Der ewigen Dürre trotzen

1. Januar 2018 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Im Blickpunkt

Wassernotstand: Die Region nördlich und östlich des Mount Kenya ist durch große Trockenheit geprägt. Viele Frauen verbringen mehrere Stunden am Tag damit, Wasser aus weit entfernten Quellen zu holen. Der Entwicklungsdienst der Anglikanischen Kirche verschafft den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser – und setzt dabei auch auf unkonven­tionelle Methoden.

Mit verschränkten Armen steht Agnes Irima vor der Wasserstelle und schaut zu, wie das klare Wasser aus dem Hahn in ihren gelben Kanister sprudelt. Seitdem der Entwicklungsdienst der Anglikanischen Kirche in Kenia (Anglican Development Service, ADS) mit Unterstützung von Brot für die Welt in ihrem Dorf Gichunguri eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser aufgebaut hat, braucht die 44-Jährige sich nicht mehr zu sorgen. »Früher hatte ich immer Angst, zu wenig Wasser für meine Familie zu haben.«

Ideenreich: Mit einer Rinne um einen Felsen und einen Tank sammeln Agnes Irima und die Dorfbewohner von Gichunguri am Mount Kenia Regenwasser. So haben sie auch in Dürrezeiten Trinkwasser. Fotos: Jörg Böthling/Brot für die Welt

Ideenreich: Mit einer Rinne um einen Felsen und einen Tank sammeln Agnes Irima und die Dorfbewohner von Gichunguri am Mount Kenia Regenwasser. So haben sie auch in Dürrezeiten Trinkwasser. Fotos: Jörg Böthling/Brot für die Welt

Um einen Felsen in der Größe eines Mehrfamilienhauses am Berghang hat eine lokale Baufirma aus Steinen eine Rinne gemauert. Bei Regen leitet diese das Wasser, das auf die Oberfläche prasselt, in einen Behälter aus Beton, in dem sich Sand und Steine absetzen. Von da aus fließt es in einen 75 Kubikmetergroßen Tank. Dieser speist die Wasserstelle am Fuße des Berges, an der Agnes Irima und die anderen Dorfbewohnerinnen jeden Morgen ihr Wasser holen. Nur wenige Tage Regen genügen, um den großen Tank zu füllen.

Tägliches Energiegetränk

Der Tank liegt nur ein paar hundert Meter von Agnes Irimas Haus entfernt. Früher musste sie fast sieben Kilometer weit laufen, um an Wasser zu kommen. Fünf Stunden am Tag war die Kleinbäuerin damals mit der Beschaffung des Wassers beschäftigt.

Zusammen mit anderen Frauen aus dem Dorf machte sie sich morgens um drei Uhr auf den Weg. Immer hatten sie Angst, nach dem anstrengenden Marsch kein Wasser mehr vorzufinden. Außerhalb der Regenzeit sind viele Flüsse am Mount Kenya ausgetrocknet. Die Menschen graben dann Löcher in das Flussbett, in denen Wasser zusammenläuft. »Ich musste es mühsam mit einer Schöpfkelle herausholen«, so Irima.

Doch das war nicht das einzige Problem: Das Wasser in diesen Löchern ist schmutzig, unter anderem, weil sich auch Tiere an ihnen bedienen. »Wir hatten Probleme mit Würmern, erkrankten an der Amöbenruhr, besonders die Kinder litten häufig an Durchfall«, erinnert sie sich.

Mehr als dreißig Liter Wasser konnte Agnes Irima nicht transportieren. Damit musste die Großfamilie einen Tag lang auskommen – das Waschen von Geschirr und Wäsche inklusive. Alle tranken zu wenig, hatten Kopfschmerzen und fühlten sich schwach. Heute trinken Agnes Irima und ihre Familie mindestens doppelt so viel. Nicht dass sie Wasser im Überfluss hätten. Für jeden Kanister bezahlen sie umgerechnet fünfzig Eurocent. So werden Instandhaltung und Ausbau der Wasserversorgung finanziert. Trotzdem ist immer genug da. »Wir fühlen uns gesund und kräftig, und die Kinder kommen gut in der Schule mit«, sagt Irima.

Seitdem sie sich nicht mehr die Hälfte des Tages um die Beschaffung von Wasser kümmern muss, hat Agnes Irima mehr Zeit für die Landwirtschaft. Auf ihrem kleinen Stück Land baut die Familie Mais, Gemüse und Obst an. Fast alles verbrauchen sie selbst.

Mehr Zeit für die Landwirtschaft

In der letzten Regenzeit von Oktober bis Dezember hat es jedoch nur wenige Tage geregnet. Die Maisernte fällt daher für die meisten Bauern aus. Dürrekatastrophen treten aufgrund des Klimawandels immer häufiger auf. Damit das Trinkwassersystem trotzdem genug für alle Dorfbewohner bereitstellt, baut ADS gerade zwei weitere Tanks. Wenn diese fertig sind, soll auch die Dorfschule sich daraus versorgen können. Zurzeit müssen die Schülerinnen und Schüler mit zwei Bechern Wasser pro Tag auskommen.

Agnes freut sich darüber, auch wegen ihrer Enkelin Peace Celille: »Ich bin sehr glücklich, dass meine Enkelin es besser hat.« Den täglichen Gang mit dem Kanister zur Wasserstelle nimmt sie dafür gerne in Kauf. Zumal er jetzt nur noch wenige Minuten dauert.

Klaus Sieg

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