Brautwerbung um die schöne Rebekka

22. August 2017 von Gemeinsame Redaktion  
Abgelegt unter Glaube und Alltag

Bibel: Eine allzu menschliche Geschichte von Liebe und Betrug, Bruderzwist und Rache

Die schöne Rebekka war die Frau des biblischen Patriarchen Isaak, also die Schwiegertochter Abrahams, und die Mutter von Esau und Jakob. Der Bericht darüber, wie sie Abrahams Gutsverwalter als Braut warb, gehört zu den poetischen Highlights der hebräischen Bibel. Wohl auch deshalb feiern die katholischen Christen heute noch am 30. August und die Orthodoxen am 21. August Rebekkas Namenstag.

Abraham will auf keinen Fall, dass sein Isaak eine einheimische Kanaaniterin – in Abrahams Augen sind das Götzenanbeter – heiratet. Deshalb schickt er den Vertrauten in seine mesopotamische Heimat zu seiner Verwandtschaft. Als der Verwalter dort am Brunnen vor der Stadt ankommt, ausgerüstet mit zehn Kamelen und »allerlei kostbaren Sachen«, mit denen sich ein Mädchen und dessen Vater betören lässt, schickt er ein Stoßgebet zum Himmel: »Herr, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Glück haben!«

Er hat Glück. Noch während des Gebets kommt die ebenso rassige wie liebenswürdige Rebekka zum Brunnen, steigt leichtfüßig zur Quelle hinab, füllt ihren Wasserkrug und gibt dem durstigen Reisenden zu trinken: »Auch für deine Kamele will ich schöpfen, bis sie sich satt getrunken haben.« Und er weiß sofort: Das ist die Richtige für Isaak.

Natürlich stimmt die Verwandtschaft der Brautwerbung zu (»Die Sache ist vom Herrn ausgegangen«). Doch wie das Buch Genesis weiter berichtet (in den Kapiteln 24 bis 27), warten Sorgen und Verwicklungen auf das Paar: Die Ehe bleibt zwanzig Jahre lang kinderlos, und als Rebekka dann doch schwanger wird, sind es Zwillinge, die ihr grausame Schmerzen bescheren, weil sie im Mutterleib einander stoßen und bekämpfen. Gott selbst gibt ihr die Erklärung: »Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Stämme trennen sich schon in deinem Schoß. Ein Stamm ist dem andern überlegen, der ältere muss dem jüngeren dienen.« (Genesis 25,23)

Tatsächlich wird der jüngere Zwilling, Jakob, zum Stammvater des Volkes Israel, Esau hingegen – von Jakob und Rebekka um den väterlichen Segen betrogen und um sein Erstgeburtsrecht, das er für das sprichwörtliche Linsengericht verkauft – zum Ahnherrn der Edomiter. Eine allzu menschliche Geschichte von Liebe und Betrug, Bruderzwist und Rache, aber auch ein Beweis dafür, dass die Bibel keine fromme Idealwelt im Auge hat, sondern die Realitäten des Menschenlebens kennt. Gott weiß, wie die Menschen sind, deshalb kann er ihnen so viel verzeihen, aber auch die Kräfte des Guten in ihnen herausfordern und sie verwandeln – wenn sie es zulassen.

Christian Feldmann

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