Jeder ist schön

6. Februar 2018 von Gemeinsame Redaktion  
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Im Friseursalon: Er frisierte die schönsten Frauen der Welt: Topmodels wie Claudia Schiffer, Heidi Klum oder Naomi Campbell und Filmlegenden wie Marlene Dietrich, Romy Schneider oder Hildegard Knef. Deutschlands Star-Coiffeur Udo Walz über Schönheit.

Herr Walz, welche war die schönste Person, die Sie jemals frisiert haben?
Walz:
Die schönste … (überlegt). Die berühmteste war Marlene Dietrich. Ich finde, Schönheit ist immer Geschmackssache. Ich fand sie alle schön. Ich kann das nicht beurteilen, wer wirklich die Schönste war.

Aber das Äußere ist doch das Erste, was man von einem Menschen sieht.
Walz:
Schönheit kommt immer von innen heraus. Das hat bei mir etwas mit Allure zu tun, also mit der Ausstrahlung. Wie eine Frau sich bewegt, wie sie geht, wie sie redet, wie sie gestikuliert.

Sie machen ja auch Angela Merkel die Haare. Viele sagen, dass sie heute als Bundeskanzlerin deutlich besser aussieht und nicht mehr wie die graue Maus von früher. Wie kommt das?
Walz:
Na ja, die hat ja früher eine scheußliche Prinz-Eisenherz-Frisur gehabt. Dann kam sie zu mir, und wir haben das langsam verändert. Frau Merkel hat viel Witz. Und wenn sie lacht, dieses strahlende Lachen – leider lacht sie viel zu wenig –, sieht sie irre gut aus. Das ist hervorragend, und dann dazu die Haare gestuft … Eigentlich müsste ich dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Warum spielen die Haare so eine große Rolle, wenn wir von Schönheit reden?
Walz:
Sie sind wie ein Markenzeichen. Catherine Deneuve zum Beispiel hat sich einmal die Haare abschneiden lassen und dann von allen Seiten einen Shitstorm bekommen. Die Haare drücken einen Stempel auf. Berühmten Persönlichkeiten gibt es einen Aufmerksamkeits- und Wiedererkennungswert. Die meisten Menschen tragen solange sie leben fast immer dieselbe Frisur.

Ihre Autobiografie trägt den Titel »Jede Frau ist schön«.
Walz:
Wenn sie den richtigen Friseur hat, den richtigen Stylisten und den richtigen Make-up-Artist, kann man aus jedem hässlichen Entlein einen schönen Schwan machen.

Ich brauche also immer einen Stylisten, Make-up-Artist und Friseur, um schön zu sein?
Walz:
Ja klar.

Das kann sich doch nicht jeder leisten.
Walz:
Das ist keine Frage des Geldbeutels. Das hat mit sich leisten nichts zu tun. Das ist einem in die Wiege gelegt. Es geht um Geschmack. Das hat mit Erziehung zu tun, wie man aufwächst. Wenn man Geschmack hat und sich richtig anzieht, einmal im Vierteljahr zum Friseur geht, ist das doch nicht teuer.

Die Vorstellungen von Schönheit ändern sich immer wieder. In den 90er-Jahren galten zum Beispiel Magermodels als besonders schön. Heute geht der Trend eher zu runderen Formen.
Walz:
Das Schönheitsideal verändert sich nicht, das macht oft die Presse. Frauen, die dünn sind, sind immer gefragt. Sie müssen nicht mager sein. Aber wenn man sagt, dass nun dickere Frauen gefragt sind, ist das völliger Quatsch. Auf den Laufstegen sind die Mädchen immer dünn.

Sie sagten doch, dass die Schönheit von innen kommt. Kann nicht dann auch ein korpulenter Mensch schön sein?
Walz:
Ein korpulenter Mensch kann schön sein. Ich habe viele Kundinnen, die ein bisschen dicker sind und viel Charme haben. Es kommt immer auf die Bewegungen an. Eine dicke Frau kann genauso gut aussehen. Man muss eben selbstsicher auftreten, wenn man dicker ist.

Udo Walz: Es gibt keine hässlichen Menschen. Foto: Ali Kepenick

Udo Walz: Es gibt keine hässlichen Menschen. Foto: Ali Kepenick

Wir reden jetzt immer von Frauen. Trifft dasselbe auch auf Männer zu?

Walz: Das trifft auf Männer genauso zu.

Besonders bei Männern wird Schönheit oft mit Eitelkeit in Verbindung gebracht. Prominentes Beispiel: Vor 15 Jahren waren Sie in die Haarfärbe- Affäre des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder verwickelt. Schröder drohte, notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht zu gehen, damit die Medien nicht weiterhin verbreiteten, er habe seine Haare gefärbt.
Walz:
Ich musste zweimal eine einstweilige Verfügung unterschreiben, dass ich ihm die Haare nicht gefärbt habe. Aber es gibt viele Männer, die haben mit 70 Jahren noch keine grauen Haare. Bei einem Mann sieht das lächerlich aus, wenn er die Haare färbt. Das macht nur älter. George Clooney zum Beispiel hat ja graue Haare – und alle wollen so aussehen wie er.

Was können Sie all jenen als Ratschlag mitgeben, denen die eigene Schönheit wichtig ist?
Walz:
Schönheit hat viel mit Gepflegtsein zu tun. Ein Mann muss den richtigen Haarschnitt haben, gut gekleidet sein. Eine Frau muss einen sexy Gang haben – auch wenn sie dicker ist. Grundsätzlich gibt es aber keine hässlichen Menschen, jeder ist schön.

Die Fragen stellt Nadja A. Mayer

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