in der die Essenz hergestellt wird. Ich spreche das Vaterunser und 1. Korinther 13«, sagte Jürgen Fliege gegenüber der »Bild am Sonntag«. »Sie soll ein Segen sein«, so Fliege über die Essenz.

Scharfe Kritik an dieser Praxis äußerte etwa der Vorsitzende der EKD-Kammer für Theologie, der frühere Rektor der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies: »Offenbar ist Fliege nicht klar, dass wir in der evangelischen Kirche Menschen den Segen Gottes zusprechen, aber nicht wie Wundermänner irgendwelche Kräfte und Emotionen in materielle Objekte senden«, sagte Markschies dieser Zeitung. Fliege handele ganz sicher nicht wie ein evangelischer Pfarrer.

Eine andere Linie scheint dagegen der als rheinischer Präses auch für den Ruhestandspfarrer Jürgen Fliege zuständige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider zu verfolgten: Gemäß ­einem im Juli veröffentlichten ­Kongressprogramm für den von Fliege veranstalteten »Wörishofener Herbst«, sollte Schneider dort als Referent auftreten.

Während die EKD dieses zunächst energisch ­dementierte, veröffentlichte Jürgen Fliege am 10. August per Pressemitteilung Auszüge eines Schreibens des EKD-Ratsvorsitzenden. Schneider habe demnach sehr wohl vorgehabt, den Kongress zu besuchen, aber wegen eines Terminproblems mit der Verleihung der Luthermedaille werde daraus nichts.

Außerdem habe er seinen Pressesprecher angewiesen, »dass ich bei aller schwierigen Vergangenheit einen respektvollen Ton der EKD Dir gegenüber wünsche. Und er weiß auch, dass ich zu Dir stehe.« Das zeugt von einer Vertraulichkeit zwischen Schneider und Fliege, die wohl aus der gemeinsamen Vikariatszeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland resultiert.

Gleichzeitig jedoch legt es den Gedanken der persönlichen Befangenheit des Ratsvorsitzenden nahe: So wie schon in der Frage der Präimplantationsdiagnostik (PID) scheint der menschlich-persönliche Zugang Schneiders zu Betroffenen entscheidend für seine Urteilsbildung zu sein.

Benjamin Lassiwe