Verkündigung – künstlerisch und frech

15. April 2018 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Vielseitig: Um das Evangelium unter die Leute zu bringen, so, dass es berührt, setzt er seine Talente ein. Er ist promovierter Theologe, Schriftsteller, Musiker, Kabarettist: der Autor unseres Glaubenskurses zu den kirch­lichen Festen, Fabian Vogt.

Nach dem Abitur hätte ich am liebsten ein Studium generale begonnen, weil mich so Vieles gleichzeitig interessierte«, erzählt Fabian Vogt, Jahrgang 1967. Er entscheidet sich für Theologie, Germanistik, Gesang und Theaterwissenschaften. Nach dem Studium arbeitet er freiberuflich als Künstler, findet aber ziemlich schnell den Weg in die Kirche. Bei einem Konzert lernt er einen Pfarrer kennen, der von den frischen Ideen des Künstlers begeistert ist. »Was du machst, das brauchen wir in der Kirche«, spornt der Pfarrer ihn an. Vogt ist angetan von den »Visionen« des Theologen und absolviert in dessen Gemeinde in der Nähe von Frankfurt am Main das Vikariat. Es wird zu einer Spielwiese für neue Gottesdienste. Um herauszufinden, welche Themen die Gottesdienstbesucher interessieren, entwickelt Vogt ein mehrstufiges System. Im Oktober fragt er, welche Themen im Gottesdienst behandelt werden sollten. Mehr als 100 Vorschläge gehen ein: Gibt es Gott? Wie sollen wir mit Gentechnik umgehen? Ehekrise, Kindererziehung, Burnout, Selbstmord.

Lebensfragen im Gottesdienst erörtern

Aus den Anregungen wählt Vogt gemeinsam mit einem Team 20 Themen aus und fragt die Gottesdienstbesucher erneut, welche sie als die zehn wichtigsten ansehen. So entsteht das Programm für das folgende Jahr. Zehn Themen für zehn Gottesdienste. Diese finden nicht in der Kirche, sondern in einem großen Kino statt. Hier übergeben die Besucher jeweils ihre Fragen anonym auf einem Zettel dem Prediger, »der im Kreuzverhör darauf reagiert«. Kein leichtes Unterfangen. Vogt macht dabei gute Erfahrungen. »Die Menschen erleben den Pfarrer als einen, der wie sie auf der Suche ist.« Das Konzept geht auf. Nach etwa zwei Jahren Laufzeit kommen mehrere hundert Leute in die Gottesdienste. Für Fabian Vogt wird eine Sonderstelle für neue Gottesdienstformen eingerichtet. Zehn Jahre erfüllt er diese Aufgabe.

Dann ist für Vogt und seine Frau – sie ist auch Pfarrerin – Zeit, nach neuen Ufern auszuschauen. Funktioniert das bisherige Gottesdienstkonzept auch in einer bodenständigen landeskirchlichen Gemeinde?, fragt sich das Theologenehepaar. »Meine Frau und ich meinten, dass das so ist«, sagt Vogt. Gemeinsam übernehmen sie eine Gemeinde in Oberstetten, einem Stadtteil von Oberursel. Hier geht es mehr um die Stärkung der Ortsgemeinde, weniger um die regionale Ausstrahlung. Die Menschen sollten spüren, dass Glauben begeistern könne, so das Anliegen des Theologen. Um die Gemeinde in das Geschehen einzubeziehen, nahe an ihren Themen zu sein, entwickeln die Vogts ein rotierendes Gottesdienstsystem. An einem Sonntag wird zu einem klassischen Gottesdienst mit Orgelmusik und traditioneller Liturgie eingeladen. Am selben Tag abends gibt es noch einen modernen Jugendgottesdienst. Am nächsten Sonntag ist die Liturgie etwas freier gestaltet als im traditionellen Gottesdienst. Am darauffolgenden Sonntag steht ein Familiengottesdienst auf dem Programm. Und in der nächsten Woche geht es ganz modern zu, die Band spielt, der Pfarrer trägt keinen Talar. Der Abend wiederum ist einer »hochliturgischen Abendfeier« gewidmet. Vogt blickt nicht ohne Stolz auf das gelungene Projekt zurück. »Als wir kamen«, erinnert er sich, »war die Kirche leer. Als wir gingen, war sie voll. Das ist toll!«

Der Segensroboter auf der Weltausstellung

»Wir haben erreicht, was wir wollten«, habe seine Frau nach einiger Zeit gesagt und nach einer neuen Herausforderung gesucht. Fabian Vogt findet sie für zweieinhalb Jahre als Projektleiter für das Reformationsjubiläum in Hessen. Seit mit dem Ende des Jubiläums diese Stelle ausgelaufen ist, arbeitet er als Eventmanager für die hessische Kirche, entwickelte große Kommunikationskonzepte für öffentliche Feste wie den Rheinland-Pfalz-Tag und den Hessentag. Derzeit beschäftigt ihn der 500. Jahrestag des Reichstages zu Worms 2021. »Wie können Glaubensfragen künstlerisch und theologisch so elementarisiert werden, dass sie für Leute verständlich sind, die keinen Back­ground mitbringen?«, überlegt er.

Bei seinem Anliegen, theologische Fragen niederschwellig in der Gesellschaft zu etablieren, kommen ihm zuweilen auch verrückte Ideen. Der Segensroboter »BlessU-2«, den die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zum Reformationsjubiläum auf der Weltausstellung in Wittenberg präsentierte, ist Vogts Idee. Gemeinsam mit einem Team entwickelte er die Installation, die in Wittenberg für Furore sorgte. Der Roboter kommunizierte in sieben Sprachen mit den Gästen per Bildschirm und sprach ihnen auf Wunsch ein Segenswort zu. Der Segensroboter fand nicht nur ein positives Echo, sondern ärgerte auch, bis hin zu dem Vorwurf der Blasphemie. »Natürlich geht es nicht darum, auf Dauer Pfarrer durch Roboter zu ersetzen«, hält Vogt dagegen. Für ihn ist die Konstruktion eine künstlerisch freche Auseinandersetzung mit dem Glauben, die zum Nachdenken über den Segen anregt.

Die faszinierende Dimension des Glaubens

Der christliche Glaube wurde Fabian Vogt nicht in die Wiege gelegt. »Meine Eltern interessierten sich nicht dafür.« In der kirchlichen Jugendarbeit begreift er, dass das Evangelium eine Dimension des Lebens betrifft, die ihn fasziniert und neugierig macht. »Ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich ohne Gott, ohne Glauben nicht leben will. In der Kirche habe ich etwas gefunden, was ich nirgendwo anders gefunden habe.« Dass der Mensch wertvoll ist! Es sei ein Unterschied, ob man sich diese Gewissheit selbst erarbeiten müsse oder glauben könne, dass es einen Gott gibt, der einem zuspricht, »dass ich geliebt und gewollt bin. Das fand ich eine heilsame und beglückende Erfahrung.«

Die gibt er weiter mit seinen vielseitigen Talenten. Als Allrounder für den Glauben. Sein neuestes Werk ist ein Handbuch der christlichen Feste. In diesem beschreibt er die kirchlichen Feiertage und erklärt, warum sie eine Schule für Lebenskunst sind.

Sabine Kuschel

Vogt, Fabian: Feier die Tage. Das kleine Handbuch der christlichen Feste, Evangelische Verlagsanstalt, 144 S., ISBN 978-3-374-05309-4, 10,00 Euro


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