Der Bibelwochen-Pfarrer von Dröbischau

29. Januar 2018 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Von Januar bis März: Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Karl-Helmut Hassenstein zu Gemeindeabenden unterwegs

Karl-Helmut Hassenstein, Oberpfarrer im Ruhestand, sitzt auf der Couch in seinem Wohnzimmer in Dröbischau (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) und liest im aktuellen Bibelwochenheft. Eine Lektüre, die ihn bereits seit 50 Jahren begleitet. Hassenstein ist ein Pfarrer vom »alten Schlag«. Auch mit 76 Jahren springt er noch vertretungsweise ein, wenn die Kollegen aus der Umgebung im Urlaub oder krank sind. Dabei kann er auf seine Erfahrungen aus der aktiven Zeit im kirchlichen Dienst bauen.

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50 Jahre Bibelwoche: Karl-Helmut Hassenstein mit dem aktuellen Begleitheft zur Ökumenischen Bibelwoche. Foto: Andreas Abendroth

Nach seinem Theologiestudium in Jena wurde ihm seine erste Pfarrstelle in Probstzella – also im damaligen Sperrgebiet an der Grenze – zugeteilt. Hier leitete er mit Unterstützung seiner Frau Gesine als Katechetin die Geschicke und die Menschen der Kirchengemeinde.

»Nicht immer eine einfache Aufgabe«, erinnert sich der Pfarrer. 1976 dann der Wechsel raus aus dem Sperrgebiet in das rund 40 Kilometer entfernte Allendorf. Die Pfarrstelle hier sollte für drei Jahrzehnte – bis zum Eintritt in den Ruhestand – die Heimat für Familie Hassenstein werden. Neben der Arbeit als Gemeindepfarrer brachte sich Karl-Helmut Hassenstein seit den 70er-Jahren aktiv als Vertreter der Thüringer Landeskirche bei der Bibelwochenarbeit ein. »Sehr interessant waren immer die alljährlichen Bibelwochenkonferenzen.

Diese fanden bis zur Wende als gesamtdeutsche Arbeitsgemeinschaft in Ostberlin, danach an wechselnden Orten in Deutschland und im benachbarten Ausland statt«, so Hassenstein. Rund 50 Mal nahm er daran teil, half bei der Ausarbeitung der sieben Texte aus der Bibel. »Die Bibelwoche erwies sich immer wieder als ein Band der Einheit im Rahmen der Ökumene.«

Früher konnten die Thüringer Bibelwochenhefte nur mit einer Genehmigung der Sowjetischen Militäradministration gedruckt werden. Sie enthielten die biblischen Texte. Später kamen noch die Auslegungen der Bibelwochenkonferenz dazu. »Der DDR-Staat versuchte immer wieder einen Keil in die Vorbereitungsarbeiten zu den Bibelwochen zu treiben. Wir hatten uns bereits eine Liste mit Wörtern und Begriffen angelegt, die man meiden sollte«, erinnert sich Hassenstein. Das Bibelwochenheft war damals sehr begehrt und erschien in einer Auflage von 80 000 Exemplaren.

Die Bibelabende haben unterschiedliche Gesellschaftsformen überlebt. Die erste Bibelwoche dieser Art gab es übrigens 1935 in Karlsruhe. Bis heute hat sich an der Ausrichtung nichts geändert: »Die Vorgabe ist, dass alle biblischen Bücher behandelt werden. Jedes Jahr erschließen sieben Texte aus der Bibel ein eigenes Themenfeld. Sie laden dazu ein, in die Welt der Bibel einzutauchen, sich mit dem Reichtum der Bibeltexte zu beschäftigen, Verborgenes zu entdecken«, so Hassenstein.

Und so ist der pensionierte Oberpfarrer auch in diesem Jahr wieder anlässlich der Bibelwoche in der Region unterwegs.

Andreas Abendroth

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