Die »große Konjunktion« am Himmel

17. Dezember 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Weihnachtssymbol: Was es mit dem Stern von Bethlehem auf sich hat

In den biblischen Weihnachtsgeschichten werden die Weisen aus dem Morgenland von einem strahlenden Stern nach Betlehem zum neugeborenen König der Juden geführt. Wenn man genau hinschaut, spielt der Stern aber nur eine kleine Rolle am Rand, eine eher symbolische. In der christlich geprägten Kultur gilt er freilich bis heute als ein zentrales Weihnachtslogo. Der leuchtende Himmel über der Krippe signalisiert, dass sich damals in Betlehem etwas Weltbewegendes abgespielt hat, etwas, das den Kosmos und die Geschichte veränderte.

Der Evangelist Matthäus erzählt von sternkundigen Magiern aus dem Orient, die plötzlich in Jerusalem auftauchen, nach einem neugeborenen König fragen und damit für Verwirrung sorgen. Der Thron des kleinen Königreichs Judäa ist ja besetzt, von dem ziemlich fähigen Politstrategen und Städtegründer Herodes.

Wer sind diese Magier überhaupt gewesen? »Weise Männer« heißen sie in den einen Bibelübersetzungen, »Sterndeuter« in anderen. Der Begriff »Magier« bezeichnete damals oft einen persischen Priester oder Prinzenerzieher – mit Geheimwissen ausgestattet und in heiligen Offenbarungen bewandert. Bibelwissenschaftler sehen die Sternkundigen eher in Babylon beheimatet, denn dort gab es vitale jüdische Exilgemeinden, und in Babylon blühte die Astrologie. Dass es drei Magier gewesen seien oder dass es sich um Könige gehandelt habe, wie unsere Krippendarstellungen vermuten lassen, davon steht kein Wort in der Bibel.

Von kostbaren Geschenken ist freilich die Rede – und ist nicht auch das Kind in der Krippe ein zukünftiger König? »Völker wandern zu deinem Licht«, kündigen uralte biblische Prophezeiungen an, »und Könige zu deinem strahlenden Glanz.« Historisch betrachtet, klingt die Geschichte von den Magiern, ihrer sehnsüchtigen Suche nach dem Christuskind und der panischen Reaktion des Jerusalemer Königshofes ziemlich unwahrscheinlich.

Was wollten die frühchristlichen Gemeinden, in denen die Geschichte von den Sterndeutern entstand und weitererzählt wurde, eigentlich sagen? Nicht die Umstände der Geburt Jesu hätten sie interessiert, erläutern die Bibelexperten, sondern der Trost für das geknechtete Volk Israel und die Christusverkündigung: Schon das Kind in der Krippe sollte als Friedenskönig und Erlöser vorgestellt werden. Matthäus habe zusätzlich die verachteten Heiden aufwerten wollen: Wie man an den Sternkundigen sehen kann, suchen auch die Heiden die Wahrheit und werden von Gott geleitet.

Vor allem aber folgt die Geschichte dem beliebten antiken Erzählmuster von der wundersamen Rettung gefährdeter und verfolgter Königskinder: Augustus, Alexander der Große, Kyrus, Mose – immer dieselbe Legende von einem, um seinen Thron fürchtenden, blutige Gewalt ausübenden Machthaber und von himmlischen Mächten, die solche Pläne durchkreuzen und den künftigen Herrscher vor dem Tod bewahren. Dazu kommt das Motiv des Sterns – in der Antike ein allgemein verständliches Symbol, um königliche Ansprüche anzuzeigen. Mit der Geburt eines großen Menschen erscheint ein neuer Stern am Himmel.

Theologen der frühen Kirche, aber auch Naturwissenschaftler späterer Jahrhunderte hielten den mit Jesu Geburt verbundenen Stern allerdings nicht nur für ein sprechendes mythisches Symbol, sondern für ein ganz reales Himmelsphänomen. Ein auffallender Komet mit weithin leuchtendem Schweif – wie er auf künstlerischen Darstellungen der Geburt Jesu gern zu sehen ist – kann das nicht gewesen sein: Wäre tatsächlich so ein Riesenstern am Himmel erschienen, dann hätte Herodes nicht heimlich die Magier nach dem Zeitpunkt seines Auftretens fragen müssen. Wenn überhaupt, so muss es sich um ein weniger spektakuläres Ereignis gehandelt haben, das nur die Experten wahrnehmen und deuten konnten.

Eine gewisse Plausibilität könnte die sogenannte große Konjunktion der Planeten Jupiter, Saturn und Mars im Sternbild Fische beanspruchen, die um das Jahr 7 oder 6 vor Christus dreimal nacheinander auftrat und erstmals von Johannes Kepler exakt berechnet wurde. Dreimal begegneten sich die Planeten: Saturn auf der äußersten Bahn um die Sonne laufend, Jupiter auf einer mittleren und die Erde auf der Innenbahn. Im Sportstadion ist ein Läufer auf der Innenbahn zwangsläufig schneller als sein Rivale auf der Außenbahn. So ist es auch am Himmel: Die Erde läuft schneller als Jupiter und beide sind schneller als Saturn, deshalb kommt es von Zeit zu Zeit zu Begegnungen, bei denen alle drei Planeten eine Zeit lang auf einer Linie mit Sonne und Mond stehen. Das hätte dann von der Erde aus so ausgesehen, als ob ein mächtig strahlender Stern stundenlang am Himmel still stünde.

Was wenig mit unserem Weihnachtsdatum zu tun hat, aber den Geburtstag Jesu kennt kein Mensch und das Weihnachtsfest verdankt sich vermutlich einem Versuch des Kaisers Konstantin, ein altes Fest des Sonnengottes christlich zu besetzen. »Geburt der neuen Sonne« soll er es genannt haben. Inwieweit die »große Konjunktion« am Sternenhimmel von der Erde aus überhaupt wahrgenommen werden konnte, warum das gerade in Betlehem so deutlich der Fall gewesen sein soll und ob die einander begegnenden Planeten wirklich als ein gewaltiger Stern erschienen, darüber zerbrechen sich Astronomen bis heute die Köpfe.

Das sind interessante Spekulationen. Es kann so gewesen sein – oder auch nicht. Auch hier wieder ist der Symbolwert wichtiger als die Frage, ob das alles wirklich so stattgefunden hat. Jupiter galt in der antiken Mythologie als Königsstern und als Attribut der höchsten Gottheit Babylons, Saturn hingegen als kosmischer Repräsentant des jüdischen Volkes. Das heißt, in dieser seltenen Planetenkonstellation liefen alle Hoffnungen einer verzweifelten Welt auf die Geburt des wahren Königs und Retters wie in einem Brennspiegel zusammen. Vor allem für Palästina konnte man die Sensation am Himmel als Glücksbotschaft interpretieren.

Was allerdings zu jener Zeit noch niemand ahnen konnte: Die Zeichen am Himmel kündigten eine wahre Revolution auf der Erde an, eine Umwälzung aller gängigen Begriffe: Das schutzlose, in einem erbärmlichen Stall geborene, von Herodes verfolgte »Sternenkind« von Betlehem stellt die bisher geltenden Vorstellungen von Macht und Herrschaft auf den Kopf.

Herodes hat seine Soldaten und Waffenarsenale – aber über die Herzen und Hirne hat er keine Macht, und am Ende bleibt ihm nur die Einsamkeit und die nagende Angst vor Rivalen und Aufständen. Der kleine König in seiner armseligen Krippe besitzt keine Bataillone und Trutzburgen, aber er hat die Macht der Liebe und Gott auf seiner Seite. Von nun an ist das Zeichen Gottes nicht mehr Pracht und Herrlichkeit und Erfolg, sondern das ungeschützte, offene Herz der Armen.

Die Liebe wird das Sternenkind von Betlehem ans Kreuz bringen, aber die Macht dieser Liebe überdauert den Tod. Passion und Tod symbolisiert die kostbare Myrrhe, die einer der Magier dem Jesuskind darbringt und die in der Antike als Parfum und Aphrodisiakum verwendet wurde, aber auch zur Einbalsamierung von Leichen.

Christian Feldmann

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